Anzeiger für die Stabt Julda unb ben Canbtreis Autba. Amtliches kreisvlatt.
Nr. 116.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
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Samstag, 19. Mai 1928.
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SS.Zahrg.
Wähler! Wählerinnen! Seht vollzählig zur Wahl!
Wer nicht wählt, belastet sich mit schwerer Verantwortung / Sozialisten nnd Kommunisten werden alle wählen. / Bauern, Mittelständler, Arbeiter! Wählt am 20. Mai Zentrum!
Das Sxempel.
Am 18. Mai wirb in Moskau der mehrfach hinausgeschobene Prozeß gegen die S ä> a ch 1 y - Verschwörung beginnen Unter den 53 Angeklagten befinden sich auch einige deutsche Ingenieure, deren Verhaftung trotz der inzwischen veröffentlichten Anklageschrift die deutsche Oeffentlichkeit nach wie vor in begreiflicher Erregung erhält. Die Verhandlungen geschehen in größter propagandistischer Aufmachung. Man glaubt, daß sie etwa einen Monat dauern werden und hat dafür den großen Saal des Gewerkschaftsgebäudes in Moskau in Anspruch genommen. Für jeden Tag sind 1500 Zuhörer aus Arbsiterkreisen zugelassen, an die eigens Karten ausgegeben werden. Das bedeutet, daß bei Ende des Prozesses etwa 45 000 Arbeiterzuhörer Teilnehmer gewesen sind. 100 Plätze hat man für die Presse frcigemacht, außerdem die ausländischen Diplomaten ein-.»eladen. Es ist dafür gesorgt, daß Kino- cperateure den Verhandlungen beiwohnen, damit die wichtigsten Szenen bereits am gleichen Abend in den Lichtspieltheatern gezeigt werden können. Auch werden die Verhandlungen durch Mikrophon ausgenommen, so daß man sie im ganzen Lande verfolgen kann. Eine eigene Broschüre in Massenauflage ist vorbereitet, damit sie nach dem Prazeß im Inland und Ausland verbreitet werden kann.
Wenn man nicht schon wüßte, daß in Rußland das Justizwesen nicht der Gerechtigkeit, sondern der P a r t e i p o l i t i k und der kommunistischen Propaganda zu dienen hat, so würde es durch diese Prozeßaufmachung sicherlich kenntlich. Die bolschewistische Ideologie — man kann solches in den Schriften Lenins an vielen Stellen nachlesen — geht in der Rechtsprechung von der Auffassung aus, daß es das, was man objektive Rechtsprechung nennt, nicht gibt und auch nickt geben kann. In jedem Lande diene die Rechtsprechung den Interessen des Staates, fo wie sie von der regierenden Schicht jeweilig verstanden würden. Es sei also die Regierungskaste, die überall f-stletze, ob und wie „Recht" gesvrochen werden müsse. Das oelte nicht etwa nur für die Form der Gesetze, die feststellten, wo Verbrechen stattfänden oder nicht, sondern auch für den Prozeßverlauf, die Einrichtung der Gerichte und den Strafvollzug. Die Justiz in allen kapitalistischen Staaten sei not- »endig Klassenjustiz. Und wo man das nicht zu- zoben wolle, wo man mit den Begriffen einer objektiven Rechtsprechung noch operiere, da geschehe es, um der Klasse des ausgebeuteten Proletariats Sand in die Auaen zu streuen. Aus solcher grundsätzlichen Auffassung hat das bolschewistische Spstem die letzte Konsequenz gezogen. Es behauptet ohne jede Scham, ja es ist auf diese seine Aufrichtigkeit stolz, daß die bolschewistische Rechtsprechung grundsätzlich Klassenjustiz im Interesse der Diktatur der Arbeiterschaft sein will. Es gibt in Rußland keinen Richter, keinen Staatsanwalt und keinen Verteidiger, der nickt von einer gleichen Auffassung durchdrun- i<en wäre. Ja, würde er nicht nach einem solchen Grundsatz handeln, würde er sofort seiner Stellung verlustig gehen.
Ist also die russische Justiz ein Mittel der bolschewistischen Politik, dann wird es gleichgültig, zu welchem Zeitpunkt ein Gesetzesübertreter in den Anklagezustand versetzt wird. Es wird auch völlig gleichgültig, wie der Angeklagte selbst subjektiv zu seiner Tat steht. Verhaftung und Strafmaß werden nach den Interessen der jeweiligen Staatslage bestimmt. Die Angeklageschrift gegen die 53 Angeklagten ist inzwischen veröffentlicht worden. Bei einer Nachprüfung der Vorwürfe gegen die deutschen Ingenieure ergibt sich offenkundig mancherlei Konstruktion. Es wird sichtlich vieles zurechtkombiniert, um überhaupt die Anklage begründen zu können Wenn man aber obendrein erwägt, wie sehr unter der Verhaftung der deutschen Ingenieure die deutsch-russischen Beziehungen gelitten haben, so muß man sich fragen, wo überhaupt da die bolschewistische Logik bleibt.
