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CMMMW—IIIIWHlliillll Bill lul ■■ I ■■■II ir Mi uU JI Beilage zur Zuldaer Zeitung.

Für unsere Frauenwelt. »»

Rbenögang.

Bon Franz Cingia-Schramberg

Die sanften Glocken sind verklungen Und Ruhe waltet überm Land.

In wunderlamen Dämmerungen Sind alle Träume sich verwandt.

Die Erd« atmet leises Leben

Und stille Gassen sind vertraut Dem tiefen Frieden hingegeben. Der weite, gold'ne Drücken baut.

Und tausend schöne Wunder zeigen Dem Wandersmann das Angesicht.

Sie schweben freundlich durch das Schweigen Und grüßen dich im Sternenlicht.

v!e Normung in der Hauswirtschaft.

Don Alfred E r l b e ck - Leipzig.

Normung, Typisierung und Rationalisierung ist in gleichem Maß« eine Angelegenheit des Produzenten wie des Konsumenten. Daher ist die Normung von hauswirtschaftlichen Geräten und Bedarfsgegenständen zurzeit Gegenstand umfangreicher Arbeiten. Die Pro­duktion, so rote sie heute ist, und auch der Handel ent- behren auf unserem hauswirtschaftlichen Gebiet so gut wie seden Zußunmenhanges mit dem verbrauchenden Publikum, nämlich mit den deutschen Hausfrauen. Man ist zeitweilig erstaunt, wie unpraktisch uns die Fa­brikation und der Handel oft bedienen. Fabrikanten, Techniker und Handel suchen stets nach Neuheiten und bedienen uns daher sehr häufig mit unbrauchbarer Ware. Sie versuchten sich einander auszuschalten in dem Glauben einen Norteil für die Wirtschaft und fiir sich selbst damit zu erzielen, daß sie die Geaenstände mst so herstellen, daß sie nicht zueinander passen. So hat man z. B. f»Diele Sorten von Kochtöpfen mit im- mer verschiedenen Ausmaßen, daß die Deckel auf rin Kochgeschirr aus anderem Metall nickt posten. Das scheinen zwar Kleinigkeiten zu sein, aber in der millio­nenfachen Dervielfältigunq bei 12 Millionen Haushal­tungen im Deutschen Reiche sind das keine .Kleinigkeiten, sondern Millionenwerte an Kraft, an Arbeitszeit, an Arbeitslohn und Kavitalien, die auf diese überflüssige Weise vergeudet werden.

Was wir mst der Zett, wenn auch nickt von hntte auf rnoraen, zum Dorteil der Gesamtheit zu b;rci« tigen vergucken müssen, fit die übergroß» Mannigfaltig­keit, die den aedankenlosen Derbraucker verleitet, ganz übertriebene Anforderunaen an Produktion und Han­del zu stellen. Es ist kein aeiunder Zustand, wenn ei­nem Verbraucher 10 Gegenstände, von denen er ganz bestimmt zwei gebrauchen könnte, vorgelegt werden und er dann noch ftagt, baben fie vielleicht noch etwas an­deres. Handel und Produktion dürfen diesen übertrie­benen Anforderungen nicht mehr in der Weise en'ae- genkommen, wie es bisher der Fall gewesen ist. Er­ziehung der Droduzenten, Erziehung der Händler und vor allem auch Erziehung der Verbraucher tut dringend not. Das letztere werden mit großem Erfolg b’e Haus­frauenvereine besorgen können, bei dem ersteren wer­den ganz zweifellos das Reichskuratorium fiir Wirt- schafllichkeit helfen können, und zwar in der Art helfen, wie es z. B. der Normenausschuß der deutsch. Industrie bereits tut, der mit den Hausfrauen zusammen schon Sitzungen gehabt hat, um der Unzahl von Einkochgum- miringen und Kochgeschirren zu Leib zu rücken.

