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Fu ld a er Z er tun g

Anzeiger für die Stabt Fulda unb ben Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

7lr. 187

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblättcr" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc. 9. Monatl. 1,80 einschl. T oft geb. <30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Dienstag, 14. August 1928.

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Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051

K Mgestelllelivkrßcherulig im Zchre 1927

wtb. London, 13. August. (Eig. Funkm.)Daily Chronicle" schreibt in einem Leitartikel: Es ist bedauerlich, daß Chamberlain an der Unter­zeichnung des Kelloggpaktes in 14 Tagen nicht teilnehmen, sondern von Lord Cushendun ver­treten werden wird. Es ist jetzt zum Teil wegen der ernsten Erkrankungen des französischen und des deutschen Außenministers einige Zeit her, daß die drei Urheber des Locarno-Vertrages zum letzten Mal zusammenkamen. Wenn sie jetzt sozusagen unter amerikanischem Vorsitz eine Zusammenkunft hätten, bei einer Gelegenheit, wo Washington be­sonders interessiert ist, so würde das zeitgemäß gewesen sein und vielleicht wertvolle Ergebnisse gezeitigt haben. Lord Cushendun kann, auch, wenn

I auf Grund des Kelloggvertrages abgeschwächt werde, i Der Vertrag verpflichte die Signatarmächte be- I sonders, sich gegenseitig nicht anzugreifen und habe I kaum etwas mit Dingen zu tun, die ledig­lich der nationalen Verteidigung dienen. Coolidge rst indessen der -Ansicht, daß der Vertrag dennoch mög- licherweise bestimmte auf die Verteidigung bezüg­liche Maßnahmen berühren werde, die entweder in der Schwebe seien oder noch erörtert würden, es werde aber auch nach der Unterzeichnung des Kelloggpaktes und seiner Ratifizierung durch den Senat noch Zeit genug sein zu erwägen, ob irgend­welche bestimmten gesetzgeberischen Schritte abge- I ändert werden sollten. Coolidge vertrat die Auf­fassung, daß der Vertrag in keiner Weise zu irgend einer der von der Völkerbundssatzung den Völker­bundsmitgliedern auferlegten Verpflichtung in Gegensatz treten werde. Der Völkerbund sei stets

I als ein Instrument des Friedens bezeichnet worden und deshalb könne er sich nicht denken, daß irgend eines seiner Mitglieder gegen irgend einen Schritt, gleichviel von welcher Seite, Widetspruch erheben könnte, der geeignet sei, die Sache der internatio­nalen Ruhe zu fördern.

Amerika vor der Präsidentenwahl

Der republikanische Kandidat Hoover über sein Programm.

man ihn höher einschätzt, als wir es tun, schwerlich als Ersatz gelten, da er nicht die volle Autorität einer leitenden Persönlichkeit besitzt.

Chamberlain reist nach Kalifornien.

Der englische Minister des Aeußcrn, Sir Austen Chamberlain, dem von den Aerzten eine See­reise anzeraten worden ist, beabsichtigt, Ende die­ses Monates via Panamakanal nach Kalifor­nien abzureisen und dann durch Kanada zuA'.ck- zukehren, um in der ersten Novemberwoche wieder in London zu sein. Der Besuch wird keine politische Bedeutung haben, und Chamberlain wird keine öffentlichen Reden halten. Es wird eine reine Er­holungsreise fein. Der Gesundheitszustand Cham­berlains bessert sich weiter, und die Aerzte glau­ben, daß er Ende des Monats reisefähig fein werde

ten 58 Prozent, während 42 Prozent derselben durch Ablehnung, Zurücknahme oder sonstwie er­ledigt wurden. Von den ständigen Heilverfahren wurden 11423 Fälle in Lungenheilstätten, 22 626 in Sanatorien und Bädern und 325 in anderer fVorm durchgeführt. Die durchschnittliche Dauer der Kuren betrug in den Lungenheilstätten 91 Tage (1926: 86), in den Sanatorien und Bädern je 31 Tage. Im Jahresdurchschnitt stellten sich die Kosten eines Lungenheilverfahrens auf rund 660 Rm. (1926: auf 610 Rm.), die eines Heilverfahrens in einem Sanatorium oder einem Bode auf 270 Rm. (1926: 260 Rm.) einschließlich sämtlicher Nebenkosten wie Kurtaxe, Kurmittel, Reisekosten usw.

