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gen wach; denn es handelt sich dabei um jene Ge­biete, die im Wirtlchoftsbereiche unserer chinesischen Niederlassung in Tschingtau und unserem damali- aen Interessengebiete sieaen; um jenen wertvollen Besitz, den wir durch unsere ungeschickte Stellung­nahme gegen Japan politisch zu wenig gesichert hatten und darum im Weltkriege verloren haben. Japan batte zwar formell das uns entrissene Ge­biet nach langem Schwanken und Zögern an China im Jahre 1922 seiner ursprünglichen Ver­pflichtung gemäß zurückgegeben, war aber in wirt­

schaftlicher Hinsicht in unsere Positionen eingetre­ten und hatte, wie das in dem schwachen China so üblich war, diese Positionen militärisch geschützt. Dazu waren ja die Japaner wie die übrigen Mächte nach dem von den Chinesen erzwungenen Konzessionsverträgen berechtigt. Aus dieser Fest­setzung Japans in der an Kohlen überreichen Pro­vinz Schantung hoben sich natürlich Gegensätze zwischen den beiden Nationen entwickelt.

Der ausgesprochene Haß der Chinesen, der sich vielleicht noch in schärferer Form gegen die Ja­

Nr. 115.

Lh>'na und Japan.

Von Dr. W e n z - FuldL

In dem Hin und Her der Wirren, die China seit seiner Revolution im Jahre 1911 durchbeben, treten von Zeit zu Zeit Ereignisse ein, die uns zei­gen, daß es sich dort nicht nur um dauernde Un­ruhen handelt, sondern daß die Dinge int Flusse sind und einer Entwicklung zutreiben. Als Ziel hat sich doch deutlich herauskristallisiert die end­gültige Befreiung von der fremdländischen Bevor­mundung u. die Wiederrichtung eines nationalen Einheitsstaates. Es geht eine bewundernswerte Welle nationalen Lebens durch das Volk, wovei allerdings die regsameren Südchinesen die Tröger dieses nationalen Gedankens sind. Wenn nicht alle Anzeichen täuschen, werden auch die Nordchinesen immer mehr von dieser nationalen Welle erfaßt. „Das Vermächtnis Sunjatsens", des geistigen Va­ters der nationalen südchinesischen Bewegung, übt seine Wirkung aus. Wenn die Erfolge in China nur langsam zu reifen scheinen, so muß berücksich­tigt werden, daß die Südchinesen gleichsam aus dem Nichts heraus ein gigantisches Ringen gegen einen übermächtigen Feind, gegen alle Weltmächte, die im weltpolitischen Völkerkonzert eine Rolle spie­len, durchzuführen gezwungen sind. Die Parole „China für die Chinesen" führt zum Erfolg. Mtn braucht sich nur zu erinnern, wie empfindlich tue Engländer durch den über ein Jahr andauernden Boykott gegen Hongkong, der ihrem Handel und ihrem Prestige eine so schwere Schädigung zuqe- fügt hat, getroffen wurden. Noch in lebhafter Er­innerung ist es, wie die Engländer in den ersten Tagen des vorigen Jahrhunderts von losgelassenen Arbeitermengen zur Räumung ihrer Konzessionen im Innern des Landes in Hänkou genötigt wur­den. Es war dies eine in der Geschichte der eng­lisch-chinesischen Beziehungen unerhörte Demüti­gung für die Engländer und ein weithin sichtbares Zeichen des enormen Umschwungs, der in der Machtstellung der Fremden den Chinesen geaen- über eingetreten ist. Wir finden dann die Chine­sen weiter im Kampfe mit den Fremden, insbeson­dere Engländern, in Chinas arößtem ftofen Sh rn- hai, das zugleich die größte Fremdenstadt Chinas, ein fremder Staat im Staate ist. Wenn es auch den Chinesen nicht gelungen ist, die Fremden von ihren Konzessionen zu vertreiben, so zeigt doch der na­tionale Impuls, was die Fremden zu erwarten ha­ben. Dabei weiß die südckinesische Regierung lehr wohl, daß sie zur Zeit die fremden Mächte aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen noch nicht entbehren kann. Wir erinnern uns des zwar völkerrechtswidrigen, aber notwendigen Eindrin­gens in das russische Generalkonsulat in Shanghai, wodurch Südchina vor aller Welt gezeigt hat, daß es trotz seiner sozialen Einstellung mit dem Bol­schewismus nichts gemein haben will. Das war ein neuer Sieg von entscheidender Bedeutung.

