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WMMmer 10 V!s. All ZliUÄ. Beilage 15 Vsg)

Amtliches kreisblatk

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda

Dienstag, 21. August 1928

Jtr. 192

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Deutschlands Unterschrift wird an der Spitze stehen.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Polens Antwort an Litauen.

Der Sonderdelegierte der polnischen Regierung. Szumlakorvski, hat am Sonntag dem Ministerprä­sidenten Woldemaras in Kowno die Antwort der polnischen Regierung übergeben, die vom Au­ßenminister Zaleski unterzeichnet ist. In der Antwortnote heißt es: Die Wahl von Gens als Ort für die Wiederaufnahme der po! - nisch-litauischen Beratungen und die Wahl des Datums würden es Zaleski gestatten, per­sönlich den Vorsitz der polnischen Delegation zu übernehmen. Sollte jedoch Woldemaras dem Zu­sammentritt der polnisch-litauischen Konferenz zu einem früheren Datum und der Wahl von Königs­berg als Verhandlungsort mehr Wichtigkeit bei­legen als der Teilnahme Zalefkis an den Arbeiten der Konferenz, so sei die polnische Delegation b e - r e it, mit der litauischen Delegation am 22. Au­gust in Königsberg zusammenzutref. fen. In diesem Falle würde Holowko den Vor- sitz der polnischen Delegation übernehmen. Zu dem Vorschlag vom 31. Juli bemerkt die Rote, die pok- nische Regierung sehe kein Hindernis daran, die polnisch-litauische Konferenz^ mit den Arbeiten des Völkerbundes zusammenfallen zu lassen. Sollte in­dessen Litauen anderer Ansicht sein, so sei sie bereit, zuzustimmen, daß die Konferenz am 25. August in Genf zusammentrifft. Dann könnte Zaleski daran teilnehmen. Die Note meinte, daß einer dieser beiden Vorschläge annehmbar für die litauische De­legation sein werde, und daß Woldemaras seine Zustimmung zu dem Vorschlag geben werde, da der Völkerbundsrat auf seiner nächsten Tagung einen Rechenschaftsbericht über das Ergebnis der Ver­handlungen erwartet. Das Schreiben schließt mit der Bitte, möglichst bald eine Entscheidung zu tref. fen. __

Die Agentur Havas gibt das Programm der anläßlich der Unterzeichnung des Kriegsächtungs­paktes vorgesehenen Veranstaltungen, das aller­dings erst von dem am 23. Aug. üattfirUrenden fron' zösischen Ministerrat endgültig festgelegt werden wird, bekannt: Demnach wird am Vorabend der Unterzeichnung, also am 26. August, der amerika­nische Staatssekretär Kellogg den Bevollmäch­tigten ein Diner geben. Nach der Unterzeichnung des Paktes, die am Nachmittag des 27. August statt­findet, wird am Quai d'Orsay ein Diner mit an­schließendem diplomatischen Empfang stattfinden. Tags darauf wird der Präsident der Republik Die Bevollmächtigten im Schloß von Rambouillet empfangen. Am gleichen Tage wird die Stadt Paris im Rathaus ihnen zu Ehren einen Empfang veranstalten.

Alle zur Unterzeichnung eingeladenen Mächte, haben diese Einladung angenommen und die Na­men ihrer Bevollmächtigten mitgeteilt, mit Aus­nahme von Italien und Polen, deren Antworten noch nicht eingetroffen sind.

DerChicagoer Tribüne" wird vom Bord des Dampfers Isle de France gekabelt, daß Staatsse­kretär Kellogg der französischen Botschaft in Washington mitgeteilt hat, er sei damit einverstan­den, daß der Antikriegspakt von den Nationen in der Reihenfolge, dis das französische Protokoll fest­gesetzt, unterzeichnet werde, das heißt also, daß nach alphabetischer Reihenfolge Deutsch­land (Allemagne) an ersterStelleun- terzeichnet. Kellog billigt außerdem das pro­visorische Programm für seinen Besuch in Paris, das mit einem Frühstück beginnt, daß am Sonntag in der'amerikanischen Botschaft gegeben wird.

