Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Leitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer AcNendruckere», Fulda

M 202.

Samstag, ven 1. September 1928.

Wo ist die Jugend?

Recht beachtenswert ist ein in den „Deut­schen Stimmen" (Nr. 12), der volksparteiii- chen Halbmonatsschrift Stresemanns, erschienener Artikel. Hier die wichtigsten Stellen:

Wo sind die Vertreter der K r i e g s g e n e - r a t i o n der Frontkämpfer in den Parteien der Mitte geblieben? 3d) meine insbesondere die deutsche Ju­gend die den August 1914 in der ersten Frische und Begeisterung erlebt hat, fast Mann für Mann als Kriegsfreiwillige zu den Fahnen eilte und den Kampf in der Front von der Pike auf, als Kamerad unter Kameraden mitgemacht hat. Ihre Reihen waren im deutschen Parlament schon immer sehr licht. Und ge­rade die Parteien der Mitte, die um ihrer realpoliti­schen Tendenz willen erst recht genötigt sind, die Ver­bindung mit der werdenden und der nachdrängenden Generation zu pflegen, waren schon immer etwas spär­lich ausgestattet mit Vertretern dieser Generation. Ein Mick in die Handbücher ergibt, daß Parlamentarier der Mitte unter dem Alter von 40 Iahen fast ausgestor- ben sind. Der Faden zur Jugend, zum Nachwuchs, der das Urbild alles organischen Lebens und Werdens ist, droht abzureißen. Wo soll in Zukunft der Nachwuchs Herkommen, der die verantwortlichen Stellungen über­nimmt und zugleich neues Blut in die Adern der Par­teien hineingießt? Blutkreislauf ist das Element des Lebens und des Fortschritts.

Die meisten politischen Führer haben jung an- gefangen. Am chesten aber bedarf der Apparat des Parlamentarismus der ewigen Verjüngung, denn er ist ja zugleich die große Auslese-Organisation für die verantwortlichen Regenten der Nation. Ja, es ist ge­rade die Stärke dieses Systems, daß es den T rlcnten schon früh die Bahn frei macht zum öffentlichen Wir­ken. Wann haben die Führer des heutigen Europa an- gefangen? Poincare war mit 27 Jahren Abgeord­neter und mit 33 Jahren bereits Minister, B r i a n d ebenfalls im Alter von 27 Jahren Abgeordneter und etwas später mit 41 Jahren Minister: auch der heutige Präsident der Republik Doumergue war mit 30 Jahren Minister. Caillaux errang mit 25 Jahren das Abgeordnetenmandat und mit 36 Jahren das Mi- nffteramt. Das ist für Frankreich fast die Regel, und die Reihe ließe sich ohne weiteres über Elemenceau, Millerand, Diviani, Jean Iai-res, Jules Ferry, Thiers und Gambetta fortsetzen. Auch diesmal ist ins franzö- stsche Parlament rund die Hälfte der Abgeordneten neu eingezogen und darunter mehr als die Hälft« Jugend. Fast noch ausgeprägter ist die Altersauslese im eng­lischen Parlament. Der junge Chamberlain, der fetzige Außenminister, trat mit 29 Jahren ins Unter­haus ein, Lloyd George mit 27 Jahren, Churchill mit 26 Jahren und Lord Edward Grey begann sogar mit 23 Jahren seine parlamentarische Laufbahn. Und die eng­lische politische Tradition hat immer und bis auf den heutigen Tag darauf gehalten, frühzeitig die Jugend heranzulassen und ihr Gelegenheit zu bieten, sich die Sporen zu verdienen. Auch die großen Führer und Gründer des englischen Imperiums haben durch die Dank hindurch in jungen Jahren angefangen, einerlei, • ob es sich um Gladstone, Ford Beoconfield oder Sealis- bury handelt. Der alte Gladstone, der (neben Grey) mit feinen 23 Jahren des Parlamentseintritts wohl den Rekord der palamentarischen Frühreife hält, hat sich so­gar einmal zu dem Wort verstiegen, kein Mann, der das 40. Jahr überschritten habe, könne Anspruch ma­chen, im Parlament eine Rolle zu spielen. Er selbst hat seine eigene Impression allerdings dadurch wider­legt und Lügen gestraft, daß er als der „qrand old man" noch mit 80 Jahren und später als Steuer des britischen Reiches führte, genau so wie sein großer Zeitgenosse und Rivale D'sraeli, der im gleichen 2(1 ter sich mit ihm um dieses höchste Amt stritt. So ergän­zen sich in dem vorbildlichen System Englands Jugend­frische und Alterserfahrung zu einem organischen Sy­stem des ewigen Zyklus.

