Die gut wettete Koche gehört zum behaglichen Heun
Vollständige Kfidienaeeetattwagee hauewrrtsdiaftKdie Maschinen, Nidel«, Tafel- und Kochgeschirre, Beatecke, Meaeiagwarea, Refr end
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ALEMMa
Fuldaer Zeitung
Rund um die Woche
Aufgaben der Kultur und des öffentlichen
Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer,
Polnische Wirtschaft. - Die peinliche Nobileaffäre. - Studentinnen und Sport. Helvenideal der Zukunft.
J\ß (62.
Sonntag, den 15. Juli 1928
2. Blatt.
+$+* Druck der Fuldaer Acttendruckerei, Fulda
Lebens kümmert.
Soll ich nun noch von General N o b i I e er- zählen, der schon früher, als er in der internationalen Kommission saß, durch seine nicht gerade große Deutschfreundlichkeit ausgefallen ist? Hat denn der Mann überhaupt kein Gefühl mehr für die einfachsten Forderungen des Taktes? Weiß er nicht, daß die ganze Meute der Kirchenfeinde nur darauf wartet, wieder einmal den Papst und das Kreuz in Verbindung mit Krieg und Imperialismus zu sehen? Wir haben Nobile freundlich ausgenommen und nun sagt er uns zum Dank, daß er ausgefahrcn ist, um den Eintritt Italiens in das Völkermorden zu feiern. Alle Welt feiert in jedem Flieger, der von Kontinent zu Kontinent gelangt, die große Idee des Friedens. Der einzige aber, der das Kreuz in der Hand trägt und sich in blühender Sprache auf die Vorsehung Gottes beruft, verewigt den Haß!!! Wahrhaftig, des Menschen Feinde sind seine Hausgenossen, und niemand schadet dem Christentum heute mehr, als derlei „Christen". Die Kinder dieser Welt sind klüger in ihrer Art als die Kinder des Lichtes ... Es ist eine traurige Sache — und man versteht die Rache der Natur, die den ewigen Frieden ihres noch jungfräulichen Landes alfo geschändet sieht — im Zeichen des Erlösers . . .
Lohnt es sich, noch über den Schachtyprozeß zu sprechen und darüber, daß es mit Sowejtrußland nun bald zu Ende geht? Oder über den Locarnogeist in Deutschland und die Luftmanöver in England auf dem Flugplaß vor den Toren Londons? Es war ein gewaltiges Schauspiel, da der König, umbraust von der Nationalhymne, mit anschaute. Erst wurden die „feindlichen" Flieger zurückgewie- sen, wobei zwei ihrer Flugzeuge in Flammen aufgingen. Dann warf man Bomben ab aus eine Reihe künstlich erbauter Oeltürme, die ebenfalls in einen Rauchmantel gehüllt wurden. Es war die kommende Schlacht bei Datum. Dann schossen einzelne Flieger wie Habichte in die Tiefe, wieder hinauf, zogen herrliche Kreise, vereinigten sich mit Dutzenden von Maschinen zu gemeinsamer Attacke über den Köpfen der Hunderttausende, und alles brüllte Beifall. Das alles im Zeichen des Kellogg. Paktes. Oder soll ich reden von der Rheinlandräumung oder den Vorgängen an der Löwener Universität? Wie wenig haben doch alle Friedensreden gefruchtet und wie wenig lernen die Menschen überhaupt aus Reden und Worten. Nein, ich will diese obere Welt der Diplomaten und des ganzen verlogenen Plunders verlassen und starte nächstens nach Amerika. Wenns die Italiener schon fertig bringen, ist es gewiß kein Kunststück mehr. Nachher feiere ich dann in Amerika Empfänge. Lasse mich in hundert Städten begrüßen, wobei ich mich jedesmal in die Heldenbrust werfe. Wenns drüben vorbei ist, dann kehre ich nach Deutschland zurück und rede ebenfalls in jeder Stadt, die mir 20 000 Reichsmark dafür gibt, nebst Festessen. Oberbürgermeister oder gar Minister werden mich empfangen. Ganze Städte werden mit den Hüten schwenken. Die lieblichsten Frauen werden mir die Hand geben. Für einen Augenblick wird Deutschland seinen Siegfried grüßen, der den Kampf mit dem Drachen bestanden hat. Unsere Zukunft schwimmt in der Lust.