Es ist geplant die Durchmesser, Höhen und Inhalte von Kochgeschirren aus allen üblichen Materialien ein­heitlich festzulegen. Von der Bedeutung dieser Ar- beiten bekommt man einen Ueberblick, wenn man sich klar macht, daß 1. fast jede deutsche Familie, tast jeder deutsche Herd als Verbraucher, 2. der gesamte Eisen­waren- und Wirtschaftsartikelhandel als Vertrieb und 3. große Zweige der Eisenwaren, Metall- und keramischen Industrie als Produzenten von dieser Normung um­faßt werden. Eine notwendige Folge der Normung der Kochtöpfe ist die Normung der Ofenringe, die wiederum i

im Rahmen edr Normung der Kochherde und Kacheloser, durchgeführt werden muß.

Auch auf anderem Gebiete hat man den Wert 6tr Normung voll anerkannt und unter Mitarbeit der be­teiligten Verbände und mit Unterstützung staatlicher und städtischer Behörden die Arbeiten in Angriff genom­men Es seien nur einige Gebiete der Normungsorbeit genannt: Möbel, Cßgeschirre, Bett- und Leibwäsche, Be­kleidung, Nahrungsmittel usw. Hier greifen wieder die Normungsarbeiten für Bett- und Leibwäsche über in die Arbeiten des Facknormenaussckusses für die Textilin­dustrie der seinerseits wieder wichtige Arbeiten über di« Vereinheitlichung und Normierung von Daumwoll- und Leinengarnen in Vorbereitung bat. Auf diesem Ge­biete herrschte bisher eine durchaus ungerechtfertigte Vielseitigkeit. die sowohl den Verbraucher, in noch hö­herem Maße aber den Einzelhandel durch große Lager­haltung belastet.

Auf dem Gebiete des Schulwesens machen sich Bc< weguitgen geltend, durch Normung Erleichterung für denVerbraucher und den Handel zu schaffen. Diese na­turgemäß nur skizzenhaft berücksichtigende Darstellung dessen was genormt wird, zeigt die enorme Wichtigkeit und praktische Bedeutung dieser Arbeiten für die ge- famte Wirtschaft. Bei der strengen Prüfung und Sie­bung der Ereigniste durch die Normungsarbeit la'sen sich die vielgestaltigen Formen und Typen meist in ganz wenigen Arten zufammenfafsen.

Die kommenden Modefarben.

Von Elisabeth Krätzer- Düren.

Noch ist der Sommer nicht ins Land gegangen und schon beschäftigt sich die Industrie und die Mode mit den kommenden Herbst- und Winterfarben. Soweit sich die Ansichten der Modekünstler in den Zentren Paris und Wien überblicken lassen, werden die braunen Töne, vom hellen Beige bis zum tiefen Braun wieder stark im Vordergrund stehen, auch die Abarten von Braun, ins­besondere Kastanie, Nuß. Rostbraun (letzteres für Strümpfe) sollen große Mode werden. Weiter bleibt Grün Lieblingsfarbe der Heranwachsenden Damenwefi, uni, gestreift und aetupft, auch Zwisckentöne von G'ün und Blau für Kostin - und Straßenkleider werden sich, wie seither, besonderer Beliebtheit erfreuen. Schwarz- weiß in aparten Mustern wird von Wien prophezeit, auch die Tupfenmode soll dort noch stärker betont wer­den, allerdings unter Vermeidung der für die Sommer- mode stark bevorzugten rötlichen Töne. Aeltere Da­men werden in dem lange vernachlässigten Grau eine neue Note finden, die sich namentlich in Verbindung mit Gold- und Sikberstofsen oder Spitzen apart und ge­schmackvoll, ohne auffallend zu sein, verarbeiten läßt

Kunfffetöe zu waschen.

Von Elly Schönhö f er-Frankfurt a. M.