In den wenigen Monaten, die seit diesen Er­eignissen verflossen sind, drangen die Südchinesen verhältnismäßig rasch nach Norden vor und kamen dabei in den bisherigen B»reich der Nordtruppen, die unter Tschang-tso-ling stehen. Das unverkenn­bare Ziel der Südtrupven unter Tschan-kai-schek ist Peking, die alte chinesische Hauvtstadt, in der auch heute noch eine, wenn auch völlig macktlosq Zen- tralregierunq ein Schattendasein führt. Die Tätig- k--t dieser Zentralregierung beschränkt sich darauf, von Zeit zu Zeit durch eine schöne Geste Kunde von ihrer Existenz zu geben. ' Die Südchinefen wollen also nichts anderes, als fick in den Besitz der allen, durch die geschichtliche Tradition oeheil'g- ten Reickshauptstadt zu setzen und damit unter ihrer Führung das chinesische Reich wieder aufzu­richten. Mit diesem neuen Ziel ist ober die natio­nale Bewegung in ein neues Stadium getreten. Man behauvtet wohl nickt zu viel, wenn man sagt, daß jetzt erst die entscheidende Auseinandersetzung beginnt.

Bisher standen die Südchinesen vorwiegend zu den Engländern, daneben zu den übrigen europäi­schen Mächten und den Amerikanern in Gegensatz, ganz abgesehen davon, daß Generale sich mitein­ander herumschlugen. Die Japaner waren mehr zurückgetreten und beobachteten Gewehr bei Fuß ine Entwickelung der Dinge. Ihre Interessen wa­ren bis dahin noch nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen. Nun aber sind die Südchinesen in das unmittelbare Interessengebiet der Japaner, näm­lich in die Halbinsel und Provinz Schangtung, deren Hauptstadt die 250 000 Einwohner zählende Stadt Tsinanfu ist. eingedrungen. In uns D»ut- schen rufen diese Ereignisse schmerzliche Erinnerun-

Sulöaer Zeitung (Amtliches Kretsbfaft).

Begebenheiten

Schwerer Grubenunfall.

totb. Nordhausen, 16. Mai. (Eia. Funkm.s. Auf Schachtanlage 5 der Gewerkschaft Glückauf bet bei Großturra ereignete sich ein schwerer Unglücks­fall. Beim Berauben der First stürzten große Salzmassen herab und begruben einige Arbeiter unter sich. Ein Häuer wurde getötet, einem weiteren wurden beide Seine gebrochen. Seine Verletzungen sind lebensgefährlich. Ein dritter Häuer kam mit dem Schrecken davon.

* Glückwünsche des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers für Geheimrat Deutsch. (Eig. Funk­meldung). Der Herr Reichspräsident hat Herrn Geheimrat Dr. Deutsch, dem bekannten deut­schen Industriellen, zur Vollendung des 70. Lebens­jahres telegraphisch seine Glückwünsche ausgespro­chen. Reichskanzler Dr. Marx hat aus dem glei­chen Anlaß ebenfalls ein Telegramm gesandt.

* Starte Frostschäden im Weinbaugebiet. Nach den bisherigen Feststellungen haben die Nachtfröste auf den 11. und besonders auf den 12 Mai, die Kältegrade bis zu 3 Grad brachten, einen unge­heuren Schaden an den Weinbergen der Mosel, Saar und Ruwer angerichtet. Der Frost kam von der Höhe, so daß die Höhenlagen besonders betroffen wurden. Streckenweise vernichtete der Frost ab»r auch die Weinberge bis ins Tal hin­unter. Es waren Schäden von 10, 50 und 100 Nroeent der Ernte fest-ustellen. Im Gesamtdurck- ichnitt dürfte sich der Sckaden auf mindestens ein Dritte* d-r Ernte beziffern, was »inen Ausfall von 2-5 000 Fudern oder 25—30 Millionen Mark bedeutet.

