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SiimWrniner 10 Vsg. (mit 3». Wo? 15 W.)

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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Freitag, 24. August 1928

Beginn der Interparlamentarischen Konferenz

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Die Krise in den Parteien

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Der Wahlkampf in Amerika.

In Albany hielt der demokratische Präsident­schaftskandidat seine Programmrede. Es war eme riesige Menge erschienen, die auf 150 000 Köpfe geschätzt wird. Die Rede hinterließ einen starken Eindruck, der selbst in der nicht demokratischen Presse Widerhall findet.

Gouverneur Smith entwickelte eingehend sein politisches Programm, das sich im 'wesentlichen ziemlich eng an die Forderungen des auf der Par­teitagung in Houston (Texas) angenommene Wahl­programm hält, aber in der Prohibitions- fra g e weitergeht. Smith sagte u. a.: Die wftk- uche A e cb t u n g des Krieges muß aus eitlem kräftigen Bestreben folgen, die Kriegsursachen zu beseitigen, und in diesem Bestreben hat die repu­blikanische Regierung auffallend versagt. Ich bin weder ein Militarist, noch «n Jingo. Ich glaube, daß das Volk der Vereinigten Staaten wünscht, mit der Welt in Frieden und Freundschaft zu leben. Smith wies auf den Washingtoner Vertrag von 1921 zur Beschränkung der Seerüstungen hin. womit ein Anfang gemacht werden sollte, die Schul­tern der arbeitenden Massen von der schweren Steuerlast für Vernichtungswerk­zeuge zu befreien. Seit sieben Jahren habe die Republikanische Partei in dieser Hinsicht nichts weiter erreicht. Landrüstungen. Unterseeboote, Kriegsschiffe von unter 10 000 Tonnen, Giftgase usw. seien nicht eingeschräntt worden. Ich ver­pflichte mich, schloß Smith diesen Teil seiner Rede, von neuem, eine wirkliche Anstrengung zur wirk­samen Aechtung des Krieges zu machen, indem seine Ursachen entfernt und durch die Methoden der Besprechung und schiedsgerichtliche Entscheidun­gen ersetzt werden.

Ueber die Prohibitivnsfrage sagteSmith: Die jetzt in Kraft befindliche Gesetzgebung über den Alkoholgehalt von Getränken sei oberfläch­lich und unwissenschaftlich. Er sei für ein Abänderungsgesetz, wonach jeder einzelne Staat des and es seinen eigenen Standard des Mkoholgehal- a ^stießen dürfte, ohne dabei aber einen vom Kongreß festzusetzenden Höchststandard zu überschrei­ten. Ferner sei er dafür, daß jeder Einzelftaat bei emer Volksabstimmung das Recht erhalten soll, innerhalb seiner Grenzen alkoholische Geftänke her­zustellen oder zu verkaufen. Der Verkauf sollte aber Staats mono pol sein. Ueber die Land­wirtschaft, die Verhinderung von Arbeitsstreitig­keiten in der Industrie und über die Einwande­rungspolitik äußerle sich Smith ungefähr in Ueber- einstimmung mit dem demokratischen Parteipro-

wtb. Berlin, 23. August. (Eigene Funkm.). Während der heutigen Arbeitssitzung des Reichs­verbandes deutscher Lichtspieltheaterbesitzer, ander Delegierte aus 17 europäischen Staaten teilnah­men, wurde auf Antrag des Reichsverbandes deut­scher Lichtspicltheaterbesitzer eine Resolution an­genommen, die sich gegen die Aufführung von Hetzfilmen richtet. In der Resolution heißt es: „In den letzten Jahren sind einzelne Filme angefertigt und vorgeführt worden, in denen das nationale Ehrgefühl verschiedener Völker auf das Schwerste verletzt wurde. Die deutschen Thea­terbesitzer bitten die Vertreter der ausländischen Lichtspieltheaterbesitzer - Organisationen, sich mit einem Ausruf an die Lichtspiettheaterbesitzer der ganzen Welt anzuschließen und die Veröffentlichung in der Tages- und Fachpresse der ganzen Welt zu sanktionieren." In dem Aufruf heißt es: Die heute auf dem ersten internaftonalen Lichtspiel­theaterbesitzerkongreß in Berlin versammelten Dele­gierten der Lichtspieltheaterbesitzer-Organisationen, von Belgien, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Jndim, Jugoslavien, Niederlande, Oesterreich, Polen. Rumänien, Schweiz, Spanien, Tschechoflowakei, Türkei und Ungarn, haben den Entschluß gefaßt, keinerlei Filme mehr vorzuführen, in denen irgendeine Nation verunglimpft oder in ihrem nationalen Empfinden verletzt wftd. Durch Nichtabschluß derartiger Filme wollen wft die Film- fabrikanten der einzelnen Nation zwingen,' der völkerverbindenden, völkerversöhnenden und kultur- sördernden Mission des Films zu entsprechen.

