Einzelbild herunterladen
 

-

FuldaerZertunc

Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

7tr. 172.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. :«: Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

Freitag, 27. Zuli 1928.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUL, auswärts 0,20 JUL. Reklamezeile: lokal 0,60 JUL, auswärts 0,80 JUL. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

55.Zahrg.

... Sie tootllejaöe wlerMm, dkS Stilogg-Hol»«

Lambach aus der Deutschnationalen Volkspartei ist

au wie'

In Beantwortung einer führers Wedgewood erklärte

Tage des Arbeiter« hamberlain im Un«

rttide nach wie vor geschlos« fen hinter Lambach stehen. Welche Schritte unternommen werden, wird sehr wesentlich davon

tcvvuuä.

Die gesamten Jahreskosten des britischen Besät, zungsheeres in Deutschland betragen 1299 700 Pfund Sterling und der Betrag, den England zur Begleichung dieser Kosten aus der Dawes-Annuität erhält, beläuft sich auf 950 000 Pfund Sterling. Wenn die britischen Truppen zurückgezogen wür­den, so werde England diese 950 000 Pfund Ster­ling nicht weiter erhalten.

Hierauf ersuchte Wedgewood den Staatssekre­tär des Aeußeren festzustellen, was England in bar profitieren würde, falls es feine Truppen zu- rückziehe. Chamberlain erwiderte: Wenn man von

punkt stellen sollte, den die örtliche Parteiinstanz eingenommen hat, dennoch ein anderes Mdurteil zustande kommen wird, weil das oberste Parteige- richt eine Anzahl Lambach nahestehender Parlamen­tarier umfaßt. Indessen könnte, selbst toenn das oberste Parteigericht einen Widerruf Lambachs for­dern sollte, die große Volksbewegung. innerhalb der Deutschnationalen Bolkspartei nicht eingedämmt

Dienst erweisen kann.

Aus Kreisen des Deutschen Gewerkschastsbun- des erfährt die T. II., daß von feiten des Deut- schm Eewerkschaftsbundes bezw. des Deuffchnatio- nalen Handlungsgehilfmverbandes noch kerne Schritte zum Ausschluß des Abg. Lambach aus der Dmtschnattonalm Partei unternommen worden sind, da zur Zeit viele der maßgebenden Mitglieder sich " ' ..... Es wird darauf hrnge-

rnehr allein an dm Namm Lambach gebunden. Sollte der Abgeordnete Lambach auch vom obersten Parteigericht zum Ausschluß aus der Partei ver­urteilt werden, so dürfte er nicht der Meinung sein, daß er durch eine Mandatsniederlegung dem von ihm vertretenen Gedanken der großen Rechtm einm

Aus Eisenach wird gemÄdet: Der Oester« reichisch-Deutsche Volksbund veranstaltete auf Ein­ladung des Burgenlandes eine Rundfahrt durchdasBurgenland, ander auch Reichs­tagspräsident L ö b e und die Abgeordneten von Gilsa und Hoelscher teilnahmen. Auf der Fahrt durch die verschiedenen Ortschaften fandev Empfänge statt, bei denen alle Parteien vertreten . waren und die Gäste aus dem Reich stürmisch be­grüßt wurden. Bei einem Festabend in Sauer­brunn, dem Sitz der Landesregierung, erklärte Landeshauptmann-Stellvertreter Leser in einer

Die polnisch-litauische Frage.

England.

Der Staatssekretär des Amßem Chamberlain teilte im Unterhaus mit, der britische Gesandte in Riga, der die britischen Jnteressm auch in Kowno wahminnnt, sei beauftragt worden, dem litauischen Minister des Auswärtigen dringend nahezulegen, daß es wünschenswert sei, die Empfehlungen des Völkerbundsrates bezüglich der Meinungsverschie­denheiten zwischen Polm und Litauen in die Tat urnzusetzm. Es sei anzunehmm, daß auch der fron- zöfksche und der deutsche Gesandte in Kowno ähn- siche Vorstellungm erheben würdm.

„Deutsche Tageszeitung- und „Kreuzzeitung".

