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Freitag, den 25. Mai 1928.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Drurf der Fuldaer Actleudruckerel, Fulda

Ums Datererbe.

Roman von Karola Hellmuth.

18] —----

In der großen Küche des Barkamphofes sitzen alle Bewohner rund um das gemütlich brennende, offene Herdfeuer. Die Frühjahrsabende sind noch ziemlich kühl und sie haben sich alle an dem traulichen, wärme­spendenden Herd zusammengefunden.

„M>, da ist ja unsere kleine Ausreißerin wieder!' bemerkt der Schulze, sich umwendend, als er hinter sei­nem Rücken die Haustüre gehen hört. „Na, da sind Sie ja auch noch, Herr Schweder, wo haben Sie denn das Mädel gefunden?"

„Ich war auf dem Kirchhof, Onkel. Heute ist doch Mutters Todestag!" bemerkte Leni statt des jungen Mannes.

Ein Schatten geht über des Schulzen fröhlich fchmun. zelndes Gesicht. „Das ist wahr, Kind, wie konnte ich das nur vergessen. Du wärst aber besser heute nach­mittag gegangen, ich habe es nicht gern, wenn du spät abends allein gehst"

„Ich war ja nicht allein, Onkel, Herr Schweder war ja bei mir."

„Ja, Fräulein Leni, wäre ich aber, wie ich erst vor­hatte. noch zum Dorf gegangen, dann hätten wir uns nicht getroffen, dann hätten Sie doch den Weg allein machen müssen "

Der junge Förster merkte .daß die Blicke der Dienst­boten neugierig auf ihnen ruhten; er sah auch das feit- same Aufleuchten in ihren Blicken, sah, wie sie sich ver­stohlen zunickten und leise flüsterten. Die ahnungslose Leni bemerkte das alles nicht. Seine Beobachtung aber bewog ihn, Leni ein wenig nach Entschuldigung klingende Worte zu sagen. Die Leute sollten nicht glauben, daß er mit dem jungen Mädchen ein Stelldichein gehabt; kein Makel sollte auf den Namen des ahnungslosen Kin­des fallen.

Der Schulze hatte den jungen Mann schnell begriffen und höher noch stieg er deswegen in feiner Achtung.

„Wollen Sie sich nicht ein wenig zu uns setzen, Herr Schweder? Die Abende sind noch kühl, da kann man ein Feuerchen wohl vertragen!"

Schweder folgte der Aufforderung gern. Etn Weil- chen sprach man von allerlei Dingen, dann sagten die Dienstboten gute Nacht und zogen sich zurück.

Als alle fortgegangen, bat Schweder Frau Bar­kamp um die Erlaubnis, Leni seiner Mutter zuführen zu dürfen, da dieselbe gern die Bekanntschaft des jun­gen Mädchens machen wolle. Die Erlaubnis wurde ihm' vom Schulzen und auch von seiner Frau gerne erteilt. Dietrich, der ziemlich wortkarg dabeisaß, hob nun plötz­lich den Kopf.

„Ich finde, ihr laßt Cent viel zu viel hingehen. Was sollen die anderen Mädchen sagen, wenn Leni immer bis in die Nacht hinein Herumlaufen darf?" sagte er finster. Ä

Leni bekam einen roten Kopf, dE Schulze aber sah feinen Sohn erstaunt und verweisend an.

„Leni läuft doch niemals herum! Wie kommst du zu solcher Behauptung? Zu Ihrer Mutter kann sie mor­gen Nachmittag gehen, Herr Schweder, da wird sich wohl ein Stündchen erübrigen lassen."

„Ich habe noch etwas auf dem Herzen, wovon ich mit Ihnen immer schon reden wollte, Herr Barkamp", be­merkt nun Schweder, Dietrichs Worte anscheinend über­hörend. Könnten Sie den jungen Tennhof nicht wieder auf dem Hof beschäftigen? Auf der Sägemühle nehmen sie ihn nicht w'eder auf und die Holzarbeiten bei uns sind beendet."

„Wir haben keine Trinkerversorgungsanstalt!" er- widert Dietrich brüsk statt des Vaters. „Auf der Sage­mühle hat man ihn wegen Trunksucht entlassen."