* Dos 100 000 Mark-^os bei der Preußsich- Sübbeuffdw gezogen. Di» B. Z. meldet: In der M'llwock-Ziehung der 2. Klasse der Preußischen Klafsenlollerie kam gleich in der ersten Stunde das 10 0 0 0 0 M k. - L o s heraus. Die Besitzer der Glück«nummer 145987 oehnren größtenteils dem wenig b»mittelten Handelsstand an. Die Nummer wurde in kleinen Abschnitten in Berlin und Halle gesvielt.

* Von einem Löwen gebissen. Am Sonntag faßt» im Zoologischen Garten in Münster i. W. ein 12iährtaer Hunge durch das Mcsickengittsr, um einen kleinen Löwen zu streick»ln. Das Tier zog den Arm des Jungen in den Käfig. Befucker und ein b»rbeiaerufener Wärter verfucht»n mit Stöcken, den Knaben m retten. Nur dem glücklichen Zufall, daß der in dem Käfig befindliche Hund den Lö­wen ablenkte, ist es zu verdanken, daß das Raub­tier von sem»m Opfer abließ, das schwere Fleisch- wunden erlitt.

* Auf dem Schulwen von einem Unhold über­fallen. Die 12iöhrige Pfleo-tochter des Arbeiters Joseph R a k e i s ch a t aus Butenfelde bei Borne­witz wurde, wie an« Brandenburg a. d. H. berich­tet wird, auf dem Wege von der Schule im Walde zwischen Varnewitz und Butenfelde von einem - Mann überfallen, d»r ihr Gewalt antat. Das Mäd­chen erlitt schwere Verletzungen. Die Landjäger»i nahm sofort die S»rtofauna des Täters auf. Im Walde an b»r Straße Gortz-Barn»witz stieß man auf den Unhold. Als er der Aufiorderuna, sieben' zu bleib»n, nicht Folge leistet», erschoß ihn einer der Verfolger mit einem Jagdgewehr. Die Bersonalien des Getöteten sind noch nicht be­kannt.

* Disziplinarverfahren Kußmann-Losvarn. Wie die Slotter melden, beginnt am 5. Juni die öffent­liche Hauplverbandlung im Disziplinarverfahren gegen die Staaksanwaltsckaftsassessoren Dr. Kuß­mann und Dr. Caspary sowie gegen Landgerichts- rat Peltzer Die Verhandlung findet vor dem klei-

aus aller Welt.

nen Disziplinarsenat des Kammergerichtes in B e r- k i n statt. Die Anschuldigungsschrift umfaßt meh­rere hundert Seiten. Die Verhandlung wird min­destens zwei Wochen in Anspruch nehmen. Wäh­rend Kußmann vom Amt suspendiert worden 'st, befinden sich Casnary und Landgerichtsrat Peltzer noch im Amt. Die Anschuldigungen gegen Kuß­mann beziehen sich zunächst auf die Rolle, di» er im Barmatprozeß gespielt hat. Kußmann soll ohne amtlichen Auftrag umfangreiche Reisen zur Auf­klärung der Barmataffäre unternommen haben. Weiter wird ihm vorgeworfen, Aktenaus dem Barm atprozeß entfernt bezw. der Presse daraus Mitteilungen gemacht zu haben. Landge- riditsrot Peltzer wird vorgeworfen, Akten einer dritten Person in die Hände gespielt zu haben.

* Der Sprilweberprozeß in der Berufungsin­stanz. Vor dem Schwurgericht in Berlin begann am Dienstag die Berufungsverhandlung gegen den in erster Instanz wegen aktiver Bestechung und Betruges zu einem Jahr neun Monaten Ge­fängnis und 20 000 Mark Geldbuße verurteilten {□genannten- Spritmeber, die wiederum zwei bis drei Monate dauern wird. Allein die Ver­lesung des ersten Urtetts, das 347 eng gedruckte juartf»iten unffaßt. tP’tti lfnaer ars »in» in Anspruch nehmen. Das Hauptinteresse der Be­rufungsverhandlung wird sich um die Frage dre­hen, ob Hermann Weber sein Sprifager in Stahnsdorf selbst angezündet hat, ober oh der Brand auf Kurzschluß zurückzuführen ist. Weher gab den Inhalt b»s abgebrannten La"»rs auf 1,3 Millionen Liter Sarit an und erhielt 300 000 eng­lische Pfund gleich rund 6 000 000 Mark Versiche­rungsentschädigung ausgezahlt.

