Nr. 148.
Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblaft).
Donnerstag, 28. Juni 1928.
&SQM& ^i'serttooimui'eder J?rt
Aus verlorenem Sonnenland
Reise- und Jagdbilder aus Deutsch-Ostafrika von Rektor Rudolf Sendke mit einem Vorwort von Gouverneur x. D. Schnee.
Ein Budi für die deutsche Jugend und für jeden Erwachsenen. — 254 Seiten.
Preis gebunden 3,80 Mk.
Verlag der Fuldaer flctlendruckerel Fulda
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Bahnhofstrasse 5
Das deMge Recht.
Roman von Emil Frank.
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Schon stand ein Herr neben ihr und fragte mit klangvoller Stimme, was ihr fehle. Es war derselbe, der sie vorhin so entzückt angeschaut hatte. Kraftvoll stützte er ihren Körper und schaute nach allen Seiten aus, ob er nicht einen Kraftwagen entdecken könnte. Beruhigend sprach er auf sie ein: „Schenken Sie mir Vertrauen, mein Fräulein! Ich bringe Sie sofort nach Hause, und dann werden wir weiter schauen, was getan werden Muß. Wollen Sie meine Hilfe annehmen?"
Ser Schmerz preßte ihr Tränen aus. Doch die ritterliche Art des Fremden machte auf sie den besten Eindruck. Leise gab sie zur Antwort: „Es tut mir leid, daß ich Ihnen lästig falle. Aber ich käme ja allein doch nicht nach Hause." Dann nannte sie ihm ihre Wohnung.
Der Fremde zog höflich den Hut und erwiderte: „Sie sollen doch wissen, mit wem Sie es tun haben! Ich bin Axel Dahlgren."
Errötend schaute sie ihn an. Die Fabrik Dahlgren u. Sjöberg kannte sie. Ihre Eltern hatten gar nicht weit davon gewohnt. Und sie konnte sich auch der Namen der beiden Juniorchefs erinnern: Erik und Axel. Nun wich auch der letzte Rest von Befangenheit; sie fühlte, daß sie sich in guter Hut befand und war Axel Dahlgren von Herzen dankbar, daß er sich so freundlich ihrer an- pahm.
Bald saß sie an seiner Seite im Auto, das sie in rascher Fahrt zur Wohnung der Tante brachte. Als der Wagen vor der Haustür hielt, fiel die Scham sie an. Dahlgren würde darauf bestehen, sie in die Wohnung zu geleiten. Und dort mußte er merken, wie arm sie waren. Doch trotzig preßte sie die Lippen zusammen. War es denn ihre Schuld, daß sie nicht in prunkvollen Räumen wohnte? Und bann: würde sie Axel Dahlgren jemals wiedersehen? Stammten sie nicht aus zwei ganz verschiedenen Sphären? Vielleicht würde er belustigt lachen, vhnte er ihre Gedanken.
2Hs sie endlich im Zimmer auf den ersten Stuhl sank, ,4a dankte sie ihm in warmen Worten für feine Hilfe.
Er aber erklärte mit großem Nachdruck: „So rasch werden Sie mich nicht los, Fräulein Hjelmar. Ich sehe, Sie sind allein zu Hause. Da ist es die einfachste Pflicht der Menschlichkeit, daß ich für Ihre Verpflegung Sorge trage."
Erschrocken wehrte sie ab. Sie dachte daran, was Arzt und Pflegerin kosten würden. Aber sie schämte sich doch, es ihm zu sagen, wie arm sie sei. Er ober schien ihre Gedanken zu erraten. Doll Zartheit ergriff er ihre Hand: „Sie muffen sich meine Hilfe gefallen lassen. Ich würde mich schämen .ließe ich Sie hier hilflos zurück."
„Vielleicht ist die Verletzung gar nicht so schlimm!"
„Sie sehen wirklich nicht danach aus, als ob Sie sich so leicht werfen ließen! Gedulden Sie sich nur einen Augenblick. Ich komme sofort mit einem Arzt zurück."
Schon eilte er aus dem Zimmer. Wie ihr Herz pochte! Wie sie auf seine Schritte lauschte, die sich so rasch entfernten! Wie sie bei jedem Geräusch zusammenzuckte, weil sie dachte, er käme schon wieder zurück!