Bei den nichtständigen Heilverfahren betrafen allein 33 481 Anträge die Gewährung von Zu­schüssen zu Zahnersatz und größeren Heilmitteln. Bewilligt wurden 31 977 Anträge.

Die Zusammenarbeit der Reichsversicherungsan­stalt mit den Krankenkassen war gut; jene mit den Landesversicherungsanstalten (Invalidenversiche­rung) hat sich besonders auf dem Gebiete der Ge­schlechtskrankheiten günstig entwickelt; 6334 diesbe­zügliche Anträge wurden bewilligt. Zuschüsse zur Durchführung von Kinderheilnerfahren wurden in 4878 Fällen bewilligt. Die sachlichen Kosten des gesamten Heilverfahrens beliefen sich 1927 auf ins­gesamt 17 136 972 Rm. gegen 16 040 222 Rm. im Jahre 1926.

Für die Fürsorgestellen im Reiche zur Be­kämpfung der Lungentuberkulose wurde der Betrag von 500 000 Mark dem deutschen Zentralkomitee zur Verfügung gestellt. Auch der Förderung wis­senschaftlicher Bestrebungen zur Erforschung von Volkskrankheiten brachte die Reichsversickerungsan. statt lebhaftes Interesse entgegen. Desgleichen wurde den provinziellen Arbeitsgemeinschaften der Reichsversicherungsträger zur Förderung der Kran­kenpflege auf dem Lande, der Jugendfürsorge, des Säuglings- und Kleinkinderschutzes in steigendem Maße Mittel bewilligt.

Die Förderung des Wohnungsbaues wurde nachdrücklichst betrieben; sie diente vorzugsweise der Erstellung von Wohnungen für die versickerten An­gestellten. Die für Wohnungszwecke zur Verfügung gestellen Mittel betrugen 1927 75 Millionen Mark gegen 35 Millionen 1926.

Der Gesamteingang an Beiträgen betrug 1927 280 412 487,68 Rm. Der gesamte Vermögensbe- stand der Anqestelltenversicherung betrug Ende 1927 734 308 320 Rm. Die Bermögensreserve ist trotz der scheinbar großen Summe noch unbefrie­digend, weil die Gesamtleistungen der A. G. V. von Jahr zu Jahr schneller anwachsen, wie die Er- Höhung der Beitragseinnahmen.

Alles in Allem bietet der Bericht viel Er­freuliches! Die A. G. V. wird gut verwaltet; sie dient der Volksgesundheit und der bedingten sozia­len Sicherung der Angestelltenkreise und deren Hin­terbliebenen. Die Leistungen der A. G. V. sieben wesentlich über jenen der Invalidenversicherung. Mit dem vorgelegten Bericht hat das Direktorium der Reichsversickerungsanstalt erneut den Beweis für die innere Berechtigung einer selbständigen Ange­stelltenversicherung erbracht.

kandidat gegen die berüchtigte Ur« sprungsklausel des Einwanderung s- ge fetz es aussprach. Aufgrund dieser Klausel sind bekanntlich Bestrebungen im Gange, die deutsche Einwanderung auf die Hälfte der zurzeit geltenden Quote herabzusetzen. Hoover schloß seine Rede mit einer Verherrlichung des Präsidenten Coolidge, der, wie er sagte, der Geschichte des Landes das Siegel seiner Rechtschaffenheit und feiner Staats­kunst aufgedrückt habe.

Hinsichtlich der Außenpolitik erklärte Hoover: Der Frieden ist geschlossen. Die heilenden Prozesse des guten Willens haben die Gluten des Haffes ausgelöscht. Ich glaube sagen zu dürfen, daß ich ebenso viele Schrecken und Leiden des Krie- ges gesehen habe, als irgend ein anderer Ameri­kaner. Ich habe aus diesen Erfahrungen eine tiefe Friedensleidenschaft geschöpft. Unsere Au­ßenpolitik hat nur das eine Hauptziel, den Frieden öu heben und keinen Haß aufkommen zu lassen. Unser Angebot des Kriegsächtungspaktes beweist, naß wir nur den einen Wunsch hegen, mit den anderen Nationen zur Erhaltung des Friedens zu- lammenzuwirken. Aber das Volk hat entschieden, $ s w Zeiten der Spannung eine wirklich usste zur Erhaltung des Friedens nur dann leisten können, wenn wir unsere Unabhängigkeit von den politischen Erfordernissen der alten Welt bewabren. Wir haben deshalb die Mitgliedschaft res Völkerbundes abgelehnt; aber wir sind gerne bereit, die Bestrebungen des Völkerbundes für wif- senschaftlicke, wirtschaftliche und soziale Fürsorge und Beschränkung der Rüstungen zu unterstützen.