' * Der Kampf gegen das Deutschtum in Süd­tirol. Wie die „Innsbrucker Nachrichten" aus Bozen melden, hat d»r Präfekt von Bozen durch Dekret vom 11. dieses Monats mit sofortiger Wir­kung eine Reihe von deutschen Vereinen aufgelöst, die der Erziehung und dem geselligen Zusammen­schluß der deutschen Jugend gewidmet waren. Es handelt sich meistens um katholische deutsche Ge­sellen-, Burschen- und Jugendvereine.

* Das Ozeanflueprojekt der Frau Dillenz ge­scheitert. Am Dienstag nachmittag ist die Options­frist, die die Junkersw-rke Frau D i l l e n z für den Kauf der „Evrova". der Sckwesternmasckine der „Bremen", gestellt hatten, abgeraufen. ohne daß, wie eine Korrespondenz meldet, Frau Dillenz die geforderte entscheidende Erkläruna ahaeatben hat. Infolgedessen sind die Verkaufsverhandlungen als gescheitert zu betrachten. Dagegen tntereffie» ren sich, wi» die gleiche Kor»-»spondenz hört, an­derweitig» Kreise für dieses Flliazeua und seinen Führer Rist-cz, so daß möglickerwesie d-mnäckst ein neues Ozeanflugvroi»kt mit dieser Iunkers- mcffhine anftaucksn wird.

* Drei Tote hei einem Aukouufall in Bolen. In der Dunkelheit stürzte das Auto eines Warschauer Bankiers namens Rotwund ans bisher unaufge­klärter IMacbe bei Garwolin südlich von Warschau in den Chausseegraben. Die beiden Insas­sen, der polnische ßeqatiou5fefr»tär Baltniki und d»ssen Gemahlin, sowie der Chauffeur sind den erlittenen B-rletzungen erlegen. Hin­gegen ;ft der Besitzer des Wagens mit einer leich­teren B»rwunduna davongekommen. Das Auto ist vollständig?»rtrümmert.

* 300 Millionen Dollar zur Regulierung des Misfisswvi. Präsident C o o l i d g e unterzeichnete einen ^G»setz»ntwurs, der Ausgaben in Höhe von rund 300 Millionen Dollar für die Ausführung von Arbeiten vorsieht, durch die erneute Katastro­phale Ueberschwemmungen des Mississippitales ver­hindert werden sollen.

Donnerstag, 17. Mai 1928.

paner als gegen die Engländer richtet, hat noch andere Ursachen. Japan hatte während des Welt­krieges, 1915, als die Weltmächte gebunden waren, versucht, ganz China mit einem Schlage zu unter­jochen, indem es ihm die Annahme der berüchtigten 21 Schmähforderungen aufzwang. Dieses brutale Vorgehen zeigte ganz unverhüllt die imperialisti­schen Bestrebungen Japans und erregte eine unge­heuere Volkswut, die bis in die tiefsten Schichten des Proletariats hineindrang. Unter dem Drucke Amerikas mußte zwar Japan einer weitgehenden Revision dieser 21 Forderungen zustimmen, aber seine imperialistische Absicht hat es damit nicht be­graben. Sein imperialistisches Ziel schwebt ihm unverrückbar vor Augen, nämlich die volitilche und wirtschaftliche Führung der gelben Rasse. Daoei müssen wir der „K. V" vom 8. Mai recht geben, wenn sie schreibt: „Japan treibt nicht mutwillig imperialistische Expansionspolitik, sondern unter dem bitteren Zwange seines sehr dringlichen Beoöl- kerungsprohlems". Oh Japan seine Zeit für ge­kommen sieht, wieder einmal zu einem entscheiden- den Schlage gegen China auszuholen, muß hie nächste Zeit lehren. Wahrscheinlich ist dies nicht. Vielmehr scheint es die nächste Absicht Japans zu sein, das Vordringen der Südchinesen aüfzuhasten, die Besitzergreifung Pekings zu verhindern und da­mit die "nationale Einigung unmöglich zu machen. Die Zerlv'itterung Chinas lieat in der Qinie der imperialistischen Bestrebungen Japans. Einem ge­einten China gegenüber ist auch Javan macktlos, in einem zerrissenen Lande jedoch kann es sich aus- breiten.

