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Fuldaer Zeitung

GottesdienstorÄnuna

Linken ein mexikanisches Schicksal

das des

Sie möchten gern mit uns „mexikanisch reden"

rettet hat.

Darum prüfet und handelt!

Haltet Religion und Vaterland hoch!

Vereinigt euch mit der politischen Vertretung des katholischen Volkes.

Wählet die Zentrumspartei unter der Parole:

Deutschland, dir mein Vaterland!

Deutsche Zentrumsportei

Reich über die Stürme der Revolution uni wirtschaftlichen Zusammenbruchs hinwegge-

* Bluttat eines Sparkassendirektors. In Esch- «Jctter erschoß der Direktor der Kreissparkasse, Strang, seine 28jährige Frau und richtete dann die Waffe gegen sich selbst. Strang wurde mit einer Stirnwunde in das Krankenhaus einge­liefert. Die Veranlassung zur Tat ist noch nicht bekannt. Angeblich liegen Unterschlagungen vor.

* Festnahme eines Gladbecker Bankräubers. Die Essener Kriminalpolizei hat einen der flüchtigen Gladbecker Bankräuber, den 25jährigen Willi Hübsche, in einem Privathaus in Herne ermittelt und verhaftet. Der Verhaftete wurde in später Abendstunde in Begleitung einer ebenfalls fest­genommenen Tänzerin, die im Essener Prater aufaetreten ist, in das Essener Polizeipräsidium emgelrefert.

* 5euer in einem Gebäude des Reichswehrmini­steriums. In einem Gebäude im Berliner Westen, in dem die Inspektion für Waffen und Geräte des Reichswehrmmisteriums unter gebracht ist, entstand, wie die Blätter melden, am Mittwoch nachmittag

katholischer Gottesdienft.

Sonnt an, den 20. Mai 1928. $u l b a. Dom. 1. Beichtgetegenheiten sind: Samstaa nwtacnS von *46 Uhr ob; nachmittags von 2—3 für Kinder; von *45—7 und von Vi8 Uhr ab für Erwachsene; Sonntag morgens von *46 Udr ab. 2. Sonntagsgottesdienste: *46, 6, *47 und 7 Uhr bl. Messen mit Gelegenheit zum Empfang der hl. Kommunion. *47 hl.Messe u.Komm. der Junpirauen-Sodalttät in der Marienkopelle. 8 Uhr Pfarramt mit Pred., Umgang und Segen, Komm, der Kinder des 6. Schuljahres und der christenlehrpflichtigen Jungfrauen. *410 Kathedralamt mit Predigt. *411 Uhr Christenlehre für die Jünglinge. *412 letzte hl. Messe mit Predigt. *42 Uhr Sakramenisandacht mit Segen. •43 Predigt und Andacht mit Segen für die Jungfrauen- Sodalität. Um 4 Uhr Predigt und Sakraments-Bruder- schast mit Segen. Um 7 Uhr abends ist Maiandacht. 3. Werktagsgottesdienste: Jeden Morgen von *46—7 Uhr halbstündlich hl. Messen mit Austeilung der hl. Kom. *48 Uhr PsarrgotteSdienst mit hl. Kommunion. 9 Uhr letzte bl. Messe mit Austeilung der hl. Kommunion. Jeden Werktag abends um V.8 Uhr Maiandacht. — ^tadtpfarrkirche. Beichtgelegenhert: Samstag nachm. von 3—7, 7Vi—8Vi, Sonntag früh 5Vi—7 Uhr. Sonntags- flotteSbienfte: 5s/< hl. Messe, 6’4 hl. Messe und Komm, der Jungfrauen, 8 Uhr erster SchulgotteSdienst, Predigt und Komm. deS 6. Schuljahres. 9*4 Pfarramt und Pred. 11 zweiter SchulgotteSdienst und Predigt. 9*4 Christenlehre der Jünglinge in der Scverikirche, 2*4 Bruderschaft vom hochwürdigsten Gut. 3’4 Andacht für die Jungfrauen-Sodalität. 8 Maiandacht. Die heilige Kommunion wird von 5*4—7*/» jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 8*4 und 9*4 Uhr. WerktagS- goiteSdienste: Vormittags um G, 6*4, 7*4 und 8 Uhr. Mittwoch, Freitag, Samstag früh 6 Beichte. Jeden Abend 8 Uhr Maiandacht. Samstag ist Vigilfasttag. — Pfarrkirche znm heiligen Geist. 7 Frühmesse und An, spräche und Kommunion der Jungfrauen. 8 Hochamt und Predigt und Kommunion des 6. SchuljahieS. *44 Uhr Prozession von der Hl. Geistkirche auf den Frauenberg. 8 Uhr Maiandacht. Vor der Schulmesse, die 7*4 Uhr beginnt, noch eine hl. Messe um 6 Uhr früh täglich. Beichte: An allen Wochen­tagen eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst, an den Tagen vor Sonn. u. Feiertagen von 4—6 Uhr abends. Kommunion-AuStlg.: An Werktagen vor und nach dem Gottesdienst, an Sonn- u. Feierlagen auch im Hochamt.— Samstag, 26. Mai. 6 Uhr hl. Messe, *47 Uhr Tauf-

