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Das fteNIae Recht.

Roman von Emil Frank.

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Axels Interesse für den Bericht Jngeborgs war nicht übermäßig groß. Erst bei dem Namen „Fräulein Dag. mar" horchte er auf. Wäre es möglich? Dagmar, seine Dagmar, wäre im Hause? Ein Singen und Klingen hob in seiner Seele an. Sofort war die Enttäuschung der letzten Tage mit ihrem vergeblichen Suchen vergessen.

Dann aber schalt er sich doch wieder einen Narren. Ms ob es nicht ungezählte Dagmars gäbe.

In ängstlicher Spannung fragte er: „Wie heißt das Fräulein? Ich Hobe den Namen nicht recht verstanden, und bei der Vorstellung verhört man sich doch regel­mäßig."

„Ei. Axel .du scheinst sa schon Feuer und Flamme für unser schönes Fräulein zu sein, bevor du sie noch ge­sehen haft. Aber ihr Name ist ja- schließlich kein Ge- heimnis: Dagmar Hjelmar heißt sie."

Da konnte Axel dem stürmischen Jubel in seiner Brust keinen anderen Ausdruck geben: er muhte Inge- borg auf seine Arme nehmen. Obwohl sie sich lachend zur Wehr fetzte, trug er sie auf dem weißen Kiespfade des Gartens bis vor die Haustür, und er ließ sie erst dann errötend auf den Boden gleiten ,als er oben das Klirren eines Fensters hörte.

Schelmisch drohend stand Jngeborg vor ihm: „Axel Axel! Man kennt dich ja gar nicht wieder! All die Tage vorher stellst du dich an, als hätte aller Weltschmerz sich in deiner Brust angesammelt, und jetzt bist du auf ein­mal ausgelassen wie ein Junge."

„Bin ich auch, liebe Jngeborg!" erwiderte Axel froh Nur einen Augenblick kämpfte er mit sich, ob er Jngeborg ins Vertrauen ziehen sollte. Rasch entschlossen sagte er: „Ich kenne nämlich dieses Fräulein Dagmar Hjelmar sehr gut!" Und dann erzählte er von dem Zufall, der sie zu sammengeführt hatte. Die Sehnsucht seines Herzens und sein langes vergebliches Suchen aber verschwieg er. So lange Dagmar ihm nicht das Recht auf ihr Herz und ihre Hand gab, brauchte niemand etwas von feiner Liebe zu wissen.

„Das freut mich aber, Axel," meinte Jngeborg und schritt an seiner Seite ins Haus, „sie scheint schwere

Dienstag, 31. Juli 1928

Fuldaer Zeitung (Amtliches Nreisblatt)

Nr. 175

ich in Ihrem Hause ange-

Haus." —

darin, sind mit seinem Be-

einst und jetzt! Heute bin stellt" —

„Das ist gar nicht mein

„Aber Sie wohnen doch sitzer verwandt."—

„Das schadet doch nichts! Uebrigens, wenn es Sie tröstet, will ich Ihnen verraten, daß ich Herrn Sjöberg zwar seit den Kinderjahren Onkel nenne, daß mein Bru­der wahrscheinlich Sjöbergs Tochter heiraten wird, ich aber in keinerlei verwandtschaftlichen Beziehungen zu Sjöberg stehe."

„Ich möchte Sie ja wirklich nicht verletzen! Aber ich habe in der letzten Zeit so Schweres durchgemacht." —

