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Fuldaer Zeitung

JVo 156.

Sonntag, den 8. Juli 1928.

2. Blatt.

Druck bet Fuldaer Mctienbturfetei, ffulba

isst: billig, sparsam undrichtig waschen!

Rund um die Woche

Marktberichte

Unsere

die denkbar schnellsten sind

Schriftleiter: Dr. Phil. Johannes Kramer.

ren die Unverjährbarkeit ihrer Forderungen durch ständig wiederkehrende Terrorakte.

Im Hochgefühl über das glücklich Erreichte be- trachtete sich Jugoslawien als die führende Macht auf dem Balkan und als die Erbin Oesterreichs. Diese Politik stieß aber sofort auf den schärfsten Widerspruch Italiens. Die starke und zielberoußte Außenpolitik des Diktators Mussolini, der den Bal­kan als das natürliche Ausbreitunggebiet ansieht, geht rücksichtlos auf ihr imperialistisches Ziel los. Italien befindet sich in mancher Hinsicht in ähn­licher Lage wie Deutschland. Das Staatsgebiet ist nicht in dem gleichen Maße wie die Beoölkerungs- zcchl gewachsen, -underttausende von Italienern finden keinen Raum in der zu eng gewordenen Heimat. So erklärt sich das Streben Italiens nach Siedlungsland für seine Söhne, das in unmittel­barer Nähe des Mutterlandes liegt und deshalb richten sich die Blicke Italiens über das Adriatische Meer nach der nahen albanisch-dalmatinischen Küste. Dazu kommt aber, daß mit dem stark ge­steigerten nationalen Selbstgefühl des neuen Ita­lien dis Erinnerung an die Zeiten des alten Rö­merreiches erwacht sind, das einst die unbeschränkte Herrin des Mittelmeeres war. Der erste Schritt zur Wiedererlangung dieser Machtstellung im Mittsl- meer scheint die Sicherung der italienischen Ost­front, die nur durch Abriegelung des Adriatischen Meeres erzielt werden kann. Erft wenn dieses Ziel erreicht ist, glaubt sich Italien in der Lage, die Auseinanderseßung mit seinem westlichen Nachbarn Frankreich vornehmen zu können.

Zur Erreichung dieses Hochzieles italienischer Außenpolisik versucht Mussolini Jugoslawien tin» zukreisen. Aus diesem Streben erklärt sich die Entente mit Rumänien, das der nächste Konkur-

flnd für Erzeuger. Händ­ler. Verbraucher des­halb so besonders wert­voll und unersetzbar, weil sie infolge erst­klassiger Aebermiktlung

darauffol- schlaglicht- noch weit ist. Tat-

rent für Jugoslawien ist. So erklärt sich auch der Freundschaftsvertrag Mit Ungarn, dem Jugosla­wien wichtige Gebiete entrissen hat Endlich tritt Italien für die bulgarischen Forderungen ein und ist im Begriffe, auch Griechenland ganz auf seine Seite zu ziehen.

Unter dem Druck dieser italieniichen ileberlegen- heit mußte Juaosiawien Schritt siir Schritt zurück­weichen. So konnte es das immer stärkere Vor­dringen Italiens preisgeben. Selbst der Freund­schaftsvertrag mit Frankreich, der seine Spitze un­verkennbar geaen Italien richtet, hatte gerade ent­gegengesetzte Wirkung auf die italienische Außen­politik: denn der Druck wurde statt schwächer nur noch stärker. Es ehrt den südstawischen Minister des Aeußeren Marinkowitsch, daß er sich der Ein- sicht von der Tatsache italienischer Ueberlegenheit nicht verschließt und im Interesse der Aufrecht- erhaltung des Friedens den Mut aufbrachte, der Skupfchtina den Nettunovertrag zur gesetzlichen Anerkennung vorzulegen. Aus dem Jahre 1923 bestand ein Freundschaftsvertrag mit Italien und im Anschlüsse hieran entstanden die Nettuno-Der- träge. In diesem verzichtete Südslawien endgültig auf Fiume, außerdem sollten den Italienern An­siedlungserleichterungen an der balmat'nifrhen Küste, italienischen Firmen sogar die Konzession zu Eisenbahnbauten erteilt werden. An die Ratist- zierung der Verträge war nicht mehr zu denken, als der politische Abschluß derfriedlichen Durch- dringung" in Albanien bekannt wurde. Besond-rs waren es die Kroaten, die mit beispielloser Er­bitterung gegen das Vordringen der Italiener Sturm liefen. Aus der Vorkriegszeit ist der kroa- tische haß gegen die Italiener bekannt, die damals schon um jede handbreit Boden rangen. Dieser

