scher oer übereinstimmenden Gefühle des italieni. schen Volkes zu machen, indem er allen dankt, die sich für die Rettung der Schiffbrüchigen einfetzten, namentlich der Besamung des russischen Eisbrechers „Straffin", und voller Achtung und Bewegung des Sl-bw^den Malmgreen und des Italieners Pomella gedenkt. __________________________
Die Reichsbahn-Tarife.
Die Entscheidung des Reichsbahn-Gerichts angerufen.
Die Reichsregierung hat sich mit dem Antrag der Reichsbahngesellschaft auf Tariferhöhung erneut befaßt. Sie ist der Auffassung, daß die bisher gegebenen Unterlagen nicht hinreichen, um die Notwendigkeit einer Tariferhöhung darzutun. Sie würde es vorziehen, wenn vor endgültiger Entscheidung dieser Frage, die so einschneidend für die gesamte Volkswirtschaft ist, die weitere Entwicklung der Reichsbahneinnahmen abgewartet würde.
Da jedoch die Rei ch s bahn gese lls ch a ft die Frage für geklärt und die alsbaldige Entscheidung für geboten hält, erhebt die Reichsregierung keine Bedenken dagegen, daß die bestehende Meinungsverschiedenheit, ob und in welchem Ausmaße eine Tariferhöhung als notwendig zu erachten ist, schon jetzt dem im Reichsbahngefetz vorgesehenen Reichsbahngericht unterbreitet wird.
* „Die Vertagung im Fall Lambach. Wie der „Daz zufolge zu der Vertagung der Parteiverhandlung gegen Lambach verlautet, verstärkt sich die Meinung, daß die letzte Entscheidung im Falle Lambach nicht im Rahmen der Bundesorganiscrtion, uber^ den er längst hinausgewachsen ist, sondern angesicht seiner Bedeutung von den zuständigen obersten Parteiinstanzen gefällt werden soll.
Die Krise in Belgrad.
Wie der Belgrader Privatkorrespondent des Bester Lloyd meldet, wurden nach Rückgabe des Mandates vom General H a d s ch i t s ch die Führer der politischen Parteien neuerdings vom König empfangen. Der Führer der Demokraten, Davido- witsch, erklärte Journalisten, daß nunmehr wieder der Versuch gemacht werde, eine parlamentarische Regierung zustande zu bringen. Der Vertreter der kroatischen Opposition, Pribitschewitsch, sagte, daß die Kroaten nach wie vor die Auflösung des Parlamentes und Neuwahlen verlangen. Das Bestreben der maßgebenden Faktoren, eine Regierung der Verständigung zwischen den Kroaten und Serben zustande zu bringen, stößt auf große Schwierigkeiten wegen des vollkommen entgegengesetzten Standpunktes der Kroaten und Serben. Der Präsident des Parlamentes hat dem König den Rat erteilt, den Führer der Radikalen, Alexander Sto- janowitsch, mit der Bildung des Kabinetts zu betrauen.
venizelos und Griechenland.
wtb. Saloniki, 24. Juli. (Eig. Funkm.) Mini- terpräsident Venizelos wurde bei seinem Eintref- en von einer riesigen Menschenmenge mit stürmi- chem Jubel empfangen. In zwei Reden legte Venizelos das neue Regierungsprogramm dar. Es gab zunächst dem Wünsche Ausdruck, daß sich die Beziehungen Griechenlands zu der republikanischen Türkei nicht nur gut nachbarlich, sondern so freundschaftlich wie möglich gestalten möchten. Sobald es gelingt, die schwebenden Fragen zu regeln, was ohne Schwierigkeit möglich sein dürfte, sind wir bereit, einen Freundschafts- und Schiedsgerichtsvertrag auf breiter Grundlage und von langer Dauer zu unterzeichnen. Auch zu Bulgarien wün^en wir die freundschaftlichsten Bezie- bungen. Mit Jugoslavien verbinden uns die Kämvfe. die wir Seite an S»ite mit den heldenhaf- ten Serben geführt haben. Wir werden dem jugo- slavischen Handel die größtmöglichen Erleichterungen gewähren und hoffen, daß untere alten Verbündeten auf keiner Forderung bestehen, die den Anschein erwecken kann, als berührte sie die Souveränität Griechenlands. Unsere Beziehungen zu Rumänien sind ausgezeichnet. Mit besonderer Freude begrüße ich die Besserung in den Beziehungen, ja ich kann sagen, die Annäherung zwischen Griechenland und der großen Mittelmeer- macht Italien. Wir werden uns glücklich schätzen, diese guten Beziehungen durch den Abschluß eines Paktes zu sanktionieren, der ohne sich gegen einen Dritten zu wenden, die Grundlage bildet 'für die Festigung des freundschaftlichen Verhältnisses und die gegenseitigen Handelsbeziehungen, die sich von Tag zu Tag zwischen beiden Ländern günstiger entwickeln.
