FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Jutda. Amtliches Kreisblatt.
7lr. 170.
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Mittwoch, 25. Zu» 1928.
55.Zahrg
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Der Kellogg-Pakt und Rußland.
Die Volschewisten halten den Krieg für den Schlüssel zur Welt-Revolution werden sie trotzdem den Krieg ächten?
Der von den Vereinigten Staaten von Amerika vorgeschlagene Pakt zur Aechtung des Krieges soll, wenn nicht ganz unvorhergesehene Ereignisse dazwischen kommen, Ende August tatsächlich in Paris von den Mächten unterzeichnet werden. Wenn auch diese internationale Tat noch nicht gerade den Beginn des ewigen Friedens unter den Völkern inaugurieren wird, so darf man doch immerhin die Feststellung machen, daß sich die Mentalität der Staatslenker im Laufe von zehn Jahren wesentlich geändert hat. Eine Frage bleibt jedoch offen: Was wird Rußland tun? Selbst wenn die Sowjetunion Vertreter nach Paris entsenden sollte, f» wäre damit noch nicht gesagt, daß die Moskauer Gewalthaber von ihren weltrevolutionären Plänen «blassen werden.
Der Kongreß derkommunistischenJn- ternationale, der dieser Tage stattfand, hat nämlich keine erfreulichen Perspeektionen eröffnet. Zwar wurde bei dieser Gelegenheit nicht davon geredet, daß Rußland sich mit kriegerischen Absichten trage oder in absehbarer Zeit mit dem Ausbruch eines kriegerischen Konfliktes rechne, aber immerhin konnten selbst wenig geschürfte Ohren aus den Reden heraushören, daß die Weltrevolution am Ende eines neuen Krieges stehen werde. Sowjetrußland will aber die Weltrevolution, in Moskau denkt man an nichts anderes, und die moskowitischen Sendboten verbreiten in allen Weltteilen den revolutionären Geist. Von Gewaltmethoden will man sich zwar anscheinend fernhalten. Man begnügt sich einstweilen mit wohlformulierten Theorien, um wenigstens den kommunistischen Massen den Eläuben an die Zukunft nicht zu rauben.
Besonders Bucharin, der Allgewaltige der kommunistischen Internationale, malte, um den unfehlbaren kommenden Sieg des Sowjet prophezeien zu können, einen baldigen Krieg an die Wand. Daß er sich eine Beweisführung recht schwer gemacht hätte, kann nicht gerade behauptet werden. Er hielt sich an die alte marxistische Lehre, nach welcher die kapitalistischen Mächte beim Kampf um den Weltmarkt zur kriegerischen Auseinandersetzungen kommen müssen. Und dieser Krieg, weissagte Bucharin, wird gar bald Heraufziehen. Die unausbleibliche Folge wären Bürgerkriege, die von der Weltrevolution abgelöst würden. Somit würde die Sowjetidee auf dem Umwege übereinen Weltkrieg dem Triumphe entgegengeführt werden.
Mit logischer Folgerichtigkeit müßten demnach die Russen, die doch von Begeisterung für die Welt- revolution völlig beherrscht sind, jede Gelegenheit begrüßen, die einen Krieg heraufbeschwören köftnte. Man wird daher mit Recht gespannt sein dürfen, welche Haltung die Sowjetleute dem Kel- logg-Pakt gegenüber einnehmen werden. Lehnen sie den Kriegsächtungsplan ab, dann spielen sie mit offenen Karten. Stimmen sie ihm aber zu, dann weiß man nicht, welche Geheimpläne im Haupt der russischen Sphinx verborgen sind.
Lloyd George's Meinung.
Liberalen Blättern zufolge erklärte Lloyd George In einer Rede vor einer liberalen Massenversamin- fang zum Kellogg-Patt, auf alle bisher abgeschlossenen Verträge seien immer neue Rüstungen erfolgt. England gebe jetzt 114 Millionen Pfund Sterling für Rüstungen aus gegenüber 77 Millionen vor dem Kriege. Die Auftichtigkeit und Wirksamkeit der im Kellogg-Patt enthaltenen Dott-
rinen werde erst erprobt sein, wenn es sich zeige, daß eine Herabsetzung der Rüstung endar- auf folge. Ohne diese Herabsetzung sei der Patt nichts als ein Betrug. .