Wie sehr dieser lebensmüde Typ sich heute aus­breitet, zeigte mir der neue Roman von Schnitzler, der solcherart Menschen literaturfähig macht. Es ist ein Frauenroman, nicht für Unreife geschrieben. Ein gutes Mädchen, ein tapferes kämpft darin den großen Kampf des Lebens. Sie hat allerlei böse Mitgift von Haus erhalten und muß schließlich ihr Leben fristen als Erzieherin in adeligen und bür­gerlichen Häusern. Der Dichter führt dadurch alle möglichen Eesellschaftsschichten im Wien von heute. Alles ist brüchig geworden Ideale verfolgt niemand mehr. Fast ausnahmslos sind die Häuser von un­glücklichen Menschen bewohnt, die so oder so ver­krachen. Und das Mädchen kämpft, solange noch ein Rest von dem in ihr ist, was man Lebenslust oder auf höherer Stufe Heldentum nennt. Bis der Druck so groß geworben, daß alle Energie erlahmt. Sie verfällt dem eigenen Sohn, dessen Vater längst durchgegangen ist. Er schilt sie mft einem furcht­baren Wort und erschlägt sie schließlich. Ein Licht wird ausgeblasen, das sich doch nur noch von küm­merlicher Flamme nährte. So siechen Familien und Städte dahin. Das Leben hat keine Spannung mehr, nachdem die großen Spannungen zwischen Himmel und Hölle hinweggenommen sind. Wäre das Buch nur der Ausdruck Wiens, der sterbenden Stadt, es ließe sich tragen. Aber es ist der Aus­druck der Seele von Millionen, die keinen Glauben, keine Liebe, kein Ideal mehr kennen. Was aber außerdem da ist, das ist eben nicht viel. Nimmt man das Leben als Genuß, so hat man alle Moq- lichkeiten bald hinter sich, und man braucht noch nicht zwanzig Jahre zu »ählen, um schon ein Greis zu sein. Nie ist eine Menschheit gelassener einem Erdbeben entgegenqegangen, als die von heute.

Man begreift leicht, daß dieser seelische Tod, diese lähmende Schlafkrankheit, dieses gähnende Berufsethos eine Folge vom Zurückoehen des Ehri- stentums ist . Denn diese Religion ist eine Religion des Lebens. Sie zeigt immerfort das Himmel­reich, das dem Kämpfer im Stadion winkt. Sie will, daß wir vollkommen feien, wie es der Vater im Himmel ist. Immerfort will sie aus allem Niederen ins höhere, aus dem Fleisch zum Geist, aus dem Menschen zum heiligen. Schuld und Sühne wühlen in ihm das Tiefste des Herzens auf. Seine Ethik verlangt, daß man den Nächsten lieben solle, daß man sich seiner annehme, daß man ihn betrachte wie einen zweiten Christus, daß man ihm ein Haus baue, daß man ihn erziehe, daß man ihn rette für fein ewiges heil. Dieses Christen- tum geht mehr und mehr zurück. Es packt die Herzen nicht mehr recht. Es erwacht gewiß wieder in einigen Kreisen. Es lockt gewiß nod) gelegent­lich die Massen. Cs zeitigt auch noch Heroismus. Aber als europäische Kraft und als deutscher Idea­lismus ist es nicht mehr im Großen wirksam. Wer bekennt sich von den Ministern, die setzt vor unser Parlament getreten sind, noch zu dieser Religion? Wer von ihnen roäte nicht geneigt, lächelnd auf den letzten Rest von Glauben zu verzichten? Wer von den großen Staatsmännern Europas rechnet noch mit der Macht und dem Einfluß einer Reli­gion, der Eurova alles verdankt? Wer weiß noch, was Sünde ist? Wer regt sich noch auf über Dinge, die in gläubigen Zeitaltern doch wenigstens noch beim rechten Namen genannt wurden? Was soll der ewige Gott zu solch einer Menschheit sagen? Wird er es auf die Dauer dulden können, daß man sich einfach benimmt, als wäre er nicht mehr da? Als gäbe es überhaupt kein Sittengesetz, keine zehn Gebote und als fei das alles zu er­setzen durch eine gute Polizei? Ob er sich durch ein Erdbeben wieder in Erinnerung bringen wird? Mein Freund mit der Bügelfalte lächelt nur und flüstert leise:Auf mich wartet eine lustige Koali­tion!" geht und trinkt feinen Frühschoppen.