Coolidge über den Rellogg-pakt.

Präsident Coolidge gab eine Erklärung über bie Wirkung ab, d:e der Kelloggpakt möglicherweise auf die amerikanische Marine ausüben werde. Er erklärte nachdrücklichst, er beabsichtige nicht zuzulassen, daß die Stärke oder Leistungs- sähigkeit der amerikanischen Marine oder Armee

Die Bedeutung der A. G. V. (Angestelltenver- stcherung) wächst von Jahr zu Jahr. Der vom Direktorium für das letzte Berichtsjahr herausge­gebene Bericht bestätigt solches einwandfrei.

Der Bericht befaßt sich zunächst mit verschiede­nen gesetzlichen Aenderungen der sozialen Versiche- rungsgefetzgebung, soweit sie mit der 21. G. V. in ursächlichem Zusammenhang stehen. Daran an­schließend folgt ein umfassender Ueberblick hinsicht­lich der gesetzlichen Leistungen der A. G. V.

Bei den Ruhegeldern, Hinterbliebenenrenten und sonstigen gesetzlichen Leistungen hat sich die sprung­hafte Steigerung der Zahl der 2tnträge, wie sie seit der Währungsstabilisierung erfolgte, nicht wei­ter fortgesetzt Im Jahre 1927 sind 53 629 An­träge auf Leistungen neu eingegangen. (1926: 54 723). Mit den aus dem Vorjahr übernomme­nen Anträgen waren im ganzen 60 288 Anträge zu bearbeiten. In 40 426 Fällen wurde der An­spruch anerkannt; 4177 Anträge wurden abgelehnt. 7862 Sachen sind durch Zurücknahme des 2lntrags erledigt worden; 8 003 Fälle wurden aufs neue Jahr übernommen.

In 2926 Fällen wurde Berufung eingelegt; in 530 Fällen hatte bi cf ehe für die Versicherten Erfolg; 1739 Berufungen wurden abgelehnt.

Insgesamt liefen am 31. Dezember 1927 60 926 Ruhegelder mit 8145 Kinderzuscküffen. 39 523 Wit­wen- und Witwerrenten und 27 363 Waisenrenten Dazu kommen noch 1376 Ruhegelder, 244 Witwen- und 201 Waisenrenten, die von der Reichsknapp­schaft festgesetzt sind und bei denen die Reicksan- stalt am Grundbetrag und den Steigerungssätzen beteiligt ist. Weggefallen sind 1927 4314 Ruhegel­der, 1125 Witwen- und 2114 Waisenrenten. In 418 Fällen wurde für die durch Wiederverheira- timg der Witwe weggefallene Witwenrente die Abfindung nach § 63 der A. G. V. gewährt. Un­ter Berücksichtigung des Abganges hat der Reinen- stand ohne die von der Reichsknappschaft fsstqe- stellten Renten im Jahre 1927 um 10 994 Ruhe­gelder. 6124 Witwen- und Witwerrenten und 3367 Waisenrenten zugenommen.

Für die Ende 1927 laufenden 127 733 Renten -oar nach dem Stande vom 31. Dez. 1927 eine mo­natliche Renienleistung von 3 990 696 Mark für die Ruhegelder und 2 172 399 Mark für die Hin^er- bliebenenrenten, im ganzen 6 163 095 Rm. monat­lich zu zahlen.

Der frühere Wegfall einzelner Waisenrenten und Kinderzuschüsse zwischen dem 15. und 18 Le­bensjahr wurde durch eine längere Laufzeit der übrigen Renten wieder aufgehoben. Von den Wai. senrenten waren im Jahre 1927 im ganzen 3287 eingestellt worden; jedock sind 1173 Waifenrenten, die mit der Vollendung des 15. Lebensjahres weg- gefallen sind, wegen Schul- und Berufsausbildung oder Gebrechlichkeit wieder bewilligt worden, sodaß der Abgang nur 2114 Renten beträgt. Ob sich die ganze Verwaltungsarbeit lohnt, die mit dieser Rentenentziehungsaktion entsteht, bedarf der Nach­prüfung. .

