d M Wzelmnmer 10 Vs«. (Mil ZllWr. vLü^ieiäM)
FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblali.
55.Zahrg
gteitag, 25. Mai 1928
Nr. 121
ge-
Wort muß noch gesagt werden
Ohnmacht der Wirtsckaftsvarlei nicht unerheblich verloren
den Ein
billigt wurden gegenüber 1228 dem rungen, die einen Gesamtbetrag von erreichen.
mit der politischen aemacht hat, auch hat.
Ein besonderes
wtb. Berlin, 24. Mai. (Gig. Funkm.) In der beutigen Kabinettssißung ist das Unglück zur Sprache gekommen, das in Hamburg durch die Explosion eines Phosgen-Tanks verursacht worden ist. Neben dem tiefbedauerlichen Schicksal der von dem Unglück betroffenen Personen lag für das Kabinett der. Anlaß zur Prüfung der Angelegenheit in den Vorschriften, die das bekannte Kriegs- gerätegeseß vom Juli 1927 über die Herstel- lun von Giftgasen und den Handel damit enthält. Das Kabinett nahm den Bericht des Reichswirt- schaftsmimsters über die von den zuständigen Hamburger Behörden sofort nach dem Vorfall eingelsi- teten Untersuchungsmaßnahmen entgegen. Er teilte mit, daß er wegen der weitreichenden Bedeutung des Vorfalls auch von sich aus einen Sachverständigen seines Ressorts nach Hamburg entsandt habe.
B-ü der Erörterung im Kabinett konnte bereits festgestellt werden, daß die Vhosqen-Vorrüte der beteiligten Firma nicht für Zwecke oder im Auftrage irgendwelcher militärischer Stellen aufbewahrt worden sind.
Wahl und Rhe'nlandräumimg.
Ein Telegramm der „Kölnischen Volkszeitung" aus Paris besagt:
Der Ton einiger Linksblätter, welche sich energisch und bestimmt für den Beginn der Verhandlungen zwecks Räumung des Rheinlandes aussprechen, hat den bekannten Sozialisten Paul Boncour, welcher Frankreich in der Abrüstunasde-
Iahrhunderts eingeprägt und so hat die sozialist:- sche Partei einen Wahlsieg erfochten, der ihr aber bestimmt keine reine Freude bringen wird. Denn das nächste Mal werden sie selber wieder büßen müßen!
All diese Erwägungen können uns aber nicht von der ernsten Pflicht einer nachdrücklichen Gewissenserforschung befreien. Wir müssen doch uns prüfen, ob in unseren Reihen und in unseren Organisationen bis oben hinauf wirklich alles so tn Ordnung ist, wie es der Werbe- und Schlagkraft der Zentrumspartei und ihrer Verankerung in oen weitesten Schichten des Volkes entspräche und zukäme. Dabei werden wir an der Frage der Jugend und ihrer Vertretung und Betätigung in« n-rbalb der Zentrumspartei nicht vorübergehen können, denn gerade die Frage, wohin die zwei bis drei Millionen Iungwählerst'mmen gekommen sind, ist von einer außerordentlichen Bedeutung nicht nur für die Zukunft der Zentrumspartei, sondern auch für die Zukunft Deutschlands.
Deutfcfrlond und de Tschechoslowakei
wtb. Berlin, 24. Mai. (Eig. Funkm.) Die Anwesenheit des tschechoslowakischen Außenministers Dr. Bene sch, der von einer längeren Erholungsreise im Ausland über Berlin nach Prag zurück- kchrt, hat Gelegenheit geboten, die laufenden, Deutschland und die Tschechoslowakei gemein- sam interessierenden Fragen zum Gegenstand einer Aussprache zu machen, die in Genf wiederholt zwischen Dr. Stresemann und Dr. Benesch stattgefunden haben. Die Berliner Unterhandlungen sind in Vertretung des erkrankten Reichsaußenministers von Staatssekretär v o n Schubert geführt worden. Außerdem rst Dr. Benesch auch von Reichskanzler Dr. Marx empfangen worden. Bei diesen Besprechungen konnte erneut festgestellt werden, daß die Entwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei in den leßten Jahren einen durchaus befriedigenden Verlauf genommen Hot, und daß eine Reibe aktueller Einzelfragen fick auf dem Wege der Regelung befinden. Auch in den allgemeinen europäischen Fragen eroaben sich mannigfache Berührungspunkte der Politik der beiden Länder, insbesondere die Uebereinstim- mung beider Regierungen in dem Ziele, den W i e- deraufbau Europas durch nachdrückliche Fortsetzung der Verständigungspolitik zu fördern.