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Die bevorstehende Reise Dr. Stresemanns nach Paris wird vomTemps" als n e u e Et a p pe auf dem Wege der Politik der Entspan­nung und Verständigung, der Wiederver­söhnung und der Annäherung gewürdigt. Das Blatt schreibt:Daß noch nicht zehn Jahre nach dem Kriege und nach Unterzeichnung des Vertrages von Versailles der deutsche Minister der auswärtigen Angelegenheiten offiziell nach Paris kommen kann, um' hier einen Pakt, zur Aechtung des Krieges als Werkzeug der nationalen Politik zu unterzeichnen, ist ein Zeichen der Zeit, über das man sich nicht »»..,!'. B8WWH

Heimen Pakt zwischen England und Frankreich aus den letzten Tagen als einen Vorgang zu werten, der dis aesamtstrategische Situation etwas mehr ge­klärt hätte.

* Stresemann wieder in Berlin. Reichsautzen­minister Dr. Stresemann ist am Sonntagabend von Oberhof nach Berlin zmückgekehrt. Er übernimmt am Montag wieder die Geschäfte des Auswär­tigen Amtes.

Einberufung des Ältestenrates.

VDZ. Berlin, 20. Aug. (Eig. Funkm.). Reichs­tagspräsident L ö b e hat, wie das Nachrichtenbüro des VDZ. hört, den Aektestenrat des Reichstages für Montag, den 27. A u g u st, vormittags 11 Uhr eingeladen, um über den k o m m u n i st i - schen Antrag auf Einberufung des Reichsta.ges wegen der Inangriffnahme des Panzerkreuzers zu entscheiden.

Jas Parteigmcht der SojiMemkraten.

Die Minister erhalten eine Rüge, aber sie sollen in der Regierung bleiben.

Cord Haldane gestorben.

Lord Haldane, der seit einigen Wochen erkrankt war, ist am Sonntag int Alter von 72 Jahren ge­storben. ,

Lord Haldane hat zahlreiche hohe Regierungs- ämter während der Regierung der Liberalen in Großbritannien bekleidet. Von 1905 bis 1912 war er Kriegssekretär, von 1912 bis 1915 Lordkanzler. Noch einmal trat Lord Haldane im Jahre 1924 politisch hervor, indem er in dem Kabinett Ramsay Macdonald abermals das Statt des Lord-Kanzlers übernahm. Mit diesem Kabinett trat er im Okt. 1924 wieder zurück. Lord Haldane studierte auch in der Universität G ö t t t n g en u. bewahrte das In­teresse für deutsches Leben im Allgemeinen und deutsche Philosophie und Erziehungsmethoden im Speziellen auch später als Uebersetzer Schapen- Hauers und Serfaffer philosophischer Studien.

Die griechischen Wahlen.

Die griechischen Parlamentswahlen vollzogen sich am Sonntag in großer Ruhe. Nach den bis gegen Mitternacht bekannt gewordenen Wahlergeb- nisten erlangte die Regierung int allgemeinen die Mehrheit, die besonders stark in Athen, Salonike, Thrazien und Kreta ist. Der Sohn des Minister­präsidenten Venizelos ist gewählt, dagegen tst Pangalos durchgefallen.. Kafandarys wurde bei einem Zusammenstoß mit einigen der Gegen- partei angehörenden Wählern leicht verletzt. Vene- zelos hat ihm aus diesem Anlaß sein Bedauern zum Ausdruck gebracht.

Haoas berichtet aus Athen, daß nach feiner Rede Veniselos ein Teil der Zuhörer in geschlossenem Zuge vor das Gebäude des Clubs der Pangalos- anhänger gezogen sei. General Pangalos und zwei seiner Freunde hätten Schüsse auf die Menge abgegeben, durch bid fünf Personen, darunter eine schwer, verletzt worden seien.