In der unter dem Vorsitz des Reicbskanzlers am Mittwoch abgehaltenen Kabinettssitzung gaben Reichsaußenminister Dr. Stresemann und

weg mit den Hetzfilmen!

Eine Entschließung des 1. internationalen spielth eaterb esttzer- Kongresses in Berlin.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc. 9. Monatl. 1,80 cinschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

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Staatssekretär v. Schubert einen Ueberblick über die außenpolitische Lage und über die Probleme, die in der bevorstehenden Völkerbundstagung zur Erörterung stehen. An die erwähnten Dar­legungen schloß sich eine eingehende Aussprache, welche die vö l l i g e Eiu - Müdigkeit des Kabinetts über die Behand­lung der aktuellen außenpolitischen Fragen ergab.

Die weiteren Verhandlungen des Kabinetts gal- ten der K r i s e n f ü r s o r g e. Das Kabinett be­schloß, von einer Zwischenlösung abzusehen und die Verlängerung der Unterstützungsdauer auf 39 Wochen, die der Reichstag vor feinem Ausein­andergehen gewünscht hatte, mit Wirkung vom 17. Sept. d. I. in Kraft zu setzen.

Dre politischen Parteien haben in diesem Jahre ihre schweren Sorgen, besonders die Deutschnatio­nale und die Sozialdemokratische Partei müssen ständig auf der Wache stehen, um in den eigenen Reihen auf Ordnung zu halten.

So geht der Streit in der D e u t s ch n a t i o n a- len Volkspartei über große oder kleine Rechte, über Monarchie oder Republik, über sozia­len Geist und Scharfmachertum unentwegt weiter.

Der Fall Lambach steht aber noch immer im Mittelpunkt der Diskussion.. So geschah es am 18. August, daß der Vorstand des Landesverbandes Hannover-Süd der Deutschnationalen Volkspartei p’.. Gauvorsteher aus der Partei ausschloß, weil U? sich auf die Seite Lambachs geschlagen haben. . an wird darauf gespannt sein dürfen, ob das !ürö£r -^utschnationalen Volkspartei beliebte Aus- ^„”LDer'^ren so wie bisher auch künftig ange­wandt wird. Geht das so weiter, dann werden S1*3 Tages Graf Westarp mit wenigen sei- auf weiter Flur sehen, wäh- XX Masse der Wähler ausgeschlossen ist oder da.

SÄ °us Furcht vor drohendem Ausschluß, stärkere Auseinandersetzungen als bei den D/utschn°nonalen sind aber bei den Sozialdemo- 2,6n A?N?bar. Wer geglaubt hätte, der Be- lk-5tQ95frattion und des Parteiaus- Äw-n anv ä °^«Eregten Gemüter wieder be- äw9!Xn Trii? rner schweren Täuschung hin. ein* T be! ^ches treffen Meldungen

kreüzer mi- entnehmen ist, daß der Panzer-

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Berufung des Reichstages und ?57"9 möglich fei, mit der 2(nroeifuna ™ v m4t jtratifcben Minister, die Wiede9raufhebun^Ls°B^

schlusses vom 10. August zu verlangen, und im Falle der Ablehnung der Wiederaufhebung zurück­zutreten.

Eine sozialdemokratische Mitgliederversammlung in Köln schlug weit lautere Töne an. Ein schar­fes Mißtrauensvotum gegen die sozialistischen Reichsminister wurde angenommen. Ganz aus dem Häuschen scheint die Breslauer sozialde­mokratische Partei zu sein. In einer Funktionär­versammlung, in welcher es sehr bewegt zuging, wurde zunächst die Einberufung eines Parteitages gefordert, wetterhin wurde die Zurückziehung der sozialdemokratischen Minister aus dem Kabinett ver­langt und schließlich beantragten die ganz Radi­kalen, die vier Minister aus der Partei auszuschlie. ßen, da sie die sozialistische Front von hinten erdolcht hätten.

