Fuldaer Land und Nachbaraebiet.
--- Züntersbach. Am Sonntag, den 1. Juli feiert der Gesangverein Concordi a-Züntersbach sein 25jähriges Stiftungsfest. Mit ihm ist ein Preis- und Wertungssingen verbunden. Die schon von dem rührigen Festausschuß getroffenen Vorbereitungen bürgen für ein gutes Gelingen des Festes und beste Unterhaltung der Festteilnehmer. Der reizvoll gelegene Ort und die Nähe von Bad Brückenau (V» Stunde) werden wohl eine große Zahl von Vereinen und Gästen anlocken. Alles Weitere aus dem Anzeigenteil der heutigen Fuldaer Zeitung.
u. 5>oden-Salmünfle.r Die von der hiesigen Stadt tm Verein mit der Badeverwaltung unternommenen, und seit über Jahresfrist im Gange befindlichen Arbeiten zur Erbohrung eines neuen Sprudels find von Erfolg gekrönt: Am Fronleichnamstage trat in der Morgenfrühe zum ersten Male der Sprudel, und zwar aus einer Bohrtiefe von 360 Metern, zutage. Nach der neuesten Untersuchung enthält das Liter Sole einen Salzgehalt von 39 Gr. Allerdings ist man bei den Arbeiten, die die Mannheimer Firma Johannes Brechtel ausführt, noch nicht aus Zechstein gestoßen, weshalb die Bohrung noch tiefer geführt werden muß.
— Mernes. Anläßlich der Versetzung des Herrn Lehrer Becker von Mernes nach Wircheim beznx Dassen veranstaltete die Gemeinde kürzlich auf Anregung von Herrn Bürgermeister Heinrich und Herrn Ku- ratus D riffel eine Abschiedsfeier rm Saale des Herrn Desch. Schon lange vor Beginn der Feier war der Saal überfüllt. Beim Betreten des Saales stimmte die hiesige Musikkapelle den Choral „Die Himmel rühmen des ewigen Ehre" an, in welchen die Festversammlung stehend einstimmte. Nach Beendigung des schönen Liedes betrat als erster Redner Herr Bürgermeister Heinrich das Podium. Er schilderte die aufopfernde Tätigkeit des Herrn Lehrers in seiner 17jährigen Wirksamkeit und wies auf dessen rege Mitarbeit bei den Gemeindeangelegenheiten, sowie im Raiffeisenverein hin. Er dankte dem Scheidenden mit warmen Worten und wünschte ihm ferneres Wohlergehen in seinem neuen Wirkungskreis. Herr Kuratus Drissel hob die Verdienste des Herrn Lehrers im Kirchendienste hervor. Weitere Ehrungen brachten dar die Vorstände des Kriegervereins, des Gesellenvereins und der anderen hiesigen vereine. Herzliche Abschiedsworte fand auch der Vorstand des von Herrn Lehrer Decker geleiteten und mit mehreren Ehrenpreisen ausge-richn-eten Gesangvereins Edelweiß sowie der Vorsitzende ;s hiesigen Jagd- und Dogelschutzoereins. Alle ‘ wetteiferten mit sinnreichen Abschiedsgeschenken, dem Scheidenden ihre Liebe und Verehrung zu bezeugen. Die schönen Theaterstückchen, welche Fräulein Lehrerin Heil mit den Kindern einstudiert hatte, verschönten das Programm des Abschiedsabends. Auch der Humor kam zur Geltung. Herr Lehrer Becker dankte tiefgerührt für die Ehrung und nahm bewegt Abschied von seiner Gemeinde. Die besten Glück- und Segenswünsche begleiten den Scheidenden in feinen neuen Wirkungskreis in Wircheim.
— Lißberg (Kr. Büdingen). Die neu eingerichtete Handelsmühle Ringshausen wurde durch ein Schadenfeuer e i n g eä s ch e r t. Durch das rasche Eingreifen der Ortsfeuerwehr und benachbarter Wehren konnten Wohnhaus und Nebengebäude gerettet werden.