* Die Anschlußfrage kommt vor den französischen Senat. Der der Radikalen Fraktion angehörende französische Senator Louis Martin hat dem Autzen- minister mitgeteilt, daß er sogleich nach dem Wie­derzusammentritt des Senats eine Interpellation über die Anschlußfrage einzubringen beabsichtige.

den Verhandlungen am Samstag zum Ausdruck, die teilweise außer ordentlich scharf gewe­sen sein sollen. Daß schließlich die vom,linken Flü­gel her betriebene und geforderte Regierungskrise abgelehnt wurde, bedeutet einen Sieg der staatspolitischen Klugheit, der vorher eine ^e'.iaiiq im Zweifel zu stehen schien. Mit dem Beschluß wird die Auseinandersetzung über den Panzerkreu­zer allerdings auch in der Sozialdemokratischen Partei noch nicht zu Ende fein. Dafür werden schon, von rechts her liebevoll unterstützt, die Kom­munisten mit Eifer Sorge tragen. Dem von ihnen begehrten Volksentscheid haben sie mittlerweile den fast monumentalen Wortlaut gegeben:D e r B a u von Panzerschiffen und Kreuzern je­her 2t r t ist verboten." Dies scheint uns un­gefähr dis einzige deutsch-kommunistische Idee zu sein, die nicht aus Rußland importiert ist.

Das Echo in Frankreich.

Die Auseinandersetzungen, die innerh. der Sozial­demokratischen Partei Deutschlands aus Anlaß des Kreuzerbauers entstanden ist, wird in Paris mit großer Aufmerksamkeit versolgt. Die Rechtspreste stellt mit Genugtuung fest, daß die sozialistifchen Minister den Brüsseler Abrüstungskongreß der ei­genen Partei nicht besser hätten beantworten kön­nen; außerdem liefere der Beschluß des deutschen Kabinetts eine dankenswerte Illustration zur Frage der deutschen Zahlungsfähigkeit, der bei et­waigen Verhandlungen über den Dawesplan einen schätzenswerten Rückhalt für die Vertreter Frank­reichs bilden würde.

Die naheliegenden Rückschlüsse auf dis Rüstungs­verhältnisse des Heeres und namentlich der Marine Frankreichs werden leider in keinem Organ gezo­gen. Bis zur Erfüllung des eigenen Abrüstungs- oersprechens würde jedoch die französische Presse besser daran tun, nur mit größter Zurückhaltu ng in die gegenwärtigen deutschen Erörterungen einzu­greifen.

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion und der sozialdemokratische Parteiausschuß treten dem am 15. August gefaßten Beschluß des Partewor- staudes über die Haltung der der Reichsregierung angehörigen Parteigenossen zu der Inangriffnahme des eigentlichen Baues des Panzerkreuzers A bei. Sie b e d a u e r n, daß die sozialdemokratischen Mi­nister dem Beschluß des Kabinetts unter Verzicht auf vorherige Befragung der Fraktion und des Parteiausschusses zugestimmt haben. Fraktion und Parteiausfchuß halten die engste Fühlungnahme zwischen ihnen und den der Regierung angehören­den Genossen in allen politischen Fragen für eine unabweisbare Notwendigkeit. Fraktion und Par­teiausschuß halten die Beteiligung an der Regie­rung mit Rücksicht auf das Gesamtinteresse der Ar­beiterschaft für außerordentlich wichtig. Sie leiten daher aus der Entscheidung des Kabinetts, die die Ausführung eines vom letzten Reichstag beschlosse­nen Gesetzes betraf, trotz ihrer grundsätzlich abwei­chenden Auffassung über den Ersatzbau des Pan­zerkreuzers nicht die Notwendigkeit ab, unsere Genossen zum Rücktritt aus dem Kabinett aufzufordern.

Diese Entschließung, die gegen eine Minder­heit angenommen wurde und gegenüber roeiter« gchendeiffAnträgen den Vorzug erhielt, ist, wie die Germania" schreibt, das Ergebnis der in der Mit­tagspause gepflogenen Kompromißoerhandlungen. Daß die sozialdemokratischen Reichsminister wegen ihrer Haltung in der Frage des Panzerschiffes eine entfchiedene Desavouierung erfahren wür­den. war bei der in den sozialdemokratischen Mas­sen herrschenden Erregung mit Sicherheit zu er­warten. Diese Erregung kam naturgemäß auch in

(Erweiterung der Krtfenfürforge.