Das Ausbleiben der Jungwähler muß ver­hängnisvoll werden. Der Rhythmus der Genera­

tionen verlangt sein Recht und wird sich nicht un­gestraft überhören lassen.

Es hilft uns nichts, uns pessimistisch damit ab­zufinden, daß es die Folgewirkung des geltenden Wahlsystems sei, das bei Rückschlägen zuerst die nachrückenden Glieder der jungen Rekruten trifft — eine Wahlreform tut dringend not —, daß die Jugend zu sehr vom Sport eingenommen sei usw. Keine Partei vermag die Jugend zu ent­behren. Jede nimmt für sich die ewige Har­monie und Freundschaft mit der Jugend in An­spruch. Aber nur eine Partei, die auch durch ihre Männer und repräsentativen Köpfe die Brücke zur Jugend schlägt, wird Gefolgschaft und Anhän­gerschaft der Jugend gewinnen und behalten.

* wieviel Geld schicken Amerika-Auswanderer nach Europa? Zwischen 5 und 8 Millionen Dollar

llatholischer (Soitesbienft.

Sonntag. 2. September. Zulda. Dom. 1. Beicht­gelegenheiten sind: Samstag morgens von *46 Uhr ab; nachmittags von 2—3 für Kinder; von * l * * * */i5—7 Uhr und von *48 Uhr ab für Erwachsene; Sonntag morgens von

l'a6 Uhr ab. 2. Sonntagsgottesdienste: *46, 6, *4? und

7 Uhr hl. Messen mit Gelegenheit zum Empfang der bl.

Kommunion. 8 Uhr Pfarramt mit Predigt und Komm,

des Männerapostolates und der Kinder des 8. Sckul.

jahres. '410 Kathedralamt mit Predigt. ®411 Uhr

Christenl. für die Jünglinge. *412 Uhr letzte bl. Meße mit Predigt. Nacbm. *42 Uhr Andacht zum hl. Herzen Jesu. >/i3 Dankwallfahrt der Sodalitäten nachdem Frauenberg. Die zwei obersten Klaffen der Volksschulen nehmen an der Prozession teil. Um

7 Uhr abends ist die Andacht in der Marienkapelle. 3. Werktagsgottesdi enste: Jeden Morgen von *46—7 Uhr halbstündlich hl. Meffen mit Kommunion-Austeilung. *48 PfarrgotteSdienst mit HI. Kommunion. Um 9 Uhr letzte hl. Meffe mit Austeilung der hl. Kommunion. Montag abend *48 Uhr Andacht zu Ehren der hl. Schutzengel. — Stadtpfarrkirche. Beichtgelegenheiien: Samstag nachm. 3—7, 7Vi—87«, Sonntag früh 5’4—7 Ubr. Sonntags. Gottesdienste: 6 Ubr hl. Messe und Ansprache. 6’4 Uhr hl. Messe und Kommunion des Männerapostolates.