Ö Hanau. Vor dem Jugendgericht Hanau hatte sich der 17 Jahre alte Schlosserlehrling Walter Brill aus Hanau wegen des von ihm am 23. März d. I. begangenen R a u b ü b e r f a l l s auf den 15 Jahre alten Kaufmannslehrling Willi B e u s ch e r aus Langenselbold zu verantworten. Den Vorsitz führte Amtsgerichtsrat Strempel, Vertreter der Anklage war Oberstaatsanwalt Dr. Haedenkamp, Verteidiger Rechtsanwalt Spaltenstein. Der jugendliche Angeklagte war als Schlofferlehrling in der Feldbahnfabrik Eichelgrün u. Co. im Eisenbahn- Crsatzpark Hanau beschäftigt und krank geschrieben. Am 23. März er. erhielt der Kaufmannslehrling Willi Beu- scher von der Firma Cichelgrün den Auftrag, in dem sich in der Lamboystraße befindlichen technischen Büro Lohngelder in Höhe von etwa 1300 Mark in einer Aktentasche zu holen. Als er in Ausführung dieses Auftrages sich auf dem Rückwege befand, das Tor zum Kasernenhof des ehemaligen Eisenbahnregiments Nr. 3 passiert hatte und den Schlüssel zum Eingang der Fabrikniederlassung aus der Tasche ziehen wollte, erhielt er von dem Angeklagten, welcher auf ihn schon stundenlang gewartet hatte, mit einem Kartosfelstampfer einen schweren Schlag auf den Hinterkopf. Mit einer stark blutenden Wunde stürzte er zusammen und fing heftig an zu schreien. In diesem Augenblick erhielt er von Brill einen zweiten Schlag mit dem Kartoffelstampfer auf den Kopf, sodaß er itahezu bewußtlos wurde und zu Boden stürzte. Nur mit großer Anstrengung gelang es dem Brill die von Beuscher krampfhaft festgehaltene Aktentasche zu ent
reißen und über 1200 Mark an sich zu nehmen. Etwa 139 Mark lagen zerstreut auf dem Boden. Von einer Frau war der Ueberfall vom Fenster aus beobachtet worden, doch hatte dieselbe angenommen, daß es sich um eine Balgerei zwischen zwei Jugendlichen handele. Der jugendliche Brill ergriff damals die Flucht und konnte bekanntlich erst 14 Tage später in Kiel verhaftet werden. Der Verletzte hatte eine schwere Schädelverletzung daoongetragen und befand sich längere Zeit im Landeskrankenhaus zu Hanau. Das Jugendgericht verurteilte den Angeklagten zu 1 Jahr Gefängnis. Von dieser Strafe soll er 5 Monate verbüßen und wenn er sich dann später im Elternhause gut führt, soll ihm der Rest der Strafe erlassen werden.
— Aschaffenburg. Vom 16. bis 18. Juni findet in Aschaffenburg wieder das traditionell gewordene Volksfest nach Münchener Oktoberfestart mit S ch l o ß bete u ch t u n g statt. Die Johannisburg, das prachtvolle Renaissanceschloß, wird am Haupttag, am Sonntag, den 18. Juni, bei Nachtanbruch wieder inmitten eines Großfeuerwerks stehen, wobei Zehntausende von Feuerwerkskörpern und sonstige Beleuchtungseffekte einer ersten süddeutschen pyrotechnischen Fabrik das schöne Schloß in ein Märchengewand hüllen werden. *i
— Mainz. Der westliche Hauptturm des Domes, der lange Monate wegen der Sicherungsbauten und Hochbauten mit Gerüsten umkleidet war, ist nunmehr ge rüst frei geworden. Auch an den oberen Teilen von Westbau und Langhaus sind die Arbeiten vollendet. Dagegen wurde der von Häusern umbaute und infolge» dessen weniger sichtbare Ostbau und die Seitenbauten neu eingerüstet. Im Innern des Domes sind noch Ausbesserungen im Gang. Die Steinorchitektur soll durch geeignete Tönung zur vollen Wirkung gebracht werden. Inzwischen klingt auch seif Pfingsten schon der Sang der Domglocken über die Stadt hin, nachdem sie lange Monate zur Schonung des in seinem Bestand erschütterten Turmes haften schweigen müssen.
Neues aus Frankfurt.
