M 155.
Samstag, den 7. Juli 1928.
Fuldaer Leitung
2. Blatt.
Druck 6 et Fuldaer AcNendruckerei, Fulda
Notwendige Interpretationen.
Wenn man die programmatische Erklärung, die Hermann Müller am Dienstag im Reichstagsplenum namens der neuen Regierung abgegeben hat, ganz summarisch beurteilen will, muh man sagen: sie ist eine Plattform, auf der sich die RÄchstagsparteien, die Mitglieder in das neue Kabinett entsandt haben und die ihm später noch festere Tragbalken unterziehen wollen, sich wohl xu fruchtbarer Gesetzgeberarbeit vereinigen können. Mir die Brauchbarkeit dieser Plattform spricht, ab- gefehen von den sachlichen Gründen, auch die schwere Enttäuschung, die in den Blättern der Rechten am Mittwoch morgen zum Ausdruck kam. Sie hatten ein „rotes" Programm erwartet und ihre Federn schon ganz darauf eingestellt und sie fanden, um mit Hugenberg's „Tag" zu sprechen, die „Rede eines Mannes, der ein ganz bourgoises Programm verteidigt".
Taktisch wirkte sich dies« unerwartete Erkenntnis in der Rechtspresse dann so aus, daß man versuchte, die Kommunisten aufzuhetzen und im übrigen die ganze Polemik auf die Behauptung abzustellen, daß das Regierungsprogramm nur zahlreiche, „matte" Ankündigungen enthielte und von den konkreten Gesetzentwürfen, die vorbereitet würden, immer nur „ein Zipfelchen" sehen ließe. Als ob es überhaupt anders möglich wäre. Daß ein Programm immer die Taten erst ankündigt, ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich sollte es sein, daß man endgültige Urteile solange zurückstellt, bis Taten vorliegen. Auch sÄlte man es ganz allgemein vermeiden — zu die- ser Bemerkung liegt ebenfalls Anlaß vor — die Taten der Regierung noch vor der Programmrede durch Initiativanträge zu präfudizieren. Natürlich haben die Parteien, gerade gegenüber einem Kabinett ohne fraktionelle Bindung, das Recht, auf eine in ihrem Sinne liegende Interpretation der Regierungsankündigungen hinzuwirken und sogar die Pflicht, in abweichenden Fällen ihren grundsätzlichen Standpunkt klarzustellen. Auch die Zen- trumsfraktion wird das in allen Fällen tun, die unveräußerliche Belange ihrer Wähler betreffen.
Das gilt namentlich für gewisse kulturelle Fragen, die die Regierungserkärung ansck neidet. Die „Germania" hatte recht, als sie am Mittwoch morgen bezüglich der Schulfrage schrieb: Das Zentrumsvolk wird niemals auf den grundsätzlichen Standpunkt verzichten, den es in tiefer Frage einnimmt. Elternrechts und Gewissensfreiheit sind uns verbürgt. Wir werden immer nur ein Schulgesetz anzuerkennen in der Lage sein, wenn es nicht nur tiefen beiden natürlichen Grundrechten vollständig Rechnung ttägt, sondern wenn es der konfessionellen Schule den Platz einräumt, der ihr als seelffche Dildungs- und wissenschaftliche Erziehungsanstalt gleichberechtigt den übrigen zukommt."
Die Schulfrage ist aber nicht der einzige Fra- genkompler, der das Zentrum zur Betmung feines grundsätzlichen Standpunktes veranlaßt. Auch was den Schutz und die Förderung des Familienqedan- kens und damit der sittlichen Gesundheit des Bol- kes überhaupt anbetrifft, vertritt das Zentrum auch in Zukunft feine eigenen unabänderlichen Anfchau» ungen. In der Regierungserklärung wird die Familie nur in dem Absatz über die Wohnungsnot erwähnt. Cs heißt da: „Der Erhaltung des Altwohnraumes und dem Dau neuer Wohnungen wird die Regierung ihre besondere Sorge zuwen- den und dabei dem Bedürfnis der unbemittelten und minderbemittelten wohnungslosen Bolkskreise, vor allem der neu begründeten und der kinderrei-
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chen Familien, sowie der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen vorzugsweise Rechnung tra- gen. Darüber hinaus sind auch andere Maßnahmen zur Erleichterung der Lasten kinderreicher Familien zu treffen.
