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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda

SS.Zahrg

Donnerstag, 19. Juli 1928

Ar. 165.

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Englische Steuermatznahmen

18. Juli. (@ig. FunkmH DaZ t die Gemeinde-, Steuer- und

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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Slctiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. ... ü Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

Der veuerivahlte PrSDevt oo« Mexiko ermordet

General Gbregon tot.

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Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051

Die Rrisenmacher.

In der hier schon mitgeteilten Aeußerung, die der Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, nach eigenen Mitteilungen volksparteilicher Blätter gemacht hat, wird unter anderm gesagt, daß Scholz die ursprünglich geplante Umwandlung der losen Regierungsmehrheit in eine feste Koalition kei­neswegs als mit Sicherheit zu erwarten ansieht. Es werden dann durch Dr. Scholz eine Reihe von Forderungen der Deutschen Volkspartei angewandt, an deren Spitze wie immer die Umbil­dung des preußischen Kabinetts steht. Weiter wird unter anderm der Bau des Panzerkreuzers ver­langt.

Es ist etwas reichlich früh, wenn sich Dr. Scholz schon wieder als ^isenmacher betätigt und der

wtb. London, 18. Juli. (Gig. FunkmH DaZ Unterhaus hat die Gemeinde-, Steuer- und Wertbestimmungsvorlage in dritter Lesung mit 328 gegen 128 Stimmen angenommen. Zweck der Vor­lage ist, den rein produktiven Industrien Steuererleichterungen zu gewähren. Der Wohl- sahrtsminister N. Chamberlain erklärte in seinem Schlußwort, es sei zu hoffen, daß das Gesetz auch den nicht teilt produktiven Betriebszweigen, wie den Transportunternehmungen, eine indirekte Er­leichterung bringen und die Arbeitslosigkeit

schon ohnehin geschehen ist. Man müßte vielmehr sich zu nähern suchen, um den Uebergang zu sin- dm, aus dem losen Zustand zu einer festen, poli­tischen parlamentarischen Fundamentierung der ge­genwärtigen Regierung im Herbste zu kommen. Erst dann wäre ein ersprießliches Arbeiten wirklich möglich.

Im übrigen kommt es ja in der Deutschen Volks. Partei nicht allein auf den Herrn Dr. Scholz an, und das ist immerhin noch eine Hoffnung.

Die 3ugeitb bei den Wahlen.

Tatsachen und Ziffern.

Von Dr. Johannes S ch a u f f.

Bei den Erörterungen über das Wahlergeb- nis vom 20. Mai hat man der Frage, wohm sich die Neuwähler gewandt und welche Stellung die jugendlichen Stimmberechtigten überhaupt eingenom­men haben, gesteigerte Mfmercsam^eit geschenkt. Von verschiedenen S:i en sind Berechnungen über die Wahlcntscheidung der Jugendlichen veröffent­licht worden. Diese zahlenmüßigeu Darstellungen kön­nen jedoch nur als reine Vermutungen und Schatzun­gen gewertet werden, die sich nicht zum geringsten exakt belegen lassen. Ueber die rem Psychologische Deutung hin ar gibt es in dieser Hinsicht keme Erkenntnismöglichleiten, bis eine nach Alter ge­trennte Abstimmung, ähnlich der nach Geschlech­tern^ durchgeführt wird. Diese.wäre zwar sehr wünschenswert. Es wäre schon viel gewonnen, wenn nur die 20 bis 24 Jährigen gesondert aus- gezählt würden. Denn diese Gruppe, die bei nor­maler Wahlfolge ntr aus Erstwählern besteht, wird bei der Starrheit des gegenwärtigen Wahlsystems und den konservativen Gewohnheiten der deut­schen Wühler sehr stark für politische Verschiebun­gen ausschlaggebend sein. Auch in den 40 Jahren .Parteicntwicklüng in der Vorkriegszeit sind die Wandlungen in der Partei - politischen Struktur Deutschlands ganz wesentlich von dem Bevölke­rungswachstum bestimmt worden. Leider fehlt es uns vollkommen an soziologischen Arbeiten über das Verhältnis von Generationenfolge und Par­ieientwicklung. Diese Durchführung erscheint so­wohl für Vergangenheit wie Zukunft durchaus