8 Uhr erster Schulgottesdienst, Predigt und Komm, des 8. Schuljahres. '410 Uhr Pfarramt mit Predigt. 11 zweiter Schulgottesdienst mit Predigt. 9'4 Christen!, für die Jünglinge in der Severikirche. 1'4 Christenl. für dre Jungfrauen. 2'4 Uhr Rosenkranzbruderschast. Die hl. Kommunion wird von 5’4—7'4 Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 8'4 und 9'4 Uhr. Werktagsgottesdienste: 6.6'4,7'4 und 8 Uhr. Mittwoch, Freitag u. Samstag v. 6 Uhr ab Gelegenheit zum Beichten. Freitag Nachmittag ist um 8 Uhr Segensandacht. — Pfarrkirche zum heiligen Seist. 7 Uhr Frühmesse und Ansprache, Kommunion des Männerapostolates 8 Uhr Hochamt und Predigt, Komm. deS 8. Schuljahres. *411 Kindergottesdienst und Ansprache. '»12 Christenl. der Jünglinge. 8 abends Andacht. Donnerstag nachm. von 5—*47 Beichtgelegenheit. Freitag früh *47—7 Beichte. 7 Uhr Herz - Jesu-Amt. Abends um 8 Uhr Andacht. An den Werktagen 6 Uhr und um 7*4 Uhr hl. Messe. Beichtgelegenheit jeden Morgen von *47 bis 7 Uhr und Samstag von 4—6 Uhr. Sonntag morgen 6—7 Uhr. — Sobalität Nachm. *43 Uhr Prozession vom Dom aus nach dem Frauenberg. An dieser Prozession beteiligt sich die Sobalität offiziell. Teilnahme ist Ehrenpflicht. — St stnrmiur - Pfarrkirche. 7'4 Kommun.» AuStlg. 7'4 Frühmeffe mit Pred. Kommunion der Männer. 9 Uhr Hochamt mit Pred. Danach Christenl. '42 Segensand — kldleikirche der Benediktinerinnen. Sonntags 6 Uhr Konventamt, 3 Uhr Vesper; werktags 6 stille Meffe, *49 Konventamt, 3 Vesper. — hrrz-Zesu-Hrim. 8 Uhr

wurden nach Ermittlungen des amerikanischen Handelsministeriums im letzten Jahr von Deut- s ch e n in den Vereinigten Staaten von Amerika hauptsächlich an Verwandte und Bekannte in der alten Heimat überwiesen. Diese Feststellung kenn- zeichnet eine der vielen wirtschaftlichen Auswirkun­gen der Auswanderung. Von amerikanischer Seite wird übrigens darauf hingewiesen, daß die neue Bestimmung, nach der die Zulassungsgesuche von Frauen und Müttern von bereits cingewanderten Personen bevorzugt zu behandeln sind, eine Ab­nahme der Geldsendungen herbeiführen dürfte. Insgesamt wurden im Jahre 1927 von Einwan­derern 241 Millionen Dollar aus den Vereinigten Staaten nach Europa und anderen Ländergebieten geschickt, während von ihnen in der gleichen Zett nur rund 35 Millionen Dollar in die Vereinigten Staaten eingeführt wurden.

Amt und Predigt. 2 Andacht und Segen. Werktags ist die hl. Meffe um 6. Mittwocb 8*4 Segensandacht. — friebf)O,stapelte am ZranzsseinvSIbchen Sonntag: 6*4 bl. Messe mit Ansprache und Kommunton - Anstellung. Werktags: 7 hl. Messe mit Kornmunion.Austeilung. — Seoerifttrtfie. 7 hl. Messe. 8 Oberrealschulgottesdienst — Sroxenberg. Hl. Messen von 5 bis 7 Uhr. Um 8 Uhr Singmeffe mit Predigt und liturn. Gebeten. 9 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachm. 3 Uhr nach Ankunft der großen Dankprozession ans dem Dom Predigt und An­dacht zur seligsten Jungfrau. (Die Prozession tmrd vom Konvent abgeholt und wieder zurückbegleitet. Die Klosterkirche bleibt für die Teilnehmer der Prozesyon reserviert). (Heute beginnt die Andacht der 5 Sonntage zu Ehren der Wundmale des hl. Vaters Franziskus mit jedesmaligem vollkomm. Ablaß unter den gewöhnlcchen Bedingungen).

Neuenberg. *49 Uhr Amt und Predigt. — Lehner;. *410 Uhr Amt und Predigt. — Dlelershan. S Uhr Amt und Predigt.

