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Nr. 153.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. :< Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk. >:

Donnerstag, 5. Inti 1926.

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MuffoUm und Seipel über Südtirol

stellen.

ter mehr

Handlung dieser Frage für die gesamte Wirtschafts. Finanzlage Deutschlands auf lange Jahre hinaus

wird.

Vor wende

auf allen geleistet wird, auf dem Weg entspricht dem

klar ihre und Ich

Gebieten entschlossene Reformarbeit

Denn nur entschiedene» Weiterarbeiten des sozialen und politischen Fortschrittes Willen, den das deutsche Volk bei der

Agenzia Stefans meldet aus Rom: Um die herzlichen Beziehungen, die vor den Kundgebungen von Oberetsch in Oesterreich zwischen den beiden Regierungen bestanden, wieder herbeizuführen, fand zwischen Ministerpräsident Mussolini und dem Bundeskanzler D r. Seipel ein Botschaften­wechsel statt, worin der Bundeskanzler feststellt, daß es sich für die Bundesregierung in dieser Sache um eine rein kulturelle Angelegenheit ge­handelt habe. Der Bundeskanzler hat dabei er­klärt, daß er nie aufgehört habe, die Südtiroler Frage als eine rein innere italienische Angelegen­heit zu betrachten, und daß die italienischen Staats­bürger deutscher Nationalität ihre Wünsche und Einwendungen nur an Italien richten müssen. Der Kanzler erklärte weiter, daß die verantwortlichen Persönlichkeiten Oesterreichs immer darauf bedacht waren, sich nicht in die inneren politischen Ange­legenheiten einzumischen und daß sie auch in Zu­kunft diese Richtlinien einhalten werden. Diese Persönlichkeiten hätten nie an antiitalienischen Agitationen teilgenommen und sie auch nicht er­mutigt. Wenn unverantwortliche Elemente die- fen Weg einschlagen werden, werde die Bundes­regierung mit allen ihr im Rahmen der Gesetze zur Verfügung stehenden Mitteln dem entgegen­treten. Infolge dieses Notenwechsels hat Mini­sterpräsident Mussolini verfügt, daß der italienische Gesandte in Wien, Eommendatore Awriti, auf fei­nen Wiener Posten zurückkehrt.

*

Zum Botschaftenwechsel zwischen Mussolini und Seipel betreffend Südtirol schreibt die „Neue Freie Presse":

Man kann uns Südtirol nicht aus dem Herzen reißen. Die kulturelle Frage steht nach wie vor

eine weittragende Aufgabe wird uns die kom»

Entwicklung In der Reparationsfrage

Schulpolitik

wird die Reichsregierung die Lösung des weittragender Problems des Reichsschulgefetzes im ©inne der Hebung und Verbesserung des hochwertigen deutschen Schulwe­sens anftreben. Dabei ist die Stellung der Schule als eines der Staatshoheit unterstehenden Organismus, des­sen Ausbau und Gliederung auf den Bestimmungen bei Reichsoerfassung beruht das Recht der Religionsgeftil- schäften bezüglich des Religionsunterrichts und die ver­fassungsmäßig gewährleistete Gewissensfreiheit unter Ve. rücksichtigung der Elternrechte zu wahren. Die Pf'->ze der körperlichen, geistigen und sittlichen Gesundheit des

auf der Tagesordnung. Politisch sind wir ohn­mächtig; politisch müssen wir deshalb den Wunsch haben, mit allen Staaten in einem guten Verhält­nis zu leben, insbesondere mit den bedeutenden. Deswegen muß das Ende der großen Spannung mit Italien Genugtuung erwecken. Möge dieses Verständnis Nutzen bringen und Hoffnung für Südtirol. In einer weiteren Aeußerung der „Neuen Freien Presse" heißt es: Oesterreich sei in der Zwangslage, einige internationale Beschlüsse zu be­nötigen, damit die Anleihe «Mich zustandekomme. Für die österreichische Regierung gebe es wohl zwei Möglichkeiten, die diplomatifche Offensive Italiens zu beantworten: mit einem unmittelbaren Gegenstoß in Richtung auf den Anschluß ober mit einer stärkeren Anlehnung an die Sukzesiionsstaa- ten. Beide Wege seien jedoch für den Augenblick versperrt. So fei die internationale Situation Oesterreichs leider womöglich noch schwerer als dle wirtschaftliche Lage. Das Communiquä über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Italien sei ein Beweis der Vereinsamung Oesterreichs.