Nach dem putsch in Portugal.
Im Zusammenhang mit der Lissaboner Aufstandsbewegung wurden 240 Personen verhaftet, darunter 44 Offiziere und 25 Unteroffiziere.
Der Staatsstreich in Aegypten.
England weiß von nichts.
In Beantwortung einer Frage erklärte Staatssekretär des Aeußeren Chamberlain im englischen Unterhaus:
Von der britischen Regierung ist vor der Auflösung des ägyptischen Parlaments in dieser Frage kein Ratschlag erteilt worden. Die Haltung der britischen Regierung bleibt unverändert. Die Regierung betrachtet die das ägyptische Parlament und die ägyptische Verfassung betreffenden Fragen als Angelegenheiten, die in erster Linie vom König von Aegyvten und vom ägyptischen Volke zu entscheiden sind.
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Aus Kairo wird gemeldet: Gegen die ägyptischen Rechtsanwälte, die einen dreitägigen Streik als Protest gegen die Aufhebung der Verfassung beschlossen haben, ergriff die Regierung Gegenmaßnahmen. Den Richtern wurde befohlen, die Gerichtsverhandlungen nicht zu vertagen. Verlangt eine Partei die Vertagung und erwidert die zweite, die Verhandlung solle fortgesetzt werden, dann soll das Gericht die Vertagung ablehnen, und falls die Rechtsanwälte sich weigern, weiter zu plädieren, soll das Gericht entweder das Urteil verschieben, den Advokaten eine bestimmte Frist für die Fortsetzung ihrer Plaidoyers einräumen oder den Prozeß einfach ausfallen lassen.
wtb. Alexandria, 24. Juli. (Eig. Funkm.) Nahas Pascha fuhr gestern abend nach Kairo zurück. Der, Bahnhof war von einer ägyptischen Truppenabteilung besetzt. Nur die Reisenden mit Fahr
karten waren zu den Bahnsteigen zugelassen. Gestern wurden in Alexandria 50 Verhaftungen vorgenommen. Heute herrscht vollkommene Ruhe.
Vergnügungsreise des Sultans von Marokko.
Der Sultan von Marokko, Sidi Mohammed, ist nach einer mehrwöchigen Vergnügungsreise im südlichen und mittleren Frankreich zu einem inoffiziellen Besuch in Pari>s eingetroffen.
* Der Mörder des Generals Obregon soll em umfassendes Geständnis abgelegt haben, über das aber bisher keine Einzelheiten bekanntsind. — Aus Rom wird gemeldet: Im Anschluß an in der europäischen Presse wieder gegebene Erklärungen des Präsidenten Calles, wonach der Mörder Obregons eingestanden habe, zu seiner Tat aus religiösem Fanatismus bestimmt worden zu fein, veröffentlicht der „Osservatore Romano" eine offiziöse Erklärung, in der es heißt, daß der Heilige Stuhl und jeder Katholik dieses schreckliche Verbrechen aufs tiefste verabscheue und verurteile. Wenn der Präsident Calles die Verantwortlichkeit für den Mord der Aktion der Klerikalen zuschreibe, so müsse hiergegen protestiert werden. Zur Klarstellung sei es zu begrüßen, daß man den Täter vor ein ordentliches Gericht bringen wolle. Der Heilige Stuhl sehe in aller Ruhe den Ergebnissen des Prozesses entgegen, in der Gewißheit, daß die Katholiken Mexikos weder tatsächlich noch moralisch irgend eine Schuld an der Ermordung Obregons trügen.