Diese Formulierung scheint anzudeuten, daß die Mehrheit des neuen Kabinetts eine Sicherung und Hebung der Familie nur von w i r t sch a f t l i ch e n Maßnahmen erwartet. Die Zentrumspartei steht demgegenüber auf dem Standpunkt, daß der Familie nicht allein mit materieller Besserstellung geholfen werden kann, sondern daß es eben so sehr auch darauf ankommt, die Familie als Keimzelle von Staat und Bolk auch in kultureller und sittlicher Hinsicht zu erhalten und zu fördern. Sie verkennt dabei durchaus nicht, daß die Bekämpfung der Wohnungsnot zur Hebung der Sittlichkeit in wichtigster Weise beitragen muß und sie will deshalb auch nachdrücklich, daß man die Bekämpfung der Wohnungsnot mit den äußersten Mitteln in Angriff nimmt. Aber sie glaubt, daß die Wohnungsnot nicht die einzige Gefahr ist, die die Familie bedroht, und daß alle Bemühungen wirtschaftlicher Art in sittlicher und kultureller Hinsicht letzten Endes erfolglos bleiben, wenn man der Familie und ihren Mitgliedern den rechtlichen Schutz versagt, dessen sie angesichts der destruktiven Tendenzen im heutigen Gesellschaftsleben bedarf. Die Zentrumspartei wird also etwaigen Gesetzentwürfen, die die Ehe gefährden, die die Würde der Frau und Mutter verletzen, oder die den Schutz der Jugend vor Schmutz und Schund aufheben, niemals ihre Zusttmmung geben.
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Aus aller west.
* Ein Revolveralkenkat auf offener Straße. Am Mittwoch nachmittag gab auf der stark belebten Sophienstraße in Heidelberg der 28jährige verheiratete Eller aus dem Stadtteil Heidelberg-Kirchheim auf eine Frau Eichelberg aus Mundenheim zwei Schüsse ab, die die Frau schwer verletzten. Dann tötete sich der Täter felbst durch einen Schuß in die Schläfe, lieber die Gründe der Tat ist bisher noch nichts bekannt.
* Anklaqeerhebung gegen Erna Anthony wegen Totschlags. Gegen die Buchhalterin Erna An. thonn in Berlin, die der Portierfrau Schüler in der Charlottenstraße aus bisher noch nicht klargestellten Motiven mit einem Messer die Kehle durchschnitten hat, ist jetzt von der Staatsanwaltschaft Anklage wegen vorsätzlicher Tötung, also nicht wegen Mordes, erhoben worden. Die Angeklagte ist auf Anttag ihres Rechtsanwalts Watter Bahn durch die Gerichtsärzte auf ihren Geisteszustand untersucht worden. Das Gutachten verneint jedoch den Paragraphen 51, bezeichnet die Anthony jedoch als geistig minderwertige Person. Die Haupt« Verhandlung wird möglicherweise noch in tiefem Monat vor dem Schwurgericht stattfinden.
