Nr. 117
Sonntag, 20. Mai 1928.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlas der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9 x________Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.
NMc Am«, de«W Mmek.jG M W WH!
Euer Stimmzettel entscheidet über deutsches Schicksal!
Darf die Aufbauarbeit seit 1919 in Gefahr kommen?
FuldaerZeitung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.^^
auswärts 0,80 Bei Wiederholungen Rabatt.' SS.IOhtCL Postscheckkonto Frankfurt a. M. 9lr 4051. >-
Schützt Euch selbst vor neuer Zerstörung!
Mutig weiter voran für deutsches Volk und Land!
Zeöe Stimme der erprobten Zentrumspartei.
Jetzt gilt es.
Bon Dr. Heinrich Vockel, Generalsekretär der Zentrumspartei.
Heut ist der Tag, an dem die politische Macht des Burgers ihren sichtbarsten Ausdruck findet, der Tag, der den eigentlichen Trägern der Staatsgewalt, den Männern und ffrauen des Volkes, das Recht gibt, für vier Jahre der staatlichen Arbeit die Richtung su weisen. Vom Ausgang der Wahl, vom Stärkeoerhältnis der Parteien hängt ab, wie dre parlamentarischen Mehrheiten aussehen, die der kommenden Gesehgeberarbeit den Stempel ihres Geistes aufdrücken, und wie die künftigen Regie- rungen sich zusammensetzen, denen die Aufgabe von der Mehrheit geformten Gesetze
M^rheit gewünschten Sinne zur oraktischen Geltung su bringen.
nichts, außer dem Kirchgang, was heute wichtiger wäre als die gewissenhafte Ausübung der obersten Staatsburgerpflicht. Keine berufliche Arbeit ist so drmgeno, kein Wetter so gut oder so schlecht, keine Reise so plötzlich, keine Erbitterung o groß, keine Midi,Feit so schwer, daß sie einen Inftigen Grund bilden könnte, dem Wahllokal fern zu bleiben. Wer heute nicht wählt, wer sich grollend zurück hält, der darf sich nicht wundern, wenn die Entwicklung Wege einschlägt, die ihm nicht glücklich erscheinen. Mit polterndem Schimpfen, mit lautem Wehklagen ist's heute nicht mehr ge- ran. Wem das oder dies nicht paßt, wem irgenv eine Aeußerung staatlichen Lebens nicht zusagt, wer Mißstände abstellen will, die seine Zukunft behoben, wer wünscht, daß sein politischer Wille Einfluß gewinnt auf die Führung der Staatsge- schafte, der darf sich nicht ausschalten, der darf feine Kraft nicht unnütz vergeuden, der muß seine Stimme gebrauchen. Wahlenthaltung ist Torheit, ist Selbstbetrug und Selbstvernichtung. Der Staat braucht tätige Bürger, der Stand braucht rührige Glieder. Wer alles laufen läßt, wer sein Alltagsleben dahinlebt, wer in Mißmut und Untätigkeit ruf die Hilfe der Anderen wartet, der sündigt am I Staat, am Volk, an sich selbst. ' ।
Das mühselig und oft vergebliche Ringen, in das ein großer Teil unseres Volkes noch immer verstrickt ist, die unendliche Rot, die manchen Be- rufsstand vor anderen belastet, haben ehrgeizige Leute benutzt, um den Leuten die Abkehr vom alten Parteisystem zu predigen und die Bildung be- tufsständischer Sonderparteien anzuraten. Diese Ehrgeizigen wissen nicht, was sie tun, und wenn sie es wissen, treiben sie frevles Spiel mit den Lebensinteressen derer, die ihrem Rufe folgen. Wie soll sich das staatliche Leben gestalten, wle soll eine gesetzliche Regelung werden, wenn der Arbeiter, der Bauer, der Mittelständler, aber auch der Bank-
