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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 115

Donnerstag, 17. Mai 1928.

5S.Zahrg

Ire Not der

ist international

Die Beratungen des Wirtschaftsrats zur Förderung -er Landwirtschaft.

t Aus Genf wird gemeldet:

Herabsetzung der

um

tsbeschluß zu

D»'e Parteien und die Inflation.

In Ostvreußen hielt der preußische Minister- »rastdent Brauns eine Wablrede. Er erklärte u. a.: Der Höhepunkt der Inflation sei unter dem oeutschnationalen Reichskanzler Cuno und dem deutschnationalen Reichsbankvräsidenten Haven» stem eingetreten. Das alte Preußen, erklärte her Mlnisterpräsident, das der konservativen Kaste allein die ausschließlich? Gewalt sicherte, ist tot und wird tot bleiben. Und wenn ich wegen meiner Rede auf der Pressa angegriffen worden bin, so erkläre ich, daß ich dieses alte Preußen nicht ge« schmäht habe, sch habe nur darauf hingewiesen, daß das Preußen, das aus den dort ausgestellten Dokumenten spricht, abgelöst wurde durch ein Preußen, in dem die Pressefreiheit besteht. Ich habe als leitender Minister der preußischen Ber- waltung nicht die Verpflichtung, das alte Preußen Ar loben.

ftsrates in der Frage der sätze ein.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlaq der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9 _________Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

wtb. Berlin. 16. Mai. (Eig. Funkm.) Privat« Information* Wie aus der Umaebuna Dr. Strese- manns verlautet, hat der Minister die Nackt aut verbracht. Die Untersuchung durch die Aerrte am heutioen Vormittag hat ergeben, daß Temperatur und Duls normal und daß vor allem in der Funktion d-r Nieren im Vergleich zu ge­stern eine a-wiffe Besserung eingetreten ist Dem­entsprechend bat sich mich die Stimmung des Pa­tienten, d>e für den V-mlauf b-r Krankheit eben» fa^g ynn Bedeutung ist. verändert. Im ganzen läßt sich d»r Befund von h'ute vormittag als eine leickte Bessernng 3ufammenfaffen.

Mit außerordentlichem ’B’hfl’iern iß die Nach- rickt nnn der Erkran^'ma des Reick>-ansiemvinisters Dr. Stresemann in fast samtlfch-n Kreisen Fra nk. reich? g"fgenomm»n worden. Man wünsckt e’ne baldige Wiede-gen-funa. Die Krankheit Bn'ands wird mit der Krankheit Str»femann« in Beziehung gebracht, wie z. B. vom .Ban? her &ie

Berbundenbeit d»r beiden Persönllchkeiten Bnand- Stresemann selbst bis in die Krankh-it feftftellt und die Fortiebung der Analogie auch für die Gene­sung wünscht.

Aus England liegen ähnliche Beileidskund- gebungen vor.

wtb. Berlin, 16 Mai. (Eig. Funkm.) Der Herr Reichspräsident empfing heut? vormittag den Herrn Reichskanzler Dr. Marx.

Die Umschulüurrgs-Mtion.

Man schreibt uns:

Die Beteiligung der Deutschnationalen an der Reichsregierung hat die oft und laut verheißene Gesundung der Landwirtschaft nicht herbeigeführt. Am Ende feiner Ministertätigkeit hat sich darum Herr Schiele, der bisher alles Heil für die Land­wirte in einer erweiterten Zollpolitik suchte, be­wogen gefühlt, die unzufriedenen großargrarischen Parteianhänqer mit Subventionen aus dem Reichs­steuersäckel freundlicher zu stimmen.

