äS.Zahrg
Sonntag, 22. Juli 1928
Nr. 168
seoering ober Die Pflege -er Kunst nah Wiflenschast
Um die Zukunft der Reichsregierung
rationsfachlieferungen ist gegenüber dem Vormonat fast unverändert. Die Zunahme der Einfuhr entfällt in der Hauptsache auf die Lebensmittel, in geringerem Umfange auch auf die Rohstoffe. Die Einfuhr von Fertigwaren hat dagegen abgenommen. Die Ausfuhr von Fertigwaren und von Rohstoffen ist gestiegen. Da die Ausfuhr von Lebensmitteln aber in starkem Maße gesunken ist, so ergibt sich für die E e s a m t a u s f u h r eine geringe Abnahme (um 0,6 Mill. Mark).
Unz< auSwl
den Eckpfeiler des britischen Empire, um die Wacht am Suezkanal, um den Schuß des Weges nach In- dien, der alten Lebensader des Empire. Dabei ist bekannt genug, daß die Schaffung eines „Reser- veweges nach Indien" durch Palästina, Trans» jordanien und Mesoptamien nach dem persischen Golf für England wider Erwarten fast gerade das Gegenteil von der erhofften Sicherung des Weges nach Indien gezeitigt hat Die überraschende Eni- Wicklung des wahabitischen Reiches unter Ibn Saud fetzt beide Wege einer künftigen Sprengung aus, zumal vom Religiösen weg die Idee des Panislamismus immer mehr Kraft im Politischen entwickelt. Eine sichere Rückendeckung bedeutet angesichts dieser Situation für England einzig und allein die Position in Aegypten. Daher die brutale Entschlossenheit, mit der England auf der Aufrechterhaltung seiner Vorbehalte aus der Aegypten im Februar 1922 zugestandenen Scheinunabhängigkeit besteht. Die beiden wesentlichsten dieser vier Vorbehalte betreffen Englands Recht zur Verteidigung des Suezkanals und sein Recht bzw. Pflicht zur Verteidigung Aegyptens gegen fremde Angriffe. Damit ist selbstverständlich die Aufrecht- erhaltung der militärffchen Besetzung Aegyptens durch England verbunden und eben darin ruht ja die Wurzel der ägyptischen Unzufriedenheit.
Mit einer im wesentlichen nationalistischen Re- gierung in Aegypten war das Problem nicht zu lösen. Ständig, zuletzt noch im Frühjahr dieses Jahres tauchten intolge der legislatorischen Tätigkeit des von den Wafdisten beherrschten Kabinetts bzw. Parlaments Konilikte mit England,auf die immer wieder die Möglichkeit gewaltsamer Auseinandersetzungen heraufbeschworen. Fuad tat England den Gefallen, aus einem an den Haaren herbeigezogenem Grunde das Kabinett Nahas Paschas nach Hause )u schicken. Er versuchte dann mit Hilfe des in allen politischen Sätteln gerechten Mohammed Pascha ein Kabinett zubilden, das imstande sei, sowohl mit dem Parlament, wie mit England ,zu verhandeln. Allein Mahmud Pascha fand nicht genug bestechliche Wafdisten, um zu seinem Ziel zu gelangen, obwobl er gegebenenfalls soaar bereit gewesen wäre, seinen Vorgänger im Amt in sein Kabinett aufzunehmen. So blieb dem König, wenn er auf seiner alten politischen Linie der freundschaftlichen Verständigung mit England gegen den Willen seines Volkes bleiben wollte, nichts anderes übrig, als das Parlament nach Hause zu fchik- ken, die Pressefreiheit aufzuheben und die Diktatur zu etablieren.
Man sagt von König Fuad, daß er ein ebenso kluger Staatsmann wie eleganter Lebemann sei» und man mag insofern recht damit haben, als König Fuad mit seiner Politik sicherlich die vorsichtigere Linie innehält. Wieweit er aber sich in be
merken erst nach einem gewissen Zeit- rau m in die Erscheinung treten und bis dahm wird die Pflege der Kunst und Wissenschaft zu einem Teil der privaten Initiative über- lassen bleiben müssen. Daran haben es alle Schich- ten des Volkes erfreulicherweise auch bisher Nicht fehlen lassen. Ein Beweis dafür ist die starke Beteiligung der Sänger aus allen Gauen Deutschlands an diesem Sängerbundesfest in Ihrem schönen Wien."
