Einzelbild herunterladen
 

Platz des JustizministerS für einen Dolksparteffer fteizumachm. Wie das Nachrichtenbüro des VDZ- erfährt, ist diese Behauptung absolut unrichtig. In Zentrumskreisen besteht gar keine Neigung, den Justizmmister Dr. Schmidt, der sich m seiner Amts­führung eine Anerkennung über die Kreise seiner Partei hinaus erworben habe, aus dem Kabinett austreten zu lassen. Für den Posten des Regie­rungspräsidenten in Aachen ist bereits ein anderer Kandidat nominiert.

* Zur Ermordung Obregons. Reuter verbreitet eine Meldung, wonach laut einem Polizeibericht aus Mexiko der Mörder Obregons „zum Morde durch die zufällige Aeußerung einer Nonne veranlaßt worden fei, die ihm gesagt hatte, die Lage der Kirche in Mexiko würde sich bessern, wenn Obregon, Calles und der Patriarch der schismati-

schen katholischen Kirche stürben". Die mexikani­schen Märchen-Erzähler scheinen anzunehmen, daß ihre europäischen Freunde auch solche Produkte kritiklos aufnehmen werden.

Eisenbahnstationskasse überfallen.

wtb. Ludwigshafen, 31. Juli. (Eig. Funkm.) Heute früh kurz nach 2 Uhr wurde auf den Nacht­dienstbeamten der Station Kindsbach bei Landstuhl ein Raubüberfall verübt. Nach den Angaben der Station drang ein Mann in den Abfertigungs­raum ein, hielt den Beamtenmitvorge­haltenem Revolver in Schach und raubte die Stationskasse aus. Als der Räuber sich entfernte, gab er einen Schuß ab, ohne den Beamten zu treffen. Die sofort eingeleitete Untersuchung ist bisher ohne Ergebnis geblieben.

Der politische Gärungsprozeß.

Wer vor unbestreitbaren Tatsachen die Augen verschließt, um sich weiterhin schönen Illusionen hingeben zu können, wird von dem gewaltigen Gärungsprozeß nichts merken, der sich zur Zeit im politischen Leben Deutschlands abspielt. Wer je­doch vor der Erkenntnis auch unbequemer Wahr­heiten nicht zurückschreckt, kann nur zu deutlich spüren, daß auf dem Kampfplatz der deutschen Po­litik ein großes Ringen im Gange ist. Die Gegen­pole sind, soweit es sich um die einzelnen Personen­gruppen handelt, einstweilen noch nicht ganz klar zu unterscheiden. Die Linien laufen noch stark durcheinander, auch fachlich ist die Situation nicht vollkommen überfichtlich. Begriffe wie Bolksge» msinschaft, Klaf'senkampf, nationaler Idealismus, werden als Kampfziele hingestellt. Ganz allge­mein gesprochen: Es geht um den Inhalt und Be­stand der politischen Parteien, um die innenpoliti­sche Konstellation der Zukunft.

Nichts wäre verfehlter, als wenn man anneh­men wollte, der Konflikt, der das Gefüge der Deutschnationalen Volkspartei augenblicklich in fei­nem Fundament erschüttert, fei nur eine lokale in­nerparteiliche Angelegenheit. Die deutschnationale Presse tut zwar so, als handle es sich bloß darum, Versäumtes nachzuholen, das heißt, den monarchi­schen Gedanken mit neuem lebendigen Leben zu erfüllen. Die Deutschnationalen hätten, wie sie sa­gen, in den letzten Jahren teilweise unter dem Drängen der Wirtschaftskreise die idealen Seiten ihres Programms weniger betont, als die anderen aktuellen Gebiete. Greife die Deutschnationale Volkspartei, die ohnehin ein neues Programm aus. zuarbeiten beabsichtigt, die vom Abgeordneten Lambach in der Oeffentlichkeit aufgeworfene Frage richtig auf, dann müsse es auch gelingen, in der Jugend frifrbe Begeisterung für das monarchische Ideal zu schaffen.