Um aber den Radikalismus auch nach außsnhin zu dokumentieren, wurde folgender Beschluß ge­soßt: „Die Funktionäre beauftragen die Genossen w den städtischen Körperschaften, etwa angeforderte Mittel für den Empfang Hindenburgs im September abzulehnen. Eine Teilnahme von Par- tergenossen an etwaigen Feierlichkeiten anläßlich sei- ner Anwesenheit in Breslau ist unstatthaft".

Reichspräsident von Hindenburg wird also als Prügelknabe benutzt, weil die sozialdemokratischen Reichsminister den Bau des Panzerkreuzers bewil- “Qi haben! Höher kann die Verwirrung der poli- trfchen Gefühle tatsächlich nicht gesteigert werden.

*

einigen Blättern war anaekiindigt worden, daß auch der deutschnationale Reichstagsabgeord­nete v. Lindeiner-Wildau mit der deutschen Delegation zur Völkerbundstagung nach Genf gehen werde. Wie die,„DAZ." hört, trifft es zu, daß eine Einladung an Herrn v. Lindeiner ergangen war. Er habe aber dem Auswärtigen Amt mit­geteilt, daß er leider nicht in der Lage sei, ihr Folge zu leisten.

was ist Mhruna?

Der gegenwärtige Vorsitzende der sozialdemo­kratischen Partei, Reichstagsabgeordneter Wels, bat vor mehr als Jahresfrist einmal das seltsame Wort geprägt: „Es ist besser, mit den Massen zu irren als gegen die Massen recht zu haben!" Ein Wort, das in öffentlicher Versammlung gesprochen war und wahrscheinlich den Versammelten ichrnei- cheln sollte. Vermutlich haben die so Umschmeichel­ten aber den Sinn des absonderlichen Wortes nicht verstanden, sondern eher gedacht: „Irren können wir schon ganz- allein, dazu haben wir euch, edle Führer, nicht nötig!"

Man könnte vielleicht annehmen, daß ein sol­cher Satz die notwendige Konsequenz der soziali­stischen Massenbewertung ist, also der Ausdruck ei­nes Glaubens, daß hie Stimme der Masten so lei­ten sich irrt, daß man sich ruhig auf sie verlassen könne, jedenfalls gut daran tuen, mit ihr zu stim­men, da die Möglichkeit des Irrtums alsdann ganz minimal würde. Aber dem ist nicht so. Dem steht nämlich ein Wort entgegen, das einst Bebel ge­sprochen hat, dessen Autorität als sozialistischer Führer wohl unbestritten ist: „Der Führer, der nicht den Mut hat, auch einmal gegen den Wil­len der Massen seine eigene Ueberzeugung zu ver­treten, weil er sie für der Sache dienlich Hält, der ist in meinen Augen ein elender K erI, der nicht verdient, Führer zu sein. Ich verlange, daß die an die führende Stelle Gestellten weiter sehen, als die meisten sehen können, die von ftüh bis spät zu arbeiten haben in der Sorge um das tägliche Brot."

Das Wort Bebels, das 1907 in einer Berliner Versammlung gesprochen worden ist, hat sicher mehr innere Zustimmung gefunden, als jene falsch angebrachte Schmeichelei seines Nachfolgers, die mit Führerbewußtsein und vor allem auch mit Zielwillen ganz bestimmt nichts zu tun hatte.