* Ein Skeuerbeamler, der mit sich handeln läßt. Der Kaufmann Paul Tolle aus Königsberg, der sechs Monats lang in der Steuerverwaltung eines städtischen Bezirksamtes angestellt war und dann freiwillig ausgeschieden ist, wurde vom Berliner Schöffengericht zu acht Monaten Gefängnis
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Katholischer Gotte,dienst. ,
Sonntag, 8. Juli. Mda. Dom. 1. Beichtgelegen. Herten sind: Samstaa morgens von Uhr ab; nachmittMs von 2—3 für Kinder; von */i5—7 Uhr und von V-8 Uyr ab für Erwachsene; Sonntag morgens von '/iß Uhr ab. 2. Sonntagsgottesdienste: */»6, 6, V«7 und 7 Uhr hl. Messen mit Gelegenheit zum Empfang der hl. Kommunion. •/<? hl. Messe und Kommunion für den Juaend- und Jungmännerverein in der Marienkapelle. 8 Uhr Pfarramt mit Predigt, Kommunion der Kinder der 7. Schuljahres. V«10 Kathedralamt mit Predigt, •/dl Christenl. für die Jünglinge. Vd2 letzte HI. Messe mit Predigt. Vi2 Herz-Mariä-Bruderschaft mit Segen. Um 4 Uhr Predigt, Andacht und Segen. Um 7 11br Herz-Mariä-Bruderschaft mit Segen in der Marienkap. 3. Werktagsgottesdienste: Je.den Morgen von V»6—7 Uhr hnlHkündlich hl. Messen mit Austeilung der hl. Kom. V<8 Uhr Pfarrgottesdienst mit HI. Kommunion. 9tzhr letzte hl. Messe mit Austeilung der hl. Kommunion. Montag abend um */i8 Uhr ist keine Andacht. — Stadtpfarrktrche. Wichtgelegenheit: Samstag nachm. 3—7, 7*/i—8Vi, Sonntag früh 5%—7 Uhr. SonntagS-Gottes» dtenste: 6 hl. Messe, Ansprache und Kommunion der Dienstmädchen, 6'/« hl. Messe und Kommunion der Jünglinge. Um 8 Uhr vorm. erster Schulgottesdienst, Predigt und Kommunion des 7. Schuljahres. SV» Uhr Pfarramt und Predigt. 11 zweiter Schulgottesdienst und Predigt. 91/- Andacht der JünglingSsodalität in der Severikirche. I1/, Christenl. der Jungsr. 2'/, Bruderschaft vqn der Todesangst des Herrn. 4 Uhr nachmittags Andacht für üje Dienstmädchenkongreg. in der Deventtrche. Die heilige Kommunion wird von 5*/«—7Vi Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 8Vi und 9v« Uhr. Werktagsgottesdienste: 6,6Vi, 7'/« und 8 Uhr. Mittwoch, Freitag, Samstag früh um 6 Uhr Beichtgelegenheit. Freitag Abend um 8 Uhr ist Segens. Andacht. — Pfarrkirche zum Helligen Seist. 7 Uhr Frühmesse mit Ansprache. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, Kommun, der Jünglinge und 7. Schuljahres, »/dl Kindergottesdienst mit Ansprache. Vd2 Christenlehre der Jungst. 8 Uhr SegenSandacht. Mittwoch Abend 8 Uhr Segensandacht. An den Werktagen 6 Uhr und um 7V« Uhr hi. Messe.
BeiiMgelegenheit jeden Morgen von */«7 bis 7 Uhr und Samstag von 4—6 Uhr. Sonntag Morgen 6—7 Uhr. — SodattKt Vormittaas um VdO Uhr Gottesdienst. - $t Sturmius - Pfarrkirche. TV« Kommun.. AuStlg. TV« Frühmesse mit Predigt. Komm, der Jünglinge. 9 Uhr Hochamt mit Pred. Danach Christen!. V,2 SegenSand — Kbteikirche der venedlltttnerinnen. Um 6 Konventmefle, V«9 Uhr Konventamt. — Herz - Zesu - Beim. Um 8 Uhr Amt und Predigt. 2 Andacht und Segen. Werktags ist die hl. Messe um 6. Mittwoch 81/« SegenSandacht. — Hriedhokskapelle am stronzosemoSldch««. Sonntag: 8 bl. Messe mit Ansprache und Kommunion. Austeilung. Werktags: KV, hl. Messe mit Kommunion-AuSteilung. — Severikirche. 7 hl. Messe. 8 Oberrealschulgottesdienst. — Zrauenberg. Ablatztag wegen des Festes der hl. Elisabeth, Königin non Portugal, Ww. vom 3. Orden. Hl. Messen von 5—7 Uhr. 8 Uhr Bruderschaftsmesse mit Predigt und liturg. Gebeten. 0 Uhr Hochamt mit Predigt. 2 Uhr Predigt und Andacht für die Terziaren. Erteilung des päpstlichen Segens.