Lägen die Dinge so einfach, dann wäre es freilich nicht notwendig, besondere Worte zu ver­lieren. Die Führer der Deutschnationalen Volks­partei wissen selbst am besten, daß sie mit dem Lockmittel Monarchie keine Wähler auf die Beine zu bringen, am allerwenigsten aber auf die Jugend einen Einfluß zu gewinnen vermögen. Die Mo­narchie ist so wenig aktuell, daß sie so gut wie keine Rolle spielt. Soziale Probleme sind es, an denen sich die Geister erhitzen. Der Kamps geht um die Macht, um die Führung in der Partei. Aber nicht nur bei den Deutschnationalen, auch bei an­deren Parteien sind die gleichen Beobachtungen zu machen. Daher ist es nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß unser ganzes Parteisystem in der nächsten Zeit voraussichtlich eine schwere Krisis durchzumachen haben wird. Verschont von Er­schütterungen ist einstweilen nur die Sozial­demokratie geblieben. Sie ist es daher auch, die sich als Nutznießerin der Auseinandersetzungen betrachtet und durch den „Vorwärts" erklären läßt, es verstehe sich von selbst, daß die sozialdemokra­tische Partei den großen propagandistischen Auf­gaben, die diese Situation ihr stelle, gerecht wer­den wird.

Die Sozialdemokratie denkt bei ihrem Vorhaben, aus den in den bürgerlichen Parteien — zunächst jedem erkennbar in der Deutschnationalen Volks­partei — ausgebrochenen Unruhen möglichst gro­

ßes Kapital zu schlagen, nicht unlogisch. Sie ist Klassenkampfpartei und bekennt sich offen als solche. Da die Kämpfe in der Deutschnationalen Volks­partei, die als Beispiel auch mehr oder weniger gut den Zustand in den übrigen Parteien zu ver- deutlichen vermag, auf den Gegensatz zwischen Ka­pital und Arbeit, zwischen Unternehmertum und Angestelltenschaft zurückzuführen sind, fühlt sich die Sozialdemokratie zur Ausnahme st ellung für alle diejenigen Arbeiter- und Angestellten berufen, die in den rechts von ihr stehenden Parteien keine Heimat mehr zu haben glauben. In der Politik verläuft jedoch nicht alles nach dem Gesetz der Lo­gik. Es ist daher wohl nicht zu befürchten, daß beispielsweise die deutschnationalen Angestellten und Arbeiter infolge des seelischen Erlebnisses, das sie bei ihrer Partei hatten, nun ohne weiteres den Abmarsch ins sozialdmokratische Lager vollziehen werden. So wird sich der Gärungsprozeß wahr- scheinlich nicht auswirken.

Viel eher wird man damit rechnen können, daß sie die nicht mit Unrecht erregten Kreise den Ver­bänden zuwenden, welche, wie der Jungdeutsche Orden, die Devise „Nationaler Idealismus" auf ihr Banner geschrieben haben, und somit dem schaffenden politischen Leben der Wirklichkeit vor­übergehend verloren gehen. Es ist schön und gut, wenn der Jungdeutsche Orden den Neubau des Staates an Haupt und Gliedern als Forderung auf« stellt, „um das Volk in dasjenige staatsbürgerliche Verhältnis zu bringen, das jedem die Pflicht zum politischen Handeln auferlegt und die Möglichkeit schafft, daß nur diejenigen in der Volksführung tätig sein können, die aus dem Vertrauen des Volkes erwachsen".

Das hört sich nicht übel an. Der Jungdeutsche Orden hat jedoch durch die Tat bisher noch nicht bewiesen, daß er mehr ist als ein geschickt geleiteter Debattierklub. Aber gerade durch phrasenhafte Re­densarten wie „der nationale Idealismus wahrt die heiligsten Güter und Rechte deS Volkes", läßt sich mancher, der sich von plutokratischer Jnteressew- politik vom Schlage eines Hugenberg abgestoßen fühlt, verleiten, der Fahne des Jun^deutschen Ordens zu folgen, ohne zu wissen, wohin eigentlich die Reise dieses Bundes gehen soll. Vorläufig ist nur bekannt, daß der Jungdeuffche Orden den Staat von heute verneint. Welche andere .bessere Form er auf Lager hält, verfchweigt er wohlweislich, weil er sich selbst darüber noch nicht im Klaren ist.