Aber wenn wir einmal beide Thesen neben­einander bestehen lassen wollen, sowohl die von Wels wie die von Bebel, nach welcher haben die sozialistischen Minister gehandelt, dis jetzt dem Bau des Panzerkreuzers z u g e st i m m t haben. Bis­her hätte man wohl geantwortet, sie Handesten nach der These Bebel, denn sie hatten den Mut, gegen den Willen der Massen zu handeln. Aber Bebel hat leider auch hinzuqefügt, daß der Führer gegen den Willen der Maste feine Ueberzeugung vertreten müsse. Daß der Panzerkreuzerbau ein politischer und militäriscber Unfug sei, war aber nicht nur die Ueberzeugung der sozialdemokrati­schen Massen, sondern der sozialdemokratischen F ü h r e r s e l b st. Wir stehen also vor einem Rät­sel. Das Lexikon sozialdemokratischer Leitmotive für politische Führerentschließungen reicht in diesem Falle nicht aus. Nun könnte man allerdings sagen, die Frage ist falsch gestellt und hätte lauten müs­sen: „Ist es vernünftig, durch die Ablehnung des Panzerkreuzerbaues unsere parteipolitische Stel­lung im Kabinett preiszugeben?" Würde die Frage so gestellt, so würden gewiß Lillionen der sozialde­mokratischen Wähler trotzdem gegen den Bau ge­stimmt haben. In diesem Falle müßte man aber den Ministern die höhere politische Einsicht zubilli­gen, da es in der Tat verkehrt sei, die Chancen, die sie in diesem Kabinett haben, so schnell preiszuge­ben. Nun, was die Chancen angeht, so scheinen diese zunächst nicht besonders groß zu sein, wie ja eben der Panzerkreuzerfall bargetan hat. Dann aber hängt ihr Wert von der Kampfesentschlosten- heit der Männer ab, die solche Chanichi wahrzu­nehmen haben.

Wenn nun aber die Vorgänge richtig wiederge­geben sind, wie sie Breitscheid geschildert hat, wo ist denn da noch ein Zeugnis von Führerwillen und Führertalent zu verspüren. Breitscheid sagte näm­lich in einem durch den Sozialistischen Pressedienst verbreiteten Artikel u. a.:

„Kein Mitglied der Reichstagsfraktion, das dem Gang der Verhandlungen aus nächster Nähe ge­folgt war, durfte sich in diesem Punkte irgendwel­chen Illusionen bingeben. Indem wir uns zu dem Eintritt in die Regierung bereiterklärten, nahmen wir den Panzerkreuzer A mit in Kauf. Immerhin waren wir berechtigt ayzunehmen, daß unsere vier Minister mit Nein stimmen und andere Ausgaben, insbesondere solche für sozialpolitische Zwecke, für vordringlicher erklären würden als die für den Schiffsersatzbau. Sie waren dazu auch entschlossen, aber nun machten ihnen die Demokraten infofern einen Strich durch die Rechnung, als sie erklärten, sich in jedem Falle der Entscheidung der Sozmlde- mofraten anschließen zu wollen. Damit wäre eine Mehrheit für die Ablehnung entstanden und das hätte die Krisis bedeutet, die unsere Genossen ved- meiden wollten."

Wenn diese Ausführungen Breittckeids den Tatbestand richtig wiedergeben, dann lassen sie nur eine Schlußfolgerung zu, daß die Frage, ob sich die Meinung der sozialdemokratischen Massen nach der Auffassung der Führer richten soll oded umge­kehrt, die der Führer nach der der Massen, atfo die Frage, wer mehr Recht hat, Bebel oder Wels, von den gegenwärtigen sozialistischen Führern als Frage nicht mehr enrnfunben wirb. Vielmehr sieht man heute auf bem Standpunkt, baß bas, was die Führer als politische Notwendigkeit erkennen, die Massen überhauvt nichts angeht. Breitscheid selbst geht in feiner Bemerkung noch nicht ganz soweit. Er meint noch etwas loyal, daß es „vielfach an der richtigen Aufklärung gefehlt hat." Aber diese Fest­stellung macht er nur deshalb, weil das Verhalten der sozialdemokratischen Kabinettsmitglieder die sozialistischen Kollegen erst nachträglich gezwungen hat, Farbe zu bekennen. Sonst hätte man so ab­gestimmt, wie es die Massen wünschen, sich aber bann ruhig — um das Kabinett nicht zu gefähr­den — von den anderen Kabinettsmitgliebern einschließlich ber Demokraten in bie Minderheit versetzen lassen. Diese Ausnutzung der Situation für die Parteizwecke, dieser Versuch einer Füh-