Dis Gendarmen gaben schließlich Feuer, wobei eine Frau getötet und zwei junge Leute verletzt wurden. . , ,

* Niederschießung eines Kna en durch einen polnischen Wachtposten. Einige Knaben, die in der W a r s ch a u e r Vorstadt Praga im Hofe emer Militärkaserne spielen wollten, wurden auf Befehl des inspektionshabenden Offiziers feftzjenommen, um der Polizei übergeben zu werden. Als einer der Jungen entfliehen wollte, wurde er von emem Soldaten mit einem Schuß aus dem Karabiner nieder gestreckt, so daß er alsbald starb. Vor der Kaserne kam es daraufhin zu Kundgebungen der über diesen blutigen Vorfall aufgebrachten Bevöl­kerung. Polizei und Militärgercharyrerie zerstreu­ten die Menge. Hierauf wurden 20 Personen, die Widerstand leisten wollten, verhaltet.

* Anklaqeerhebung in der Lachlieferungsbe- trugsafläre. Der Pariser Untersuchungsrichter hat die Prüfung der seit Dezember vorigen Jahres an- hängi-'n Sachlieferunasbetruqsalfäre zum Teil ab­geschlossen. Gegen vier der Beschuldigten, nämlich gegen Benjamin Netter, Kaufmann in Straßburg, und Raphael Wolff. Bankier in Schlettstadt, dis beide im Pariser Gefängnis sitzen, sowie gegen den vorläufig in Freiheit gelassenen Handelsbe-

2. Blatt.

Druck Der Fuldaer Aclteudruckerri, Fulda

Schweres Augzeuqunglück.

Fünf Personen kok.

Havas berichtet aus Tunis: 140 Kilometer von Tunis entfernt stürzte ein französisches Marine­flugzeug ab. Die fünf Insassen wurden getötet. ______

M «6.

SamStag, ven 19. Mat 1928.

im Filmvorführungsraum ein Feuer, das bald ge­fährlichen Umfang annahm. Aus noch unbekannter Ursache gerieten mehrere mit Filmstreifen gefüllte Kisten in Brand, und das Feuer hatte den ganzen Raum ausgebrannt und bereits einen Teil des Da­ches erlisten, als die Wehr eintraf. Rach mehr- stündiger angestrengter Arbeit konnte das Feuer gelöscht werden. Ein Teil des Dachstuhles ist ver­nichtet. Der Schaden soll beträchtlich fein.

• Unfall nach einem Flottenscharfschießen. Rach dem Abbruch einer Scharfschießübung der Marine bei Westerland war der Tender „Nordsee" mit dem Abschleppen der Scheiben beschäftigt, als bei stürmischem Wetter eine Barkasse leck gestoßen wurde. Dis Barkasse sank. Ihre Besatzung, ein Offizier und zwölf Mann, retteten sich auf eine Scheibe und trieben bei schwerem Wetter vier Stunden auf dem Meere, bevor Hilfe gebracht wer­den konnte.

