Nr. 178.
Freitag, 3. August 1928.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.
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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
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Europa und China
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runa gegen die Fremdherrschaft und iede Aktion Pekings oder anderer Vertreter der fremden Interessen mußte wieder mit ausländischen Geldmitteln finanziert werden. So stiegen die chinesischen Staatsschulden auf zirka 3,26 Milliarden Rrn., deren Zinsendienst Angelegenheit der ausländischen
dem Grunde der finanziellen Gesundung China die Voraussetzungen zur Abschaffung der anderen Fremdenrechte Herstellen kann, deren Existenz von den Vertragsmächten mit einigem Recht vor Abtretung ihrer bisherigen Vorrechte verlangt wird. Gerade darin, daß durch das System der fremden Seezollverwaltung China im Laufe der Jahrzehnte zur finqnziellen Ohnmacht verdammt wurde, liegt ja die Ursache für den Zerfall des Reiches der Mitte. Je mehr in ihren ewigen Geldnöten die alte Pekinger Zentralregierung auf die Hilfe der Vertragsmächte angewiesen war, um so höher stieg im Innern des Landes und im Süden die Ernpö- rung gegen die Fremdherrschaft und jede Aktie"
Seezollverwaltung war.
Zum Verständnis der Zusammenhänge ist notwendig, sich klar zu machen, was es bedeutet, wenn seit mehr als 40 Jahren die Ein- und Ausfuhrzölle stetig blieben. Von Anfang an erhoben die fremden Seezollverwaltungen für Importe nach und Exporte aus China gleichmäßig 5 Prozent des Wertes, während Japan etwa den chinesischen Tabak mit einem Einfuhrzoll von 350 Prozent belegte, die U. S. A. die Einfuhr chinesischer Seide mit bis zu 60 Prozent, England den chinesischen Tee mit 25 Prozent. Später trat zu jenen 5 Prozent für die Importe nach China die Ablösung der Binnenzölle mit 2% Prozent. Somit kann man sich vorstellen, welchen Vorsprung der auswärtige Handel vor der einheimischen Produktion in China hatte. Denn der Ablösung der Binnenzölle (Likin) in Höhe von 2% Prozent stand für die einheimische Produktion ein Binnenzollsatz gegenüber, der durchschnittlich 26—27 Prozent des Wertes betrug. Die chinesische Regierung war nicht in der Lage, diese ungeheuerliche Last von dem einheimischen Handel weg zu nehmen, denn die Einkünfte daraus stellten ihren einzigen finanziellen Rückhalt dar, da von den Erträgen der Seezolleinkünfte, die für den Zinsendienst der Anleihen und einen ungeheuer kostspieligen und komplizierten Verwaltungsapparat zum größten Teil draufgingen, für sie immer nur ein kärglicher Rest übrig blieb.
Es ist also nicht zu bezweifeln, daß Washingtons Zugeständnis der vollkommenen Zollautonö- mie an China das Aufdämmern einer neuen Epoche für das Reich der Mitte darstellt Ebenso wenig wexden sich jetzt die anderen Vertragsmächte der Einsicht verichließen können und dürfen daß sie..den U S. A. wohl oder Übel folgen m'üssem Mögen hinter der Aktion Wa hingtons volitsiche oder kommerzielle Motive stehen, welche es wallen und mögen vielleicht auch die übrigen Mächte sich irgendwelche Hintertüren offenhalten- das klipp und klare Zugeständnis der Zollautonomie an China wird sich nicht mehr vermeiden lasten Gerade Deutschland hat Gelegenheit gehabt, zu erfahren und der Welt zu beweisen, daß man auch 11 ad) Aufgabe der ungerechtfertigten Vorrechte mit China gute Geschäfte machen kann, wenn auch natürlich Dividenden von jährlich 250 Prozent, mie u- verschiedene Schanghaier Unternehmungen englischer Herkunft zahlen konnten, in Zukunft nicht wehr möglich sein werden. Aber es ist besser, daß wan seine Profite auf