Der Nlann im Monde.

Jetzt wird mir aber gruselig. Keine Angst, ich spreche ja nicht vom neuen Kabinett der Persön­lichkeiten, sondern von dem kommenden Erdbeben Wie das zuging, weiß ich selber nicht. Aber erst sprach ich mit einem Hellseher, der obendrein noch eine scharfe Brille trug. Er schaute sehr sorgenvoll drein. Aber man weiß bei den Herren wohl, daß etwas droht, aber niemals, wann es droht. Dann führte mich der Weg zu einem Geologen, einem Erdforfcher, der mir erzählte, daß eine Reihe nam­hafter Gelehrter ebenfalls von nahestehenden Kaia- strophen spreche Und da sehe ich auch noch zum Ueberschrift einen Artikel in einer isländischen Zeit­schrift, wo Helgi Pjetursson, ein gewiß etwas wun­derlicher Mann, dennoch aber ein tüchtiger For­scher, auch schon fast unmittelbar bevorstehende un­geheuere Veränderungen der Erdoberfläche ankün- digt. Der Mann lebt im nordischen Thule, auf der Insel des Geysir und der Hekla, wo man doch Eini­ges verstehen wird vom Erdbeben und ähnlichen schönen Dingen. Er schreibt in der sehr ernsthaften Revue Einmreidin, die großes Ansehen genießt. Dazu behauptet er noch, fein Leben hingeben zu wollen, wenn nicht einträfe, was er vorausfaqt. Es soll das Beben der nächsten Jahre durch ganz Frankreich und England geben, auch sogar Holland verwüsten und weit nach Deutschland hineintoben. Das war nun zuviel auf einmal, mir ist alles Lachen vergangen. Die feste Erde "unter mir hat mein Vertrauen verloren, und ich wundere mich, daß die Menschen so leichtsinnig darüber hinhüpfen. Wenn man in gläubigen Zeiten von derartigen Ereignissen hörte, dann dachte man sogleich an seine Seele. Man machte große Prozessionen, um Gott zu versöhnen, heute aber antwortet allen solchen Aeußerungen nur ein lässiges, müdes Schütteln mit dem Kopfe. Man gibt sich darin, wie man sich in den Krieg gegeben hat, in die Revolution, in die Inflation, in die Teuerung, in den Völkerbund, in ein D-Zug-Unglück, in eine der unzähligen En­tenten, in die erstbeste Lotterie, in eine Ehescheidung oder Zeitehe, es ist doch alles egal.

Dor dieser Stimmung aber graut mir erst recht. Ich kenne einen lieben Menschen, der am Leben zerbrochen ist. Er verdient treulich sein kleines Gehalt. Ein wenig behält er übrig für ein stilles Vergnügen, das er mit etlichen Freunden am Stammtisch oder auf kurzen Ausflügen teilt. Fährt man ihn an, so lächelt er. Darüber ist er doch hinaus. Es tft fein revolutionäres, sondern ein sozusagen verzeihendes Lächeln. Siehst du nicht, scheint es zu sagen, daß ich mich mit dem Leben abgefunden habe? Meinst du, ich brächte es noch fertig, mich zu ärgern? Dann sitzt er wieder ver­sonnen und versponnen und macht seine harmlosen Witze. Am Himmel dieser Seele ist kein Regen mehr und kein Sturm, kein Sonnenschein und kein Gewitter. Er hat gewiß Mitleid mit Amundsen, gewiß auch mit Nobile. Er läuft sogar mit, wenn Köhl oder v. hüneseld zum 999ften Male begrüßt und beklatscht werden. Jeden Tag liest er getreu­lich seine Zeitung. Er wird Karussell fahren auf der Pressa, wird sich unschuldig amüsieren in einer Dar, er gebt gewiß auch andächtig in die Kirche. Sogar seine Bügelfalte ist Jtets in Ord­nung. hätte man ihn ins Kabinett der Persönlich­keiten eingeladen, er wäre zweifellos dabei gewesen und vielleicht nicht einmal besonders aufgefaffen. Ist der Mann nicht beneidenswert? Ein Erd­beben wird fein Haus nicht erschüttern, denn er besitzt natürlich keines. Er hat sogar aufgehört, sich selber ernst zu nehmen, weil das irgendwie anstrengt. Natürlich, er hätte weder Asien erobert noch Rom erbaut, hätte weder Pyramiden errichtet noch das Pulver erfunden, aber wozu das auch alles? Vielleicht hätte er ein Kapitel vom Buche Kohelet geschrieben oder doch die zwei Worte des alten Salomon: Vanitas vanitatum ....