Noch etwas Freudiges zum Schluß. Man soll den Mut nicht verlieren. In diesen wirren Zei»
Bei allem Elend, die Welt bleibt doch immer interessant. Es gibt auch noch Kraft und unverfälschte Natur. Man höre und staune: Die vier letzten Bürgermeister von Quedeck, der Hauptstadt Französisch-Kanadas, haben allein 72 Kinder hinterlassen, und zwar der erste 20, der zweite 17, der dritte 13 und der vierte 22. Die amerikanische Zeitung, die das berichtet, erblickt darin ein schönes Zeichen von Vitalität, die ihre Quellen in einem lebendigen Christentum habe . . . Nun ja, ein unbedingt sicherer Maßstab ist es im Einzelfalle ja nicht, aber immerhin: Frömmigkeit ist zu allem nützlich, meint der Voksmund. Jedenfalls hatten diese Bürgermeister Sinn für kinderreiche Familie und ihre Wohnungsnot... Es sprechen auch allerlei Zeichen dafür, daß wir in Europa Zu etwas naturhafteren Sitten wieder Heimfinden. Hat nicht Pilfudski ein Interview über sein Parlament gegeben, das an erfrischender Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt? Es gibt einen polnischen Schriftsteller, der in alten Tagen schon schrieb, „es habe Gott den Polen unter anderm die Aufgabe bestimmt, daß sie ihn ergötzten und erfreuten. Und so ergötzt und freut sich Gott, wenn er aus dem Himmel' auf die Reichs- und Landtage schaut, aufs höchste". Er sprach natürlich von Polen und keineswegs etwa von uns, die wir viel ernstere und vernünftigere Leute sind. Ein erfahrenner Pole sagte mir einmal: „Unser Volk ist fromm. Es ist immerfort bereit, an ein Wunder zu glauben. Und darum regiert man bei uns so, daß es nur wie durch ein Wunder gut gehen kann. Ans Frömmigkeit, verstehen Sie? Damit man das Wunder immerfort vor feinen Augen hat!"
Weil Polen, Litauen und die ganze Dftfrage in der nächsten Zeit die europäische Politik sehr beschäftigen werden, so fei hier aufmerksam gemacht auf ein sehr wertvolles Buch Poniatowski von Forst-Battaglia. Man versteht sofort die polnische Gegenwart, wenn man die polnische Geschichte kennt. Es liegt da eine große europäische Schuld vor, und zwar zum ersten Mal werden in diesem wertvollen Werk die Worte Maria Theresias wie- bergegeben, die sie nach der ersten Teilung Polens niedergeschrieben hat: „Ich kann diesen Antrag nicht genug bedauern und muß bekennen, daß mich sehen zu lassen schäme ... im gegenwärtigen Fall, wo nicht allein das Recht auf meiner Seiten nicht vorhanden, sondern Verbindlichkeiten, Recht und Billigkeit wider mich streitet, bleibet mir keine Ruhe, vielmehr Unruhe und Vorwürfe eines Herzens übrig, so niemalens jemanden oder sich selbst zu betäuben oder Dublizitcst für Aufrichtigkeit gel. tend zu machen gewöhnet war. Treu und Glauben ist für alle Zeit verloren." Das ist die Stimme einer der edelsten deutschen Frauen, die je einen Kaiserthron geziert haben. Verhängnisvoll war für Polen auch, daß die Bildung in der Form der heidnischen Aufklärung ins Land kam und daß von ihr nur die obersten Schichten ergriffen wurden. Das gemeine Volk und der Bauer blieben bis in die Neuzeit auf niederster Kulturstufe, und der kleine Adel zog immer jene „farmatische" Freiheit vor, die jeder ordnenden Gesetzgebung widerstrebte und sich in Worten äußerte, rote etwa: „Ich ziehe vor, daß mich jener Misthaufen anftinfe, statt daß mich jemand zwinge, ihn wegzuführen." Es ist ein tragischer Fall aus dem Kapitel eines Christentums, das sich Zu wenig um die
ten, mitten in dem Babel einer vom Urgrund der ewigen Wahrheiten abgetriebenen Menschhert trifft man immer noch Gruppen und Persönlichkeiten, die man mit neuer Kraft in der Seele verlas. Da waren neulich ein paar Studentinnen. Frtsch, gesund, blühend, munter, alles, was man nur wünschen kann. Ihre Ansichten waren vernünftig und ihr Wesen ernst. Man hatte das Baby sein mögen, das von solcher Art Müttern emmal erzogen würde. Nun wohl, es hatten diese Stichentinnen eine Ruderpartte mitgemacht. Mehr noch, sie waren fleißig in die Sportschule gegangen Vielleicht hatten sie im Anfang -in wenig ubertrwben, aber gewiß dann die richtige Mitte gesunden. Cie hatten weder Frömmigkeit noch gute Sitte ver koren, obwohl die Kostüme beim Rudern doch eine gewisse Grenze haben — sie gingen mit diesen Kostümen ja auch nicht in die Vorlesungen!