In der Unterhaussitzung richtete das Mitglied der Arbeiterpartei Buxton an Chamberlain die Frage, ob er angesichts der deutschen Vorschläge für ein System von Rüstungen und angesichts Lord Gushenduns Kommentar zu diesen Vorschlägen, die ein Rückschritt gegenüber den sich aus den Artikel 11 und 12 der Völkerbundssatzung herleitenden Verpflichtungen zu sein schienen, erklären könne, daß ein solcher Rückschritt nicht beabsichtigt sei, erwiderte Chamberlain: Cm solcher Rückschritt ist nicht mit beabsichtigt, sondern auch nicht erfolgt. Im Gegenteil, es war meine Hauptsorge, darauf zu achten, daß em Rückschritt nicht stattfindet.
(England und Kuhland.
Im Unterhaus stellte das Mitglied der Arbeiterpartei Dunnico an den Staatssekretär des Aeu- ßeren die Frage, ob angesichts der Tatsache, daß Deutschland, die Vereinigten Staaten und Japan ihre Handelsbeziehungen mit Rußland entwickelten und erweiterten, und daß die industrielle Not in England durch den Ausfall der Handelsgeschäfte mit Rußland noch verschlimmert werde, der Staatssekretär Schritte zu unternehmen beabsichtigte, die zu einer Wiederherstellung der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern führen könnten. 'In einer schriftlichen Antwort bemerkt Chamberlain: Da bereits Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und Sowjetruhland bestehen, so erledigt sich damit die Frage ihrer Wiederherstellung. Das Betsviel der Bereinigten Staaten zeigt, daß das Nichtbestehen diplomatischer Beziehungen mit der Sowjetregierung kein Hindernis für den Handel bildet.
Dunnico stellte die weitere Frage, ob die britische Regierung angesichts der Wichtigkeit, die man der Mitarbeit der russischen Regierung an jedem zur Schaffung der Aufrechterhaltung des Welffriedens unternommenen Schritt beimessen muß, gesonnen sei, irgendeine Aktion zu unternehmen, die .zur Wiederherstellung voller diplomatischer Beziehungen zwischen Großbritannien und Sowjetrußland führen könnte.
In einer schriftlichen Antwort auf diese Anfrage führt Chamberlain aus:
Die britische Regierung sei — wie bereits erwähnt — bereit, die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetregierung zu erwägen, sobald diese Regierung die Bedingungen erfülle, die der Premierminister am 9. November vorigen Jahres in seiner Rede in der Guilhall dargelegt habe.
Zur polnisch-litauischen §rage.
In der ausländischen Presse erschien eine Meldung, daß der deuffche bevollmächtigte Minister in Kowno Moraht einen Schritt bei der litauischen Regierung im Namen Englands und Frankreichs in der Frage der litauisch-polnischen Beziehungen unternommen habe. Die Litauische Telegraphenagentur ist beauftragt mitzuteilen, daß ein solcher Schritt nicht stattgefunden hat. Die Vertreter einiger Staaten wollten sich nur über den Stand der volnisch-litauischen Fragen informieren, hauptsächlich im Zusammenhang mit den von Polen verbreiteten verschiedenenen Drohungen gegenüber Litauen.
vr. llöhlerr Merk.
Von einem besonderen Berliner politischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:
Nach der Bildung des Kabinetts Müller ging durch die Berliner Linksblätter in sensationeller Aufmachung die Meldung: „Die neue Regierung senkt die SteuernI" Der Zweck der lauten Ankündigung war allzu durchsichtig. Eine Woche später hielt der neue Reichskanzler die Programmrede. Diese Rede widmete der Steuerpolitik viele Worte. Als Positivum wurde die Senkung der Einkommensteuer und die Nacherhebung der Vermögenssteuer in Aussicht gestellt.