Drohende Erdbeben. Der Mann mit der Bügelfalte. Der neue Arthur Schnitzler. Das sterbende Christentum.

wie wird das Wetter?

Die Randstörungen des nordostwärts abziehenden Tiefdruckgebiets gleichen sich mehr und mehr aus, sodaß mit einer fortschreitenden Besserung des Wetters gerech­net werden kann.

Witterungsausstchien für Sonntag: heiter, trok- ken, wärmer, abflauende Westwinde.

haß war auch eine der Ursachen, warum die Kroa­ten im Weltkriege aushielten, während die Tsche­chen regimenterweise desertierten. Auf kroatischem Dolksboden liegt der geraubte Hafen Fiume: Kroa­ten sind es, die neben einer dünnen italienischen Oberschicht die Hauptmaste der Bevölkerung aus der dalmatinischen Küste und den vorgelagerten Inseln bilden. Kein Wunder also, daß sie am mei­sten den italienstchen Druck verspüren und auch dagegen angehen.

Gesamteuropa betrachtet die Entwicklung in dem Wetterwinkel am Balkan mit ernster Sorge. Wäh­rend es mit Amerika um den Frieden ringt, treibt hier der Imperialismus seine üppigsten Blüten, hinter ihm steht drohend ein neuer europäischer Brand. ________________

Rom und Belgrad.

Von Dr. Wenz-Fulda.

Die politischen Schießereien und die genden Unruhen in Agram haben uns artig gezeigt, daß Iuaoslawien immer von einer inneren Festigung entfernt

sächlich liegen hier die Verhältnisse so, daß es alle Sorge darauf verwenden müßte, erst im eigenen Haufe Ordnung zu schaffen, beoor es an die wei­tere Ausdehnung feiner Macht denken könnte. Die südslawische Bewegung, der mir die Schuld am Ausbruche des Weltkrieges zvschreiben wüsten, war von einem geradezu unglaublichen Glücke begün­stigt. als sich nach dem völstgen Zusammenbruche im Weltkriege Südstawien wie ein Phönix aus der Asche erheben formte und zugleich am Ziele feiner feit vielen Jahrzehnten gepflegten Bestrebungen sah. Das große südslawische Reich, das alle Süd­slawen, Serben, Kroaten und Slowenen im eine- nen Hause vereinigte, war erstanden. Es muß her- voraehpben werden, daß die Kroaten sich mit flie­genden Fahnen von Oesterreich und Ungarn los- gefagt haben und auch die Slovenen. etwas zögern­der zwar, der Schaffung eines südslawischen Staa­tes zustrebten.

Aber schon bei der Geburt des neuen Staaten« ttebifbes zeigten sich die ersten Gegensätze. Für die bisher dem Szepter Habsburg Untertanen Kroaten und Slowenen war es eine Selbstverständlichkeit, daß der neue südslawische Staat nicht ein verarö- fiertes Serbien, sondern ein ganz neues staatliches Gebilde fein sollte, in dem feder einzelne südsla­wische Dolksstamm nach feiner Tradition leben konnte und mit den anderen volle Gleichberechti­gung genießen sollte. Daher setzten sie die noch beute amtlich bestehende BezeichnungKönigreich der Serben, Kroaten und Slowenen" durch. So­fort aber verschafften sich b;e Serben dank ihrer zahlenmäßigen Ueberlegenheit auch das politische Uebergewicht und machten so tatsächlich Südstawien zu einem großferbischen Reiche. Belgrad diktierte. Wenn auch im ßaufe der letzten Jahre die Kroaten, die politisch insbesondere durch die kroatische Bau­ernpartei zusammengefchloffen sind, aus Nützlich- keitsgründen ihre Opposition gegen die aroßlerhstche Regierung aufoaben. so hatten sie damit nicht D-r- zicht auf ihre Forderung nach Schaffung eines Fö­derativstaates geleistet. Wie scharf die Gegensätze noch heute sind, haben die Unruhen in Agram, hem kroatischen Mittelpunkt die sogar zum Belage­rungszustand führten, gezeigt.