FuldaerZertung

für die stnhf Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

alt waren. Die Jüngsten standen zur Jnflations- zeit (1923) erst im Mter von 16 Jahren. Brr den nächsten Reichstagswahlen im Jahre 1932 wird diese Gruppe — normale Wahlfolge vorausgesetzt — mit den neu hinzukommenden schon rund 40 Prozent aller Mandate stellen. Zur eigentlichen „jungen Generation" wird man jedoch auch noch die 30 bis 35 Jährigen rechnen müssen, die 1893 bis 1898 geboren sind und bei Kriegsanfang zwi­schen 16 und 21 und bei Kriegsende zwischen 20 und 25 Jahre alt waren. Es ist dies die eigentlich junge Kriegsgeneration. Die gesamte Gruppe der 20 bis 35 Jährigen stellte bei den letzten Wahlen schon 40 Prozent aller Wähler. 193 Abgeordnete sind aus ihren Stimmen von den am 20. Mai gewählten 490 Abgeordneten hervorge- gangen. Bei den nächsten Wahlen wird sie zusammen mit den neuhinzukommenden Wählern schon über die glatte Mehrheit der Stimmberechtigten verfügen. Diejenigen Wähler, die bei den letzten Vorkriegs­wahlen zum Reichstage im Jahre 1912 ihr Wahl­recht haben ausüben können und somit aktiv in der Vorkriegspolitik gestanden haben, sind 6et den letzten Wahlen am 20. Mai gegenüber den Erst­wählern der Nachkriegszeit schon in der Minder­heit gewesen. Es scheint in Anbetracht dieser Zcch- len trotz der Gewissenserforschung, die auch beim Zentrum nach der Schlappe vom 20. Mai ange­stellt und bei der nachdrücklichst das Problem der Jugend erörtert worden ist, bisher zu wenig er» kamst worden zu sein, welche Bedeutung diese Massen der Jungen für die künftige Entwicklung der Parteien haben. Das prägt sich auch darin aus, daß die „junge Generation" nur 24 Abge­ordnete ihres Alters gestellt hat, die zudem in der Hauptsache den radikalen Flügelparteien enge» hören, während 65 Abgeordnete über 55 Jahre alt waren und am Ende dieser Legislaturperiode 39 Abgeordnete int Alter zwischen 25 und 40 Jahren, 160 zwischen 25 und 50 Jahren und 330 über 50 Jahren stehen.

normaler Wahlfolge zum ersten Mal ihre Stimme abgaden wählen am allerschlechtesten. Nur die 3-ifer der über 70 Jahre alten Männer liegt etwas darunter. Dir Wahlbeteiligung der Frauen ist nicht nur im Durchschnitt, sondern in allen Altersstufen geringer als die der Männer. Die Kurve der Beteiligung steigt nur bis zum 45. Lebensjahre an und sinkt von da ab und insbe­sondere nach 60 Jahren sehr steil ab. Infolgedessen ucgt die durchschnittliche Beteiligung bei Frauen und Mannern am höchsten zwischen 40 und 50 Satiren. (S. Tabelle Sp. 3.) Besonders auffällig ist die geringe Wahlbeteiligung sowohl der iungen Mäd- chcn als auch der jungen Männer. Die viel ver­breitete Auftastung, daß die Erstmaligkeit des Wahl- aktes em Anreiz zur Wahlbeteiligung sei, ist also salsch. ^zm Verhältnis zu der Gesamtbeteiligung ihres Ee schlecht es jedoch wählen die jungen Mäd­chen erheblich reger als die jungen Männer. Die niedrigen Wahldeteiligungsziffern bei den Jugend­lichen schließen natürlich nicht aus, daß die jugend­lichen Nichtwahler bei den verschiedenen Berufs­und Parteigruppen verfchieden hoch sind. Auch für sie ist, ebenso wie für alle Nichtwähler, statistisch erwiesen, daß sie bedeutend stärker den bürger­lichen schichten als der Arbeiterschaft angehören. Das Wahlergebnis vom 20. Mai hat diese Tat­sache ja gan; offensichtlich gemacht.