In der Zwischenzeit hatte sie selbst nach der Wunde gesehen. Die Kniescheibe schien böse verletzt zu sein. Das Blut rann am Schienbein nieder. Jede Bewegung verursachte ihr die grimmigsten Schmerzen.
Was hätte sie angefangen, hätte ihr Axel Dahlgren nicht so ritterlich beigestanden! Schaudernd dachte sie daran, daß sie einem gewissenlosen Menschen hätte in die Finger fallen können. Nein, vor Axel Dahlgren fürchtete sie sich nicht. Das war ein wahrhaft edler Mensch ,ber aus reinem Mitleid sich ihrer annahm.
Nicht lange brauchte sie zu warten. Axel Dahlgren kam und brachte auch gleich den Arzt mit. Während der Doktor sie untersuchte und vorsichtig verband, wartete Dahlgren vor der Haustür. Der Arzt beruhigte Dag. mar: „Die Sache sieht schlimmer aus als sie ist. Ich hoffe bestimmt, daß Sie in einigen Tagen wieder wohlauf sind."
„Gott fei Dank!" meinte Dagmar erleichtert; „einige Tage halte ich es schon aus," und sie dachte daran, was aus ihr hätte werden sollen, wenn sie lange Zeit be- wegungslos hätte verharren müssen. So war sie voller Freude, daß ihr Abenteuer noch so glimpflich verlaufen war.
Als der Arzt sie verlassen hatte, kehrtt Axel Dahlgren zurück: „Fürchten Sie nicht, daß ich lange bei Ihnen bleiben werde, Fräulein Hjelmar; aber ich wollte mich noch durch den Augenschein überzeugen, daß es Ihnen an nichts fehlt. Nun müssen Sie mir ganz offen und ehrlich sagen, was ich für Sie tun kann. Denken Sie, ich wäre Ihr Bruder! Jedes kleine Zeichen Ihres Vertrauens würde mir große Freude machen, davon können Sie überzeugt sein."
Dankbar reichte sie ihm die Hand: „Ja, Herr Dahl- gren, ich glaube und vertraue Ihnen. Fürs erste habe ich nichts nötig. Nachdem meine Wunde verbunden worden ist, fühle ich nicht mehr so viele Schmerzen. Ich lege mich ja jetzt bald zu Bett. Morgen früh helfe ich mir selbst. Ich bin ja wirklich nicht verwöhnt." Ganz leise und zart setzte sie hinzu: „Sie brauchen sich meinet- wegen durchaus keine Sorgen zu machen." —
„Würden Sie mir gestatten, daß ich morgen um die Mittagszeit nach Ihnen schaue?" fragte er hastig.
„O, ich wäre Ihnen dafür sogar dankbar, Herr Dahlgren. Wenn Sie wirklich Zeit für mich übrig haben, dann kommen Sie nur."
Ein unnennbares Glücksempfinden strömte bei diesen Worten Dagmars durch seinen Körper. Er, der sich bisher niemals sonderlich um Mädchen bekümmert hatte, verspürte eine große reine Freude darüber, daß ihn der Zufall mit Dagmar zusammengeführt hatte, daß er ihr einen Dienst hatte erweisen dürfen. Nicht einen Augenblick dachte er an die Zukunft. Die dürftige Umgebung des Mädchens, das einer ganz anderen Gesellschaftsschicht angehörte als er selbst, störte ihn nicht im mindesten. Immer wieder vernahm er eine jubelnde Stimme in feiner Brust: Nun habe ich auch eine Schwester gefunden! Ich brauche Erik nicht zu beneiden!
Mit warmen Worten nahm er von Dagmar Abschied. Und als er allein durch die stillen Straßen schritt, da meinte er immer wieder, Dagmars klangvolle Stimme zu hören, da sah er überall ihr liebreizendes Gesicht, und einmal ums andere sagte er sich: Ein Zufall ließ mich dich finden, nun will ich dich mit meiner ganzen Kraft festhaften, du liebes Mädchen du!