* Zusammenstoß zwischen Gendarmerie und streikenden Landwirkschaftsarbeikern. In dem an der bayerischen Grenze gelegenen tschoslowakischen Ort Neutral kam es zu einem Zusammenstoß zwischen streikenden landwirtschaftlichen Arbeitern und der Gendarmerie. Diese wurde mit Steinen beworfen und mit Beilen und Sensen bedroht.

Wasserweihe, hierauf gegen 7*4 Uhr hl. Messe. — Sodalität Vormittags um *410 Uhr Gottesdienft. - $t. Sturmiur-Pfarkkircht. *48 Komm -Anstlg. *48 Früh- messe mit Predigt. Kommunion der Jungfr.-Fodalitöt und der Kinder des 6. Schuljahre?. 9 Uhr Hochamt mit Predigt. Nach dem Hochamt Christenlehre. *42 Uhr Biti­wallfahrt zum Frauenberg. Gelegenheit zur hl. Beichte ift Samstag und Sonntag morgen von 6 Ubr an, SamStaa nachmittag Beichtgelegenheit ab 4 Uhr. — flbteitirdie der BenebiMinerinnen Sonntags fi Konventamt, 3 Vesper^ werktags 6 stille Messe, *49 Konventamt, 3 Vesper — hen-Zeln-heim. 8 Uhr Amt und Predigt. 2 Uhr Andacht und Segen. Werktags ist die hl. Messe um ,6. Mittwoch 8*/* Uhr Segensandacht. — Hriebhofs- kapells am Zranzokenwälbchen. Sonntag: 6*4 Uhr hl. Messe mit Ansprache und Komm.-AuStlg. Werktags: 6*4 Ubr hl. Messe mit Kommunion. Austeilung. — Severikirche. 7 hl. Messe. 8 Oberreal schul gottesdienft. — Frauenberg. Ablaßtag wegen de? Festes des hl. Bernadin von Siena, Bekenner vom 1. Orden. HI. Messen von 5 Ubr (mit Maiandacht) bis 7 Uhr. 8 Uhr Singmeffe mit Predigt und liturn. Gebeten. 8 Uhr Hochamt mit Pred. 2 Uhr Andacht für die Bittwallfahrt der SturmiuS. Pfarrei. 4 Andacht für die Bittwallfahrt der Hl. Geist­pfarrei. (Die Klosterkirche wird für die Teilnehmer der Bittwallfahrten reserviert) (Während des Monats Mai wird jeden Morgen in der 5 Uhr-Messe eine offen!« liebe Maiandacht zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria abgehalten). Samstag, 26. Mai. Psingstvigil. Um 7 Uhr Beginn des liturgischen Gottesdienstes mit Weihe des Taufwaffers; 8 Uhr Levitenamt. Nachm. */,5 Uhr feierliche Vesper mit sakram. Segen.

Benenberg« *49 Amt mit Predigt. — Lehnerz. Um *410 Uhr Amt mit Predigt. — vieterrhan. Um 8 Uhr Amt mit Predigt.

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 20. Mai. Znlba Vorm. 8 und 9*4 Uhr Pfarrer Weber. 11 Uhr Kindergottesdienst. Amis- woche Pfarrer Weber. — Bab Salzschlirf« Um 10 Uhr Sup Ruhl.

Mrttwoch, 23. Mai. $nlba. Um 8 Uhr abends Brbelstunde.

Israelitischer Gottesdienst.

SamStag, 19. Mai. Omer 9.30. Vorabends 7.30, morgen» 7.30, nachm. 5.00, Sabbatausgang 9.05.

Wochentags: Morgens 6.10, nachmittags 8.45.

Katholiken! Denkt an Mexiko!

