Fuldaer Zeitung
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.Gedenken Sie auch.
Erik schaute ihn forschend an: Bengt Sjöberg zu besuchen?"
* Lin neuer italienischer Generakflal schef. De. neral Gualtieri, Präsident des Obersten Militärgerichts, ist zum Chef des Generalstabes erarmt worden. '
Männer sich auf solch eine Höllenmaschine setzen. Und dann noch dieses gefährliche Geknatter, das uns die Nächte stört! Man sollte die belebteren Straßen für diese Klappennotaren sperren, die Gott sei Dank von selber dem Auto langsam weichen. Aber auch die Autos werden täglich ge-
Selten sind sich wohl Leben und Sterben in der Natur so schnell gefolgt wie dieses Mal. Noch denke ich daran, wie ich das Klettermännchen an meiner Mauer, das noch jung ist und zart, im Monat Mai beobachtet habe. Es wollte nicht wachsen, und auch im Juni noch tasteten die kleinen klebrigen Händchen sich nur langsam weiter. Dann aber kam die große Hitze, und Klettermännchen sprang nur so hinauf in den späten Sommer. Ein paar Tage nur, so war auch der Roggen schon weiß, der Weizen färbte sich leicht, und wieder eiin paar Tage, da bekam auch der Hafer graue Haare, während schon im Nachbarfeld die Sense klang. Schon sind mancherorts die schwankenden Erntewagen in die Scheuste gefahren. In den
rerschein in der Tasche haben, das ist notwendig und gut, aber keineswegs entscheidend. Es muß
interessiert sie aufhorchte! Dagmar Hjelmar? Ei, die wohnte ja hier ganz in der Nähe. Hatte vielmehr hie» gewohnt. Aber es hatte mit dem hochmütigen Mädchen ein schlimmes Ende genommen — sie hatte es aus sicherer Quelle gehört: die Tante, eine leichtfertige eitle Närrin, wurde wegen Diebstahl steckbrieflich verfolgt und dir Nichte saß wegen Hehlerei hinter Schloß und Riegel.
Geraume Zeit starrte er das Mädchen an, als hätte sie in irgend einem asiatischen Dialekt zu ihm gesprochen. Dann lachte er schneidend scharf auf. Das Mädchen schien geistesgestört zu sein, sonst könnte es unmöglich solchen Unsinn behaupten. Dagmar als Hehlerin ver» haftet! Nur ein Narr konnte so etwas sagen.
Und doch verlor er plötzlich die Lust, jenes einsame Haus zu besuchen. Nicht etwa, als wären ihm nachträglich Zweifel gekommen. Nein, an Dagmar glaubte er wie an Gottes Wort. Nur das Mädchen .das so Unsinniges behauptet hatte, mochte er nicht mehr sehen. Und er fürchtete, sie könnte hinter ihm herspionieren und auf diese Weise auch Dagmar Unannehmlichkeiten bereiten.
Wieder begann er fein fruchtloses Suchen auf der Straße. Um diese Zeit war es, als Eriks Telegramm einging und er so verzweifelt antwortete. Aber es hatte ihm auch wieder Freude gemacht. Denn nun wußte er ja, daß Dagmar die Enkelin des Pächters von Dahlgren- hemmet war. Könnte er sie nur finden! O, bann brauchte erlief) nicht zu scheuen ,zu ihr von feiner Liebe zu sprechen. Denn er wußte es ja längst, daß er ohne sie nicht leben konnte.
Doch vergebens war all fein Suchen. Wieder einmal kehrte er mißmutig heim. In diesen Tagen war er seinen Hausgenossen meist scheu aus dem Wege gegangen. Er fürchtete, sie könnten ihn fragen, was seine Ruhelosigkeit zu bedeuten hätte.
„Denke dir, Axel, wir haben eine neue Hausgenossin bekommen! Ein so schönes und liebes Mädchen! Man muß ihr gut fein. O, nun habe ich es gut! Ich brauche nicht mehr den ganzen Tag bei Olaf zu bleiben. Fräulein Dagmar soll mich in feiner Pflege unterstützen. Ja, das hat Vater wirklich gut gemacht!"
(Fortsetzung folgt.)