— Magistralswahlen. Mit der neuen Stadtverordnetenversammlung muß auch eine Neubesetzung des Magistrats durch unbesoldete Stadträte Hand in Hand gehen. Der Magistrat besteht augenblicklich aus 13 besoldeten und 13 unbesoldeten Stadträten. Alle unbesoldeten müssen neugewählt werden. Ihre Wahl erfolgt nach dem Stärkeoerhältnis der einzelnen Fraktionen. Es müßten erhalten die Sozialdemokraten 6, die Kommunisten 2, die Volksparteiler, Deutschnationalen, Demokraten, das Zentrum und die Wirtschaftspartei je einen Vertreter. Innerhalb der bürgerlichen Gruppen sind augenblicklich Verhandlungen im Gange, eine gemeinsame Liste herauszubringen, die ihnen zwei weitere Sitze sichert. Die Wahl der unbesoldeten Stadträte ist auf den nächsten Dienstag festgesetzt. Bis Montag müssen die Wahlvorschläge eingereicht sein. Es ist nicht unmöglich, daß bei dem vergrößerten Frankfurt eine Vermehrung der Stadtratssitze aus je 15 für besoldete und unbesoldete Stadträte erfolgt. ____
Aus dem Freigericht.
u. Bernbach. Die hiesige, in den Jahren 1907-08 nach einem Entwürfe des Architekten Greifze in Mainz erbaute und in romanischem Stil gehaltene Kirche bedurfte dringend einer Restaurierung und ist nunmehr, nachdem die Kirchengemeinde für die Arbeiten erhebliche Opfer gebracht hat, fertiggestellt. Das Kirchen- innere wurde von Kirchenmaler Schmaus in Fulda ausgemalt und macht einen vortrefflichen Eindruck. — Auch in diesem Jahre haben die hiesigen Landwirte einen regen Zuspruch, die in der Lage sind, Setzrommeln (im Volksmunde „Kiel") abzugebur. Von weit und breit kommen die Käufer mit Fuhrwerken in den Ort, um die jungen Pflanzen zu erstehen, und mancher Einheimische freut sieh, sich auf diese Weise etwas Geld machen zu können, zumal die Einnahmequellen der Landwirte nie spärlicher geflossen sind, als in diesen Tagen.
aus Oberhessen,
— Marburg. Am 23. Juni findet in Oberwei - mar die diesjährige Generalversammlung des Kurhessischen Grünlandvereins statt. Hierbei findet ein Vortrag über „Moderne Weidewirtschaft" statt, gleichzeitig wird Rittergutspächter Heithecker über die Bewirtschaftung des Rittergutes Oberweimar Mitteilungen machen.
— Marburg. Die hier wohnenden Eheleute Superintendent a. D. Ludwig Göbel und Frau, geb.
Reinhard, begehen morgen die seltene Feier der d i a- mantenen Hochzeit. Der Gatte ist 86, seine Frau 82 Jahre alt. Beide erfreuen sich noch geistiger und körperlicher Frische.
— Emsdorf. Am Montag feierten die Eheleute Karl Joseph Paul und Frau Maria Veronika das goldene Ehejubiläum. Da es der hochbetagten Jubilarin nicht möglich war, das Gotteshaus zu besuchen, wurden die kirchlichen Zeremonien durch den hochw. Herrn Pfarrer Hahn im Hause vorgenommen. Unter zahlreicher Beteiligung der Singehörigen und Verwandten wurde in feierlichem Zuge den Jubilaren die hl. Kommunion überbracht. Dann erneuerte das Jubelpaar das Eheoersprechen. Nach einer zu Herzen gehenden Ansprache Überbrachte der Herr Pfarrer die Glückwünsche des Hochw. Herrn Bischofs von Fulda, der das Jubelpaar durch ein Bild der hl. Familie mit eigenhändiger Unterschrift auszeichnete, sowie die Glückwünsche der örtlichen Kirchengemeinde und der gesamten Pfarrei unter Ueberreichung eines prachtvollen Kreuzes. Im Laufe des Tages übermittelte der Herr Landrat von und zu Gilsa die Glückwünsche der Staatsregierung. Die politische Gemeinde, vertreten durch Herrn Bürgermeister Paul, schenkte dem Paar zwei schöne Sessel. Den Schluß der Feier bildete der Fackelzug des Gesangvereins, der unter seinem bewährten Dirigenten, Herrn Lehrer Koch, einige wohlgelungene Gesänge vortrug. Herr Schmiede- meister Rhein überbrachte die Glückwünsche der Vereinsmitglieder. Dem Jubelpaare, das in echt christlicher Weise in der Gemeinde lebt und zu deren Vertretung der Jubilar lange Jahre als Mitglied zählte, wünschen alle von ganzem Herzen noch viele frohe Jahre.