Ich dachte mir nur, wie viel glücklicher das Los dieser Gesunden sei, als jenes so mancher unverbesserlichen Quisel, die in Ermangelung des erfrischenden Sportes über die Fehler ihrer christlichen Nachbarn spricht und statt mit demNude ins frische Wasser, mit der Zunge tn schlammigen Skandalen herumiährt. Ein gefunber ©mn m einem gesunden Körper, das '^me wichtige Sache^ Ein gewissermaßen eisernes Geschlecht kommt da hoch, und es wird einmal em verkommenes Jahr hundert in die Schranken fordern.
Der Monn im Monde.
Radio-Programm.
Sonntag, den 15. 3ulL
g__q Moraenfeier. 11—11.30: Die Eiterns! 12
bis 13 (12__1): Literarisch-musikalische Mittag: be.
13 (1): Zehnminutendienst der' Landwirtschaftskammer Wiesbaden. 14 (2): Don Hamburg: Funkhelnzelmann- Singstunde. 15-10 (3-4): Vom Nürburgring (Köln. Rennen um den Großen Preis von Deutschland für Sportwagen. 16—17 (4-5): ®ie <5tunbe der Jugend. 17—18 ((5-6): Konzert des Rundfunkorchesters. 18 bis ig (6—7): Stunde des Rhein-Maimschen Verbandes für Volksbildung: „Volkslieder der Heimat", Vortrag von Otto Stückrath, Biebrich. - Lieder, gesungen von Lotte Cohn. 19-19.45 (7—7.45): Führung durch den Zoo. Septilienhaus. — Führung: Dr. Kurt Priernel. — Spre- cher: Dr. Paul Laven. 19.45—20 (7.45—-8): ^Einführung in die nachfolgenden Opernaufführungen. 20 (8): Von Baden-Baden (nach Berlin, Stuttgart, Köln): Kammer- opern. 1. „Saul"; 2. „Tuba Mirum"; 3. „In zehn Mi- nuten*- 4. „Der Held". Anschließend: Sportnachrichten. Daraus bis 0.30: Von Berlin: Tanzmusik. . <
Montag, den IS. 3nst. -*
16.30—17.45 (4.30-5.45): Konzert des Rundfunk- orchesters: Spielopern. 17.45—18.05 (5.45 6.05): Die Lesestunde. 18.15-18.30 (6.15-6.30): Deremsnachrlch- ten und andere Mitteilungen. 18.30—19 (6.30—7): Funk- Hochschule. 19-19.30 (7-7.30): Stunde des Kultur- kartells der modernen Arbeiterbewegung: „Bernhard Shaw als Gefellschastskritiker", Vortrag von Professor Hillmann. 19.30-19.45 (7.30-7.45): Englische Literatur- proben, vorgetragen von Johanna Meuschke. 20.15 bis 21.15 (8.15—9.15): Konzert. 21.15 (9.15): Frankfurter Liebhaber-Dichtungen. Ausführende: Lene Oberweyer und Hans Rerking, beide vom Frankfurter Schauspiel- haus. Anschließend: Schallplatten-Konzett. Blas-Musik.
wie wird das Wetter?
Heber Mitetleuropa ist es zur Ausbildung einer sehr flachen Tiefdruckstörung gekommen. Sehr wahrscheinlich wird sie sich bald wieder ausgleichen, sodaß ein Wetter- umschlag nicht zu erwarten ist. Rur vorübergehend kommt es vereinzelt zu Gewittertätigkeit.
Witterungsaussichten für Sonntag: Zunächst leint wesentliche Aenderung.
Zentrum und Amnestie.
Namens der Zenirumsfraktivn gab bei der Debatte über bas Amnestiegesetz ber Abgeorbnete Wegmann folgende Erklärung ab:
Die .Zentrumspartei hat von jeher den Standpunkt vertreten, daß in kurzen Zeitabstanden sich wiederholende Amnestien, d. h. allgemeine Straferlasse verbunden mit Niederschlagung schwebender Verfahren und Verzicht auf Strafverfolgung noch nicht zur Anzeige gekommener strafbarer Handlungen schweren Bedenken begegnen. Sie erschüttern das Nechtsbewußtsein im Volke, weil solche allgemeinen Gnadenakte unterschiedslos Würdige und Unwürdige treffen und keine Rücksicht nehmen auf die Interessen der durch die Straftaten Verletzten. Sie untergraben auch eine geordnete Rechtspflege.