* Ehen von Sowjetbürgern mit Ausländern. (Eigene Funkmeldung aus Moskau): Saut Mit­teilung des Volkskommissariats des Innern sind Ehen von Personen verschiedener Staatsangehörig­keit, wenn einer der Eheleute Sowjetbürger ist, nur dann gültig, wenn bie Ehen in ben Standes­ämtern der lokalen Sowjets registriert sind. Bei der Registration der Ehen behält jeder der Eheleute seine Staatsangehörigkeit bei. Der Ueber- gang zur Sowjet-Staatsangehörigkeit wird in üb­licher Weise vollzogen.

wtb. Berlin, 23. Ang. (Eig. Funkm.). Heute vormittag wurde im Plenarsaal des Reichstages die erste Vollsitzung ber interparlamentarischen Kon­ferenz eröffnet. Als Vertreter der Reichsregierung waren mit bem Reichskanzler Müller bie Reichs- minifter Dr. Stresemann, v. Guerarb, Koch- Weser und Dietrich erschienen. An Stelle des erkrankten Vorsitzenden, des Barons Adelswärd, eröffnete der stellvertretende Vorsitzende Brabec - Tschechoslowakei die Konferenz. Er teilte mit, daß der Rat ber Union vorschlage, ben Präsidenten der deutschen Gruppe, den Abgeord­neten S ch ü ck i n g, zum Vorsitzenden des Kongres­ses zu wählen. Die Versammlung stimmte diesem Vorschläge mit lebhaftem Beifall zu. Hierauf er­griff der Wg. Schücking das Wort zu einer Be­grüßungsansprache:

Die interparlamentarische Union ist heute in aller Welt die vornehmste Repräsentantin einer neuen politischen Ideenwelt. Groß sind die Leistungen, die sie zu ihrer Verwirklichung in der Vergangenheit gemacht hat, größer noch sind ihre Aufgaben für die Zukunft. Der Kellogg-Pakt, der in diesen Tagen in Paris unter­zeichnet werden soll, spiegelt nur eine Resolution wieder, die wir schon auf der Plenarkonferenz des Jahres 1925 in Bern gefaßt haben. Aber Größeres und Schwie- rigeres ist noch zu tun. Wir muffen sozusagen die so- g iolo gischen Ursachen des Krieges bekämpfen, in­dem wir dem natürlichen Recht aller Völker in allen Beziehungen auf der ganzen Linie in einem rechtlich geordneten Verfahren zum friedlichen Durchbruch verhel­fen und Mittel und Wege finden, das Ideal der Ge- recht! gkeit zu verwirklichen. Möchte auch die ge­genwärtige Tagung, die so wichtige Dinge umfaßt, von dem Geiste des Fortschritts getragen fein, der der Atem Gottes in der Weltgeschichte ist.

Im Anschluß an bie Begrüßungsansprache von Professor Schücking führte Reichskanzler Her­mann Müller aus:

Der erste Mllkommensgruß, den ich an Sie richte ist der des Oberhaupt»" des Deutschen Reiches, un, seres Reichspräsidenten Herrn von H i n d e n b u rg. Er bedauert, nicht selbst anwesend zu fein und sie zu be­grüßen. Ich tue dies fiter in seinem Auftrage. Dem Gruße des deutschen Reichspräsidenten reiht sich an der Ausdruck der Freude der deutschen Reichsregie- r u n g, pie Sie in ber Reichshauptstadt und an der Stätte des deutschen Parlamentes ebenfalls herzlichst ^-llkommen heißt. Als internationale Einrichtung blickt täa u° 2<chre zurück. In dieser Zeitspanne

b e des Weltkrieges, dessen ziehungen unter ff Ä“4 •53 e‘

d-° in den ersten Jahren^ DJeJenÄ

krteges auf den Tagungen der des Welt-

Union waren, werden sich mit GenugtMn^darw^rin" nern daß auf ihren Tagungen zuerst die Va^ wieder nngetnupft wurden, die nte mehr ?. e r r et ft e fen, wenn Europa nicht doch noch zu, einem Trümmerhaufen werden soll. Die Abgründe die zwischen den einzelnen Völkern sich aufgetan, beginnen sich mehr und mehr zu schließen. Die Barrieren zwi­schen den einzelnen Staaten sind gefallen und von hü- ben unb örüöen reichen sich die Menschen, die g u - ten Willens sind, die Hände zu gemeinsamer Ar­beit. Kein Tolk, so groß und stark es sich dünken mag, kann auf die Dauer für sich allein bestehen. Es bedarf der Histe und Unterstützung der Mitglieder der anderen Volkerfamilien. In dieser Arbeit für ben Fortschritt der Volker ist die parlamentarische Union ein besonders wirk­sames Instrument. Aus dieser Organisation, die in erster Linie für den Schied sgerichtsgedanken und damit für die Beseitigung bewaffneter Konflikte eintrat, hat diese Organisation sich zu einem Weltparlament ent­wickelt, das in voller Freibest und in geistiger Unab­

