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Vie NatholiKenversolgung in Mexiko

23. Die Ausführung dieser Gesetze obliegt in er­ster Linie der Bundesregierung; die Behörden der Ein- zekstaaten und Gemeinden sind jedoch für Ausführung derselben verantwortliich.

24—33. Den Gemeindebehörden wird unter den schwersten Strafandrohungen die Durchfichrung zur Pflicht gemacht. Jeder Wechsel von Geistlichen, die Er- öffnung jedes neuen Gotteshauses ist sofort an-uzeigen, und um eine möglichst gründliche Plünderung der Kirche zu ermöglichen, wird den Munizipalbehörden wie den Pfarrern unter Strafe der Absetzung und einer Geld­buße bis zu 2000 Mark befohlen, innerhalb eines Mo­nats ein Inventar der Kirchen und eine Liste der Kir­chendiener an das Staatssekretariat einzusenden. Die­selbe Pflicht der Inoentareinsendung wird unter densel- den drakonischen Strafen auch den Kirchenverwaltern, d. h. den Pfarrern auferlegt.

Dies Gesetz, das an teuslicher Berechnung selbst die der Sowjetregierung noch übertrifft, und mit einem Federstrich der katholischen Kirche, denn nur sie soll damit getroffen werden, ihr gesamtes Eigentum, jeden Einfluß auf die Schule raubt, die religiösen Genossenschaften, die Preßfreiheit und jede freie Meinungsäußerung und die religiöse Freiheit überhaupt unterdrückt, wurde an alle Kirchentüren angeschlagen und sollte am 31. Juli in Straft treten." (Echeverria, S. 102 und 103).

Die Durchführung der Gesetzes.

Erbarmungslos und mit brutaler Gewalt werden die Kulturkampfgesetze durchzeführt. Volks» und Mit­telschulen, Seminare, Unterrichtsanstallen, Waisenhäu­ser, Asyle und Wohltätigkeitsanstalten, die von der öf- fentlichen Mildtätigkeit unterhalten wurden, wurden ge­schlossen. In Guadalajara wurden 300 Schullehrer ent­lasten, weil sie eine Antwort aus das Regierungszirkular abgelehnt haben, in dem sie zur Darlegung ihrer Hal­tung gegenüber den neuen Regierungsverordnungen auf­gefordert wurden (Bonifatiusbote, Nr. 36 v. 5 Sep­tember 1926). Die Zahl der Priester wurde überall herabgesetzt. Priester wurden ins Gefängnis geworfen, aus dem Lande verwiesen, in die Derbanung geschickt, grausam gemartert. Klöster wurden aufgehoben, die Nonnen ausgewiesen. Kirchen beschlagnahmt und nach russischem Muster in Theater und Museen verwandelt In Billa Hidalgo wurde die Kirche zur Kaserne gemacht u. aus der eisernen Kommunionbank Ketten u. Hufeisen für die Pferd«. (Bonifatiusbote, Nr. 11 v. 11. März 1928). In Morelia drangen Lehrer und Schüler des Staatsgymnasiums unter dem sicheren Geleit von Trup­pen in die Herz-Issu-Kirche der Jesuiten ein, nachdem sie sich vorher bei einem Gelage tüchtig Mut angetrun­ken hatten. Sie warfen die Statuen der Heiligen auf die Erde, mit der des hl. Ignatius erlaubte sich die trunkene Horde die gemeinsten Frevel. Die Schänder risten den

Helligenbildern die Gewänder ab und bekleideten sich I damit, auch aus der Sakristei raubten sie die herrlichen | Gewänder und zogen sie an, um den katholischen Got­tesdienst zu verhöhnen, lieber dem leeren Tabernakel brachten sie eine Fahne an und stellten das iBld Ealles' zur gottesschänderifchen Verehrung auf. Ein Schüler bestieg die Kanzel und trug die gemeinsten Gottesläste­rungen vor. (Ebda, Nr. 19, v. 8. Mai 1927). Einen gräßlichen Gottesraub beging ein „Offizier" in Maria de Angels. Er raubte den Speisekelch voll konsekrierter Hostien, um sie auf öffentlichem Platz« mit Sardinen zu esten. (Gorbach, S. 11). Der 20cabe von Cocula (im Staate Ialisco) drang an der Spitze einer Schar „Agraristas" nacheinander in die sechs Kirchen des Ortes ein und raubte aus ihnen alle Heiligenbilder und Sta­tuen. Diese sowie alle Beichtstühle und andere gottes­dienstliche Gegenstände wurden aus der Plaza de Armas zusammengebracht und angezündet. Die Orgel, die 15 000 Pesos wert ist, konnte das Gesindel nicht heraus- holen. Deshalb verbrannte man diese in der Kirche, die durch das Feuer sehr beschädigt wurde 205 die Argrar:, stas den Bilderstoß, worunter sich auch ein schönes Ge­mälde des Erzengels Michael, des Patrons der Pfarrei befand, angezündet hatten, veranstalteten sie unter Füh­rung des Bürgermeisters eine schändliche Orgie. Sie zo­gen sich die gottesdienstlichen Gewänder an und tanzten damit angetan, wie leibhaftig« Teufel um das Feuer.