Herr, der Schwerindustrielle und der Großgrundbesitzer je eine eigene Partei bilden wollten. Ein unerbittlicher Krieg aller gegen Alle, ein nie endendes, erbittertes und letzten Endes unfruchtbares Ringen um jeden einzelnen Groschen, um jeden, auch den kleinsten Vorteil wäre die ffolge. Ob wohl die Männer und Frauen unter uns, denen der berufsständische Gedanke auf den ersten Blick nicht uneben erscheint, daran gedacht haben, wie die Machtverteilung in einem berufsständisch gegliederten Parlament aussehen muß? Ob sie sich klar gemacht htben, daß in einem derartigen Parlament der demokratische Gedanke, dem die Zen- irumspartei alle ihre Erfolge verdankt und den ste deshalb gepflegt hat seit den Tagen der Kette- ler, Reichenspergei und Windchorst, gar keinen Platz mehr hätte? Daß dann nicht mehr der Wille der Mehrheit entscheidend sein würde, nicht mehr die Wünsche der Massen, die den Staat bilden und tra;«n, sondern das Interesse des Geldsacks, der Wille des Kartells und der Wunsch des großen Herrn. Der berufsständische Gedanke ist ein ver- hängnisvoller Irrtum, und die Ansätze zu seiner Verwirklichung, die berufsständischen Splitterparteien, die jetzt in Fülle bestehen, sind Sünden an den Lebensinteressen derer, die ihnen anhangen. Die einzige Wirkung die ein ErfNg der Sonderparteien haben könnte, wäre die, daß die Mehrheit des Volkes — einem politisch- egoistisch orgvnisierten Berufsstande gegenüber steht immer eine starke Mehrheit der An- deren — vor den Kopf gestoßen und zu Abwehr- bandlunqen genötigt würde, deren Schwere durch Zorn und Aerger noch vermehrt würde. Was konnte auch eine reine Bauernpartei für ihre Anhänger tun, selbst dann, wenn ste mehr als 15 Mandate erringt, wenn sie das Recht gewinnt, in den maßgebenden Ausschuß einen Vertreter zu senden? Was könnte es der Wirtschaftspartei mit- sen, wenn ihr selbst zwanzig und dreißig Mandate zufallen? Sie würde genau so direktionslos sein wie bisher und das, was eine ihrer Gruppen wünscht, durch den Widerstand einer anderen ihrer Gruppen genau so illusorisch machen, wie sie es den vergangenen Jahren so häufig getan hat.
Am 20. Mai ctzhen Millionen junger Deutscher zum ersten Mole zur Urne. Die Jugend ist idealistisch, aber das Alter auch in dem Sinns, daß beiden das gleiche Ziel vor Augen schwebt. Der Unterschied liegt im Temperament und in der Er- fahrung Das erfahrene Alter erstrebt das Ziel mit tausend bedächtigen Schritten, die Jugend mit dem kraftvollen Sprunge des Kämpfers. Dieser Temperamentsunterschied darf nicht ausarten in Gegensätzlichkeiten oder gar in gegenseitige Derach- hing. Jugend und Alter sollen einander ergänzen. Die Jungen sollen in den Alten diejenigen sehen,
. .t®'* der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, hat der preußische Ministerpräsident Dr. Braun
die kämpfen gelernt haben, wie man dem Ideal tm praktischen Leben am nächsten kommt und das AUer soll rn der Jugend den tatbereiten Nachwuchs erblicken, der einst seine Plätze einnimmt, der Anerkennung seines fluten Willens und Sättigung fernes geistigen Hungers verlangt.
Ein derartig gegenfeitic.vs Verstehen und fför- dern verhindert unbedingt, daß der natürliche Ra- dikalismus der Jugend dahin drängt, bei der Wahl ftd) dem politischen Radikalismus anzuschließen. Wir haben diese Möglichkeit nur wenig zu fürchten; die Zentrumspartei hat den jungen Menschen, Sie nach polttischer Erkenntnis und politischer Tat verlangen, stets großes Verständnis entgegenge« bracht. Das Zentrum sieht in der Jugend nicht das Unausgegorene, das Halbseitige, sondern das hoffnungsvoll Werdende. Die Zentrumspartei liebt chre Jugend und ihre Jugend möge heute diese Liebe dadurch vergelten, daß sie fortfährt in ihrem Eifer und in ihrer Treue.
