FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Nr. 202.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.
Samstag, 1. September 1928.
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SS.Zahrg.
Vie Grundfrage.
Von einem unserer ständigen politischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:
Die Tagesordnung der 9. Versammlung des Völkerbundes, die am 3. September Zusammentritt, ist außerordentlich umfangreich.
Die Grundfrage freilich ist nicht auf ihr verzeichnet.
Die Grundfrage der gesamten Politik ist nämlich die Räumungsfrage. Sie immer mehr in denMittelpunkt der gesamten innen- und außenpolitischen Interessen Zu stellen, ist Aufgabe der deutschen Reichsregierung.
Es geht nicht länger an, dieses entscheidende Problem nur noch hinter verschlossenen Türen zu verhandeln. Es muß nun mit aller Deutlichkeit, in aller Offenheit und in aller Oeffentlich- keit angefaßt werden.
Die Reichsregierung hat in diesem Sinne schon vor einigen Wochen bei den beteiligten Regierungen von England, Frankreich, Italien und Belgien einen wichtigen Schritt unternommen. Sie hat durch ihre diplomatischen Vertretungen die in Frage kommenden verantwortlichen Staatsmänner wissen lassen, daß sie entschlossen ist, die Räumungsfrage nunmehr auch öffentlich zu erörtern.
Eine Verschiebung ist in der Tat nicht mehr länger erträglich. Immer wieder hat man die Diskussion dieses Problems auf der Gegenseite mit der Begründung hinausgeschoben, daß erst einmal durch die parlamentarischen Wahlen Klarheit über die politische Führung in den einzelnen Ländern während der nächsten Jahre geschaffen werden müsse.
Die Parlamentswahlen in den für die Erörterung dieser Dinge in erster Linie in Frage kommenden Ländern, Deutschland und Frankreich, sind vorüber. Die Kabinette sind gebildet, die Zielrichtung ihrer Politik ist bekannt, und nun kann es keinen Grund für eine noch weitere Hinausschiebung der Erörterung der erwähnten Fragen geben.
Die Wege zu einer solchen Aussprache sind geebnet worden durch den Besuch Stresemanns in Paris und die damit verknüpften vertraulichen Besprechungen Stresemanns mit Vriand einerseits und P o i n c a r « andererseits.
In Genf sollen die angeknüpften Fäden weiter- yesponnen werden, was dort nach Lage der Dinge aber auch zunächst nur im Rahmen interner Verhandlungen geschehen kann. Gerade aber der Umstand, daß zu diesen Verhandlungen der gegenwärtige Chef der deutschen Reichsregierung, der Kanzler selbst, sich begibt, läßt darauf schließen, daß man gewillt ist, Grundlagen zu schaffen für die Auseinandersetzungen, die in den für die Entscheidung zuständigen Instanzen, also vornehmlich in uen Kabinetten Deutschlands und Frankreichs in der nächsten Zeit geführt werden müssen.
Es entspricht der loyalen Handlungsweise Deutschlands daß es dabei in voller Fühlung mit den übrigen Besatzungsmächten, also vor allem Eng-
or Belgien, bleibt.
Auch die Gegenseite muß Verständnis dafür auf-
m11^ Deutschland nunmehr volle Klarheit über Die Gestaltung der Räumungsfrage herbeizuführen gewillt ist.
3* "ach dem Ausgang dieser anqesponnenen ent- fcheidenoen Erörterungen werden sich auch wichtige .Rückwirkungen auf die allgemeinpolitische Situation innerhalb Deutschlands und in den Beziehungen Deutschlands nach außenhin ergeben.
„Neuyork World" gegen die Besetzung.
.Neuyvrk, den 31. August. (Gig. Funkm.).
' bespricht in einem Aufsatz die d^hEungen m Genf über die Rheinlandfrag; ÄSbic Ansicht. Deutschland habe bei den N^ung-n über.d-e Räumung des Rheinlan- S/ThS?' ^f seiner Seite, daß die zweite Umsi?ndeu^-2ahres 1930 unter allen rlL? •t-°umt werden müsse. Uebrigens Äämrr Vorwand geschwunden, die
SS ^nkÄ^udes, als Garantie der betrachten. Deutschlands SJ wA Wunsch nach einem
Frieden seien so offenbar daß selbst Poincare N'cht langer Furcht vorscgutzen könne. Die Beseßuna des Rheinlandes sei lediglich ein Mittel fL Frankreich irgendein Druckmittel für Deutschland zu haben bis zur endgültigen Lösung der Fragen der K r i e q s' schulden und Reparationen.