„Warum haben Sie mich denn nicht gerufen? Bin ich nicht Ihr Freund, der mit tausend Freuden Ihnen zu Hilfe geeilt wäre? Aber sagen Sie mir doch, Dag­mar, was war es denn, was Sie durchzukämpfen hatten? Man sieht es Ihnen ja an, das Sie schwer gelitten ha­ben! Und ich wußte nichts davon, habe Sie nur immer gesucht, weil ich nicht den Mut sand, in Ihre Wohnung einzudringen." —■

rückweisen müssen. Und da sollte sie Axel verraten, wie es in ihr stürmte? Um seinetwillen durfte sie es nicht tun! Ihm konnte sie auch nicht sagen, was sie dem Herrn dieses Hauses sagen mußte, bevor er ihr die Stellung übertrug, die sie von so viel Widerwärtigkeiten erlöste. Kein anderer Mensch aber brauchte zu wissen, was ihr widerfahren war, wessen man sie beschuldigt hatte — Axel am wenigsten! Und damit sie nicht doch noch ge­zwungen wurde, ihm ihre Schmach zu enthüllen, mußte sie von vornherein sich auf den Standpunkt der Ange­stellten stellen, die mit einem Angehörigen der Herrschaft sich unter keinen Umständen in eine Liebelei einlaffen darf.

Aber sie brachte es trotz oller klugen Erwägungen doch nicht übers Herz, ihn schroff zurückzuweifen — da- für hatte sie ihn eben viel zu lieb.

All das Weh, das sie in diesem Augenblicke erneut überfallen hatte, zitterte in ihrer Stimme: .Herr Dahl- gren." —

„Wie, so rasch haben Sie unsere Abmachungen ver­gessen?" unterbrach er sie erstaunt.

„Bitte, berücksichtigen Sie den Unterschied zwischen

Schicksale erlebt zu haben, ist so dankbar für jede kleine Freundlichkeit, daß man sie wirklich lieb haben muh."

Wie diese Worte Axel begeisterten! Jetzt erst ver­stand er es, daß Erik sich in dieses Mädchen, das ihm zwar immer eine liebe Schwester gewesen, verlieben konnte.

Kaum konnte er es erwarten, Dagmar zu begegnen O, nun hatte dieses verzweifelte Suchen nach ihr ein Ende! Nun konnte er sie jeden Tag im Hause Onkel Bengts sehen. Daß Jngeborg ihm habet keine Schwie­rigkeiten bereiten würde, verstand sich für ihn ganz von selbst.

Jngeborg selbst führte ihn der neuen Hausgenossin zu. Freundlich sprach sie zu Dagmar: „Eine Vorstellung erübrigt sich ja, da Sie sich schon kennen, wie Axel mir freudestrahlend erzählte."

Mein Gott, was war denn das? Warum wurde Dagmar abwechselnd bleich und rot? Sah es nicht aus, als wäre sie bei Axels Anblick tödlich erschrocken? Hatte er ihr irgend etwas getan? Oder — drückte sie eine Schuld?

Mit dem feinen Takt ihres gütigen Herzens beschloß Jngeborg, dieses erste Beisammensein nicht zu stören. Mit einem Scherzwort, das aber von beiden Hauptbe­teiligten kaum verstanden wurde, zog sie sich zurück.

Dagmar stand da. wie zu Stein erstarrt. O, sie hatte 'ich so gefreut, als dieses Hauses liebreizende Tochter ihr so freundlich entgegenkam, sie so gar nicht wie eine bezahlte Hilfskraft .sondern wie eine liebe Bekannte be­handelte. Darüber hatte sie gar nicht beachtet, daß Anne Pjersson sie mit unverhohlenem Mißtrauen be­trachtete.

Daß sie in diesem Hause Axel wiedersehen könnte, s'aran hatte sie wirklich nicht im entferntesten gedacht. Und nun stand er vor ihr, schaute sie liebeheischend an, und die Freude über dieses unoerhofsste Finden leuchtete hm aus den treuen Augen. Sie aber mußte ihr Herz vappnen, muhte mit aller Gewalt die zarten Stimmlein n ihrer Brust zum Schweigen bringen, die von Liebe aunen wollten. Ja, wäre sie noch dieselbe Dagmar Öjelmar wie vor einigen Wochen, wie gerne gäbe sie 'liefern mächtig aufquellenden Gefühle Raum! Aber Schmach und Schande war in dieser kurzen Zeit über sie gekommen. Des einfachsten Mannes Liebe hätte sie zu-