Freitag, 7. Septbr. Herz-Jesu-Freitag. traut«- berg. Aussetzung des Allerheiligsten von 5 Uhr morgens bis 5 Uhr abends zur Anbetung des göltl. Herzens Jesu. 9 Uhr Levitenamt. Nachm. 2 Uhr feierl. Vesper. 4 Uhr Schlußandacht mit Umgang.

Samstag, 8. Septbr. Frauenberg. Fest Mariä Geburt. Ablaßtag und Generalabsolution für die Ter. ziacen. 8 Uhr Levitenamt. Nachm. *45 Uhr feierliche Vesper mit kurzer Festandacht und sakram. Segen.

Schluß der Ottittenottav in Riesig.

Sonntag, den 2. September, früh 7 Uhr Beicht- gelegenheit. 9 Uhr Hochamt mit Predigt. *42 Uhr SegenSandacht. Nach dem Hochamt und der Andacht wird die Reliquie der hl. Ottilia aufgelegt

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, den 2. Septbr. Sulba. Vorm. 8 und 9'4 Uhr Pfarrer Hattendorff. 11 Uhr KindergolteSdienst. — Schloß Bieberstein. 9'4 Uhr Pfarrer Herrmann aus Mansbach. - Bab Salzschlirf. Um 10 Ubr KreiSpsarrer Weber. Amtswoche: Pfarrer Hattendorff.

Mittwoch, 5. Septbr. Sulba. Um 8 Uhr abends Bibelstunde (Schwesternhaus).

Lvangel. lanbeskirchl. »emeiufchaft $ulba, Buttlarstr. IT.

Sonntag. 2. Sepibr. Abends um 8 Uhr Bibelstunde. Herr Pfarrer Hattendorff wird uns mit dem Worte Gottes dienen. Dienstag abend 8'/« Uhr Bibel» und Gebetstunde. Jedermann ist herzlich eingeladen.

Gottesdienstordnum.

politische Betrachtungen

ZNM Thüringer Katholikentag in Weimar 1928.

Es gab eine Zeit — und sie liegt noch nicht l'A Jahr zehn hinter uns — da war die Einigkeit der deutchen Ka iholiken auch auf politischem Gebiet ein Gegenstand der Bewunderung für Freund und Feind. Eine Tatsache, an der auch die f»genannte „Deutsche Vereinigung", der nur ein kurzes Leben befchieden war, nichts zu ändern vermochte. Diese vielbewunderte Einigkeit war den deutschen Katholiken aber nicht etwa mühelos in den Schoß gefallen. Nein, sie war in jahrzehnte langem Kampfe um die heiligsten Güter als elementarste Vor­aussetzung des Erfolges erkannt und dann in zäher Ar­beit errungen worden. Im Kulturkämpfe war diese Einigkeit das beste Bollwerk gewesen und nach Ab- bruch des kirchenpolillschen Kampfes hatte sie sich als das beste, ja einzige Mittel erwiesen, die katholische Min­derheit im deuffchen Vaterlande zu einem achtunggebie­tenden, nicht selten ausschlaggebenden Faktor zu machen. „Vereint ist auch das Schwache mächtig. „Der deutsche Katholizismus der Vorkriegszeit war die lebendige Be- ftätigung dieses Schillerwortes. Unsere Einigkeit war unsere Stärke und das ganz besonders auf dem polc» tischeu Gebiete. Das Zentrum, obwohl keine kon­fessionelle Partei, war die Partei der deuffchen Katho­liken. Soweit es unter ihnen politische Außenseiter gab, standen sie zumeist auch kirchlich und religiös abseits. Die außerhalb des katholischen Kulturkreises Stehenden sahen sicher falsch, wenn sie die jährlichen Generalver­sammlungen der deutschen Kacholiken als Parteitage de- Zeillrums abstempeln wollten. Das waren sie nicht; das konnten und wollten sie auch nicht fein. Wer aber jemals Zeuge der jubelnden Begeisterung war, mit der die Führer des Zentrums auf diesen Katholikentagen begrüßt wurden, der konnte nicht daran zweifeln, daß die Zentrumsführer auch als die Führer der deuffchen Kacholiken angesehen wurden und daß ihre Politik vom deutschen Katholizismus säst resffos bejaht und getragen wurde.