Reichskagsprasidenk Löbe in Wien.
wtb. Men, 21. Juli. (Eig. Funkm.). Reichstagspräsident Löbe ist gestern abend zur Teilnahme an dem Sän gerb und essest hier eingetroffen. Auf dem Bahnhof wurde er von Botschaftsrat Hoffmann />on der Deutschen Gesandtschaft begrüßt.
auswärts 0,80 3UL Bei Wiederholungen Rabatt.
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Der deutsche Außenhandel im Juni.
Passivität von 214 MM. Mk. gegenüber 199 Mill. Mk. im Vormonat, Leichte Zunahme der Einfuhr. — Ausfuhr fast unverändert.
reife: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 X« JUt. Reklamezeile: lokal 0,60 M
* Landwirte wegen Steuerstreikkundgebungen vor Gericht. Nach einer Meldung der „B. Z. am Mittag" sind wegen der Steuerstreikkundgebungen, die von Landwirten im April vor dem Finanzamt K ü r i tz veranstaltet wurden, 31 Teilnehmer unter Anklage gestellt worden. Die Anklagen lauten auf Aufruhr in Tateinheit mit Landfriedensbruch bzw. auf öffentliche Zusammenrottung. In einem Falle ist dazu noch die Anklage wegen öffentlicher Auf- forberungen zum Steuerstreik ergangen. Die Verhandlung wird wahrscheinlich vor dem Landgericht in Neuruvvin stattfinden.
wtb Berlin, 21. Juli. (Eig. Funkm.) Der deutsche Außenhandel zeigt im Juni 1928 im reinen Warenverkehr einen Einfuhrüberschuß von 214 Millionen Mark gegen 199 Mill. Mark im Vormonat. Der Rückgang der Einfuhr, der seit Januar von Monat zu Monat zu verzeichnen war, ist in diesem Monat erstmalig wieder unterbrochen. Die Einfuhr hat gegenüber dem Vormonat etwas, wenn auch nur um 22,2 Millionen Mark zugenommen. Die Ausfuhr ohne Repa-
Erfcheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
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werktätige Volk erwartet, daß seine Vertreter in den Parlamenten mit allem Nachdruck die For- bentng nach Sparsamkeit erheben. Es hängt für das Schicksal Deutschlands und des Parlamentarismus viel davon ab,, ob diese Erwartung erfüllt wird.
Die nächste ttabinettssitzung.
Wie der „Germania" zufolge verlautet, wird am Montag nächster Woche noch eine Kabinettssitzung stattfinden, bei der voraussichtlich erneut über die Finanz!« ge der Reichsbahn beraten wird. ___________________
Die Schwierigkeiten der Reichsregierung werden In einer interessanten Darstellung aufgezeigt, die der Zentrumsabgeordnete Dr. Josef Wirth in der „Deutschen Republik" (42. Heft) macht. Er IpricÄ trotz allen Vorkommnissen von der Möglichkeit, daß bei kluger und vorsichtiger Wetterführung sachlicher Auseinandersetzungen um die politischen Lebensfragen Deutschlands eine Regierung auf fange Dauer geschaffen werden könnte.