„Das glaube ich nicht, Herr Barkamp!" erwidert Schweder, sich zur Ruhe zwingend, „foviel ich weiß, hat man ihn damals entlasten, weil er nicht pünktlich zur Arbeit kam. Er trinkt ja leider dann und wann, aber sonst ist er ein tüchtiger Arbeiter. Zudem geht es feiner alten Mutier nicht gut, sie soll recht krank sein."

„Frau Sennfjof ist krank? Das wußte ich ja gar nicht", mischt sich nun Frau Barkamp ein, „da geh du doch morgen einmal vorbei und bringe ihr etwas zu le­ben; ich werde dir etwas einpacken."

„Ja, natürlich — unterstützt muß das Faulenzervolk auch noch werden!" höhnt Dietrich, „na, meinetwegen, aber in unseren Betrieb kommt Peter Tennhof nicht!"

„Jetzt aber ruhig. Junge!" gebietet der Schulze, „was ist denn nur in dich gefahren heute Abend? Was deine Mutter tut, daran hast du nichts auszusetzen, verstanden? Ich werde mal mit Schulze Hollhaus sprechen. Biel- leicht kann der ihn gebrauchen; bei uns geht es wegen dem alten Heinrich nicht gut. Der Heinrich kann sich mit dem Peter nicht vertragen; er wirst ihm allerhand vor und bann gibt es Zank und Schlägerei, denn Peter ist auch ein Brausekopf."

Schweder hat sich erhoben, er reicht dem Schulzen die Hand: „Sehen Sie einmal, Herr Barkamp, was sich machen läßt; den Leuten muß doch geholfen werden und Peter muß Arbeit haben, sonst wird er ja ganz liederlich."

Allen noch fteundlich gute Nacht wünschend, geht Schweder fort, auch Leni geht auf ihr Zimmer.

„Der Windhund!" knurrt Dietrich, als Schweder ge­gangen, „was braucht der sich in unsere Sachen zu mi­schen? Der Peter hat ja Arbeit bei Hildebrands, warum bleibt er nicht dort?"

Ah, also darum fährst du los wie ein bissiger Ket- tenhund", lacht der Schulze. „Daß er bei Hildebrands nicht bleibt, nehme ich ihm nicht übel Bei solcher Kost läßt sich nicht gut arbeiten und (einen Lohn wird er auch wohl nicht bekommen haben."

Wenn man alles glauben will, was die Leute sagen, bann hätte man viel zu tun", spottet Dietrich. „Uebrigens, wie könnt ihr die Leni mit dem Schweder laufen lassen? Der Schürzenjäger wird sie bald nett in Verruf bringen." Frau Barkamp blickt ihren Mann ganz betroffen an; biefer aber erwidert streng: „Dieter, was fällt dir ein! Schäme dich, über einen anständigen Mann fo zu reden. Beweise mir erst, daß Schweder kein ordentlicher Mensch ist. Ich habe immer nur Lobenswertes von ihm gehört^ Oder ist er dir bei Hildebrands auch ins Gehege gekom­men?" fügt der Schulze mit feinem Spottlächeln hinzu.

„Der? Dem würden sie bet Hildebrands die Türe zeigen!" Unsagbar verächtlich kommen die Worte von

Sum Wahlergebnis am Rhein.

Das Essener Zentrumsblatt schreibt fiber die sehr schlechten Wahl-Ergebnisse der Zen­trumspartei in Köln, im Rheinlands und in West­falen folgendes:

Bei der Besprechung des Wahlergebnisses bricht in der gegnerischen Presse eine gewisse Schadenfreude übet den Mißerfolg des Zentrums durch, die vor allem mit dem Stimmenverlust begründet wird, den die Partei zu verzeichnen hat. Mandats­verluste sind nicht so tragisch zu nehmen als die Abnahme der Stimmenzahl, die auf eine Abbrök- kelung vom festen Zentrumsturm gedeutet werden könnte. Das Zentrum ist eine Partei mit Grund­sätzen, die das kulturelle Gebiet umfassen, und da berührt es sehr schmerzlich, wenn beispielsweise aus dem katholischen Köln von der demokratischen Presse berichtet wird, in den ausgesprochenen Frauenbezirken sei eine Abwanderung vom Zen­trum festzustellen, um daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, die konfessionelle Bindung der Wählerschaft sei schwächer geworden. Das Reichsschulgesetz stand beim Zentrum im Mittelpunkt der Wahlbewegung, und da würde das Abflauen der Zentrumsstimmen bei der Frauenwelt als ein Zeichen des religiö­sen Verfalls zu bewerten sein. Trifft das in Wirklichkeit zu, was von der Frauenwelt gesagt wird, so ist das einfach durch die Lektüre der farblosen Presse und die dadurch veran­laßte Verflachung der kulturellen Gedankenwelt herbeigeführt worden. Was die politische Ein­stellung der Kölner Katholiken betrifft, so ist sie stark von der im Herzen des Kölners liegenden Liebe für Vergnügungen beeinflußt, die die poli­tischen Vorgänge als etwas Nebensächliches anzu­sehen aewohnt ist. Schon vor Wochen wurde ge­sagt, Köln zeigt zurzeit nur noch ein Interesse für die „Pressa".

Indessen nicht nut in Köln ist eine starke M- ftcchme der Zentrumsstimmen eingetreten, sondern am ganzen linken Rheinufer ist dasselbe zu beobachten gewesen. Das Rheinland hat außerordentlich unter der fremdländischen Be­satzung zu leiden gehabt, dabei haben, wie beispiels­weise in Aachen, die Rationalisierung innerhalb der Industrie durch Stillegung früher blühender Werke schwere Verstimmungen herbeigeführt, die verschärft worden sind durch Nichtgewährung, von Kanalwünschen, die das Kohlenbecken im Wurm­gebiet vor dem Erliegen schützen sollten, was man dem Zentrum in die Schuhe schiebt. Die größeren Jrümstriestädte, wie M.-Gladbach, Krefeld und Neuß, ergeben bei dem katholischen Charak­ter dieser Städte eine erschütternde Zu­nahme sozialistischer und kommuni­stischer St immen zum Nachteil des Zentrums. Das sollte innerhalb der Berliner Regierung als Gradmesser für die Stimmung im Rheinlands an­gesehen werden, die sich nach den vaterländischen Opfern, die sie gebracht haben, vernachlässigt sehen.

Es wäre indessen verfehlt, allein die rheinische Bevölkerung anzuklagen, dem Zentrum die Heeres- solae versagt zu haben, in Westfalen ist es nicht anders gewesen, und insbesondere von der Stadt Münster, die früher ein so schwarzes Gesicht ge­tragen haben soll, muß festgestellt werden, daß st? in ihren Wahlziffern ein politisches Durcheinander bietet, das jede staatsbürgerliche Erziehung missen läßt. Es ist hochbedauerlich, daß im Wahlbezirk Westfalen-Süd zwei Mandate verlorengegangen sind, so daß die um die soziale Fürsporge so hoch­verdiente Frau Gerichtsrat Neuhaus in Dortmund, die seit der Nationalversammlung dem Reichstag angehört hat, nicht wiedergewählt wor­den ist. Es sind von der Leitung des Zentrums

aus Fehler gemacht worden, die ihre schwere Nach­wirkung gehabt haben. Die Fenster, die durch den Meinungsstreit der Abgeordneten eingeschla­gen worden sind, haben eine schlechte Luft für den Wahlkampf geschaffen.

Doch, das ist oorüber. Die Zentrumspartei hat eine Mahnung nach der Richtung erhalten. i)aß, wenn in den oberen Regionen die Einigkeit nicht kraftvoll in die Erscheinung tritt, im Volke der Meinungsstreit nicht vermieden werden kann und in der zersplitterten Stimmenabgabe sich schä- tigend geltend macht. An Warnungen hat es nicht gefehlt, es darf erwartet werden, daß in der Zukunft keine Wiederholuna der gerügten Uebel tände eintritt. Notwendig ist ober anderseits, hal­ste Organisation in den einzelnen Wahlbezirken troffer gehandhabt und auch in der wahl­freien Zeit ein größeres Gewicht auf die Kleinarbeit und die rechtzeitige Aufklärung der Wähler gelegt wird. Durch berauschende Ver­sammlungen, die in der Regel nur von solchen be­sucht werden, die politisch doch kernfest sind, kann die Wahl nicht gemacht werden.