D'.e pariser Besprechungen.
wtb. London, 31. Aug. (Gig. Funkm.). „Times" berichtet aus Paris zu den dort abgehaltenen Besprechungen mit Stresemann, es könne kein Zweifel bestehen, daß sowohl von französischer als auch amerikanischer Seite dahin gewirkt worden ist, nicht über eine einfache Klärung von Ansichten hinaus SU gehen. Allgemein scheine man zu erwarten, daß eine ähnliche Zurückhaltung in Genf in allen «tragen wie Rheinlandräumung, Revision der Kriegsschulden. Anschlußftage usw. beobachtet werden wird. Abgesehen von allem anderen bestehe der offenkundige Wunsch, alle eingehenden Erörterungen bis nach den Präsidentschafts- Wahlen in den Vereinigten Staaten zu verschie- ben. In Paris hoffe man aufrichtig, daß die unfreiwillige Abwesenheit Stresemanns von den Verhandlungen in Genf nur eine zeitweise sei, da man der Ansicht sei, daß er allein die Fähigkeit gezeigt habe, seine Landsleute davon zu überzeugen, daß etne friedliche Politik in den die deutschen O st - S;teit8fn betreffenden Problemen jetzt eine Frage wcht nur der Aufrichtigkeit, sondern auch der Zweckmäßigkeit sei.
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.. £,cr ,‘n Berlin eingetroffene Bericht über ^QIlle£ Unterredung zwischen Stresemann und dem französischen Ministervräsidenten Poin-
I care bestätigt, wie das „B. T." erfahren haben haben will, daß Poincare die Räumung der dritten Zone mit der endgültigen Regelung des Reparationsproblemes verbunden wissen will, an die man jedoch der amerikanischen Präsidentenschaftswahlen wegen schwerlich vor Beginn des nächsten Jahres herantreten könne. In Bezug auf die zweite Zone sei die Auffassung Poincare jedoch weniger starr; doch müsse in dieser Teilftage die Initiative der französischen Regierung überlassen werden. Es könne kaum bezweifelt werden, daß die Räumungsfrage in Genf eine Rolle spielen werde.
Was wird Hugenberg tun?
Mit der Niederlage Hugenbergs, als die das „Urteil" der obersten Disziplinarinstanz der Deutsch- nationalen Volkspartei über den Fall Lambach aufzufassen ist, beginnt die zweite Phase des großen Streites, der in dieser Partei nun schon seit Monaten tobt. Auch in diesem Abschnitt des Kampfes steht die Existenz der Partei auf dem Spiel. Wer die Geschichte der Deutschnationalen kennt, der wundert sich über diese Entwicklung nicht, der glaubt auch nicht daran, daß es möglich sein wird, den Zusammenhalt der Deutschnationalen Volkspartei auf längere Dauer noch sicher zu stellen. Als die Partei gegründet wurde, da bildete sie ein Sammelbecken für viele derjenigen, die monarchischen Sinnes waren und die einer Leitung des Staates nach machtpolitischen und nationalistischen Grundsätzen den Vorzug gaben. Weiter ging die „Homogenität" der Parteiangehörigen nicht. Es gab k o n s e r v a - t i v e Menschen dort und liberale, Herrennaturen und williges Volk. Sowie sich das einigende Band, die monarchistische Staatsauffassung lockerte, — das mußte geschehen, wenn die Jugend, die die Monarchie nur vom Hörensagen kennt, in die Partei hineingewachsen war und wenn die Arbeitnehmerschaft zu erkennen begann, daß wichtigste Teile der Herrenschicht die Monarchie nur aus dem Grunde erstreben, weil sie die b e ft e Garantie ihres Herrentums zu fein scheint — trat der Gemengecharakter der Partei, die sozialen Gegensätze in ihrer Gefolgschaft, immer deutlicher l-ervor. Trotz aller Ableugnungsversuche gewisser Rechtsblätter, die jeden Hinweis auf die "sozialen Gegensätze als böswillige Verdrehung bezeichnen und die den Leuten immer noch klar machen wollen, es handele sich wirklich wlein um den Mo- narchismus, bleiben wir dabei, daß der Kampf in erster Linie um die Gleichberechtigung der Arbeitnehmerschaft und nicht ausschließlich um die Geltung eines staatsrechtlichen Prinzips geht.