Alle übrigen Blätter Wiens enthalten sich bis­her eines Kommentars. Nur die großdeutschen „Wiener Neuesten Nachrichten" erklären: Wir wa- ren gestern abend nicht mehr in der Lage, fest- zustellen, welche Beweggründe den Bundeskanzler veranlaßt haben, diese ausfallende Erklärung der italienischen Regierung zu übermitteln. Wir behal­ten uns daher eine Stellungnahme vor. Wir muf­fen mindestens annehmen, daß eine solche Erklä-

Volkrbonservativ.

Der Prinzipienkampf innerhalb der Deutsch- natioi ilen Volkspartei, die Artikelkaskade, die durch Lambachs Vorgehen ausgelöst wurde, ist auf­zufassen als das eruptive Zutagetreten eines latent schon lange bestehenden Spannungsverhältnisses, das mit den Worten Republik oder Monarchie nicht vollständig und auch nur äußerlich gekennzeichnet wird. Im Grunde handelt es sich hier nicht allein um die Staatsform an sich, sondern um einen Ge­gensatz zwischen klassenegoistischen und volkssolidari- fchen Strebungen. Die Begriffe Monarchie und Republik spielen in der Debatte nur deshalb die große Rolle, weil sie sinnfällig sind und — man nehme uns das nicht übel, es trifft auch nicht alle Propagandisten der Monarchie — weil es viele romantische Leute gibt, die den Klassenegoismus nicht merken, wenn man ihnen in herrlichen Wor­ten den Pomp und die Macht des Kaisertums preist.

Wir wollen es uns jetzt versagen, auf die ein­zelnen Phasen der deutschnationalen Auseinander­setzungen näher einzugehen und nur mit knap­pen Worten aufzeigen, in welcher Situation sich die Partei des Herrn Lambach trotz der Montags- fitzung der deuttchnationalen Reichstagsfraktton auch heute noch befindet und wie unter Umständen der dortige Kampf auf das deutsche Parteileben einwirken kann. Nimmt man die angeschnittene Frage als Richtschnur, so lassen sich in der Deutsch- nationalen Partei zwei gegnerische und eine ver­söhnliche Gruppe scharf unterscheiden. Auf der einen Seite steht die reaktioäre Arbeiter­gruppe der Großagrarier und Industriekapitäne, die unter Westarps Führung „nun erst recht" den Monarchismus predigen und auf der andern Lam- bach's Gefolgschaft, die Arbeitnehmer, die An­gestellten und Arbeiter, die ohne selbst alle aus­gesprochene Republikaner zu sein, die Frage der Staatsform weit hinter die Schaffung einer neuen „volkskonservaliven" Gesellschaftsordung zuriickzu- stellen möchten. Zwischen diesen beiden Gegnern sucht die Gruppe Treviranus, ohne ihre größere Sympathie für die Lambachleute zu verteidigen, nach einer Kompromißformel, die es er­möglichen soll, die Einheit der Deutschnationalen Volkspartei noch einmal zu retten. Ob das ge­lingt, steht noch dahin. In der Montagssitzung der Deutschnationalen Reichstagsfraktion wurde der „Fall Lambach" trotz Lambach nicht ausgeräumt. Der endgültige Ausgang wird wesentlich davon ab­hängen, wie die formell zuständigenParteiinslanzen sich zum Hamburger Ausschließungsantrag stellen werden. Wird, worauf der rechte deutschnationale Flügel, vor allem die „Deutsche Zeitung" auch jetzt noch scharf hinarbeitet, Lambach ausgeschlossen, dann würden wir eine zweite Eruption erleben, die in ihrem Ausmaß die erste übertreffen und die dann auch äußerlich eine reinliche Scheidung zwi­schen den reaktionären und „volkskonservativen" Gestern innerhalb der Deutschnationalen Partei herbeiführen dürfte.