Ganz allgemein sind die Hausfrauen der Auffassung, daß das Waschen kunstseidener Wäschestücke und Klei­der besonders schwierig fei. Das ist keineswegs der Fall, wenn man mit einiger Aufmerksamkeit an die Ar­beit herangeht. Vor allem darf Kunstseide nicht warm gewaschen werden. Eine einfache Seifenlauge, ganz wenig temperiert, genügt völlig. Am besten nimmt man Zu der Herstellung des Waschwassers em es der vielen Seifenflockenpräparate, die mild und sodafrei sind. Beim Waschen darf Kunstseide nicht gerieben werden. Man schwenkt die zu waschenden Gegenstände am besten in der Lauge mehrfach hin und her, solange jedenfalls, bis sie sauber geworden sind. Dann spült man in kla­rem, lauwarmem Wasser, dem man eine Prise Essig zu­gesetzt hat. Erst wenn das Wasser ganz klar geworden ist, nimmt man die gewaschenen Gegenstände heraus, drückt sie ganz leicht aus und trocknet sie auf weißen Tüchern ausgesvannt möglichst in der Fasson des ge» waschenen Kleidungsstückes. Kunstseide darf niemals zum Trocknen ausgehängt werden, da fie sich verzieht und bann nie mehr recht in Ordnung gebracht werden kann. Gebügelt wird Kunstseide, zur Erhaltung des

Glanzes, stets von links, jedoch nur mit mäßig warmem Eisen. Durch heiße Bügeleisen wird die Fasson zerstört.

ttückenkmffe.

Von Lina Schupp- München.

Die Not der Zeit bringt es mit sich, daß der größte Teil der Frauenwelt, sowie die im Erwerbsleben ste­henden, neben ihren vielen anderen Pflichten auch die Küche allein besorgen müssen. Easthausessen ist für die meisten unerschwinglich geworden. Jede kleine Erspar­nis an Zeit und Material wird daher denkenden Haus­frauen willkommen fein. Vielleicht auch diese aus der Erfahrung geborenen Winke:

Man lasse sich nie von einer Mahlzeit überraschen. Immer voraus denken, kaufen, gelegentlich auch oor- kochen. Keine Tüten wir tscWift: fie ist verschwenderisch und zeitraubend Papier platzt leicht, der Inhalt wird zerstreut; außerdem kostet das Kramen und Suchen Zeit, Ueberall fallen gelegentlich Pappschachteln und Blech­dosen an, die mit Aufschriften versehen ober verschieden- farbig bemalt und beklebt, die Vorratstonnen kostenlos ersetzen können. Beim Umfüllen aus Tüten immer em sauberes Papier unterlegen. Beim Einschütten von Flüssigkeiten in Flaschen immer einen Trichter benutzen. So geht nichts verloren und man erspart das Auf­wischen.

In keiner Küche ^llte eine nicht zu kleine, scharf ge­schliffene, saubere Schere fehlen. Kleinere Mengen von Zwiebeln, Schnittlauch, Petersilie, Zitronenschalen lassen sich schneller und einfacher zerschneiden, als verwiegen. Die Schere ist auch rascher gereinigt als Wiegebrett und Messer. Die Küchenschere dient aber auch zum Putzen von kleineren Ffichen und zum Schneiden von Fleisch, Leber, Lunge zu Ragout. Man braucht bann ‘em Brett unterzulegen und später zu reinigen. An einem Haken bequem zur Hand, werden alle sauberen Ein­wickelpapiere in verschieden groß geschnittenen Grüf­ten aufgehängt. Diese legt man bei allen Sckrnutzarbei- ten unter, benutzt sie zum Aufstellen von rußigen Töp­fen und zur Aufnahme von Abfällen z. B. beim Schälen von Kartoffeln, Zurichten von Gemüsen usw. Man kann den Abfall dann gleich zu einem anderen Päckchen wik- keln. Wenn das Feuer gut brennt, wandern bann diese Päckchen in den Küchenherd. Man glaubt nicht, wieviel später übel duftende Reste dieses Küchenkremator'um in Asche verwandest! Das Tragen des Mülleimers ist für die' dienstbotenlosen Frauen im Haue« eine der unangenehmsten Arbeiten. Wird alles nach Möglich­keit verbrannt, kann man sich manchen Treppengang er­sparen. Wenn man die Abfälle, die unbedingt in den Eimer kommen müssen, in Papier wickelt oder mit Asche bestreut, vermeidet man den sich entwickelnden Geruch. Gas- ober Küchenherd lassen sich ebensogut mit zusam­mengeknülltem Papier als mit dem üblichen, oft wenig appetitlichen Lappen reinigen. Das Spülen kann man sich erleichtern, wenn man alles gebrauchte Küchengerät und Geschirr sofort ins kalte Wasser legt und fette Tel­ler und Bestecke vor dem Spülen mit Papier abre’bt. Dieses Fettpapier ist vorzüglich zum Anfeuern; außer­dem spart man Zeit, viel heißes Wasser und Küchen- hücher, die umso länger sauber bleibe.