Diesem Steuerprogramm hat auch das Zentrum zugestimmt; es hat in diesen Tagen, was die Senkung der Lohnsteuer anbelangt, seine Erledigung gefunden. Sachlich war dagegen nichts einzuwenden. Es darf aber nicht übersehen werden, daß diese Regelung unter einem sozialdemokratischen Reichsfinanzminister mit Unterstützung von Sozialdemokraten und Demokraten zustandekam. Denn es ist ein halbes Jahr verstrichen, seit der frühere Reichsfinanzminister Dr Köhler die erste Lohnsteuersenkung auf dieser Basis vorgenommen hatte Und damals haben Sozialdemokraten und Demokraten gemeinsam gegen diese Art der Steuersenkung opponiert. Sie haben, einleuchtenden Be- denkenzumTrotz, Heraufsetzung der steuerfreien Existenzminimums gefordert. Die Regierungsvorlage wurde damals mit den Stimmen des Zentrums g e- g e n die der beiden Linksparteien angenommen In dem seitdem vergangenen halben Jahr hat sich die Art der Köhler'scken Steuersenkung bewährt, trotz der immer wiederkehrenden Angriffe der noch in der Opposition beiindlichen Sozialdemokraten.
Die Wahlen vom 20. Mai und die darauf folgende Regierungsumbildung brachten die Sozialdemokraten an die Führung. Im Regierungspro- gramm war die Ankündigung einer Lohnsteuersenkung die Sensation für die breiten Massen. Dabei ■ zeigt sich das Seltsame, daß die in die Regierung gekommene Sozialdemokratie in der .Steuerpolitik
keinen anderen Weg gehen kann, als den, welchen sie so heftig bekämpfte, solange sie noch in der Opposition war.
Noch auffälliger als bei der eben erwähnten Lohnsteuersenkung erscheint diese Tatsache bei der angekündigten Nacherhebung der Vermögenssteuer, aus dem Jahre 1926. Da muß nämlich das Regierungsprogramm zugeben, daß „das Gesetz zur Durchführung dieser Nacherhebung bereits von der vorigen Regierung dem Reichsrat vorgelegt" ^oor- den fei.
Von dem Inhalt des Steuerprogramms der neuen Regierung bleibt also gar nichts Eigenes übrig. Unter der wortreichen Aufmachung verbarg man die glatte Uebernahme und Fortsetzung der Polittk des Zentrumsministers Dr. Köhler, den man während seiner Amtszeit so sehr befehdet hat. Von der moralischen Wertung dieses Verhaltens soll hier nicht die Rede sein. Es soll nur auf das Groteske hingewiesen werden, daß die Sozialdemokraten im Verein mit den Demokraten gezwungen sind, eine ehemals bekämpfte Steuerpolitik unter eigener Flagge weiterzuführen!
Aber auch unter einem anderen Gesichtswinkel verdient die Tatsache gewürdigt zu werden. ■ Der Mann, der die Steuerpolitik des Zentrums in anderthalbjähriger Arbeit in die Tat umgefetzt hat, hat keinen Dank für feine Mühen geerntet. Von Anfang feiner Amtstätigkeit an war er ununterbrochen den gehässigen Angriffen ausgesetzt. Was er unternahm, erfuhr von den Linksparteien die schärfste Kritik. Aber daß alle diese Kritiken lang- famer sttller wurden und schließlich verlegenem Schweigen Platz machen mußten — das wurde nicht so beachtet wie die Kritiken selbst. Dr. Köhler war auch nickt der Mann, um selbst davon zu reden; er arbeitete. Und hat dabei mehr geleistet als die meisten seiner Vorgänger im Reichsfinanzministerium; eine Tatsache, die nicht abgeleugnet 'werden kann
Als Dr. Köhler sein Amt übernahm, war das Bild der Reichsfinanzen bei weitem nicht so günstig. wie es heute nach seinem Abgang ist. Durch