Javans Absicht wird dabei noch gestützt durch den tatsächlich bestehenden Gegensatz zwischen Nord- und Südch'na. Nordchina verhält fick nicht so scharf ablehnend gegen das javanische Vordringen und mürbe sich zwar nicht freubig, aber doch ohne starken Widerstand der japanischen Führung unter­ordnen. Anders Südckina. Aus der nationalen Freiheitsidee und aus der Bewegung für die so­ziale Befreiung und Förderung der wirtschato-ch ärmsten Klaffen der Bauern und Arbeiter, zieht dieses seine stärksten Kräfte in dem Kampf» ttir die Einigung Chinas unter ihrer Fahne. Bisher mußte Nordchina Schritt für Schritt zurückweichen. Stemrm sich Javan der siidchinesffcken Welle ent­gegen, so unterstützt es damit die Anful»ute, b. h. ben japanfreundlichen Teil ber norbchinefiscken Be­völkerung und zugleich die gegensätzliche Einstel­lung des Nordens zum Süden und hält die Wunde im chinesischen Volkskörper offen.

Japans Vorgehen in Schantung ist also in sei­nen wirtschafts- und machtpolitischen Interessen be­gründet. Trotz der widersprechenden Nackri-t-ten über den Scku'digen, ber ..angefangen" bat, ist es telbstverstänblick. daß bie Javaner bie Chinesen in ihrem eigenen ßanbe bebrängen, wenn sie das a>'ch aus einigen Recktstiteln a"s ber Zeit cki"»fsick»r Machtlosigkeit herleiten. Wer in biefem Kampfe ber stärkere ist, liegt außer allem Zweifel. Einem wohlgerüfteten, gut biszivlinierten Heere ber Ja­paner gegenüber ist ein schlechtbewaffneter Hamen Kriegsvolk machtlos. Aber ein javanischer Erfolg kann nur ein momentaner sein. Wir befinben uns nämlich in China fn einem Brennpunkte volit^cker Kraftlinien. Amerika hat bereits schon einmal Ja­van zum Rückzüge gezwungen. Es achtet auch heute noch mit Argnsaugeri barauf, baß es nicht durch irgendeine andere Mackt aus seiner wirt- sckaftlich»n und politischen 6t»Hung verdrängt wird. Amerika markiert nämlich in China den guten Pava. der be’Ieibe das Land nicht ausnützen, sondern ihm nur seine un»igennühig„ wohlwollenbe Fürsorge angedeihen lallen will. Ebenso über­schneiden sich Englands Interessen mit denen Ja­pans. E n „Kuhhandel", nach dem bie interessier­ten Mächte ganz China in Interessensphären auf­teilen würben, ist heute in China nickt mehr mög­lich; er scheitert an bem nationalen Willen ber chi­nesischen Bevölkerung. Einseitige Machtanwen- bung ruft bie anberen Mächte auf den Plan. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist ber neue Streit China-Javan von ernstester B»deutung; er bedeu­tet Kriegsgefahr und mackt Schantung zu einem Kriegsherb. Japan kann sein politisches Ziel der Beherrschung Chmas nur auf bem Wege über einen WeOhranb erreichen. Hat es dazu bie Kraft? Wir muffen es bestreiten. Wie schön wäre es, wenn wir einen machtvollen Völker­bund hätten, bann wäre es möglich, die nationalen Belange der einzelnen Völker zu schützen und dis Gegensätze auszugleichen._____________

Kein fiaus o*nte Su’öaer Setfuna.

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sind für die Davis - Pokalrunde in Deutschland gewählt.

Die chemische Revolution.

Von Hans Felix Rocholl.

Die Erfchbung ber Dampfmaschine bewirkte im Wirtschaftsleben der Völker eine Umwälzung, die bis dahin nicht ihresgleichen gehabt hatte. Weit einfchnei- benber als blase industrielle Revolution ist aber eine anbere, an beren Beginn wir heute stehen und die be­stimmt ist, bas Leben ber uns folgenden Geschlechter von Grund aus umzugestalten. Ihr Urheber ist der Chemiker, ber sich damit beschäftigt, die Elemente, aus hegen sich bas Weltall zufarnmensetzt, zu zerlegen und wieder zusammen zu setzen, um so neue Stoffe und neue Kraftquellen zu gewinnen.