VedenkUche Zahlen.

Nach einer in „Wirtschaft und Statistik" ver­öffentlichten Aufstellung des Statistischen Reichs­amtes entfiel bis 1900 in allen europäischen Län­dern auf je 1000 verheiratete Frauen ein ziemlich gleichmäßiger Durchschnitt von 250 bis 300 ehelich Lebendgeborenen. Nur Frankreich wies schon da­mals einen außergewöhnlichen Geburtentiefstand auf. Von da ab ist ein ständiges und starkes Ab­aleiten der Geburtenzahl in allen europäischen Ländern zu beobachten. 1912-13 kamen auf 1000 Ehefrauen in Deutschland nur noch 202 3 ehelich Geborene, also 29 Prozent weniger als 1900-1901. In Belgien waren es 27 Prozent weniger, in Luxemburg 21 Prozent, in der Schweiz 19 Prozent, in England 16 Prozent, und in Frankreich weitere

17 Prozent. Nach dem erklärlichen vorübergehen- i den Geburtenanstieg der Nachkriegsjahre sank die | Geburtenzahl im Jahre 1924 in Deutschland auf 147, war also um 28 Prozent niedriger als in den Jahren 1912-13, und fast um die Hälfte (49 Pro- zent) reduziert gegen 1900. In den anderen Lan­dern betrug der Rückgang 25 Prozent. Damit war Deutschland und England fast auf den niedrigen Stand Frankreichs angelangt, das fest 1912-13 stehen geblieben war, vielleicht sogar ein ganz stein wenig günstiger lag, infolge zahlreicher Frem­denzuwanderungen. Deutschland und England gleitet immer noch weiter nach unten, und es be­trug die eheliche Fruchtbarkeit in Deutschland 1926 nut noch 138,1 und in England im Jahre 1925 nur 143.5 auf 1000 Ehefrauen. Das ist ein außer- ordentlich betrübendes Zeichen des im ständigen Wachstum begriffenen sittlichen Niederganges.

ttacholische Iunolehrernot.

Nach den amtlichen, vom Kultusministerium dem Preußischen Landtag übermittelten Ausgaben haben wir ohne die Hilfslehrer noch 6124 stellen­lose katholische Bewerber im Schuldienst. Würden diese stellenlosen Junglehrer alle eingestellt, so wären 25,9 Prozent der vorhandenen Lehrstellen "on ihnen besetzt. Im Jahre 1929 werden 275 ka­tholische Bewerber oder 1,16 Prozent zur Ein­stellung in d"n Schuldienst gelangen. Bringt man diese beiden Angaben in Verbindung, so ergibt fick für die Junglehrer ein trostloser Ausblick in die Zukunft. Die vorhandenen katholischen Junglehrer haben, wenn man jährlich 3 Prozent frei werdende Stellen berechnet, mit einer Wartezeit von acht bis neun Jahren bis zur Einberufung als Hilfs­lehrer zu rechnen Da noch rund 1000 Flüchtlings- lehrer unterzubringen sind, verlängert sich die Wartezeit um weitere eineinhalb Sabre. Durch die jährliche Hebet nabme von rund 50 akademisch vorgebildeten Junglehrern in Planstellen kommt

Bombcnattentat in Buenos-Aires.

Eine Höllenmaschine im italienischen Konsulat zur Explosion gebracht. Neun Personen getötet, etwa 40 verletzte.

Wie Associated Preß aus Buenos Aires meldet, explodierte dort im italienischen Konsulat eine Bombe, durch die eine Reihe von Per­sonen getötet und über 40 verletzt wurden.

Wie zu der Explosionskatastrophe wester ge­meldet wird, erfolgte die Explosion gegen Mittag im Wartezimmer der Paßabteilung des erst kürzlich vollendeten Konsulats-Neubaues und rief unter den Angestellten und etwa 20 Wartenden ungeheuere Erregung und Angst hervor. Die Zahl der To­ten i st auf neun gestiegen. Die Zahl der Verletzten beträgt 41. Die Bombe explodierte in einem Wandschrank und riß ein sechs Fuß großes Loch in die Mauer. Man nimmt an, daß die Ex­plosion auf die Tätigkeit von Anti-Faschisten zu- rückzusühren ist.