Seit Ausgang des Krieges sind bisher nicht weniger als vier Amnestien erlassen worden, 1918 durch den Rat der Volksbeauftragten, 1920 anläßlich des Kapp-Putsches, 1922 anläßlich bes Ra- thenau-Mordes, 1925 anläßlich der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten. Allein die letztere hat in Verbindung mit der Amnestie der Länder in nicht weniger als 29 000 Fällen Straferlaß ober Niederschlagung zur Folge gehabt. Nebenher gehen ununterbrochen die Einzelbegnabigungen im Reich und in den Ländern. Es heißt also die Dinge geradezu auf ben Kopf stellen, wenn man von einer Hartherzigkeit ber Republik gegenüber straffällig Gewordenen insbesondere gegenüber politischen Verbrecher redet.
Angesichts dieser Tatfache hätte die Zentrumsfraktion es für richtig gehalten, wenn man dem Gedanken einer allgemeinen Amnestie jetzt nicht näher getreten wäre, zumal es auch an einem ausreichenden äußeren Anlaß fehlt. Nachdem aber feit längerer Zeit große Parteien auf ber Linken wie auf der Rechten in wiederholten Anträgen eine Amnestie für politische Straftaten propagieren und damit bei zahlreichen Gefangenen und deren Angehörigen Hoffnungen erweckt haben, lag es im Interesse ber politischen Beruhigung, daß diese Angelegenheit bereinigt wurde. Schließlich mochte es auch an der Zeit sein, vor allem unter die politischen Straftaten ber hinter uns liegenden schweren Jahre mit all ihren Irrungen und Wirrungen einen Schlußstrich zu machen, zumal bie Republik so gefestigt ist, daß sie unbedenklich gegenüber ihren Widersachern Großmut üben darf.
Die Zentrumsfraktion hat deshalb noch einmal ihre schweren grundsätzlichen Bedenken zurückge- stellt. Sie hat sich bei den Beratungen von dem Gedanken leiten lassen, daß eine wirkliche politische Beruhigung auf diesem Gebiet nur dann erzielt werden könne, wenn bie Amnestie sich nicht einseitig nur nach links ober nur nach rechts, sondern möglichst gleichmäßig nach beiden Seiten auswirken würde. Sie hat deshalb entscheidenden Wert daraus gelegt, daß für die Vorlage eine ganz breite
Kaiser-Karls-Bad Lunge
in Bad Lippsprinqe
Basis gefunden werbe. Die Ausschußberatungen haben eine Einheitsfront von den Kommunisten bis zu den Deutschnationalen ergeben.
Die Zentrumsfraktion will aber keinen Zweifel darüber lassen, daß diese Amnestie auf lange Zeit die letzte fein muß, soll nicht die deutsche Rechtspflege und damit die deutsche Republik schwersten Schaden leiden. Sie wird sich etwaigen Versuchen nach weiteren Amnestien nachdrücklichst widersetzen.
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Das heilige Recht.
Roman von Emil Frank.
23] ---------
Gegen Mittag nahm die Schwüle überraschend zu. Die Sonne, die in den ersten Morgenstunden gleich einer goldenen Scheibe im klaren Himmelsraum gestanden hatte, sandte chre matten Strahlen durch milchige Schwaden. Die Lust schien zu fiteren und zu flimmern. Aus weiter Ferne grollte es hie und da dumpf ’tuf, als ginge em banges Stöhnen durch die Natur. Vttk fühlte den erschlaffenden Einfluß dieser schwülen Hitze immer mehr. In Strömen rann der Schweiß Über seien glühend heißen Körper. Längst hatte er die Joppe geöffnet, den Hut abgenommen. Larsson aber tat, als wäre er gegen diese sengende Glut völlig unempfindlich. Wie gerne hätte Erik eine kurze Rast vorgeschlagen, aber er schämte sich vor dem alten Manne, der so rüstig den beschwerlichen Weg weiter- ging. Nur hielt er sich jetzt ein wenig mehr an seiner Seite und unterbrach die lastende Stille hie und da durch irgend eine belanglose Bemerkung.