Anna Pjerson hatte ganz richttg geurteilt, als sie zu Sjöberg sagte: Axel sei nur deshalb so verstört, weil er das Mädchen aus den Augen verloren hatte, das er so heiß zu lieben schien.
So war es in der Tat. Doll froher Hoffnung war er an jenem Abend heimgekehrt, als er Dagmar so ganz zufällig auf der Straße getroffen hatte, als er in ihrem ganzen Wesen zu merken glaubte, daß auch sie ihn lieb hatte. Nein, ihre Wohnung durste er nicht wieder betreten. Aber es gab ja wohl auch noch andere Möglich, feiten, sie zu sehen. Man mußte dem blinden Zufall nur ein wenig nachhelfen.
Er hatte in der Nähe Dagmars Wohnung ein bescheidenes Kaffeehaus entdeckt. Dort kehrte er so oft ein, als es feine Arbeit erlaubte und beobachtete vom Fenster aus unausgesetzt die Straße . Die Haustochter, die ihn jedesmal bediente, ein kokettes, frühreifes Mädchen, mochte sich wohl einbilden, er käme ihretwegen und ließ es an Entgegenkommen nicht fehlen. Doch Axl merkte nicht das mindeste davon. Mit allen feinen Gedanken eilte er hinter Dagmar her und wunderte sich, daß er sie niemals zu Gesicht bekam.
So unbehaglich ihm auch der Aufenthalt in dem kleinen Kaffeehaus fein mochte, so suchte er es doch immer wieder auf; jedesmal trieb ihn neue Hoffnung hin, doch Abend für Abend kehrte er bitter enttäuscht nach Hause zurück. Gab es denn gar keine Möglichkeit, zu ihr in die Wohnung zu gelangen? Nur sehen wollte er sie, sich davon überzeugen, daß es ihr gut ging. Dann würde er beruhigt sein, auf eine neue Begegnung hoffen.
Er entwarf abenteuerliche Pläne und erkannte, daß sie unausführbar waren. Schließlich brachte er es sogar übers Herz, das vorlaute Kaffeemädchen zu fragen. Wie
Man kommt heute leicht vom Schicksal des Blümeleins auf das des Menschen. Fuhren sie nicht in jenem Sport <rnzug, lachend vor lauter Sommerglück, in den Tod? Sie sprachen wohl eben von schönen Ferien, für die sie den letzten Groschen zurückgelegt hatten. Sie malten sich alles herrlich aus. Sie neckten einander, wie Kinder froh, endlich dem Joch der Arbeit entronnen. Was ist das überhaupt für ein reizendes Bild des Lebens, so ein D-Zug, mit bunten Stoffen, gefüllt mit Koffern, aus denen ein Tennisschläger schaut und mit allen möglichen kleinen Dingen. Ganze Familien sind beisammen und beginnen schon im Abteil das hurtige Treiben. Und dann plötzlich der furchtbare Stoß. Finsternis vielleicht und kochender Dampf. Wilder Auffchrei und leises Wimmern. Es ist ein Schnitter, der heißt Tod . . .
Wenn man nur dem Schnitter nicht oft noch zu Hilfe käme durch unverantwortliche Fahrlässigkeit. Von den greulichen Motorrädern will ich schon gar nicht reden. Mr tun immer die Mütter leid, deren Söhne, oder die Gattinnen, deren
Erntekranz hinein lein . . .
das Verantwortungsbewußtsein hinzutreten. Und zwar das für den Menschen zuerst und nicht für den Wagen. Aber ist es nicht so: Wenn ein Auto in Trümmer geht und ein paar Menschen dabei Arm und Bein brechen, hört man nicht wohl Worte wie: „Schade um das schöne Auto!", während an die verunglückten Mensschen niemand denkt! Es ist da ein merkwürdiger Mangel an Folgerichtigkeit. Für die Gescheiterten der Nord- polexpedition setzt man Millionenwerte an Material und kostbaren Opfermut ein, und zwar alles nur, um ein paar Menschenleben zu retten. Andererseits aber rast man über die Straßen, als wäre ein Menschenleben nichts. Nebenbei gesagt, wo einmal vom Auto gesprochen wird, möchte man in Deutschland doch endlich auf den Aberglauben verzichten, als lieferten die amerikanischen, englischen und sranzösffchen Firmen bessere und schnei- lere Wagen. Wie die internationalen Wettbewerbe doch bewiesen haben, kann sich die deutsche Automobilindustrie mit jeder anderen vollkommen messen. Es werden jetzt viele neue Autos gekauft, so laßt doch das Geld im Lande!