Seit der Staatsumwälzung ist das anders gewor­den. Der tiefe Riß, der durch das deutsche Volk ging, hat auch den deuffchen Katholizismus nicht unberührt gelassen. Auch in seinem Schoße ringen Vergangenheit imd Gegenwart, monarchischer und republikanischer Ge­danke, Unitarismus und Föderalismus miteinander.

Diese politischen Differenzen brauchten aber nicht zu Zersplitterungen und Absonderungen zu führen. Sie könnten sehr wohl im Rahmen und auf dem Boden des Zentrumsprogramms fachlich und friedlich ausgetragen weiden. Sie könnten es um so mehr, als die einzige und grundsätzliche Streitfrage, nämlich die Frage der Staatsform, für den überzeugten Katholiken gar keine andere Stellungnahme zuläßt als diejenige, zu der das Zentrum sich grundsätzlich und praktisch bekennt, nämlich zu,r Republik als der gesetzmäßig zustande gekommenen Staatsform. Gleichwohl können wir nich. an der Tatsache vorüber gehen, daß diese Differenzen bestehen. Sie haben zwar den Einheitsblock der deut­schen Kacholiken nicht in Atome zersprengt, aber sie haben doch nicht unerhebliche Telle abgesprengt. Das Gros der bayerischen Kacholiken hat sich ein neues politisches Heim in der „Bayerischen Dolkspartei" ge­geben. Schon dieser Name verrät mit bedenklichen Deut« üdjieit, daß man sich hinter seine weißblauen Grenz- pfähle zurückziehen und seine eigenen Wege gehen will. Wenn das auch keine Absage gegenüber den Interessen des gesamtdeutschen Katholizismus, wie auch gegen­über dem Reichs- und Volksganzen bedeutet, so hat dies« Absonderung doch ganz zweifellos eine Schwächung der Aktionskraft der deuffchen Katholiken, insbesondere auf dem politischen Gebiete, zur Folge. Im weiteren ist es die von Vitus Heller und Nikolaus Ehlen ins Leben

Er gibt uns das schriftliche

ich abermals!" spottete Diel- den jungen Mann aus! Es tragen werden, ihn uns zu

„Ganz schön: — das unserige! Wie nun aber, wenn der zukünftige Gatte der Kleinen es vorzieht, das Ver­mögen hernach für sich zu behalten?"

zu dem armen Ding ein leidlich hübscher Kerl kommt und sagt: Ich liebe Dich und will Dich heiraten, — ich bin von Adel und habe mein kleines Vermögen, welches uns einen behaglichen Wohlstand sichert! — Ob sie da nicht zugreifen wird?"

„Zweifelsohne! Sie wird entzückt sein, — sie und ebenso ihre Mutter!"

„Siehst Du? Und ihr Entzücken wird sich zur Be- geifterung steigern, wenn der junge Mann großzügig er­klärt, — schließen wir daher vor einem Rechtsanwalt einen Ehekontrakt, der unsere vollständige Gütergemein, schäft ausspricht. Was ich habe, soll auch Dir gehören! — Was denkst Du wohl? Ob sie darauf eingehen wird, sie, die garnichts hat? Sobald wir aber den Kontrakt in den Händen haben, treten wir mit den Papieren hervor und sprechen: Hier ist der Trauschein der Sennora Ma­nuela de Rivas und des Leutnants Graf Bodo von Witzleben, ausgestellt vom Priester Antonio aus San Geronimo in Mexiko, hier der Taufschein der Senora Manuela de Rivas! Die Eheschließung hat rechtmäßig stattgefunden, — Komtesse Carmen ist die eheliche Toch­ter des Paares und die Alleinerbin des Witzlebenschen Vermögens!"

Bethke schüttelte den Kopf. „Erkläre mir nur eins!" sagte er. „Wenn Du im Besitz der erwähnten Papiere bist, weshalb hast Du dann bis zum Tode des alten Grafen damit gewartet? Was schadete es, wenn er noch lebte?"

