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Sozial- und Lohnpolitik nicht gegen Me Wirt­schaft machen kann, und daß das Steuerauflom- men, aus dem die für die Sozialpolitik erforderli­chen Mittel gedeckt werden, von der wirtschaftlichen Lage abhängig ist. Schiedssprüche in der Aera Brauns brachten, wenn man die sozialistische Presse hört, stets zu schlechte Ergebnisse für die Arbeitnehmer. Schiedssprüche aus der Äera Wis» fell aber werden von der wirtschaftlichen Lage aus zu beurteilen sein.

Da ist allerdings verständlich, wenn auch dem „Vorwärts" die wirtschaftliche Lage und die Kri­senmöglichkeit von „wesentlicher" Bedeutung er­scheint. Wirtschaftskrisen sind weder wünschens- wert noch interessant. Ihre traurigen Folgen bleiben sich immer gleich. Eins aber wäre doch in­teressant, die Stellungnahme der sozialistischen Presse zu den von einem der ihrigen gesällten, auch den wirtschaftlichen Gegebenheiten Rechnung tragenden Schiedssprüchen in einer Zeit iwrtschaftlicher Krise. Vielleicht bekommt sie dann mal das notwendige Verständnis für die Verantwortung, die i e d e r Reichsarbeitsminister nicht nur ein sozialistischer trägt und dafür^daß die so schwierigen sozial-politischen Probleme nicht mit agitatorischen Reden, Versammlungen und Auf­sätzen gelöst werden können.

Die verwaltungreform.

Das Reichskabinett befaßte sich in eingehender Aussprache mit der Verfasiungs- und Verwaltungs- refonn. Auf der Grundlage der Beschlüsse der Länderkonserenz bestimmte die Reichsregierung den Reichsminister des Innern als diefenige Stelle, die zur Herbeiführung von Vereinbarungen über das Aufgehen kleinerer Länder in Nachbarländer so­wie für die Auslösung von Enklaven und Exklaven in enger Fühlungnahme mit den Ländern anre­gend, vermittelnd und auf Anruf der Deteilid- ten als Schiedsinstanz zuständig fein soll. Da die Berichte der vom Verfassungsreformausschuß der Länderkonferenz bestellten Berichterstatter bereits vorliegen bzw. demnächst eingehen werden, hat die Reichsrsgierung die Einberufung dieses Ausschuffes für etwa Ende September dieses Jahres in Aus­sicht genommen. Die Beratungen des Kabinetts erstrecken sich sodann auf eine Anzahl damit zu­sammenhängender Einzelfragen, und auch hier kam das Kabinett zu der einmütigen Auffasiung von der Notwendigkeit der Förderung der Reichsreform.

* Die Fortführung der Arbeit der Untersuchungs­ausschüsse wird gefordert in einem Antrag, ein­gebracht von Dr. Bell für das Zentrum, Dr. B r e i t f ch e i d für die Sozialdemokratie, Dr. Schnee für die Deutsche Volkspartei und Dr. ch a a s für die Demokraten. Der Antrag lautet: Der Reichstag wolle beschließen, die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses von 21 Mitgliedern nach Art. 34 der Reichsverfassung mit der Auf- gäbe, die Arbeiten des früheren 20. (Unter- suchungs-) Ausschusses im Rahmen der von den Unterausschüssen dieses Ausschusses festgelegten Ar­beitspläne zu beendigen. Die Arbeiten des 2. und 4. Untersuchungsausschusses sind abgeschlossen.

* Zur Frage der bayerischen Regierungsbil­dung. Die Fraktion des Bayerischen Bauern- und Mittelstandsbundes trat zu einer Sitzung zusam­men, um Zu den durch die Unterhändler der Baye­rischen Volkspartei überreichten Vorschlägen Stel­lung zu nehmen. Wie der Landesdienst des Süd- deutscben Korrespondenzbüros erfährt, verharrt der Bayerische Bauern- und Mittelstandsbund auf sei­nem bisherigen Standvunkt. Es wird nunmehr Sacke der Bayerischen Dolkspartei sein, sich zu ent­scheiden, welche Wege in der .Koalitionsfrage be­schritten werden sollen. Der Zeitpunkt des Zusam­mentritts der Fraktion der Banerischen Dolkspartei wurde bisher noch nicht festgesetzt.

