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Nr. ISS

Mittwoch, 15. August 1928

SS.Zahrg

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Von richtet:

Die

Frankreich und Genf.

einer besonderen Genfer Quelle wird be«

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotattonsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

tion begleiten würde, auf die Wirkung dieser Rede auf das Ausland anwendet. Dieser „Don­nerschlag" könne nur das Signal abgeben für ei­nen vollständigen Umsturz der beste- henden Ordnung Europas.

Der rechtsstehende französische „Avenir" be­zeichnet den Anschluß als das Signal zu einer völligen Umwandlung der ge­genwärtigen Lage Europas. Man be­rufe sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Völ­ker, das die Alliierten während des Krieges pro­klamiert hätten. Es heiße aber die Formel um­kehren, wenn man sich ihrer bediene, um eine un­abhängige Macht, der es sicher nicht an wi^i^aft- lichen' Mitteln noch an finanziellen Quellen zur Sicherung ihrer Existenz fehle, unter die Vor­mundschaft des Reiches zu stellen. Dem Selbst­bestimmungsrecht, ja allen Rechten sei eine Grenze gesetzt in den Freiheiten der anderen Völker, und das erste all dieser Rechte sei das Recht auf S i - cherheit. Das vergesse Deutschland. Die Stunde sei gekommen, Deutschland zu erklären, daß es ge­genwärtig gefährliche Illusionen nähre, und daß man es auf einen Weg treibe, der nicht der Weg des Friedens sei.

Das royalistische Matt „Aktion Francaise" schreibt, man könne Müller-Franken, Löbe, Rad­bruch und Genossen nicht der Heuchelei, des schlech­ten Willens und des maskierten Imperialismus zeihen, man könne nur sich selbst der Ungewißheit und der Verblendung bezichtigen. Da der An­schlußgedanke in Deutschland vom republikanischen Gedanken untrennbar sei, könne man sich dem Anschluß nicht wid er setzen, ohne die deutsche Republick nicht nur in ihren Aspirationen, sondern auch in ihrer Doktrin zu treffe^ Das Blatt glaubt, daß es schwer sein werde, aus 3te« ser Schwierigkeit herauszukommen.

Die englisch-französischen Rheinland-Manöver.

Die öffentliche Meinung in England gegen die Teilnahme britischer Truppen an den französischen Herbstübungen.

Der Etat 1929.

Im Reichsfinanzministerium haben jetzt die Vorarbeiten für den nächsten Etat begonnen. Die Aufstellung des Haushaltsplanes für das Rech­nungsjahr 1929 macht, wie die „Voss. Ztg." er­fährt, deshalb besondere Schwierigkeiten, weil man zwangsläufig mit einer Steigerung der Re­parationsverpflichtungen und gleich­zeitig mit einer Verringerung der Ein­nahmen rechnen muß. Vorausgesetzt, daß es bis dahin nicht zu einer Neureglung der Repa­rationen kommt, wird das Haushaltsjahr 1929 das erste sein, in dem die „normalen" Reparations­leistungen von 2,5 Milliarden Mark aufzu­bringen sind. Das Reich hat.davon unmittelbar 1540 Millionen Mark gegenüber 1247 Millionen Mark im laufenden Haushaltsjahr zu zahlen. Es ergibt sich also eine Mehrausgabe von rund 300 Millionen Mark. Daneben aber fallen zwei wichtige Einnahmeposten fort. Aus den Ueberschüssen des Jahres 1927 sind im laufenden Etat 125 Millionen Mark eingestellt, weitere 175 Millionen sollen sich im Jahre 1927 aus der Prägung von Reichsmün­zen ergeben. Diese einmaligen Einnahmen sind für das nächste Etatjahr nicht zu erwarten. Im ganzen ist für 600 Millionen Mark neue Deckung zu beschaffen, wenn es nicht gelingt, die Ausgaben im stärkeren Maße herabzusetzen. Die Frage der Deckung soll in Angriff genommen werden, sobald die einzelnen Ressorts den Voranschlag ihrer Ein­zeletats fertig gestellt haben, was etwa am 15. September zu erwarten ist.