China.
Die Mandschurei auf Seifen der Nationalisten?
Die Agentur Jndo-Pacifique berichtet aus Tokio, daß nach Nachrichten aus japanischer Quelle die Mandschurei sich der nationalistischen Regierung angeschlosjen habe.
Jas Wm-er dec erstell TruMN-Mion.
Von General Peyton E. March.
21nm, d. Schrift!. Vor zehn Jahren, im I u: t 1918, meldete das amerikanische Kriegsdepartement daß mehr als eine Million Truppen nach Frankreich eingeifchiifft worden waren. Der verantwortliche Leiter dieses großzügigen Unternehmens, General Pepton C. March, verbreitete sich kürzlich in einem Artikel des Newyork Times Magazine darüber, der hier auszugsweise wiedergegeben sei.
Als ich am 1. März 1918 von Frankreich nach Amerika zurückkehrte, um meinen ^Posten als Ches der Heeresleitung anzutreten, hatte ich die lieber- Zeugung, daß das dringendste Erfordernis der alliierten Heere in einer gewaltigen Vermehrung amerikanischer Truppentransporte bestand. In Frankreich hatten wir im Dezember 1917 rund 49 000 Mann aus Amerika herüberbekommen, im Januar 1918 47 000, im Februar 49 000, mithin monatlich also eine kriegsstarke Division einschließlich aller Hilfstruppen, von der aber höchstens 22 000 Mann an der Front sofort eingesetzt werden konnten. Unsere Gesamtstärke betrug Ende 1917, neun Monate nach der Kriegserklärung, nur 194 000 Mann.
Bei meiner Ankunft fand ich den Transportdienst dem Ouartemaster's Departement unterstellt. Es gelagn mir, in verhältnismäßig kurzer Zeit aus diesem Dienst eine gänzlich neue Organisation zu fchaffsn. An ihre Spitze stellte ich Kapitän Frank T. Hines vom Küsten-Artillerie Korps, der sich im Laus der Zeit zu einem Seemann ersten Ranges entwickelte und vor allem dem neuen Departement feinen gewaltigen Aufschwung verlieh.
Trotz des herrschenden Schiffsmangels konnten zwei Projekte schnell ausgeführt werden, um sofort den Truvpennachschub nach Frankreich erheblich zu steigern. Zunächst wurden die Soldaten massen, weise in sämtlichen verfügbaren Schiffskabinen un- tergebracht und ferner richtige Heerlager auf und unter den Decks errichtet. Cs war eben Krieg, und so mußten die damit verbundenen Unannehmlichkeiten in Kauf genommen werden. Diese Maßnahme erhöhte die Fähigkeit der Transportschiffe zur Aufnahme von Mannschaften um 40 Prozent.
Eine zweite Maßnahme, die sich als nicht minder erfolgreich erwies, war die Verkürzung des sogen, „turnarounb" das heißt jener Zeit, die ein Schiff dazu benötigte, um feine kriegerische Ladung zu verstauen, sie über den Ozean zu fahren und nach Amerika zurückzukehren, um sofort wieder eine neue Truppenladung zu nehmen und wieder in See zu stechen.
Als wir zuerst nach Frankreich fuhren, betrug der Durchschnitt eines loschen „turnarund" Uir
Truppentransporte 52 Tage. 3m November 1917 wuchs er sogar auf 67 Tage und hielt sich auch noch im Dezember über der Grenze des Normalen. Ein unmöglicher Zustand! Durch intensive Zusammen- sassung aller daran beteiligten Kräfte gelang es dann, den Durchschnitt des „turnaround" auf 35 Tage hkrabzichrücken.
Am 2. März 1918 übernahm ich die Leitung der Heeresverwaltung, und im Verlauf dieses Monats belief sich die Zahl der nach dem Kriegsschau, platz beförderten Amerikaner bereits auf 84 889. 9m April schickten wir 116 642 Mann, im Mai 245 945 und im Juni 278 644 hinüber. Am 30. Juni hatten wir in Frankreich gerade 897 000 Mann gelandet und dazu noch auf dem Ozean so viele schwimmen, daß die Zahl der eingeschifften Amerikaner bereits die Millionengrenze überschritt.