Erik Dahlgren stand im chemischen Laboratorium der Motorenfabrik und war so in seine Arbeit vertieft, daß
er seine Umgebung ganz und gar vergaß. Auf Glas- platten lagen verschiedene Gesteinsproben, die er auf ihre Bestandteile untersuchte. Bei jeder Gesteinsart war die Fundstelle genau bezeichnet. Ein Zettel trug den Vermerk: Am Fuße des Stadja, Grundbesitz Dahlgren. Doll heißer Spannung ruhten feine Blicke auf der Retorte, in der die Zersetzung des Gesteinsstückleins sich vollzog. Fast hätte er laut ausgejubelt: Die Probe wies ohne Zweifel Kupfer auf. Der Erzgehalt war freilich nicht übermäßig groß. Aber die Ausbeute würde sich lohnen, vorausgesetzt, daß es sich nicht um zufällige Einsprengungen handelte. Das freilich ließ sich nur an Ort und Stelle feststellen. Es wäre freilich ein unerhörter Glücksfall, wenn man auf eigenem Grund und Boden abbauwürdige Kupfererzlager fände! Und er mußte an die Schilderungen von dem früheren Erzreichtum der Bergwerke von Falun denken, der heute allerdings nahezu erschöpft war.
In freudiger Erregung räumte er Probiergläschen und Schalen ab, löschte die Flamme des Gasherdes und stand endlich mit verschränkten Armen vor dem langen Tisch, dessen Glasplatte im Scheine der elektrischen Campen erstrahlte. Unablässig arbeiteten seine Gedanken. So bald als möglich muhte er nach Dalarne reifen. Daß er auf diese Weise den Stammsitz der Dahlgrens zum ersten Male zu Gesicht bekam, daran dachte er in diesem Augen- blicke nicht. Was bedeutete ihm Dahlgrenshemmet! Wenn aber feine Voraussetzungen richtig waren, bann erhielt die unwegsame Bergwildnis am Fuße des Stadjan eine ungeahnte Bedeutung.
Doch dann fiel ihm plötzlich ein: die Untersuchungen an Ort und Stelle konnten Wochen und Monate dauern, und so lange mußte er fern von Stockholm, — fern vor allem von Jngeborg Sjöberg leben. Wie würde er unter der Trennung von ihr leiden! Die Sehnsucht nach ihr würde ihn verzehren, und er durfte ihr nicht einmal regelmäßig schreiben, wollte er sie nicht Mißdeutungen aussetzen.
Aber feiner Braut dürste er schreiben! Und es hing doch einzig und allein von Onkel Bengt ab, ob er sich vor seiner Abreise mit Jngeborg verlobte.
(Fortsetzung folgt.)
Fukva, den 27. Juni 1928
Personalien.
Studienassessor Dr. E. Sauer, früher an der Oberrealschule Fulda und seit einiger Zeit an dem staatlichen Gymnasium in Rinteln tätig, wurde zum Studienrat an der städtischen Ober- realschule in Gelsenkirchen gewählt.
Meisterprüfung.
Vor der hiesigen Meisterprüfungs - Kommission bestanden am gestrigen Dienstag ihre Meisterprüfung die Schneider: Heinrich R e hbe in- Schenklengsfeld, Ed. Schmidt-Tann (Rhon), ßob Schmidt-Dippach (Krs. Hersfeld) und Wilhelm Waldmann, Bad Salzschlirf.
Elternbeirat der Oberrealschule.
In den Elternbeirat der Oberrealschule zu Fulda smd gewählt worden: Kaufmann Karl Becker, Frau E. Kramer Ww., Kfm. Paul Pfeiffer, Kfm. Oskar Schmitt, Steuerobersekretär Richter, Reichsbahn- assrstent Krönung, Reichsbankobergeldzähler Seibert, Zollinspektor Richter, Kfm. Mar Weinberg. — Ferner als Ersatzleute: Stadtbote Barnickel, Kfm. Otto Kircher, Frau Buchdruckereibesitzerin Uth, Stadtinspektor Zenner, Kfm. Landgraf, Herr Ernst Koch, Oberpostsekretär Höge, Kriminalassistent Merten, Frau Dr. Herz.
Goldmünzen — gesetzliche Zahlungsmittel.
Von zuständiger Seite wird darauf hingewiesen. daß die auf Mark lautende Goldmünze auch jetzt noch gesetzliche Zahlungsmittel sind und von jedermann in Zahlung genommen werden müssen, mit der Maßgabe, daß eine Mark Nennwert gleich einer Reichsmark gilt. Bei der Reichsbank werden die vorbezeichneten Goldmünzen gegen andere Zahlungsmittel auf Verlangen umgetauscht.