Heiland. Er berief nicht nur die Apostel, sondern auch die helfenden Jünger. Das Wehen des Gei­stes Gottes geht nicht nur über Priesteramtskanbi. baten, sondern auch über Stephanusjünger. Der Be- ruf der ßaienfeelfotger hat eigentlich nur Bedeu­tung im Lichte der Religion, kann nur von ihr letzte und höchste Wartung empfangen und aus ihr höchsten und schönsten Inhalt schöpfen. Der Jung- brunnen aller feelsorglichen Tätigkeit ist das eigene lebendige religiöse Leben. Zur Erhaltung und Förderung desselben werden deshalb mit der Ta­gung der Gemeindehelferinnen in Fulda Exerzi­tien verbunden. .

Die hauptamtliche, organisierte Seelsorgehtlfe durch Laien ist vielfach noch Neuland, stellt oft noch Versuchsfeld bar. Möge sie durch den hochwürdi­gen Klerus mit Hilfe der kirchlichen Derwaltungs- organe allen düsteren Zeitumständen zum Trotz freudig ausgebaut werben.

Die katholischen Studentenvereine in Fulda.

Feierlicher Lröffnungsgottesdientt auf dem Frauenberg. — weihe des neuen Verbandsbanners. — Festkommers in den Ztadtsalen. — Beginn der Verhandlungen.

lich klar darüber werden, wie sehr solche Zustände, die keineswegs den Forderungen eines Kulturstaa­tes entsprechen, das Volk und die Jugend weiter verrohen helfen. Das kulturwillige Publikum hat das Recht und die Pflicht, von den Behörden ge- rade jetzt zur Erntezeit einen besseren Schutz der Tiere und seines kulturellen Empfindens zu ver­langen.

Eine Radfahrerin,

die in sehr schnellem Tempo fuhr und die Kurve zu kurz nahm, stieß am Samstagmittag gegen 5 Uhr an der Ecke B ahnh osstratze-Katserplatz mit einer Autodroschke zusammen. Der Zusammen­stoß des Rades mit dem Kühler des Kraftwagens hatte die Folge, daß die Fahrerin, die aus Künzell stammt, in hohem Bogen zur Erde flog und sich erhebliche Gesichtsverletzungen, u. a. einen Nasen­beinbruch, zuzog. Sie wurde m das Landeskranken-

Es wäre vergebens gewesen, denn ich war längst nicht mehr dort."

„Darum also habe idi Sie nie auf der Straße ge- sehen! Ja, wo waren Sie denn?"

„Die Not zwang mich, eine Stellung anzunehmen — die'erste beste, die sich mir bot. Und sie war so elend und erniedrigend, daß ich Herrn Sjöberg als Retter preise, der mich aus dieser Schmach erlöste."

„Sie machen mich wirklich neugierig, Dagmar — nein, Sie wecken meine tiefste Teilnahme. Wodurch konnte man Sie erniedrigen?"

Hauchzart gab sie zur Antwort: „Ich war Kellnerin in der Wirtschaft zum „Rautenkranz".

Betroffen schaute Axel sie an. Ein ganz leises Miß- trauen fing an, in ihm zu bohren. Sollte sie doch nicht die sein, für die er sie hielt? Nicht so rein und edel?

Doch schon schleuderte er diesen' Gedanken von sich. Daß sie in Not geraten war, dafür konnte man sie be­stimmt nicht verantwortlich machen. Vor Schmach aber hätte sie sich selbst geschützt. Und Onkel Bengt war viel zu schlau, als daß er ein Mädchen in sein Haus ge­nommen hätte, dessen Ehrenschild auch nur den kleinsten Makel zeigte.