Das neue China und die Großmächte

Die Nanking-Regierung verlangt Zurückziehung der Kriegsschiffe der Großmächte.

Nach einer Pressemeldung bereitet de Nanking- Regierung Noten vor, di« im gleichen Wortlaut an Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Japan, Frankreich und Italien gerichtet Werben sollen. In den Noten wird die Nanking-Regierung die Zurückziehung der Kriegsschiffe vom Yangffe for- dern, da nach Beendigung der militärischen Opera­tionen im Innern Chinas die Anwesenheit der Kriegsschiffe zum Schutze des , Lebens der Auslän­der nicht mehr erforderlich fei.

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Wie die Agentur Jndo Pacific aus Tokio mel­det, erklärt das Finanzkomitee der nationalistischen. Regierung, für die Schulden der fruhermPekin­ger Regierung nicht haftbar zu sein.

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Daily Mail meldet aus Tokio, zuverlässig verlaute, daß das japanische Kriegsministerium einen neuen Luftverteidigungsplan für einest Zeit­raum von fünf Jahren aufgestellt habe, der Aus- gaben in Höhe von 60 Millionen Mark vorsehe.

Vie Natholikenversolgung in Mexiko

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3. Die Assoziation beschließt, nach ihren fundamen- taten Prinzipien mit friedlichen Mitteln für die Vertei­digung dieser Freiheiten zu arbeiten. Es wird daher die Assoziation eine aktive Kampagne zur Belehrung unterhalten, um zu zeigen, daß die oben genannten Bestimmungen der Verfassung nicht da sein sollten, und falls es opportun ist, wird sie den Kongreß der Union ersuchen, die Artikel 3, 24, 130 und den zweiten Teil des Artikels 27 der General-Verfassung der Republik abzuichasfen, aus daß an deren Stelle ein Rechtsver- fahren gesetzt werde, das die Religionsfreiheit achtet, wie sie unter den Völkern der Welt geachtet wird, deren Kultur am höchsten steht." (Ekklesiastika, Nr. 1 v. 8. Januar 1927.)

Die Leitung der Liga hat ein Dreierausschuh. Im Notfall wird er von einem dafür bestimmten zweiten, dritten und vierten Ersatzausfchuß vertreten. In der Hauptstadt unterstehen dem Dreierausschuß Einzelsek­tionen, z. 23. für Statistik. Pressedienst, Finanzerhe- bung ufw. Für jeden Bundesstaat hat die Zentrale einen Delegierten. Unter die'em steht «in Boykattleiter für jede Stadt, jedes Häuserquadrat und jede Straße. Eine rege Propaganda klärte das Volk auf und Flug­blätter mußten die unterdrückte oder geknebelt« Presse ersetzen.

Der „Boykott richtet sich gegen die ersten Steuerzah­ler. Er bringt sie in eine Lage, die ste unfähig macht, dem Staat die Steuern zu zahlen. Nicht die Geschäfts­leute sollen dadurch gestraft werden, sondern die Re- gierung wird indirekt in chren Einkünften getroffen. Sie Eulnenfton des Gottesdienstes leistete hierbei UN»

türkifche Regierung der bulgarischen Regie­rung den Abschluß eines Schiedsgerichtsvertrages vorgeschlagen. Die bulgarische Regierung habe den Vorschlag angenommen unb Verhandlungen ringe- leitet, die Unterzeichnung bes ausgearbeiteten Ver­tragstextes jeboch vertagt, um nicht Anlaß zu einer tendenziösen Auslegung der politischen Orientierung Bulgariens zu geben.

* Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehun­gen zwischen Pern und Chile. Im Staatsdeparte­ment in Washington ist eine Note Perus entgegen» gen, in der dieses Kelloggs Vorschlag annimmt, die diplomatischen Beziehungen mit Chile wieder aufzunehmen. Letzteres hatte den entsprechenden Vorschlag Kelloggs bereits angenommen. Die Be- ’tnifchen Chile und Peru waren bereits vor 20 Jahren abgebrochen worden, als der Greur- tup.ftill jon Tacna Arica entstand. Kellogg sprach die Hoffnung aus, daß die beiden Staaten allein Mittel und Wege finden würden, um ihren histo­rischen Konflikt beizulegen, nachdem bie Beziehun­gen zwischen ihnen wieder hergestellt sind.

Im ersten Jahr würden die Ausgaben 10 600000

Mark betragen.____________________

♦ Akkenkak auf den jugoslawischen Chef der Si­cherheitsdienstes. In Belgrad drang ein Un­bekannter in das Arbeitszimmer des Chefs des Bf- fentlichen Sicherheitsdienstes, Lazitfch, ein und gab mehrere Revolverfchüsie auf ihn ab. Lazitsch wurde am Kopf verwundet. Der Unbekannte er­schoß sich sodann.

* Die Getreidewirtschaft In Sowjekrußland. Das Plenum des Zentralkomitees der kommunistischen Partei, das vom 4. bis 12. 7. tagte, nahm u. a. eine Entschließung über die Getreideankäufe an, die eine gewisse Steigerung der Getreidepreise, die Bildung eines staatlichen Reservefonds und die un- vorzügliche Einstellung der während der letzten Ge- treideankaufskampagne an manchen Orten ange­wandten außerordentlichen Maßnahmen vorsieht.

* Türkisch-bulaarische Verhandlungen über einen Echiedsvcrtray. Zeitungsmeldungen zufolge hat die

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Auch die Ballon-Gruppe gefunden.

Einer Meldung der Telegraphenagentur der Sowjet­union zufolge ist nach den letzten Nachrichten der Stand­ort der Alessandri-Gruppe die mit dem Ballonkörper der „Italia" abgetrieben war, 80 Grad 45 Minuten nörd­licher Breite und 30 Grad 31 Minuten östlicher Länge. Das Hilfskomitee häll die Vermutung Nansens für wahr­scheinlich, daß A m u nd s e n die A l e s s a n d r i-G ru p pe erreicht hat und sich bei ihr befindet.

Vie Geretteten des „Roten Zeltes".

Die Geretteten des „Roten Zeltes", die, wie gemel­det, von dem russischen Eisbrecher „Krassin" am Don­nerstagabend an Bord genommen wurden, sind ä u ße r st erschöpft, jedoch sonst, wenn man die Entbehrungen in Betracht zieht, denen sie ausgesetzt gewesen find, ver­hältnismäßig wohl. C e c c i o n i ,der mehrfach totgesagt war, ist am Leben. Auch besteht für ihn keine Lebens­gefahr; sein Zustand hat sich vielmehr gebessert. Außer dem Chefingenieur Ceccioni bestand die gerettete Gruppe aus dem Kapitänleutnant V i a l i e r i, dem Leutnant Trojani, dem tschechischen Gelehrten Professor B e- h o u n e k und dem Funktelegraphisten B i a g i.

Die geretteten Italiener erzählten, sie hätten den Eis­brecher zunächst in einer Entfernung von 13 Klm. be- merkt und sich beruhigt, als sie den direkten Kurs des Eisbrechers auf ihren Standort wahrnahmen. Von der ,Ztalia"-Gondel sind lediglich klägliche Trümmer übrig­geblieben.

Sobald man von Bord des „Kraflin" die Schiffbrü­chigen gesichtet hatte, wurde eine Abteilung russischer Ma­trosen auf dem Packeis gelandet, die zum roten Zelt mar­schierte und rasch mit der gesamten Gruppe zurückkehrte.