Sie hatten eine flachwellige Hochebene erreicht. Aus dem dunklen Föhrenwald schlug ihnen eine Welle starken Harzduftes entgegen. Lars Larsson blieb stehen und piüfte den Himmel. Dann meinte er gelassen: •'UÜrs erste brauchen wir den Ausbruch des Gewitters ^scht zu fürchten. Es wäre gut, wenn wir noch eine ttretfe weiter gingen. Sind wir erst durch das Unwetter zu längerem Verweilen gezwungen, so errei- -its rott 1)03 Ziel dieser Wanderung heute nicht mehr. Und es wäre doch schade um die aufgewandte Mühe."
Cm widersprach nicht, obgleich er sich nur noch mu*am weiterschleppte. Von den Knechten des Pächters war nichts mchr zu sehen. Je weiter sie gingen desto merkwürdiger veränderte sich Laißsons Gesicht. Es schien, als ob er in sich hineinlauschte, ober auch den Dingen seiner Umgebung schenkte er volle Aufmerksamkeit. Das gab seinen Zügen etwas Gespanntes. Seine Augen schienen sich zu weiten.
Der Wald hatte zwar Schatten, aber keine Kühlung beschert. Jetzt gingen sie wieder auf stell ansteigenden Wegen zwiirben niedrigem Fichtengestrüpp weiter. Erik
(Fortsetzung folgt.)
kranken? Redete er nicht wieder wirres Zeug vor sich hin?
„Dort steht ert* hotte er Larsson mit tonloser Stimm« sprechen; „er wartet auf uns ,auf mich! Hier an der Stelle geschah es! Da stürzte er! Und nun ist er gekommen, um mich daran zu erinnern!"
Erik raffte allen seinen Mut zusammen und trat ganz dicht an den Allen heran. Mühsam unterdrückte er die fieberhafte Erregung. So ruhig als mögNch fragte er; „Meinen Sie meinen Vater, Herr Larsion?"
„Wen beim sonst? Durch all die Stunden haste ich auf ihn gewartet! Er begegnet mir ja sonst auch unten im Tale. Aber bisher erschien er mir nur bes Nachts. Heute erwartete ich ihn hn Lichte des Tages. Und nun ist er da!" Noch immer stand er mit gereckter Hand da und wies auf etwas, was Erik nicht sah. Die Knechte waren weiter gegangen. Erik legte seine Hand auf Larssons Schuller und sagte fest: „Erzählen Sie mir alles, was Sie über ben Tod meines Vaters wissen! Es ist mehr, als ich bisher ahnte!"
Der Alte zuckte bei diesen Worten zusammen, und ein schmerzhaftes Stöhnen entrang sich seiner keuchenden Brust. Jäh wandte er sich um, schaute Erik fest an und erwiderte leise: Glauben Sie denn nicht, daß ich mit tausend Freuden reden würde, gehörte dieses Geheimnis nur mir? Aber der Tote kennt es und noch einer!"
Schaff unterbrach ihn Ettk: „Sie meinen Bengt Sjöberg."
Larsion duckte scheu zusammen . Aber seine Lippen preßten sich trotzig aufeinander. Geraume Zeit herrschte zwischen den beiden ungleichen Männern lastendes Schweigen. Immer wieder dachte Erik: „Du muht dem Alten das Geheimnis entreißen, und wäre es noch so schauerlich und erschütternd! Und hätte er zehnmal Schuld auf sich geloben! Du willst dich ja nicht rächen, denn damit nützest du keinem. Aber vielleicht erfährst du hier endlich, warum Bengt Sjöberg sich hindernd zwischen dich und Jngeborg stellt! Du hast die heilige Pflickt. für Jngeborgs und für dein Glück mit allen erlaubten - jr zu kämpfen."
fühlte, daß seine Knie einknickten. Fester stützte er sich auf seinen Stock. Immer öfter fuhr er mit dem nassen Tuch über die Stirn. Die Hitze hatte seinen Gaumen völlig ausgedörrt. Heimlich entnahm er feiner Feldflasche einen Schluck kalten Tee, der ihn wunderbar erfrischte. Aber die neu gewonnene Kraft reichte nicht weit.
Jetzt war er es, der immer wieder zurückblieb, ohne daß Larsson es zu bemerken schien. Dann aber straffte er sich und suchte feinen Begleiter einzuholen. Die dicke Schicht trockener Fichtennadeln dämpfte feine Schritte. Als er hinter dem Alten einherging, hätte er deutlich, wie dieser mit sich sprach: „Es ist alles genau so wie damals vor zwanzig Jahren. Nur der Ausgang wird anders fein! Heute bin ich ja kein verblendeter Narr, sondern ein armer Büßer!"