(Gorbach, S. 13.)

Aufs schwerste bedroht ist di« Kultusfreiheit. Auch hierfür einige Beispiele.

„Die Zahl der erlaubten Glockenschläge wurde oer« schiedentlich genau bestimmt. Das Läuten gilt in man­chen Staaten sogar als unerlaubte Kundgebung der Rest- gion, da der Schall der Glocken sich außerhalb des Klr- chengebäudes ausbreitet Im Staate Michoacan wurde das Läusen beim Empfang des aus Rom zuriickkehren- ben Bischofs von Morelia mit Gefängnis und Geldbußen geahndet. In Veracruz erhielt der Erzbischof eine An­klage, weil er sich durch Aufstellung von Triumphbögen hatte ehren lassen. Selbst bas Benutzen von Weihwasser ist hier unb ba unter Straf« gestellt worben. Im Staate 2lguasealientes schoß die Polizei unter Führung des Stadtoberhauptes (!) auf Gläubige, die aus der Rolen- kranzandacht kamen. Ms die Katholiken sich wehrten, er­schienen Truppen. Es gab Tote und Verwundete. Die ins Gefängnis eingelieferten verwundeten Katholiken steh man tagelang ohne ärzllich« Hilfe, die gefallenen Solda­ten wurden als Märtyrer begraben. In Ehipas verbot man den Priestern, Ehen einzusegnen u. laufen zu spen­den. In Morelia wurden mehrere Katholiken durch Po­lizisten getötet, als sie sich an einer Trauerkundgebung anläßlich der Entweihung eines Madonnenbildes betei­ligten. Diese wie ähnliche Katholikenmorde zu Durango und Guadalajara blieben ungestraft.

Der Gouverneur von San Luis Potosi hat sogar die Anhörung der Helligen Messe bei ausländischen Priestern

unter Strafe gestellt. — Im Staate Veracruz bedroht eine Verordnung jeden mit Strafe, der in der Näh« einer Kirche wohnt, wo ein ausländischer Priester Messe liest.

Der Pfarrer Prudencio Reyes in Veracruz wurde eingekerkert wegen Spendung der letzten Oelung.

Aehnlich ging man gegen die Laien vor. Katholiken wurden verhaftet, weil st« Marienaltäre zu Hause hatten, weil st« laut zu Haus« den Rosenkranz beteten oder ge­meinsam eine Franziskusandvcht hielten." (Echeverria, S. 77, 85, 115).

In der Stadt Aguascalientes ist sogar das Tragen von Trauerkleidern verboten, die die katholischen Frauen zum Zeichen der Trauer über die gegenwärtige Lage zu tragen beschlossen haben. Die Regierung verlangt in jedem Falle den Beweis eines kürzlich erfolgten Sterbe- falles in der Verwandtschaft, um den Frauen das Tragen von Irauerfleibem zu erlauben! Stellt sich heraus, baß dies nur wegen der Unterdrückung des Glaubens ge­schieht, so erfolgt Verhängung einer Gefängnisstrafe unb einer hohen Geldstrafe. (Köln Dolksztg., Nr. 964 vom 31. Dezember 1926).