Außer der Viglieri-Gruppe der Italia-Mannschaft hat der Eisbrecher „Krassin" auch das beschädigte Flug­zeug des schwedischen Piloten Lundborg an Bord genommen. Lundborg hatte bekanntlich, nachdem er Nobile in Sicherheit gebracht hatte, bei einem zweiten Landungsversuch Bruch gemacht.

Weitere Rettungsaktionen de» „Krassin".

Telegraphenagentur der Sowjetunion. Vom Eisbre­cher „Krassin" liegen keine neuen Nachrichten vor. Vor­aussichtlich wird der russische Flieger Tschuchnowski in der Nacht zum Samstag an Bord genommen werden. Was die Meldung aus Kingsbay anbelangt, wonach die

„Krassin" die Gruppe Sora ausgenommen habe, so glaubt man hier, daß es sich um die Alpenjägergruppe handelt, die der Kapitän der „Krassin", Samoilowitfch, am Donnerstag gesichtet hat. Jedoch ist diese Nachricht bisher von dem Kapitän nicht bestätigt worden.

Der Eisbrecher „Krassin" wird mit den von ihm Ge­retteten nach Kingsbay zurückkehren und dann nach der Adventsbay weiterfahren, um Kohlen einzuneh­men.

Italiens Dank.

Der italienische Botschafter in Moskau Cerruti sprach dem stellvertretenden Volkskommissar für auswär­tige Angelegenheiten Karachan, den Dank der italienischen Regierung für die Rettung der Gruppe Malmgreen und der Gruppe Viglieri aus. Der Botschafter stattete auch dem Volkskommissar für Inneres, Unschlicht, seinen Be­such ab und ersuchte ihn, dem russischen Hilfsausschuß den wärmsten Dank der italienischen Regierung zu übermit­teln. Der Botschafter verlieh dabei seiner Begeisterung über den Opfermut des Fliegers Tschuchnowski sowie des Kommandeurs und der Mannschaft des „Krassin" Aus­druck. S a m o i l ow i t f ch, dem Kommandanten des Eisbrechers „Krassin", hat Mussolini folgenden Funkspruch gesandt: „Sie haben ein Werk vollführt, das in der Geschichte der arktischen Expeditionen und in den Zeugnissen dieser Menschheit fortleben wird. Ich danke Ihnen im Namen der Italiener und bitte Sie, diesen Dank auch allen Ihren Mitarbeitern auszurich- ten".

Heimbeförderung der Leiche Malmgreen».

Der schwedische Kriegsminister hat Hauptmann Tornberg telegraphisch beauftragt ,die Leiche Malm- greens aufzusuchen und Heimzubefördern.

Rene französische Flugzeuge für Spitzbergen.

wtb. Paris, 14. Juli. (Eig. Funkm.) Wie Havas be­richtet, hat Marineminister Leygues Anweisung gegeben, unverzüglich zwei Wasserleichtflugzeuge mit 180 PS Motorenstärke und mit Metallkiel nach Spitz­bergen zu entsenden. Die Flugzeuge sollen an Bord des vor Kingsbay liegenden französischen Kreuzers eingeschifft werden und von Bord des Kreuzers mit einer Lancier- Dorrichtung gestartet werden. Die beiden Apparate ha­ben einen Aktionsradius von 500 km.

Schweres Grubenunglück in Holland.

vermutlich 14 Todesopfer.

In der Prinz-Hendrik-Grube in B r u n s s u m in der Nähe von Heerlen ereignete sich eine schwere Grubenerplsion.

Bis jetzt sind 8 D ergleute als Leichen geborgen. Wahrscheinlich haben noch 5 andere Bergarbeiter, die bisher noch nicht aufgefunden werden konnten, ebenfalls den Tod gefunden.

Nach einer weiteren Funkmeldung dürfte, da von den im St. Joseph-Krankenhaus in Heerlen aufgenommenen Bergarbeiter einer so schwere Ver­letzungen aufweist, daß an seinem Aufkommen ge­zweifelt wird, die Zahl der Todesopfer ver- mutlich 14 betragen. Unter den Getöteten befindet sich auch ein Mitglied der Rettungsmannschaft, das nach Bergung eines Kameraden den Helden­tod in der Grube fand.