Zu dem Ausschluß Lambachs äußert sich nun­mehr auch die „Deutsche Tageszeitung". Das Blatt schreibt u. a.:

Wir haben nicht unterlassen, über die Zweckmäßig­keit der Form und des Zeitpunktes, die Lambach für feinen Aufsatz gewählt hat, ernstem Zweifel Ausdruck zu geben. Wer wir sind ebenso sehr der Meinung ge- wesen, daß die Tendenz, die Lambach mit seinem Hervor- treten verfolgte, alles andere als parteizerstörend war, daß sieden Ausdruck einer tatsächlich vorhandenen Bewegung in nicht eben kleinen Kreisen darstellt, und daß man sich mit ihr unmöglich auseinandersetzen kann, indem man sie einfach durch formalistische Kraststücke zu

teigericht, an dessen Spitze bisher ein Mann von der mustergültigen Objektivität und von der politischen Ab- geklättheit Wallrafs gestanden hat und, wie wir hoffen möchten, wieder stehen wird, zu einer gründlichen Revision des Urteils des Landesverbandsvorstandes kommen wird. Dabei wird es nicht, wie es gestern ge« schah, an den tieferen Beweg- und Hintergründen der Angelegenheit vorbeigehen können. Es wird dann lin­den, daß im Grunde genommen der Abgeordnete Lam­bach mit feiner Forderung, auch Republikanern die Zu­gehörigkeit zur Pattei zu ermöglichen, nichts anderes gewollt hat, als die Sicherung des Nachwuchses. Ist es nicht ttchtiger, ihn heranzuziehen und innerhalb der Partei ihm die monarchische Einstellung zu vermitteln, die er außerhalb nie finden wird? Traut man der Kraft unserer monarchischen Ideale in unseren Reihen so wenig mehr, daß man ihre werbende, ihre erziehliche Wirkung auf ursprünglich anders Ge- finnte bezweifelt? Wir halten dafür, daß es sich lohnt, in solchem Sinne den Kampf um die Jugend aufzuneh- men, und wir würden es im Interesse der Deutschnat-o- nalen Pattei aufs äußerste bedauern, wenn sie solche Möglichkeiten etwa sich selbst verriegelte.

Ganz anders die „Kreuzzeitung": Der. Vorstoß des Abgeordneten Lambach, der unter Umgehung der maßgebenden Patteiinstanzen und ohne Rücksicht auf die unausbleiblichen Rückwirkun­gen seines Handelns auf die Partei die Diskussion über einen der wesentlichsten Punkte des deuticb- nationalen Parteiprogramms in scharf zu verurtei­lender Art und Weise, die dem Geiste des Pro­gramms durchaus zuwidettäuft, eröffnete, stellt zweifellos eine grobe Disziplinlosigkeit dar und bat bedauerlicherweise eine schwere Schädigung des Ansehens der Partei zur Folge gehabt. Darum i t das Urteil des Landesvorstandes, die schärftt» Maßregelung, die der Partei überhaupt zu Gebots steht, recht. Wir erwarten, daß auch die Bern- fungsinstanz sich nicht durch die Rücksicht auf poli­tische Mittungen beeinflussen läßt, sondern gleich dem Landesvörstand das Recht zur Grundlage ih­res endgültigen Beschlusses macht.

Das Gewerkschaftsblatt „Der Deutsche schreibt: Der Kampf ist natürlich nicht zu Ende. Der Abgeordnete Lambach will Berufung einle- gen. Er muß diese Berufung einlegen, damit eine politische Entscheidung gefällt wird. Wir glauben, daß das Parteigericht die Sache von höherer Watte betrachtet und künfttge Entwicklungen der Deutich- nationalen Volkspartei in Betracht zieht. Schließ­lich wird das, was Lambach enttprechend dem A'.'s- fall des enbgültigen Urteils tun wird, nicht ohne Rückwirkung auf die Haltung weiter Arbeitnsh- merkreife bleiben. Unter diesen Umständen wird der vorläufige Sieg der Gegner ein P y r r h u s - sieg sein. *

Der Reichstagsabgeordnete Lejeune-Iung hat an den Vorsitzend. des Landesverbandes Pots- dam 2 der Deutschnationalen Volkspartei, Stadtrat Steinhoff, M. d. L., ein Schreiben gerichtet, in dem er darauf hinweist, daß die Reichstagsfraktion den Artikel Lambachs mißbilligt, auf die Aufhe­bung der Fraktionsgemeinschaft aber verzichtet habe. Er habe dieser Mißbilligung zugestimmt. In- folge der davon abweichenden Haltung des Vsr- standes des Landesverbandes Potsdam 2, der Lambach aus der Partei ausgeschlossen habe, lege er sein P a r t e i a m t als Vorsitzender der Ortsgruppe Halensee nieder.