Wir wiesen schon darauf hin, daß die zweite Phase des Kampfes dem Bestand der Deutschnationalen Volkspartei mindestens so gefährlich werden kann, wie die erste. Denn man hat die Gefahr, daß weiteste Kreise der deutschnationalen Arbeit- nebmerschaft der Partei den Rücken kehren, durch
das Kompromiß des obersten Parteigerichtes zwar abgewendet, aber gleichzeitig, damit die neue Gefahr heraufbeschworen, daß die intransingente Her- renschicht um Hugenberg, Bang und Freytag davon gehen. Diese Herrenschicht hat sich vor einigen Wochen, als die deutschnationale Parteivertretung über den Fall Lambach beriet, bereits zu einer Sondergruppe innerhalb der deutschnationalen Reichstagsfraktion zusammengeschlossen. Da diese Sondergruppe groß genug ist, um gegebenenfalls eine eigene Fraktion zu bilden, da sie zudem über die wichtigsten deutschnationalen Zeitungen und Nachrichtenbüros verfügt, würde ihr Austritt für die jetzige deutschnationale Partei ganz unberechenbare Folgen haben. Deshalb ist das, was Hugenberg tun wird, für den Außenstehenden jetzt von größerer politischer Bedeutung, als etwa die Frage, wie Lambach und sein Anhang die „Rüge" erträgt.
Die Jdealpartei der Hugenberg und Genossen ist aus zahlreichen Aeußerungen dieses Herren den weitesten Kreisen bekannt. Die Frage ist jetzt, ob sie das Urteil des Parteigerichtes über Lambach zum Anlaß nehmen werden, den Weg zu einer „n i ch t großen, aber st a rk e n Rechten" anzutreten oder ob sie es noch einmal bei den zornigen Kommentaren bewenden lassen, die ihre Presse jetzt so reichlich den Urteilsfindern sowohl wie der Parteiführung selbst widmet. Hugenberg bat in einem langatmigen Artikel dieser Tage geäußert, er sei „sein ganzen Leben hindurch zwischen Beamtentum, Genossenschaftswesen, Gewerbe, Landwirtschaft und Politik hin und hergewechselt — übrigens immer bann, wenn er sich in seinen lieber,leugungen durch irgend jemand beengt fühlte". Ob dieser Nachsatz nur eine Floskel ist oder ob er in bestimmter Absicht geprägt ist, wird sich ja wohl bald Herausstellen.
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Der frühere deutschnationale Reichstagsabgeordnete Prof. Werner in Gießen, der jetzt noch dem hessischen Landtag angehört, ist, wie der „Deutschen Zeitung" mitgeteilt wird, aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten. Werner gehört seit vielen Jahren dem Alldeutschen Verbands an und ist ein Anhänger Hugenbergs, hat aber in der Deutschnationalen Partei nie eine große Rolle gespielt. Sein Austritt hängt offenbar mit der Entscheidung des Parteigerichts im Falle Lambach zusammen.
* Reise englischer Bergroerf steifer nach Deutschland. Aus London wird gemeldet: Eine Gruppe von 100 Mitgliedern des Nationalverbandes der Bergwerksleiter führt, den Blättern zufolge, am 8. September zu einem Besuch nach Deutschland ab. Sie werden deutsche Zechen im Ruhrgebiet besichtigen und die dortigen Arbeitsmethoden studieren. Es sollen u. a. die Kruppwerke in Essen sowie die Städte Oberhausen, Witten und Köln besucht werden.
Die Spannung
ashington—London
Ein aufsehenerregender Rücktritt in Enalo.rd.
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wtb. Paris, 31. Aug. (Gig. Funkm.) Der Korrespondent des „Echo dc Paris" in London berichtet, daß der Erste Lord der Admiral it ä t Bridgman beschlossen habe, heute sein Rücktrittsgesuch zu überreichen. Der Korrespondent behauptet ferner, daß die Weigerung Kel- loggs, nach London zu fahren, die Folge der Interpretierung des englisch-französischen Flottenkompromisses sei. Die Demission Bridgmans, die eine beträchtliche Sensation auslösen werde, zeige die innerhalb des britischen Kabinetts in dieser Frage bestehenden Meinungsverschiedenheiten.
Die „Vossische Zeitung" läßt sich aus Paris folgendes melden:
Die zunehmende Spannung in den Beziehungen zwischen England und den 'Vereinigten Staaten, die in dem abgesagten Londoner Besuch des Staatssekretärs Kellogg einen ungewöhnlich scharfen Ausdruck gefunden hat, wird in Frankreich mit sichtlichem Unbehagen kommentiert.