Die angestellte Untersuchung hat ergeben, daß die Katastrophe am Freitag nachmittag um 2 Uhr eintrat. In dem Bergwerk muß sich Grubengas gebildet haben, das plötzlich Zu einer Explosion führte. Diese entstand in einem Schacht, der 537 Meter unter der Oberfläche liegt und erfolgte ge­rade Zurzeit des Schichtwechsels. Ungefähr 302 Arbeiter konnten von der sofort In den Schacht hinab gestiegenen Rettungsbrigade allmäh­lich in bewußtlosem Zustande an die Oberfläche gebracht werden, wo die meisten von ihnen nach einiger Zeit wieder ins Leben zurückgerufen wur­den. Nach Bekanntwerden des Unglücks wurde die Prinz Hendrik-Grube von der Gemeinde- und Mi­litärpolizei in weitem Umkreise abgesperrt.

* Von einem Faß zu Tode gedrückt. Ein Hei­nes Kind von Briedel a. d. Mosel, das nut sei- nen Eltern in den Weinberg gefahren war, spielte

schätzbare Hilfe, da in Mexiko bie Bauern Sonntags nach der Messe auf dem Markte ihre Einkäufe zu ma- chen pflegen. Diefe Märkte tarnen jetzt fast ganz zum Erliegen. Zweifellos würde bie Wiedereröffnung des Gottesdienstes den Boykott schwer schädigen. Die Boy- kottbewegung verlangt völlige Enthaltung vom Ein­kauf in 'Luxuswaren unb Quasi-Luxuswaren, von allen Vergnügungen, Unterhaltungen, Kinobesuch, Teilnahme an Lotterien usw. Man verzichtet auf bie Erlaubnis­scheine zur Benutzung eigener Autos, bie pro Monat zehn Dollar kosten, legt sich Einschränkungen im Ge­brauch des Notwendigen auf, kauft nach Möglichkeit keine neuen Kleider u. a. m." (Ekklesiastika ebba.)

Der Boykott hatte durchschlagenden Erfolg Er traf ja auch den Staat empfindlich in feinen materiellen In- teressen. Wie wirksam das neue Kampfmittel war, mö­gen einige Tatsachen beweisen. Der Umsatz der Banken ging im August 1926 um 3 Millionen Pesos zurück, der Umsatz der Konfektionsgeschäfte um ein Viertel Eine Lotterie, deren Hauptgewinn 125 000 Pesos betrug, er­reichte eine Einnahme von nur 50 000 Pesos. Die Kinobilette fielen um die Hälfte. Trotzdem mußte alsbald eines der Lichtspieltheater und mehrere Theater schließen. Die Tageseinnahme der großen Zigarren- fabrik „El Buen Tono" in der Hauptstadt, der Elek- trizipitätsgesellschast, der beiden größten Teehäuscr sank um tausende von Pesos. In Guadalajara gingen mehrere Kinohäuser ein. In Guanajuato mußten die Behörden der kleineren Städte ihre Aemter niederle- gen, da bie Einnahmen ausblieben. An manchen Tagen verlor die Regierung Millionen Pesos. Die Außenhan­delsbilanz Mexikos sank, der Silberpeso fiel. Die Ein- fuhr läßt infolge Mangel an Absatzmöglichkeiten stark nach. Der Rücktritt des Finanzministers Pani Anfang Oktober ist auf die Wirkung bes Boykotts zu buchen.

mit anderen Kindern in der Nähe des Fuhrwerks. Beim Anziehen des Wagens rollte ein Faß mit Spritzbrühe herunter und drückte das Kind auf der Stelle tot.

* 50 Kinder beim Einsturz eines Hauses ver­unglückt. In Greenville (Alabama) stürzte das zweite Stockwerk einer außer Betrieb befind­lichen Daumwollreinigungsanstalt, die gegenwär- tsg als Unterkunftshaus für Aufseher benutzt wird, plötzlich aus noch ungeklärter Ursache ein. Etwa 50 Kinder, die sich auf einem Ausflug befanden, stürzten in das erste Stockwerk hinab und wurden sämtlich verletzt, darunter 10 schwer.