Will man Speisen oder Salate mit einem harten Ei belegen, und hat man nur eingelegte Eier, die bekannt­lich beim Kochen springen, so nimmt man ein kleines Töpfchen, Taffe ober einen Metallbecher und spült das Gesäß mit kaltem Wasser aus. Nun schlägt man vor­sichtig das Ei hinein, daß sich Dotter und Weiß nicht trennen, stellt das ganze Gefäß in einen sprudelnden Topf mit Wasser und läßt das Ei hart kochen. Nachdem bas Ci erkaltet ist, kann man es stürzen und in Scheiben schneiden. In keiner Küche soll Natron fehlen.

Gibt man in das Cinweichwafser von Hülsenfrüchten eine Messerspitze voll davon, setzt die Hülsenfrüchte mit diesem Wasser zu, das schon viel gelöstes Eiweiß ent­hält, gibt bann bei Beginn des Siedeprozesses noch­mals Natron daran, das man bei offenem Deckel ver­dunsten läßt, so wird das Gericht schnell gar und sehr nahrhaft. Die Verwendung des Natrons zum Backen ist ja ohnehin allgemein bekannt.

Aepfel- und Birnenfchalen soll man nicht fortmerfiu- Sauber gewaschen mit etwas Zitrone und einigen Nel­ken ausgekocht, gesüßt und kalt gestellt bilden fie ein er- frischendes Tischgetränk. Zu einem Liter Master nimmt man etwa eine Handvoll Schale.

Sehr feuerungssparend bei Gasküche ist das Etagen­kochen. Es gibt eigene Uluminiumtöpse dazu mit abge­stumpftem Boden, die als Deckel für langkochende Ge­richte, wie z. B Suppenfleifch ober Kart oft ein dienen. Man kann auf diese Weise, ohne eine zweite Flamme anzuzünden, Ankochen, Garkochen oder heißes Waster bereiten. Ein Notbehelf für die Stufentöpfe ist die Ver­wendung eines Breittopfe« auf einen Hochtopf. ü?'ere Untermieterinnen hoben oft nur eine Gasflamme zum Kochen. Mit paffenden Apparaten (z. B. den verschiede­nen Aluminiumhochapparaten) kann man auch auf einer Flamme mehrere Gerichte kochen. Sogar zwei ganz utr« sthiedene Gerichte, wie Fisch« und Fleisch lassen sich <”'* diesen Apparaten bereiten.

Die $rou als Erzieherin.

f. Abbitten. Welch angenehmen Eindruck macht es. wenn ein Kind nach einem begangenen Fehler wm Vater oder Mutter sagt: „Sei wieder gut mit mir, ich will es nicht wieder machen". Das sagt aber ein Kind selten von selber, es muß ihm eben rechtzeitig beige- bracht werden. Manche Kinder, die gescholten worden sind, stehen stumm und steif da wie ein Stock: sie wer­den oft für trotzig ober gar bösartig gehalten, bloß weil sie bas rechte Wort nicht finden können. Man muß das Kind frühe daran gewöhnen, abzubitten, und wird einen verträglichen, zur Versöhnung geneigten Menschen erzie- hen, dem es auch in seinem späteren Leben nicht afizu schwer fallen wirb, einmal ein gutes Wort zu geben. Freilich liegt die Gefahr nah«, daß das Kind nicht nur versöhnlich, fonbern auch oberflächlich unb heuchlerisch wirb. Wenn es sieht, wie leicht sich Vater und Mutier burch ein „Ich wills nicht roieber tun" besänftigen last m, so wird es damit bald jederzeit zur Hand fein und die Eltern darüber täuschen, baß es keineswegs bester er­zogen ist als sein „trotziger" Bruder Worte ohne Ta;en sind leer; man muß also darauf sehen, daß die A' nicht zur bloßen Formsache wirb/

Die 4rau in der Rüche.