wtb. Paris, 26. Juli. (Gig. Funkm.). Im Anschluß an den gestrigen Empfang des amerika- Nischen Botschafters Herrick bei Briand macht „Rewyork Herald" ausführliche Mitteilungen über den Stand der Vorbereitungen zur Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes. Briand, so erklärt das Blatt, feilte dem Botschafter mit, daß die von der französischen Regierung an 9 Mächte gesandten Einladungen zur Vornahme der Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes in Paris nunmehr von allen mit Ausnahme Polens, dessen Zustimmung dieser Tage erwartet werde, angenommen worden seien. Aus den Steuerungen der Mächte, so be­richtet das Blatt weiter, gehe hervor, daß die Un­terzeichnung des Paktes durch die Anwesenheit von Kellogg eine Bedeutung erlangen werde, die sich nur mit der Unterzeichnung des Ver- träges vergleichen lasse. Es sei so gut wie sicher, daß außer Staatssekretär Kellogg und Dr. Strese- mann, Briand, Stuften Chamberlain, sowie die Stu« ßenminister von Belgien und der Tschechoslovakei nach Paris kommen würden. Durch die Z u s a g e Dr. Stresem anns sei das letzte Hindernis für die Abhaltung der Feierlichkeiten in Paris betei­ligt worden. Das Datum der Unterzeichnung, die im Uhrensaal des französischen Außenministeriums erfolgen werde, sei vorläufig auf den 27. August festgesetzt.

Die britische Floitenpolitik.

Im Unterhause fragte ein Mitglied den Ersten Lord der Admiralität, welche Verminderung in den Flottenvottchlägen er im kommenden Jahre infolge der Unterzeichnung des Kelloggs-Paktes vorzünehmen beabsichtige. Im Verlaufe feiner Ant­wort bemerkte Bridgeman, soweit der Kellogg- Pakt in Frage komme, berühre er nicht das Recht einer Ration auf Selbstverteidigung, und von die­ser Grundlage vor allem gehe das Kabinett bei sei­ner Entscheidung über die Flottenvorschläge aus. Natürlich werde er den Kellogg-Pakf im Zusam­menhang mit den Voranschlägen in Be­tracht ziehen.

vesatzungstruppen und Unterhaus.

der Annahme ausgeht, daß die durch eine Zurück­ziehung der britischen Truppen verursachte Vermin- berung der von Deutschland zu zahlenden Besat­zungskosten nicht von anderer Seite durch eine dementsprechende Verstärkung des Besatzungshee­res ausgeglichen würde, so könnte England 22 Pro- zent des Betrages, den es zurzeit an Besatzungs­kosten erhält, für Reparationsrechnung beanspru­chen. Es ist jedoch keineswegs sicher, und es ist vielleicht sogar unwahrscheinlich, daß die Truppen, die England ohne Vereinbarung zurückziehen würde, nicht durch Truppen einer anderen Macht ersetzt würden. In diesem Falle würde England durch die Zurückziehung seiner Truppen nichts profitieren.

Der „Sior" verwahrt sich gegen die Angriffe, die wegen der kürzlich gefaßen Entschließung über die bedingungslose Rheinlandräumung von ver­schiedenen Blättern gegen die französi­schen Sozialisten gettchtet werden. Er schreibt u. a.: Wir fordern die Rheinlandräumung nicht, wie behauptet wird, um den deutschen For­derungen nachzugeben, sondern im Interesse Frankreichs und des Friedens. Artikel 431 des Versailler Vertrages bestimmt, daß, wenn Deutsch­land alle Verpflichtungen aus diesem Vertrage er­füllt, die Besatzungstruppen sofort zurückgezogen werden. Ist dies der Fall? Wir glauben es! Ueberdies behaupten wir, daß die Besetzung keines- wegs unsere Sicherheit garantiert; sie macht uns aber jede ernsthafte Bemühung um die Annähe­rung der beiden Völker unmöglich. Wir glauben, daß die Entschließung des Sozialistischen Parteita­ges mit der Gerechtigkeit und dem gesunden Men­schenverstand in Einklang steht.