Mit großem Nachdruck sagte er: „Nun gut. Sie wa­ren Kellnerin, weil die Not Sie trieb. Wer will' Ihnen daraus einen Vorwurf machen? Sie sind es doch nicht geblieben, haben die verantwortungsvolle und gewiß nicht leichte Stellung als Pflegerin eines idiotischen Krüppels angenommen. Beweisen Sie damit nicht, daß Sie nicht aus Leichtfertigkeit Kellnerin waren? Als ich jene schönen Stunden in der Wohnung Ihrer Tante mit Ihnen gemeinsam verlebte, sah ich doch gleich, daß Sie nicht über große Schätze verfügten. Macht das denn den Wert des Menschen aus? Hat es mich gehindert, Ihr Freund zu werden? Und ich dürste es nicht blei­ben, weil Sie in diesem Hause eine Stellung einnehmen, die Ihrer stolzen Auffassung nach nicht ganz zu meinem Lebenskreise paßt? Nein, Dagmar, auf solche Aeußer- lichkeiten kommt es wirklich nicht an* Sie müssen mich schon noch besser kennen lernen! Inzwischen aber be­harre ich auf meinem Recht: Ich war Ihr Freund und will es bleiben!"

(Fortsetzung folgt)

haus aufgenommen. Der Fast ist eine Mahnung zum langsamen, besonnenen Fahren. Bei den heutigen Verkehrsverhältnissen heißt es für alle: auf ge­paßt!

Empfang der Sieger vom Kölner Turnfest.

Heute, Montag, abend 6.30 Uhr erfolgt am Bahnhof Fulda die feierliche Abholung der Sieger der Turngemeinde 1848 e. V. Fulda vom Kölner Turnfest. Der Vorsitzende wird die Sieger durch eine Ansprache begrüßen und ihnen eine Auszeich­nung überreichen. Anschließend findet unter den Klängen der Musikkapelle Bioneck gemeinsamer Marsch nach dem „Ballhaus" statt.

— wiedersehensfeier ehern. 9. Dragoner in Dortmund. Zum ersten Male findet am 1., 2. und 3. September 1928 in Dortmund in Westfalen, an der Kronenburg der Re- gimentsappell statt. Anmeldungen bei R. Heuser, Dort­mund, Armeckestr. 86.

Aus dem Urlaub zurück.

Regierungspräsident Dr. Friedensburg ist gestern aus dem Urlaub zurückgekehrt und hat die Dienst- gefchäfte wieder übernommen.

Feuerwehrübung.

Zu der am Mittwoch, dm 1. August 1928, 19 Uhr stattfindenden Hebung der Pflichtfeuerwehr haben die Feuerwehrvflichttqm, derm Farnstlen- narne mit den Anfangsbuchstaben R bis 3 (nicht M bis Zs beginnt, zu erscheinm.

Gründung eines Kreis-Obstbauversins.