' Ausgabe der Mittelparteien muß es sein, die in Bewegung befindlichen Wählergruppen von einer falschen Marschrichtung abzuhalten. Richt imKlas- smkampf der Sozialdemokratie kann das Heil der Zukunft liegen, und Organisationen mit verschwom­menen Zielen, wie der Jungdeuffche Orden, tonnen dem deutschen Volke auch nicht als Kristallisations­punkt politischer Wirksamkeit dienen. Es gilt nicht die Kluft zwischen den einzelnen Klassen noch weiter aufzureißen. Sie muß überbrückt werden. Das geeignete Mittel hierfür ist die Volksgemeinschaft, deren wahren Sinn leider so viele noch nicht erfaßt haben. Volksgemeinschaft beißt gegenseitiges Verstehen, keine Unterdrückung einzelner Schichten, sondern ausgleichende Gerechtigkeit für alle. Nur wer der Idee der Volksgemeinschaft bient, dient dem wahren Wohl des ganzen deutschen Volkes.

Immer wieder die Zicherhettrfrage.

Daß ein Teil der öffentlichen Meinung Frank­reichs jede Diskussion über die vorzeitige Räu­mung der deutschen Westgebiete sofort auf die Ost- fragen ausdehnt, das ist feit dem Augenblick, da das Journal vorschlug, als Gegenleistung einer früheren Räumung des Rheinlands Deuffchlands freiwilliges Anerkenntnis der ge­genwärtigen Ost grenzen zu fordern, zu einer stehenden Erscheinung geworden. Und zwar sind es nicht nur nationalistische Zeitungen, die derartige Wünsche vertreten, sondern es gibt auch gemäßigte und sogar l i n k sst e h e n d e Blätter, die einer deutsch-französischen Verständigung sonst immer das Wort reden, und trotzdem sich gar nicht

vorstellen können, daß Frankreich auf die Be- setzung des Rheinlandes ohne eine neue deutsche Bindung im Osten verzichten sollte. Die geistige Einstellung, die diese Verknüpfung bei jeder Ge- legenheit autornatenhaft auslöst, ist unschwer er­kennbar. Es handelt sich hier, von einigen lieber« nationaliften vielleicht abgesehen, nicht um den von gewissen deutschen Rechtskreisen manchmal behaup­teten sadistischen Zug des französischen Dolkscharak- ters, um die angebliche Neigung, den ehemaligen Feind so tief und so dauernd wie möglich zu quä­len, sondern um eine übersteigerte, hartnäckige und einsichtslose Besorgnis um Frankreichs Sicherheit.

Diese Besorgnis beherrscht das politische Blick- seid vieler Franzosen auch heute noch uneinge­schränkt, obgleich auch nicht der geringste Anlaß da-

Blumendüfte.

Von ®artenbireftor H. R. W eh rh ahn.

Wenn später einmal jemand über die Geschichte der Blumendüfte schreiben will, so wird er unsere Zeit als einen besonderen Wendepunkt bezeichnen müssen. Mit den immer größer werdenden Fortschritten der Chemie werden die Stosse, aus denen die Blumendüfte bestellen, mehr und mehr künstlich hergestellt, bezw. Körper ent- deckt, die den Dufffwffen der Blüten in ihrer Wirkung auf die Geruchsnerven gleich oder doch ähnlich sind. In­folgedessen geht der Anbau von Pflanzen zur Gewin- nunc, von Parfüms gerade in der jetzigen Zeit sehr zu­rück, wenn auch an der italienischen und französischen Riviera zur Zeit noch verhältnismäßig große Flächen dafür verwendet werden und das Entzücken der Rei­fenden bilden. Aber schon unsere Kinder werden nicht mehr viel davon bewundern können.