Reuenberg. V,g Uhr Amt und Predigt. — ttfcrett. 8 Uhr Amt und Predigt. — Dieterrhan. *A10 Uhr Amt und Predigt.
M o n t a g, g. Juli. Abteistrche der venediktinerinnen. Ewige Anbetung. 6 Uhr Aussetzung und hl. Messe. 6V», 7, 71/,, 8 Uhr hl. Messen. 9 Levitenamt. 11-12 öffentl. Betstunde, 12—1 stille Anbetung, 1—3 öffentL Betstunden, 3 feiert. Pe per, 4—5 stille Anbetung, 5—6 öffentl. Betstunde, 6 Schluß mdacht mit Te Deum.
Gvnnqekischer
Sonntag, den 8. Juli. (6. Sonntag nach Trinitatis.) Hulda. Sonn. 8 und S7, Uhr Sup. Ruhl. — vad Salzschlirf. 10 Uhr vorm. Superintendent Balte. — Amtswoche KreiSpfarrer Weber.
Evangel. laudessttrchl. «emeiufchast, fftrifa, vutttarstr.
Sonntag, 8. Juli. Abends um 8 Uhr Bibelstund«. Dienstag abend um 81/« Uhr Bibel- und Gebetstunde. Jedermann ist herzlich eingeladen.
verurteilt, weil er während und nach feiner Beam- tentättgkeit imsit ordnungsgemäß gestempelten Formularen un d Quittungen widerrechtliche Steuerpj-ändungen in seinem Bezirk vor- genommen 'and dabei teilweise recht erhebliche Beträge sich a «-geeignet hat. Er suchte sich dabei Leute aus, die n tu zugezogen und mit den Steuerver- HAtnissen in Berlin nicht vertraut waren. Um Barzahlunr; zu erhalten, gewährte er dabei aus eigener Mac h tvollkommenheit ganz erhebliche Nachlässe. Ben merkenswert ist, daß Tolle als Beamter verpflichtet werden konnte, obwohl er schon fünfmal, darrtuter einmal mit zwei Jahren G e - fängni s, vorbestraft war. Für seine letzte Strafe vo n neun Monaten hatte er Strafaussetzung erhalten.
*Em r «tuet Dc- ehensschwindel ht Berlin aufgedeckt. Gei n Finan Makler aus der Jägerstraße in Berlin suchte Darlehen von 100 Mark aufwärts, für die tr monatlich 3 Prozent Zinsen versprach. Trotz al' fer Skandale, die gerade aus diesem Gebiet bek htnt geworden sind, fand er sehr viele Leute, t üe ihm ihr Geld brachten. Am 1. März zahlte er das ihm geliehene Kapital nicht mehr zu- rück. Er wurde wegen Betruges in Untersuchungshaft ger wmmen. Wie groß die Zahl der Geschädigten ist «nd wie hoch sich di« Summe des veruntreuten «Geldes beläuft, steht noch nicht fest.
Soziales.
— , ,£eo" Volksversicherungsbank a. G, Köln. Die ordentli ehe diesjährige Generalversammlung in Köln, der eir i feierliches Hochamt für die lebenden und ab« gestorb enen Mitglieder in der Pfarrkirche St. Maria in der Kupfergasse voraufging, war zahlreich besucht. Durch den Vorsitzenden, Religionslehrer Houben, wurde feftgeff jeHt, daß durch 35 stimmberechtigte Delegierte 37 Bezirk «verbände mit 95660 Mitgliedern vertreten waren, die ül -er 975 Stimmen verfügten. Nach dem durch Direktor Lahr erstatteten Geschäftsbericht ist der per 31. Dezer aber 1927 mit 85 825 Versicherungen über rund 24 Milli onen Mark Versicherungssumme festgestellte Bestand inzwischen auf 123 000 über 40 Millionen gestiegen, ein Beweis des zunehmenden Verttauens. Die vorg elegte Bilanz nebst Gewinn» und Derlustrechnung, welt tze von Direktor Sinzig erläutert wurde, schließt ab mit einem Reingewinn von 126.543.76 Mk., von dem dem Aufwertungsstock der Altversicherten 10 000 Mk., der Sicherheitsreseroe 10.133.94 Mk., der Erttareserve 53/804.82 Mk. und der Gewinnreserve der Mitglieder 50.205 Mk. überwiesen wurden. Die Gewinnanteile der Mitglieder wurden auf 2 bezw. 1 Prozent der Ser- fich«rungssumme, je nach der Zugehörigkeit der Der- fid; lerten zu den bestehenden Gewinnverbänden festgesetzt. Der Geschäftsbericht, Bilanz-, Gewinn- und Derlustrech- nimg wurden nach erfolgter Aussprache genehmigt und unter besonderer Anerkennung für die geleistete Arbeit uni) den erzielten Erfolg dem Vorstand und Auffichtsrat einmütig Entlastung erteilt. Ebenso einmütig erfolgte die Wiederwahl der satzungsgemäh ausscheidenden Mit« xflüeder des Aufstchtsrats.