Pariser maßgebenden Kreise äußern sich über die letzten Sicherheitsverhandlun- gen in Genf dahin, daß es den Wert dieser mit großem Fleiße hergestellten diplomatischen und juristischen Musterstücke überschätzen hieße, wenn man ihnen in der jetzigen Form eine praktische Bedeutung beimesjen würde. Bis alle diese Vor. träge einmal Wirklichkeit werden können, hätten sie noch so viele Instanzen und Verhandlungen »u passieren, soviel taktische und politische Zusätze und Abstriche über sich ergehen zu lassen, daß von ihrer jetzigen Form wenig übrigbleiben werde. Die eigentliche Bedeutung dieser Vertrags, entwürfe liegt vielmehr in ihrer Entstehung- ge schichte, weil in ihr sich widerspiegelt, wie die einzelnen Kräfte in dem großen Komplex Si­cherheitsabrüstung wirken und nach welchen Rich­tungen sie zielen.

Frankreichs Ausregung über hie AnMuWrheruug Das Echo der Berliner verfassungsrede Radbruchs.

In diesem Sinne bringt man auch dem Ver- lauf der dritten Tagung des Sicherheitskomitfs ein gewisses Interesse entgegen. Man bringt die Haltung der in der Abrüstung ausschlaggebenden Mächte etwa auf folgenden Nenner: England und Italien setzen ihr „non possumus" fort, Frankreich, Polen und die übrigen Militär- floaten der Kleinen Entente suchen mit sehr be- weglicher Taktik und geschickt verteilten Rollen ihr altes Ziel durchzusetzen, die Sicherheit durch Mi- litärbündnisse und Sanktionsverpflichtungen zu er­reichen. Die deutschen Anregungen, die sich zum Schlüsse zu einem Modellvertrag „zur Verstör- hing der Mittel zur Kriegsverhütung" verdichten, haben dieses Kräfteverhältnis wieder klar werden lassen. Da das Komitee sich im übrigen nur mit schon bekannten Dingen zu beschäftigen hatte und die übrigen Modellverträge in ihren Grundzügen schon im März festgelegt waren, konzentrierte sich das ganze Interesse auf die deutschen Anregungen, die damit zum Prüfstein für die Haltung der an­deren Mächte wurden.

Diese deutschen Vorschläge waren, so erkennt man auch in Paris an. von vornherein ein mo- ralischer Erfolg. Sie sind in den letzten Tagen in der Auslandspresse recht eingehend behandelt und natürlich auch kritisiert worden, aber man kann dabei doch nicht um die Schlußfolgerung herum, daß die deutschen Vorschläge sehr wertvoll und ein wirklicher Dienst an der Sache des Friedens feien. Die Weltöffenüichkeit scheint den Vorwurf der deutschen Obstruktion zurückneh­men zu wollen.

Eine andere Sache ist es mit dem praktischen Erfolg der deutschen Vorschläge. Der Modellver­trag auf ihrer Grundlage, sowie er augenblicklich gefaßt ist, gibt zwar selbst den Pariser chauvinisti­schen Kreisen feinen Grund zur Beunruhigung, aber diese Kreise sagen sich, daß alle diese Bestim­mungen vorerst reines Papier sind und daß der Wert derartiger Verpflichtungen ohne eine allge­meine Rüstungsverminderung oder Angleichung der Rüstungen sehr zweifelhaft bleibt.

Annahme der Nettuno-vertrage.

wtb. Belgrad, 14. August. (Eig. Funkm.) Die! Skuptschina hat am Montag abend die Nettuno- Derträge angenommen. Vor der Abstimmung gab der stellvertretende Minister des Auswärtigen, Schuenkowitsch eine Erklärung ab, in der er be­tonte, daß der größte Teil der Verpflichtungen, die Jugoslawien durch diese Verträge auf sich nehme, bereits durch frühre Abkommen vorgesehen war. Der Minister erläuterte dann die einzelnen Kon- ventionen und wies die gegen sie erhobene Kritik der Opposition als unbegründet zurück, da die Be­stimmungen der Verträge keine Gefährdung der Jnteresien Jugoslawiens bedeuteten. Unmittelbar vor der Abstimmung verließen die Abgeordneten des serbischen Landwirtebundes den Sitzungssaal. Die deutsche Partei war bei der Debatte überhaupt nicht anwesend.