Die an die Kampffront entsandten Leute kamen, als ich noch drüben war, in geschlossenen Divisionen hinüber, so daß, wenn größere Verluste eintraten, die einzige Methode, sie zu ersetzen, darin bDand, die neuen Divisionen auseinander Zu brechen und deren Mannschaften in die Lücken der alten zu schieben. Dieses System war schlecht. Deshalb richtete ich im April 1918 besondere Ersatzlager für alle Waffengattungen ein, welche die ausgehobenen Rekruten aufnahmen und sine bessere Auffüllung aller Kampfformationen ermöglichten.
Bald nach unserem Kriegseintritt hatte die deuffche Heeresleitung zur Beruhigung des deutschen Volkes aller Welt verkündet, daß die Vereinigten Staaten jährlich nicht mehr als 500 000 Mann ausheben und an die Westfront senden könnten. Aber am 1. Juli 1918 beantwortete das amerikanische Kriegsdepartement diese deutsche Information mit dem amtlichen Hinweis, daß mehr als 1000 000 Amerikaner nach Frankreich geschickt worden waren. Colonel Leonhard P. Ayres, Vize- Präsident der Cleveland Trust Company, der damals Leiter war, bezeichnete diesen Vorgang schlechthin als ein „Transport-Wunder".
Kurz nach der Kriegserklärung befaßen wir einige der Regierung gehörige Transportdampfer und fügten diesen noch ein paar gecharterte Schiffe hinzu, so daß unsere Transportflotte am 1. Juli 1917 aus sieben Truppen- und sechs Frachffchtffen mit einer Wasserverdrängung von insgesamt 94000 Tonnen bestand. Die erste wesentliche Vermehrung dieses kleinen Bestandes bildeten die von uns beschlagnahmten deutschen Schiffe, darunter „Vaterland" („Levithan") und „Kronprinzessin Cäcilie" („Mount Vernon"). Die Herrichtung dieser deutschen Schiffe für Kriegszwecke kostete uns elf Mil-
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Honen Dollar, aber pe waren es wen. <im gtm, zen beschlagnahmten wir 27 deutsche Schiffe von einer Gesamttonnage von 700 000 Tonnen. Arr 20. März 1918 erhielten wir einen weiteren Zuwachs von 400 000 Tonnen in Gestalt holländischer Schiffe.
Am 1. April wurde die numerische Ueberlegen- heit der deutschen Truppen an der Westfront auf 300 000 Mann geschätzt. Deshalb wandten sich iis Premiers von England und Frankreich in einem Kabeltelegramm an Präsident Wilson. Sie baten ihn unter Hinweis auf die kritische Lage, falls irgend möglich, um monatlich 100 000 Amerikaner als Ersatz für die sich häufenden Verluste. Ein zweites, von Foch, Haig und Pershing gemeinsam unterzeichnetes Telegramm unterstrich noch die Dringlichkeit dieser Forderung.
Der französische Botschafter, Jusserand, überbrachte die Depeschen dem Weißen Hause. Bald darauf rief er mich telephonisch von dort an und bat mich um eine Unterredung. Ich sagte zu und empfing ihn sofort im Kriegsdepartement. Er gab mir die Depeschen zum Lesen und teilte mir gleich- zeitig mit, Wlson habe sie ihm nach der Lektüre mit den Worten zurückgereicht: „Sprechen Sie rr.’.t General March So fragte mich dann Jusserand, was ich in dieser Angelegenheit tun könne. Ich erwiderte ihm unverzüglich, daß die ersorderlichL Anzahl von Soldaten beschafft werden würde. Und ich führte mein Vorhaben pünktlich aus. Statt der angeforberten 100 000 Mann sandten wir allein im April 306 350 Mann hinüber und im Zeitraum vom April bis einschließlich Juli sogar 949 601 statt der verlangten 400 000.
Im Verlauf des Tages kam auch noch der englische Botschafter, öord Reading, zu mir. Während dieser Unterredung sicherte er mir eine weitere, sehr beträchtliche Vermehrung unserer Tansporfflotte durch englische Schiffe zu.