Auf Veranlassung des LandratsarnteS war auf Samstag nachmittag in die ',Harmonie" eine Ver­sammlung einberufen worden, die sich mit der Gründung eines Kreis-Obstbauvereins für den Kreis Fulda befassm sollte. Die nicht allzu stark besuchte Versammlung wurde von Regierungsassessor Dr. Lorscheider geleitet. Veranlaßt durch die Aus­führungen auf der hier kürzlich abgehaltenen Früh­jahrs-Hauptversammlung des Obstbauvereins für den Regierungsbezirk Kassel, so führte der Redner aus, haste es der Herr Landrat für sehr angebracht, wenn sich im hiesigen Kreise auch ein Kreis-Obst- bauverein gründete .wie solche schon in vielen Kreisen unseres Regierungsbezirks beständen und recht schöne Erfolge gebracht hätte. Dringend not­wendig sei es, daß sich die Obstzüchter in hiesiger Gegend zusammenschließen, um durch den Kreis- Obstbauverein ihre Waren besser verwerten zu können. Auch die Kreisverwaltung wird den Kreis- Obstbauverein nach Kräften unterstützen. In der sich anschließenden Aussprache wurde darauf hinge­wiesen, daß von der Landwirtschastskammer Kassel auch im Herbst in Fulda eine Sammel- und Der- packungssteste für Obst errichtet wird, die das Obs nach Sorten einteilt und dann zum Versand bringt, wodurch den Züchtern bessere Preise gewährleistet werden. Nach einer längeren Aussprache warm die Anwesendm einstimmig mit der Gründung eines Kreis-Obstbauvereins einverstanden. Die getätigte Vorstandswahl ergab folgmdes: Ehrenvorsitzender Landrat Freih. v. Gagern, 1. Vorsitzender Kunst- und Landschaftsgärtnereibesitzer Ries-Fulda, Schrift- sührer Landwirtschaftsrat Tremmel-Fulda, Kassie­rer Rektor Rausch-Petersberg, als Beisitzer Axt- Petersberg, Vogel-Zirkenbach, Bott-Dietershausen, Trabert-Neuhof, Becker-Bad Salzschlirf,, Beck-Hof- biebet und Bürgermeister Leinweber-Hainzell. Herr Ries wies noch daraus hin, daß sich die bereits bestehendm Obstbauvereine in einigen Ortm dem Kreis-Obstbauverein anschließen können: in anderen Gemeinden, wo noch keine derartigen Vereine be­stehen, soll versucht werden, solche zu gründen oder die bett, politischen Gemeinden als solche als Mit­glieder aufzunehmen. Die Ausbildung von 3—4 Baumwärtern in unserem Kreise ist ebenfalls ms Auge gefaßt. Der Vorstand wurde beauftragt, die Satzungen auszuarbeiten und die Höhe des zu zahlenden Jahresbeittages festzusetzen. In einer späteren Versammlung soll hierüber Näheres mtt- geteilt werden.

Eine Mahnung zur Ernkezeii.

Der Verband der T i e r s ch u tz v e r e i n e des Deutschen Reichs erläßt folgenden Mahnruf:,, Die Erntezeit hat nun begonnen und man hat täglich Gelegenheit, Mißhandlungen der Zugtiere zu be­obachten. Die Wagen werden besonders bei Stei­gungen viel zu schwer geladen, die Zugtiere über ihre Kräfte in Anspruch genommen und durch Schläge, vielfach auf den Kopf und andere emp­findliche Stellen, mißhandelt. Das ist nicht nur kulturlos, sondern schadet auch unserem National­ansehen bei den jetzt zahlreichen Kursremhen er­heblich. Die maßgebenden Stellen sollten sich end-

Stiefel. Alles erinnert an die alte Tradition des deut­schen Studenten, da er im bunten Rock und in klirren­der Wehr die Freiheit, den Sieg der Wahrheit und Deutschheit über Willkür und Reaktion ertrotzen wollte. Möge dieser Geist, der sich in dieser Form damals äu­ßerte, stets in den deutschen Studenten, die heute noch stolz die alte studentische Tracht tragen, lebendig blei­ben, auf daß die deutsche Studentenschaft wirklich wie­der Borkämpferin des deutschen Volkes werde.

Unter dem Geläute der Glocken ziehen die Chargier- ten gefolgt von den in Fulda anwesenden Slltfjencn und sonstigen Aktiven, in die Kirche ein. Mächllg er­braust die klangvolle Orgel der Klosterkirche. Wie Hoss- nungsvoll, daß die Vertteterveriammilung offiziell ae- ginnt mit dem Rufe: „Beni Creator Spiritus Sliter Herr Studentenseelsorger Cronseder-Munchen Mitglied der Gesellschaft Jesu, besteigt die Kanzel und zeichnet in markanten Worten das Bild des großen Mannes, der das leuchtende Vorbild jedes deutschen Katholiken sein könne, des heiligen Winfried-Bonifatius, der erleuchtet von der Gnade und Kraft Gottes den Grundstein zur kacholilchen Kirche in Deutschland gelegt und schließlich fein Werk durch feinen Opfertod besiegelt und gesegnet hat. B o n i s a t i u s g e i st und B o n t - fatiustraft müsse alle be*eelen. Das Re11gio s« bleibe stets das letzte und höchste der Ziele der tarn al. Stubentennereine. Große, schwere Ausgaben und Opfer harren hier ebenso wie auf sozialem Gebiete, die nur aus Bonisatiusgeist geborene Tat bewältigen können.