Schwere Zlugzeug-UnMe.

Ein kleines einmotoriges Flugzeug, das zur Beförderung von Gepäckstücken zwischen London und dem Festlande diente, ist in der Nähe von Purley abgestürzt. Es wird berichtet, daß dabei drei oder vier Personen ums Leben gekommen sind.

Ein Flugzeug stürzte, als es sich über einer sehr belebten Straße der Stadt Palacio (Texas) befand, aus geringer Höhe ab und fing Feuer. Drei Personen wurden getötet.

* Zwei schwere AukounfSlle in der Tschechoslo- vakei. Unweit von Karlsbad stürzte ein Au­tobus, Äs er einem entgegenkommenden Milch­wagen ausweichen wollte, in den Straßengraben, wobei die Mehrzahl der Insassen unter den Ma­gen zu liegen kam. Eine Frau wurde sofort g e • toter. Aus den Trümmern des Wagens wur­den sieben Schwerverletzte und sechs Angesichts des unerwarteten Erfolges des Boykotts wandten sich bie Kaufleute an Calles und auch an bie Bischöfe, „sie möchten aus patriotifchen(!) Gründen auf bie Beilegung dieser Bewegung drängen." Mer ver­gebens!

Natürlich mußten die Katholiken für diesen General- streik büßen und bekamen bie grenzenlose Wut des Calles durch feine Generäle und Gouverneure zu spüren. Die Unterzeichner des Streikaufrufs wurden ins Gefängnis geworfen; ebenso der zweite unb dritte Vertreter, bann aber wieder alle freigelassen, als der vierte Ersatzaus­fchuß an ihre Stelle trat. In der Hauptstadt wurden 80 Streikredner der Liga verhaftet. Im September wur­den 52 Druckereien beschlagnahmt. Die Redakteure wanderten ins Gefängnis. An Stelle der Zeitungen wurden Flugblätter gedruckt. Wegen der Flugblattpro- paganda wurden in Colonia Sta. Maria vier Damen zu je 800 Pesos Strafe verurteilt; in Guadalajara wurden 11 dafür zum Gefängnis verurteilt. (Echeverria, S. 110.) In Colonia ließ General Talamantes 5 Frauen, die Flugblätter zur Glaubensverteibigung verteilten, an den Bäumen der Hauptpromenade aufhängen. (Berghoff, S. 19.) Nahe bei Guadalajara wurde ein zwölfjähriger Junge, der Flugblätter für den Boykott verteilt hatte, grausam gepeitscht, weil er nicht sagen wollte, von wem er sie bekommen hatte. Als feine Mutter ihm etwas zu essen brachte, peiflchten ihn die Rohlinge wieder vor chren Augen. Zwischen den abgerissenen Schmerzens­schreien des Knaben ertönten die Angstrufe der Mutter: „Sags nicht, Kind, fags nicht!" Schließlich zerbrachen die rohen Soldaten dem Knaben die Arme aus Wut, von einem Kinde und Weibe besiegt zu sein. (Go-rdach. Seite 8).

Noch einen anderen Erfolg hatte der Generalstreik des Volkes. Er hat mehr zur Einigung unb Festigung

Leichtverletzte geborgen. Drei der Schwerverletzten sind in Lebensgefahr, nur ein Mann, der im Au- genbtick des Unfalles aus dem Auto sprang, ist unverletzt.