Wie Forffchritt und technische Erfindungen wirklich ein Segen sein können, das zeigte sich bei dem jüngsten, dem zehnten Sängerfest in Wien. Ich weilte in jenen Tagen irgendwo in der Slowa- kei und war also Zeuge der Leistung der Eisenbahn, die mit staunenswerter Sicherheit über 150 Sonderzüge nach der alten Kaiserstadt leitete. Lange nicht hat man im ganzen Südosten so viele freudige deutsche Laute gehört. Aus allen Stämmen und Provinzen kamen sie heran, wie die Singvögel, wenn der Frühling naht. Wie hat uns auch das Radio herrlich bedient! War die Uebertragung des Riesenorchesters nicht tadellos? Konnten nicht alle Deuffchen auf diese Weise zu unmittelbaren Teilnehmern des Festes werden. War das nicht schon ein Anschluß und zwar der Anschluß der Herzen? Und war das nicht eine Reichseinheit, die wichtigste von allen, nämlich die Einheit der Seelen? Im deuffchen Liede, wie es mit unerreichter Meisterschaft Franz Schubert uns neu geschenkt hat, klingt ja die ganze deutsche Geschichte. In diesem Lied ist all unser kleines Glück, unser kleines Leid. In ihm ist der Alltag des Lebens in schöner Harmonie verklärt. Es kündet von der Lust und von der Sehnsucht, wie sie im Klang der deutschen Seele schwingen. Solche Feste lieb
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Larsson knurrte: „Erst habe ich Wichtigeres zu tun. Aber wenn ich Dagmar nicht finde, dann gnade ihm Gott!"
Mit tonloser Stimme gab der Alte zur Antwort: „Ich hätte es mir denken können, daß ich zu früh auf das Glück gehofft habe! Ich fahre nun selbst nach Stockholm und suche meine Enkelin!"
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nichts auf Erden mehr Kraft genug, sie auch nur für kurze Zeit festzuhalten.
„Dagmar Hjelmar heißt fiel" gab er fast schroff zur Antwort; „aber was soll das? Warum fragen Sie mich?"
„Dagmar Hjelmar! Das stimmt! Mein Bruder hat eine Dagmar Hjelmar gefunden! Er durfte ihr einen Dienst erweisen und hat sie seither öfter wiedergesehen."
Da war es mit der kühlen Ruhe des Alten vorüber. Erregt packte er Eriks Arm und fragte: „Wo — wo ist meine Enkelin, damit ich sie holen kann? Nicht län- ler soll sie im Großstadttrubel sich herumstoßen lassen! Bei mir ist ihr Platz!"
„Leider hat mir mein Bruder die Wohnung Ihrer Enkelin nicht verraten. Er konnte ja auch gar nicht wissen, daß diese Dagmar wirklich mit Ihnen verwandt ist. Nur aus dem Grunde kam er auf die Vermutung, daß so etwas möglich sei, weil ich ihm davon geschrieben habe. Ehe er meine Antwort erhält, vergehen immerhin einige Tage. Und dann müssen auch wir wieder geraume Zeit warten."
„Können Sie nicht telegraphieren?"
„Gewiß! Das geht. Stellen Sie mir einen Boten 3ur Verfügung, der das Telegramm zur Post bringt, bann können wir in einigen Stunden schon Antwort haben."
Wie ein Jüngling eilte Larsson davon, und schon in turjer 3eit kehrte er mit einem Knechte zurück. Dor vermochte der Alte kaum still zu stehen. Er schärfte dem Knechte größte Eile ein. Dann wandte er fid) an Erik: „Ich bleibe solange hier oben, bis die Antwort kommt. Hoffentlich dauert es nicht allzu lange."
Der Tag ging zur Neige. Lars Larsson eilte bei jedem Schritt, den er auf dem Dorplatz des Blockhauses vernahm, ins Freie, kehrte aber jedesmal enttäuscht zurück.