Was heißt nun volkskonservatio? Die Frage ist schon deshalb nicht leicht zu beantworten, weil unter den Anhängern des Gedankens selbst eine vollkommene Klarheit noch nicht vorhanden zu sein scheint. Am eindeutigsten ist vielleicht ein Artikel, den Hermann Kandeler, einer bet Führer der jungkonservativen Bewegung, am 21. Juni in der „Politischen Wochenschrift" veröffentlicht hot. Kan­deler geht davon aus, daß Konservatismus die I „Pflege der Gemeinschaftstraditionen eines Volkes" I bedeute, nicht aber eine Anschauung, „die von einer I bestimmten politischen Gruppe zu einer bestimm- I ten Zeit hinsichtlich ganz konkreter aktueller Fra- I gen" vertreten worden wäre. Es gelte also „von Parteigruppen der Vorkriegszeit zu distanzieren" I und dem konservativen Gedanken seinen ursprüng- I lichen, volkstümlichen Sinn zurückzugeben. Der I „volkskonservative" Mensch erkennt unser Zeitalter I als beginnende „Renaissance des deutschrechtlichen | Genossenschaftsgedankens. Ein immer neue Blüten I treibendes gestaltenreiches Gemeinschaftsleben, das I urdeutsch ist, wird immer mehr das unsere Epoche, I oder richtiger: die werdende Epoche beherrschende I Moment. Wir hatten in unserer Geschichte bereits I einmal eine Glanzzeit des Verbandswesen, und I zwar im späten Mittelalter. Diese Zeiten, die Zei- I ten der Hanse, leben wieder auf. Der konservative I Mensch weiß, daß in diesem Geschehen Gesetze mal- I ten. die er nicht zu schaffen, sondern nur zu voll- I strecken hat. — Er fordert einen Staat, der — in I sich zahlreiche, oroanisch gegliederte und zusammen- I wirkende Körperschaften bergend — selbst nur der I artlich und persönlich umfassende und allen übrigen I Gemeinschaften übergeordnete Verband ist", der I gleitet wird von Führern, die „im Auftrage" der Gemeinschaft handeln und von ihrem Vertrauen I •'fragen werden. Der Gedanke der Erbmonarchie I nd bt5 Qjotiesgnabentums lbird als zeitlich über- I unten bezeichnet und die gegenwärtige Partei- I „^far, grundsätzlich abgelehnt. Von der Deutsch- .“‘’onafen Volkspartei, die Kandeler „auch künf-

, QIs die Trägerin der „großen Rechten" ansieht, I ® ? verlangt, daß sie sich den „beruflich und lands- I mannigegliederten Verbandsstaat" zum I oiel letzt, aber zugleich auch den „Gewerkschafts- I gedenken der Arbeitnehmenden" unumwunden an­erkennt.

. in großen Zügen, der „volkskonserva- I nee Gedanke, der in der Deutschnationalen Volks- partei um feine Geltung ringt. Wird er sich durch- I fetjen angesichts der gemeinschaftsfeindlichen Kräfte, I tue hm dort noch entaegenroirfen? Wir werden tetnen Weg mit Interesse verfolgen, nicht nur des- balb. roeil der Entwicklung eines konservativen Re- pubnkan-rtums einer nuten parlamentarischen Dy- | namtf Nützlich sein müßte, sondern mehr noch aus

Sie Erklärung kes Reichskanzlers Möller

Der Verlauf der Reichstagssitzung.

Handwerk

gegenüber soll durch alsbaldige Vorlage und Verabschie­dung der Handwerkernovelle das gegebene Versprechen der Regelung einiger wichtiger Organisationsfragen -'n. gelöst werden. Eine der wichtigsten und ersten 'Auf­gaben des endgültigen Reichswirtschastsrats wirb es fein, Vorschläge zur weiteren Ausführung des SlrtiMs 165 mit dem Ziel einer steigenden

inifbefeiligung der Arbeitnehmer

an der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung zu wrrdew

In der

Sozialpolitik

beabsichtigt die Reichsregierung die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag, der vom Reichstag bereits verabschiedete Entwurf eines Ar, beitsschutzgesetzes soll alsbald vor den Reichstag kommen, und zu feiner Ergänzung ein Bergarbeitergesetz. Uner­läßlich ist eine (NNllssitsjpf? 9fifaa<»r*Afhinn

der Arbeitsaufsicht unter einer fachlichen Zentralbehörde und bei Beteiligung der Arbeitnehmer hn Interesse eines wirksamen Arbeitsschutzes. Das Arbeitslosenversiche­rungsgesetz wird sich erst in Zukunst voll ausw-rken können, denn auf diesem Gebiete sind Versäumnisse von Jahrzehnten nachzuholen.