Aber die ganze Aufmachung des Prozeßes beweist, daß er für die Moskauer Machthaber in der Hauptsache innenpolitische Bedeutung hat. Den Russen geht es in der letzten Zeit sehr schlecht. Die Arbeiterschaft war unruhig, da sie mit den Löhnen nicht auskam. Die Bauern leisteten passiven Widerstand, wenn sie Getreide produzieren und abliefern sollten. Das vorgesehene Wirtschaftsprogramm konnte nicht eingehalten werden. In diktatorisch regierten Ländern greift bei solcher inneren Mißstimmung der Diktator gewöhnlich zu einem außenpolitischen Eclat, um die Aufmerksamkeit der murrenden Untertanen zu fesseln. Nach den Mißerfolgen in Südchina liegt dieses Mittel den Moskauer Diktatoren nicht mehr zur Hand. So mußte denn ein Grund für die inneren Schwierigkeiten in der S a b ota gep o l i ti k der Ingenieure, der sogenannten „Spezialisten" gefunden werden. Man hat jetzt die Bombe platzen lassen, obwohl man in der Anklageschrift sagt, daß die Sabotageversuche in den Bergwerken schon seit acht Jahren im Gange seien. Die Verhaftung der.Deutschen sollte zugleich andeuten, wie das ganze kapitalistische Europa, einschließlich Deutschland, sich gegen das sowjetistische System verschworen hätte. Die Prozeßaufmachung sorgt
dafür, daß die Aufmerksamkeit des russischen Untertanen auf diesen inneren (unb äußeren) Feind gebührend hingelenkt wird. Auf diese Weise soll jedem Russen verständlich gemacht werden, woran es eigentlich liegt, daß die russische Wirtschaft nicht weiter kommt. Nicht die Moskauer Machthaber sind schuld, sondern die systematischen Ver- rät^reien von ausländischen oder ausgewanderten russischen Kapitalisten bestochener Objekte. Die Strafen, die das bolschewistische Gesetzbuch für Sabotageakte vorsieht, sind außerordentlich schwer. Es wird sich für die Angeklagten um einen Prozeß um Leben oder Tod handeln. Der russische Untertan aber hat seine Sensation.
Dom Neichskabinett.
Die Beratungen über die Eisenbahntarife.
Das Reichskabinett beschäftigte sich mit der Frage der Tariferhöhung der Reichsbahn. Hierboi erstatteten der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Dr. v. Siemens, und der Generaldirektor Dr. Dorp- müller Bericht über die finan'ielle Lage der Reichs- bahnqesellschaft und erläuterten die einzelnen Punkte der über die Tariferhöhung verfaßten Denkschrift. An diese Darlegungen schloß sich eine eingehende Aussprache, welche durch eine Besprechung der beteiligten Reichsressorts ihre Ergänzung finden soll.
Eine Antwort der Reichsregierung auf den An- ttag der Reichsbahngesellschaft wird nach Abschluß dieser Beratungen in kurzer Frist erteilt werden.
Es verlautet noch in politischen Kreisen, daß die zuständigen Stellen, die die Denkschrift der Reichsbahn zunächst beraten sollen, das Reichsverkehrs-, das Reichsfinanz- und das Reichswirtschaftsminr- sterium sind. Vertteter der Reichsbahn werden an diesen internen Besprechungen der Reichsregierung nicht beteiligt fein. Wan nimmt an, daß die Ressortberatungen etwa bis Mitte n ä ch st e r Woche dauern werden, so daß das Reichskabinett sich erneut mit dieser Frane beschäftigen kann, wenn nach dem Abschluß des Wahlkampfes die Minister wieder vollzählig in Berlin anwesend sind.
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Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft tagte vom 14. bis 16. Mai in Berlin. Der Geschäftsbericht und die Bilanz für das Geschäftsjahr 1927 wurden genehmigt. Die Ausschüttung einer 7prozentigen Dividende auf die ausgegebenen Vorzugsaktien Serie I/IV wurde beschlossen. Alsdann wurde die Tagung unterbrochen. Sie soll fortgesetzt werden, sobald die Antwort der Reichsregierung auf den Tarifer- höhungsanttag vorliegt.