Die Erge! nisse einer Berechnung über die Frage welche Bedeutung die Jugendlichen innerhalb der Wählerschaft vom 20. Mai dieses Jahres gehabt haben, habe ich im Rahmen einer größeren Un­tersuchung, die das Alter von Wählern und Ge­wählten behandelt, in der neuesten Nummer des „Heimatdienstes" veröffentlicht. Zur besseren Ueber- stcht dieser Ergeln sfe diene zunächst die Tabelle:

möglich.

Wenn wir auch nicht wissen, welche Parteien die Jugendlichen wählen, so läßt sich doch stest- stellcn, welche Bedeutung sie innerhalb der Wäffler- schaft haben und wie stark sie sich an der Wahl überhaupt beteiligen. Das letztere läßt sich durch Auszählungen aus den Wahllisten feststellen. Solche Erhebungen über Wahlbeteiligung, bzw. -enthal- tung nach Altersklassen sind bei einigen Wahlen, gewöhnlich auch getrennt nach Geschlechtern, in verschiedenen Städten und Bezirken vorgenommen worden. Die verschiedenen Ergebnis'e stimmenwest­gehend überein. Eine amtliche Untersuchung in typischen Gegenden des Reiches, die für iwahlen 1924 angestellt wurde und mit aller Wahrscheinlichkeit auch für die letzten Wahlen als zutreffend angesehen werden kann, zeigt, daß die Wahlfreudigkeit be i den 50 bis 55 jährigen Män­nern am höchsten ist. Zwar läßt die Wahlbeteili­gung der Männer in den nächsten Altersstufen nach, doch nehmen immerhin die 65 bis 70 Jahre alten noch regeren Anteil als die Männer von 20 bis 35 Jahren Die 20 bis 25 Jährigen, die bei

wtb. Paris, 18. Juli. (Gig. Funkm.) Wie „Chicago Tribüne" aus Washingwn gemeldet wstd ist man der Ansicht, daß, obwohl das Stacttsdepar-- tement die Sowjetregierung nicht anerkannt hat, ein Weg gefunden werden könne, die Sowjet- Regierung an der Unterzeichnung des Kelloggschen Antikriegspaktes zu be- teiligen, wenn die Frage der Einladung der nicht zu den ursprünglichen Signatarmächten gehörenden Mächte aktuell wird.

Belgiens Zustimmung.

Aus Brüssel wird gemeldet: Außenminister Hy­mans legte dem Ministerrat den Text der belgischen Antwort auf den Kriegsächtungspaktvorschlag des Staatssekretärs Kellogg vor. Die Antwortnote fand die einstimmige Billigung des Kabinetts. Der In­halt entspricht dem der französischen Note. Belgien erklärt sich bereit, den vorgeschlagenen Pakt unter der Bedingung zu unterzeichnen, daß durch diese Unterzeichnung der Völkerbundspakt und di» Locarnoverträge nicht berührt werden.

beiterverbände mit Nachdruck gegen diese „scheuß­liche Mordtat." Der Mörder General Obregons erklärte dem mexikanischen Staatspräsidenten Calles, der ihn persönlich verhörte, es fei nutzlos, ihn zu irgendeinem Geständnis zwin­gen zu wollen. Wenn er entschlossen genug ge­wesen sei, Obregon vor Hunderten seiner Anhän­ger zu töten in dem vollen Bewußtsein, daß dies seinen eigenen Tod bedeute, so sei er jetzt'auch ent­schlossen genug, ni chts auszusagen.

Das wird Calles tun?

wtb. Mexiko, 18. Juli. (Tel.) In einigen Krei- sen wird angenommen, daß Präsident Calles in­folge der Ermordung seines Nachfolgers noch eine weitere Amtsperiode hindurch im Amte verbleiben werde.

$ icherheiksmahnahmen.

wtb. Mexiko, 18. Juli. lEig. Funkm.) Das Militär hat Befehl erhalten, sich in den Kasernen bereit zu halten, um sofort eingreifen zu können, wenn es etwa zu Ruhestörungen kommen sollte. Die Theater- und Kaffeehäuser sind geschlossen, die Presse unterliegt der Zensur.