In diesem Zusammenhang sagt er dann folgendes:
„Niemand darf allerdings die Verabschiedung des Gesetzes über die Senkung der Einkommensteuer zur Grundlage solcher Hoffnung machen. Was da geschah, war ein Treppenwitz der politischen Geschichte. Die Nationalsozialisten, die geschworenen Todfeinde des Herrn Hilferding, retteten den Finanzminister, den sie kurz vorher auf das gröblichste beschimpft hatten. Die Sache hing an einem Seidenfaden. Schon standen auf der Regierungsbank die Herren, die in schwersten Kri- senzeiten dort sichtbar zu werden pflegen. Angstvoll und gequält folgten sie den Abstimmungen. Man sah, wie den führenden Herren der Deutschen Dolkspartei eindringlich zugeredet wurde, doch den Widerstand gegen das Steuergesetz aufzugeben. Vergebens! Wenige Stimmen aus dem Zentrum hätten genügt, der Regierung die schwerste Niederlage zu bereiten. Die Distanzierung des Zentrums von der Regierung fand indessen ihre natürliche Grenze an der Sinnlosigkeit, jetzt eine Regierungskrise heraufzubeschwören. Die Rechte witterte Morgenluft, und aus den Kreisen der Volkspartei hörte man die sorgenvolle Bemerkung, ob es denn immer die Volkspartei fein müsse, die politische Krisen auszulösen habe."
Don den Verhandlungen im Auswärtigen Ausschuß stellt Dr. W i r t h, der ja diesem Ausschuß an. gehört, fest, daß sie durchaus die sachliche Basis für eine auf lange Sicht gestellte Außenpolitik gezeigt hatten. Abgesehen von den Kommunisten hat sich niemand der Zustimmung zur Bejahung des Ksl- wggpaktes entzogen. Wirth meint, wer seit Jahren Gelegenheit gehabt habe, großen Aussprachen im Slusroartigen Ausschuß zu folgen, sei über diesen posmven Ausgang der mehrstündigen Auseinan- derfetzungen nicht mehr überrascht gewesen. „Umso lwerraschender aber war es, daß in den öffentli- ajen Verhandlungen des Reichstags noch so lebhaft um die Außenpolitik gerungen wurde. Vielleicht aber war es nur ein Scheingefecht, das den Deutlch- nationalen draußen im Lande zeigen sollte, eine inte kecke Haltung ihre Redner im Reichstag noch ttnzunehmen vermögen."
Dr. Wirth führt in diesem Zusammenhang die in der öffentlichen Reichstagssitzung von dem deutsch- nationalen Abgeordneten Dr. O b e r f o h r e n ge- machten Aeußerungen an, der als Fiindamental- fehler bezeichnet hat, daß die Außenpolitik aufge- baut sei auf der Theorie von der Hilfe von außen, die allein uns retten könne. Dr. Wirth sagt dazu:
„Von etner solchen Theorie war bei Realvoli- solche Theorie wurde auch im deuffchen Reichstage noch nie vertreten Auf der anderen Seite hat aber auch die Volttik der Nachkriegszeit nie des Gedankens entraten fön. neu. daß für ein besiegtes Volk manches zwangsläufig geht, das nicht zu beachten, nicht nur Torheit, sondern Freveltat wäre."
Die Schwierigkeiten der Regierung haben sich aber auch noch in anderen Fragen gezeigt, von de- aen Dr. Wirth namentlich die Schulfrage erwähnt.
Tatsächlich kann man nicht absehen, wie im Wbfte ersprießlich gearbeitet werden soll, wenn es «b dahin nicht gelingt, der Regierung einen festen ^"lergrund zu geben. Die Politik muß nicht nur m tefteg Ziel, sondern auch ein festes Fundament
Man wird, so sehr das vielleicht auch mit fHnh ■ überlieferten Auffassungen in Widerstreit srÄ ‘i? Interesse der Gesamtheit von Volk und hinfJit»6 ^nfach durch die gegegebenen Notwen-
Mwungen, für eine Konsolidierung der fnrnt '9en losen Regierungskombination be= merken und die beteiligten Parteien
denn Willen jetzt schon bekunden müssen, ..... snLtJ.,J^en alle Vorarbeiten der Regierung Sinn verloren"^ ber tünfti9en Aufgaben jeden Monatshefl""^^n Nummer der „Sozialistischen oußert sich Reichsinnenrninist-'r S?- runa unter ™?’6 Aussichten der Reichsregw-
Sie Dor[iea?nxremn folgendermaßen:
FuldaerZeitung
Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Zusammenarbeit im Kabinett, die schon viel reilmngs- loser war und sich in den nächsten Monaten zumeist auf die lcmsenden Verwaltungsarbeiten erstrecken wirb, könnte Brücken für eine bessere und festere Bindung der Parteien im kommenden Paria- mentswinter schlagen. Folgt die Volksvertretung dem Willen und dem Beispiel der Regierung, dann ist die festere parlamentarische Basis für eine ersprießliche Zu- sammenarbeit gegeben, und dann besteht die Aussicht, in einer längeren krisensreien Zeit nützliche Arbeit zum Wohle des Volksganzen zu leisten."