wtb. Berlin, 24. Mai. (Eig. Funkm.) Das Reichskabinett beschloß in seiner heutigen unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltenen Sitzung unter voller Zustimmung des Herrn Reichspräsidenten, zurzeit von einer Demission abzusehen und in Aussicht zu nehmen, am Tage vor dem Zusammentritt des Reichstages dem Herrn Reichspräsidenten seine Demission zu unterbreiten.
heimatliche wahlyedairkerr.
Wer sich wochenlang um die politische Aufklä rung bemüht hat, kann nicht so schnell von den Ergebnissen des 20. Mai geistig Abschied nehmen. Immer wieder kommen die Gedanken auf dieses Abstimmungsergebnis zurück. Der Glaube an 'ne menschliche Vernunft kann auch durch die schlechten Erfahrungen, die man immer wieder machen muß u. die ein bitteres Sckrllerwort zu bestätigen scheinen, nicht ganz tot geschlagen werden. So sucht man auch aus den Ergebnissen Lehren zu ziehen und Besserung zu erreichen. Immer wieder! Man holt das Erfreuliche zusammen, ohne als gewissenhafter Mensch in der Lage zu sein, über das Unerfreuliche mit läck-lndem zucken zur Tagesordnung überzugehen. Noch das Erfreulichste bei der Wahl im Fuldaer Land war die Wahlbeteiligung. Sie kann sich neben der Wahlbeteiligung in anderen Gegenden sehen las. sen, namentlich wenn man gerade die kathoI » s ch e n Bezirke Deutschlands ins Auge faßt. Sw betrug in der Stadt 75 Prozent, aus dem Saybe fast 86 Prozent, während ;m Wahlkreis Kö'n« fachen und im schlesischen Wahlkreis Oppeln nur 68 Prozent, in Baden nur 70 Prozent aew blt haben. Im Durchschnitt betrug die Mahlbeteili- gung in Deutschland 77 Prozent. Es gibt Bezirke, wo erheblich unter dem Durchschnitt gewählt mor- den ist, z. B. im Kreis Lauterbach, wo di, Wahlbeteiligung nur 57 Prozent betragen bat. Wenn man die Stadt Fulda ins 9fur>e faßt, lo ist als erfreulich noch festzust-llen, daß die Ber» Mehrung der sozialdemokratischen Stimmen in kein. Weise dem Prozentsatz der soualdemo. kratischen Gewinne entspricht, die sonst in die Erscheinung treten. Wan muß allerdings annehmen, daß frühere sozialistische Wähler diesmal kommu- nistilch gewählt hoben und dafür die Sozialdemokraten von der Mitte her einigen Zumg erhielten. Gegen die Annahme, daß aus der Zentrumspartei ' erhebliche Kreise anderen Parteilaaern zugelaufen seien, haben sich keinerlei Anhaltspunkte ergeben. Die Arbeit-der Zentrumsnartei wird für künftige Wahl-n in der Swdt Fulda allo darauf abzielen müssen, die Wahlbeteiligung noch allgemeiner zu macken. Bei unserer <T>o*nrüfuna her Wahllisten zeigt sich, daß viele Wähler und Wählerinnen, die zweifellos zum Zentrum gehören, zu Hausse geblieben sind. Namentlich sch-int noch tmm°r nicht darauf geachtet zu werden, den weiblichen Hausangestellten die Aus'",huna ihres Wahlreckstes ans Herz zu legen. Zahlreiche Hausanaestellte hoben nachweislich nicht aewählt. Die Fehler sind dazu da, daß man aus ihnen lernt und dafür sorgt, daß bei der nächsten Wahl es bester w>rd ^ie Wahlbeteiligung muß gestärkt werden. In Magdeburg und Peipua sind rund 85 Prozent Wahlbeteiligung festzustellen.