Von manchen Düften sind nur ganz geringe Spuren nötig, so genügt von künstlichem Moschus der zweitau- sendste Teil eines Millionstel Milligramms zur Parfü­mierung eines Liters Luft. Von anderen Duftstoffen muß man allerdings etwas mehr nehmen, aber man kommt immerhin mit sehr wenig aus. Die meisten die­ser natürlichen Duftstoffe entflammen dem Pflanzen­reiche; nur Moschus, Ambra, Zibsth und Bibergeil sind tierischen Ursprungs. Auf chernifchem Wege erhält man einen nach Heliotrop duftenden Körper aus Steinkohlcn- derivaten, Terpentinöl duftet nach Flieder aus ihm wird außerdem ein Körper gewonnen, der Maiglöckchenduft gibt und für die Parfumindustrie insofern wertvoll ist, als es bisher nicht gelang, ihn auf irgend einem Wege der Pflanze zu entziehen. Hyazinthenduft wird aus Terpinolen hergestellt, der Duft des Wintergrünöls aus dem Salizylfäure-Methylester. Schon lange kennt man die synthetische Herstellung des Cumarins, der dem

Waldmeister den charakteristischen Geruch gibt, aber auch in vielen anderen Pflanzen vorkommt, wie z. B. in der nordamerikanischen ßiatris odoratissima, die zum Par­fümieren des Tabaks Verwendung fand. Vanillin wird aus dem jungen Holze der Nadelbäume gewonnen.

i Schon den Römern war bekannt, daß die Rhizome der Schwertlilie in trockenem Zustande nach Veilchen duften. Sie gehen deshalb noch heute in den Apotheken als „Veilchenwurzel". Aus ihnen gewinnt man das Iran.

i Da jedoch zur Herstellung von etwa 10 Gramm Iran ein Zentner Deilchenwurzeln gehört, wird heute das

i Jonon bevorzugt, das aus Zitronenöl entsteht. Weil i diese wichtigsten Duststoffe im Laboratorium erzeugt > werden können, ist es möglich, verhältnismäßig gutes । Parfüum schon billig auf den Markt zu bringen, wäh- ■ rend andererseits der feldmäßige Anbau von Blumen ■ für diese Zwecke immer mehr zurückgeht und durch an= ! dere Kulturen ersetzt wird.

I In früherer Zeit wurden in erster Linie Pomaden s verwendet. Man stellte sie her, indem man Aepse! ! („Pomme") mit Gewürzen spickte, und, wenn die Frucht • genug Aroma angenommen hatte, sie in Fett sott. Heute : denkt natürlich kein Mensch mehr an ein solch unrentab- ! les Verfahren, aber das Fett spielt noch eine große i Rolle. Jede Hausfrau weiß, daß gerade Fette, besonders : Butter, sehr leicht fremden Geruch annehmen, eine Er- ! fahrung, die besonders der „guten Bauernbutter", die ! wir beim „Hamstern" im Kriege kennen lernten. Ab- ■ bruch getan hat. Heute werden an der Riviera viele : Fette zur Bindung von Blütenduft verwendet, beson- i dere Fabriken gewinnen sie von Schlachtvieh und ma- : chen sie durch besondere Verfahren geruchlos. Dann । werden die Fette auf Scheiben dünn ausgestrichen und d'.e Blüten darauf neroorfen oder in Drabtqestcllen darü­ber gehängt. Durch Luftabschluß wird dafür aelorgt. das von dem Dust möglichst wenig verloren geht, londern stch möglichst alles dem Fett mitteilt. Dieses Verfahren