Nordamerika und der Mord.

wtb. Washington, 18. Juli. (Gig. Funkm.) Die Nachricht der Ermordung des mexikanischen Gene­rals Obregon hat hier tiefeBestürzung her- oorgerufen, und als deren Folge werde erneut eine Spannung in der erst kürzlich wieder in normale Bahnen geleiteten Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und M e x i ko eintreten. Präsident Coolidge und Staatssekretär Kellogg sandten sofort herzlich gehaltene Bei­leidstelegramme an die mexikanische Regie- rung. Die Zeitungen sprechen die Hoffnung aus, Calles werde die Sage in der Hand behalten.

weitere Einzelheiten.

wtb. New gort, 18. Juli. (Gig. Funkm.) Die hiesigen Blätter bringen die Nachrichten über die Grmorbung Obregons mit großen Ueberfchriften und ergänzen den bereits gemeldeten Tatbestand durch weitere Ginzelhesten, in denen der Mörder als ein ärmlich gekleideter bleicher junger Mann beschrieben wird, der sich Obregon in höflicher Weise mit abgenommenem Hut näherte. In dem Hut hatte der Mörder die Schußwaffe verborgen. Gr hatte vorher Teilnehmer an dem Bankett mit rasch skizzierten Karikaturen der Hauptgäste unter­halten, so daß kaum ein Verdacht entstand, als er zu Obregon herantrat.

Volkspartei den Charakter als Krisenpartei eifer­süchtig zu wahren beftrebt ist. Welchem praktischen Zweck soll es denn dienen, wenn Dr. Scholz heute schon wieder dem formellen Zustandekommen der Großen Koalition Schwierigkeiten bereitet. Wie will er denn Geneigtheit für den nun schon zum Ueberdruß angemeldeten, im übrigen ja von keiner Seite bestrittenen volksparteilichen Anspruch auf Umbildung der preußischen Regierung verlangen, während er andererseits die Frage offen läßt, ob die Deutsche Volkspartei überhaupt eine große Koa­lition im Reiche offen und ehrlich mitmacht? — Im übrigen dient man unseres Erachtens der Sache nicht dadurch, daß man jetzt in dem Stadium, in dem die Regierung ihre Vorarbeiten für die sehr schwierige gesetzgeberische Tätigkeit für Herbst und Winter trifft, sich noch mehr distanziert, als es

wtb. Nom, 18. Juli. (Gig. Funkm.). Nach Nachrichten, die die italienische Presse verbreitet, wird die Beisetzung Giolittis bereits heute nach­mittag stattfinden. Ein Schreiben, das den letzten Willen des Verstorbenen enthält, spricht ausdrück­lich den Wunsch aus, daß die Beerdigung i n aller Stille vorgenommen werden soll. Der Premierminister beauftragte den Senator Luigi Facta, ihn bei den Beisetzungsfeierlichkeiten zu ver- treten. Auch der Senat und die Kammer werden Delegattonen entsenden. Der König und die nigliche Familie haben der Familie Giolitti herzliches Beileidstelegramm übersandt.

Der alte Herold.

Von Johannes Blum, M. d. R.

„Das Aller ist eine Ghrenkrone; auf dem Weg« der Gerechtigkeit wird sie gefunden."

Gine Krone der Gerechtigkeit hat Landesökono, mierat Herold sich erarbeitet und verdient.

Gin ganzes langes Menschenleben hat Herold im Dienste der großen Parole Dienst am Vaterlaude gestanden; dafür hat er mit Mannesmut und Ge­schick feine reidjen Talente, alle seine Kräfte ein­gesetzt.

Man steht mit Bewunderung vor einer solchen Lebensleistung, ausgefüllt mit hingebender, viel­seitiger, unermüdlicher, selbstloser Arbeit im Inte­resse von Volk und Vaterland.

Ist Herold in erster Linie Standes-Bauernpoli- ttker oder ist er als Allgemeinpolitiker zu bezeich­nen? Wen man die lange Reihe der großen land­wirtschaftlichen Vereine, Verbände, Genossenschaf­ten zählt, deren Vorsitzender er lange Jahre war, deren Ghrendirektor er noch ist, bann weiter fest­stellt ,in wie vielen landwirtschaftlichen Zeniral- vertretungen er noch tätig ist, könnte man Herold wohl als Fach-, als Bauernvertreter bezeichnen. Das umsomehr, als er seit 1898 als Mitglied des Reichstages, seit 1889 als Mitglied des Preußischen Landtages in den Plenarverhandlungen, nament­lich aber in den Kommissionen wohl an allen wich- tigen landwirtschaftlichen Fragen in bestimmender und fachkundiger Mitarbeit beteiligt gewesen ist.