wie wird das Wetter?
Die Entwicklung der SBetteriage wird durch einen garten Druckfall über Mitteleuropa gekennzeichnet. Die der England liegende Zyklone vertieft sich hierbei und bringt auf ihrer Südseite zunächst noch sehr warme und Bchte Luftmassen in unfern Bereich. Diese werden och sehr bald durch kühlere Luftmassen vom Meer ■ verdrängen werden, worauf starke Niederschläge und verbreitete Gewitter zu erwarten sind. Auch int Bereich der kühleren Luftmassen wird die nördliche Zyklone mtt ihren Randstörungen das Wetter beherrschen.
Witterungsaussichten für Sa mrtag: Fortdauer der unbeständigen, zu Gewittern neigenden Witterung.
Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer, Fulda. Berantwottlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei 3. Varzeller.
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er HWg 6 ? ®°s * Sie so sehr?" fragte £?'Wunsch und Wille einten sich tn dem Entschluß. Ich leiben« Wenn er nur die Unbefangenheit behält!
„Dagmar, meine liebe Dagmar, toQ-
fragte Axel betroffen. °S Wt 9b-nen?
2hr- Augen strahlten wie Sterne, bereu Lickt llck durch die dicksten Rebel siegreich Bahn bricht Sie batte la nur einen Gedanken: du darfst ihm nicht mete tun! Ganz zart und vorsichtig fing sie an zu reden- Nun hin 'ch wieder ganz gesund, Herr Dahlgren! Nun darf i* ferne Minute versäumen. O, ich habe so vieles nathxu- Men! Vis in die späte Nacht wird meine Lampe [eudu ten müssen, bevor ich alles nachgeholt habe, $err Dahl'
Tante würde sonst schelten, käme sie heim und l?"be mich so wett rm Rückstand! Sehen Sie dar em §-rr Dahlgren?" .
«Per schüttelte den Kopf: „Eigentlich nicht! Wofür 7e®en Die einen Freund gefunden, der sich glücklich pTCj, «bnen?"1^' $^ren ^Echen Lebenspfad ein wenig z»
Wie weh tat ihr das Lächeln, zu dem sie sich feinet- ro<flc" gingen mußte!
^err Dahlgren, würden Sie Hilfe annehmen, auf E«nen Anspruch haben?
„ "in doch auch ein Mann! Ich will mit starker sum,ln Schicksal meistern!"
.Z, Sie nicht, daß auch ein Mädchen den Stolz T- frcmb€ H'lfe fertig zu werden?"
es ihn, ihr zu sagen: Ich habe dich lie- >?»en anderen Menschen auf der Welt! Darum « anbieten, und du darfst sie annchmen'
ihr hatte ja erst recht'sein Hey, wach gerittmt, und »enn er noch den leisesten Zweifel über iue Art seines fühlen» gehegt hätte: jetzt mar er Der- ftyllNjNbkR.