Herr Seoering beurteilt, so erklärt die „Germa- nia", die Lage richtig. Wenn seine Wünsche, die wir hinsichtlich der Befestigung der Regierung teilen, in Erfüllung gehen sollen, dann ist d r e t e r- lei nötig: Die Regierung muß sich vollständig bar- über klar fein, daß die Führung, die immer nur die einer mittleren Linie sein kann, d e i. i h r liegt. Die Parteien müssen sich einer ruhigen, ner- nünftigen Haltung befleißigen und davon absehen, sich in Agitationsanträgen zu übertrumpfen. Sie müssen die Sache der Reichspolitik gemeinsam zu führen trachten und das Trennende durch politische Rücksichtnahme und kulturelle Toleranz auf allen Gebieten mildern. Es würde ebensowenig mit Extratouren Scholzscher Art, noch mit spezifisch sozialistischen Methoden gehen. Die Parteien müs- fen in die gemeinsame Verantwortung hineinwach- fen, wobei es selbstverständlich ist, daß sie wachsamen Auges alles verfolgen, was in der Wilhelm- straße vor sich geht. Der dritte Prüfftein liegt >n der Regelung, die die Regierungsverhältnisse im Herbst erhalten. Die Zeit des Abwartens, das gegenwärtig das Verhältnis der Parteien bestimmt, wird, wie wir hoffen, in Aktivität übergeben, wenn diese Voraussetzungen von fetten aller Beteiligten erfüllt werden.
Sieuerabbau!
Der Steuerfachverständige der sozialdemokrati- fchen Reichstagsfraktion, Abg. Paul Hertz, befaßt sich mit den Steueranträgen, die die Kommunisten im Reichstag eingebracht haben. Ein Teil dieser Anträge will die vollständige Aufhebung der sogenannten Massensteuern, ein anderer Teil eine überaus starke Erhöhung der Besitz- steuern. Paul Hertz kennzeichnet diese kommunistischen Anträge folgendermaßen:
„Eines ist sicher, die kommunistischen Anträge würden die geordnete Finanzwirtschaft unmöglich machen, die soziale Hilfe des Staates für die notleidenden Bevölkerungsgruppen erschweren, unzählige Menschen der Arbeitslosigkeit ausffsfern und trotzdem eine neue Inflation herbeWhren. Das alles ohne nennenswerten Nutzen für die Verbraucher- Masse. Die kommunistischen Anträge sind nur ein Appell an die Unwissenheit und die D u m m h e 11. Kein ernsthafter Kommunist wird jemals glauben können, daß in einem Lande wie Deutschland die ungcheue- ren öffentlichen Lasten lediglich durch eine Besteuerung der großen Vermögen, Erbschaften und Einkommen auf- gebracht werden können. In Rußland haben die Kommunisten die politische Macht völlig allein. Trotzdem spielen dort die indirekten Steuern die größte Rolle. Der Anteil der indirekten Steuern an den gesamten Steuereinnahmen, der im Jahre 1922. 23 nur 30 Prozent betrug, ist im Jahre 1926-27 auf 60 Prozent gestiegen. Also auch dort, wo die Kommunisten herrschen, sind Verbrauchssteuern unentbehrlich. Das kommunistische Steuerzerftörungsprogramm dient also nicht der Hilfe für die schwerleidenden Mafien des deuffchen Volkes, denen nur durch die praktische Arbeit der Sozialdemokratie geholfen werden kann, sondern nur der unehrlichen kommunistischen Agitation."