hängigkeit mit dem bei alten Völkern gemeinsamen In­teresse an die Lösung des großen Problems herangeht. Die Stimmen aller' Nationen, die in diesem großen Parlament vertreten sind, klingen aus in dem einen Wunsch, das Reich des Friedens auf Erden zu sichern. Schwierigkeiten und Kämpfe zwischen den Völkern wird es immer geben. Diese Kämpfe aber aus­zutragen auf dem Boden des geistigen Kampfes ist das Ziel Ihrer Arbeit. Wir sind uns alle darüber klar, daß dieses große Ziel noch in der Ferne liegt und daß es noch vieler heißer Anstrengungen bedarf, um end­gültig ins gelobte Land des Friedens zu gelangen. Die deutsche Reichsregierung wünscht von Herzen, daß Ihre Arbeit dazu beitragen möge, die Menschheit unserem gemeinsamen Ziele näher zu bringen und daß die dies- jährige Tagung in Berlin eine Quelle des Frie­dens für die Menschheit sein möge!

Nach kurzen geschäftlichen Mitteilungen wid­mete ber Vorsitzende Dr. Schücking, während sich die Versammlung vom Platz erhob, ben verstorbe­nen Mitglisbern ber Union einen Nachruf. Präsi­dent Dr. Schücking eröffnete dann die allge­meine p oHtlfd£. Aussprache auf der Grundlage des vom Generalsekretär schriftlich er­statteten Berichtes. Als erster Redner ergriff der Vorsitzende der Kommission für Wirtschaft und Finanzfragen, Dr. T r e u b« Holland, das Wort.

Nicht fünf Minuten!

Zu ber Meldung des „Daily Telegraph", wo­nach Frankreich und Belgien für bie Räumung der dritten Zone die permanente internationale Kon­trolle im Rheinland, Mvbisisierung eines erheblichen Teiles der Dawes-Bonds, ein Ostlocarno zwischen Deutschland und Polen, einen erneuten Verzicht auf ben Anschluß und Einlösung der von ber beutschen Regierung in Belgien ausgegebenen Franken for- bern werbe, schreibt bie Nationalliberale Korres­pondenz, die Dr. Stresemann nahesteht:

„Wft halten diese Meldung für erfunden, weil man an allen maßgebenden Stellen Belgiens und Frankreichs genau weiß, daß sich in Deutsch­land keine Regierung finden würde, die bereit wäre, auf einer derartigen Basis mich nur zu dis- kutieren: nicht fünf Minuten!"

Stresemann schonungsbedürftig.

Laut „B. T." wird bei Dr. Stresemann eine ärztliche Beratung stattfinden, in deren Verlauf festgestellt werden soll, wie weit der Reichsaußen­minister sich in diesem Augenblick, nach Beendigung der für jeden Rekonvaleszenten anstrengenden Karlsbader Kur, noch eine g e wi ffe Sch on un g auferlegen muß. Es handelt sich bei der ärztlichen Beratung keineswegs darum, noch zu entscheiden, ob Dr. Stresemann die Reise nach Paris unterneh­men soll. Diese Reise ist beschlossene Sache, und Dr. Stresemann hat in Paris nur wissen las­sen, mit Rücksicht auf seine Rekonvaleszenz von einigen anstrengenden Veranstaltungen abzusehen, die zu seinen Ehren geplant waren.

So dürfte bei ber ärztlichen Konsultation höch- erwogen werben können, ob Dr. Stresemann, halb nach dem Aufenthalt in Paris, an der Ta- £ *ft.n e 5 lkerbundes teilnehmen oder doch, ob er wahrend der ganzen Tagung in Genf bleiben soll.