Ein herrliches Kapitel in der Geschichte der Christen­verfolgung in Mexiko ist bas ber Märtyrer. In dem einen Jahr 1926 sind allein 147 Priester ermordet mor- den. Oft auf die grausamste Weise. Wie viele mög n bis jetzt ihr Leben für den hl. Glauben gelassen haben. Dem Sonderkorrespondenten des „Daily Expreß", zu des. fen Entsendung das religiös indifferente Blatt durch Zu- fchriften aus dem Leserkreis veranlaßt worden war, ist die Zahl der getöteten Priester und Laien aus 600 ange­geben worden. (Germania, Nr. 177 vom 16. 4. 28). Ob die Zahl stimmt? — Der „Catholic Herold" veröffentlicht ein JtaM des Mexikanischen Katholikenbundes in Laredo (Texas), wonach bei der Kathkolikenverfolgung unter Cal­les 200 Priester getötet worden sind. Nach der gleichen Quelle sind 21 Bischöfe und 500 Priester außer Laitt,r verwiesen Die Zahl der getöteten Laien ist nicht genau festzustellen. (Germania, Nr. 185 vom 20. 4. 28.) Nur einige Beispiele können wir wegen des beschränkten Rau. mes anführen. In Guadalajara wurde der Priester Saba Rayes mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leibe verbrannt. Der Priester Gorrca in Zacatecas wurde er­schossen, weil er das Beichtgcheimnis nicht verletzen wollte. Dem Pfarrer von Tamogula, Librado Arreola, wurden beide Hände abgehackt, damit er das hl. Meß­opfer nicht mehr barbringen könne. Der Hirtenbrief des Erzbischofs von Guadalajara enthält genaue Angaben über den Märtyrertod von sieben Priestern. Zu Tränen wird man gerührt, wenn man das Martyrium des erst 1925 zum Priester geweihten Paters Pro lieft, der gleich feinem göttlichen Meister mit ausgebreiteten Armen starb. Ein Siegeszug bes helbenmütigen Glaubensbekenntnisses war bie Beerdigung des gemarterten Paters Sola. (Siche Gorbach unb Berghoff) P. Saba Rayes wurde zu Totalan überrascht, als er einem Kranken beiftanb.

Sofort wurde er ausgeraubt, an Händen unb Füßen ge­bunden und in eine Mistgrube geworfen, wo er drei Tage und Nächte aller Sonne und allem Wetter ausge­setzt war, ohne etwas zu essen ober zu trinken, aber auch ohne zu klagen. Schließlich wurde er an eine Säule der Kirche gebunben und mit Dolchstichen getötet. (Bonifatiusbote, Nr. 36 vom 4. Sept. 1927). Dem P. Leanoro Juan Garcia schlug man bie Fußsohlen, zer­brach ihm die Fingergelenke und peitschte ihn so lange, bis er tot war. (Berghofs, S. 33).

Wahrlich, auf solche Priester darf die Kirche stolz (ein. Stolz fein darf sie ober auch auf die Gläubigen, die in heldenmütiger Weise für ihren Glauben und ihr« Kirche eintreten und freudig den Martyrertod erleben 2luch hierfür nur ein paar Beispiele. Dem 18jährigen Jose Lopez riß man die Zunge aus unb zerfleischte ihn so, baß sein ganzer Körper eine einzige Wunde war. Er wurde erschossen. Der jugendliche Manuel Bonillas, ber aus vornehmer Familie stammte, wurde in Toluca am Karfreitag gegen 12 Uhr Mittag gefangen genommen, mit Händen und Füßen an ein Kreuz gebunden und um 3 Uhr am Kreuz erschaffen. In erschütternder Weile vollzog sich bas Martyrium ber Lehrerin Juliana Ola- zar, die in der Schule mitten unter den Schulkindern er» schössen wurde. Herzergreifend ist der Bericht des P- Philipp Ares S. I. Über das Martyrium ber 4 fugend- lichen Kongreganistsu von Leon am 3. Januar 1927. (Siche Gorbach und Berghoff).

„So könnte man stundenlang von den Scheußlichkeiten der Eallestrabanten erzählen. Man schaut in abgrund­tiefe Nacht. Auf der anderen Seite glänzt unb strahlt bie Glaubenstreue der mexikanischen Katholiken. Die Heldenzeiten des Christentums sind wieder da. Tharsitius und Pankratius, Cäcllia und Agnes, Felizitas und Per­petua und die anderen glänzenden Sterne am Märtyrer- Himmel leuchten wieder auf in den Märtyrern der mexi­kanischen Geschichte." (Berghoff, S. 26).

Und diese Märtyrerzeit, diese grausame und Mutige Christenverfolgung wird anbauern, so lange Calles Prä­sident ist, ja noch sogar über seine Präsidentschaft hinaus. Am 5. März 1926 erklärte Calles feierlich: „Solange ich Präsident bin, wird bie Verfassung von 1917 in Wirk- samkeit bleiben." Und am 3. April 1926: „Die Regie­rung ist entschlossen, ihr Programm vollständig durchzu­führen, ohne jede Rücksicht auf die Grimassen der Sakri- stane und das Geplapper der faulen Mönche." (Eche­verria, S. 95). Der mexikanische Cxpräsident und jetzige Kandidat für ben Präsidentenposten erklärte bezüglich ber Behandlung der Katholiken unter seiner etwaigen Herrschaft: „Vielleicht wird es notwendig fein, noch etwas mehr Blut zu vergießen, um die letzten tle-nen Reste dieser üblen Leute zu vernichten, die ihre Religion zur Drapierung des Bruderkrieges verwenden" (Ger­mania, Beilage „Kirche und Welt", Nr. 7 vom 5. April 1928).

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