seinen Amtsvorgänger waren mehrere Steuern ge- fenkt worden, ohne daß die entsprechenden Maßnahmen auf der Einnahmeseite getroffen worden wären. Sein Vorgänger Reinhold hatte der Oes- sentlichkeit eine wahre Flut von Versprechungen gemacht, die nicht eingelöst wurden. Dr. Köhler hat sich nicht gescheut, die undankbare Ausgabe in Angriff zu nehmen, und er hat es verstanden, sie zu lösen. Er hat den Kriegsopfern ihre Renten verbessert, er hat die Not der Invaliden- und Kleinrentner gemildert, er hat die Lohnsteuer auf Grund der Lex Brüning gesenkt, er hat den Beamten ihre langersehnte Gehaltsaufbesserung und den Liquid--, tionsgeschädigten die Auszahlung ihrer Entschädigungen ermöglicht. Besonders die beiden letztgenannten Arbeiten haben ihm nicht nur keinerlei Dank, sondern nur wütende, manchmal sogar persönliche Angriffe eingebracht. Sowohl von den Empfängern als auch von den entgegengesetzt Orientierten. Es darf nicht vergessen werden, daß diese beiden Probleme von keinem Finanzminister zur allgemeinen restlosen Befriedigung gelöst werden konnten und weil sie naturgemäß von anderen Ständen und Parteien abgelehnt und sogar bekämpft wurden. Die Besoldungsreform und das Kriegsschädengefetz sind zweifelsohne die heikelsten Finanzfragen seit der Revolution. Es blieb dem Reichsfinanzminister Dr. Köhler vorbehalten, sie beide in Ordnung zu bringen. Diese Dinge müssen einmal offen ausgesprochen und unter Beiseitelassen aller Sonderinteressxn vom gesamt-politischen Standpunkt aus betrachtet werden.
lieber diese schwierigen Einzellösungen hinaus ist es Dr. Köhler als erstem Finanzminister gelungen, den Reichshaushalt in Ordnung zu bringen und auf reparationspolitischem Gebiet erfreulichere Zustände zu schaffen.
Und wenn heute Köhlers ehemalige Gegner gezwungen sind, seine eigene Politik weiterzuführen, so darf das wohl als der beste Beweis dafür gelten, daß sich seine Tättgkeit bewährt hat. Es ist an der Zeit, dem ausgeschiedenen Reichsfinanzminister den verdienten Dank für seine stille solide Arbeit auszusprechen; ihren vollen Wert wird erst die Zukunft würdigen.
* Parker Gilbert bei Pomcarö. Der französische Ministerpräsident Poincare hat den Generalagenten für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, empfangen.
Der Sinn der Amnestie.
Die Ausführung des Amnestiegesetzes ist in den meisten deutschen Ländern in vollem Gange. Die Begnadigten werden nach und nach entlaßen und kehren zurück in die Frecheit. Recht sonderbar werden den Amnestierten die Verhältnisse erscheinen, in welche sie zurückkommen. Sind doch immerhin fünf bis acht Jahre verflossen, seitdem sich die Gefängnistore hinter ihnen geschlossen haben. Da das politische Leben heute wesentlich anders aussieht als zu der Zeit, da politische Putsche anbei Tagesordnung waren, wird es manchem schwer fallen, sich in den fester geordneten Zuständen zurecht zu finden.
Umso verfehlter ist es, wenn die Kommunisten ihre Amnestierten mit wehenden Fahnen, großen Demonstrationen und schwülstigen Reden begrüßen. Denn durch das Aufgebot des ganzen kommunistischen Reklameapparates wird den ihre Freiheit Wiedergewonnenen ein völlig falsches Bild vorgegaukelt. Es wird ihnen die Meinung em- geflößt, als ob heute noch wie vor reichlich einem halben Dutzend Jahren durch Sttaßendemonstratio- nen die Politik beeinflußt werden könnte, und sie werden von dem Wahn befangen, als ob die kommunistische Partei weit größere Bedeutung hätte, als ihr in Wirklichkeit zukommt. Bitter wird die Enttäuschung sein, wenn der Begrüßungsrummel vorüber ist. Denn dann bleibt nichts übrig, als die Welt so anzusehen, wie sie tatsächlich ist und nicht, wie sie sich hinter den engen GefängMs- mauern in der Vofftellung dargetan hatte.