Ein feierlicher Augenblick war es, als dann Pater Cronfeder (21. H.) die kirchliche Weihe bes neuen Verbandsbanners vornahm, das dem Verbände von dem schlesischen Altherrnzirkek gestiftet worden ist.

Das anschließende feierliche Levitenamt war eine religiöse Weihestunde, die allen Teilnehmern unvergessen bleiben wird. Fließende zarte Choralmelodien, unver- gänglich in ihrer Klangschönheit und religiösen Aus- druckskrast umrankten die heilige Handlung. Der gut geschulte Chor der Fuldaer Franz,skaner-Patres unter der Leitung von Pater Dr Ewald Muller udertra sich diesmal selbst und riß die Herzen der vor dem Altars Vereinigten zu inbrünstigem Flehen und jubelnbem Dank mit empor aus irdischer Enge und kleinlichem Dünkel Dafür, daß die Brüder des hl. Franz die reit, aiöfe Feier mit dem strahlenden Sonnengesang des Vaters Franziskus beendeten, muß man ihnen beson­ders danken. Wir freuen uns, daß die meist aus der Großstadt kommenden Gäste die heimische Klofterkuckur in ihrer unaufdringlichen, dafür aber um so schöner wir- tenben Art, kennen lernen konnten.

Wieder setzte sich der Zug in Bewegung, diesmal mit dem neuen Bundesbanner an der Spitze, umi an bem Denkmal ber im Weltkrieg Gefallenen eine schlichte, ganz selbstverständliche

vaterländische Gedenkfeier

zu begehen. Der Ring ber Derbindungsfahnen schließt sich um das Denkmal. Verbandsgeschaftsfuhrer Rechts- anwalt Henry-Bonn weist in kurzen treffenden War- ten auf die Bedeutung des Opfertodes von Millionen deutscher Volksgenossen hin. Ihr Vorbild, besond^.s aber ads der vielen gesottenen Kartellbruder, mahnen -ur Besinnung und opferbereiten Tat für Volk und Va­terland! getrrn dem Wahllpruch „Mit Gott für beutW (ghre". Das schlichte unb ergreifende Volkslied vom Guten Kameraden ertönt. Zwei Kränze werden an dem Denkmal der Gefallenen von 1870-71 unb non 1914=18 niebergelegt. Die Feier fand mit dem Deutschlandliede ihren Abschluß.

Ein Ereignis für Fulda war auch dieses Jahr der Aestkommers

am Sonntag -bend im Großen Stadtsaal, ber wie stets einen würdigen Rahmen für durch die ? '

legte Form festlicher Zusammenkünfte der Akademiker

Laienhilfe in der Zeelsoroe.

»ur Tagung der Derufsgemeinfchaft katholischer ° Gemeindehelferinnen in Fulda.