für vorliegt, die Sicherheit, die tatsächlich besteht, jetzt ober in Zukunft für gefährdet zu holten. Frankreich, die stärkste Militärmacht der West, hat an seiner Ostgrenze ein Verteidigungswerk auf- gerichtet, das in der Geschichte der Menschheit sei­nes Gleichen nicht hat. Deutschland hat vollstän­dig abgerüstet und — was viel mehr bedeutet — durch eine Reihe freiwilliger wichtiger Enffchlüsse, durch die Unterzeichnung des von den Großmächten garantierten Locarnopaktes, durch die Schisdsver- träge, durch den Völkerbundseintritt, durch die Zu­stimmung zur Genfer Resolution gegen den An­griffskrieg und in jüngster Zeit zum Kriegsächtungs- voifchlag des amerikanischen Staats'ekretärs den unwiderleglichen Beweis erbracht, daß es jeden Revanchekrieg verwirft und verurteilt und daß es alles allein vom Siege des Rechtsgedankens und vom Fortschritt der internationalen Verständigung erwartet. Das gilt sowohl Frankreich gegenüber wie in unserem Verhältnis zu Polen. Und des­halb entbehrt die Verknüpfung der Rheinlandräu­mung mit der Frage der Ostgarantte, an der auch in der jetzigen Auseinandersetzung so viele ftan- zösische Zeitungen festhasten, jeder realen Berech­tigung. Das ist übrigens nicht nur unsere Mei­nung, sondern auch die des französischen Außen­ministers.

In der großen politischen Aussprache, die in den ersten Wochen dieses Jahres zwischen B r i a n d und Strefemann statffand, hat der franzö­sische Außenminister die Besetzung deutschen Gebie­tes bekanntlich nicht mehr mit Sicherheitsgründen zu rechtfertigen versucht, sondern, was die Sicher­heitsfrage angeht, unumwunden erklärt, daß durch den Locarnopakt Frankreichs Sicherheit am Rhein garantiert fei, daß auch Polen durch Locarno Ga­rantien erhalten habe, und daß man deshalb nicht immer wieder sagen dürfe, Frankreich sei Deutsch­land gegenüber isoliert und ständig der Gefahr eines Krieges ausgesetzt.

An dieses Wort eines in diesen Fragen doch sicher sehr urteilsfähigen Mannes sollten alle die­jenigen einmal wieder denken, die jetzt in Frank­reich und Polen von neuem auf die Verknüpfung von Rheinlandräumung und Ostgarantie drängen. Die deutsche Stellung zu diesen Dingen ist klar.

Das deutsche Volk und nicht nur das, sondern auch große Teile der Westmeinung sind überzeugt, daß es eine legalen Anspruch auf die vorzeitige Räu- mung hat, weil die im Verfailler Vertrag ange­gebenen Voraussetzungen restlos erfolgt sind, und daß es unmoralicb und ungerecht wäre, wollte die Gegenseite für ihre nun unbedingt fällige Gegen­leistung noch einen besonderen Aufpreis verlan­gen. Ob dieser Aufpreis auf reparationspoliti­schem Gebiet liegt oder ob er in dem Abschluß eines „Locarnos des Ostens" bestehen soll, ist dabei voll- kommen gleichgültig. Eines wäre so unange­bracht wie das andere. Deutschland hat loyal und ehrlich das Seine getan, mögen das jetzt auch die anderen tun. Nur auf dem Boden der Gleichbe­rechtigung und der unbedingten Vertragstreue kann der Geist der Verständigung und das Gefühl der Völkersolidarität wachsen und blühen, dieser neue Geist, dessen dauernde Herrschaft wir alle so sehn­lich herbeiwünschen und dem gerade wir Deut­schen mehr als alle anderen Nationen den Weg bereitet haben.

* Zwei Russen in Stockholm verhaftet. Aus Stockholm wird gemeldet: Auf eine Anfrage teilte der Polizeiinspektor Akerblad mit, er habe vor einigen Tagen den russischen Pressevertreter Dr. Alexandrow und den russischen Handels- gehilfen M i ch e l e w unter dem Verdacht der kom- munistischen Propaganda verhaften lassen. Na- mentlich die Tätigkeit Michelews habe die Auf­merksamkeit der Polizei erregt. Durch die Unter­suchung soll nun feftgeftellt werden, in welchem Maße Dr. Alexandrow daran beteiligt ift

Amtliche SelmiitmchnMN Fulda.

In unter Handelsregister, Abteilung A, ist heule unter Nr. 546 die Firma Luise Canggaarö, Lohelandverlag und Buchhandlung in Dirlos und als deren Inhaberin die Luise Langgaard in Dirlos eingetragen worden.

Fulda, den 24. Juli 1928.

Amtsgericht, Abteilung 5

Pros. Vehounekr über die „Nalia"-Kotoslrophe.