Die Bremenflieger abgefahren.
wtb. Jtero Zork, 9. Ium. (Gig. Funkm.). Die Bremenflieger und ihre Angehörigen haben um Mitternacht mit dem Lloyddampfer „C o l u m» b u s" die Reise nach Deutschland angetreten, nachdem sie sich von den am Pier erschienenen Vertre
tern der deutschen Vereine New Parks herzlich ver. abschiedet hatten. Eine dichtgedrängte Menge hatte den Pier besetzt und brach in brausende Abschiedsrufe aus, als der Dampfer auf dem Dock stromabwärts geschleppt wurde.
* Ein neuer Psandhausschwindel in Berlin. Auf Anzeige des Reichs, rbandes der Pfandleiher Deutschlands wurde die Besitzerin des Pfandhauses Hauser in B e r l i n- Süd zusammen mit zwei ihrer Freunde, die an der Leitung des Pfandhauses beteiligt waren, verhaftet. Gegen das Pfandhaus waren in der letzten Zeit bei dem Reichsverband der Pfandleiher Deutschlands fortgesetzt Anzeigen wegen Betrugs und Unterschlagung eingelaufen. Vor etwa drei Wochen wurde das Konkursverfahren gegen das Pfandhaus eröffnet. Die von dem Reichsverband veranlaßte Strafanzeige bei der Polizei führte zu der Feststellung, daß die Inhaber des Pfandhauses die ihnen anvertrauten Pfänder versetzt hatten. Die Verbindlichheiten des Pfandhauses sollen über 100 000 Mark betragen.
* Raubüberfall auf eine Eisenbahnstation. Am. Mittwoch abend drang in den Stationsdienstraum Rolandseck ein maskierter Dieb ein. Gr hielt den anwesenden Fahrdienstleiter mit vorgehaltenem Revolver im Schach und raubte die Kasse der Fahrkartenausgabe mit 64 Mark Inhalt. Auf demselben Wege, den er gekommen war, verschwind er wieder. Die alsbald aufgenommene Verfolgung blieb bisher ohne Ergebnis.
Fahrrad-Faulstich spricht:
Nirgends so billig! Mein großer Umsali in Sprechapparaten macht die billigen Preise möglich: Mittelstraße 42.
Amtliche Bekanntmachungen.
Fulda.
In das Handelsregister, Abteilung B, Nr. 155, ist bei der Firma Rhönmöbelwerke Aktiengesellschaft in Fulda am 6. 6. 28. folgendes eingetragen worden:
Der Kaufmann Sludl in Fulda ist durch Beschluß des Amtsgerichts in Fulda vom 6. 6.1928 gemäß § 29 B. G. B. zum alleinigen Vorstandsmitglied bestellt worden, nachdem der Direftor Jos. Christoff sein Amt niedergelegt hat.
Fulda, den 6. Juni 1928.
1071 Amtsgericht, Abt. 5.
Hünfeld.
Gemäß Paragraph 82 Alst. 3 der Kreisordnung und Paragraph 26 der Geschäftsordnung für den Kreistag werden nachstehend die vom Kreistag des Kreises Hünfeld in der Sitzung vom 26. 5. ds. Js. gefaßten Beschlüsse hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht.
1. Der Kreishaushaltsvoranschlag sinschl. der des Kreiswohlfahris- und Fürsorgeamts mit Anhang A, B-C wird in der Einnahme und Ausgabe auf 1.124.415.— Rm. festgestellt. Der Fehlbetrag im Hauptetat mit 132.903.— Rm. soll durch 65 Prozent Zuschläge zu den Einkommen- und Körperschaftssteueranteilen, zu der Grundvermögenssteuer« und Gewerbesteuer gedeckt werden.
Ferner wurde beschlossen:
Zu Titel V D. des Hauptetats.
Den Landrat als Vorsitzenden des Kreisausschusfes zu ersuchen, beim Regierungspräsidenten vorstellig zu werden, daß die Kehrgsbühren zum wenigsten auf den Satz im Kreise Fufda ermäßigt werden. Zu Anhang B des Hauptetats.