f. Türkischer Sohl. Weißkraut wird zerschnitten und abgekochf. Rippenstücke vom Rind werden zerhauen, n Mehl gewälzt unb von allen Seiten braun angebrmen. Dann schichtet man in einen Topf bas Kraut, einige kleine rohe Kartoffeln, einiger Zwiebelscheiben, do» Fleisch und nach Geschmack Pfeffer und Salz, gibt ems Taffe Fleischbrühe und einige Löffel Sahne obenauf, deckt den Topf fest zu, stellt ihn in einen zweiten her halbvoll Wasser ist, unb kocht alles 1—2 Stunden. Das Gericht wirb vor dem Anrickten gewürzt.

f. Gedämpfte Schleien. Nachdem die Schleien ge­schuppt, ausgenommen, gewaschen und etwas eing-'.il- 3en sind, legt man in Scheiben geschnittene Zwiebeln nebst anderem Wurzelwerk, grünen Kräutern in einer Kasserolle, die Ffickstücke mit einem guten Stück Butter darauf, gießt Wasser unb Wein hinzu, daß der Fisch halb bedeckt ist, unb kocht ihn zugedeckt eine halbe Stunde. Dann schmeckt man nach Salz ab. gibt gerie­bene Semmel, etwas gestoßenes Gewürz unb das mit Essig angerührte Blut des Fisches hinzu, läßt das Ge­richt noch ein wenig kochen unb vollendet es mit einigen Tropfen Maggi's Würze.

Praktische winke.

f Uebriggebliebene, gekochte Lier zu wärmen geschieht ohne Benachteiligung des Geschmackes in ber Weise, baß man die Eier genau eine Minute in kochendes Wasser legt. Dadurch werden sie genügend heiß, ohne härter zu werden.

f Weiße, gewaschene Spitzen erhalten eine ange­nehme Steife, wenn sie vor dem Plätten mit süßer Milch unb einem reinen Schwamm angefeuchtet werden. Durch diese Methode bekommen die Spitzen einen gelblichen Schein, als ob sie echt wären.

Llms Vatererbe. 1

Raman von Karola Hellmuth

25] ---------

»Rein, geh nur Kind, ich freue mich, wenn du etwas Abwechslung hast. Bestelle Frau Schweder einen scho­nen Gruß und sage ihr, fie solle doch hier mal vor­sprechen."

»Ich wills ausrichten, Tante; ich bleibe auch nicht lange."

Frau Schweder ist erstaunt als sie Leni zu unge­wohnter Stunde bei sich eintreten sieht.

„Ach habe etwas bringendes mit Ihnen zu reden, Mutter Schweder!" erklärt Leni verlegen unter dem er­staunt fragenden Blick der Frau.

„Ei, kleine Leni, was mag das fein? Komm in die Fliederlaube, da hört uns niemand. So, unb nun schieß los!" fügt fie lachend bei, als beide in der dichten Laube Platz genommen.

Leni blickt noch einen Augenblick befangen vor sich hin, bann hebt sie die treuen, ehrlichen Augen offen unb frei zu ber immer erstaunter blickenden Förstersfrau empor.

„Muttor Schweder, Sie dürfen mich nicht tadeln und meine Worte nicht unweiblich finden, aber ich wußte mir feinen anderen Rat. Sie haben gewiß auch schon be­merkt, daß ich Ihrem Sohn nicht gleichgültig war. Ich habe mich über Arnos Zuneigung gefreut, ich hatte ge­glaubt, hier in dem traulichen Forsthaus Ruhe und Glück zu finden, aber nun ist alles anders."

„Um Gott, Leni, was ist denn geschehen? Warum kann denn aus unseren beiderseitigen Wünschen nichts werden? Warum, liebst du Arno nicht mehr, hast du etwas Schlechtes über ihn erfahren?"

„Nein, nein, Mutter Schweder, ganz gewiß nicht; aber — das ist es ja eben, ich habe Ihren Sohn nie geliebt, weil — o Gott, es ist so schwer zu sagen, weil mein Herz einem anderen schlägt, ber aber von meiner Siebe nichts weiß, nichts wißen will. Still! still! Nen­nen Sie keinen Namen, wenn sie ihn auch erraten haben; ich kann es nicht hören, es bemütigt mich zu tief. Aber sehen Sie, cs war Unrecht, ich glaubte, an

SCHULZ

teti-liiiiBisrei

Carl Schneider

Ingenieur

HeinrichstraSe Nr, 65

verbürgt

alltät und Preteürdiskelf.