Endlich kam der ersehnte Bote an. Der alte Pächter eilte mit dem Antworttelegramm zu Erik, der es hastig erbrach. Warum las er die wenigen Worte nur so lange? Endlich blickte er auf und meinte traurig: „Es tut mir leid, Cater Larsson, Ihnen keine bessere Nachricht geben zu können. Hören Sie, was mein Bruder drahtet: „Dagmar Hjelmar seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Suche verzweifelt nach ihr,"
ich mir. Das sind Nationalfeiertage jenseits des Streites der Parteien. Wir dürfen unsere Augen nicht von Wien wenden, weil sich dort das europäische Schicksal enffcheiden wird. Ohne den Anschluß, der selbstverständlich ein föderalistisch aufgebautes Reichsdeutschland voraussetzt, läßt sich das verkleinerte Oesterreich nicht halten. Geht es aber unter oder verschwindet es in einer ^vonaufödera- tion, in der andere Völker herrschen^ffv ist es um die deutsche Stellllng im Südosten Europas und überhaupt Mitteleuropas geschehen. Bleibt uns aber diese Möglichkeit nicht, was soll aus Deutschland werden, das dann wirklich einer auf allen Seiten vermauerten Festung oder gar einem Gefängnis gleicht? Immer klarer zeichnen sich die Linien großer europäisch»? Politik ab. Jm^ er mehr wird es notwendig fein, hier richtig zu sehen, politisch und tulture#
Es herrscht nämlich eine ungeheure Gefahr von der Kultur her. Ein kommendes Mitteleuro p a, die einzige Zukunftsmöglichkeit für Deutschland, ist nicht denkbar, wenn der Riß, der augenblicklich das sozialistische Element vom christlichen trennt, nicht irgendwie geschlossen wird. Sagen wir deutlicher noch: Das Novaliswort, es werde entweder ein christliches Europa geben oder überhaupt keines, gilt auch für dieses zu schaffende Mitteleuropa. Und da müssen wir die Gefahr erkennen. In diesen Tagen traf ich in der Nähe von Teplitz einen argentinischen Arzt, der in Buenos Aires bedeutende Stellungen innehat. Er befand sich eben auf einer Studienreise durch die wichtigsten deutschen Bäder. Er liebte Deutschland und war eben darum recht niedergeschlagen über vieles, was er sah. In Berlin hatte man ihn zu verschiedenen Klubs eingeladen, wo man zu- sammen ist, wie Adam und Eva vor dem Sündenfalle. Er hatte diese Einladungen schroff abgelehnt und erzählte mir Einiges über seine Auffassung von Familienleben und Jugenderziehung. Was das ein Kolleg! So einfach und rührend war es, als er sagte: „13 Jahre bin ich nun verheiratet, aber noch niemals habe ich allein, ohne meine Frau, einen Spaziergang gemacht. — Sie umgekehrt natürlich auch nicht. Der einzelne ist schwach, aber zu zweien ist man stark, und es mutz her eine Teil die Stütze des anderen fein." Die Ansichten dieses ganz modernen Menschen waren so verankert in Religion und Sitte, daß man nur voller Bewunderung sein konnte — und auch Beschämung für unser gutes, aber doch vielfach irregeleitetes Volk . . . Auch fein Töchterchen, das er herzlich liebt, begleitet er stets. „Wie kann sonst das arme Kind", so meinte er, „das doch schwach ist, den vielen raffinierten Versuchungen widerstehen?"
Viel, viel Schönes und Trauriges habe ich auf weincr Reife erlebt, die endlich in Kiel ihr letztes Ziel fand. Niemals hatte ich den Hafen dort gesehen. Aber die Phantasie wußte bald, daß da einmal ein anderes Bild gewesen als heute. Von der großen deutschen Kriegsflotte lagen da noch drei oder vier mittelgroße Schiffe. Das war dies. Mich hat das sehr wehmütig gestimmt. Würde )urch den Kelloggschen Friedenspakt jede Flotte eher Nation auf solch eine kleine Zahl beschränkt, ie wäre eben dadurch ein Dokument des Friedens. So aber ist sie ein Zeichen der Ohnmacht ... Ich sinne nach über taufend Fragen, die sich unroill- kürlich melden. Eine Antwort leuchtet mir ein: Das Leben ist der Güter höchstes nicht... Ich kann nur leben, wenn ich ein freier Mann bin . . Niemals werde ich mich wohl fühlen in Deutschland, solange wir im fremden Joche sind. Möge der Friede es fein, der es einmal von uns nimmt!