Aber trotz allem diesen ist Herold in erster Li­nie als Allgemein - Politiker zu bezeichnen.

Herold ist der abgesagte Feind aller p e r s ö n. I i ch e n R e k l a m e. Die politische Personal-Re- klame kann man als erlaubt, ja sogar dann als er» wünscht bezeichnen, wenn dadurch die vertretene Sache gewinnt. Aber Herold verschmäht diese Re- flame ganz und gar. Das zur Grflärung dafür, daß man in weiten Kreisen des Landes wohl die Bedeutung von Herold schätzt, aber nicht die Summe aller Arbeiten kennt, die er geleistet hat. Herold ist Allgemein-Politiker.

Gr hat in hervorragender Weile die Gabe einer klaren Grfaffung jedweder politischen Lage, dazu einen scharfen Blick für parlamentarische Mög­lichkeiten. Wenn man. die Politik die Kunst des Möglichen nennt, verfügt er über diese Kunst in hohem Maße.

Diese hervorragende Betätigung und Ginftefiung in der Allgemeinpolitik befähigte ihn umsomehr, di« besonderen Interessen der Landwirtschaft zu ver*

„Mit Hilfe der Ergebnisse der Bevölkerungs- ;"ülung von 1925 ist die Alterszusammensetzung , wayisahl^xn Bevölkerung ermittelt worden. (Tabelle Spalte 1 und 2.) Von Stufe zu Stufe nimmt tue Anzahl der Wahlberechtigten ab. In der ersten Gruppe find es 15,4 Proz. ober 6360000, in der siebenten (50-55 Jahre) nur noch 8,2 ^03. ober 3 387 000. Don den 688 möglichen Mandaten (41300000 Stimmen dividiert durch 60 000) hatten die 20 bis 25 Jährigen 106, die 25 bis 30 fahrigen 92, die 30 bis 35 Jährigen 78

Aus Mexiko wird gemeldet, daß der als Nach­folger Calles zum Präsidenten von Calles selbst er­hobene General Obregon ermordet worden ist. Calles betrachtete Obregon als seinen engsten Freund und erblickte in diesem eine Gewähr für die Fortsetzung seiner Politik.

Gs liegen folgende weitere Frühmeldungen über die verhängnisvolle Tat vor:

Der Hergang des Attentats.

wtb. Mexiko, 18. Juli. (Tel.) Obregon hatte sich nach San Angel begeben, um an einem ihm zu Ghren in Labomoilla-Restaurant veran­stalteten Bankett teilzunehmen. Als er an der Tafel saß, näherte sich ihm der in den zwanziger Jahren stehende Jean Gscapulario, angeb­lich, um Obregon Zeitungs-Karikaturen zu zei­gen, und feuerte bann aus 30 Zentimeter Gaffer« rtung aus einer 4,5 Millimeter Pistole.

wtb. Mexiko. 18. Juli. (Tel.) Obregon war erst am Mittag von feinem Heim in Sonora nach Mexiko Gitn zurückgekehrt, wo er eine der größten politischen Kundgebungen der letzten Jahre leitete. Gr hatte gestern abend Pressevertretern erklärt, er werde voraussichtlich vor Antritt der Präsident­schaft am 1. Dezember eine Reise nach den Vereinigten Staaten antreten. Nach ei­ner Mitteilung aus dem Hauptquartiers Obregons ist Obregon unmittelbar nach dem Attentat seinen Verletzungen erlegen. Aus Obregon waren bereits in den teilten Monaten verschiedene Attentate verübt worden. San Angel liegt 12 Meilen südlich von der Stadt Mexiko.