ein anständiges Maß reduziert, als daß man durch weitere Intransigenz die Suannung und - den Gegendruck so stark werden laßt, daß er schließlich in einer ungeheuren Explosion Alles binweafegt. Es liegt eine eigenartige Ironie der Geschichte in der Tatsache, daß von derselben Stadt, von der die Fremdherrschaft vor mehr als 80 Jahren ihren Ausgang nahm, von &er NUN zum Erfolg geführte chine- csreihe^tskamvf ausgegangen ist. Europa wnte dem neuen China keine Veranlassung geben, >id) auf die Zeiten und näheren Umstände des Friedens von Nanking im Jahre 1842 zu besinnen, durch den uie Fremdherrschaft ihre erste Grundlage er- d:elt und England das Kulturoerbrechen der Zwangseinfuhr von Opium nach China sozusagen legitimierte. Man versucht zwar in England ießt, -losen Tatbestand zu verleugnen, aber schließlich Kronzeugen, wie der englische Staatsmann Glad- nH0' bpr den Opiumkrieg von 1839—42 als ein ^Isdes Kulturverbrechen bezeichnete, genügend ge- ichüge Persönlichkeiten. Es handelt sich'also für
<1 Fremdmächte in China genau betrachtet wirk- ■ darum, Rechte zu wahren, sondern Un- wieder gut zu machen. Und das auf leidlich „„^I^rzlose Weise zu tun — dafür dürfte es jetzt, "ach dem Vorgang der U. S. A., höchste Zeit fein.
Man braucht durchaus nicht der Ansicht zu sein, daß Washingtons Entgegenkommen der Nanking- Regierung gegenüber seine Wurzeln in irgend welchen ideellen, geschweige denn gar idealen Gesichtspunkten habe und kann trotzdem glauben, daß Amerikas Vorgehen außerordentlich zweckmäßig und vernünftig sei, da es in erster Linie der chinesischen, nationalrevolutionären Propaganda das Wasser abgräbt. Wenn die englische und japanische Presse demgegenüber mit hämisches Schadenfreude betonen, daß die Anerkennung der Nanking- Regierung durch Washington in China keineswegs mit dem Jubel ausgenommen sei, den man erwartet habe, da die amerikanischen Konzessionen sich praktisch „nur" auf die Frage der chinessischen Zollautonomie beschränkten, so stimmt das einmal der Sache nach nicht und noch viel weniger der Deutung nach. Sä)vn bevor Amerikas Einlenken vollzogen war, bezeichnete T. V. Sung, der FinanMii- nister der Nanking-Regierung, Schwager Sun Pat-sens und Tschiang Kai-sheks, die finanzielle Reorganisation Chinas als die dringendste Frage.
Bei näherer Betrachtung der Lage, in die die fS^mannten „ungleichen Verträge" China im Laufe der letzten 80 Jahre gebracht haben und insbesondere bei Betrachtung der Ergebnisse fast aller Konferenzen und Verhandlungen der letzten Zeit stellt sich denn auch ganz klar heraus, daß nur auf
AntikriegsMktoerpflichtllng der Vereinigten Staaten.
wtb. Rewyork, 2. Aug. (Gig. Funkm.) „New Nork Times" meldet aus Washington, Staatssek- retär Kellogg sei über die Bemerkung Chamberlains befragt worden, in der der britische Außenminister im Unterhaus die Hoffnung aussprach, die Vereinigten Staaten werden im Notfälle den Antikriegspakt aktiv unterstützen. Kellogg wiederholte, daß der Vertrag die Vereinigten Staaten in keiner Weife in europäische Ange- l e g e n h e i l e n h i n e i n z i e h e und daß für die Vereinigten Staaten keinerlei VerpfliH- t u n g bestehe, sich kriegerisch zu beteiligen.
Staatssekretär Kellogg kündigte an, daß er am 18. August an Bord des Dampfers „Jsle de France"' nach Paris abreisen werde, um an der Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes teilzunehmen. Nach den vorläufigen Dispositionen wird er am 4. September mit dem Dampfer „Leviathan" die Rückreise nach Amerika antreten. Der Staatssekretär beabsichtigt nicht, sich in Paris auf irgendwelche Besprechungen über anderweitige internationale Fragen einzulassen.