* Weitere Ausdehnung des Hungerstreiks >n der Sfrafanffalf Sonnenburg. Der Hungerstreik der Strafgefangenen in der Strafanstalt Sonneburg hat, wie eine Korrespondenz meldet, ganz erheb- lich an Ausdehnung gewonnen. Während am Don­nerstag nur insgesamt 66 Strafanstaltsinsassen, darunter 25 politische Gefangene, beteiligt waren, sind am Freitag von 482 Gefangenen 300 in den Hungerstreik getreten. Der Hungerstreik hat also auf die kriminellen Gefangenen, unter denen sich eine große Anzahl von Schwerverbrechern befin- bet, übergegriffen. Sie haben erklären lassen, baß sie eine Ausdehnung der Amnestie auch auf wegen allgemeiner (Straftaten Verurteilte erzwingen wollen.

* Verhaftung des Mörders der beiden Lehrerin­nen im Schwarzwald? In Stockach (Engen) trafen sich am Donnerstag zwei Wanderburschen namens Rumpel und Meisel, beide in den 20er Jahren und von Beruf Metzger. Sie wanderten zusammen weiter und übernachteten auf einem Weizenacker zwischen Gigelfingen und Munzingen bei Stockach. Dor dem Einschlafen erzählte Mei­sel dem Rumpel, er sei der Mörder der beiden Lehrerinnen von der Weißtann-Höhe und gab ihm eine genaue Schilderung des Herganges der Tat. Am Freitag früh um 5 Uhr machte Rumpel sich auf den Weg nach Stockach, wohin Meisel nach­kommen wollte. Meisel erschien jedoch nicht. Hier, auf erstattete Rumpel Anzeige bei der Polizei. Es gelang der Gendarmerie auch alsbald, Meisel sest- zunehmen. Bei der Vernehmung im Amtsgericht Stockach bestritt Muffel zwar nicht die Aussage, suchte sie aber als einen Scherz hinzustellen. Es wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen. Auffallend ist, daß Meisel seit dem 31. Mai keinen Stempel in seinem Wauderbuch hat. -Ob es sich nun bei ihm wirklich um den Täter handelt, wird die ge­nauere Untersuchung feststellen müssen.

* Zusammenstoß zweier Autozüge. In Köni- genhof a. d. Elbe stießen zwei Lastautos zusam­men. Beide Wagen wurden zertrümmert. Aus den Trümmern wurde ein achtjähriger Knabe als Leiche geborgen. Seine jüngere Schwester wurde ver­stümmelt und erlag ihren Verletzungen. Beide Wagenführer sowie ein Mitfahrer wurden lebensge­fährlich verletzt.

* Ein Wilddieb von einem Förster erschossen. (Eig. Funkm.) 3m Huywald in der Nähe des Dorfes Röderhoh wurde Samstag früh der als Wllddieb bekannte Arbeiter Gubuak aus Eilen« städt bei Halberstadt von dem Privatförster Dröse nach heftigem Kampf in der Notwehr er­schossen. Auch der Bruder des Gubuak^ ist int Jahre 1917 bei dem Versuch, einen Landjäger zu! erdolchen, von dem Landjäger in der Notwehr er­schossen worden.

* Die Gemeinde Wien «nd die Bremen-Flieger« (Eig. Funkm.). Nach Meldung der Arbeiterzeitung findet der ursprünglich vorgesehene Empfang bei „Bremen-Flieger" im Rathause nicht statt. Di« Gemeinde Men werde sich auch an den sonstigen Empfangsfeierlichkeiten nicht beteiligen. Diese Mel­dung wird von dem Empfangskomitee, das sich zur Begrüßung der Flieger in Wien gebildet hat, be­tätigt.

* Drei Arbeiter bei Sprengarbeiten getötet- Durch vorzeitige Entzündung einer Mine im Tun­nel des B isenzi o-Tales (Apennin) wurden drei Arbeiter getötet und drei schwer verletzt.

* Sieben Personen hingerichket. In Edy- ville (Kentucky) wurden sieben zum Tode Ver­urteilte, darunter drei Schwarze, auf dem elettrU scheu Stuhl hingerichtet.

Märkte.

vorbericht des Berliner Schlachtviehmarktes.