Verlängerung der Polizeistunde.
Der Oberpräsident von Hessen-Nassau hat am 23. Juni 1928 eine neue Polizeiverordnung über hie Polizeistunde und die öffentlichen Tanzlustbarkeiten erlassen. Die Verordnung tritt am 15. Juli 1928 in Kraft. Die Polizeistunde wird danach für Gases, Gast-, Speise- und Schankwirtschaften auf 24 Uhr festgesetzt. In den Gemeinden über 10 000 Einwohner tritt sie erst um 1 Uhr. in den Städten Frankfurt a. M., Kassel und Wiesbaden um 2 Uhr ein. Für die öffentlichen Tanzlustbarkeiten hat der Oberpräsident an die Regierungspräsidenten Richtlinien im Verwaltungswege hinausgehen lassen, wonach in den Großstädten über 150 000 Einwohner öffentliche Tanzlustbarkeiten unbeschränkt, in allen anderen Orten bis zu drei Tagen in der Woche ,zugelassen werden können. Die Regier- rungspräsidenten sind aber ermächtigt, in Badeorten während der Kurzeit und in Orten mit starkem Fremdenverkehr während der Zeit des regen Fremdenverkehrs und darüber hinaus für einzelne Lokale widerruflich eine tägliche Tanzerlaubnis zu gestatten.
Mchttg für Eigentümer von Wasserrechken.
Nach den Bestimmungen des preußischen Wasser- gesetzes und dem Beschluß des Landtages läuft die Frist zur Eintragung bestehender Wafferrechte in das Wasserbuch oder zur Sicherstellung der Rechte am 1. Mai 1929 ab In Frage kommen nicht nur Wasserableitungen und Wasserentnahme, Abwässer- einleitungen, Aufstauen von Wasserläufen, Häfen und Stichkanäle, Anlegestellen mit baulichen Vorrichtungen größerer Bedeutung und kommunale und gemeinnützige Badeanstalten, sondern — was meist übersehen wird — auch die Zutageförderung unterirdischen Wassers, d. h. Grundwasserentnahme
durch Brunnen, sofern sie das übliche Maß für den Bedarf des eigenen Haushalts und der Hauswirtschaft überschreitet. Anfragen aus Interessentenkreisen beantwortet der Schutzverband der Was- sergrnndftücksbesitzer Deuffchlands in Berlin-Wann- see, Kohlhasenbrückerstraße 3.
Slcinwürfe auf fahrende Züge.
Die Eisenbahndirektion Frankfurt schreibt: In letzter Zeit wird wieder häufig mit Steinen nach fahrenden Zügen geworfen. Die Werfer sind meist Kinder und halbwüchsige junge Leute. Durch diese Steinwürfe kann großes Unheil entstehen. So wurde kürzlich von einem Steinwurf, der eine Scheibe traf, durch den Stein und Glassplitter ein Lokomotivbeamter erheblich am Kovfe verletzt. Verletzungen von Reisenden sind auch schon häufig vorgekommen. Die Reichsbahn muß gegen diese Steinwerfer energisch vorgehen. Die Eltern werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie für die Taten ihrer Kinder voll verantwortlich gemacht werden. Es dürfte sich empfehlen, daß auch in den Schulen auf die Folgen solcher Steimvürfe aufmerksam gemacht und den Kindern auf das Strengste ein sol- Tun verboten wird.
Straßensperre.
Die Ohm st raße ist auf etwa 14 Tage wegen Ausbesserungsarbeiten für jeden Fuhrwerksverkehr gesperrt.
Die Heuernte im Fuldatale
ist zurzeit in vollem Gange. Vielfach sind die Wiesenflächen schon geräumt. Die Quantität ist befriedigend. Die Domäne Ziehers hat schon viel qualitativ gutes Heu in ihren Scheunen geborgen; gestern abend brachte sie acht hochbeladene Fuhren hintereinander in einem Zuge heim.
Aukomobilunfall.