Auf der Tagung des sozialdemokratischen Par­teiausschusses in Berlin nahm im Verlaus der Debatte Reichsfinanzminister Dr^ Hil- f er ding das Wort, um zur geplanten Erwette- rung der Krisenfürsorge die Erklärung abzugeben, daß er und seine sozialdemokratischen Mmrsterkol- legen im Reichskabinett den Antrag stellen werden, die Krisenfürsorge allgemein von 26 Wochen auf 39 Wochen auszudehnen.

König Gustaf von Schweden besucht die '3cppelinroerft. König Gustaf von Schweden traf am Sonntagnachmittag aus Baden kommend in Begleitung des Grafen Douglas Langenstein im Auto inkogniw in Friedrichshafen ein, um dem Luftschiffbau Zeppelin einen Besuch abzustatten. Der König besichtigte mit seiner Umgebung unter sachkundiger Führung eingehend das neue Luftschiff Gras Zeppelin", sowie das Zeppelin-Museum.

täuschen kann. Es bringt zum Ausdruck, daß trotz aller Schwierigkeiten, auf die man noch stößt, trotz aller Probleme, die in ihrer anfänglichen Verwik- keltheit weiter bestehen, sich in (Europa etwas geän­dert hat. Die seit 1924 eingetretene vollstän - dige Aenderung der politischen At­mosphäre macht heute einen offiziellen Besuch des Reichsaußenministers in Paris möglich, nicht zur Regelung der zwischen Frankreich und Deutsch­land bestehenden Fragen, sondern zwecks Beitritt zu einer Akte, die jeden imperialistischen Krieg, je­den Angriffs- und Eroberungskrieg verwirft. Man muß anerkennen, daß es für Dr. Stresemann ei­nes gewissen politischen Mutes bedurfte, um diesen Entschluß zu fassen angesichts der lebhaften Kam­pagne der reaktionären deutschen Presse gegen je­den Schritt des deutschen Ministers jn Paris, so­lange das Rheinland von alliierten Truppen be­setzt sei. Aber hierin wie in der Politik von Lo­carno und Gens läßt sich Dr. Stresemann nur von deutschen Interessen leiten, de­nen er mit bemerkenswertem Verständnis für die Umstände des Augenblicks dient. Deutschland ist tatsächlich der H aup tnutzni e r der Politik der Entspannung und Verständigung im letzten Jahr gewesen, und es verdankt Dr. Stresemann die Vorteile, die es ihm ermöglicht haben, an seiner wirtschaftlichen Gesundung und an seinem Wieder­eintritt in die internationale Politik zu arbeiten. Wir täuschen uns nicht über die Gedankengänge, die die neue Politik, so wie man sie in Berlin auf­faßt, beherrschen, aber das ändert nichts daran, daß die Aussichten für die Aufrechterhaltung des Frie­dens durch diese Politik erfüllt werden."

Antwort Kelloggs an Chamberlain.

totb. Neuyork, 20. Aug. (Eig. Funkm.). Staats­sekretär Kellogg antwortete Chamberlain auf dessen Mitteilung, daß er infolge seines Gesundheits­zustandes an der Unterzeichnung des Friedenspaktes in Paris nicht teilnehmen könne, mit folgendem Telegramm: Ich teile Ihre Ansicht, daß der Kriegs- ächtungspatt einen deutlichen Fortschritt zum all­gemeinen Frieden hin darstellen wird. Es wäre mir eine große persönliche Befriedigung gewesen, wenn Sie an der Unterzeichnung des Pattes hätten teilnehmen können.

Die Reife Strefemanns.