Gleichzeitig beschließt der Kreistag die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 110 000.— Rm. zu den üblichen Bedingungen der Landeskreditkafse in Kassel zur Deckung der Ausgaben für Notstandsarbeiten unter der Voraussetzung, daß Mittel aus der produktiven Erwerbslosenfürforge bereitgestsllt werden. Als dringlichste Bauten sind die Dimbach und Tastregulierung anzusehen.
Im übrigen wird dem Kreisausschuß überlassen, die Reihenfolge der Arbeiten zu bestimmen.
Bezüglich der Aufbringung der Kosten für den Wegeneubau Oberbrei tzbach—Glaam wird der Kreistagsbeschluß vorn 13. 3. 1928, wie folgt ergänzt: %ber Kosten übernehmen die beteiligten
Gemeinden und Gutsbezirke nebst unentgeltlicher Abgabe des erforderlichen Grund und Bodens und gestatten, daß die auf dem Gemeindeementum llezw. auf dem Eigentum der Gutsbezirke sich vorfindenden Baumaterialien an Steinen, Kies, Smrd und dergl. unentgeltlich entnommen werden dürfen.
Den Rest der Kosten übernimmt der Kreis und stellt den Antrag auf Bereitstellung von Mitteln aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge und Bewilligung eines Zuschusses vorn Bezirksverband. Die an dem Wege auszuführenden Obstbaumpflan- zungen werden Eigentum des Kreises. Der Kreistagsbeschluß vorn 9. 4. 1908 wird hierdurch aufgehoben.
2. Den geforderten Maßgaben des Bezirksausschußes zu der Iagdsteuer- und Schankkonzessionssteuerord- nung des Kreises wurde zugestimmft
3. Die Neuwahl von Schiedsmännern und Schiedsmannsoertretern, sowie die Ersatzwahl für ein Mitglied des Kreisjugendamtes erfolgte, wie ooiy Kreisausschuß vorgeschlagen.
Hünfeld, den 31. Mai 1928.
Der Vorsitzende des kreisausschusses. Ludwig.
Geisa
Bekanntmachung.
Da nach den Bestimmungen im Separationsoersahren die Nutzung der Feldwege in hiesiger Flur den an- liegenden Planbesitzern gehört, hat niemand das Recht, ohne Genehmigung der Besitzer die fragt Wege zu behüten.
Es wird deshalb erneut darauf hingewiesen, daß für die Zukunft jedes diesbezügl. Vergehen zur Anzeige ge- bracht und Uebertretungen rücksichtslose Bestrafung finden.
Alle Polizeiorgane sind angewiesen, mit aller Schärfe fernerem Schadenhuten entgegenzuftelen, damit die Klagen der letzten Zeit endlich aufhören.
Cingeschlossen gilt auch hier nicht verpachtetes ftäbf. Eigentum und ganz besonders die zum Bleichen bestimmtem Plätze.
Geisa, den 8. Juni 1928.
Der Stadtvorstand.
Hohmann, Bürgermeister.
UPasck mit
£Die OPersil-Ujäsche
Kunstausstellung Hessen-Nassau
in Wiesbaden.
In den schönen Räumen der Galerie Banger in Wiesbaden hat der Reichsverband Bildender Künstler (Gau Westdeutschland) eine Ausstellung veranstaltet, die uns einen Ueberblick geben soll über das Schaffen unserer engeren Heimat. Drei Gruppen, gegliedert nach ihren kulturellen Mittelpunkten, Frankfurt, Kassel und Wiesbalden, sind es, die hier Rechenschaft gblegen von ihrem Wollen und Können.
Die Frankfurter, wohl sechzig an der Zahl, sind gut vertreten. Henze-Dessaus „Gandria" ist voll leuchtender Farbe, elegant gemalt, ßatnmetjers „Basaltwerk", — wir kennen ihn bereits als feinen Landschafter —, ist mit kräftigem Pinsel angepackt und steht wuchüg, wenn auch ein wenig unruhig. Albert Kalb ist mit einer Landschaft „Rhönberge" vertreten, in der die Dä- moni« dieses Gebirges vorzüglich eingefangen ist. Sehr erfreulich ist der Knabenhalbakt von Hans Feibusch. (Man wird ihn im Auge behalten müssen.) Herterich zeigt eine prächtige Eifellandschaft, mit Leichftgkeit und Sicherheit gemalt, — ein famoses Bild! Unter den zahl, reichen Blumenbilbern und Stilleben sind gute Sachen, ich nenne Mathilde Battenberg, Marie Paquet-Stein- hausen, Oppenheim.