Zurzeit der Explosion befanden sich im italieni­schen Konsulat zweihundert Pexsonen, doch war Ge­neralkonsul Capani abwesend. Mehrere in der Nähe des Wandschrankes, in dem die Bombe ex­plodierte, befindliche Personen wurden buchstäblich in Stücke gerissen Infolge der Explosion stürzte ein an der Außenseite befindliches Baugerüst zu­sammen und begrub mehrere Personen unter sich I Wenige Minuten nach der Explosion brach außer- I dem Feuer aus, so daß die Rettungsarbeiten sich

überaus schwierig gestalteten. Da infolge des Chauffeurstreiks nicht genügend Krankenwagen zur Stelle waren, wurde das Rettungswerk weiter de- hindert.

(Eine zweite Bombe kurz vor bet Explosion entdeckt.

Wie die Associated Preß aus Buenos Aires meldet, wurde in einer nahe den Süddocks gele­genen Apotheke, die einem Faschistenführer gehört, eine zweite Bombe entdeckt. Als argwöhnische An­gestellte die von zwei Kunden zurückgelassenen Handkoffer öffneten, fanden sie darin eine Höllen­maschine mit brennender Zündschnur. Die Schnur konnte noch rechtzeitig gelöscht werden. Die Ent­deckung bestätigt die Ansicht der Polizei, daß es sich bei dem bereits gemeldeten Bombenanschlag auf das italienische Konsulat um das Werk von Antifaschisten handelt.

wtb. Buenos Aires, 24. Mai. (Gig Funkms Der italienische Botschafter Martin - Franklin er­klärte einem Vertreter der Asjocieted Preß, die Bombenexplosion könne direkt auf die Tätigkeit einer beftimntten antifa- schiften Gruppe zurückgeführt werden. Die gleiche Truppe trage die Verantwortung für das Attentat in Mailand. Die italienische Bot­schaft und die italienische Kolonie werden von einem starken Polizeiaufgebot bewacht.

eine weitere Verlängerung von ungefähr einem Jahr dazu, so daß sich eine Durchschnitts­wartezeit von elf Jahren bis zur Einberufung als Hilfslehrer ergibt. Nack wet­teren ein bis zwei Jahren ist dann die volle Beschäftigung in der Schule zu erwarten. Nur wenn durch einen kommenden Finanzausgleich > Schuldenausgleichs den Kommunen die Möglich­keit zu weiterem Ausbau ihres Schulwesens ge­boten würde, könnte durch Vermehrung der Lehr- lellen den Junglehrern eher Anstellung geschaffen werden.

Die seelische Lage der Junglehrer, soweit sie nicht vorübergehend oder dauernd anderen Be­rufen sich zugewandt haben, ist denkbar traurig. Wenn man ihr Werkblatt, den „Jungen Lehrer", liest, stößt man oft auf Ausbrüche seelischer Ver­zweiflung. So finden wir in der Nummer vom 28. Avril ein Gedicht „Junglehrerklage", das bit­terste Verzweistung zum Ausdruck bringt. Wenn tiefe Verzweiflung oft, an der Not anderer bemef« en, die in reiferen Jahren heute vor dem Nichts leben, zu unaebärdig erscheint, so ist sie menschlich tief verständlich. Jugend bäumt sich hier auf. der Farniliengriindung und Berufsglück in nebelhafte Ferne gerückt erscheinen.

katholische Welt.