Wenn wir schwach werden, bereiten uns die Kulturkampfparteien auf der Rechten und

vollmächtigten Charles Danil und gegen Hemrick Wertheimer, Kaufmann in Baden-Baden, ist dar Verfahren wegen Betruges eingeleitet worden.

* Geplanter französischer Transozeanslug. Nack dem „Oeuvre" hat der französische Flieger Eost, ein Flugzeug erworben, mit dem er den We, Paris-New-Aork versuchen will . Er hofft, Mitt' Juni starten zu können. Sein Weg wird ihn über die Azoren führen. Sollte dieser Strecke oder di- nördlichere von einer anderen Mannschaft vorhei bezwungen werden, werde er seinen Plan auf« geben.

Rn die jungen Wähler!

Ihr deutschen Jungwähler, auf euch, da frische Reis am Baum des Vaterlandes, blick heute das gesamte deutsche Volk voll Erwartung Das katholische Deutschland erwar tet, daß ihr eure P flicht tut und erstmals voi dem wichtigsten staatsbürgerlichen Recht Gebräu« macht!

Jungmänner! Schließet d>e Lücken, bt eure Väter und Brüder, als sie hingingen, um sic für das Vaterland zu opfern, gelassen haben! Jh füllet heilige Lücken auf; an den Plätzen, die ih jetzt einnehmet, haftet die edelste, wahrste uni dankbarste Erinnerung der Ration!

Jetzt seid i h r wahlberechtigt! Dollberechtigi Staatsbürger! Jetzt habt ihr das Erbe eure Väter zu übernehmen, euren Anteil am Stao und Reiche zu nehmen und zu geben'

Gesegnet sei dieser Tag. Der Herr aller Völ ker, der "das deutsche Volk aus dem Verderben ge rettet hat, lasse ihm neues Leben aus euch er blühen!

Jungbürger! Gedenkt der unsäglichei Leiden des deutschen Volkes, der Herbheit eure Jugend, des harten Daseinskampfs, den de Kriegsverlust über uns alle gebracht hat. Um euc sind die bittersten und bangsten Tränen vergossei worden. Aus dem Herzblute eurer Väter ist da neue Reich erstanden. Werdet eurem Volke dienst bar! Denket an die Rot des Vaterlandes nrti handelt männlich.

Als freie Bürger eines freien Staates be ginnt ihr euer staatsbürgerliches Tagwerk; euv staatsbürgerliche Pflichterfüllung als Wähler Euer staatsbürgerlicher Wille ist die sittlich« Wehrkraft der Nation!

Ihr wollt, daß Deutschland st a r k und f r t e ■ dengebietend im Rate der Völker dastehe Zeigt Derantwortungswillen, gebt dem Vater lande innere Festigkeit und Friedenskraft nack außen.

Gehet und wählet! Die deutsche katholische In gend wählt die Zentrumspartei. Sie schütz euch, fördert und verteidigt eure Interessen!

Eine königliche Handlung ist es, zu der ih zum ersten Male schreitet; es ist die Wahlhand­lung des deutschen Bürgers. Bedenket dabei, das die

Sozialdemokratie und Religion.

Der Kampf innerhalb der deutschen Sozial­demokratie um die Stellung zu Kirche und Reli­gion drängt einer Entscheidung entgegen. Das vom Schriftleiter des Kölner Parteiorgans, Ge­org Beyer, verfaßte Buch „Katholizismus und So­zialismus", sowie das im Vorwärtsverlag erschie­nene „Das Programm der Sozialdemokratie, Vor- schlage für seine Erneuerung" von Meerfeld zei­gen Verständnis für die Religion und Abwendung vom Freidenkertum, während sich der bekannte Otto Bauer in feiner Broschüre „Sozialdemokratie, Kirche und Religion" (Wien 1927) unbestimmt ausläßt. Auf der anderen Seite hat der Ansturm freidenkerischer Elemente auf die Partei ungeheuren Umsang angenommen.