Geradezu irredentistifch kann man die Bewe­gung unter den Slowenen nennen. Diese batten sich unter dem Hause Habsburg relativ wohl gefühlt. Das zeigte sich am deutlichsten bei der Abstimmung, bei der selbst in der überwiegend von Slowenen bewohnten südlichsten Zone der größte Teil der Slowenen aus alter Anhänglichkeit für den Der- bleib bei Oesterreich stimmte. Wenn die slowenische Bewegung weniger nach außen wirkte, liegt es eben daran, daß die Slowenen mit ihrem gerin­nen Anteil von nur ungefähr einer Million an her Gesamtbevölkerung nicht als Masse wirken. Der Kampf um dis endgültige Verfassung hemmt also den innerpolitffchen Zusammenschluß.

Verschärfend wirkt habe! der kulturelle Gegen­satz zwischen dem Norden und dem Süden. Mit- ten durch das heutige Jugoslawien zieht nämlich die Grenzlinie zwischen dem west- und osteuro­päischen Kulturkreis. Dis Kroaten und Slowenen haben ihrs Kultur von den Deutschen empfangen und gehören infolge ihrer Jahrhunderte alten Ver­bindung mit Ungarn ober Oesterreich fast ausschließ- l>ch dem Katholizismus an. Altserbien dagegen wurde von Byzanz aus christianisiert und gehört wie Rußland der griechisch-orthodoxifchen Kirche an. per Norden tore-ibt darum die lateinische, der Sü­den die kyrillische (rufftftie) Schrift. Es gibt 47 Crosent Orthodoxe, 35 Prozent Katholiken, 11 -ßroivmf Mohamedaner und 7 Prozent andere. Welchen Emfluß konfessionelle Gegensätze auf das innerpolittsche Leben eines Volkes ausüben, sehen mir an unserem eigenen Vaterlands.

. $u biefen Gegensätzen zwilchen den Gliedern des suds.awischen Stammes treten noch die Gegen- faße zu den nationalen Minderheiten. Ein Blick auf die neue politisch, Karte zeigt, rote weit ins Alpengebiet und in dar Donaubecken die Süd­slawen ihre Grenze vorgeschoben haben. Da das °anzs Donaugebiet feine Kultur dem deutschen Volke verdankt, war es unausbleiblich, daß die Deutschen sich als dis Kulturträger dort überall verbreitet finden. Der Rückstoß' der knlttvierten D°lker. der immer nach deren Mündigkeit einfstzi. Werben begriffen: darum gibt es in jenen Gebieten noch keine nationalen Grenzen, vielmehr greifen die einzelnen Volksstämme finger- artig ineinander ein. Infolge der neuen Grenz- ziehung wurden im Norden Deutsche und Magy- aren einverlskbt. Da diese ebenso wie die Kroaten und Slowenen auf einer höheren Kulturstufe stehen als dis Serben, mußte die großssrbische Unter- drückunaspolitik verbitternd wirken, Crfreulicber- tneife ist in dieser Hinsicht wenigstens argen die Deutschen ein Umschwung eingetreten, der es ihnen ermöglicht hat, sich wieder lonal dem Lande zur Verfügung zu stellen. Im Westen rourhe das von Serben bewohnte Montenegro feiner Selbständig­keit beraubt und ohne Volksb>'ftaaung zu ^vao» Karoten geschlagen An der W"stgrsnze wohnen bie fremdstämmigen Albaner. Die Bevölkerung letzt sich danach zusammen aus 5.5 Millionen Ser­ben» 3 Millionen Kroaten und Slowenen und 31 Millionen Deutschen. Ungarn, Albanern ufm. Das lmwierioste Minderhsitsnvroblem, das immer roie« 2_<r zu C'-vlosionen führt, ist die makedonische i rage. Die Mazedonier, die nach Kultur und »prgch, den Bulgaren zuzurechnsn sind, verlangen - Hoher Erbitterung Autonomie und dsmonstrie-

Tagung der Deutschen van ernvereme

Am 27. und 28. Juni 1928 fand in Berlin unter dem Dorsitz des Präsidenten der Vereinigung Deutschen Bauernvereine, Reichsministers a. D. Dr. Hermes eine Tagung der Vereinigung der Deutschen Bauernvereine statt. Aus allen Bauernvereinsbezirken des Reiches waren führende Persönlichkeiten erschienen

Insbesondere wurde Stellung genommen zum land­wirtschaftlichen Notprogramm. Die geplante Rationali­sierung des Genossenschaftswesens hat, wie Geheimrat heim betonte, ihre Grenzen. Wenn sie diese Grenzen überschreitet, müßen sich verhängnisvolle Folgen einstel­len, die jeden Fortschritt töten. Gerade bezüglich des Genossenschaftswesens darf nicht übersehen werden, daß im wirtschaftlichen Geschehen alles Leben von der Zelle ausgeht.