Die Revision des Dawesplanes.
In der Presse wird eine Nachricht verbreitet, wonach int Auswärtigen Amt vor einigen Wochen eine wichtige englische Note in der Reparationsfrage eingegangen sei. „Man wisse in der Berliner Wil- Helmstraße seit Eingang dieser Note ganz genau, daß die Bestrebungen auf Revision des Dawes- planes von London her keinerlei Unterstützung erfahren werden." Von zuständiger Seite wird dazu mitgeteilt, daß diese Nachricht unrichtig ist. Es ist weder eine solche Note der englischen Regierung eingegangen, noch schweben zurzeit überhaupt Verhandlungen grundsätzlicher Art Über die Reparationsftage mit der englischen Regierung. Soweit mit englischen Stellen über Reparationsfragen verhandelt wird, handelt es sich dabei um untergeordnete Fragen der technischen Durchführung der Reparationsleistungen, wie sie auch mit allen übrigen reparationsberechtigten Ländern laufend geführt werden.
Strefemann.
Die Besserung im Befinden des Reichsautzenministers Dr. Sttesemann hält an. Die Tätigkeit der Nieren hat sich weiter gehoben. Temperatur 36,9, Puls 84. Es ist zu hoffen, daß im weiteren Verlauf der Erkrankung Rückfälle nicht eintreten, gez. Prof. Dr. H. Zondek, Sanitätsrat Dr. Gisevius, Dr. Schulmann.
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wtb. Berlin, 18. Mai. (Eig. Funkm.). Privatmeldung: Im Befinden des Reichsaußenministers ist eine Veränderung nicht eingetreten. Die Besserung hält an. Staatssekretär von Schubert wird am Sonntag aus seinem planmäßigen Urlaub hierher zurückkehren und die Geschäfte wieder übernehmen.
* Hindenburg bei den schlesischen, herbslmanö- vern. Reichspräsident v. Hindenburg wird, der „Tägl. Rundschau" zufolge, auf Einladung der Oberpräsidenten und Landeshauptleute der Provinzen Ober- und Niederschlesien sowie des Oberbürgermeisters der Stadt Breslau in Verbindung mit seiner Teilnahme an den diesjährigen im Herbst ftattfinbenben Manövern der Reichswehr in Nie- berschlesien etwa in der Zeit vom 17.—20. September dis Provinzen Ober- und Niederschlesien bereisen.
* Reichsjustizminister a. D. Dr. Heinze f. Der schon seit längerer Zeit kränkelnde Reichsjustizminister a. D. und Reichstagsabgeordnete Dr. Heinze ist in seiner Wohnung auf dem Weißen
Hirsch bei Dresden einem Herzschlag erlegen. Er hatte sich noch bis vor zwei Tagen lebhaft am Wahlkampf für die Deutsche Volkspartei beteiligt.
* Der portugiesische Gesandte in Berlin gestorben. Der portugiesische Gesandte Bathel be Frei- tas ist an den Folaen einer Operation in Berlin gestorben. Zum Tode des portugiesischen Gesandten in Berlin, be Freitas, hat ber Reichspräsident der Witwe des Gesandten in einem persönlichen Schreiben seine aufrichtige Teilnahme ausgesprochen und an den Präsidenten ber Republik ein Telecramm gerichtet, in dem er seine Teilnahme ausspricht und dankbar ber großen Verdienste gedenkt. die sich de Freitas UM die Verttefung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern erworben hat. Auch der Reichskanzler sowie der R-ncksaußenminister haben ihre Teil- nahme zum Ausdruck gebracht.
* Die Grundsteinlegung für den Erweiterunasbau der Reichskanzlei. In Gegenwart des Reichspräsidenten fand am Freitag in Berlin die Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau der jetzt 50 Jahre bestehenden Reichskanzlei statt.
* Unterzeichnung des österreichisch-französischen Handelsvertrages Don Außenminister Briand und Handelsminister Bokanowski einerseits unb dem österreichischen Gesandten Dr. Grünberger andererseits ist in Paris der vor einigen Tagen para« phierte österreichisch-französische Handelvertrag, der an die Stelle des Abkommens vom Jahre 1923 tritt, unterzeichnet worden.
* Ein litauisches privates Lehrerseminar in Wilna. Der polnische Uniert ichtsminister Do- brucki hat dem litauischen Verein „Kultura" die Konzession zur Eröffnung eines privaten Lehrerseminars mit litauischer Unterrichtssprache in Wilna erteilt. Das Seminar soll mit Beginn des nächsten Schuljahres im Auczist-September des laufenden Jahres eröffnet werden.