Von besondrer Bedeu^ng für die Volksgcsund- deit war die Durckführung von Heilverfahren. Die Gesamtzahl der Heilverfahrensanträge betrug 1927 92 794 gegen 83 145 im Jahre 1926.

Anträge auf ständige Heilverfahren standen 1927 60 446 zur Entscheidung. Zur Bewilligung führ-

Die Festrede bei der offiziellen Verfassungsfeier im Sitzungssaal des Reichstags.am.Samstag, über deren Beginn wir bereits berichteten, hielt der Hei­delberger Rechtslehrer, Reichsminister a. D., Uni- versitätsprofesfor Dr. R a d b r u ch. Er führte u. a. aus:

Nicht Scharfsinn oder Weisheit einzelner schafft eine Verfassung, sondern die allmächtige Geschichte. Nicht nur die Nationalversammlung von 1919 steht bestimmend hinter unserer Verfassung auch das Erlebnis von 1914 klingt in ihr wieder. Denken wir daran, in welcher Ge­sinnung damals die Vesten und Tiefsten hinauszogen. Sie waren gewillt, als Frucht ihrer Kämpfe auch ein erneuertes, freieres Vaterland heimzubringen.

Das Dolksheer bedingte den deutschen volksskaat.

Wir können der Verfassung des erneuerten Deutschland nicht gedenken, ohne des kämpfenden und leidenden deut- schen Volkes von 1914 bis 1918 zu gedenken und ohne dem Manne zu danken, in dem sich deutsche Volksheit je­ner Tage sinnbildlich verdichten. Dem, der damals das Reich rettete, dem ersten Soldaten des alten Deutschland, dem ersten Bürger des neuen Deutschland gilt unser ehr­fürchtiger Gruß und Dank.

Das Volk, das der Träger des neuen Staates ist, waltet sich in dem vielsältigen Reichtum, kämpfender Gruppen, Klassen und

Parteien.

Sprechen mir, ohne daran Anstoß zu nehmen, die Wahr­heit rückhaltlos aus: daß der Volksstaat ein Parteien- staat ist. Jede Partei hat zu ihrer Aufgabe nichts An­deres als das Vaterland. Die Varteistandpunkte bedeu­ten dis verschiedenen möglichen Auffassungen vom Wohle des Landes feder von ihnen von jedem anderen mit Recht zu bekämpfen und jeder von ihnen von jedem an­deren zu achten. Man beklagt oft die Schäden unseres Parteiwesens, aber nicht die Vielheit der Parteien ist der Grundschaden, sondern kbre Starrheit. Man faat un­seren Parteien wohl nach, sie feien in zu hohem Grade Jnteresienparteien. Das Gegenteil ist richtig: Sie sind in zu starrem Maße Weltanfchauungs-, Ueb'erzeugungs- parteien. Wir müssen hoffen, daß der Parlamentaris­mus allmählich sich die Parteien erziehen wird, wie er sie braucht.

Unser politisches Leden ist aber nicht nur mit dem Gegenlßitz der Parteien belastet, sondern auch mit dem

Gegensatz der fitaffen.

Der Untertan ist zum Staatsbürger geworden, aber der Staatsbürger ist noch immer Wirtschaftsuntertan. Den Arbeitnehmer zum Wirtschaftsbürger zu erheben, ist eine im Geiste der Verfassung selbst vorgezeichnete Aufgabe. Es hieße ungeschichtlich denken, zu glauhen, daß für un­sere Wirtschaftsentwicklung bereits aller Tage Abend fei. Eine Wirtschaftsordnung, die der Tatsache der Arbeite- lofigkeit nickt Herr werden kann, kann nicht das letzte Wort der ökonom^cken Entwicklung sein.

Neben dem Klassengeletz, neben dem Parteivartstu- larismus ruht auf unserem politischen Leben die Last des

Länderparkikularismus.