Sehr ausführlich wurde die Frage des inneren Aus­baues der Vereinigung der Deutschen Bauernvereine er­örtert, wobei sich Einmütigkeit in der Billigung der von der Zentralstelle der Versammlung unterbreiteten Vorschläge ergab.

Einen breiten Raum in den Beratungen nahmen die Fragen der Besteuerung ein. Bezüglich der dreijähri­gen Durchschnitts in der Einkommensteuer wurde fest­gestellt, daß der Wunsch nach der Durchschnittsbesteue­rung verursacht ist durch die höhe der Gesamtsteuer­belastung. Man erwartet bei der mehr gefühlsmäßigen Behandlung dieser Frage in Erinnerung an ein anders geartetes Steuersystem der Vorkriegszeit eine Steuer­erleichterung. Diese Steuererleichterung wird aber für die Mehrzahl der Landwirte auch bei Einführung der

dreijährigen Durchschnittsbesteuerung solange nicht er­reicht, wie die Mängel des gegenwärtigen Steuersystems bestehen bleiben. Sozialpolitisch würde die Einführung des dreijährigen Durchschnitts eine weitere Bevorzugung» der großen Einkommen gegenüber den kleineren bedeu­ten. Die Besteuerung der Landwirtschaft müsse der Tat- fache Rechnung tragen, daß in den kleineren land­wirtschaftlichen Betrieben der Bodenbesitz lediglich die Voraussetzung darstellt für die Betätigung der Arbeits­kraft des Besitzers und feiner Familienangehörigen, heute ziehen der Besitzer und feine Angehörigen bei der jetzigen Lage der Landwittfchaft aus ihrem Besitz weder eine Grundrente, noch Unternehmerlohn, noch Unter- nehmergewinn, meistens nicht einmal einen angemesse­nen Lohn für ihre geleisteten Arbeiten Die Pauschal­sätze bei der Einkommensteuer und Umsatzsteuer müssen so berechnet werden, daß sie den tatsächlichen Verhält­nissen (Viehverluste, Mißernten) Rechnung tragen. Die Ueberschüsse der Rentenbank müssen dazu verwendet werden, die Belastung des Bauernstandes mit Renten- bankzinsen zu verringern. Gefordert wurde weiter eine Berücksichtigung der Lage der Landwirtschaft im Steuer- vereinheitlichkeitsgesetz und ein gerechter Finanzaus­gleich.

Eingehendere Erörterung erfuhren die Fragen bet ländlichen Siedlung Die Nützlichkeit der ländlichen 'Siedlung für Staat und Volk wurde allseits anerkannt und auch die Notwendigkeit der weiteren Förderung der ländlichen Siedlung durch die Bauernvereine stark her­vorgehoben. Zur Abstellung der Mängel, die sich in den letzten Jahren in der ländlichen Siedlungspolitik gezeigt haben, verlangte die Dertretertagung die Durchführung der ländlichen Siedlung im engsten Einvernehmen mit den bäuerlichen Organisationen.

Das landwirtschaftliche Brennereiwesen in feiner ge­genwärtigen Notlage war Gegenstand einer lebhaften Aussprache. Die Bauernoereinsorganisationen in allen Teilen des Reiches erkennen die Notwendigkeit an, die­sen wichtigen landwirtschaftlichen Produktionszweig in seinem gegenwärtigen ländlichen Charakter zu erhalten und zu festigen. Die Stoßkraft der gesamten bäuerlichen Landwirtschaft hat sich hinter die besonderen Interessen des Brennereiwesens zu stellen.

. lieber die Fragen der internationalen Landwirtschaft berichtete eingehend Herr Minister Dr Hermes, der als Vertreter des Reichsausschusses der deutschen Landwirt­schaft an den internationalen Tagungen teilnimmt. Er hob die Bedeutung hervor und wies die Ziele der inter­nationalen landwirtschaftlichen Zusammenarbeit auf.

Die Tagung erbrachte den Beweis, daß sämtliche Bauernvereine von dem unerschütterlichen Willen beseelt sind, ihre ganze Kraft für die Durchführung der bewähr­ten Grundsätze der Bauernvereine im öffentlichen Leben einsetzen.