Erschrocken blieb Erik stehen. Was schwatzte der Alte da? Bezog sich das etwa auf den Unglücksfall seines Vaters? Larsson sollte ihn ja bei dem Ausflüge begleitet haben.
Unwillig schüttelte Ettk Dahlgren diese widersinnigen Gedanken, die ihn so plötzlich mit aller Gewalt angefallen hatten, von sich ab. Hier war die Natur anders, und die Menschen entsprachen einigermaßen der Umwelt, in der sie lebten: ein wenig versonnen und sonderbar waren sie wohl alle. Unter einer rauhen Hülle aber verbargen sie ein weiches, goldtreues Herz. Und Lars Larsson war wie die Verkörperung dieses schönen, urgesunden Menschenschlages, und feine Seltsamkeiten waren eben durch das hohe Alter noch gesteigert worden. Das kam in fei-- nem Wesen, in seinem Reden zum Ausdruck, war aber sicher ganz harmlos.
Wie versteinerte Ungetüme der Vorzeit reckten sich zu beiden Seiten des Weges granitne Felsenmassen auf. Ser Pfad wurde immer schmäler und fiel an einzelnen Stellen steil ab. Ein fauchender Wind fuhr durch die Felsengänge und drückte die müden Wanderer nahe an ben Abgrund. Erschöpft sank Ettk gegen eine Felsklippe und meinte stöhnend: „Wollen wir nicht hier ein wenig rasten? Wir wären doch zum wenigsten etwas geschützt. Können Sie die Knechte nicht rufen?"
Das Gesicht des Alten schien zur Maske versteinert zu sein. Wie stählerne Klingen feuchteten leine Blicke und -
hingen mit einer erbarmungslosen Schärfe in Eriks Gesicht. Oder schien ihm das alles nur so?
Dumpf gab Lars Larsion zur Antwort: „Es tut mir leid, Herr Dahlgren, aber wir müssen noch ein Stückchen weiter. Das vorläufige Ziel unserer Wanderung ist gar nicht mehr so weit entfernt. So lange es noch trocken ist, können wir es am leichtesten erreichen. Aus dem nassen Gestein gleitet man leicht aus."
Je länger er sprach, desto freundlicher klang feine Stimme. Die Worte schienen von reiner Teilnahme diktiert zu sein, und auch das Gesicht hatte sich entspannt. Seufzend raffte Ettk sich auf und wankte hinter dem Alten drein. So mühsam hatte er sich diese Wanderung doch nicht gedacht. Bei einer Wegbiegung sah er die beiden Knechte, die wohl auch ein wenig geruht haben mochten. Erik fühlte sich seltsam erleichtert Jett er nicht mehr ganz allein mit Larsson war. Einen Augenblick hatte er bas beklommene Gefühl nicht unterboten können, als drohe ihm von dem Alten irgend eine Gefahr. Jetzt lächelte er über diese Torheit, die ganz gewiß nur der Ausfluß seiner wachsenden Schwäche war.
Wieder gingen sie geraume Zeit schweigend weiter. Dann traten sie auf einen schmalen Pfad. Zu beiden Seiten fiel bas Gelänbe so steil ab, daß Erik für einen Moment die Augen schloß, weil er fürchtete, ber Schwindel könnte ihn anfallen und ihn in bie gähnende Tiefe schleudern. Kein Baum, kein Strand) war in der Nähe zu sehen. So weit das Auge reichte, schimmette das graue Felsgestein in dem flirrenden Licht. Die Lust hing bleischwer über der zerklüfteten Landschaft. Kein Windhauch brachte die ersehnte Kühlung..
Ettk Dahlgren wanderte als letzter und schaute auf die gleichmäßigen Beinbewegungen Larssons, ber unmittelbar vor ihm ging. Plötzlich blieb ber Alte stehen und beschattete mit ber großen Hand bie Augen. Ein seltsames Zucken arbeitete in seinem zerfurchten Gesicht. Der Ausbruck furchtbaren Erschreckens spiegelte sich deutlich barin wieber. Bebend hob er die Linke empor und wies irgdenwohin in bie Ferne. Doch Erik erblickte außer ben zerklüfteten Felsen nicht bas minbefte.
Wieber kroch ihn bas Grauen an, bas er heute in ber Nähe bes wunderlichen Alten schno mehrfach gefühlt hatte. Machte Larsion nicht ben Eindruck eines Geistes
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SCHULZ