Synthetische Produkte der verschiedensten Art sind niemandem mehr fremd, z. B. bie zahlreichen Farben, bie als Düngemittel benutzten Stickstoffverbindungen, Kunstleber unb Kunstseide. Daneben stehen deu siche Gelehrte tm Begriff, der Welt bas künstliche Gummi unb neue, auf synthetischem Wege gewonnene Brennstoffe zu schenken.

Der größte Umschwung scheint sich in ber Technik anzubahnen. Man hat unsere Zeit bas .Zeikrlter des Stahls" genannt, dessen Herrschaft indes bald zu Ende gehen dürfte. Das hohe Gewicht und die verhältnis­mäßig (eichte Vergänglichkeit, bie man nur burch kost- ipieligen Anstrich aufhalten kann, sinb schwer ins Ge­wicht fallende Nachteile. Man hat berechnet, daß jähr- !ich 29 Millionen Tonnen Stabl nur durch Rost n.-r- loren gehen. Das bedeutet für bie Menschheit nick» mir gen Verlust dieser Unmenge Metall, sondern auf jedes pfunb verrosteten Stahls kommt auch noch die vier- acke Menae Kohle. Jetzt beginnt man das so unzweck- näßiae Metall durch die oerfchiebenftcn Legierungen >u ersetzen, deren etwa 1600 bekannt sind. Viele Mo- vrenteile werden aus Aluminium angefertigt, Ganz- Oetallflugzeuae bestehen aus Duraluminium. und schon

läßt sich der Tag oorausehen, wo Lokomotiven unb Eisenbahnwagen zum überwiegenden Teil aus Leicht­metall-Legierungen angefertigt werden. Möbel, Büro­einrichtungen, Schreibmaschinen werben aus den glei- i chen Stoffen hergestellt.

Dr. Charles L. Parfons, der Sekretär ber „Ameri­kanischen Chemischen Gesellschaft", versicherte vor einiger Zeit, daß die Weltvorräte an Kupfer, Zinn, Zink, Blei unb Antimon in etwa 30 Jahren erschöpft fein würben. Andere Sachverständige rechnen mit noch kürzeren Fristen. Es würde eine Katastrophe ohne­gleichen geben, wenn nicht der Chemiker zu Hilfe käme unb mit seinen Legierungen Ersatz schaffte. Er ent­wirft die Zusammensetzung der Legierungen wie der Techniker die Pläne eines Brückenbaues, stellt fest, wie bie Moleküle zusammengesetzt sein müssen, damit bas gewünschte Metall hart, spröde oder dehnbar wird, so daß der Techniker unb Ingenieur für jeben gewünschten t Zweck bas am besten geeignete Material erhält. Beim Hausbau treten an bie Stelle bes Steines immer mehr Gerüste aus Stahllegierungen mit Verkleibungen aus Zement, Beton ober anberen Stoffen; bas unzerbrech­liche Glas ist fckon heute Tatsache geworden.

Daß die heute aus Wolle ober Baumwolle verfer­tigten Gewebestoffe in absehbarer Zeit burch solche aus künstlichen Faserstoffen ersetzt werden, unterliegt keinem Zweifel. Vielleicht sind diese zunächst nicht so haltbar wie die natürlichen, doch dieser Mangel wird durch eine . größere Billigkeit mehr als ausgeglichen. Jeder weiß, 1 in welchem Maße die Kunstseide in den letzten paar Jahren das Produkt des Seidenwurms verdrängt hat. Synthetische Wolle ist von italienischen Gelehrten im Laboratorium bereits hergestellt, sie ergibt ein Gewebe, das äußerlich dem aus echter Wolle gewonnenen in nichts nachsteht. Die Umwälzungen, die sich hier auf dem Gebiet bes Bekleidunsswesens anbahnen, sind noch gar nicht abzusehen.