Der französische Botschafter in Berlin ist nun offiziell davon in Kenntnis gesetzt worden, daß der deutsche Außenminister Dr. S t r e s e m a n n die Einladung nach Paris angenommen hat und per- fönlich für Deutschland die Unterzeichnung des Kel- iogg-Paktes vornehmen wird. So wird Kellogg, der sich auf der Reise nach Europa befindet, außer den französischen Staatsmännern wenigstens noch einen der prominenten Diplomaten von den Staa­ten in Paris zu Gesicht bekommen, die als die nächstbeteiligten Großmächte den Kriegsächtungs- oertrag vereinbart haben. In Paris hat man die Zusage Stresemanns natürlich mit Befriedigung aufgenommen, die sich allerdings nur erst auf die gesellschaftliche Seite dieses Ereignisses bezieht. In politischer Beziehung dürften d:e Franzosen dem Kommen des deutschen Außenministers nicht ganz ohne gemifchte Gefühle zusehen, denn sie sind in der Sorge, daß Stresemann die Gelegenheit benutzen könnte, einmal wieder auf gewisse naheliegende Fol­gerungen aus dem Locarnopakt und dem Kellogg- vertrag hinzuweisen. Es ist inzwischen bekannt ge­worden, daß Deutschland den Kabinetten in Paris, Rom, Brüssel und London vor kurzem die Mittei­lung hat zugehen lassen, daß Stresemann die Ab­sicht habe, in Genf einen formellen Antrag auf vorzeitige Räumung des besetzten Gebietes zu stel­len. Natürlich muß man in Paris damit rechnen, daß Stresemann gewisse Vorbesprechungen über das Thema suchen wird, das aber bedeutet, daß man sich wappnen wird. Ministerpräsident Poincare hat eine dringliche Kabinettssitzung einberufen, an­geblich um das Zeremoniell bei der Unterzeichnung des Kciloggpaktes festzulegen, in Wirklichkeit aber sicher nur, um sich mit den übrigen Kabinettsmit- gliedern darüber zu verständigen, welche Taktik ge­genüber dem Strefemann'fchen Vorstoß zu empfeh­len sei.

Bevor Stresemann die Einladung nach Paris annahm, mußten erst einige Mißstimmigkeiten aus dem Wege geräumt werden, die in der letzten Zeit entstanden waren. Sie wurzelten einmal in dem Verbot des Erweiterungsbaues des Rüffelsheimer Bahnhofs, dann in dem französischen Auslieferungs­begehren gegen einige junge Leute, die die fran­zösische Fahne im besetzten Gebiet verletzt hatten. Diese Mihstimmigkeiten sollen inzwischen beseitigt fein, doch ist neuerdings ein dritter Zwischenfall entstanden, der sich auf die Spionage in Farbfabri­ken des besetzten Gebietes bezieht. Sowohl diese Fabrikspionage mie auch die Frage des Rüssels­heimer Bahnhofs haben in letzter Zeit den Ver­dacht geweckt, daß die Aufrechterhaltung der Be­satzung im Rheinlande trotz Locarno und Kellogg- oakt weniger ihren Grund hat in dem französischen Sicherheitsverlangen und in dem Verlangen nach Garantie für die Reparationszahlungen, als viel­mehr in den bequemen Möglichkeiten, die sie bietet, !>ie wirtschaftliche Konkurrenz Deutschlands nieder- '.uhalten. Ist das aber der Fall, fo bekommt die weitere Aufrechterhaltung der Besatzung über ihren militärischen und politischen Charakter hinaus einen wirtschaftspolitischen, ja hier wird ausschließlich das Gebiet der öffentlichen Moral berührt. Hin und wieder kann man nun lesen, daß man sich auch in Paris allmählich ernsthaft mit einer vorzeitigen Räumung des besetzten Gebietes zu beschäftigen be-. gönnen hat, daß also die deutsch-französische Ver­ständigungspolitik, die feit dem kurzen Impuls von Thoiry eingeschlasen ist, in eine neue Etappe ge= taugt sei. Es wäre aber verkehrt anzunehmen, daß sich die französische Politik etwa deutschen Auf­fassungen angenähert hatte. Wenn die vorzeitige Rheinlandräumunq überhaupt zurzeit in Paris po­sitiv erörtert werden sollte, dann geschieht das selbst­verständlich nur in dem Gedanken, vielleicht ein politisches Geschäft machen zu können. Der Tag kann nicht mehr fern fein, wo die deutsche *Re = p a r a 11 o n 5 f u m tn c in ihrem Betrage fixiert werden wird und vielleicht wird eine solche Maß­nahme wenn sich auch Amerika noch heftig da- 3egen sträubt, mit der gesamteuropäischen Krieqs- idjulbenregelung verbunden fein Frankreich lieat nun sehr daran daß die Zahlungen die ?s von Deutschland alsdann erhalten wird, größer bleiben als die Zahlungen, die es sechst an Amerika l°ist°n müßte. Dies durchzusetzen, ist ein französisches Be­streben schon seit Thoiry. Das Mittel soll die Flill- ügmochung der Eifenbahnobligationen sein, für di- vber die Zustimmung Englands und Amerikas neuen der deutschen notwendig wäre. Für Deu"ch- land ist es selbstverständlich ein unerträglicher Ge­danke, die vorzeitige Rheinlandräumung besonders kU 65 kann auch einer Flüfsigmachuna