Nobiles Fahrt durch Deutschland.

Der tschechoslowakische Profesior Behounek, der Nobile auf seinem Nordpolflug begleitet traf am Montag um 10.32 Uhr in Begleitung seiner Schwester auf dem Stettiner Bahnhof in Berlin ein. Zur Begrü­ßung hatten sich der tschechoslowakische Geschäftsträger, Legationsrat Blahocz und die übrigen Mitglieder der tschechoslowakischen Gesandtschaft und des Konsulats, ferner zahlreiche Vertreter der tschechoslowakischen Ko­lonie sowie seine Braut und deren Mutter auf dem Bahn­steig eingefunden. Professor Behounek wird Dienstag mittag nach Prag Weiterreisen.

Unmittelbar nach seiner Ankunft empfing der ffchecho- slowakische Professor Behounek im Wartesaal des Stet­tiner Bahnhofs eine Reihe von Vertretern der Presse. Zunächst betonte er, daß er sich auf das herzlichste als bester Freund und in vollkommener Harmonie in War- nemünbe von General Nobile und den übrigen italieni­schen Teilnehmern an der Nordpölexpedition getrennt habe. Weiter erklärte er, daß es nicht richtig sei, daß er irgend welche Verpflichtungen in Bezug auf seine Aeußerungsfreiheit hätte einzugehen brauchen. Sein Material wolle er sobald als möglich in einem wissen­schaftlichen Werke zusammenfassen, und außerdem hatte er die Absicht, eine längere feuilletonistische Schilderung über seine Erlebnisse zu veröffentlichen, was übrigens auch General Nobile selbst plane. Wenn es dabei zu ver­schiedenartigen Darlegungen kommen sollte, so dürfte dies vor allem darin begründet fein, daß er und Ge­neral Nobile die ganzen Ereignisse von einem verschie­denen Standpunkt aus erlebt hätten. In Bezug auf die Nachrichten, die schon jetzt über ihren Flug in die Oeffentlichkeit gelangt wären, erklärte Behounek, daß er im allgemeinen darüber noch nicht genau informiert fei; aber er habe bis jetzt wenigstens daraus den Eindruck ge­wonnen, daß die Ereignisse vielfach vollkommen falsch beurteilt würden, und daß dadurch General Nobile und den übrigen Italienern ein Unrecht ge­schähe. Vor allem sei General Nobile ein vollkommen äronautischer Fachmann. Wahrscheinlich wären die Un­genauigkeiten und Entstellungen der Berichte, fo auch der, die er selbst gegeben habe, dadurch entstanden, daß die Verständigung oftmals außerordentlich schwierig gewe­sen sei. So wären an Bord des „Krassin" sieben Jour­nalisten gekommen, von denen nur einer französisch und und die übrigen russisch gesprochen hätten. Uebergehend zu dem Verhältnis zwischen General No­bile und Malmgreen betonte Professor Behounek, daß dasselbe von Anfang bis zum Ende das denkbar beste gewesen sei. Malmgreen sei geradezu der Liebling Nobiles gewesen, woraus sich ja auch erkläre, daß No­bile ihn für feine Expedition ausgewählt habe, obwohl sich doch auch eine ganze Reihe italienischer Meteorolo- gen darum beworben hätten. Bei seiner Trennung ver­sprach Malmgreen, unbedingt mit der Hilfsexpedftion zu­rückzukehren, wenn es ihm gelingen sollte, das Festland zu erreichen. Es fei jedoch nicht richtig, daß Malm­green abkommandiert worden wäre. Er habe sich vielmehr f e l b ft dazu entschlossen, den Weg über das E i s zum Fe st lande zu wagen, und dieser Ent­schluß sei noch dadurch verstärkt worden, daß Malmgreen mit dem Fernglas auf dem Festlande die Lebensrnittel