Der durch Selbstverwaltung dezentralisierte Einheitsstaat ist das klar vorgezeichnete Ziel unserer innerstaatlichen Entwicklung, der Weg zu ihm ireilich noch im Dunkeln Jener Sturmwind, der das Kleine hinweafegt, jener Donnerschlag, in dem die Stimme des Großen zu uns spricht, sie werden da sein in jenem Augenblick, w o Oesterreich von dem allen Völkern ver­heißenen Se lbsth estimmu ngsr e ch t Ge­brauch machen, sich dem großen deutschen Mutterlande anschließcn wird.

An der Stelle, an der ick stehe, grüßte mit einem un­vergeßlichen Klang in der Stimme, mit einer unvergeß­lichen Handbewegung Friedrich Ebert den Sarkophag, der Walter Rat sie naus Sterbliches barg, der große Staatsmann, der die neue Außenpolitik de? Reiches cm sichtbarsten vertrat, beide umgeifert von der Verleumdung, beide Opfer der Pflicht bis in den Tod. Und wieviele Namenlose haben neben ihnen für diese Verfassung ge­kämpft und geblutet! Eines der schönsten Kamvf. und Trutzlieder endet mit dem hochgemuten Wort: Und das ist das Herrliche, Große in der Welt: das Banner bleibt stehen, wenn der Mann auch fällt! Bürger und Bürge» I

m der Standford-Universität in

? ? 21.!0 atP Samstag der feierliche Akt fierboW [oufie* frühere Handelsminister

u*L6 sr<« fv»60 con seiner durch den Republikanischen Partcikvngreß con Kanias Citv -Menen Wahl zum

h. r Zarte, in Kenntnis gesetzt wurde. Hoover nahm die Nomination formell an und zeichnete in länae- rer Rede die Umrisse seines politischen Programms Er sprach sich für eine wirksame Durchfg' der Prohibitionsgesetze aus, gab jedoch das Vorhandensein gewisser Mißstände zu, die aus der Durchführung des Alkoholverbotes entstanden seien. Sehr ausführlich beschäftigte sich f)ooDer mit der Frage einer staatlichen Hilfsaktion für a r m e r, die er als das dringlichste Pro­blem her Nation bezeichnete. Er l e h n te die Be­ck i l l i gu n g staatlicher Subvention ab Knb erklärte, die Hilfe für die Farmer müsse in einer Erhöhung gewisser Zollsätze, in der Verbesse- iitng und Verbilligung des Frächtverkehrs und in arm durch itaatlicke Unterstützung geförderten Aus- btti: kooperativer Derkaufsgenofsenschaften bestehen.

. Der republikanische Präsidentschaftskandidat ver- -aied es, den warnen seines demokratischen Gegen­kandidaten zu nennen, richtete jedoch an die Hörer, die seiner durch den Rundfunk verbreiteten Rede .aufchtew einen leidenschaftlichen Appell für reli- n/ 0 f-fr ® s- Ö 2 m e *' der im Hinblick auf die Angriffe, die von einem Teil der amerikanftcken Presse gegen Gouverneur Smith, wegen feines ka­tholischen Glaubens gerichtet werden, seine be-on- dere Bedeutung nicht verfehlen wird.

Auf die aktuellen weltpolitischen Probleme ging Hoover nicht em. Er begnügte sich lediglich mit der Erklärung, daß die auswärtige Politik dem Frieden Md der Idee der Abrüstung dienen müsse. Zu­gleich sprach er MM» Erhaltung einer Flotte aus, ine den Erfordernissen der nationalen Vertei­digung entspreche. Von besonderer Bedeutung ist es, * sich der republikanische Prösibentschafts-

vie wilnaer Legionär-Tagung.

Die Wilnaer Legionär-Tagung nahm einer festlichen Verlauf. Es beteiligten sich daran Mac< schall Pilsudski, sämtliche im Lande anwesenden Minister, zahlreiche Generale und Offiziere und die aus ganz Polen herbeigeströmten Waffengefährten des Marschalls. Den Hauptpunkt des Festes bil­dete der mit Spannunvg erwartete Vortrag Mar­schall Pilsudskis, der ein unpolitisches Gepräge trug. Der Vortrag war wesentlich eine Verherrlichung seiner Vaterstadt Wilna, untermischt mit lose anei­nandergereihten Erinnerungen aus den Tagen des Weltkrieges und der ersten Jahre des wiedererstan­denen Polens. Der Marschall gedachte auch der Zeit, da er als Gefangener in Magdeburg saß. Pilsudski schloß seinen Vortrag mit dem Appell, daß der heutige Feiertag so' begangen werden möge, wie der Tag der Befreiung der Stadt. Dis Feier schloß mit dem von sämtlichen Versammelten gesungenen Soldatenlied von der ersten Legionär­brigade.