Bezeichnend dafür ist ein Artikel: „Partei, Kirche und Religion" im „Sozialistischen Freiden­ker" (März 1928), der scharf für den Kampf gegen die Kirche als die stärkste Stütze des Kapitalismus und gegen die Religion, die von den Diesseitsaufgaben ablenkt, eintritt. Der Vorwärts bringt immer wieder redaktionelle Ar­tikel, die zum Kirchenaustritt aufforbern. Rach dem „Sozialistischen Freidenker" soll eine Funktionärversammlung in Leipzig unter erheb­lichem Widerspruch einen Antrag angenommen ha­ben: „Kein von der Partei bezahlter Funktionär darf einem Kirchenverein angehören. Religiöse Ge­fühle mögen Privatsache sein; aber die Zugehörig- kett eines sozialistischen Führers zu einem öffent­lich-rechtlichen Verein wie der Kirche kann für die Partei keine Privatsache sein. Ohne Gewissens­zwang ausüben zu wollen, muß von jedem Funk­tionär erwartet werden, daß er ebensowenig der arbetterfeindlichen Kirche angehört wie dem Stahl­helm."

Der Antrag soll durch alle Instanzen weiter geführt werden, so daß sich wahrscheinlich der nächste Parteitag einmal gründlich mit dem Thema Sozialdemokratie, Kirche und Religion auseinan­der zu setzen haben virb.

Schützt Luch! wehrt ab! Wä^tZentrum!

Llms "Batererbe.

Roman von Karola Hellmuth

13f ---------

Barkamp hat bei den letzten Worten zu trommeln aufgehört, er steht auf und schiebt seinen Sessel zurück: „Da hast du ein wahres Wort gesagt, Anna! Grob ist der Ohm ja zuweilen, und es ist keine Frage, daß er an bem Streit selbst schuld ist, aber wenn die Hildebrands nicht auf den Hof gekommen wären, so wäre das alles nicht gekommen. Der Herr Sohn jedoch hat große Rosinen im Kopf, der meint wunder, was für ne feine Bildung die Leute da drüben haben. Die sollen unfern Bauern Bildung und Manieren beibringen! Haha, Gott bewahre uns vor solchen Schnickschnack!"

Frau Barkamp legt beruhigend die Hand auf den Arm des Mannes.

„Rege dich doch nicht auf, Vater, der Dieter meints ja nicht so schlimm, er ift nun einmal anders als die meisten jungen Leute seines Alters."

„3o, ja, ich weiß wohl, Mutter, es ist dein Einziger, dein goldener Junge, auf den läßt du nichts kommen!" spottet der Schulze. „Er mußte hinaus in die Welt, wußte feine Manieren lernen und nun ist ihm seines­gleichen nicht mehr gut genug, nun kann er nur mit „gebildeten Leuten" verkehren. Aber nun ist es Schluß, fage ich euch! Keinen Fuß fetzt mir der Dieter mehr auf ben Riedhof. Das alberne Frauenzimmer soll sich hier nicht breit machen und uns verdrängen."

»Ach, steht die Sache so?" meint die erstaunt aufhor- chende Tochter. „Rein, Vater und Mutter, das muß ich euch sagen, die Luise mag so gut sein wie sie will, aber auf den Barkampshof paßt sie nicht. Anders aber ist es mit Dieter. Daß der fort gewesen ist und was gelernt hat, ist ganz recht. Unsere Kinder sollen tüchtig lernen, denn was sie gelernt haben, sitzt ihnen gar nicht im Wege. Wenn die Hildebrands wirklich was gelernt hätten und tüchtige Menschen wären, warum sollte dann Dieter nicht zu ihnen gehen und sich eine Frau vom Riedhof holen? Aber das ist es ja, die Luise ist nichts und kann nichts. Die beiden jüngeren Mädchen sollen ja in der Stadt sein rnd sich für einen Beruf ausbilden, das lob ich mir wenig­stens»"

„Ja, man hört so allerhand!" wagt jetzt Frau Bar­kamp nach den sehr energisch gesprochenen Worten ihrer Tochter auch wieder zu sagen: „Ich glaube, die Frau Hildedrapd ist die Schlechteste nicht, aber der Mann und auch der Erich, die sollen nicht viel taugen."