Die Außenpolitik der U. S. A.

Aus Washington wird gemeldet: Der stellvertretende Schatzsekretär Ogden Mills legte in einer längeren Rede, die durch Rundfunk verbrei­tet wurde, die Außenpolitik der republikanischen Regierung dar und betonte, daß diese Außenpolitik von Anfang an bestrebt gewesen fei, die Stabi­lisierung Europas zu fördern und darum den Dawesplan unterstütze, der ein vollkommener Erfolg sei, indem er Deutschland ermöglicht habe, sich vertrauensvoll dem wirtschaftlichen Wiederauf­bau zu widmen. Dies habe wiederum günstige Folgen für ganz Europa und sichere zugleich me regelmäßige Zahlung der Reparationen. Hinsicht­lich Chinas hob Mills die traditionelle Politik Amerikas, nämlich die der Achtung der territorialen und administrativen Unverletzlichkeit Chinas her­vor. Die Vereinigten Staaten verlangten lediglich eine feste Regierung in China, mit der sie verhan­deln könnten. Die politischen Kreise sehen diese letzten Steuerungen als besonders bedeutungsvoll an, da vielfach erwartet wird, daß die bereits er­wähnten Truppenzurückziehungen aus China wei­tere Schritte oorbereiten.

ein typisches Beispiel für die Ausfechtung von Machtkämpfen innerhalb einer politischen Organi­sation. „Schwerste Verletzung der Parteizucht und starke Schädigung des Ansehens der Partei" sind angeblich die Gründe, auf welches sich das Urteil des Ehrenausschusses des Landesverbandes Pots­dam II der Deutschnationalen Volkspartei stützt. Roch am Dienstag, das heißt am gleichen Tage, an dem abends das Scherbengericht abgehalten wurde, hatte Landtagsabgeordneter Dr. von W i n« terfelb dem Abgeordneten Lambach in der „Deutschen Zeitung" das Zeugnis ausgestellt, „die (vom Abgeordneten Winterfeld näher gekennzeich­nete) monarchische Auffassung dürste nicht nur Ue« Bezeugung des sogenannten rechten Flügels der Deutschnationalen, sondern Allgmeingut der Par­tei sein, habe sich doch auch der Rekchstagsabgeord- nete Lambach als Monarchist bekannt". Dieser Ansicht, daß sich Lambach zu den von der Deutsch- nationalen Volkspartei als höchstes Prinzip aufge­stellten Grundsatz bekennt, hat sich das Ehrenge­richt gänzlich verschlossen. Es ließ sich nur von formellen Gesichtspunkten leiten, ohne auf die po­litischen Konsequenzen Rücksicht zu nehmen.

Abgeordneter Lambach ist keiner von den Par­lamentariern, die sich wegen ihrer geringen Be- beutung aus der großen Masse nicht abheben. Als Führer des Deutschnationalen Hand­lungsgehilfenverbandes, der mit zu dem Kernstück des Deutschen Gewerffchaftsbundes gehört, steht eine Macht hinter ihm, die nicht zu unterschätzen ist. Zwar ist eg nicht so, als ob alle Mitglieder des Deutschnationalen Handlungsgehil­fenverbandes auch zur Deutschnationalen Volkspar­tei sich bekannten. Der gewerkschaftliche Name hat mit der politischen Organisation nichts zu tun; denn tatsächlich gehören zum Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband zahlreiche Mitglieder, die in den Reihen des Zentrums und der Deutschen Volkspartei zu finden sind. Die meisten stehen jedoch zur Deutschnationalen Bolks­partei oder vielmehr sie standen wohl bisher hinter ihr; denn ihre politische Haltung bürfte. infolge des Spruches des Ehrengerichts einer Revision unter­zogen werden. Darüber, ob Lambach etwas mehr oder weniger Monarchist ist, wird man sich nicht unterhalten. Aber des Gefühls, „mar. hat unseren gewerkschaftlichen Führer wegen eines geringfügi­gen Verstoßes mit der schärfsten Strafe, die der Partei zur Verfügung steht, gemaßregelt", werden sich die Mitglieder des Deuffchnationalen Hand­lungsgehilfenverbandes, soweit sie deutschnationale Wähler sind, nicht erwehren können.