Seitdem beförderten wir 45 Prozent unserer Landungstruppen mit unseren eigenen Schiffen, 49 Prozent mit britischen, 3 Prozent mit italieni- schen, 2 Prozent mit französischen und 1 Prozent mit russischen, und wenn ich sage mir „beförderen sie, so heißt das als bezahlte Passagiere. Allein an England bezahlten wir nicht weniger als 90 Mil- Honen Dollar, um unsere Truppen nach Europa hinüber zu schaffen. Hinter der transatlantischen Truvpenbewegung stand als ein nicht minder wichtiges Unternehmen die ständige Vergrößerung der Frachtdampferflotte Im Gegensatz zu den Trup- penschiffen bestand sie fast ausschließlich aus entert* konischen Beständen. Das Shipping Control Committee re girierte alle nur irgendwie verwendbaren amerikanischen Handelsschiffe und sandte nicht weniger als 1 500 000 Tonnen mit Heeresgut beladen nach Europa.
Ms unser Programm ins Gigantische wuchs, (barteten und erwarben rotr Schiffe von zwölf Na. Honen, die zwischen Kuba und Japan über den ganzen Erdball zerstreut liegen. Denn Schiffahrt war not. Der erbarmungslose Zerstörungsfeldzug deutscher Unterseeboote hatte die Schiffahrt der ganzen Welt in den Jahren 1916 und 1917 emp- findlich gelähmt. Don je zehn englischen Schiffen, die im Jahre 1917 die Straße von Gibraltar passierten, wurde mindestens eins versenkt. Mehr als sechs Millionen Tonnen wurden allein in diesem einen Jahre von den Deuffchen versenkt, undwenn ich die Gesamttonnage aller während des Krieges versenkten alliierten Handelsschiffe mit ^ Millionen angebe, erhellen daraus die Schwierigkeiten^ die sich uns bei der Schöpfung unserer Transport- flotte entaegenfteilten.
vom veichslandbimd.
aber zugleich dem Präsidenten durch Einräumung I einer Vorzugsstellung und Entlastung von eine,
In der „Frankfurter Zeitung" lesen wir:
„Gegenüber einigen Mättermellmngen, daß bei Reichslandbund vor einer Krise stehe, da ein Kampf um die Führung im Landbund au» gebrochen sei, stellt die „Deuffche Tageszeitung fesh daß taffächlich feit geraumer Zeit Beratungen irt Gange sind, ob es bei der überaus schwierigen Lag, der Landwirtschaft nicht angebracht sei, durch Unw bildung des Präsidiums und Vorstandes des Reich» landbundes gleichzeirig eine einheitlichere straffer, Führung und — angesichts der Vielheit der Aust gäbe — eine zweckdienlichere Verteilung der Ge« Schäfte zu bewerkstelligen. Man glaube diesen Dor« aussetzungen am besten damit enffprechen zu kön« nen, daß man an Stelle eines zweiköpfigen ein dreiköpfiges Präsidium einrichte. Di, innere Struktur dieses Präsidiums sollte so sein, daß einem Präsidenten zwei Vizepräsidenten zul Seite gestellt würden. Man hätte auf diese Weist den 23orteil einer besseren Arbeitsteilung, würde
905 WkkMM der MMMk.
Von Rudolf Happ.
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Nun, da die Liede anfängt, sich herbstlich bunt zu färben, stehen Haus und Hof und Hütten fertig da. Ein schönes Bild, der breite Hof mit seiner alten Linde und dicht gedrängt am Hang die Hütten, ringsum der Wald und darüber blauer Himmel. Im Abendglanze leuchten die neuen Dächer und die Giebel, ja selbst die blutgetränkten Psostet^ und die Fensterladen am Herrenhaus sind freundlich aufgelichtet.
Das Jahr war reich an Mühen, jedoch die Scheunen, die Keller sind gefüllt, das Vieh hat gute Ställe, ein schützend Dach hat Herr und Knecht.
Nun mag der Winter kommen.
Streitbare Mannen.
In Biebra, dem Dorfe Liutharts, ist alles heermäßig geordnet. Wie ein Feldlager liegt das Dörfchen da: am Bieberbach, die Lagergasse mit den Hütten der Mannen eine wie die andere, mit Wohnhaus, Stall und Scheune, alle gut ausgerichtet — am hohen rechten Ufer die Höfe der Unterführer, zu oberft, auf einem kleinen Hügel, der Hof des Weibels: Liutharts Schulzenhof — ringsum ein dichtgeflochtener Knüppelzaun. So liegt das Dorf im Walde.