In der heiligen Zeit", so schreibt unser hoch- rvurdigster Herr Bischof in seinem Fastenhirtenbrief vom vergangenen Jahre, „mit ihren besonderen religiösen, sittlichen und sozialen Aufgaben bedarf die Kirche der seeleneifrigen und kirchlich-treuen L a i e n h' l f e: umsomehr, als bei der Abnahme der geistlichen Berufe die Zahl der zur Verfügung stehenden Priester nicht ausreicht." Die Pflicht der Mitarbeit am kirchlichen Lehr- und Hirtenamt er­geht freilich an alle ohne Ausnahme, insofern jeder nach seinem Berufe durch gutes Beispiel den Näch­sten vom Bösen abhalten und zum Guten an­eifern soll. Laienapostel müssen alle sein, deren Stellung es mit sich bringt, für Untergebene Sorge zu tragen. Das vornehmste und wichtigste Laien­apostolat wird geübt, wenn ein Mann, sei es in privat, sei es im öffentlichen Leben, auf dem Kon­tor, im Warenhaus, in der Gaststätte, auf der höhe­ren Schule, in seiner Korporation, in der Werk­statt, durch die Tat oder durch die Schrift und Wort nicht bloß für die Rechte des Volkes, sondern auch für die Rechte der Religion und der Kirche eintritt, wenn er nicht bloß in seinem Leben ba­stelst als unerschütterlicher Fels der Gewissenhaftig­keit, der Ehrenhaftigkeit und Religiösiiät, sondern auch gegebenenfalls seine Feder und Redemacht als wuchtige und gefürchtete Waffe gegen alle Feinde des Rechts und der Gerechtigkeit siegreich hand­habt. Je höher ein solcher Laienapostel steht, um so weiter reicht sein Apostolat. So ist das Laienaposto- lat — dem Namen nach neu, doch der Sache nach alt: schon die Apostel hatten Mithelfer aus dem Stande der Gläubigen, Männer und Frauen, die sie in ihrer apostolischen Arbeit unterstützten —, eine große Geschichte, auch wenn es nicht in Ge­stalt einer Verbindung, eines Vereins auftritt und sein Wirken im öffentlichen Leben in so bemerk­barer Weise kundgibt. Doch erwies es sich in den letzten Jahren als unbedingt notwendig, den so fruchtbaren Gedanken des Laienapostolates in Form der organisierten Seelsorge unter Beiziehung der Vereine ehrenamtlicher Helfer und Helferin­nen und schließllch auch namentlich in größeren Städten hauptamtlicher Hilfskräfte im eng­sten Anschluß an die Pfarrseelsorge weiter auszu­bauen. Die gesteigerte religiöse Not weiter Volks­kreise ries und ruft nach persönlicher, planmäßi­ger Mitarbeit geeigneter Laien, wir wollen sie Laienseelsorger nennen. Wie mannigfaltig und ausgedehnt ist ihr Tätigkeitsfeld! Wir erwäh­nen nur die Sorge für die christliche Ehe und Fa­milie sowie für die katholische Kindcrerziehung, die Mitarbeit bei der Vorbereitung besonderer Veran­staltungen der außerordentlichen Seelsorge: Mis­sionen, religiöse Wochen, Cxerizitien: die Wieder­gewinnung der der Kirche Entsremdeten und die Belehrung der Irrenden und Suchenden, die Wer­bung für die katholischen Vereine, für die katho­lische Presse und die Verbreitung guter Bücher und Zeitschriften. Zur Bewältigung eines solchen Ar­beitsgebietes ist eine systematische Schulung not­wendig. Diese wollen die beiden Fachschulen in Freiburg und Breslau vermitteln. Der Caritas- verband hat eine eigene Abteilung in der Freien Vereinigung für Seelsorgehilfe geschaffen; ihr Hauptzweck ist Anregung unb Förderung. Sam­melpunkt sind die jährlichen Tagungen. Die letzten fanden in Recklinghausen und Koblenz ffr' * Ge­

legentlich eines Nachschulungskursus 1926 zu Frei­burg wurde eine lose Berufsgemeinschaft katholischer Gemeindehelferinnen zur Pflege religiöser Berufsauffassung und Erhaltung religiöser Berufsfreudigkeit gegründet, die ihr Tref­fen 1927 in Honnef am Rhein hatte und in fr sen Tagen in der Stadt des heiligen Bonifatius zu gemeinsamer Beratung weilt. Seelsorge, wie Seel­sorgehilfe ist zuerst und vor allem Arbeit der r e l i« giösen Persönlichkeit. Darum die betonte kirchliche Vorschrift für die Pflege des aszettschen Lebens bei Priestern, darum auch die Notwendig­keit der ständigen Pflege des religiösen Lebens beim „Laienseelsorge'-". Seelsorge setzt innere Be­rufung voraus, sowohl bei den Priestern als auch bei den Laien. „Ich habe euch erwählt", sagt der