Es ist intereff.. daß sich die Sozialdemokraten gegen die kommunisffsche Agitation mit denselben Argumenten wehren müssen, wie früher die bürgerlichen Parteien gegen die gleichgeartete Agitation der Sozialdemokraten aufzutrefen sich ge- zwungen sahen. So wird die Sozialdemokratie heute mit den gleichen Ruten gezüchtigt, die sie selber gebunden hat. Der politische Reinigungsprozeß, der sich in alldem vollzieht, ist nur zu begrüben.
Allerdings hat die Angelegenheit auch ihre a n ■ b e r c Seite. Wenn der Steuerabbau nach kommunistischem Rezept auch nicht zu machen ist, fo m es doch unabweisbare Pflicht derjenigen Parteien, die im V o l k e wurzeln und weiterhin im Volke wurzeln wollen, alles zu tun, die allgemeine Senkung der steuerlichen Anforderungen herbeizu- fübren. Das wird nur gehen, durch sparsame Führung der Staatsgeschäfte. Es ist hohe Zeit, daß der Gedanke der Sparsamkeit wieder in die staatliche Verwaltungspraris einzieht. Volle Kaffen verleiten zu großzügigen Ausgaben. Das gilt nicht nur für das Reich, das gilt vor allem auch für das °mb und in nieion Fällen für die Gemeinden. Das ■
Zur (Ermordung (Obregons.
Aus Mexiko wird gemeldet: Die Arbeiterpartei erklärt, keine Beziehungen zu dem Mörder Obregons zu haben, und sagt ferner, sie sei bereit, dem Appell des Präsidenten Calles zur Zusammenarbeit Folge zu leisten.
Da die Arbeiterpartei Veranlassung nimmt, Beziehungen zu dem Mörder ausdrücklich in Abrede zu stellen, scheint es in Mexiko doch noch nicht so ausgemacht zu sein, daß der Mörder ein „katholischer Fanatiker" ist, wie es nach der Frankfurter Volksstimme scheinen muß. Ausgemacht aber ist es, daß ein Katholik, der ohne Entrüstung die bei dieser Gelegenheit wieder verübten Ausfälle der Franffurter Volksstimme gegen die katholische Kirche lesen kann, auf Ehrgefühl keinen Anspruch machen darf.
Bedeutend anständiger ist übrigens die Frankfurter Zeitung. Sie schreibt der mexikanischen Regierung folgendes ins Stammbuch: „Die Polizei ist, wie es scheint, sehr eilfertig mit den Verdächtigungen gegen die Katholiken. Gerade wegen der Heftigkeit des Kirchenkampfes sollten solche Beschuldigungen nicht ausgesprochen werden, ohne daß sie auf sichere Beweise gegründet find. Diese Beweise sind aber bis jetzt nicht geliefert worden."
wtb. Wien, 21. Juli. (Eig. Funkm.). Reichsminister Seoering erklärte einem . Vertreter des Neuen Wiener Journals unter Hinweis auf seine Teilnahme an dem Sängerbundesfest, daß zu den Wichten des deutschen Innenministers auch die Betreuung von Kunst und Wissenschaft gehört. Lei- )er gestatteten es die Finanzen den öffentlichen Körperschaften noch nicht, sich diesen Fragen mit der Sorgfalt zuzuwenden, die das allgemeine Kul- hwintereffe der Menschheit erheischt. Es sei außer- »rdentlich bezeichnend, daß heute noch zur Bildung ton Notgemeinschaften aufgerufen wird, um beut» chen Künstlern zu helfen und um die Wissenschaft tuf den ehemals hohen Standpunkt zu bringen.
Auf die Frage, ob die angestrebte Verwaltungsreform diese Mängel nicht beheben könnte, antwor- |ete Seoering u. a.: „Gewiß werden sich bte 23er- paltungskosten Dertingern, aber alle Ersparnisse
Eine offizielle Mitteilung besagt, daß das Verfahren gegen Tonal, den Mörder Obregons, in öffentlicher Verhandlung vor einem Zivilgericht durchgeführt werden wird. Das Justiz- ä hat dementsprechend die Polizei und die
rbehörden ersucht, in der Angelegenheit Tot» ral innerhalb der nächsten 72 Stunden keinerlei Schritte zu unternehmen.