Hier wohnen Krieger, Reiter, die auf die Stunde warten, da es zum Angriff geht, zu lange dauert ihnen schon die Lagerruhe.
Ein verdrießlich Dasein ist es, das die Mannen hier im Walde fristen. Häuser bauen, das mag noch gehen — doch Vieh hüten und Feld bestellen ist Arbeit für Knechte und für junge Burschen. Sie sind Diotrichs Reiter, um wie Sklaven hier den Wald zu roden, da ihre Rosse in der Koppel ungeduldig wiehern und dahinbrausen über Stock und Stein, als ging’s zum frisch-fröhlichen Dreinschlagen wie dazumal am Rhein —!
Mögen Knechte und Weiber am Ackerbau Gefallen Bnben — für sie, die freien Krieger, ist es nichts. Daß wen sie zu Bauern macht, kann selbst den Göttern nicht Gefallen; denn die sind Streiter, und nur, wer kämpfend
fällt, kann einst mit ihnen in Walhalla an der Tafel sitzen. Wär nicht die Jagd auf Bär und Wolf und Ur, die Starken, unwürdig wäre dieses öde Bauernleben.
Doch kommt einmal der Tag, da rings im Land die Hörner blasen und dumpf die Trommeln dröhnen — dann her den Ger, die Streitaxt und den Schild, aufs Roß und todesmutig mit Tiu an der Spitze hin in den Kampf gestürmt. '
Allein es fehlt der große Führer, der alles Volk zu- fammenruft, der alle Stämme eint zum wuchtigenSchlag; denn so nur kann der Feind bezwungen werden. Bis es aber dahin kommt, kann's lange währen; inzwischen nimmt der Feind mählich Besitz von Land und Leuten. Es ist ein Jammer.
♦
Rascher, als sie zu hoffen wagten, wird ihr Wunsch erfüllt. Den Heerbann hat man aufgerufen, hinab zur Weser sollen sie ziehen, Hermann, der Cherusker, läßt sie rufen.
Schon sind sie am Hofberg droben, hier winken sie den letzten Gruß ins Tal zurück. Sie melden sich am Herrenhose. Frau Adelgunde reicht den Scheidetrank. Und nun ziehen sie mit Diotrich und Sigibert hinauf zur Milseburg, wo sich die Hundertschaft versammelt und abrückt gegen Norden.
Heeresdienst ist Götterdienst — und Freia, die Gute, wird Weib und Kinder trösten, falls man den Krieger zu der ewigen Heerfahrt ruft.
Im späten Herbst kehren sie mit reicher Beute an Rossen, Waffen und Gefangenen von Teutoburg zurück.
Heldentod ist Kriegerlos — und Chattenfrauen sind stark und heldenhaft: tief ist ihr Schmerz um den gefallenen Helden, doch unerschütterlich der Glaube, daß Wodan seine Treue mit ewigem Glück belohnt.
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Zum Waffendienst tritt Bieberos Jugend an. Cs wird der Ger geworfen, die Streitaxt wird geschleudert, die Keule, der Kolben wird geschwungen. Hier wird mit Pfeil und Bogen aufs Ziel geschossen, dort wird geschleudert und der Stein gestoßen. Sie springen über Gräben, sie rennen nach dem Ziel. Jetzt reiten sie; ohne Sattel, ohne Bügel — in wildem Jagen geht's über Stangen und Gräben,
Nun machen sie Spiele. Sie springen über's Pferd. Am geschicktesten ist Gerold, Liutharts schlanker Sohn, er macht den Sprung über vierPferde, die nebeneinander stehen; das macht ihm keiner nach, nicht einmal Sigibert, der Starte. — Sie jagen ein junges Pferd im vollen Laufe im Kreise herum. Wer sich nun geschickt will zei- gn, muß dem rennenden Pferde auf den Rücken springen. Gerold kann den kühnen Sprung, manchem mißlingt er, und es gibt ein allgemeines Gelächter, wenn der ungeschickte Springer auf der anderen Seite herunter fällt.