Das Rüslungskompromiß.
Auf der Tagung der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz, die im März chiefes Jahres statt- gefunden hat, konnte man bekanntlich zu keiner Einigung kommen, da jede der beteiligten Großmächte die Abrüstung so versteht, daß zunächst immer der andere Staat zur Abrüstung verpflichtet sei, bevor man selbst daran denken könne.
Seit Monaten schwebten nun Verhandlungen zwischen Frankreich und England, um eine gemeinsame Basis zu finden, auf der man sich verständigen könnte. Nach den Erklärungen, welche der englische Außenminister Chamberlain im Unterhause abgegeben hat, scheint jetzt eine Verständigung zwischen den beiden Mächten erzielt worden zu sein. Das Kompromiß, dessen Wortlaut erst veröffentlicht wird, wenn die anderen Seemächte, das heißt Amerika, Japan und Italien ihre Zustimmung gegeben haben, bestätigt nach den bisher aus London in Paris vorliegenden Meldungen, daß Frankreich die Beschränkung der Flottenrüstungen nach einzelnen Kategorien angenommen, sich also der englischen Auffassung angeschlossen hat. Diese Regelung wäre demnach so auszulegen, daß für jede einzelne Schiffsklasse eine besondere Tonnage festgesetzt wird, und daß die einzelnen Länder nicht innerhalb der Gesamttonnage die Unterteilung ihrer Kriegsschiffe auf die einzelnen Klassen selbst bestimmen dürfen. Eng. land soll dagegen zugestanden haben, daß in der Zahl der einzusetzenden Kategorien eine Verminderung vorgenommen werde.
Sofern in dem Kompromiß nicht mehr als diese Punkte enthalten sein sollten, so wäre es nicht notwendig, ihm eine größere Bedeutung beizulegen. Da jedoch die englische und französische Presse die getroffenen Vereinbarungen sehr lebhaft kommentierten, muß man auf die Vermutung kommen, daß
es sich nebenbei noch um etwas ganz anderes Han- delt. Der „Temps" schreibt beispielsweise, daß das neue Abkommen auf der Erkenntnis beruhe, daß für die Sicherheit Englands die Flotte genau so wichtig sei, wie für Frankreich das Heer. Schon aus dieser Andeutung geht hervor, daß zwischen England und Frankreich nicht nur wegen der Rüstungsbeschränkung zur See eine Einigung erzielt worden ist. Bestärkt wird diese Meinung durch eine Aeußerung des „Matin", der ganz offen ausspricht, daß Frankreich den Engländern gewisse Zugeständnisse auf dem Gebiete der Flotte gemacht, wofür England die französische Theorie der Abrüstung zu Land anerkannt habe. Daneben wird noch erwähnt, daß sich England auch den französischen Wünschen bezüglich der Rheinlandbesatzung sehr entgegenkommend gezeigt habe, um seine Flottenabrüstungspläne, die in Wirklichkeit eine Aufrechterhaltung des alten Zustandes sind, durchzudrücken. Sofern diese Darstellung zutrifft, dürfte der Gedanke einer wirklichen Abrüstung noch in weiter Ferne liegen. Denn wenn England und Frankreich bei der nächsten internationalen Abrüstungskonferenz Arm in Arm aufmarschieren, werden die Vertreter der anderen Mächte, die von der Notwendigkeit einer praktischen Abrüstung überzeugt sind, einen schweren, aussichtslosen Standpunkt haben.
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Hinsichtlich der Wirkung des Abkommens für die allgemeine Abrüstung sprechen sich die Pariser Blätter im allgemeinen sehr zurückhaltend aus.
Die rechtsstehenden Blätter legen das Hauptgewicht auf die Tatsache der Einigung zwischen Frankreich und England. Einige linksstehende Blätter begrüßen es, daß ein wesentliches Hindernis für den Abschluß eines ersten Abkommens für die Rüstungseinschränkung beseitigt ist. Verschiedentlich kommt auch die Erwartung zum Ausdruck, daß Amerika sich diesem Abkommen anschließen könne.