Die Kasseler Gruppe überrascht weniger durch Individualität als durch ein hervorstechendes Konventionell. In Kassel gibt es sogar eine Akademie. Ist es deshalb? . . . Was hängt, ist wohl gut gemalt, durchaus „gekonnt", doch liegt es in Dielm so weit zurück, so fern von den Kämpfen der letzten Jahre, die sich doch irgendwie bemerkbar machen müßten. Ich nenne hier Bracke! und Höhmann, freute mich über Rohleders „Kinderbildnis", Sys Lilienstilleben.
Was Wiesbaden bietet, ist befremdlich. Seine Repräsentanz ist unvollständig, die Interessantesten fehlen. Warum? Wiesbaden hat der Zahl nach eine beträchtliche Künstlerkolonie, in zwei Lager geteilt, die einen, die in traditionellen Bahnen wandeln, nichts oder nur wenig zu sagen wissen, die anderen, die sich mit den
Zeitproblemen auseinandersetzen. Vertreten sind eigent. lich nur die ersteren, mit aufregungslosen, brav gemalten Bildern oder Bildchen. Die anderen fehlen aus unbekannten Gründen. Infolgedessen ist der Eindruck vorn künstlerischen Schaffen Wiesbadens ganz unvollständig.
Dieser Eindruck weht übrigens durch die ganze Aus- stellung. Ist es wirklich der wahre Querschnstt durch das Schaffen unsere» heslen-nassausschen Heimat, der hier in der zweifellos sorgsam aufgebauten Ausstellung sich offenbart? Mehr als 100 Künstler haben hier ausgestellt, in ihrer Gesamtheit Ruhe und Bürgerlichkeit atmend, zeitfremd geworden. Ein Glück, daß uns Elkan, Kreuchen und Willy Belz mit vorzüglichen Plastiken aufwarten, denn in ihnen ist Kampf, Sehnsucht, Ringen, ebenso wie Mollenhauer froher stimmt. Endlich einer, der wie Tobias mit dem Engel ringt ....
Rudolf Wolff-Malm.
Ei oder Pferd.
Eine englische Ehegeschichke, erzählt von C. Henke.
Ein Gutsherr aus Wales vermählte sich mit der Tochter eines Nachbarn und verlebte glückliche Monate. Er war so glücklich, daß er es seiner Frau immer von neuem versicherte, wie glücklich er sei, wie glücklich er durch sie sei. Es schien ihm ein Leben eitler Sonne, das er führte.
Aber eines Tages fiel Regen: John Steward, der junge Gutsherr, hatte mit Entsetzen entdeckt, daß seine Frau furchtbar rechthaberisch sei, daß sie stets das letzte Wort behielt. Das machte ihn traurig und jagte ihm Angst und Sorge ein. Und immer wieder dachte er an den Rat, den hierin erfahrene Freunde ihm am Verlobungstage gegeben, sich ja vor dem Pantoffel zu hüten.
Die Angst vor dem Pantoffel war es, die John Steward also eines Tages bestimmte, zu seinem Schwiegervater zu gehen und Beschwerde zu führen.
Der war zunächst nicht wenig in Verlegenheit, als er sich in feiner Kinder Sachen mischen sollte. Aber er war ein erfahrener Alter und kam gar bald auf eine famose Lösung.
„Hör mal, mein lieber John," sagte er dem jungen Steward, „du machst jetzt mit einem Vierspänner eine Rundreise durchs Land. Auf deinem Wagen nimmst du einige hundert Eier mit. Du steigst auf den einzelnen Höfen, die du berühren wirst, ab, erkundigst dich nach diesem und jenem und erfährst dann so nebenher, wer dort jedesmal das Regiment im Hause führe. Ist es der Mann, gut — so schenkst du ihm nach Wahl eines von deinen Pferden. Ist es aber die Frau, so magst du ihr in meinem Namen eins von den mitgenommenen Eiern zum Geschenk reichen. Hast du deine Pferde verschenkt und bringst auch nur ein einziges Ei mit nach Hause, so will ich sehen, daß ich dir zu deinem Rechte verhelfe; andernfalls seht ihr selbst zu, wie ihr es macht."