„Ja, und mit bem Stimmet muß der Dieter Freund­schaft schließen, und seine übrigen Kameraden sieht er über die Schulter an. Ah, da bist du ja gerade recht, mein Bürschchen! Hast ne nette Suppe eingebrockt! Kei­nen Fuß setzest du mir mehr auf ben Riedhof, verstan­den?"

Dietrich ist blaß geworden. .„Warum nicht, Vater! Können denn Hildebrands dafür, daß die Menschen hier so grob und ungebildet sind? Frau Hildebrand hat sich Mühe genug gegeben, aber sie begegnete immer nur höh­nischem Lächeln."

„Ja, weil die Leute sich ihres eigenen Wertes be­wußt sind und nicht nötig haben, mit solch einer Sipp­schaft schön zu tun. Was ich gesagt habe, bleibt gesagt. Zwischen dem Barkamphof und dem Riedhof gibts keine Verbindung mehr."

Bei den barschen Worten des Vaters kommt in Dietrich der Zorn hoch.

,Hch lasse mir keine Vorschriften machen wie ein Schuljunge. Luise Hildebrand ist meine Braut, daß ihr es nun wißt und ich lasse nicht von ihr."

Wie zum Kampf bereit steht Dietrich vor dem Va­ter. Frau Barkamp ist mit einem leisen Wehlaut in sich jufammengefunfen, Franz Barkamp aber mißt seinen Sohn mit kaltem, spöttischem Blick. Seltsam, je mehr m Dietrich der Zorn hochkommt, desto mehr kehrt dem Vater die Ruhe zurück, kalte, spöttische Ruhe, die den Gegner noch weit mehr entflammt, als es der heißeste Zornausbruch könnte.

„So, also deine Braut ist das Mädchen? Schön, mein Sohn, ich habe nichts dagegen, tue nur nach deinem Belieben; aber auf den Barkampshof kommt deine Frau nicht, der gehört noch mir und auf dem bin ich noch Herr!!"

„Vater!" Mutter und Tochter haben es zu gleicher Zeit gerufen, und die Mutter hat ihre Hand schwer auf seinen Arm gelegt Franz Barkamp aber blickt ganz rubia auf feine Frau.

„Ganz ruhig, Mutter! Ich vergesse mich nicht, ich weih genau, wie weit ich gehen kann. Dieter wird schon zur Besinnung kommen, und mir eines Tages dan­ken, daß ich ihn vor solch einem Menschenkind bewahrt habe. Jetzt allerdings ist ihm der Kamm geschwollen, und er glaubt, seine sogenannte Braut verteidigen zu müssen. Ich verdenke ihm das auch nicht, junge Leute sind heißblütig und hauen oft daneben."

Dietrich hat den Vater mehrere Male unterbrechen wollen, aber seine Schwester hält ihn fest umklammert und hält ihm mit der linken Hand den Mund zu.

„Dieter, um alles in der Welt, vergiß dich nicht gegen den Vater, das würdest du dein ganzes Leben lang bereuen. Sei eifrig, der Vater ist ja stets so gut ge­wesen, er wird auch jetzt nicht ungerecht fein. Rur ben ersten Sturm vorbeitosen lassen, überlege erst und bann setze dich mit dem Vater auseinander."

Sie hat ben Bruber aus bem Zimmer gezogen unb drängt ihn jetzt bie Treppe hinauf in fein eigenes Schlafgemach. Dabei stolpern die beiden über einen Gegenstand, der auf der Treppe liegt. Als sie Licht machen, sehen sie, baß es Leni ist, bie halb ohnmächtig am Treppengeländer lehnt.

„Ja, was ist denn hier los? Leni, um alles in der Welt, was machen Sie denn hier?"