Die Wohnungsnot

veranlaßt eine besondere Fürsorge für die Erstattung des Altwohnraums und den Bau neuer Wohnungen, wo­bei die Bedürfnisse der unbemittelten und minberbemit- testen wohnungslosen Dolkskreise, vor allem der neuqe- gründeten und der kinderreichen Familien sowie der un­mittelbaren Kriegsopfer hervorragend zu berücksichtigen sind. Auch andere Maßnahmen zur Entlastung kinder­reicher Familien werden getroffen. Die Neubaumieten sollen auf erträglicher Höhe gehalten werden, u. a. durch Abwehr ungerechtfertigt ansteigender Bodenpreise und rationelle Gestaltung des Bauwesens.

Cs ist die vornehmste Aufgabe der Reichsregierung auf dieser Grundlage unser Staatswesen im demokrati­schen Sinne aufzubauen und für die Ehrung und Ach­tung der Republik und ihrer Symbole einzutreten. Sii wird die vom Reichsrat beschlossene

llnttiativvorlage über den Derfaffungstag

Die Tribünen sind schon längere Zeit vor Sit­zungsbeginn dicht besetzt, ebenso die Diplornaten- foge. Bald füllt sich auch der Sitzungssaal bis auf den letzten Platz.

Als Reichstägspräfident L ö b e die Sitzung um 3 Uhr eröffnet, erscheinen mit Ausnahme des Reichsaußenministers die Mitglieder der neuen Regierung mit dem Reichskanzler Müller an der Spitze. Präsident Löbe verliest das Schreiben, in dem Reichskanzler Müller dem Reichstag feine Er­nennung mitteilt und die Mitglieder seines Ka- nette aufführt. Die Kommunisten versuchen durch höhnische Zwischenrufe die Ordnung zu stören.

Reichskanzler Müller-Franken nimmt alsdann das Wort. Die Kommunisten begrüßen ihn mr Rufen: „Der Generaldirektor kommt!"

Reichskanzler Müller-Franken führte dann u. a. aus:

Ich labe die Ehre, dem Hohen Hause das n ue Reichskabinett vorzustellen, das aus dem am 20. Mai

dem Grunde, weil wir hier auch im Lager der Rechten Ansätze iehen, die großen sozialen Spannungen und Gegensätze im deutschen Volke zu überbrücken.

* Die neuen Minister beim Reichspräsidenten. Reichspräsident von Hindenburg empfing Mittwoch vormittag den Reichsinnenminister Seo er in g und den' Reichsarbeitsminister W i s f e l l.

♦ Die Rheinlandfahrt des Reichsrates. Etwa 40 Mitglieder des Reichsrates werden laut Amt­lichen Preußischen Pressedienst am Mittwoch, den 4. Juli, in Köln zum Besuche der Pressa Ein­treffen. Für den Reichsrat wird dort der braun­schweigische Gesandte, Exzellenz Boden, sprechen.

gewählten Reichstag heroorgegangen ist. Der Wahl­kampf hat der Wett bewiesen, daß das Deutsche Reich nad; den schweren Nachkriegsjahren in eine Periode ruhi. ger und steter Entwicklung getreten ist. Die Funda­mente des neuen Staates, der deutschen Republik, stehen sicher und unerschütterlich. Die Reichsregierung hat die Aufgabe, auf dem nun fest gefügten Grunde weiterzu­bauen und unablässig dahin zu wirken, daß die Wun­den des Krieges und der Nachkriegszeit sich imrni schließen und

nahmen und bei der Regierung bas zu einem Zm im» menarbeilen erforderliche Vertrauen finden werden

Die Reichsregierung ist sich bewußt, daß

wette fireife des Mittelstandes

m Handwerk, Handel und Gewerbe sich in schwerer Not­lage befinden. Diesen mittelständifchen Kreisen Schutz und Förderung angedechen zu lassen, wie dies der Ar­tikel 164 der Reichsverfassung verschreibt und einer durch die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht gebotenen Ausdehnung der Betätigung der öffentlichen Hand ange­messene Grenzen zu setzen, wird sich die Reichsrcgier-mg besonders angelegen sein lassen.