„Bist Du dumm!" lachte Diekmann mitleidig. „Wenn die Kleine mit einem von uns ausgesuchten Gatten zu demGroßvater kam, der diesem ebenso mißfiel, wie er ihr gefiel, wäre es da nicht möglich gewesen, daß er so viel als möglich von feinem Vermögen verschwinden liefe, oder sie schlankweg enterbte? So aber ist er in der sicheren Ueberzeugung gestorben, daß die Abenteurerin de Rivas aus Mexiko ruhig wieder ihrer Wege gegangen ist, daß sie keine Ansprüche zu machen hat und daß es nicht nötig sei, ein Testament abzufassen, weil nur ein Erbe da ist!"

„Freiherr von Versen, was?"

„Ja! — Du kannst Dich darauf verlassen, er hat kein Testament gemacht! Und da er sehr zurückgezogen gelebt, hat sich das Vermögen der Kleinen fast ver­doppelt! Das unserige also auck!"

Versprechen, uns fünfundzwanzig oder auch fünfzig Prozent vom dem Vermögen feiner Frau abzutreten —" „Mehr, — fünfundsiebzig, — sonst lohnt es nicht!" „Schön! Wenn er nun aber später erklärt: Ich gebe euch nichts, — was wollen wir dann machen? Klagen? Da könnte es leicht geschehen, daß man uns wegen Er­pressung einsteckt!"

Diekmann zuckte die Achseln und sagte in mitleidigem Tone: „Nun höre mal zu, mein lieber Bethke! In Deinem Klub gibt es verschiedene Typen: Junge und Alte, Unschuldige und Gerissene, Ehrliche und Zweideu­tige —"

„Zweideutig werden sie hernach alle, wenn ihr Geld fort ist!"

„Unter denen suchen wir uns einen aus! Paß auf, wie er sein muß: — Hübsch genug, um einem kleinen Mädchen den Kopf zu verdrehen, ferner von guter Fa- milie, das ist sogar unerläßlich, ungefähr fünfundzwanzig Jahre alt, damit er nicht erst die Einilligung seiner Eltern bedarf, von einschmeichelndem Benehmen und des Geldes wie des Ehrgefühls gleich bar!"

„Sei unbesorgt, einen solchen zu finden, hält nicht schwer! Ich weiß bereits, wen wir nehmen! Werde ihn sofort hinter der Kleinen herhetzen!"

„Halt, nicht so schnell! Erst müssen wir uns mit ihm arrangieren! Er muß etwas begehen, was ihn mit dem Strafrichter in Konflikt bringt, einen ehrlosen Streich, ein Verbrechen, damit wir ihn in der Hand haben, damit mir sagen können: Wenn Du nicht tust, was wir wünschen, zeigen wir Dich an, dann bist Du geliefert, dann spazierst Du ins Zuchthaus!"

„Alle Teufel, das ist freilich bester als Stempel» papier!" lachte Bethke häßlich auf. „Möchte nur wissen, wie Du ihn dazu veranlassen willst!"

(Forffetzung folgt.)

„Bist Du dumm, sage mann. „Wir suchen doch ist klar, daß wir Sorge sichern!"

„Hm, wir sichern uns!

.Na, laß nur, — das Geschäft wird jetzt bald genug gemacht sein, — die Sache ist reif!"

„Wahrhaftig?"

„Wie ich Dir sage! Der alte Graf Witzleben ist nämlich vor kurzem gestorben!"

„Und deshalb hast Du mich aus dem Schlafe geweckt und hierher geschleppt?"

„Nun ja, es ist doch Zeit, daß die Partie anfängt!"

„So fange doch an!"

„Das will ich ja eben! Das hübsche junge Ding —"

„Ist die Erbin des Alten!"

„Universalerbin!"

„Wofern er kein Testament gemacht hat!"

„Das werden wir bald erfahren! Und wenn er eins gemacht hat, — mehr als die Hälfte kann er ihr nicht nehmen, — sie besitzt dann immer noch drei bis vier Millionen!"

„Sie hat sie noch nicht in der Tasche!"