Der Mörder.

wtb. Mexiko, 18. Juli. (Tel.) Der Mörder Obregons wurde sofort nach der Tat verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Ueber die Einzelheiten des Attentats herrscht noch keine Klarheit. Obre­gons Leiche wurde anscheinend heimlich nach seiner Wohnung in der Stobt Mexiko gebracht, wo sich nachmittags eine große Menschenmenge anfam- melte. Polizei und Soldaten sperrten die Straße in der Umgegend des Wohnhauses ab. Nieman­dem wird der Zutritt gestattet, nicht einmal Be­amten.

wtb. Mexiko, 18. Juli. (Gig. Funkm.) Die Leiche des Generals Obregons wurde einbalsa­miert. Man beabsichtigt, die Bestattungsfeierllch- feiten für Obregon und den Flieger Carranza zu­sammen zu legen. Der G x e k u t i v a u s s ch u ß der Arbeiterpartei unter dem Vorsitz von Souis Morones, der ein politischer Gegner Obregons ist, protestierte im Namen der Ar-

Mandate, zusammen 276 Mandate, bilden können. Die 20 bis 40 Jährigen stellten die Stimmberech­tigten für 350 Abgeordnete, die 20 bis 50 Jähri­gen nie Stimmen für 433, bie über 50 fahrigen 147 Abgeordnete. Gs interessiert aber festzustellen, wieviel Mandate von den verschiedenen Alters­stufen tatsächlich gebildet worden sind. Das bedeu­tet, daß die verschiedene Wahlbeteiligung der Alters­stufen berücksichtigt werden muß. Da wir die durchschnittliche Wahlbeteiligung von 75,4 Prozent für bie letzten Wahlen und auch, wie oben wieder- gegeben, die Wahlbeteiligung der verschiedenen Al­tersstufen zueinander kennen und ihre annähernde Gültigkeit auch für die letzten Wahlen annehmen können, so läßt sich die Verteilung der Wahlberech­tigten für die letzten Wahlen erreichen (Spalte 3) und damit die Verteilung der von den einzelnen Altersklassen gebildeten Mandate feststellen. (Spalte 4 '^Gruppe der 20—25 Jährigen umfaßt in der Hauptsache Erstwähler. Es ist dies die erste Nachkrieqsgeneratlon (geboren 1904—1908, also 1918 aleich 10—14 Jahre alt). Sie hat 72 Abgeordnete gebildet und damit einen Einfluß ausgeübt, der etwa der Stärke der Deutschnationalen Partei gleichkommt. Ihre Anzahl ist weiterhin ebenso groß wie die der 50 bis 55 und der 55 bis 60 Jährigen zusammen. Bei der nächsten Wahl im Jahre 1932 werden ein Viertel bis ein Drittel aller Mandate durch ihre Stimme mit den hinzu komm en­den Neuwählern hervorgebracht werden. Die Gruppe der 20 bis 30 Jährigen zeigt einen Prozentsatz von 28,1 Prozent. 137 Mandate fallen auf. bie von ihnen abgegebenen Stimmen, also säst eine Zahl, die der stärksten 'Reichstagsfraktion nahekommt. Diese Altersgruppe umfaßt die Jahrgänge von 1899 bis 1908, also im wesentlichen von den männlichen Wählern diejenigen, die nicht mehr zum Kriegs- dicnst eingezogen worden sind. Das politische Leben der Vorkriegszeit hat nicht mehr in ihrem Erleb­nisbereich gelegen, da sie 1914 bestenfalls 15 Jahre

Bevölkerung über

Wahi-

Verteilung der

20 Jahren

beteiliyung

gebtib.

Mandate

%

in 1000

->/»

%

1

2

3

4

5

10-25

15,4

6 360

73,0

14.9

72

25-30

13,3

5 493

74,4

13,2

65

30—35

11,4

4 708

76,1

11,5

56

35—40

10,8

4466

77,2

11,1

54

40—45

9,9

41 89

78.5

10,3

51

45—50

9,7

4 006

78,3

10,1

50

50—55

8.2

3 3'7

77,4

8,8

43

55—60

6,9

2850

76,9

7,0

34

60—65

5,5

2 272

74,1

5,4

27

61—70

4,1

1693

70,7

3,9

19

UDCi/O 43

1982

59,8

3,8

19

ins-e- samt

100,0

41300

75,4

100,0

490