entdeckte, die die „Italia" kurz vor ihrem Absturz ab- geworfen habe. General Nobile fei jedenfalls bis zuletzt gegen eine Trennung gewesen. Nobile wollte vielmehr beim roten Zelt bleiben, selbst wenn sich auch die übrigen Italiener, mit Ausnahme von Ceccioni, der das Bein gebrochen hatte, zu einem Marsch nach dem Festlande entschlossen hätten. Au fbie Frage, warum sich Ge­ne r a l Nobile als erster retten ließ, was jedoch vielfach nicht verstanden würde, erklärte Professor Be- hounek, daß hier ein Vergleich mit einem Kapitän eines Schiffes nicht zutreffend wäre; hätten doch hier ganz an­dere Verhältnisse vorgelegen. Es wäre überhaupt nie­mals möglich gewesen, General Nobile als letzten zu retten, da schon im Interesse der Rettungsaktion der Ra- diotelegraphist Biagi bis zuletzt beim alten Zelt hätte blei­ben müssen. Im übrigen hätte man bereits 48 Stun­den vor der Ankunft Lundborgs eine Reihenfolge der Rettung vereinbart, nach der zuerst Ceccioni, bann als zweiter Professor Behounek, ber bamals schneeblind war, als dritter Projani, der Fieber hatte, als vierter Ge­neral Nobile, als fünfter Leutnant Biglieri und als letz­ter Biagi gerettet werben sollten. Diese Reihenfolge fei aber abgeänbert worben, als Lundborg eintraf und mitteilte, daß er den strikten Befehl erhalten hätte, General Nobile als ersten zu retten, barmt bas Rettungs­werk nach feinen Angaben burchgefiihrt werben könnte. Hinzu kam noch, daß Nobile damals bas leichteste Ge­wicht hatte, was ebenfalls ein Grunb zu feiner sofortigen Mitnahme war, da ßunbborg eine größere Belastung seinem Flugzeug nicht mehr zutrauen konnte. Für die zweite Landung, die aber leider mißglückte, hatte Lund- borg die Rettung zweier Teilnehmer vorgesehen, da er dieses Mal keinen Beobachter mithatte und im übrigen auch das Flugzeug soweit wie nur möglich enttaftet hatte. Zum Schluß betonte Posessor Behounek, daß bi» Rettung burch ben Krassin fast im letzten Augenblick eingetroffen wäre; benn die Eis- verhaltnisse wären immer schlechter geworden. So hätten sie auf ihrer Rückfahrt schon nichts mehr von dem Eisblock gesehen, von dem doch wenige Zeit vorher Ma­riano und Zappt gerettet worden wären.

Die Heimreise der Italiener.

Der Magdeburger Schnellzug, in dem sich Nobile und die anderen geretteten Mitglieder ber Expedition be« fanben, traf in Halle am Montag mit etwa fünf Mi­nuten Verspätung kurz nach 1 Uhr mittags ein. Der Ankunftsbahnsteig war von ber Bahnpolizei gesperrt. Dann würbe der norwegische Schlafwagen umgefetzt. Da aus verkehrstechnischen Gründen ber Abfahrtsbahn- steig nicht gesperrt werben konnte, war es möglich, Nobile zu beobachten. Im letzten Augenblick vor der Abfahrt, die mit elf Minuten Verspätung erfolgte, wollte Nobile ben Wagen verlassen, um noch einmal in ben Speise­wagen bes Magdeburger D-Zuges zurückzukehren. Das Bahnperfonal schloß aber bie Türen, ba der Zug schon im Anfahren war.

Von Halle ging die Fahrt weiter über Nürnberg, München, Innsbruck nach Verona. Am Dienstag abend um 23.10 Uhr trifft die Expedition voraussichtlich in Rom ein.