batte in Genf vertritt, zu einem Dämpfer veran- laßt. Befragt über die Folgerungen, welche sich aus dem Erfolg der Linksparteien in Deutschland für die deutlch-französischen Beziehungen ergäben, äußerte Boncour folgendermaßen: „Das Problem der Rheinlandräumung bleibt nach wie vor schwierig. Das Neue, was die deutschen Wahlen gebracht haben, kann nur darin gesehen werden, daß die Zustände für eine moralische Wiederannäherung zwischen den beiden Völkern günstiger geworden sind und hierdurch die Verhandlungen für die Rheinlandräumung auch leichter vonstatten gehen können." Auch heute könnte er seinen bisher vertretenen Standpunkt nicht aufgeben, daß das Rheinland nur geräumt werden könne gegen effektive Gegenleistungen und Garantien oder Sickerheitspfänder. So lebhaft auch auf französischer Seite der Wunsch sei, mit Deutschland sieb hierüber Zu verständigen, so fei es für Frankreich dock nicht möglich, von seiner Scherheitsfor- horung abzugeben. Ohne, so sagt Boncour, die Bedeutrina der lebigen Wahlen verkennen zu wollen, seien trotzdem die Schierigkeiten, zu einer Verständigung m gelangen, noch groß, und man täte gut, den Optimismus nicht zu weit zu treiben.
n Forde- Millionen
Sewissenrersorsckmna.
Von einem alten Parteifreund wird uns thrieben:
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaqeni „Die Welt im Bild" und „Puchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. x Monatlicher Peumsvreis 1.80 Mk.
Keine Beschönigung: Das Zentrum Hat bet letzten Wahlen nicht glücklich abgeschnitten. Verlust von sechs Mandaten, der einer zehnpro-
mehr und mehr daran gewöhnen, die Polisik als ein Mittel zur Wahrnehmung der Interessen der Gesamtheit, nicht von speziellen Sonderinte- reffen anzusehen. Und schließlich ist noch sehr viel zu tun, um unser Volk dahin zu bringen, daß es Spreu vom Weizen zu scheiden versteht, und > atz es nicht denjenigen Parteien nachläuft, die (Uner» fällbares versprechen. Die Maßlosigkeit, mit• ber gerade in Deutschland der Wahlkampf geführt wird, ist auch mit Schuld an den reckt Ühnwr'n, absolut nicht zu beschönigenden Verlusten der ’-.m- telnarteien und gerade auch im Zentrum. <Sm Jahre 1920 hat die Deuticke Bolks^aAei den Kampf maßlos geführt und hatte entsvrechende Ergebnisse aufzuweisen. 1924 im Frühjahr kämpfte die Deutschnationale Volksvartei mit großer Maßlosigkeit und erzielte damit ebenfalls günstige Wahlergebnisse und jetzt machten es die Sozialdemokraten genau so und nun haben sie den Erfolg. Der Bürgerblock wurde den sozialistischen Massen seit Jahr und Tag als die größte Schandtat des
Wenn man das Ergebnis in den Landgemeinden betrachtet, so sind die Gemeinden, 'N denen das Zentrum feine Stellung geholten o">er gar verbessert hat, nicht sehr zahlreich. ImmerHm fehlen sie nicht ganz. In Bad Salzschlirf st die erhebliche Vermehrung d»r Zentrunwstimmen gegenüber dem Dezember 1927 auf die Anwesenheit der Kurgäste zurückzuführen, die sich o"ch bei den anderen Parteien ausaewirkt hat. Die frühere Anzahl der Zentrumsstimmen erreicht, ckil- weise nicht unerheblich überschritten haben: Bäk- kels, Ellers, Haimbach, Kohlhaus, N-"hof-Neu« ftabt. Niederrode, Steinau, Steinhaus. Weidenau, Welkers und Zell Bemerkenswert ist das Auftreten der Wirtschaftspartei in einer Neide von Dörfern des Fuldaer Landes, so in Bachrain, Blankenau. Bronnzell, Dietershauien, Eichenzell, Flieden, Großenlüder, Hainzell, Hostu- . seid, Maberzell, Müs. Petersberg und vor allem in Horas, wo sich 68 Wähler zu dieser Partei bekannten, einer Partei, deren Leistungen bisher gleich Null waren, die zwar diesmal in verschiedenen Wahlkreisen die der Deutscknationalen Volksvartei, der Volkspartei und den Demokralen fortgelaufenen Wähler ausgenommen, aber in anderen Bezirken, wo man schon eher Erfahrungen
* Austaufck von Ratsti'ationsurkunden zum deutsch-französi^chm Hanh"»sabkommeu. Der Austausch der Ratisilatwnsurkunde zum Handelsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich vorn 17. Auonst 1927 hat am 15. Mai in Paris stattgefunden. Das Handelsabkommen ist nach der Bekanntmachung vom 26. November 1927 im Reichsgesetzblatt 2 Seite 1105 bereits am 6. Sept. 1927 endgültig in Kraft getreten.