--- Berlin, 14. Juli. (Eig. Funkm.) Es wurden be­zahlt für je einen Zentner Lebendgewicht: Rinder Iß bis 64, Kälber 45—75, Schafe 28—62, Schweine: a) Fett­schweine über 3 Zentner Lebendgewicht 68, b) vollst. Schweine 240—300 Pfd. Lebendg. 68—69, c) vollst. Schweine 200—240 Pfd. Lebendg. 68—69, b) vollfleischige Schweine 160—200 Pfd. Lebendg. 66—67, e) vollst. Schweine 120—160 Pfd. Lebendg. 62—65, f) Sauen 61 bis 63. Aufgetrieben waren: Rinder 2118, Kälber 1945, Schafe 8025, Schweine 11399. Marktverlauf: Bei alle» Viehgattungen ruhig.

= Frankfurt a. M„ 13. Juli. Getreidebörse. Es wurden bezahlt für je 100 Kgr. Weizen 1. gut, ge­sund, trocken, bis zu 1 Proz. Auswuchs 26, Roggen 28 Hafer 27.75—28.25, Mais für Futterzwecke 24—24.5, Weizenmehl 36—36.50, Roggenmehl 37.25—38.25, Wei­zenkleie 13.50, Rogegnkleie 15.75. Tendenz: befestigt.

— Preiserhöhung amerikanischer Gummireifen In Deutschland. Die amerikanischen Reifenfirmen haben diejer Tage eine Preisermäßigung für sämtliche Fa­brikate zwischen 4 und 17 Prozent vorgenommen. Dazu erfährt der LPD., daß diese Preisermäßigung lediglich für die Vereinigten Staaten gilt, daß aber im Gegensatz dazu die amerikanischen Firmen ihre Preise für Deutsch- land mit Wirkung vom 9 Juli um 5 bis 10 Prozent er­höht haben. Damit liegen die Preise amerikanischer Rei­sen fast 20 Prozent über den Preisen der deutschen Gummireifen.

der Katholiken in Mexiko getan, als irgendein Missionar es hätte erreichen können. Aus diese Einigung und Festigung der Katholiken weist ein Flugblatt der koch. Verteidigungsliga von Mexiko hin mit der Aufschritt: „Wir banken Ihnen, Herr Calles!" Es heißt ha: „Wir Kacholiken haben unwillkürlich als ein Werkzeug der göttlichen Vorsehung gedient, Erfolge zu seiner Ehre zu erzielen, die kein Missionar erzielt hätte. Wir verdau- ken Ihnen folgendes: Früher war bie Einigung der mexikanischen Katholiken aus gewissen Gründen schier eine Sache der Unmöglichkeit. Sie haben uns aber ge­einigt. Frömmigkeit unb Glaubenseifer haben in einem Maße zugenommen, bah keiner davon unberührt geblie­ben ist Die Seelen wurden geläutert. Die falschen Katholiken unb Heuchler haben sich entpuppt unb wer­den jetzt von der wahren Herde Christi leicht unterschie­den. Die Kirche erwies sich wie je zuvor als eine Ein­richtung von höchst selbstlosem Idealismus, frei von jedem Verdacht der Habsucht, da sie lieber den Verlust von mehr als 5000 Kirchen durch ihre edle Haltung ertrug, als daß sie auch nur um ein Pünktchen ihre heiligen Grundsätze verraten hätte.

Sie haben gehofft, uns in die Revolution zu treiben, damit sie uns bann mit der Gewalt der Waffen vernich­ten könnten und wir haben Ihnen bewiesen, baß bie Kirche Christi keine Waffen braucht, um zu siegen. Denn wir wissen, baß „in den Kämpfen, die wir bestehen, uns nicht die Feinde aus Fleisch unb Blut bekriegen, son­dern die Geister der Finsternis." Sie sind bloß eben die Lanze, die wie einst jene des Longinus, wieder ein­mal gegen das Herz Christi geschwungen wurde, und wie­der einmal enfftrömte ein Gnadenregen aus der Wundß Christi." (Bonifatiusbote, Nr. 18 vom 1. Mai 1927).

^Fortsetzung folgt.)