In demokratischen Blättern las man in diesen Tagen, auch die Frau fei wahlmüde geworden, cud) der Frau sei es ziemlich gleichgültig, wie die Parlamente aussehen werden, die heute gewählt werden Wir glauben nicht, daß dieser Pesjimis- mu- auch für unsere Frauen feine Geltung hat katholische Frau, die Frau, die das politische Geschehen mit Intereste und Eifer per- weiß, wieviel in den kommenden Jahren auf oem Spiele steht. Sie hat gesehen, wie ffreiden- kertum und Liberalismus gegen die christliche Ehe, rc:fltrurben der Jugend vor verderblichen Einflüssen, gegen die christliche Erziehung der Kin- der und gegen Ne Würde der Frau ihre Angriffe % '“nb 2? bat erkannt, daß der Triumph der athesttischen Front nur verhindert werden kann wenn Alles, was christlich denkt oder fühlt, heute hingeht zur Wahl und der Partei feine Stimme gibt deren Zweck und Ziel Ne Vorherrschaft des d S " @e' e5 n ber Familie, in Wirtschaft
Strefemanns Genesung.
Heber das Befinden des Reichsministers des Auswärtigen Dr. Strefemann ist von den behandelnden Aerzten folgende Mitteilung ergangen:
Befinden des Reichsaußenministers Dr. Siresemann hat sich zurzeit so erheblich gebessert, daß voraussichtlich von weiteren Bulletins Abstand genommen werden kann. gez. Prof. Dr. H. Zon- deck, San.-Rat Dr. Gisevius, Dr. Schulmann."
Polens flufjenpolttift;
Aus Warschau wird gemeldet:
_ In seinem vor dem auswärtigen Ausschuß des polnischen Landtages gehaltenen Expose über di< auswärtige Politik Polens stellte der Mmister des Aeußeren. ZaleSki als Hauptziel der polnischen Polrtrk die Aufrechterhaltung und Befestigung des auf loyale und aufrichtige Zusammenarbeit gegriin.
Friedens hin. Er begrüßte die auf die ^6(5tung des Krieges hingehende Jnitia- tlve der Regierung der nordamerikanifchen Union, die sich m ihrem Inhalt mit der in Genf einge- brachten polnischen Resolution decke. Die Polnischs Regierung befinde sich in dieser Angelegenheit nicht nur m direkter Fühlungnahme mit der Regieruno der Vereinigten Staaten, sondern auch mit der Alliierten des politischen Staates. Die polnische Regierung unterstütze auch die Tätigkeit des Völ- kerbundes auf wirtschaftlichem Gebiet.
. Der Minister berührte auch die Frage der deutsch-polnischen Beziehungen, indem er u. a. fol- genbe Ausführungen machte:
"Dre Politik der polnischen Regierung gegenüber Deutschland wurde sowohl in den internatio- nalen fragen als auch in den direkten Beziehun- gen durch das Bestreben gekennzeichnet, die Grundlagen der auf bestehenden Verträgen basierten Zusammenarbeit und des normalen nachbarlichen
*** «*V weitern. Im Zusammen- Hang mit dem Beitritt Deutschlands zum Völkerbund wurde eme direkte persönliche Fühlungnahme
an den ReichSaußenmknister Dr. Strefemann dal folgende Schreiben gerichtet:
„Hochverehrter Herr Reichsminister! Das preußische Staatsministerium, das mit großer Besorg- ms und Anteilnahme den Verlauf Ihrer Krankheit verfolgt hat, hat mit großer Freude vernommen, daß m Ihrem Befinden eine fortschreitende Besse- rung eingetreten ist. Die Herren Staatsmimster und ich geben der Hoffnung Ausdruck, daß diese Besserung anhalten und zur recht baldigen vollständigen Wiederherstellung Ihrer Gesundheit führen möge.
Mit den besten Grüßen Ihr sehr ergebener gez Braun."
*
Bei dem Festessen zur Feier des 50jährigei Bestehens der Reichskanzlei und der Grundsteinlegung des NeubauS wurde auf Vorschlag des
Reichskanzlers ein Telegramm an Reichsaußenrnmister Dr. Strefemann abgesandt, in dem ihm die besten Wünsche der Festteilnehmer zm baldigen völligen Wiederherstellung seiner Gesund' Helt ausgesprochen wurden.
Hütet Euch am Sonntag, den 20. Mai:
vor der Lockung der Trägen: ich wähle überhaupt nicht, vor der Wahl einer hoffnungslosen Splitterpartei,
• vor den radikalen Parteien rechts und links!
Wählt die Kartei der Mitte! Wählt Zentrum!