Der Mann im Monde.
™äre immerhin möglich. Aber es hieße doch, das Schicksal herausfordern, wollte er an einer so unnatür- llchen Verbindung festhalten. Das hatte sogar der skrup- pellose Bengt Sjöberg empfunden, dem ganz gewiß weiche Gernutsregungen fremd waren. Darum hatte er sich gegen die Verlobung gesträubt, die in jeder Beziehung vorteilhaft war. Die Notwendigkeit seine Zustimmung dazu versagen zu müssen, hatte ihn so er- schütter!, daß er darüber krank geworden war.
Ein Bote brachte die Postsachen. Erik suchte gewohnheitsmäßig nach einem Briefe von Jngeborg. Berge- bens! Heute wußte er es, sie schrieb nicht, weil der Vater es nicht haben wollte.
Aber ein Schreiben Axels war dabei. Der Bruder ließ für gewöhnlich nicht allzuviel von sich hören. Cs mußte sich also um wichtige Dinge handeln, wenn er schrieb. Als Erik den Brief las, muhte er trotz seiner ernsten Stimmung lächeln. Sieh an, den guten Axel hatte es also anscheinend auch erwischt! Der schwärmte ja von dem Mädchen, das er durch einen Zufall kennen gelernt hatte, in den höchsten Tönen.
Dann aber wurde Erik stutzig. Wäre es denn wirklich möglich, daß fein Bruder Sarffons Enkelin gesunden haben sollte? Nur einer konnte ihm Antwort auf diese Frage geben: Lars Larsson felßft.
Erik eilte unverzüglich zu dem alten Pächter, der soeben im Begriffe stand, zu seinem Pachthof zurückzukehren. Er winkte ihn auf die Seite.
„Denken Sie sich, Vater Larsson, die Ueberraschun- gen, die wir heute Nacht erlebten, scheinen noch nicht ab- geschlossen zu sein! Wissen Sie vielleicht, wie Ihre En- kelin heißt? Daß sie sich in Stockholm aufhält, sagten Sie mir bereist. Auch den Namen nannten Sie damals, aber ich habe ihn leider vergessen."
Forschend ruhten die Augen des Alten auf Eriks Gesicht. Die Runzeln und Furchen in seinem Antlitz hatten sich in dieser Nacht noch vertieft. Die Augen schie- rren sich an das Licht des Tages nicht gewöhnen zu können. Unruhig flackernd irrten die Blicke umher, als hätte
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Sonntag, den 29. Juli 1928.
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Der deutschnationale Sersall.
Es ist noch nicht lange her, daß ein bekannter beuffchnationaler Abgeordneter feiner Partei das stolze Zeugnis ausgestellt Hal-sie sei die genialste volitifcke Konzeption der deuffchen Nachkriegsge- schichte Ob er jetzt noch gern seines Wortes ge- denkt? Nachdem der Fall Lambach mit all seinen Folgeerscheinungen die innere Zerrissenheit und die zentrifugal wirkenden Spannungen dieses Parteigebildes aller Welt bloßgelegt hat, wird kein klar denkender Mensch mehr imstande fein, t>ie deutschnationale Partei als den vollendeten Ausdruck eines genialen Schöpferwillens oder, wie man auch sagen kann, als ein wirkliches Kunstwerk, daß es die sinnfällige Offenbarung einer bedeutenden Idee oder eines starken Glaubens sei. Und wenn es sich, wie bei der Deutschnationalen
erkannt, daß der Monarchismus keine tragende Rolle mehr spielen kann, daß er vor allen Dingen nicht aus reicht, um die Gegensätze sozialer Art zu überwinden und jene Duldsamkeit zu verbreiten, die von der „Deuffchen Tageszeitung" selbst als die Voraussetzung der künftigen Eintracht bezeichnet worden ist.