Für die amerikanische Auffassung charakteristisch scheint eine in der Chikago Tribüne veröffentlichte Meldung zu fein, in der es heißt: Da das Ab'- kommen am Vorabend der Unterzeichnung des Antikriegspaktes angekündigt wird, wird befürchtet, daß dadurch die Ratifizierung des Paktes durch den Senat der ^Bereinigten Staaten ernstlich behindert wird. Trotz des Communigues des Quai d'Orsay, so heißt es in der Meldung weiter, werde jetzt hartnäckig behauptet, das von Chamberlain angekündigte Kompromiß stelle eine feste Einheitsfront Fr ankreichs und Englands in der gesamten Abrüstungsfrage gegenüberderHal- tung der Vereinigten Staaten dar. Au seine einfachste Formel gebracht, könne das Ab- kommen so ausgelegt werden, daß Frankreich künftig auf seine ursprüngliche Haltung in der Flottenabrüstungsfrage, die sich mit dem amerikanischen Standpunkte — Einschränkung der Gesamttonnage — deckt, verzichten muß.
Die Verkehrskonferenz.
Als praktisches Ergebnis der in Berlin tagenden parlamentarischen Verkehrskonferenz ist festzu» stellen, daß der Reichsoerkehrsrninister einen Ausschuß berufen wird, der nicht nur die einzelnen Unfälle und ihre Ursachen untersuchen wird, sondern der grundsätzlich untersuchen foll, wie es mit der Sicherheit der Deutschen Reichsbahn im allgemeinen gestellt ist. Es wird sich hier nicht um einen parlamentarischen Ausschuß, sondern um einen Ausschuß von Sachverständigen handeln, dem natürlich auch einzelne Parlamentarier angehören können.
Um Wilna.
Die Dorgänge an der polnisch-litauischen Grenze.
Aus Warschau wird gemeldet: Das Organ der radikalen Pilsudski-Anhänger „Elos Prawdy" bringt eine Reihe von aus Wilna stammenden Alarmmeldungen über litauische Truppenverschiebungen und Verstärkungen der litauischen Truppen längs der polnisch-litauischen Grenze. So seien im Abschnitt von Druskeniki litauische Pioniere eingetroffen, um dort längs der Grenze Unterstände und Stacheldrahthindernisse zu errichten. Bei Nieinenezyna sollen die Litauer angeblich auf einer längeren Strecke während der Nacht polnische Erenzzeichen verrückt haben, um einen längs der Grenze auf polnischem Gebiet laufenden Weg benutzen zu Binnen.*
Der deutsche Gesandte in Ko.vno hat, wie bereits gemeldet, im Auftrag der Reichsregierung in meh- leren Unterhaltungen mit Woldemaras einen Gedankenaustausch über den gegenwärtigen Stand der polnisch-litauischen Verhandlungen gehabt, und eine ähnliche Demarche sst in Berlin gegenüber Polen erfolgt in dem Bestreben, den litauisch-polnischen Konslitt nicht zu einer ernsten Angelegenheit auswachsen zu lassen.
Reichslandbund.
.... ®’e Vertreterversammlung beschloß, das Präsidium des Reichslandbundes nunmehr aus drei anstatt bisher zwei gleichberechtigten Präsidenten 3U bilden, die kollegial zusammenarbeiten sollen. Die Geschäftsführung im Präsidium wurde dem früheren Reichslandwirtschaftsminister Schiele übertragen, neben ihm als Präsidenten den bisherigen Präsidenten Hepp und den Landwirt B e t g e. Letzterer war Vorsitzender des Brandenburgischen Landbundes und stellvertretender Prä-
I sident der Brandenburgischen Landwirffchaftskam- I mer. Der Bundesvorstand des Reichslandbundes besteht in feiner neuen Zusammensetzung aus den ehrenamtlichen Vorsitzenden der Einzellandbünde. Die neue Organisation ist bekanntlich auf Anregung des bisherigen Landbundpräsidenten, Grafen K a l ck r e u t h, zurückzuführen, der aus dem Präsidium ausscheidet, aber die Leitung der wirtschaftlichen Einrichtungen des Landbundes behält. Kalckreuth wurde vom Vorsitzenden des Bayrischen Landbundes, Präsident Trieger, unter allgemeiner Zustimmung der Dank der Vertreter- Versammlung ausgesprochen.