Dem

zeit dastehende Schranke niederzulegen, die her Begrün- düng eines wirklichen Vertrauensverhältnisses zwischen den Völkern im Wege sicht. Das Räumungsproblem ist einfach und klar. Es bedarf nur des guten Willens, um es zu lösen. Mit der Grundlinie unserer Außenpolittk hängt unsere

Betätigung im Völkerbund

aufs engste zusammen. Von den allgemeinen Völker» bunbsproblemen sicht jetzt im Vordergrund unseres In­teresses die Frage der allgemeinen Abrüstung. Die Ent. roaffnung Deutschlands ist bis zum letzten Ende durch- geführt. Das g-bt uns das Recht und die Pflicht, mit allem Nachdruck die Forderung zu erheben, daß jetzt endlich mit der

Durchführung der allgemeinen Abrüstung

Ernst gemacht und so der sehnlichste Wunsch der Völker, die durch den furchtbaren Krieg gegangen sind, erfüllt

die Reichsregierung bei den Landesregierungen anregen, bis dahin das Begnadigungsrecht gegenüber Tobesuriei- len anzuwenden. Bei dem Sttasrechtsreformwerk rei­chen sich zum erstenmal feit langer Zeit Oesterreich und Deutschland die Hand zu gemeinsamer Gesetzesarbeit die uns den ersten großen Schritt zur Rechtsgleichheit der Deutschen bringen soll. Bei den

Mmneftieanfrägen

hofft die Reichsregierung, daß der Reichstag sich über Umfang, Art und Grenzen verständigen wirb und legt besonderen Wert daraus, daß durch eine beschleunigte Behandlung der Anträge die gesetzgeberische Lö'ung der Ausgabe noch vor dem Auseinandergehen des Reichs­tags zum Abschluß gelangt. Die Regierung erhofft einen einheitlichen Ausblldunasgang für den richterlichen Nach­wuchs und den der höheren Verwaltungsbeamten und Rechtsanwälte, der wieder der Einheit des Reiches bient

In der

Steuerpolitik

wird zu prüfen fein, inwieweit die drückende Steuerlast der mittleren und unteren Schichten der Bevölkerung eine Erleichterung erfahren kann. Namentlich unter Be. rücksichtigung der weiteren wirtfchafHichen Entwicklung und der Lage der Reichsfinanzen wird zu prüfen blei­ben, ob eine mäßige Senkung des Tarifs in den unte-

Am 8. Juni halten sich die Reichsratsrnitglieder in Düsfridorf auf.

* Linlenken der spanischen Sozialisten. Nach einer Meldung der Ere Nouvelle aus Madrid hat die sozialistische Partei nach langwierigen und lebhaften Verhandlungen eine von der gemäßigten Richtung eingebrachte Entschließung angenommen, nach der Sozialisten öffentliche Aemter unter dem jetzigen spanischen Regime übernehmen dür­fen.'

* (Ein Kabinett venizelos in Griechenland. Aus Athen wird gemeldet: Venizelos ist mit der Bildung der neuen Regierung betraut worden, die das Parlament auflösen soll.

Befreiung bet noch besetzten Gebiete am Rhein unb des Saarlandes. Wir müssen feststellen, daß die Besatzungsmächte aus der pottttschen Entwick­lung der letzten Jahre die gegebenen Schlußfolgerungen noch immer nicht gezogen haben. Nur noch eineinhalb Jahre trennen uns von dem für die Räumung der 2. Zone vorgesehenen letzten Vertragstermin. Wir wissen alle, das es eines Appells an die Treue unb Geduld der Bevölkerung der besetzten Gebiete selbst dann nicht be­dürfen würde, wenn es notwendig wäre, bis zu den letzten Bertragsterminen auszuharren. Käme es aber wirklich dahin, daß die Räumungsfrage einfach dem Zeitablauf überlassen bliebe, so wäre damit

eine bedeutende Gelegenheit versäumt, die Politik der Verständigung in die Tat umzusetzen. Es handeü sich darum, endlich diese noch aus der Kriegs-

3n der auswärtigen Politik

ist der Weg, den die Reichsregierung gehen wird, vorgezeichnet. Die deutsche Außenpolitik verfolgt Ziele in dem Willen zur friedlichen Verständigung unter Verzicht auf den Gedanken der Revanche, nenne zunächst die Frage der

rung nicht erfolgt wäre, wenn nicht die Aussicht I unverzüglich beim Reichstag einbringen. Es ist selbst, bestünde, daß auf italienischer Seite die Mißhand- verständlich, daß sie die Verfassung gegen jeden gesetz. fangen der Südtiroler Volksgenossen eingestellt widrigen Angriff, gleichviel von welcher Seite er kommen tperbpn I mag, rmt allen zu Gebote stehenden Mitteln schützen wird

Die Reichsregierung rechnet und vertraut dabei auf du treue Mithilfe der Beamtenschaft. Ihre besondere Aufmerksamkeit wird die Regierung einer Re­gelung der Rechtsverhältnisse der Minister unb der Schaffung eines neuen Reichsbeamtengesetzes zürnenden wobei die Beamtenvettretungssrage gefördert werde» soll.