Also die sozialen Gegensätze werden bleiben, weil die von den Parteidoktoren auch jetzt noch propagierte Leitidee nicht zureicht. Sie stellen sich äußerlich dar als ein Kampf zwischen Unternehmertum und Arbeitnehmerschaft, innerlich, ideenmäßig, aber als ein Widerstreit zwischen einem ganz manchesterlich-egoistisch denkenden L i - beralismus und einem modern gerichteten fortschrittlichen Konservativismus, der das Gemeinschaftsleben und die organische Ordnung des Volkes im Auge hat. Und weil das so ist, weil in den liberalen und in den konservativen Ele
menten der Deutschnationalen Dolkspartei zwei ich einander direkt ausschließende Weltanschauun- ;en mächtig sind, deshalb werden alle therapeuti» chen Maßnahmen unwirksam bleiben, die jetzt von den Betroffenen selbst in begreiflichem Eifer versucht werden. Eine Partei kann nur dann ein „Abbild der Volksgemeinschaft" ober, was dasselbe ist, eine wirkliche Volkspartei fein, wenn sie eine allen Mitgliedern gemeinfame geistige und weltanschauliche Basis besitzt und wenn ihre Leitidee stark und bedeutend genug ist, um alle Gegensätze materieller und wirtschaftlicher Art zu vernünftigem Ausgleich zu bringen.
Volkspartei, um eine Komposition handelt, um ein Kunstwerk also, das aus verschiedenen Werkstoffen zusammengesetzt ist, erwartet man ebenso sicher, daß bei der Auswahl dieser Werkstoffe gewisse physikalische Rücksichten wohl beachtet worden sind. Die Deutschnationale Volkspartei aber enttäuscht in zweifacher Hinsicht: Ihre Leitidee, der monarchische Gedanke, erwies sich als zu unvermögend und zu schwach, um die innere Harmonie des Werkes gewährleisten und die Werkstoffe trotz ihrer aus natürlichen Strukturunterschieden herrührenden Neigung zu Rissen und Sprüngen zusammenhalten zu können. Die Folgen dieser heb- lerhaften Konzeption äußern sich jetzt in deutlichster Weise.
Zuerst versagte die Leitidee und dann zerfiel und zerriß das Material in seine ursprünglichen ; Bestandteile. Ob man die Krankheit wird heilen itönnen? Man wird es versuchen. Die „Deutsche ;Tageszeitung", die jetzt bekanntlich Wert daraus ■legt, ihre lose Verbundenheit mit der Deutschna- tionalen Partei zu betonen, schrieb dieser Tage: ‘„6ie (die Deutschnationale Partei) setzt sich, und sjhat das mit Recht als einen Vorzug empfunden, saus vielfach heterogenen Elementen zusammen, ober die Zeit ihres Bestehens ist zu kurz, als daß diese verschiedenartigsten Kräfte und Kreise be- (reits zu einer unlöslichen inneren Verschmelzung lhätten gebracht werden können. Dieses Zusammenhalten und Verschmelzen ist für die politische Rechte die Aufgabe der nächsten Zukunft, und sie ’ft nur zu lösen bei entsprechender gegenseitiger amkeit. Die Lösung wird nicht gefunden bei einer einseitig rückwärts gewandten Einstel- ung, sondern nur, wenn es gelingt, die Grundsätze der Partei mit frischem Leben Zu durchfluten, neben alten, unverrückbaren Idealen neue, unmittelbar zukunftsträchtige Ziele aufzurichten". Uber dasselbe Blatt nennt in demselben Artikel ehr deutlich ein Hindernis, bas bie Zukunftshoff- vtung einer unlöslich, inneren Verschmelzung" erheblich in Frage stellt: „Gegensätze sozialer Art", bei — wie wir hinzufügen — gänzlichem Fehlen einer gemeinsamen hinreichend starken und hinreichend großen Leitidee. Wie will man bie schaffen? Die einen verlangen trotz allem das unbedingte starre und intranfingente Festhalten am monarchischen Prinzip, und die anderen wollen einer „innerlich rechtsgerichteten" republikanischen Jugend" innerhalb der Partei die monarchische Einstellung vermitteln, die sie außerhalb nie finden werden." Das eine sind die Paragraphenmenschen und das an- bere die Gouvernanten. Beide wollen schließlich dem Monarchismus dienen, beide haben noch nicht
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Schwingungen