Zum drittenmal weilen die Vertreter der Alt- herrnschaft und Aktivitas des Kartell« er- verbandes der Katholischen Stuben- tenvereine Deutschlands (K. B.) in un- i ferer alten Stabt, um sich, wie es Notwendigkeit - unb Sitte erforbert, in internen Beratungen über bie innere unb äußere Entwicklung bes Berban- bes Rechenschaft zu geben unb immer wieder aus ber Erkenntnis ber Zeiterfordernisse neue Gesichts­punkte für die Verwirklichung ber großzügigen Verbanbsprinzipien: Religion, Wissen- schaftunbFreunbschast zu suchen.

Für eine Zusammenkunft ber katholischen Stu- bentenvereine am G r a d e d e s A p o st e l s ber Deutschen ziemt es sich, daß sie sich nicht in einem Uebermaß von glänzenden Festlichkeiten und formellen Beschlüssen erschöpft, sondern durchpulst und getragen ist von bem starken Geiste unb dem hohen Idealismus des großen Heiligen, der im Dome zu Fulda ruht. Durch alle sicherlich not­wendigen Debatten über bie Verbandsorbnung unb Organisation muß immer wieber auf das We­sentliche vorgestoßen werden, was den katholischen Stubentenvereinen ihre Existenzberechtigung gibt:. Die Arbeit an ber Durchbringung unseres gesam- ten kulturellen, politischen unb wirtschaftlichen Le­bens mit rriigiösem, christlichem unb beutschem Geist. Deshalb ist ber Verbandswahlspruch „M i t Gott für deutsche Ehre" kein leeres Schlagwort, sondern umfaßt ein großes uner­schöpfliches Programm.

In richtiger Würdigung des Wesens der Ful­daer Vertreterversammlungen haben die katholi­schen Studentenvereine während ihrer 54. Vertre­terversammlung unb bes gleichzeitig tagenden 7. ordentlichen Philistertages bie Veranstaltungen, mit benen sie an bie breite Oeffentlichkeit Fuldas treten, auf bie notwenbigsten beschränkt.

Nachdem schon am Samstagvormittag die Beratungen des Philistertages begonnen hatten, trafen sich abends die auswärtigen Gäste mit den Mitgliedern des Philisterzirkels „Pfahlbau" zu einem internen Be- grüßungsabend im Roten Stadtsaal. Der Vor­sitzende des Zirkels, Rechtsanwalt Franken, hieß die Vertreter des K. V. namens der Fuldaer Altherrnfchaft herzlich willkommen und wünschte der Tagung den rech­ten Erfolg, damit die Aufgaben gelöst werden könnttn, die unsere Zeit besonders an den katholischen Akademi­ker stellt. Der Vorortsvorsitzende, eand. med. Steuer, dankte dem Philisterzirkel „Pfahlbau" und der Stadt Fulda füt die schon oft gezeigte Gastfreundschaft.

Die Vertreterversammlung wurde offiziell am Sonn­tag durch einen feierlichen

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in der Klosterkirche auf dem Frauenberg eröffnet, die non den Franziskanerpartres in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt worden war. Um 10 Uhr nah­men die Chargierten der Korporationen mit ihren Fahnen im Schloßhof Aufltellung. Unter Vorantritt der Bioneck'schen Musikkapelle setzte sich der stolze Zug in Bewegung. Durch die grünen Alleen geht es hinan zum Berg der himmlischen Frau, wo die festliche Weihe des Verbandsbanners stattfinden soll. Welch ein präch­tiges farbenfrohes Bild. Unter dem grünen Blätter- döm der alten Bäume des Frauenbergs eine wahre Farbensymphonie von Rot und Gold und Blau und Schwarz und Weiß, lieber den schwarzen Pekeschen der Chargierten leuchten die bunten Farben jeder Korpora­tion. 81 Fahnen flatterten im Winde. Es blitzten die Schläger, klirren die Sporen und glänzen die hohen