* Die N"paratwnsansprüche Kanadas. Der Vor- sitzende der Kommission für die kanadischen Ansprüche auf Reparationszahlungen hat dem kanadischen Unterhaus »inen Bericht vor^elegt. dem- -ufolge ra ccki'chm S aaisanae örrei Re^a at o ls» forberungen in Höhe von 6 289 000 Dollar zuge-
über die Stimmen, die sowohl im Landkreis Fulda als namentlich auch in den Nachbarkreisen f ü r die Bauern Parteien abgegeben worden sind. Es handelt sich um die Deutsche Bauernpartei (Liste 11) und um die Christlich-nationale Bauern« und Landvolkspartei (Hepp) Liste 15. Im Landkreis Fulda haben sie nicht allzuviel Stimmen auf sich gezogen. Nur in der Gemeinde Hauswurz fielen auf die Liste Hevp 45 Stimmen, in Haimbach wurden 14, in Jossa 10 und in Traisbach 11 Stimmen für diese Liste abaegck'm, 'N allen anderen Gemeinden weniger als 10. Dagegen sind in den katholischen Dörfern der Kruse Hünfeld und Gersfeld für die Bauernlisten gar nicht unwesentliche Stimmenzahlen zustande gekommen. Sa wurden im Kreis Gersfeld für die Bauernpartei abgegeben: Edersberg 14, Eckwewbach 44 Kleinfasten 71, Lütter 60. Ried 24, Schmalnau 11, Simmershausen 30 Sfemmanb 52 Stimmen. Für die Christliche Bauern (fjepp) wurden abgegeben: in Dittaes 10 und in Thaiden 15 Stimmen. Im Kreise Hünfeld wurden für die Bauernpartei abgegeben in Großentaft 13 und in Setzelbach 14 Stimmen, für die Hevp-Liste in Gruben 19, in Grüfselbach 33, in Haselstein 18, in Hofaschenbach 14, in Kirchhasel 19. in Msttelaschev- bach und Oberaschenback 60, in Oherick ckusien 55, in Rasdorf 60, in Roßb«i» 22, in Setzelbach 12,
milian Harden, erlitt am Mittwochabend auf der Rückfahrt von einem Ban'ett der deutsch-französischen Gesellschaft in Berlin einen schweren Unfall. Die Autodroschke, in der sie fuhr, nahm eine Kurve zu scharf, sprang auf den Bürgersteig und prallte gegen ein Schutzgitter. Der Chauffeur kam mit leichten Schnittwunden davon. Frau Harden erlitt einen Unterarmbruch und erhebliche Kopfverletzungen.
China und die Fremden.