Revision der Zriedensverträge.
Der „Temps" veröffentlicht einen Artikel joon Paul Louis, der fick) mit der Frage der Revision der Friedensverträge beschäftigt. Es heißt darin:
WaS werden die anderen Mächte tun, wenn eines Tages der Reichsrat in Berlin und der Bundesrat in Wien die Verschmelzung der beiden deutschen Staaten beschließen? Werden sie etwa die Initiative zu einem Kriege ergreifen? Das unruhige Europa scheint nicht fester gefügt als 1817 oder 1914. Die Konfliktsurfachen sind nicht minder stark, wenn auch gewisse Gärungsstoffe sich nicht in all ihrer Kraft auswirken. Die Ge- Heimdiplomatie wütet vielleicht mehr als früher. Wenn eine Debatte wie die um die Friedensverträge einsetzt, dann ist es niemandem möglich, sie zu ersticken. Diese Debatte ist jetzt klar und sogar offiziell eröffnet. Sie behält der jungen Generation und vielleicht auch noch den Alten seltsame Verwicklungen vor. Das Europa Cle- menceaus und Lloyd Georges beginnt zu wanken.
„Nie wieder Krieg"!
Sozialdemokratische Ankikriegskundgebungen in Berlin.
Die Sozialdemokratische Partei veranstaltete im Hnmboldthain in Berlin eine Kundgebung gegen den Krieg, zu der aus allen Stadtteilen geschlossene Züge der Parteimitglieder, der Arbeitersportver- bände und des Reichsbanners marschierten. Im Humboldthain sprachen an mehreren Stellen Redner der Partei. In ihren Ausführungen betonten sie, daß die Sozialdemokratie durch ihre parlamentarische und ihre Regierungsarbeit stets für die Sicherungsarbeit des internationalen Friedens gearbeitet habe. Wenn der Völkerbund auch noch nicht alle Erwartungen erfülle, so fei er doch eine Gewähr für den internationale
Frieden. Mit dem Gelöbnis „Nie wieder Krieg" und dem Gesang der Internationale fand die Kundgebung, die ohne Zwischenfälle verlief, ihr Ende.
* Sein Vesihwechsel bei der „Daz". Durch die „Hamburger Nachrichten" vom 30. Juli wurde die Mitteilung verbreitet, daß die „Industrie-Verlag Aktiengesellschaft - Düsseldorf" beabsichtige, die „Deutsche Allgemeine Zeitung" erwerben bzw sie ihrem Konzern anzugliedern. Von dem Ausstichs- rate der „Daz" wird uns mitgeteilt, daß diese Mel. düng falsch ist. Die „Deuffche Allgemeine Zeitung" befindet sich bekannttich seit nunmehr zwei Jahren in dem Besitze eines Konsortiums, das aus der westdeutschen Industrie, Berliner Großbanken und der Schiffahrt besteht. Die Zusammensetzung dieses Konfoirttums findet in den Mitgliedern des Aussichtsrates entprechenden Ausdruck. Die Ab- gäbe er „Daz" an einen anderen Verlag mürbe nicht einmal in Erwägung gezogen,
Der Anschluß und Ungarn.
Der „Temps" beschäftigt sich mit der Stellung Ungarns zur Anschlußfrage. Er erklärt, der ganze Lärm um den Anschluß habe zunächst die Wirkung gehabt, Ungarn die Augen zu öffnen, was ihm die Vorherrschaft Deutschlands inmitten Europas bringen würde. Das Vertrauen, mit dem sich Ungarn! Italien zugewandt habe, erkläre sich zweifellos durch die Furcht vor den direkten urtb indirekten Folgen, die für Ungarn die Vereinigung Oester- reichs mit Deutschland haben würde. Es lägen Anzeichen vor, die man als den Anfang einer neuen Entwicklung der ungarischen Politik bezeichnen könne. Das wäre, so schließt das Matt, vom Standpunkt Berlins und Wiens gesehen, nicht die einzige unangenehme Folge des Lärms, den Löbch und seine Freunde um den Anschluß machten.