Die Deutschnationale Dolkspattei wird es nicht leicht haben, die Behauvtung zu entkräften, sie fei eine Partei des Besitzes, eine Partei der Großagrarier und der Industriellen, in deren Reihen für Singe stellte nicht der rechte Platz ist. In Wahrheit ist ja auch die Frage „Monarchie oder Revublik" bei dem Kampf, der sich zurzeit in der Deutschnationalen Volkspartei anspielt, nur von geringer Bedeutung. Im Vorder­grund stehen w i r t s ch a f t s - und macht- politische Interessen. Es geht — mögen auch die deutschnationalen Blätter dies immer wieder bestreiten — um das gewaltige Ringen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, um sozial höchstwichtige Probleme. Daß Lambach sich einige Bemerkungen über die Ueberfpannung des monarchischen Gedankens erlaubt hat, ist ihm wahr­scheinlich verziehen worden. Daß er es aber wagte, sich gegen den Allgewaltigen fi u g e n • berg aufzulehnen, konnte nicht ungestraft gedul­det werden, fittaenberg mußte in dem Kampf der Sieger bleiben, die Parteidisziplin verlangte es so, das Urteil stellt, wie die „Deutsche Zeitung" wört­lich sagt, nur eine „Selbstverständlichkeit" dar. Diese „Selbstverständlichkeit" aber dürste den Deutschnationalen noch manches Kopfzerbrechen machen.

Lambach wird zwar Berufung einlegen. Aber selbst wenn das deutschnationale Parteigericht zu einer Revision des erstinstanzlichen Urteils kommen sollte, wird die Scharte nicht wehr auszuwetzen sein, die sich die Partei mit eigener fianb geschla­gen hat. Die Lehren der Maiwahlen sind anscheinend schon vergessen. In ungezählten Scharen liefen die Wähler den, Deutsch- nationalen davon und wandten sich ande­ren Parteien zu, nur um ihre Abneigung ge- gen die hemmungslose Politik der Partei des Gra­fen W e st a r p zu dokumentieren. Die Mitglieder des Deutschnationalen fiandlungsgehilfenverbandes verließen die deutschnationale Fahne nicht. Was aber jetzt kommt, wird man sich ohne Schwierigkeit ausmalen können. Der Deutschnationale fianb« lungsaehilfenverbanb wird seinen Führer Lambach nicht fallen lassen. Man wird vielmehr smarten müssen, daß nunmehr eine offene Aussprache Platz greift.

Das deutschnationale Ehrengericht hatte sich, wie erklärt wird, grundsätzlich jeder politischen Be­urteilung des Falles zu enthalten. Es hat diese Weisung nur zu gut befolgt. Mit Formalien will man den deutschnationalen fieerbann Zusammen­halten, der dabei ist, nach allen Windrichtungen hin auseinanderzulaufen. Trotz allem hofft man im deutschnationalen Lager, wie man dieser Tage in den verschiedensten Rechtsblättern in Zusammen­hang mit der Entlassung des Ministerialdirektor von Kameke lesen konnte, auf baldigen Kurswechsel in der Reichspolitik und Wiederkehr einer Rechts­regierung Es ist nicht recht ersichtlich, worauf die deutschnationale Presse diese fioffnung gründet Der anders gerichtete Wille des deutschen Volkes ift doch bei den letzten Wahlen deutlich genug er-

Don der polnischen Telegraphenagentur wird über den Zwischenfall an der polnisch- litauischen Grenze bei Nowe Troff eine Dar­stellung verbrettet, in der es heißt: Die polnischen Behörden veranstalteten eine Untersuchung, die zur Feststellung führte, daß die Leiche des von den Ittauffchen Schützm erschossenen polnischen Grenz- schutzsoldaten Milanowsff anderthalb Meter von der Grenze entfernt auf litauischem Gebiet aufge- fänden wurde. Er ift von hinten erschossen worden. Die Angreifer, die fftauiffche Umformern trugen, sind auf das litauische Gebiet geflüchtet. An der Untersuchung haben sich auch Vertreter des polnffchen Grmzschutzes beteiligt. Litauischer setts wurde zugegeben, dich der Anschlag von litauischen Freischützen auf polnischem Gebiet verübt wurde und daß Milanowski, als er von der Kugel ge­troffen war, noch so viel Kraft hatte, einige Schritte zu laufen und anderthalb Meter von der Grenze entfernt auf litauischem Gebiet zusammen­gebrochen ist. Von beiden Seiten wurde ein aus­führliches Protokoll über die Untersuchung unter« zeichnet.