Der Festtag der deutschen Republik.

vadbruchs Verfassungsrede im Reichstag. vieverfassungsfeiern im Reich

rinnen der deutschen Republik, das Danner, das schwarz, rot-goldene Banner wird stehen, die Weimarer Verfassung wird stehen, die deutsche Re­publik wird st«h«n!"

Nachdem der FestgesangAn Deutschland" von Kalbeck-Gluck 4um Vortrag gebracht worden war, nahm

Reichskanzler Müller-Franken das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er auf das in der deutschen Republik geeinigte deutsche Volk ein Hoch ausbrachte. Die Festversammtung stimmte dreimal in dieses Hoch ein und sang bann die erste und letzte Strophe des Deutschland­liedes. Dann erhob sich der Reichspräsident, be­grüßte die Versammlung und verließ den Plenar­saal, womit die innere Feierlichkeit ihr Ende fand.

Nach der Feier im Reichstage, während der ein Flugzeuggeschwader von insgesamt 38 Flugzeugen, geschmückt mit den Reichsfarben, über dem Festplatz kreuzten, begaben sich der Reichspräsident und die Mitglieder bes Reichskabinetts durch bas Haupt­portal auf bie Freitreppe. Dort vor dem Bismarck­denkmal hatte bereits vor 12 Uhr eine Ehren- kompagnie der Reichswehr Aufstellung genommen, deren Kapelle die nach Tausenden zäh­lende Menschenmenge auf dem festlich geschmückten Platz der Republick mit Musikvorträgen unterhielt. Brausender Beifall erscholl, als Reichspräsident v. Hindenburg auf der Freitreppe erschien. Die Mu­sik spielte den Präsentiermarsch. Der Reichspräsi­dent nahni bie Meldung entgegen und schritt zu­sammen mit dem Reichswehrminister und den übrigen Herren seines Gefolges die Front ab. Sie Musik leitete in das Seutschlandlied über, das von der Menge entblößten Hauvtes mitgesungen wurde. Unter immerwährenden Hochrufen verließen Der Reichspräsident und die Minister in ihrem Wagen den Festplatz. Im Reichstage selber aber und auf dem Platze der Republik und in den angrenzenden Straßen herrschte noch lange ein reges Leben unf Treiben.

Die Feier in der Staatsoper.

Sie Reichsregierung, die preußische Staats regie- rung unb die Stabt Berlin veranstalteten am Samstag abenb in ber Berliner Staats- »per am Platz der Republik eine gemeinf am e Feier des neunten Jahrestages der Weimarer Verfassung.

Das in neuem Gewände wiedererstandene Ge­bäude der Kroll-Oper war außen und innen präch­tig geschmückt, lieber der Bühne wölbten sich rie­sige Flaggen bes Reiches und der Stadt zu einem Baldachin, unter dem die Gesangchöre und die Or­chester ihren Platz hatten. In der ersten Reihe des ersten Ranges satzen Reichskanzler Müller, Kultusminister Dr. Decker, der erste Vizevräfi- dent des Reichstages, v. Kardorfs, und Ober­bürgermeister Böß mit ihren Gemahlinnen unb der päpstliche Nuntius Pacelli. Weiter sah man in bunter Folge bie Reichsminister ®roener, Dr. Hilferding, v. Guerarb, Schätzet unb Dietrich, ben stellvertretenden Außenmini­ster Dr. v. Schubert und viele andere promi­nente Persönlichkeiten. Besondere Aufmerksamkeit erweckte auch die Anwesenheit von Frau Hugo Preuß. Albert Einstein, v. Zobelitz, Sudermann, Lion Feuchtwanger, Dr. Damaschke.

Der musikalische Teil bes Programms, bei dem der Dirigent Dr. Wilhelm Furtwängler, die So­pransolistin Frau Lotte Leonhard, der Kittel'sche Chor, die Knaben bes Staats- und Domchors, das Berliner Philharmonische Orchester und bas Ber­liner Symphonie-Orchester mitwirkten, würbe ein«