* Der neue Vorsitzende der Kroatischen Bau­ernpartei. Vjlaidko Matschek, der Vizepräsi­dent der kroatischen Bauernpartei, wurde in der Sitzung am Montag in Belgrad von der kroati­schen Abgeordnetengruppe anstelle des verstorbe­nen Stefan Raditsch zum Präsidenten gewählt. Die kroatische Bauernpartei hielt am Vormit­tag unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten der Partei, Dr. Matschef eine geheime Sitzung ab, über die ein Kommunique veröffentlicht wurde. Dieses stellt über die mit dem Tode von Raditsch entstandene Lage fest, daß Raditsch weder ein po­litisches Testament noch Weisungen über die wei­tere Organisation der Partei hinterlassen hat. Hin­gegen habe Raditsch gegen fein Lebensende bei Parteileitung Weisungen über die weiter zu be­folgende politische Richtung, und zwar für alle Eventualitäten der Innen- und der außenpoliti­schen Lage gegeben. Die Parteimitglieder spra­chen der Leitung einstimmig das Vertrauen aus und erklärten, daß Raditsch auch nach seinem Tode der Führer der Kroaten und der ewige Präsident der Partei bleibe.

* Glückwunschtelegramm an den Reichspräsi- »enfen anläßlich des Verfassungstages. Anläßlich des Verfassungstages hat der Herr Reichspräsident Glückwunschtelegramme von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, dem Schah von Persien, dem König von Aegypten sowie den Präsidenten von Columbien, Bolivien und San Domingo erhalten. Der Herr Reichspräsident hat den vorgenannten Staatsoberhäuptern telegra­phisch seinen Dank übermittelt.

* Ferienaufenkhal! des Reichspräsidenten in ®?^ern- Der „Vosslschen Zeitung" zufolge hat sich der Reichspräsident am Samstag nach Bremen vegeben und wird von dort nach Bayern reifen bauern ^erientiU^entI,aIt wird mehrere Wochen

* Glückwunschtelegramm des Reichskanzlers an Dr. Stresemann. Reichskanzler Müller sandte am Montag an Reichsminister Dr. Stresemann fol­gendes Glückwunschtelegramm: „Es ist mir ein be­sonderes Bedürfnis, Ihnen anläßlich des heutigen

Kolonie geladen, um das neue Gesandtschafts­gebäude einzuweihen. Der finländische Außen­minister war persönlich in der deutschen Gesandt­schaft erschienen, um seine Glückwünsche auszu­sprechen. Auch der Staatsminister ließ durch sei­nen Vertreter seine Wünsche übermitteln, während die diplomatischen Vertreter zum Teil persönlich gratulievten.

* Erholungsreise Marschall Pisiudskis. (Eig. Funkm.) Marschall Pilsudski ist in der Nacht zum Dienstag von Wilna nach Warschau abgereist. In den nächsten Tagen wird der Marschall, wie früher beabsichtigt, nach Rumänien fahren, nm dort feingn I Erholungsurlaub zu verbringen.

* Einweihung des neuen deutschen Gesandt- schaftsgebäudes in helsingfors. Aus Anlaß des Verfassungstages hatte der deutsche Gesandte In Helsingfors die Mitglieder der deutschen Kolonie geladen, gebäude einzuwei

Fuldaer Zeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

fünften Jahrestages des Beginns Ihrer Tätigkeit TiArl£lter 6er deutschen auswärtigen Politik auf- e rmd herzlichste Glückwünsche zugleich mich nn Warnen der Reichsregierung auszusprechen. Ihre Tätigkeit im Verlauf dieser fünf Jahre hat Deusich- Ed m ferner Weltgeltung um ein gutes Stück

l gebracht. Mit diesen Wünschen verbinde daß wir Sie alsbald in voller Arbeitsfrische und Gefundhest im Reichskabinett begrüßen können.