Nun machen sie Kampfspiele. Mit Spieß und Schild gehe« sie gegen einander los, als wenn es blutiger Ernst wäre; sie reiten auf einander zu, und jeder sucht den Gegner mit seiner Lanze vom Pferde herunter zu stechen. Dabei gibt's viel Hallo. /
So übt sich Liutharts Jungmannschaft im Waffenwerk; denn noch steht der Feind am Rhein und in der Wetterau.
♦
Liuthart hält streng darauf,daß die Jugend nun auch zum Ackerbau erzogen wird; die Alten freilich sind nur schwer dahin zu bringen, doch haben sie nach Jahr und Tag auch etwas Sinn dafür gewonnen.
Ein Feld nach dem andern ist dem Walde abgerun- gen. Zuerst die Röte . Als sie aber nach ein paar Jahren keine Frucht mehr brachte, denn sie wußten nicht, daß man den Acker düngen muß, da rodeten sie ein anderes Waldstück ab und bauten es als Donaracker an. Das ging fo drei, vier Jahre, da war's auch hier zu Ende mit der Ernte. Nun legten sie den Waberacker an im letzten Winter, dann das Ufflanb; das hat guten Boden.
Liuthart ist mit den Dorfgenossen dorthin gegangen, den Acker aufzuteilen. Mit der Leine läßt er so viel gleiche Ackerstreifen abmessen, als Dorfgenossen sind; Grenzpfähle werden eingeschlagen, und die Teile werden für dieses Jahr verlost.
Die alten Felder liegen brach, Gras wächst darauf, und jeder kann sein Vieh drauf hüten.
Wenn auch das Ufflanb einmal nicht mehr Ernte gibt, was sicher noch recht lange dauert, dann wollen sie die Röte wieder umbrechen; vielleicht wird sie nach langer Rude wieder tragen, j
3n jedem Herbste nach der Ernte werden die Ge- wanne wieder neu verlost; denn so ist es bei ihnen, und sv war es von jeher: außer Hof und Garten hat keiner eigenes Land; aller Grund und Boden, fei's Feld, sei'» Weide ober Wald, — ja sogar bas Wasser ist nicht ausgenommen — ist Gemeinbesitz der Dorfgenossenschaft.
II.
Arbeitslast und Festesfreude.
Schaurig hat ganze Nächte hindurch der Sturmwind in den Wäldern des Biebergrundes gebraust; nun schmilzt der Schnee dahin, und schäumend rauscht der Bach zu Tal.
Die Lerche ist gekommen, im Walde lacht der Specht, der Uhu schnalzt, die Meisen läuten in den Zweigen — es scheint, der Frühling naht.
Schon plappern die Stare auf den Eichen, Buchfinken schmettern hell dazwischen, Droffel schlägt im Walde, Rotkehlchen schnicken in Strauch und Hecken, die Haseln haben Kätzchen, die Weidenknospen schwellen — nun muß es Frühling teerben.
Frau Dftara weckt täglich früher alles Leben in Haus unb Hof, in Felb unb Walk» mit ihrer Sonne lich- tem Strahl. Allüberall ist Auferstehung unb neue Le- bensfreube — drum muß auch Balder wieder aus Ian- gern Schlaf erwachen.
Der Frühling kommt!
Wohl wehrten sich die Winterriesen mit Wolkenballen unb Schneegestöber — doch Dftaras Licht hat sie bezwungen unb verjagt; sie hat gesiegt! — unb morgen ist ihr Fest. #
Um Mitternacht geht Imma, die sommersprossige Magb vom Schulzenhofe, hinab zum Bache, sie neigt sich gegen Osten, sie wäscht sich in bem Bache, dann schöpft sie mit beiden Eimern das geweihte Osterwasser unb trägt es still zum Keller. Dort wirb es gut verwahrt. Wer sich bamit wäscht, bleibt schön; wer krank ist unb es trinkt, wirb balb gefunb.
Vor Tagesanbruch hat Liuthart sein ganzes Haus geweckt. Der Sonne Freudensprünge sollen sie alle sehen, bas neue Licht und seine Herrin sollen sie ihren. (Q. {.)