Heute kurz vor acht Uhr wurde an der Ober- reaffchule ein Sextaner von einem aus der Lindenstraße in die Schloßstraße einbiegenden Auto anaefahren und schwer verletzt. Ob zu schnelles Fahren oder Unachtsamkeit des Schülers das Unglück verschuldeten, wird wohl die Untersuchung feststellen. d*
— Sdjühcnoerein 1572, Fulda. Man schreibt uns: Im harten Kampfe der aktiven Schützen um die Schiitzen- königswürde erzielte am vergangenen Sonntag Herr No. bert Bannemann den besten Treffer auf der Kö- nigsscheibe und wurde zum Sck ützenkönig für 1928 ausaerufen. — Zu Ehren des scheidenden und des neuen Schützenkönigs findet am Donnerstag Wend ein Fackel- Mg des Schützenvereins statt. Der Zug bewegt sich vorn SMackchos nach der Königstraße. Mkstor, Wilhelm-, Kanalstraße, Severiberg, Dfandhausstraße, Bonifatius- platz, Friedrich-, Markt-. Karl-, Kanal-, Köniqstraße, Wtster, Kronhof, Hinterburg, Lanaestriickenstraße nach dem Festplatz Neuenberg. — Die Aufstellung der Festzelte, Schaufnchen und Fahrgefchäste ist im Gange, zum Gelingen des volkstümlichen Schützenfestes sind alle Vorbereitungen getroffen. Der Eintritt zum Festvlatz ist für jedermann frei. — Die Ehrenpreise auf die Fest- scheibe des großen Hauptfchießens sind bei Schützenbruder Willi Goergen, Borgiasstraße, ausgestellt. . Auf die vier übrigen Scheibengattunaen kommen Geldpreise und Sterne zur Verteilung. Cs find schon gute Resultate im Preisfchießen erzielt. Das Ringen um die Preise wird am 29. und 30. Juni und 1. Juli fortgef->tzt. Die Ehren- vreise kommen Sonntag Abend im großen Festzelt zur Verteilung.
— Klavier- und Aialln-Abend. Der gestern abend im evangelischen Gemeindehaus von dem hiesigen Konservatorium der Musik veranstaltete Klavier- und Violinabend war hauptsächlich auf die Klassiker eingestellt. Damit war der Beweis erbracht, daß die Anstalt in der Ausbildung ihrer Schüler und Schülerinnen den richtigen Weg einschlägt. Wer Back, Haydn, Mozart und Beethoven technisch und musikalisch beherrschen gelernt hat, wird auch leicht den Weg zu den Modernen und, wenn es fein muß, auch zu den Uebermodernen finden. Auch zwei Meister aus der Zeit vor Bach waren vertreten: Scarlatti mit 2 Sonaten und Kirnb'erger mit einer Polonaise und Gavotte, die alle sehr sauber
bin großer lag U den Fuldaer Gesellenverein
gespielt wurden. Don Bach wurden 2 Sätze des D-moll Konzertes für 2 Violinen und Klavier, besten rhythmische Schwierigkeiten gut überwunden wurden, gespielt Eine technisch und mufifalHd) abgerundete Leistung war d-e Wiedergabe des Klavierkonzerts in D-Dur von Haydn. Don den Romantikern waren Grieg und Mendelssohn vertreten, erster mit dem „Hochzeitstag auf Trofdhaugen" mit dem der Abend wirkungsvoll eröffnet wurde und letzterer mit dem schön vorgetragenen „Lied ohne Worte" in E-dur und dem schwierigen Rondo capriccirfo, dessen glänzende Wiedergabe stürumschen Beifall fand. Von den Geigern wurde noch tonrein und mit gutem Strich bas Konzertina von Seitz,' bas bekannte Menuett von Mozart und das Air varie von Rode vorgetragen. Letzteres ganz besonders schön im Vortrag und in der Tongebung Der gelungene Abend fand einen effektvollen Abschluß mit der schwungvoll vorgetragenen Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit" für 2 Klaviere zu S Händen. Bei allen Vorträgen merkte man das eingehende und verr- ständnisoolle Arbeiten der beiden Lehrkräfte Frl. Leni Geber und Herrn Direktor Geber. Nicht unerwähnt fei, daß die teils recht schwierigen Klaviervorträge von den Mitwirkenden sämtlich ohne Noten vorgetragen wurden. Unter den mitwirkenden Schülerinnen war nicht nur Fulda, sondern auch Schlucht-»rn und Alsfeld (Ober- Hessen), unter den mitwirkenben Schülern Fulda, Rhina (Krs. Hünfeld), Rodenkirchen (Krs. Hünfeld) und Dipperz bei Fulda vertreten. Der Besuch des genußreichen Abends war sehr gut, ein Beweis, daß die Leistungen des hiesigen Konservatoriums immer mehr Anklang finden und für die Schüler ein großer Ansporn sind.