* Professor hoehsch jn Amerika. Reichstags- abgeorimeter Professor Hoetzsch ist mit Gemahlin an Bord des Lloyddampfers „München" in New- york emgetroffen. Er wurde am Pier vom Gene­ralkonsul v. Lewinski und Konsul Dr. Drechsler empfangen. Professor Hoetzsch reiste sofort nach Williamstown (Massachusetts) weiter, wo er am Abend vor zahlreichen Wissenschaftlern und Diplo­maten seinen ersten Vortrag in der Vortragsreihe über die innere und äußere Politik Deutschlands hielt.

chen für die neue ungeschriebene Al­lianz betrachtet, die von der halbamtlichen framö- sischen Presse als Ergebnis des Marinekompromisses bezeichnet worden sei. Jn Paris sei großer Wert darauf gelegt tootben, dem Vorfall eine politische Bedeutung zu geben. Die Einladung sei nicht von den militärischen ftanzösischen Stellen ausgegangen, sondern sei dem Foreign Office vom Quai d'Orsay übermittelt worden.

Die liberale „Daily News and Westminster Ga­zette" sagt: „Unter Berücksichtigung aller Umstände erscheint es uns besonders unglücklich, daß der gegenwärtige Augenblick gewählt worden ist, bri­tische Truppen an den französischen Manövern im deutschen besetzten Gebiet teilnehmen zu lassen. Dies ist fr ankend für die Deutschen und wird den Ein­druck vertiefen, daß wir in einer besonderen Ope- tttttön mtt den Franzosen begriffen sind. Es ist ~ne„T .Jte’ ?Ie in direktem Gegensatz zu der fn Großbritannien beinahe einstimmig herrschenden Empfindung steht daß die Rheinlandbesetzung so­bald wie möglich beendet werden sollte.

Die Rationalisten denken anders.

„Mornrng Post", das extrem-konservative Blatt, führt aus: Niemand, der in England etwas zu sagen habe, sei der Meinung, daß die Wiederver- söhnung mit dem vormaligen Feinde bedeute, daß man sich mit seinem Freunde verfeindet. Groß­britannien und Frankreich fahren fort, das Rhein­land aufgrund des Versailler Vertrages besetzt zu halten, und jede gemeinsame Aktion zwischen den beiden Armeen ist sowohl natürlich als auch wün­schenswert. Es mag löblich fein, die Ereignisse von 1914 bis 1918 zu vergeben, aber es ist unmöglich, sie zu vergessen. Die Beschwerden einer hervor­ragenden Tageszeitung (gemeint ist die „Franks. Zeitung") in einer Angelegenheit, die ausschließlich unseren Freund Frankreich und unser eigenes Land angeht, sind nicht geeignet, die Entwicklung fteund- fchastlicher Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland zu fördern.

Englische Racht-Luftmanöver.

Am Montag abend nahmen die englischen Lust­manöver ihren Anfang, die in jeder Nacht dieser Woche fortgesetzt toeiben. An den Manövern wer- den 250 Apparate der großbritannischen Luftstreit- rrafte teilnehmen.

vor der Pakt-Unterzeichnung.

Skrcsemanns Reise nach Paris.

Die offizielle deutsche Antwort auf die franzö­sische Einladung zur Unterzeichnung des Kellogg- Paktes wird Ende der Woche nach Paris über­mittelt. Die Entscheidung darüber, ob der Außen­minister nach Paris fährt, fällt schon in den näch­sten Tagen. Der Stellvertreter des Außenmini­sters, Staatssekretär v. Schubert, begibt sich am Dienstag nach Oberhof, wo Dr. Stresemann, wie gemeldet, zur Nachkur eingetroffen ist. Ge­genstand der Besprechungen sind alle mit der Pari­ser Reise und dem Kelloggpakt zusammenhängen­den Fragen. Auch dis Genfer Ratstagung dürfte behandelt werden. Da Strefemanns Gesundheits­zustand befriedigend ist und über das französische Auslieferungsbegehren eine Verständigung erzielt ist, nimmt man an, daß die deutsche Antwort an Briand eine Zusage enthalten wird Wann der Außenminister die Reise nach Paris antritt, steht noch nicht fest, vermutlich am 24. oder 25. August. Die Rakifizierungsurknnden werden in Washing­

ton hinkerlegk.