So stellt das „Echo de Paris" fest, daß das englisch-amerikanische Verhältnis leider sehr viel zu wünschen übrig lasse. Der Abschluß des englisch- französischen S s e r ü st u n g s - Abkommens habe in Washington, wo man bereits über die ?Eg freundliche Haftung Englands gegenüber Kelloggpaktvorschlag verstimmt gewesen sei, o„?,rLte Beunruhigung ausgelöst. Diese wenig Situation habe eine weitere Verschär- lano'm bie Zuspitzung der schon seit
tcro'ifr n r^enbf n englisch-amerikanischen In. im Fernen Osten. In Eng- Vorwurf^unt^°N ben Bereinigten Staaten zum ten bisher öer von den Großmäch-
nnn RankFn F®JJbarMt die Nationalisten kundwen Absicht 9t haben in der offen- funOigen Absicht, sich der englischen Märkte zu be-
[ mächtigen, während die Amerikaner die englische Regierung der Verfolgung von egoistischen Sonderzielen in China beschuldigten.
Die Brüskierung der englischen Regierung durch den von Washington in Kairo vorgeschlagenen Schiedsvertrag sei lediglich eine amerikanische Antwort auf die über den Kopf Amerikas hinweg erfolgte Einigung Londons mit Mexiko gewesen. Angesichts dieses diplomatischen Krieges werde man sich nicht allzusehr wundern dürfen, wenn die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sehr viel weniger freundschaftlich seien, als man es wünschen müßte.
Der ftanzösische TUcrineminiffer sucht zu beruhigen.
wtb. Paris, 31. Aug. (Eig. Funkm). „Matin" veröffentlicht ein Interview des Marineministers Legyues, indem er sich über das englisch-französische Flottenabkommen ausläßt. Ich kann mich, so erklärte der Minister, nicht über die Bedingungen des Abkommens selbst äußern, da die ftanzösische und die englische Regierung beschlossen haben, sie erst zu veröffentlichen, wenn alle Unterzeichner des Washingtoner Abkommens von 1921 den Text kennen und ihre Ansichten bekannt gegeben haben. Dieser Text wird später von allen Ländern der Welt studiert werden können. Es findet sich in ihm nichts, was nicht klar, deutlich und loyal ist. Das Abkommen enthält keine geheime Klauseln. Es enthält keine Verständigung über ein militärisches oder maritimes Zusammenwirken zwischen Frankreich und England. Das Abkommen sucht auch nicht auf Umwegen das Washingtoner Abkommen von 1921 zu beeinträchtigen. Das Washingtoner Abkommen, das sich doch nur auf die Großkampfschiffe und auf die Flugzeugmutterschiffe bezieht, wird vielmehr strikt eingehalten werden.
* Landratswahl in Zeih. Der Kreistaa des Kreises Zeitz wählte de« kommissarischen Landrat Dr. Ian ecke mit elf Stimmen der Sozialdemokraten zum Landrat des Kreises Zeitz. Auf bürgerlicher Kandidaten fielen acht, auf den komm», nistischen Kandidaten drei Stimmen.
* Wieder Reservislenkrawalle in Frankreich? Obwohl das Kriegsministerium eine ähnliche Meldung der kommunistischen Humanits dementierte, veröffentlicht das Blatt eine neue Nachricht, derzu-
folg» 205 in Nimes zu einer dreiwöchentlichen Hebung einberufene Reservisten eine Kundgebung veranstaltet haben, um ihre frühere Entlassung durchzusetzen. Es sei ihnen durch diese Kundgebung gelungen, anstatt am 27. August abends, zum Teil am 25. August, der Rest am 26. August in der Frühe ihre Entlassung zu erreichen.
* Die amerikanischen Gewerkschaften für Gouverneur Smith. Aus Rochester (Staat New York) wird gemeldet: Die Tagung des Gewerkschasts- I verbandes des Staates New York nahm gegen zwei 1
Stimmen eine Entschließung an, die allen angeschlossenen Verbänden anempfiehlt, bei den kommenden Präsidentschaftswahlen die Kandidatur des Gouverneurs Smith zu unterstützen.
Die Genfer Tagung.
Abreise des Reichskanzlers nach Genf.
wtb. Berlin, 31. Aug. (Eig. Funkm.). Reichskanzler Müller wird morgen abend mit dem fahrplanmäßigen Zuge nach Gens abreisen und in Baden-Baden mit Dr. Stresemann zusammentreffen.
wtb. Berlin, 31. Aug. (Eig. Funkm.). Der litauische Mnisterpräsident Wolde maras trifft morgen in Genf ein. Von deutscher Seite wird mit Woldemaras Fühlung genommen werden, um die Frage der Aufnahme der deutsch-litauischen Handelsvertragsverhandlungen zu klären.