Reuter meldet aus Peking: Die Zeitungen melden, daß die Regierung in Peking den Bereinigten Staaten über die Ermordung amerikanischer Missionare in einer Antwortnote mitgeteilt hat, daß die chinesischen Behörden ihre Veranwortkichkeil für die Sicherheit der Ausländer anerkennen. China erhebe aber Einwendungen gegen die Schaffung von besonderen Schutzzonen, die dem internationalen Brauche widersprächen. China verlange dgher, dgß der Konsul der Bereinigten Stgaten von Amerikg in Tientsin die Aufhebung der Schutzzone in Tientsin anordne._________________
* Zechenstillegung bei der harpener Bcrgbati- A.G. ((Eig. Funkm.). Die Harpener Bergbau« A.-G. hat beim Reichskommissar die Stillegung der Zeche Roland in Oberhausen beantragt. Die Verhandlungen schweben zur Zeit noch. Als nächster Termin für die Stillegung kommt der 15. Juni in Frage. Die Zeche arbeitet schon leit längerer Zeit mit Verlusten, sodaß im Zusammenhang mit den allgemeinen Absatzschwierigkeiten diese Maßnahme notwendig erscheint.
* Die Amerika-Anleihe der Stadt Berlin. Die Stabt Berlin hat mit einem amerikanischen Bant» konsortorium unter Führung des Bankhauses Brown Brothers & Co., New-Jork eine Ausländsanleihe über 15 Millionen Dollar abgeschlossen. Die Verhandlungen wurden für das Konsortium durch die Commerz- und Privatbank geführt. Die Anleihe ist mit 6 Prozent verzinslich und in 3 Jahren zu tilgen. Sie wird je zur Hälfte für Schnellbahnen und Elektrizitätswerke Verwendung finden.
Erste WineMsitzung nach der Wahl.
Düs Kabinett Dr. Marx b'eibt bis zum Vortag der Eröffnung des Reichstags im Kmt. - Die Zustimmung des Reichspräsidenten v.Hindenburg.
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Bostickeckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051 >■
♦ Preußen und die Standesherren. Gegen die drei Urteile des Landgerichts Münster im Prozeß der Standesherren Herzog von Arenberg, Fürst Salm-Salm und Fürst Salm-Horstmar um Aufwertung ihrer Rentenansprüche aus den Jahren 1920 bis einschließlich 1923 ist vom preußischen Fiskus Berufung bei dem Oberlandesgericht Hamm eingelegt worden. Die Urteilssprüche gestanden den drei Standesherren 40 Prozent ihrer Renten- ansprüche zu. Für den preußischen Staat bedeutet das, daß in diesen Fällen insgesamt 250000 Mk. zu zahlen sind.
* Auto-Unfall von Frau Mariunlian Harden. (Eig. Funkm.). Frau Harden, die Witwe Maxi-
zentigen Verminderung der zuletzt abgegebenen Stimmzister gleichkommt, muß Veranlassung zu ernstlicher Gewissenerforschung geben.
Kein Wort kann wbend genug sein für die hingehende und aufopferungsvolle Arbeit unterer Parteifreunde im Lande, über die organisatorische Kraftentfaltung durch die beamteten Instanzen der Partei und über die vorbildliche fleißige und ziel- bewußte Arbeit unserer Parteipresse. Kein Dank kann groß genug sein für diese unsäglichen M''hen und Opfer, die da geleistet worden sind. Dieser Dank gilt insbesondere auch allen denjenigen Rednern und namentlich Abgeordneten, die sich unter Einsetzung ihrer ganzen gesundheitlichen Kraft der Werbearbeit der Partei im ganzen Lande zur Verfügung stellten.
Daran liegt es also nicht, daß bei uns zu wenig ober nicht gut genug organisiert gearbeitet worden wäre. Es hat kleine Wahlkreise gegeben, in denen bis zu hundert Wahlversammlungen statt- gesunden haben. Der Besuch der Versammlungen litt freilich vielfach unter einer unverständlichen In. terefsenlosigkeit und diejenigen, die zu den Versammlungen kamen, waren ohnehin der Partei sicher. Die Kreise aber, an die man herankommen wollte mit der Aufklärungsarbeit, haben sich: zurückgehalten.