„Sie wird sie aber darin haben, sobald ich es will! Und wenn sie erst die Millionen hat, dann ist es so gut, als ob dieselben mein wären!"

„Hahaha, willst Du sie etwa gar selber heiraten?" spottete Bethke. „Bist ja zwar ein ganz hübscher Kerl, aber jung siehst Du nachgerade nicht mehr aus!"

Diekmann zuckte die Achseln.

„Mitunter bist Du doch recht dumm, mein lieber Bethke!" sagte er überlegen. „Weshalb soll ich das junge Ding heiraten? Das liegt mir natürlich fern! Im Ge­genteil, denke ich vielmehr daran, ihr einen passenden Mann zu suchen!"

„Bah!"

„Dabei rechne ich auf Deine Hilfe!"

„Wollen wir etwa gar ein Heiratsbüro gründen?"

„Wollen wir!", Diekmann nickte energisch, — „und zwar zu dem alleinigen Zweck, Fräulein de Rivas zu verheiraten!"

„Komtesse Witzleben willst Du sagen!" wollte Bethke verbessern, aber Diekmann wehrte ihm: „Beileibe nicht, darin liegt ein gewaltiger Unterschied! Komtesse Witz­leben ist aus alter Familie und sehr reich, von der hätten wir nichts zu erwarten, während das mit der kleinen be Rivas, die vermögenslos und gezwungen ist, sich ihren Unterhalt durch ihrer Hände Arbeit zu verdienen, sich ganz anders verhält! Was meinst Du wohl, wenn

PlärrCltäS ter St $lurmiu$!fcmciii(lc

am Sonntag, den 2. September, Im Kathollsdien Oesellenhanse!

Nachmittags 2Vs Uhrt Zug der Kinder vom Pfarrhause nach dem Gesellenhause. Daselbst Kinderfest, Verlosung etc.

Abends 8 Uhr: Theater der kathol. Jugendvereine: „Dienerdummheiten“, „Helf’ was helfen kann“, „Sie sucht ein Dienstmädchen . Alle Pfarreiangehörigen sind herzlichst zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Manuela

Roman von Gustav Rehfeld

15, ---------

Eines Morgens, als sie auch den gewohnten Weg gingen, folgten ihnen zwei Männer, welche langsam die Straße daherkamen. In ihnen erblicken wir zwei alte Bekannte: Diekmann und Bethke, beide Glücksritter nach wie vor, bisweilen mit den Gesetzen in Konflikt ge. ratend, im großen und ganzen aber die Klippen des Strafgerichts glücklich vermeidend.

„Nun, was sagst Du? Gefüllt Dir die Kleine?" hatte Bethke gesagt.

„Hm, hübsches Ding!" entgegnete Diekmann.

„Ja wie die Mutter!"

„Nur zwanzig Jahre jünger!"

„Das wäre für mich kein Hindernis, wenn die Mama (onft wollte —"

Er lachte ironisch und blinzelte mit den Augen.

„Ach was, die Mutier!" versetzte Diekmann, veröcht- 'ch die Achseln zuckend. „Die ist jetzt meine geringste Toc!^' unfer Glück, unser Vermögen beruht auf der <tbe"^°re !)u'" Bethke sich vernehmen, „wenn das tr auch j0 langwierig ist wie mit der Mutter, dann ist ec ? für bas Geschäft! Soll etwas daraus werden, ,1. h . Öti> c” Seit, sonst sterben wir darüber!

2 achtzehn Jahre warten wir bereits!"

'' m/rr™.®6 7 8” Du hältst es aus, — mußt als Baron Hirn bnVj ia tn Wien wie die Made im Speck nnhpron"’ einen Hundertmarkschein nach

gut hier°7ie Sentnerroeife! So

fehlm «i™ fcÄ »a’?‘ °"b BHmo,n . ,',v'a —"mein'^r ein- „weiß es ja, daß es mich

ne la auch nur, Du kannst warten, wahrend ich — 1 '

ws'fe - lel,e ®*‘

„Das sagst Du wohl, aber für lumpiqe hundert Mark muß man sich bisweilen den ganzen Abend vlacken. Und tch muß dock verdienen!