Damit schloß der kluge Schwiegervater die heikle Debatte, und der junge Steward machte sich auf den Weg, des Schwiegervaters Rat zu befolgen. Eines schönen Morgens fuhr er mit einem stolzen Viergespann und einer ansehnlichen Cierkiste auf feinem Wagen durch das Waliser Land. Er dachte nicht an Landschaft und Wetter, er dachte nur immer wieder an bas eine: wird heute abend mein Gespann weg fein oder die Eierkiste?
So ging John Steward von Haus zu Haus, begrüßte die Dame und begrüßte den Hausherrn, plauderte oer- bindlichst. Und roenns bann zum Abschiebnehmen kam, bann spannte John Steward — nicht etwa eins seiner Pferde aus, um es dem erfreuten Gastgeber in seinen Stall zu führen, nein--er mußte jedesmal in die
Kiste langen und der Dame bes Hauses ein Ei präsentieren. Und jebesmal, wenn er es tat, lächelte er weh- leibig unb sagte, baß es fast ironisch klang: „Mit Empfehlung von meinem Herrn Schwiegervater!"
So kam es beim, baß John Steward nach einigen Tagen feine Kiste ab stellen unb ben Rest der Eier in feiner Rocktasche unterbringen konnte; bas Gespann aber war noch, wie er es mitgenommen.
Doch eines Tages schien es, als sollte es ihn eins feiner Pferbe kosten. Es war auf einem sauberen Pächterhofe. Denn bie junge Gattin lobte if^ren Mann, so gut sie nur konnte, unb ber Gatte behauptete, sie sei bas Jbeal einer Hausfrau, fleißig wie eine Biene und blank wie Sonnengold, aber auch fügsam in allem. Alle
letzte Entscheidung überlasse sie ihm von vornherein, anders kenne er das gar nicht unb . . .
John Steward triumphierte! Jetzt hatte er doch, was er wollte: eine Ehe, wie er sie selbst sich wünschte. Wenn bas seine Frau hören unb sehen könnte! Hier galt es ein Pferb, bas stanb fest!
Also erhob er sich balb, verabschiedete sich begeistert und lud ben Gastgeber ein, sich eins von seinen Pferben auszusuchen, bas er ihm schenken wolle — mit Empfehlung von feinem Herrn Schwiegervater!
Sie gingen zu britt in ben Hof hinaus, bie gefügige Frau am Arm ihres Gatten. John Steward ließ Die- fern freie Wahl, unb ber entfdjieb sich schließlich nach Ian- gen Vorstellungen, wie er denn zu solch ehrenhaftem Ge- schenke komme — er entschieb sich für einen feurigen, schön gebauten Fuchswallach. Allein seine Frau riet ihm ab unb meinte, er solle lieber bie Schimmelstute nehmen. Unb wie es so geht — fast kam es zu einem kleinen ehelichen Zerwürfnis. Der Pächter blieb bei bem Fuchswallach ,bie Frau bei ber Schimmelstute; bie Stimmung erhitzte sich; bie Worte flogen hin unb roiber, sie würben längst nicht mehr abgewogen. Unruhig sahen bie Pferbe dem Hanbel zu, ber zum Hänbel würbe. Und John Steward lachte ironisch — er hatte Erfahrung. Und als man zu keinem Ende kam, spielte bie Frau ihren letzten Trumpf aus; sie sagte es gereizt unb ihre Stimme schien um minbeftens noch eine Terz zu steigen. „Aber Harry," sagte sie scharf, „sei doch ruhig. Harry! das verstehst du ja nicht: die Schimmelstute ist doch bas beste Pferd!" Und dabei blieb es.
Aber nein — es blieb nicht dabei. Die ganze Situation war ja umgeschlagen. John Steward behielt ben Fuchswallach wie bie Schimmelstute. Dafür griff er nun in feine Rocktasche — es war bie Geste eines Meister- tragöben — unb reichte ber jungen Frau, schweigend Zwar, aber mit einem um so deutlicher sprechenden Lächeln ---bas letzte Ei: mit Empfehlung von feinem
Herrn Schwiegervater. Dann trabte er bavon. —
Und wenn es heute in England von einem Ehemann heißt, er stehe unter bem Pantoffel, so sagt man ganz einfach: bie Schimmelstute ist bas beste Pferb. Es ist bas eins ber beliebtesten englischen Sprickwörter geworden.