der Eisenbahnobligationen seine Zustimmung nicht zeben, wenn es nicht die unbedingte Gewißheft hat, daß dieses Entgegenkommen bei der Fixierung der Reparationssumme in Rechnung gesetzt wird Staatssekretär Kellogg hat gefürchtet, daß fein Ver- arücn in Paris am 27. August vielleicht als eine zünftige Gelegenheit genommen würde, das Pro- ? e,nir interaHiierten Schulden aufzuwerfen. Er jat solcher Möglichkeit durch eine formelle Erklä- rung. daß er nur des Kriegsächtungspaktes wegen 5lei. -r!e nac^? Europa antrete, vorgebeugt. Und rar "Les. ausgeschlossen, daß er in solche Gespräche informeller Art hineingezogen wird, wenn auch alle Beteiligten wissen, daß in Amerika Reuwahlen vor der Tür stehen und von dem jetzi­gen Präsidenten keine Beschlüsse von politischer Tragweite mehr erwartet werden können. Einige ^6r,<r -®en ."fs?u auch durchblicken, daß man

bte deutsch-österreichische Anschlußfrage mit der Rhemlandraumung verquicken werde.' Die Dinge treiben wohl In Mer Richtung einer gewissen Reffe entgegen Sfter bie Probleme selbst werden durch ihre innere Verflechtung miteinander immer mehr kompliziert und man braucht nicht einmal den ge-

* Reise Krestinskis nach Kisiingen. In der beut« schen und ausländischen Presse find Andeutungen über eine geheimnisvolle Reise des russischen Bot- schafters Krestinski erschienen. Dazu wird mitge­teilt, daß Herr Krestinski nur nach Kissingen ge­fahren ist, um dort die Kur zu gebrauchen.

* Vereitelung eines revolutionären Anschlages in Ecuador. Nach einer amtlichen Mitteilung aus Quito wurde ein revolutionärer Anschlag verei­telt, der darauf abzielte, die Wiederherstellung ei­ner verfassungsmäßigen Regierung in Ecuador zu verhindern. Zahlreiche führende Mitglieder der liberalen Partei wurden hingerichtet. Der Ver­schwörer Jose Maria Ayera ist in Haft genommen worden. In einem amtlichen Kommunique wird mitgeteilt, daß von den Revolutionären Waffen, Geld und aufreizende Druckschriften an die Straf­gefangenen verteilt worden sind. Die Ordnung ist aufrechterhalten.

* Eine Umfrage über die Prohibition in der Bereinigten Staaten. (Eig. Funkm.). Neuyork Times veröffentlicht das Ergebnis einer Umfrage, die von der Church Temperance Society vorge­nommen worden war. Die Umfrage soll dazu die­nen, die Wirkungen des Alkoholverbots festzu- stellen. Von 5000 Geistlichen der Episkopalkirche bezeichneten 1300 die Prohibition als einen Fehl­schlag; 500 nannten sie einen Erfolg. 1389 befür­worteten eine Aenderung der Prohibitionsgesetze, während 673 sich gegen die Aenderung des Ge­setzes aussprachen. '

Die Beratungen des Parteiausschusses und der Reichstagsfraktion der Sozialdemokratie wurden am Samstagabend gegen 6% Uhr abgeschlossen. Das Ergebnis wurde in folgender Entschl:e- ß u n g niedergelegt:

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