— Das Großrussische Valionalorchester unter Geltung von Alexander Michailowsky, das in Fulda durch mehrere erfolgreiche Konzerte bestens bekannt geworden ist.
wird auf feiner diesjährigen Tournee am 14. Juli wieder unsere Stadt besuchen u,nb im Stadtsaal ein Konzert geben.
= TOeferroanberung des Rhönklubzweigbereins Fulda. Man schreibt uns: Der Rhönklub Zweigverffn Fulda unternimmt vom 29. Juni bis 1. Juli bekanntlich eine Weserfahrt und anschließend eine Wanderung. Auf besonderen Wunsch ist die Anmeldefrist auf Mittwoch, den 27. d. Mts. verlegt. Für die Fahrt können Sonntagskarten gelöst werden, sodaß sich die Kesten für Eisenbahn und Dampfer jetzt von 13,30 Mk. auf 10 Mk. ermäßigen. Interessenten seien auf den eben in der Fuldaer Zeitung erscheinenden Artikel „Bilder von einer Oberweserfahrt" v. Prof. Dr. Scherer aufmerksam gemacht.
--- Berichtigung zum Fuldaer Einwohnerbuch 1928. Der Verlag des Fuldaer Einwohnerbuches I. L Uth ' s Hofbuchdruckerei hierfelbst bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: „Der Druckfehlerteufel, der größte Feind des Buchdruckers, hat auch dem Fuldaer Einwohnerbuch manchen Schabernack gefpielt. Da mir größten Wert darauf legen, ein möglichst vollkommenes Nachschlagewerk zu liefern, haben wir uns entschlossen, einen Nachtrag herauszugeben, der den Beziehern des Cinwohnerbuches nachgeliefert werden soll. Die Drucklegung wird um die Mitte des Monats Juli erfolgen. Berücksichtigung finden die Aenderungen, die gewünscht werden und uns bis zum 5. Juli in unterer Geschäftsstelle, Kanalstraße 23 gemeldet werden. Es dürste daher Im Interesse der Fuldaer Einwohner liegen, die im Cinwohnerbuch unrichtig aufgeführt sind, ihre Wünsche auf Berichtigung in der obengenannten Geschäftsstelle vorzubringen."
Der Abend brachte eine große Versammlung im Gesellenhause, das auch im Aeußeren auf den besonderen Tag hinwies. Der Festsaal zeigte einen schönen Schmuck: links und rechts der Bühne war die Büste Kolpings und die Vereinsfahne aufgestellt, im Hintergründe prangte das Kolpingsbanner in den Farben fchwarz-gold. Ueberaus zahlreich waren die Anhänger und Freunde Kolpings sowie Angehörige benachbarter Brudervereine herbeigeeilt. Ferner waren Vertreter der kirchl. Behörde, des Staates, der Stadt, des Handwerksamtes und anderer Organisationen erschienen. Nachdem der „Gesellengruß" und das „Gott grüße dich", vorgetragen von der Gesangsabteilung verklungen war, trug Mitglied Buchbinder Theodor Sandfort folgenden von unserem Rhöndichter Pfarrer Nüdlin g-Kleinsafsen verfaßten Prolog vor:
* Lin Willkomm dem Gesellenvater!
Freut euch, Gesellen! Unser Vater kommt. Der Erbe Kolpings will die Seinen sehen, Die überall im deutschen Vaterland Die Fahne ihres Führers treu umstehen.
Nun hast du freundlich deinen Führerstab Auch in das junge Fuldatal getragen, Wo dir an Winfrieds altem Heldengrab Diel Jünglingsherzen froh entgegen,djlagen.
Schon über siebzig Jahr blühet der Baum, Den Kolpings Hand in deutschen Boden senkte, Und der dem Volk aus der Gesellen Schar So viele Meister edlen Handwerks schenkte.