Das geltende Wahlrecht

weist Mängel auf, die zu einer Entfremdung bei Gewählten von den Wählern unb zu einei Zersplitterung bes Parteiwesens führen Aufgabe der von der Reichsregierung in Angriff zu neh­menden Wahlrechtsreform wird die Aufrechter- Haltung des vevfaffungsmäßig feftqelegten Systems bei Verhältniswahl, aber zugleich die Sicherstellung einer en­geren Beziehung des Abgeordneten zu den Wählern fein; In der

Reichstagswahl bekundet hat. Solchem Ziele dient die Zusammensetzung der Reichsregierung. Beruht sie auch noch nicht auf koalitionsmäßiger Grundlage, so hat doch ihre Zusammensetzung die Zustimmung der in Bettacht kommenden Parteien gefunden.

deutschen Volkes wird nach wie vor ernste Sorge bei Es bedarf nicht des Hinweises, daß die Be» | Reichsregierung sein.

■ “ “ — - und I Die Wehrmacht

von I der Deutschen Republik wird ihre Aufgaben — Schutz entscheidender Bedeutung sein wird. Der Erfolg aller I der Grenzen und Auftechterhaltung der Ruhe unb Orb- Bemühungen um die endgültige Regelung des Repara- wing irn Innern - nur dann wirksam erfMen können, tionsproblems wirb davon abhängen, daß sie von allen

beteiligten Seiten mit dem erforderlichen Maß von v^kerungsfchichten gettagen wird. Dafür ift eint rein ___t e, x , . V . , . . I v a t e r t a N o! f ch e uno überparteiliche E' n -

Weitsicht angefaßt und daß habet auf bem Wege der Stellung erforderlich. Der Parieiaesichtspunkt muß gegenseitigen Verständigung, nach den Methoden einer I ausgeschaltet werden, damit jeder Deuffche stolz auf un- Demünftigen Wirtschaftspolitik und selbstoerstäiMich gn» I fere Wehrmacht sein und in ihr nur den Hefter und ter Sicherung einer angemessenen Lebenshaltung des I Schützer sehen kann.

deutschen Volkes vorgegangen wird. I Bei der Fortführung der

Wiederaufbau der Weltwirtschaft unb eigene Jnteref- I Strafrechtsreform

fen der deutschen Volkswirtschaft fordern gleichermaßen I toirb namentlich die Frage der Beseitigung der Erleichterung und | Todesstrafe zu entscheiden sein. Schon jetzt wird

pflege bes Handelsverkehrs.

Die Reparationszahlungen können nach den eigenen Worten der Sachverständigen auf die Dauer nur aus wirklichen lleberichüssen der deutschen Wirtschaft geleistet werden. Die Weltwirtschaft krankt am Protektionismus. Die Reichsregierung wird die vom Reichswirffchaftsrat bereits begutachteten Vorschläge einer autonomen Zoll­senkung für in Handelsverträgen nicht verwertbare in- huftrielle Positionen des deutschen Zolltarifs den gesetz. gebenden Mrperschasten zur Beschlußfassung vorlegen.

Wichttg für die Gestaltung der Ausfuhr sowohl als für dte Sicherung eines angemessenen Reallohns der werktätigen Bevölkerung ist die richtige Einstellung des Staates zu den großen, in Kartell-, Trust, unb ähnlichen Formen unser Wirtschaftsleben beeinflussenden rnonopollslifchen Organisationen.

Die in diesen Gebilden der wirtschaftlichen Entwick- fang wirkenden, der Mgemeinhett nützlichen und die Leistung steigernden Kräfte sind zu fördern, die nach- «ütgen hintanzuhatten. Diese Möglichkeiten der Staats- gemalt zu, gewähren, liegt auch im wohlverstandenen eigenen Interesse jener Gebilde selbst, die alsdann bei der Mgemeinhett ein besseres Verständnis für chre Maß- '