Siber er brachte dieses Bekenntnis nicht über die Lip> ^en. ”ctn, er dachte in diesem Augenblick nicht mehr j
an das Urteil der Menschen seines Lebenskreises. So stürmisch pochte sein Herz in heißer Sehnsucht nach ihr, daß er sie in seine Arme geschlossen hätte, ahne nur nach einem Menschen zu fragen. Und doch zwang er seine ungestüme Sehnsucht nieder. War es denn sicher, daß Dagmar ihn so liebte, wie er geliebt fein wollte? Wäre es nicht ganz natürlich daß sie sich ihm zu eigen gäbe, weil er die Mittel besaß, um sie aus Armut und Not zu erlösen? 3a, wenn eine starke, alles bezwingende Liebe sie an ihm kettete! Dann brauchte er sich keinen Augenblick zu besinnen. Aber der gegenwärtige Zeitpunkt wäre zu dieser entscheidenden Frage schlecht gewählt, dos fühlte er selbst.
Dagmar sah mtt ihren von Leid geschärften Blicken deutlich genug, daß er mtt sich selbst im Kampfe lag. Ein furchtbares Erschrecken schnürte ihr Herz zusammen: Nun wird er mir aus Mitleid seine Liebe anbieten! Was unter anderen Umständen für mich höchstes Glück wäre, das muß ich jetzt zurückweisen, weil es in den Stürmen des Lebens unmöglich Bestand haben könnte. Früher oder später müßte er einsehen, daß er einen Mißgriff getan, indem er ein Mädchen zur Lebensgefährtin erkoren halte, das gesellschaftlich so tief unter ihm stand. Die Menschen, deren Gehässigkeit sie ja erst vor kurzem kennen gelernt halle, würden es schon an hämischen, spottenden Bemerkungen nicht fehlen lassen, damit er nur ja recht früh zu dieser Einsicht kam. Trotz chrer tiefen Siebe, die sie zu ihm im Herzen trug, würde doch sein und chr Glück in Scherben gehen. Davor mußte sie Axel bewahren.
Sie Mang sich zur Unbefangenhett, nahm ihre Arbeit wieder auf, als dürste sie sich auch durch feine Anwesen - beit nicht stören lassen. Dabei plauderte sie: „Nun kommt weine Tante bald heim, Herr Dahlgren. Da werden Sie öbre Besuche wohl einstellen müssen!"
Aus roiberfteitenben Gedanken fuhr er auf: „Aber toarum denn, Dagmar? Dürfte nicht jeder Mensch während meiner Besuche zugegen fein?"
>'®croi6, und doch muß ich Sie bitten: kommen Sie nigjt mehr, wenn Tante erst zu Hause ist. Erlassen Sie es mir, diese Bitte näher zu begründen!"
„Dagmar, Sie verlangen Unmögliches von mir! Sie ließen sich meine Freundschaft gefallen, und nun wollen Sie mich aus Ihrem Lebensbuche streichen, als hätte ich niemals existiert?" 1
11 »»»■»■■■■■■■■■■■■aa
„Davon habe ich nicht ein einziges Wort gesagt, Here Dahlgren! Die Erinnerung an diese schönen Tage tan.-e mir kein Mensch aus dem Herzen reißen! Das Schickstil spielt oft wunderlich. Vielleicht führt es uns wieder zu^ sammen, und wir treten einander unbefangen gegenüber."
2fpel mußte schwer gegen seine gereizte Stimmung anSämpfen. Sie will mich los werden! dachte er immer wieder. Mer wenn er in ihre Augen schaute, deren strahlendes Geleucht durch feine Schleier gedämpft wurde, dann verflog fein Unmut. Dagmar meinte es gewiß gut! Sie handelt nicht aus kluger Berechnung — o, bann würde sie mich fest zu halten versuchen! Sie muß doch wissen, daß ein Dahlgren etwas zu bieten hat! — sondern ihr reines Empfinden treibt sie dazu, diesem uzv- klaren Dechältnis ein Ende zu machen! Muß Ich sie darum nicht noch mchr lieben?! Und hat sie nicht voll- kommen recht: Das Schicksal spielt oft wunderlich. Diel, leicht führt es uns wieder zusammen?
Er wollte aus feinen guten Stern vertrauen. Es mochte fogar besser sein, wenn er eine Zeitlang von ihr getrennt wurde. Dann gewannen sie Klarheit Ober ihr gegenseitiges Verhältnis.