Joseph Schmitt, Fuhfo,

Weingroßhandlung.

Arnos Liebe würbe mein Herz gesunden, und das war ein Irrtum. Seit gestern weiß ich, daß ich feine Frau niemals werden darf. Glauben Sie mir, es ist mir nicht leicht geworden, die mir so lieb gewordene Heimat hier bei Ihnen aufzugeben, aber ich will Arno nicht unglück­lich machen." »

Sie schweigt einen Augenblick, doch auch Frau Schwe- der schweigt, sie weiß nicht, was sie auf dieses uner­wartete Geständnis antworten soll.

Cent ist von der Bank niebergeglitten, sie kniet vor der schmerzlich überraschten Frau und birgt das heiße Gesicht in ihrem Schoß.

„Mutter, lassen Sie mir den so lieben Namen heute noch! Heftern gestand mir ein gutes, edles Mädchen, meine beste Freundin, ihre Liebe für Arno. Da wußte ich, daß ich ihn nicht um diese treue, große Liebe be­trügen dürfe, da wußte ich, daß ihm mein Herz niemals Ersatz dafür geben konnte."

„Christine!" Frau Schweder sagt es unwillkürlich. „Ja, Leni, du hast recht, Christine war ihm früher nicht gleichgültig, aber seit er dich kennen gelernt, gehörte dir seine Siebe."

„Es ist nur ein Irrtum, Mutter, unb er muh vor solchen Irrtum bewahrt werden. Sagen Sie ihm alles, ich kann es nicht. Er wollte Christine in den- nächsten Tagen etwas sagen, unb ich glaube zu erraten, was er ihr sagen wollte: von mir wollte er reden. Doch, das darf nicht sein, niemals darf Christine wissen, daß Arnos Herz nicht stets'für sie geschlagen. Jetzt ahnt fie noch nichts, denn fie glaubt in seligem Glück, Arno wollte ihr seine Liebe gestehen. Mutter, Sie müssen sorgen, daß er auch wirklich bas tut, er bars die Siebe dieses edlen Mäd­chens nicht von sich weisen."

Sie hat fo beredt gesprochen und mehr noch als ihre Worte sagt ihr bittender Blick.

„Kind, Kind, in welchen Wirrwarr bringst du uns! Glaubst du, Arnos Herz könne sich auf Kommando zu einer anderen wenden? Ich habe wohl großen Einfluß auf ihn, bezweifle aber, daß er mir in diesem Falle ge­horchen wird. Doch, ich will sehen, was sich machen läßt."

Mit schwererem Herzen noch als sie getommejt, ver­läßt Leni die Försterei, "

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Als der junge Förster nach Hause kommt, sieht er zu seiner Bestürzung, daß die Mutter geweint hat.

„Ja, Mutter, was ist denn los? Wer hat dir denn in meiner Abwesenheit eetroas zu Seide getan?"

„Mir hat niemand etwas zu Seide getan, Arno. Seni war hier und hatte eine seltsame Botschaft für dich."

Schweigend hort der junge Mann den Bericht der Mutter an. Sie kann sein Gesicht nicht sehen, denn er hat den Kops in die Hand gestützt. Als sie geendet, steht er. ohne eine Antwort zu geben, auf, hängt die Flinte um und geht in den Wald. Besorgt blickt die Mutter ihm nach, aber sie kennt ihren Jungen, sie weiß, daß er da draußen in feinem geliebten Revier am ersten mit sich ins Reine kommt.

Doch heute bleibt er ungewöhnlich lange aus, die Dämmerung hängt schon zwischen den hohen Bäumen, die das Forsthaus umgeben, als er endlich aus dem Walde kommt. Sein Gang ist gerade und aufrecht wie sonst, nur vermißt die Mutter bas fröhliche Pfeifen, mit bem er sonst sich anzumelden pflegte. Sie sagt auch jetzt nichts, sie weiß, er wird von selbst reden, wenn er einen Entschluß gefaßt hat. Als sie den Tisch abgeräumt, geht sie zu ihm hinaus und setzt sich neben ihn auf die Bank. Einen Augenblick noch schweigt ber junge Mann, bann wendet er sich ber Mutter zu.