heißt „Enfleurage". Der so entftambenen Pomade kann man bie Duftstoffe wieder durch Weingeist entziehen und erhält bann den Extrakt. Neuerdings ist ein anderes Verfahren entdeckt worben, das die Verwendung des Fettes völlig ausfchließt: mit Petroleumäther werden bie , Blüten direkt behandelt und ihnen das Parfüm ent- ; zogen. Durch Destillatton erfolgt später bie Trennung ; des Duffftoffes vom Aether. Mit Enfleuration behan- j beit man beispielsweise die Tuberosen, Jasmin, Ion- ■ quillen (eine Art Narzissen), Reseda, eine nach Veilchen t duftende Akazienart, die sogenannte Cafsia und Oran- s \ genblüten, also alles mehr oder weniger strenge Düfte, i ; bie zu Herrenparfüms Verwendung finden. Zur Wende ■ i des Jahrhunderts wurden allein in ber Stadt Grasse : etwa 300 000 Blüten vom bitterfrüchtigen Orangen­baum verarbeitet. Heute ist ber Anbau burch Verwen­dung des künstlichen Neroliöls stark zurückgegangen. Das Enfieurattonsverfahren ist auch für Gartenbesitzer nr- wendbar, bie ein Uebermaß von buftenben Blüten be­sitzen. Dazu läßt sich Schweinefett verwenben, bas durch Kochsalz und Alaun neruchlos und burch Boraure haltbar gemacht würbe. Aber bas ist bei ben kleinen Quantitäten natürlich nicht fo not«-endig wie in großen Fabrikbetrieben. Die Blüten bleiben unter Luftabschluß fo lange auf ben Fetten, bis sie anfangen zu welken; dann werden sie erneuert, bis bie Pomade ben nötigen Duftgrad angenommen hat.

Bei einigen Blüten wirb bas „Mazerationsverfahren" । angewandt, so bei Veilchen, Orangenblüten und Rosen. Hier werden die Blüten, die trocken gepflückt werden müssen, in erwärmtes Fett von 40 bis 50 Grad geschüttet, , später wird abfiltriert und erneuert.

In manchen Fällen ist auch möglich, bas ätherische < Del, an das der Duft gebunden ist, direkt zu destillieren. ! wie es in Bulgarien mit ben Rosen gemacht wird. Auch . in Deutschland fanden nach dieser Richtung schon Ver- i suche statt, besonders bei Leivria waren vor Jahrzehnten -

große Flächen mit Oelrosen zu sehen, doch konnte man gegen ben Balkan, der jährlich 2000 Kilo Rosenöl erntet, nicht aufkommen. Blätter und unreife Früchte bes bitt/' ren Orangebaumes geben auf diese Weise bas Pettt- grainöl, bas man aber auch durch Auspresten gewinnt. Wie leicht die Schalen bas schnell sich verflüchtende Del abgeben, weiß jeder, der einmal eine Mandarine ober Apfelsine geschält hat. Die reife Frucht bes Orangen­baumes ober der Bergamottenzitrone werden in einen Trichter gedreht, ber innen mit Nadeln versehen ist Hierburch wird bes Oel ausgepreßt und fließt durch den Trichter ab. Oder man rollt zwischen den Fingern oder in besonderen Apparaten die Drangen und läßt das flüch­tige Del durch einen Schwamm auff äugen, der bann ausgebrüdt wird.

Eine andere Frucht, bie zur Parfümfabrikation be­nutzt wird, ist die Gurke. Man beftilliert über Gurken- scheiben mehrmals denselben Alkohol und bekommt aus diese Weise eine Essenz, die zur Bereitung des _W- reams dient und ihm den frischen Duft gibt.

Daß aus ben Tropen noch andere Parfüms kommen, wie Patschuli aus ben Blättern von Pogostemon Pot- schuly und Mang Plang aus ben Blüten von Canango odorata und viele andere, sei hier nur kurz erwähnt.

Das alles sind nur Rohstoffe, die erst in den Fabri­ken der Parfümindustrie ihre letzte Weihe bekommen. Auf diesem Gebiet spielt in erster Linie Deutschland eine große Rolle. Besonders sei das Kölnische Wasser er­wähnt, bas ber Deutsche bekanntlich „Eau be Cologne" ber Franzose aber — kein Witz — „le oeriable aegm- über" nennt. Jede Fabrik hat natürlich ihre Geheim­nisse, bie sich auf Zusammenstellung, Mischung unb La­gerung beziehen, benn es ist eine Eigentümlichkeit ber Parfüms, daß sie ihre höchste Wirkung erst erreichen, wenn sie genügend gelagert sind. Erst bann entsteht die Blume des Parfüms