United Preß meldet aus Washington: Staats­sekretär Kellogg gab bekannt, daß die Nationen, die an der Pariser Unterzeichnung des Kriegs­ächtungspaktes teilnehmen werden, übereingekom- men sind, den Vertrag und alle Ratifizierungs­und Beitrittsurfunden bei der Washingtoner Regierung zu hinterlegen. Der Vertrag tritt erst nach Hinterlegung der Urkunden in Kraft. Nach­dem der Vertrag in Kraft getreten ist, steht auto­matisch auch allen anderen Weltmächten der Bei­tritt zum Pakt offen.

Die Sowjet-Union und her Rellogg-Pakt.

wtb. Paris, 14. Aug. (Eig. Funkm.). lieber die gestrigen Erklärungen des Staatssekretärs Kellogg in Washington über die Unterzeichnung der Äntikriegspakte meldet ein Blatt, daß man von Rußland feine Mitteilung . entgegennehmen würde. Sollte es aber den Pakt zu unterschrei­ben wünschen, dann müßte es sich der Vermittlung einer anderen Macht bedienen, .mit der sowohl die Vereinigten Staaten wie Rußland diplomatische Beziehungen unterhielten. Kellogg erklärte au­ßerdem, daß er nicht davon in Kenntnis gesetzt worden fei, ob Spanien, Rußland und andere Länder formell dem Pakt in Paris am 27. August durch Unterzeichnung eines Zusatzprotokolls beitre­ten würden, das gleichzeitig mit dem für die Un­terschrift der 15 ersten Unterzeichner bestimmten Protokolls hinterlegt werden könnte.

Amerikanische Besorgnisse über bas englisch-fran­zösische Rüstungsabkommen.

Jn bem Blatt „Washington Star" führt bet politische Schriftsteller Simonds aus, Amerika fei durch bas englisch-französische Rüstungskompromiß in eine isolierte Stellung gedrängt worben, und seine Lage fei zurzeit sehr ernst. Es fei jedoch anzu­raten, daß es barüher nicht die Ruhe verliere, sondern bie weitere Entwicklung abwarte. Jeden­falls sei e§ widersinnig, daß kurz vor der Zeichnung des Antikriegspaktes England und Frankreich eine so entschiedene Opposition gegen Amerika beginnen und gerade die Schiffstypen ablehnen, die Amerika am meisten benötigt, nämlich die 10000 Tonnen- Kreuzer und die großen Tauchboote. Jn Zusam­menhang mit dieser Verschärfung der Flottenfrage bringen die Neuyorker Blätter eine Meldung der Associated Preß aus England, wonach der Erste Lord der britischen Admiralität, Bridgeman, in Hellefield (Porkshire) erklärt habe: „Kellogg sagt, wir Amerikaner sind Idealisten und werden den Krieg in Acht und Bann tun. Es ist aber viel leichter, derartige Phrasen zu machen, als sie in die Tat umzusetzen."_________________