* Die llnkersuchung gegen den Mörder Obre- gons. Associated Preß meldet aus Mexiko: Die Ordensschwester Concepcion wurde zusammen mit Toral einem vorläufigen Verhör unterzogen und sagte aus »sie habe weder Toral noch anderen ge* jagt, daß der Tod Obregons für die Beilegung des Religionskoiffliktes notwendig fei. Sie bestritt, Toral jemals zum Morde irgend eines Geschöpfes angestiftet zu haben. Die übrigen 16 Nonnen, die verhaftet wurden, sollen freigelassen werden. Dagegen werden Torals Familienangehörigen bis auf weiteres festgehalten.
Serben und Kroaten.
Wie die Prawda aus Agram meldet, haben einige Anhänger von Stefan Raditsch unter der kroatischen Bevölkerung eine Bewegung gegen die Leistung von Steuern und sonstigen staatlichen Ab- gaben in die Wege "geleitet. In Regierungskreisen herrscht noch immer über die Erklärung Raditschs, daß ein Zusammenleben zwischen Serben und Kroaten in einem Sfaate unmöglich sei und daß die Kroaten die Personalien forderten, große Erregung, wenngleich die Meinung hierüber sehr geteilt ist. Während eine solche Lösung des serbisch-kroatischen Konfliktes von der Mehrzahl allerdings als unmöglich bezeichnet und betont wird, daß die serbische Regierung hierzu niemals ihre Zustimmung geben werde, werden andererseits auch Stimmen laut, die einer sogenannten „Amputation" das Wort reden, d. h. daß sich die Serben von einem kleinen Teil Kroatiens, das von einer rein kroatischen Bevölkerung bewohnt ist, a!s völlig desinteressiert trennen könnten.
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Aus Agram wird gemeldet: Die kroatische demokratische Bauernkoalition faßte in einer Sitzung, an der 78 kroatische Abgeordnete teilnah- rnen, eine Entschließung, in der der Rumpf- S k u p s ch t i n a das Recht abgesprochen wird, für den gesamten Staat gültige Entschließungen zu fas. sen. Die Königreiche der Kroaten und Monie- negrtner, so wird in der Entschließung weiter ans« geführt, haben, als sie die staatliche Einheit im Rahmen des jugoslawischen Königreiches beschloi- sen, auf ihre persönliche staatliche, territoriale und politische Individualität lediglich zugunsten der Staatseinheit, nicht aber zugunsten irgend eines Landes verzichtet. Da die Derfassugn von 1921 dazu verwendet wurde, die Hegemonie Serbiens über die anderen Gebietsteile endgültig festzulegen, beschließe die demokratische Souernfoalit’nn, den schärfsten Kamps für eine neue staatliche Einrichtung zu führen, die den übrigen Teilen des Staates die volle Gleichberechtigung sichert.
Anläßlich der Sitzung der kroatischen Abgeordneten hatte die Stabt geflaggt. Die Theater und Kaffeehäuser waren geschlossen. Eine große Menschenmenge begrüßte die kroatischen Abgeordneten auf ihrem Wege zum Sitzungssaal und bracht« Hochrufe auf ein unabhängiges Kroatien aus.
• Zwischenfall zwischen Soldaten und Arbeitern in Frankreich. In St. Brieuc wurden drei Unter* Offiziere eines dort liegenden Infanterieregiments von vier Arbeitern beleidigt und tätlich angegriffen. Drei der Beleidiger wurden festgenommen; der vierte entkam.
* Kundgebungen der Autonsmisten in Straßburg. Wie Havas aus Straßburg meldet, haben die Autonomisten dort eine Protestkundgebung gegen die Unterdrückung der elsässischen Freiheit veranstaltet. Nach zum Teil in sehr heftigem Ton gehaltenen Ansprachen katholischer, fort- schrittlicher und kommunistischer Abgeordneter barunter auch der Abgeordneten Ricklin und Ross« wurde eine entsprechende Entschließung angenommen. Die Kundgebung verlies ohne Zwischenfall.