* Prinz Carols Abreise von England. Prinz Carol fit im Auto in Dover eingetroffen, bat sich auf dem Dampfer „Ville de Lw-re" nach Ostende eingefch'fft und ist dort, also auf belgischem Boden, emaetroffen. Von Ostende fuhr er nach Brüssel. Nach einer Meldung des „Soir" ist später Prinz Carol von Rumänien von Brüssel nach dem Chateau d'Ardennes bei Dinant abgereist, wo er vorläufigen Aufenthalt nimmt.
Vatikan und Mussoliiv.
Aus Rom wird gemeldet: Der Osservatore Romano wendet sich in einem längeren Artikel gegen die Staatsauffassung Mussolinis, wie sie in seiner letzten Rede zum Ausdruck gekommen ist, besonders was das Verhältnis zwischen Staat und Individuum betrifft. Das Blatt glaubt, daß solche Theorien zum Staatssozialismus führen würden; die "äpftlicke katholische Lehre gehe einen anderen Weg. Zugleich tadelt das Blatt die Ausführungen des Senators Cri- spoltt, Mitglied des nationalen Zentrums, die gleichfalls von der katholischen Lehre abirrten Cri- spolti hatte am vergangenen Samstag im Senat seine Zustimmung zu der Staatslehre Mussolinis ausgesprochen.___
Der Kampf gegen das Zentrum.
Man hat schon mehrfach feststellen müssen, daß dieser Wählkampf arm ist an tragenden Ideen, baß keine Partei außer dem Zentrum, das aus seiner durch den Erfolg gerechtfertigten Arbeit den Anspruch herleiten darf, auch für die Zukunft den alten Kurs zu empfehlen, ihren Wählern etwas durchgreifend Neues zu sagen vermag. Dieser Mangel an Ideen wird der Grund dattir sein, daß die gegnerische Agitation so oft den Boden des Tatsächlichen verläßt und sich der Verunglimpfung der Anderen in überreichlichem Maße hingibt. Es ist nur erstaunlich, wie leichtsinnig und ohne Bedacht auf die Einsicht der Wählerschaft das geschieht. Als ob sie unmündige Kinder und nicht ernsthafte, mitten im Kampfe des Lebens stehende Menschen gewinnen sollten, fo sehen die Scheingründe aus, die man rechts und links zur Bekämpfung des Zentrums ins Feld führt.
Vor kurzem hat der demokratische Reichstaasabgeordnete Otto Schuldt-Steglitz in der „Zittauer Morgen-Zeitung" einen Artikel gegen d i e Seomtenpolitif des Zentrums geschrieben, der als ein Musterbeispiel für die oben gekennzeichnete Art des Wahlkampfes gelten kann. Herr Schuld! will, koste es, was Ss wolle, die „Beamtenfeindschaft des Zentrums" beweisen und da ihm das nickt gelingen will, kavriziert er sich auf die Verunglimpfung einzelner Führer des Zentrums. Er behauptet, die Herren Siegerwgld, Imbusch und Ersing hätten „durch völlig unqualifizierte Angriffe auf die Beamtenschaft und mit unrichtigen Angaben über das Ausmaß der Besoldungsaufbesserung durch Reden unb Zeitungsartikel" eine Stimmungsmache geaen die Beamten in Szene gesetzt, sie hätten beweisen wollen, daß das Beamtenelend in den Parlamenten zu Un« gunften der Arbeiterschaft überwiegt und deshalb
zurückgedrängt werden müsse." Die genannten Vertreter des Zentrums, heißt es bann weiter, hätten behauptet, „daß im Reichstag 33 Prozent, im preußischen Landtag 37 Prozent und im preußischen Staatsrat 55 Prozent der Mitglieder dem Beamtenstande angehören". Es würde Herrn Schuldt nach der loyalen, von den Vertretern der Beamtenschaft acceptierten Erklärung der genannten Zentrumsabgeordneten schwer fallen, die „Beamtenfeindschaft" des Zentrums mit sachlichen Argumenten zu belegen. Deshalb begnügt er sich mit lächerlichen Mätzchen. Er meint, „im alten Reichstag" hätten unter den 493 Abgeordneten nur 52 Beamte gesessen, „die aus der Beamtenlaufbahn hervorgingen und noch im Dienst sind." Das waren 10,5 Prozent der Abgeordneten und nicht 33 Prozent. Schon diese „Widerlegung" ist typisch. Herr Schuld! zählt nur die Beamten, die noch tm Dienst sind, die pensionierten und die zur Disposition gestellten Beamten dagegen spielen bet 'hm keine Rolle. Die für den Landtag und den Staatsrat angegebenen Zahlen „richtig zu stellen" schentte sich Herr Schuld! vorsichttgerweise.