— Der Bonifatiusoerein im Jahre 1927. Der nun­mehr 79 Jahre bestehende Bonifatiusverein kann auf die Begründung von 114 Waisen- und Kommunikanten- Anstalten zurückblicken. Der Verein sorgt für den Le­bensunterhalt von rund 400 Diasporapriestern. Die Gesamteinnahmen der Organisation im Vorjahre be­trugen 3,1 Millionen Mark gegen 2,8 Millionen tm Jahre 1926. Für die Priesterhilfe in der Diaspora opferte der katholische Klerus Deutschlands im Jahre 1927 650 827 Mark. Das Bonifatiusblatt hatte im Mai 1927 rund 337 000 fest Bezieher, in diesem Jahre sogar 403 000. Das Durchschnittsopfer der Katholiken in den einzelnen Diözesen schwankt zwischen 1 Pfg. (Passau) und 16,5 Pfg. (Schneidemühl) pro Jahr. Am meisten zahlen die Diasporadiözesen, denen der Verein Zuschüsse zuwendet, nicht also, wie man erwarten sollte, die rein katholischen Diözesen. Relativ sehr ungünstig stehen die Sprengel Trier, München, Augs bürg, Regensburg, Eichstädt Wenn die Hin terlandsdiözesen Gleiches zustande brächten wie iHv „Patenkinder", z. B. Passau wie Schneidemühl, Trier wie Hildesheim, Eichstädt wie Ermland, dann sähe es bald besser in der Diaspora aus. Mit wesentlicher Hilfe des Bonifatiusvereins wurden im Jahre 1927

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50 Kirchen oder Kapellen, 24 Pfarrwohnungen, 12 Schu­len, 14 Anstalten, 20 Seelsorgsstationen sertiggcstellt. In einem huldvollen Schreiben vom 5. Mörz 1928 hat der Heilige Vater dem Verein sein hohes Lob erneut aussprechen lassen.

Wie wird das Wetter?

Der Ausgleich der Luftdruckgegensätze über Mittel­europa hat weitere Fortschritte gemacht. Infolge der gleichförmigen Luftdruckverteilung und der unaleich- mätzigen Erwärmung werden sich auch weiterhin örtlich eng begrenzte Teiltiefs ausbilden, die Gewitter oder Ge­witterregen bedingen. Die Temperaturen bleiben auch weiterhin kühl bis mäßig warm.

Witterungsaussichten für Freitag: Leichte Bes­serung, doch immer noch Gewitterneigung.

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Dietrichs Lippen. Dann geht er mit einem brummiger „Gute Nacht" hinaus.

Am folgenden Nachmittag wandert Leni, einen Korv mit allerlei guten Sachen am Arm, zu Tennhofs. Die kleine Küche, die sie betritt, ist leer, Speisereste und un- gespültes Geschirr steht auf dem unsauberen Tisch; der Fußboden scheint auch schon länger nicht gefegt worden zu sein. Leni stellt ihre Last auf den Tisch und will eben an eine in die Küche mündende Tür klopfen, als die Tennentür geöffnet wird und ein junger Bursche eintritt. Mit finsterem Blick und spöttischem Grinsen mustert er das junge Mädchen.

„Ah, Jungfer Leni, was will Sie denn hier? Mir vielleicht einen Besuch machen?"

„Frau Barkamp schickt mich, ich soll nach Ihrer Mut­ter sehen und ihr etwas Stärkendes bringen."

„So, die Barkampjche schickt Sie? So, sagen Sie ihr. ich wollte nichts vom Barkampshof."

„Erstens sollen Sie ja auch gar nichts haben, son­dern Ihre Mutter, und zweitens werden Sie gar nicht gefragt", erwidert Leni resolut.

Peter Tennhof verzieht seinen Mund zu einem höhni­schen Grinsen.

„Na, auf den Mund gefallen ist die Jungfer auch nicht gerade."

„Wäre auch schade, wenn ich vor Euch stillschweigen müßte!" lacht Leni. „Es können mir zehn von Eures gleichen kommen; ich werde mit ihnen fertig Doch, nun führt mich zu Eurer Mutter, oder ich suche mir ihre Kammer selbst. Uebrigens könntet Ihr hier auch etwas mehr Ordnung halten; es sieht ja beinahe aus, als ob die Schweine hier gehaust hätten."

„Nun ifts aber gut! Ihr könnt ja predigen wie ein Pastor. Schade, daß die Langhaarigen nicht Pastor werden können, Ihr müßtet einen tüchtigen Pastor ab­geben.*

„Ja, wenn ich Pastor wäre, wollte ich Euch nicht zum Küster haben; Ihr schmiertet mir die Kirche auch voll. Aber nun ifts genug mit der Rederei — wo ist die Mutter?"

Peter öffnete widerwillig eine der Türen, hinter der ein paar Stufen zu einer Kammer führten. (Forts, f.)