Seine Stimme bebte. Unschlüssig reckte er die Arme nach ihr und ließ sie doch wieder sinken. Alles in ihm fieberte nach chr. Nie war er sich dessen so schr bewußt gewesen, wie schr er sie liebte, als gerate jetzt, wo er von ihr scheiden sollte.
„Dagmar, es muß für uns ein Wiedersehen geben! Ich werde Sie im Auge behalten. Sie aber müssen mir eines versprechen: Geben Sie mir Nachricht, fö6aö> Sie Ihre Wohnung wechseln! Das darf der Freund wohl von Ihnen verlangen! Versprechen Sie es mir!" In heißer Erregung schaute er sie an.
„3a, Herr Dahlgren, ich verspreche es Ihnen! Und auch dann will ich mich dessen erinnern, daß Sie mein Freund geworden sind, wenn ich in Not fein sollte. Sind Die nun mit mir zufrieden?"
3n diesem Augenblicke brach fein heißes Empfinden alle Dämme nieder, die er mühsam aufgerichtet hatte. Ehe Dagmar sich darüber klar wurde, was mit chr ge- schah, schloß er sie in feine Arme und preßte feine zucken- den Lippen auf das blonde Haupt. Für eines Herzschlags Länge empfand sie nichts als namenloses Glück in feiner Umarmuna. Sie hätte jubeln und jauchzen |
können. Er liebte sie nicht minder heiß und ungestüm wie sie ihnl
Doch schon legte sich der Rauhreif aus ihre sprossende Blütenherrlichkeit. Weil er sie in Zukunft nicht mehr he- suchen durfte, nahm er sich selbst Lohn für das alles, was er ihr getan hatte! Nein, er dachte sich gewiß nichts Böses. Auch in diesem Augenblicke ließ sie ihm Gerech- tigksit widerfahren. Aber sie mußte für ihn auf der Hut fein. Ihre Liste war nun einmal zur Aussichtslosigkeit verurteilt. Daum durste sie ihm nicht den leisesten Gunftbeweis gestatten!
Vorsichtig Este sie sich aus der Umarmung und wich einige Schritte zu.rück. Die Trauer, di« sich in tzren Zügen ausprägte, hielt Axel für etwas ganz anderes. Es schien ihm, als sei Dagmar über seine stürmische Lieb- kosung erschrocken. Schmerzhaft fühtte er ihre Zurückweisung und muhte sich doch sagen, daß das alles fo zu dem Bilde paßte, das er von Dagmar in seinem Herzen trug. Oder mußte er sie darum nicht nur noch Häher achten, daß sie sich gab, wie sie wirklich war? Daß sie keine Gefühle heuchelte, die ihr fremd waren?
Ganz leise sprach er jetzt zu ihr: „Verzeihen Sie mir, Dagmar, daß ich mich nicht besser beherrschte! Ich wollte Sie gewiß nicht erschrecken, noch weniger verletzen, ganz gewiß nicht! Wer Ihre entschiedene Forderung, ich dürste Sie in Zukunft nicht mehr in Ihrer Wohnung besuchen, hat alles in mir aufgewühlt, und da habe ich für einen Augenblick die Herrschaft über mich verloren. Können Sie mir verzeihen?"
Dagmar schaute ihn unendlich lieb an. O, wenn sie ihm sagen dürfte: Ich habe dich ja fo lieb, daß ich nichts Schöneres wünschen kann als an deinem Herzen M ruhen! Nux darf ich nicht vergessen, daß Scheide- wände chne unser Zutun zwischen uns aufgerichtet war- den, die wir anerkennen müssen! Ich will dich nicht in unerquickliche Verhältnisse zerren, bennn sie würden für dich gar bald eine Ernüchterung zur Folge haben. Wenn wir jetzt auseinandergehen, ohne uns irgendwie gebun- den zu haben, dann wirst du mich über deiner Arbeit • und deinen vielen Bekannten gar bald vergessen haben, wirst nach einem dauerhafteren Glück deine Hände aus- trecken, und ich werde dich aus der Ferne segnen, denn du hast mir ja acht Tage lang die Sonne in mein einsames Dasein getragen!
(Fortsetzung folgt.)