Berichterstattern, die sich nach dem Polizeigebäude begaben, gelang es, den Mörder Obregons zu sehen, als er zwischen zwei Polizisten von dem Polizeibüro im oberen Stockwerk, wo er vernommen worden war, nach seinem unterirdischen Kerker ging. Die rechte Seite seines Gesichts und seine Rockaufschläge waren blutig. Er ballte die Fäuste zusammen, als ob er Schmerzen empfinde. Seine Haltung war trotzig. Tonal hat wulstige Lippen und ein grobes Gesicht.
llegqptensllrifir — Gmpitehrifi ?
Zum Staatsstreich des Königs Fuad I.
Nach der staatsstreichartigen Weise, in der König Fuad vor wenigen Wochen das nationalistische Kabinett Nahas Pascha zum Abgang gezwungen hatte, kann der neue Staatsstreich des Königs gegen das Parament nicht weiter überraschen. Bezeichnend ist nur die Tatsache, daß als Dauer der Aufhebung des Parlaments gleich nicht weniger als drei Jahre vorgesehen worden sind. Das ist die unzweideutigste Kriegserklärung des als antiparlamentarisch bekannten Königs, der zugleich in de. deutlichem Sinne ein Werkzeug des englischen Imperialismus ist und der durch feine neueste Maßnahme offenbar Zeit gewinnen will, die gegenwärtigen Grundlagen des parlamentarischen Systems in Aegypten zu desorganisieren. Man muß sich dabei oergegenroärtigen, daß mit reichlich 75- prozentiger Mehrheit im Parlament der Wafd, die ägyptisch-nationalistische Partei, eine Schöpfung Zaghlul Paschas, eine Macht darstellt, gegen die auf verfassungsmäßigem Wege nicht regiert werden kann. Zugleich allerdings ist festzustellen, daß die Politik des Wafd in den letzten Jahren, insbesondere seit Zaghlul Paschas Tode von einer hartnäckigen und jede Verständigung ausschließenden Intransigenz den englischen Wünschen gegenüber gewesen ist.
Für jeden, der die seit dem Weltkriege in Gebrauch genommenen weit- und staatspolitischen Ideen und Prinzipien ernst nimmt, gibt es keinen Zweifel, daß diese ägyptische Intransigenz den englischen Winschen gegenüber durchaus gerecht- f e r t i g t ift. Anders liegen die Dinge, wenn man sie vom Standpunkt des englischen Imperialisten aus ansieht. Von diestm Gesichtspunkt aus wird manches begreiflich, was England in Aegypten getan hat, noch tut und in Zukunft zu tun offenbar entschlossen ist. Es handelt sich bet Aegypten ja um
Revolution in Portugal ?
— Berlin, 21. Juli. (Eig. Funkm.) Nach einer Meldung der „B. Z. am Mittag" sind im Badajoz Mitteilungen über eine „ernste Bewegung" in Lissa. dort eingetroffen, die augenblicklich von der Zensur abgeschwächt worden sind. Es sollen scharfe Kanonenschüsse gefallen fein; über Lissabon sei der Belagerungszustand verhängt, die Sttaßen feien feit gestern menschenleer.
* Zwangsversicherung Im Eisenbahnverkehr in Spanien. Unter den Dekreten, die vom spanischen Ministerrat geprüft und dem König zur Unterzeich. nung vorgelegt wurden, sind folgende hervorzuheben: 1. ein Dekret, das die Einführung einer Pflichtversicherung für Luftreifende betrifft. 2. ein Dekret über die Einführung einer Pflichtversicherung für Reisende auf der Eisenbahn vom 1. August ab. Zu diesem Zweck sollen die Reisenden der 1., 2. und 3. Klaffe zu dem regulären Fahrpreis 30 bezw. 20 bezw. 10 Centimes hinzuzahlen. Im Falle des Todes oder der Arbeitsunfähigkeit beträgt die Leistungssumme der Versicherung 10 000 bis 45 000 Peseten. Bei leichten Verletzungen w'rd keinerlei Entschädigung gezahlt. Auch für Viehtransporte soll eine Zwangsversicherung eingeführt werden.