Zu der Meldung von der Teilnahme britischer Kavalllne an den ftanzösischen Rhemlandmanö- vern schreibt Manchester Guardian" im Leitartikel: Handelt es sich hier um eine Taktlosigkeit oder hat dieses Vorgehen politische Bedeu­tung? Wenn der Kriegssekretär auf eigene Ini­tiative hin gehandelt hat, sollte ihm gesagt werden, daß er zu weit gegangen ist: wenn der Staatssekre­tär des Auswärtigen seine Genehmigung erteilt hat so sollte er dem Lande seine Gründe nennen. Die Angelegenheit ist gegenwärtig besonders schwer begreiflich und zwar aus zwei Gründen: 1. Da bie Rheinlandbesetzung bestimmt bei der Zusammen­kunft des Völkerbundsrates erörtert wird, ist es besonders erwünscht, alles zu vermeiden, was Er- bitterung erzeugen kann. 2. Jn Locarno haben wir versprochen, Franfteich gegen Deutschland zu hel- aber auch Deutschland gegen Frankreich zu schützen. Wenn jetzt britische Truppen an den Manövern einer vertragschließenden Partei teil­nehmen, so sollte klar ausgesprochen werden, daß sie genau so bereit sind, an den Manövern der anderen Partei teilzunehmen; andernfalls muß die Zu­sammenarbeit ftanzösischer und britischer Truppen bei den militärischen Uebungen den Eindruck er­wecken, daß wir wieder zum alten System zurück­kehren, von dem man glaubte, es sei durch Locarno beseitigt worden. Es ist ein großes Unglück daß das Parlament nicht tagt und daß C h a m b e 11 a in »am ist und von einem Minister vertreten wird ^KttTn erwecken ^ann. ^eftr Zwischenfall tragt dazu bei, den Eindruck zu verstärken, daß eine Aenderung in unserer Anken Politik eingetreten ist und daß wir zu den alten Methoden und der alten Geheimpolitik zurücklebr/n

Auch der „Star" beklagt in einem Leitartikel den „dummen Zwischenfall", der durch die Mel­dung von der Teilnahme britischer Kavallerie an den ftanzösischen Manövern im besetzten Gebiet entstanden fei. Das Blatt sagt, hierin könne man nur einen Nadelstich gegen Deutschland erblicken. Solche Zwischenfälle seien an sich selbst vielleicht nicht wichtig, gäben aber jenen Leuten mne Handhabe, die den Locarnoverträgen und Kelloggpakten gegenüber Mißtrauen spürten oder sie aus eigennützigen Gründen zu zerstören wünschten. . „Evening Standard" meint, das Ereignis werde m Franfteich und in Deutschland als ein Anzei-

Wie der „Köln. Volksztg." aus Paris berich­tet wirb, hat es in dortigen politischen Kreisen die Wirkung einer wirklichen Ueberraschung gehabt, daß so kurz nach der Ablehnung der Wiener An- schlußfundgebung durch die Presse Italiens und Frankreichs die Anschlußforderung in der Berliner Verfassungsrede Prof. Radbruchs unter offiziellen Umständen erneut geltend gemacht wurde. Während schon damals nicht eine einzige Stimme in Frankreich zu ver­zeichnen war — einschließlich der radikalen und so­zialistischen Presse —, die den Anschlußgedanken auch nur im Prinzip gebilligt hätte, wird jetzt in Pariser politischen Kreisen die Frage aufgeworfen, ob die Reichsregierung denn etwa eine offi­zielle Ablehnung durch die franzö- fische Regierung provozieren wolle. Aber Deutschland macht sich ja über die Stimme der Völker lustig — so schreibt der Intransigeant — es will erneut eine furchtbare Macht werden. Der Anschluß, ist ihm dazu das erste Mittel, also bereitet es ihn vor und zählt auf unsere Lässig­keit. Es fjofft, mit der ständigen Wiederholung seiner Forderung uns einschläfern zu können. Es denkt, daß wir sie mit immer schwächerem Wider­spruch beantworten und Deutschland zum Schluß einfach gewähren lassen. Aber wir halten uns an den eindeutigen Wortlaut der Verträge: „An­schluß, niemals!"

Ausnahmslos wird die Rede Radbruchs als die erste offizielle Stellungnahme der Reichsregie­rung zum Anschluß angesehen.

Wie unvermittelt Frankreich jetzt die mehr­fachen Manifestationen zugunften des Anschluffes empfindet, ergibt sich am deutlichsten aus der Tat­sache, daß die französische Preffe einheitlich das Wort von dem „D o n n e r s ch l a g ", der nach Radbruchs Worten die Einigung der deutschen Na-

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