Kommunisten und Panzerkreuzerbar
Mittels eingeschriebenen Brieses ist der gemein« schastlich vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands, der Bundesführung des Roten Frontkämpferbundes und dem kommunistischen Jugendverband Deutschlands gestellte Anttag auf Zulassung eines Volksbegehrens zugunsten eines Entwurfes eines Gesetzes über ein Verbot des Bauens von Panzerschiffen und Kreu- 3ern beim Minister des Innern eingegangen. Der Text des Gesetzentwurfes, der für das Volksbegehren zugelassen werden soll, besteht aus folgendem einzigen Artikel:
Der Bau von Panzerschiffen und Kreuzern jeder Art ist verboten.
Als Verttauensmann ist benannt M. d. R. Pieck, als Stellvertreter M. d. R. Muenzenberg. Die formelle und sachliche Prüfung des Zulasstmgsan- ttages ist in Angriff genommen.
Sachsen und die Luftfahrt.
Die sächsische Regierung hat It. „Germania" ax die Lufthansa ein Schreiben gerichtet, in dem sie mitteilt, daß sie weitere Mittel für den deutschen Flugverkehr nicht mehr zur Verfügung stellen könne, weil die Luftverkehrswünsche des Landes Sachsen vom Reiche in keiner Weise berücksichtigt würden. Das Schreiben ist aufgrund eines Beschlusses des sächsischen Eesamtministexiums abge» saßt und abgesandt worden.
Vor wenigen Tagen ist ferner It. „Lok. Anz." beim Reichsverkehrsministerium ein Schreiben der bayerischen Regierung eingegangen, in dem das Reichsverkehrsministerium u. a. aufgefordert wird, die rechtlichen Gründe zu nennen, aus denen der Nordbayerischen Luftverkehrsgesellschaft Nürnberg die Konzession für einen Messeverkehr versagt würde.
Wie das Blatt weiter mitteilt, sind beim Reichsverkehrsministerium keinerlei Mittel vorhanden, um die durch einen eventuellen Ausfall der ächsischen Subventionen entfiel)enbe Lücke auszu- üllen. Die Lufthansa würde daher für den Fall, >aß keine Einigung zustcmbekommt, wahrscheinlich gezwungen fein, die sächsischen Linien stillzulegen. Es ist jedoch zu hoffen, daß andere Wege gefunden werden, um den plötzlich entstandenen Zwischenfall beizulegen.
Der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge wird am 6. September im Reichsverkehrsministerium eine Besprechung der interessierten Kreise stattfinden, und man hofft, daß der Streit durch diese Besprechung in einer alle Teile zu- fried enstellend en Weise beigelegt wird.
Das fremdenfeindliche China.
Aus L i f h i e n wir uns geschrieben: Die augenblickliche Haltung der chinesischen Armeen gegenüber der Kirche ist noch nicht klar. Während die Führer im allgemeinen Kirchenrechte und Kircheneigentum achten, fahren die Soldaten fort, fremdenfeindlich und christenfeindlich aufzutreten. Die Kirchen, ihr Stil und ihre Bilder, rufen bei den Massen immer wieder die Ansicht wach, der Ka- tholizismus sei eine europäische Macht. Eine radi. kale Aenderung von Kirchenbaustil und Kunstrichtung, wie sie auch von der Kirchenleitung in China gewünscht wird, könnte da viel Abhilfe schaf- fen. Auch die jungen Offiziere sehen im Christentum nur die Repräsentation einer fremden Macht. Die beste Antwort darauf ist Hinweis auf die Existenz einheimischer Priester und Bischöfe. Als die Soldaten der Südarmeen nach Lishien kamen, dessen Bischof ein Chinese ist, begab sich der Divisions- general sofort zu diesem und versicherte ihm, daß seine Truppen weder fremdenfeindlich nach anti> christlich seien. Auf Einladung des Bischofs nahm der General und sein hundert Mann starkes Gefolge Nachtquartier in der Mission. Die Leute benahmen sich tadellos im Bischofshause, bedrohten aber draußen die Katholiken und schalten sie Vertreter frember Mächte. Auf die Antwort, Bischof und Priester des Missionssprengels seien geborene Chinesen und die Katholiken unterständen nur der geistlichen Gewalt des Papstes, waren die Soldaten zuerst ungläubig, änderten aber bann ihrs Haltung und versprachen den Katholiken Schutz. Ohne die geringste Unordnung verließ die Divi- ion die Stadt.
Was die Haltung der neuen Regierung angeht, o zeigen sich die leitenden Beamten außerordentlich reserviert und klug. Jedes Mitglied der am Ruder befindlichen Partei wurde ausgefragt. Wer den geringsten Verdacht revolutionärer und kommunistischer Geisteshaltung erweckte, wurde sofort von den A-—*ern ausgeschlossen. Jedem neue-