Die finanzielle Auswirkung der im vorigen Jahre beschlossenen Gehaltsaufbesserung der Beamten wurde regierungsfeitig auf 1,3—1,5 Milliarden Mark geschätzt. Herr Schuld! „widerlegte" diese Schätzung mii der Behauptung, die Mebr» aufmenbung für das Reich einschließlich Heer und Marine betrüge 90 Millionen, die für die Post 183,3 Millionen und die für die Reichsbahn über 200 Millionen Mark. Wenn man das zusammen rechnete und gewisse Abzüge, die durch eingesparte Sonderzusckläge und durch den höheren Ertrag der Einkommensteuer entstünden, in Abzug brächte, fo blieben eben nur Netto-Mehrausgaben von rund 300 Millionen Mark für die Reichsbeamten einschließlich Heer. Marine, Post und Eisenbahn ührg.
Daß die Besoldungsreform nicht nur für d'e genannten Beamtenkategorien In Frage kommt, sondern auch für die Länder- und Gemeindebeamten, daß eine Schätzung des gesamten Mehrbeda--s natürlich auch die in den Ländern und Gemeinden stehenden Mehrausgaben einbegreifen muß, das weiß natürlich auch Herr Schuldt. Wenn er trotzdem zur „Widerlegung" der regierungsseitigen Gesamtfchätzung nur das anführt, was -die Gehalt-- aufbefferung” ber Reichsbeamten, der Soldaten und der Verkehrsbeamten erfordert, dann ist das Spekulation auf die Flüchtigkeit feiner Leser, die sich das zweifellos oerbittetr werden. Für die Behauptung, die Herren Stegerwald, Imbusch unb Ersing hätten in Abwesenheit, also quasi hininer dem Rücken ber erkrankten Fraktionsführer Marx unb von Guerarb ihre Fraktion zu ben größien Zwangsmaßnahmen greifen lassen, um zu ihrem Ziele zu gelangen, bleibt Schuldt ben Beweis schul« btg. Wenn er schließt, bie Beamten würben es „gewisse Abgeorbnete" merken lassen, daß man „mit Treu unb Glauben fein Spiel treiben bart", so ist nach ben mitgeteilten Beispielen ber Schuwt- schen Beweisführung bie Frage berechtigt, wer hier in Wirklichkeit mit Treu unb Glauben unb iwzu noch mit ber Wahrheit fein Spiel getrieben bat.
Wir haben an biefer Stelle schon einmal gefragt, warum der von ben Demokraten gestellt Reichsfinanzminister Dr. Reinholb, bem genügend Ueberschußmittel zur Verfügung ftanben, die Besoldungsreform nicht durchgefiihrt hat; wir fragen Herrn Schuldt, warum er Herrn Reinhold hierzu nicht gedrängt hat? Wir warten nicht auf die Antwort. Sie könnte nur laufen: Es ist eben etwas anderes, ob man als Regierungspartei für Alles verantwortlich ist, ober ob man als Oppositionspartei unbekümmert um bie Erfüllbarkeit feiner Versprechungen die Wähler bearbeitet.
Die Lage in Japan.
Verhaftung japanischer Extremisten.
wtb. Tokio, 18. Mai. (Eig. Funkm.). Bei einer Versammlung von Extremisten, die gegen die Ent- sendung japanischer Truppen nach Schantung protestierten, wurden 17 Verhaftungen vorgenommen.
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Reuter meldet aus Tokio: Im Hinblick auf die zunehmenden Unruhen in Peking und Tientsin ist der Nagoya-Division Befehl erteilt worden, ein Infanterieregiment und eine Artilleriebatteri« von Tsingtau nach Tientsin zu schicken. Ein Flrg- zeuggeschwader ist von Japan nach demselben Bestimmungsort befohlen zum Schutze der Bewohner. Gleichzeitig ist die am 4. Mai von Dairen nach Schantung geschickte Jnfanteriebrigade nach Dairen zurückbeordert worden, weil man befürchtet, daß die Unruhen sich nach der Mandschurei 'ausbreiten könnten. Die in Schantung vorhandene Streitmacht ist dadurch um zirka 5 500 Mann verringert worden.
Bauern!
Diese Wahl kann für Euch verhängnisvoll werden.
Sozialisten und Kommunisten rücken vor!
Eine Bauernpartei mit unerfahrenen Tührern wird hilflos sein.
Schützt Eure Scholle und wählt die erprobte Zentrumsparteil