Nimm von dem Grabe des Apostels mit
Viel Mut und Kraft als lichte Himmelswaffen Aus Gottes Gand, wo Vater Kolping nun Sein Beten eint mit deinem treuen Schaffen.
Und wenn du heimkehrst an des Rheines Strand, Denk gern an uns hier an den Fuldawellen Und nimm als stetes Angedenken mit
Den Treueschwur katholischer Gesellen.
Der Bezirkssenior Joseph P lu r, der früher in Köln unter dem Herrn Generalpräses Mitglied gewesen war, hielt eine warme Begrüßungsansprache Altsenior W. Fuchs brachte die früheren Besuche von Kirchenfürsten und hohen Gästen im Fuldaer Gesellenverein in Erinnerung, als da sind: Kardinal Gruscha, Fürsterzbischof von Wien, die Generalpräsides Schäffer, Schweitzer, die Bischöfe Weyland, Komp, Endert, Dr. Schmitt von Fulda, der Gimburger Bischof und Kardinal Bertram von Köln.
Mit Jubel und starkem Beifall wurde Generalpräses Hürth bei feinem Auftreten empfangen. Er fesselte über eine Stunde lang die aufmerksam folgenden Zuhörer
Der Generalpräses der kath. Gesellenoereine, Msgr. Hürth von Köln, weilte, wie wir gestern mitteilten, in diesen Tagen unter der Kolpingsschar in Fulda. Nachdem er am Dienstag am Grabe des hl. Bonifatius die hl. Messe zelebriert hatte, besuchte er im Laufe des Vormittags den Gesellenverein in Hünfeld und das dortige Öblatenkloster. Nach feiner Zurückkunft hielt er im geschmückten Saale der „Harmonie" eine Konferenz mit den Geistlichen der Diözese ab, der auch eine Anzahl Alumnen des hiesigen Priesterseminars beiwohnten. Herr Diözesanpräses Becker begrüßte die hochw. Herren und machte statistische Mitteilungen über den Stand der kath. Gesellenvereine in unserer Diözese. Wir entnehmen daraus, daß die Zahl der unverheirateten aktiven Mitglieder etwa 1300 beträgt; das ist im Verhältnis zur Zahl der Katholiken noch unbefriedigend. Eine regere Agitation soll einsetzen.
Generalpräses Hürth sprach in fesselnder Weise über Sinn und Aufgabe der kath. Geseilenvereine. Damit jeder Verein im Geiste Kolpings geleitet werden kann, empfahl er den Präsides, nach der reichhaltigen Gefellenvereins-Literatur zu greifen. Die Verhältnisse der Gesellenoereine der Diözese Fulda lägen ihm sehr am Herzen, sie besser zu gestalten und die Vereine zu vermehren, sei sein Wunsch. Es seien nach der Ansicht des Papstes die Gesellenvereine dazu berufen, an der (Erneuerung der heutigen Gesellschaft mitzuarbeiten. In packender Weise legte der Generalpräses dar, wie das geschehen könne. Die menschliche Gesellschaft ist auf dem Gebiete der Familie bedroht; hier muß der Gesellenver- ein einsetzen; er muß eine Rettungsaktion unternehmen für die katholische Familie. Der Gesellenverein ist eine Familie, lebt wie eine Familie und strebt zur Familie. Anschaulich schilderte der Redner, wie das Verhältnis des Präses zu den Mitgliedern und umgekehrt sein soll. Der Gesellenverein erstrebt die Gründung von glücklichen katholischen Familien. Eingehend behandelt wurde ferner die Berufsfrage, das Wohnungsproblem, die Wan- berfürforge und anderes.
Am Schluffe feiner zweistündigen, mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen bat der General- präses um opferfreudige Mitarbeit Im Gesellenverein, das sei echte Caritas und hierin habe der Gesellenverein schon großes geleistet.
Cs setzte eine lebhafte Aussprache ein, an der sich ältere und jüngere Geistliche sowie auch Alumnen beteiligten. Es wurde gesprochen über das Laienapostolat, geübt im Gesellenverein, über das Theaterspiel mit seinen guten und seinen Schattenseiten, über Allgemeinbildung der Mitglieder, die Stellung und Gründung von Gesellenvereinen auf dem Lande usw. Immer gab der
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