„Mutter, Seni hat Recht getan, wir wären nicht glück­lich geworden. Ein Mann kommt über eine unglückliche Siebe leichter hinweg, als eine Frau. Ich habe meinen Beruf, an dem ich hänge und dem meine Sorgen, meine Gedanken gehören. Leni aber würde hier in ber Einsam­keit zu viel Zeit zum Grübeln gehabt haben, sie wäre über ihre erste Siebe nicht hinaus gekommen. Sie tut mir fo leid, ich wollte, ich konnte sie trösten; aber mein Trost würbe fie beschämen, unb bas will ich nicht. Sie hatte auch barin recht: mein Herz gehörte Christine. Was mich so zu Sent zog, ich weiß es nicht, vielleicht ahnte ich ihre große Seele. Ich werbe Christine alles sagen, fie soll entscheiden."

„Nein, Arno, Christine darf nicht wissen, daß dein Herz Seni gehörte. Seni hat mich besonders darum ge­beten", erwiderte Frau Schweder besorgt.

„Doch, Mutter, Christine muß alles wissen, eine Lüge darf nicht zwischen uns stehen. Wenn sie mich wirklich

iie Conditorei

Künstler-Konzerte

Besitzer:

liebt, wird sie auch meiner Versicherung glauben, daß meine erste Siebe ihr gehörte. Ich glaube und fürchte, Seni ist unglücklicher als ich."

„3a, die arme Seni, ich hätte sie so gerne als Schwie­gertochter begrüßt!"

„Das ist nun vorbei, Mutter,wir wollen nicht mehr davon reden."

Er steht auf und geht ins Haus. Die Mutter blick! ihm besorgt nach, denn sie weiß, daß er viel schwerer unb tiefer empfinbet, als er sich merken läßt. Schweder ist mit sich selbst unzufrieden, er weiß nicht, was er be­ginnen soll, um Christine nicht zu kränken. Er sagt sich auch, daß er selbst Schuld sei an seiner mißlichen Sage. In seiner unbedachten, sorglosen Art hat er beiden Mäd- chen den Hof gemacht, nicht bedenkend, bah doch Chri­stine, die er ja feit den Kinderjahren kannte, durch gewisse frühere Aeußerungen eigentlich berechtigt ist, von ihm eine Erklärung zu erwarten. In ihrer durchaus geraden, ehrenfesten Art hat sie wohl nichts darin gefunden, daß er zu Seni eigentlich mehr als freundlich war, vielleicht hat fie sogar geglaubt, er sei ber Freundin um ihretwillen gut. Was ihn zu Leni so hingezogen, er weiß es selbst nicht, aber er hat diese neue Siebe willenlos über sich Herr werden lassen. Nun ist es vielmehr fein Stolz als fein Herz, dem man die Wunde geschlagen. Aber wie dem auch sei, auf irgend eine Art muß er die Situation klären. Er begreift jetzt selbst nicht, wie er so leichtsin­nig handeln konnte, denn daß fein Tun einem großen Egoismus und einem Stückchen Seichtsinn entsprang, sag! er sich jetzt selbst.

„Wenn ich nur Beni irgendwo treffen könnte, ich muß sie sprechen, ehe ich Christine wiedersehe. "

Schon oft hat er in der Nähe des Barkamphofes auf Leni gewartet, endlich ist ihm das Glück günstig.

Sent hat den Beuten auf dem Felde das Vesperbrot gebracht; .auf bem Rückwege trifft sie mit Schweder zu­sammen. * Heiße Glut färbt ihr Stirn und Nacken, als sie ihn erblickt; ihr Fuß stockt und schon mackt sie Miene, umzukehren unb einen anderen Weg einzuschlagen — doch cs ist zu spät! Schweder hat sie gesehen, er wird ihr doch folgen, sie hat das Gefühl, als habe er absichtlich diese Zusammenkunft herbeigeführt. So geht sie ihm denn, all ihren Mut zufammennehmend, entgegen. (F. f.)