Daß ber „synthetisch bekleidete" Mensch auch synthe­tisch gewonnene Speisen genießen wird, ist weiter nicht überraschend, wenn es damit auch z. Zt. noch gute Weile hat. Der Franzose Bertholet sah zwar schon eine Zeit voraus, wo man mit drei Pillen täglich als Nahrung auskommen soll, aber so einfach ist die Sache denn doch nicht. Der ganze Verdauungsapparat des Menschen ist auf eine andere Ernährungsweise einge­stellt. Immerhin sind auch hier bereits bie Anfänge zu einer Neuordnung ber Dinge zu erkennen. Die Herstellung synthetischen Zuckers dürfte ber erste Schritt auf diesem Wege fein. In ber Natur gewinnt die Pflanze unter Einwirkung bes Sonnenlichts Zucker aus Kohlensäure unb Wasserstoff. Diese „Photosynthese" ist vielleicht der wichtigste Prozeß in allem organischen Geschehen. Professor E. C. C. Baly von ber Univer- fität Liverpool ahmt in seinem Laboratorium bas Werk ber Natur nach. Riesige elektrische Lampen vertreten bie Stelle der Sonne. Von ihnen ausgehende ultrawo- lette Strahlen fallen auf Quarzblätter mit in Wasser gelöfter Kohlensäure. Fein zerpulvertes Eisen und Aluminium sind als Katalysatoren beigefügt, bie am eigentlichen chemischen Prozeß nicht teilnehmen, aber seine Abwicklung ermöglichen und erleichtern. Das Er­gebnis ist ein Kohlehydrat, bas sich bei der Analyse als Zucker erweist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wer hier den Beginn einer Zucker- und Stärkeindustrie mit größten Aussichten vor uns haben.

Der nächste Schritt ist bann bie Herstellung von künstlichem Eiweiß unb Protein. Der deutsche Nobel­preisträger Emil Fischer hat mehr als jeder andere Ge­lehrte unserer Zeit zur Aufklärung dieses schwierigsten Problems bes Lebensprozesses beigetragen. Das We-ße tm Ei ober bas Protein im Braten sinb außerordentlich verwickelte Verbindungen von Stickstoff, Kohlenstoff. Wasserstoff, Schwefel und Sauerstoff Fischer gelang es, gewiss» Eiweißverbindunaen zu lerieaen unb aus

den Teilen ähnliche Gebilde wieder aufzubauen. Er gewann bie sogenannten synthetischen Peptone, bie bem natürlichen Eiweiß in vieler Beziehung gleichen. — Doch die Nahrungsstoffe tun es nicht allein, Mit noch so großen Mengen Eiweiß, Zucker, Fett unb Stärke könnte der Mensch nicht leben, wenn die Vitamine fehlen, deren vier bislang bekannt sind. Wenn die künstlich erzeug­ten Nahrungsmittel wirkliche Nahrungsstoffe fein sollen, müssen sie diese Vitamine unb chemische Verbindungen, die sie wirksam werben lasten, enthalten. Wenn heute noch nicht zu übersehen ist, wie sich biefe geheimnis­vollen Stoffe auf künstlichem Wege gewinnen lassen werben, so darf man doch annehmen, daß auch hier der Menschliche Geist fein Ziel erreichen wirb.

Ist es bann erst gelungen, ein Protein zu schaffen, bas in jeder Beziehung dem gleicht, das bie Pflanze in ihrem Samenkorn aufspeichert, so wird man ber Er­kenntnis, wie die unorganiiche Materie Leben erhielt, um einen großen Schritt näher gekommen sein Der Unterschieb zwischen „Belebt" unb „Leblos" hat heute nicht mehr ben gleichen Sinn wie früher, seit wir wiesen, daß Fixsterne, Planeten, Pflanzen, Tiere unb Meirichen alle aus Elektronen bestehen, die um ihre Atomkerne kreisen. Man hat bereits vorgeschlagen, ein Atom als belebt anzusehen, wenn es „erregt" ist, wenn es z. B. Lichtstrahlen ausfenbet. Es ist baher nicht weiter über­raschend, baß englische Physiker L. L. Whyte bie Kon­struktion eines synthetischen lebenden Organismus auf Grund ber Elektronentheorie nur besroegen nicht für möglich Höll, weil ein wesentlicher Faktor, die Zeit, ein für uns Menschen unüberwindliches Hindernis bildet. So schnell die Entstehung einfachster chemischer formen erfolgt, so lange bauert es, , wenn man komplizierte Atomverbindungen schaffen will. Im besten Falle können vielleicht einige sehr niedrige Formen des Lebens ge­wonnen werben, im übrigen aber kommen wir hier auf ein Gebiet, auf bem bie Natur ihre Alleinherrschaft sich nicht wird nehmen lassen.