Nun wird ja vielfach gesagt, daß die Unzufrie- benheit weiterer Wählerschichten mit der Koalitions-Politik der Zentrumspartei in der letzten Regierung schuld an dem Stimmen- und Mandatsrückgang wäre. Das ist aber durchaus kein beweiskräftiges Argument zur Erklärung der Einbußen. Denn der Stimmenverlust des Zentrums ist in den ländlichen Gebieten, in denen doch diese Politik in der Hauptsache Billigung gesunden hat, ebenso groß, teilweise sogar noch stärker als in rein industriellen Bezirken. Außerdem ist doch auch geltend zu machen, daß der Stimmrückgang des Zentrums in Preußen, für dos man doch dem Zentrum einen derartigen Vorhalt bezüglich seiner Koalitionspolstik nicht machen konnte, dasselbe Ausmaß angenommen hot wie ?m Reiche. Ferner ist der Hinweis auf die Unzufriedenheit der Wählerschichten mit der vergangenen Regierungspysttik auch in Betrachtung des Schicksals anderer Parteien nicht stichhaltig. D"nn die Demokraten beispielsweise, die von diesem Vorhalt ja schon aarnicht betroffen würden, haben noch cer» hältuksmäßig vielmehr Stimmen und Mandate afe das Zentrum verloren.
Die Urfache muß also auf anderem Gebiete liegen. Und da kommt man, wenn man sich über die Stimmung der Wählerschichten im Lande unterrichtet, immer und immer wieder auf die Kernfrage zurück: Wie haltet ihr es mit dem Wahlsystem? Das geltende Listensystem ist es, das in weiten Schichten gerade auch unserer Partei eine Interessenlosigkest und auch Parteimüdigkeit hervorgerufen hat, die sich schließlich bis zur völligen Apathie gegenüber den politischen parlamentarischen Dingen steigert. Immer und immer wieder haben sich unsere Parteivertreter im Lande sagen lassen müssen, daß man die Auswahl der Kandidaten nach Maßgabe des Li- stensystems nicht mehr länner für erträglich halte. Bon der Plattform der Wahlreform also muß auch eine Reform des Parlamentarismus in die Wege geleitet werden. Das scheint uns allerdings eine der wichtigsten Fragen der nächsten Zeit zu fein.
Sodann muß man aber auch feststellen, daß eine unselige Jntereffenpolitik, die leider ja auch durch das Listenwahlsystem beaünftigt wird, selbst bis in unsere Reihen sich fühlbar macht. Die Standes- und Interessenkandidaturen häufen sich und dort, wo sie nicht innerhalb der Partei zur Geltung sich bringen konnte, geht man verärgert in eine Splitterpartei. Auf diese Weise sind dem Zentrum auch tausende und abertausende Stimmen entzogen worden, wenngleich man feftfMIen muß, daß der Wirtschaftsvartei als dem politisch und parlamentarisch unmöglicksten Gebilde sicherlich von Seiten des Zentrums noch die allerwenigsten Stimmen zugefallen sind. Daß aber etwa 120 000 sonst sicherlich dem Zentrum zugehörende Stimmen sich finden konnten, die den Schwarm- gextern Ehlen und Bitus Heller nachlaufen und damit das Zentrum um zwei Mandate brachten, selber aber nicht ein einziges erlangen konnten, ist doch unbegreiflich. Und was eine „Bolksrecht-P.ir- tei" mit zwei Mandaten in diesem Reichstag mit 500 Abgeordneten überhaupt praktisch ausrickten soll, ist doch auch für einen politisch denkenden und verständigen Menschen vollständig unfaßlich.
Zu all dem kommt aber auch, daß wir in einer Zeit der sozialen Spannungen wählten, in einer Zeit, in welcher von mancher Industrie- feite wieder die alten Kampfmethoden gegen die Arbeiterschaft, teilweise auch mit Erfolg, praktiziert worden sind, und auch diese Dinge konnten zu einer Belebung der Wahlstimmung in unseren Kreisen, namentlich in den industriellen Gebieten, nicht beitragen, und manche Stimme floß damit auch zweifellos den radikaleren Gruppen zu, die ia nun im Versprechen außerordentlich groß sind.
Merkwürdig ist es aber auch bei uns in Deutschland daß gerade diejenigen Paneien, die verantwortliche Arbeit seit Jahr und Tag geleistet haben, meist noch durch Verluste büßen 'müssen, während in anderen parlamentarisch regierten Ländern solche Parteien durch Stimmenzuwachs belohnt werden. Wir müssen uns doch schließlich