Deutsche Gäste im Burgenland.

kennbar gewesen. Aber selbst wenn das politische Pendel sich wieder von der linken etwas mehr auf die rechte Seite bewegen sollte, wird die jetzige deutschnationale Bolkspartei als maßgebender poli- tifcher Faktor wohl nicht mehr in den Bereich er­wägbarer Kombinationen einbezogen zu werden brauchen, fiugenberg und feine Getreuen sorgen dafür, daß die schon zurzeit ansehnlichen Risse in der Deutschnationalen Volkspattei zu breiten Klüf­ten werden, die sich durch ein noch so lautes Be­kenntnis zum Monarchismus nicht überbrücken las­sen werden. Einstweilen sind es noch nicht die Todeszuckungen, unter denen sich die bis vor kur­zem noch rn stark scheinende Partei windet. Das Unheil ist aber durch die Diktaturgelüste fingen- bergs und seiner Anhänger heraufbeschworen. Es wird seinen Lauf nehmen.

Kritik an dem Ausschluß.

Der politisch-gewerkschaftliche Zeitungsdienst schreibt zu dem Ausschluß Lambachs: Die Freunde Lambachs, welche er innerhalb der Reichstags« ftattion besitzt, werden nunmehr ihrerseits d«r Standpunff Lambachs auch in der Oeffentlich- keit vertreten. Wenn die Partei dann weiterhm nach formal-juristischen Grundsätzen entscheiden will, die politischen Entwicklungen aber übersieht, so wftd es letzten Endes dazu kommen, daß nur noch einige ausschlußbereite Vorstände vorhanden sind, aber keine Mitglieder mehr in der Par­tei. Sollte das Parteigericht den Spruch des L<m- desverbandes Potsdam 2 bestätigen, dann wird Lambach auf keinen Fall sein Reichstags­mandat niederlegen dürfen, sondem er muß tm Reichstage eine Ausnahmestellung einnehmen, um von hier aus unter Nutzung seiner politischen Stel­lung die Dinge zur endgültigen Klärung zu treiben.

Von dem Abgeordneten Lambach nahestehender Seite wird dem Nachrichtenbüro des VDZ mitge- teilt: „Der Abgeordnete Lambach hat bisher gegen den von der örtlichen Parteiinstanz seines Wahl­kreises Potsdam 2 gegen ihn verhängten Ausschluß noch nicht Einspruch erhoben. Er muß erst den Wortlaut der Urteilsbegründung abwarten, die ihm schriftlich zugestellt wird. Er ist jedoch fest ent­schlossen, diesen Einspruch einzulegen und beim obersten Parteigericht auf eine Revision des Aus­schlußbeschlusses hinzuwirken. Das oberste Partei- gericht dürste erst im Spätherbst zusammentreten, und zwar, da der bisherige Vorsitzende, .Abgeord­neter Wallraf, sein Amt nieder gelegthat, voraussichtlich unter dem Präsidium eines derstell- verttetenden Vorsitzenden, wahrscheinlich des Abge­ordneten Schultz-Bromberg. Die dem Lam­bach-Flügel nahestehenden Deuffchnationalen sind der Ansicht, daß, selbst wenn daß oberste Parteige- ' richt sich gleichfalls auf den rein formalen Stanb-

erschlagen sucht.

Leider ist der Svruch des Landesvorstandes nur auf diese formalistische Seite abgestellt, und wir können die Feststellung nicht unterdrücken, daß er offensichtlich un­ter Anwendung subalterner Maßstäbe zustandegekvmmen ist. Die Lösung wird nicht gefunden bei einer einseitig rückwärts gewandten Einstellung, sondern nur, wenn es gelingt, die Grundsätze der Partei mit frischem Leben zu durchfluten, neben alten unverrückbaren Idealen neue, unmittelbar zukunftskräftige Ziele auszu- , richten. Wir nehmen mit Sicherheit an. daß das Par» | Ansprache, daß auch bas Burgenland hoffe, einmal