Im Gegensatz zu den verwerflichen Methoden der Kommunisten, die aus ihren aus den Gefängnissen entlassenen Parteifreunden ein Schaustück für die Breite Oeffentllchkett zu machen bestrebt sind, hat der Preußische Justizminffter in einem Erlaß, der sich mit der Zählung der unter das Amnestie- gesetz fallenden Sttassachen befaßt, angeordnet, daß eine Liste der Begnadigten nicht veröffentlicht wird, damit den Amnestierten die Rückkehr in das bürgerliche Leben nicht erschwert wird. Diese Maßnahme ist sehr zu begrüßen. Denn gerade das Wieder- hineinleben in geordnete Verhältnisse wird den Leuten besonders schwer fallen, die damals glaubten, zur Erreichung eines, als politisches Ideal gedachten Zweckes die Grundsätze staatlicher Ordnung mißachten zu dürfen. Die Amnestierung soll ja nicht zur Bildung einer neuen kommunistischen Sturmtruppe beitragen, fonbem soll vielmehr den seinerzeit von kommunistischen Phrasen irregeleiteten Menschen die Möglichkeit Bieten, m einem festgefügten Staatswesen wieder ein geordnetes Leben zu führen. Die Nichtveröffentlichung der Namen soll hierbei helfen. Hoffentlich begreffen die Begnadigten den ganzen Sinn der staatlichen Aktion und lassen sich von kommunistischm Heißspornen nicht nochmals zu bolschewistischen Experimenten verleiten.
* v. Kameke geht auf Urlaub. Wie der Demokratische Zeitungsdienst berichtet, wird in der nächsten Zeit der Leiter der Verfassungsabteilung im Reichsministerium des Innern, Ministerialdirektor v. Kameke, einen Urlaub antreten, von dem er nicht wieder in sein Amt zurückkehren wird. Auch der Bruder des ftüheren Innenministers, Ministerialrat Otto v. Keudell, ist aus Urlaub gegangen.
1 Bekanntlich wurden die beiden Deuffchnationalen auf die wichtigen Posten unter der letzten Regierung berufen, ' *
Mussolini über Nobile.
Mussolini berichtete im italienischen Minister' rat über die letzten politischen Ereignisse, so über bas Ende der diplomatischen Spannung zwischen Italien und Oesterreich, die Unter- zeichnung des italienisch-ungarischen Handelsver- träges, das Tangerabkommen und Italiens B e t tritt zu Kelloggs Paktvorschlag.
Sodann gedachte er des Fluges Ferranns um bei Pretes, der Italien mit Stolz erfüllt habe wah. renb das P o l a r u n t e r n e h m e n tm dauern scheu Volke Unruhe und tiefen Kummer hervorge- rUf JBeoor man ein endgültiges Urteil fällt muß man das Ende des Dramas abwarten. Ma" sau. darum nur gegen die unhumane und anhttahem sche Welle protestieren, die über die Vorkämpfer unglücklichen Unternehmens herembrach. D - Männer die vor ihrem Aufbruch wußten, daß sie im Begriff waren, eine sehr gefährliche Forschungs- reise zu unternehmen, zeigten, daß s-e Mut besaßm und verdienen allgemeine Achtung. Erst wenn alle Nachforschungen zur Auffindung der andere.. Gruppe von Schiffbrüchigen durchgeiub s - wird eine objektive und normale Untersuchung der Entwicklung des Unternehmens, der H-Ifsexpedtt - nen und aller Phasen, dieser Tragödie stattfind.m Diese Untersuchung wird natürlich i n I t a l n von Italienern durchgefuhrt werden, ^de andere Hnvothese ist ab urd und verletzend Sollte von wem es auch immer sei vorgechlagen wer den, so müßte dies unverzüglich °bge—,ni werden. Der Ministerrat wünscht sich zum Dölmes
Aufregung in Paris.
Zum Wiener Sängerfesi.