Auf diesen bestürzten Ausruf Annas kommen Bar­kamps unb feine Frau auch aus dem Zimmer. Dietrich geht in finsterem Schweigen weiter. Was kümmert ihn das dumme Ding? Seine Gedanken weilen bei Luise, bie er nun für sich verloren glaubt.

Der Schulze hat unterdessen Leni auf feine starken Arme genommen unb sie wie ein Kinb die Treppe hin­aufgetragen. Unter den Bemühungen der beiden Frauen kommt sie zu sich; mit großen Augen blickt sie umher.

„Wo bin ich? Ach, jetzt weiß ichs, ich wollte mir Wasser holen, da wurde mir plötzlich so schlecht."

„Ja, Kind, du hast zu viel gearbeitet; morgen früh bleibst du im Bett und ruhst dich aus. Ist dir jetzt wie­der wohl, ober soll Wisken die Nacht bei dir bleiben?"

„Nein, nein, Tante, du bist viel zu gut; sorge dich nicht, mir ist jetzt schon besser. Ich glaube, ich kann gut schlafen."

Sie lächelt dankbar zu ben beiden Frauen empor, *-<»nn (»liefet kie wie müde bie Augen. Doch als bie

| Frauen gegangen, da stöhnte sie „D Gott, wie soll das enden! Ich will ja gerne bescheiden zurticktreten; ich weiß ja, daß ich nichts zu erwarten habe! Wenn nur Frieden wäre zwischen ihm unb dem Vater!"

Bon der Diele her klingen einzelne Laute der Tanz­musik an bas Ohr ber Einsamen, vermischt mit bem Scharren ber Füße. Leni kämpft einen schweren Kampf, aber ihre gesunde, elastische Natur trägt ben Sieg davon.

Eie wird ben Kopf nicht hängen lassen, sie wird (ei­ner Unmöglichkeit nachtrauern. Wie bie Mutter, so wirb auch sie nicht sterben an ber unglücklichen Siebe, bie sie für ben Sprossen bes Barkamphofes fühlt. Gott wird ihr helfen, ihr heißes Herz zur Ruhe zu bringen, Gott wirb ihr auch helfen, Väter und Sohn wieder zu versöhnen, dadurch wird ste bie Dankesschuld gegen Onkel Franz unb seine Frau abzahlen.

7.

Mit Schnee unb Cis hat ber Winter seinen Einzug gehalten. Wie ein Wunberland, so liegt die weite Ebene unter ber weißen, von ber Wintersonne rosig überhauchten Schneebecke. Kaum können die Tarnen die Schneelast tragen, bie auf ihren Zweigen ruht, un­willkürlich schütteln sie bie dunklen Häupter unb wie feiner Silberregen flatterte zur Erde nieber. Ganz zu­traulich kommen die hungrigen Vöglein bis an bie Fen- fter ber Wohnungen, bittend blicken bie runben Aeug- lein durch bie blanken Fensterscheiben auf den ein­ladend gedeckten Tisch, pick, pick, hackt auch wohl das Schnäbelchen gegen das Fenster, wenn die Menschen allzu hartherzig den kleinen Bettler übersehen. Mit gro­ßem Geschrei fliegt eine Schar grauer Winterkrähen, die wie dunkle Punkte auf der weißen Schneedecke saßen, empor in ben Tannenforst; nun bewegt sich ein roter Punkt lauernb, schleichend über die Stelle fort, auf der soeben die Krähen saßen. Ein Fuchs ist es, der zum nahen Bauernhof schleicht, zu erspähen, ob sich nicht etwa ein vorwitziges Hühnchen aus bem warmen Stall wagt. Ein Hase, ber in eiligem Sauf querfeldein läuft, erblickt ben Feind, stutzt, spitzt die Löffel und verschwindet dann eiligst unter den dichten Tannen. Einen Augen­blick sieht ber Fuchs ihm listig nach, buch bann setzt er feinen Schleichweg fort. Meister Lampe ist ihm doch wohl zu schnell. (Forff. folgt.)