Der „Temps" bespricht die in Wien oeranftaL tete Kundgebung der deutschen Sänger. Er hebt hervor, daß Reichstagspräsident Löbe bei dem Empfang erklärt: „Wir sind ein Volk und eine Na- tion und wollen deshalb ein Staat werden!" lieber den Sinn dieser Worte, so erklärt das Blatt, könne man sich nicht täuschen. Es handle sich hier um etwas ganz anderes als um Sprach- und Kultur- gemeinschaft. Die durch den Sieg der Alliierten neu geschaffene europäische Ordnung solle in Frage gestellt werden! Die Aufrechterhaltung des Friedens in Mitteleuropa auf der Grundlage der bestehenden Verträge werde direkt bedroht durch eine Kundgebung, die ganz den Charakter einer Mobilisierung der aktivsten Elemente des All» deutfchtums in sich trage.
Auch das „Journal des Debets“ hebt die Rede des Reichstagspräsidenten hervor und erklärt, Löbs sei für den Anschluß. Man begreife, was das besagen werde, sich durch die Einverleibung heften- reichs zu vergrößern. Man sei also gewarnt; man zögere aber nicht, gleichzeitig auch deutlich zu machen, daß die pangermanisttsche Bewegung sich nicht auf Oesterreich beschränke. In dem großen Umzug seien Delegationen aus Polen, R u m ä» ni en, Ungarn, der Schweiz und S ü d s l a. wien vertreten gewesen. Man habe „O Straßburg, o Straßburg" gesungen. Wo sei der berühmte Geist von Locarno geblieben? Diese Tatsache zeige, was die Verwirklichung des Anschlusses bedeuten würde. Man würde ein Wiederaufleben des pangermanistischen Elans feffftellen, der die große Ursache des letzten Krieges war. Nachbar» iartb von Ungarn geworden und die Tschechoslowakei umschließend, würde Deuffchland seine alten Ambitionen mehren und trotz sämtlicher Pakte der Welt auf neue Abenteuer ausgehen. Wenn man diese Zukunftsmöglichkeiten bedenke, -ind nun feffftelle, mit welchen Methoden die Annexion Oesterreichs von Deuffchland vorbereitet werde, frage man sich mit einer gewissen Angst, wovon dis alliierten und besonders die französischen Staatsmänner träumten. Man sei berechtigt, die alliierten Regierungen und besonders die französische Re. gierung zu fragen, ob sie entschlossen seien, den Anschluß nicht zu dulden. Wenn das der Fall sei, dann begreife man nicht, weshalb sie nichts tun, solange es vielleicht noch Zeit ist, seine Durchführung zu verhindern. *
Das Wiener Sängerfest nimmt weiterhin in der Berichterstattung der Pariser Blätter einen breiten Raum ein und wird von mehreren Zeitungen zum Anlaß genommen, um gegen die Anschlußbewegung als einer Gefahr für den Frieden zu protestieren. _.
Das radikale „Oeuvre" schreibt u. a.: D>e Deutschtumpolitik, die augenblicklich von Deutschland betrieben wird, kann nickt ohne Gefahr fortgesetzt werden. Ohne an seinen geographischen Grenzen Halt zu machen, maßt sich Deutschland das Recht an, im Namen aller Deutschsprechendei aufzutreten. Was würde Berlin sagen, wenn Pa ris sich einfallen ließe, im Namen der römische! Schweizer oder der französischsprechenden Bevol ferung des Tales von Aosta zu sprechen? Oder will Deutschland, daß man dem Deutschtum eine Bereinigung der englisch sprechenden Länder oder z. B. ein Bund der lateinischen Völker gegenuberstellt? Das würde weiter nichts als das Wiederaufleben der verhängnisvollen Allianzen der Vorkriegszeit bedeuten. ,
Der „Petit Parisien" erklärt, die Besetzung Wiens, die Deutschland auf einige Tage vorgenam- men habe, sei ein gefährliches Spiel in einem Monat, in den die Jahrestage fielen, die baran erinnerten, daß Oesterreich für den Frieden gefahnich werden könnte, wenn es sich der Führung Deutch- lands überläßt.
* Begnadigung Ricklins. Wie der „Temps" I.e- richtet, hat der Präsident der Republik auf Vorschlag des Justizministers beschlossen, auch, den Abgeordneten Dr. Ricklin ebenso wie Ne drei anderen vom Kalmarer Schwurgericht verurteilten Autonomisten zu begnadigen.