Den größten Betrag: 200 Millionen RM., for- ; derte das landwirtschaftliche Notprogramm als Vorschuß für die Zwecke der Umschuldung an. Da­mir sollte eine Umwandlung der kurzfristigen Per­sonalverschuldung, unter deren Druck die landwirt­schaftlichen Betriebe stehen, in Kredite mit nied- rkgen Zinssätzen und mit längerer Laufzeit herbei- gesuhrt werden. Ob sich aber auf dem Wege, den die Reichsregierung eingeschlagen hat, das Ziel ausreichend erreichen lasten wird? Jene in Stus« r!-.MNommenen Beträge sind gegenüber der tat- .acklich umschuldungsbedürftiqen Perfonalverschul-' dnng, di? in die Milliarden geht, ein Tropfen auf ben heißen Stein. Der Vollzug der Umschuldungs- aktion ist in den von der Reichsregierung entwor­fenen Richtlinien so geregelt, daß sie zwangs- laufig zu einer besonderen Hilfeleistung für den • Großgrundbesitz wird, die Röte des Klein­betriebes aber nicht berücksichtigt. Der Kredit sott durch zweitstellige Hypotheken sichergestellt wer­den, setzt also voraus, daß überhaupt ein belei- bungsfahiges Grundbuch vorhanden :ft. Das ist aber beim Kleinbesitz regelmäßig nicht der Fall. Gerade der Kleinbesitz, besonders in den bauen lieben Gebieten, ist vielfach derart zersvüriert, daß eine grundbnchmäßige Beleihung des Besitzes aus» a?frf)[offen ist. Es sind Fälle bekannt, <n denen Millionen-Befraae aus den Amerika-Anleihen der Rentenbank-Kreditanftalt in Gegenden bäuerlichen Besitzes aus diesen Gründen trotz dringender Kre­ditnot einfach nicht untergebracht werben konnten. Derartige Schwierigkeiten müssen sich bei einer zweitrangigen Beleihung, wie sie die Umlchul- Lungsafhon vorsiebt, in verstärktem Maße bemerk- bar machen Praktisch wird so die Umfchurbuna3= anton eine finanzielle Erleichterung in erüer Li- nie für den Großgrundbesitz herbeiführen.

Aus dieser Erkenntnis heraus hat die Preußische Regrerung neben der Umschuldungsaktion mit al- ler Entschiedenheit Maßnahmen gefordert, die auf eine Entlastung des Kleinbesitzer hln- dranaen. Der landwirtschaftliche PersonaUr?dit,

Vie Kechtunq -es Krieges.

Das englische Oberhaus für den Vorschlag kelloggs.

Im englischen Oberhaus brachte Lord Reading eine Entschließung ein, in der zum Ausdruck ge» bracht wird, daß das Haug die Vorschläge der amerikanischen Regierung für den Verzicht auf Krieg begrüßt nud dafür eintreten wird, daß die britische Regierung sich zur Annahme des in den vorgeschlaoenen Verträgen entbalt-n-n Grundsatzes bereit erklärt. Die Resolution Lord Readings wurde einstimmig angenommen.

insbesondere des Kleinbesitzes, ist zum überwiegen­den Teile von den Genossenschaften gewährt. Die Finanzierung der Genossenschaften erfolgt durch die Preußische Zentralgenossenschaftskasse, diese aber ist mit unverhältnismäßig hohen Rückzahlungsver­pflichtungen belastet. Der Zwang dieser Rückzah­lungsverpflichtungen wirkt auf die Genossenschaften und damit auf den letzten Kreditnehmer zurück, und ruft letzten Endes den Druck der kurzfristigen Verschuldung und die Beunruhigung des länd­lichen Personalkredites hervor. Eine Hilfe, die die Verschuldungslage der Landwirtschaft wirksam er­leichtert, muß daher von einer Neuregelung der genossenschaftlichen Verschuldung ihren Ausgang nehmen, indem man die Laufzeit der genossen­schaftlichen Kredite der Zahlungskraft der genos- senschaftlichen Kreditnehmer anpaßt, also die Schul­den langfristig macht. Eine Konsolidierung der der Preußischen Zentralgenossenschaftskaste obliegenden Rückzahlungsverpflichtungen würde ihr die Bewe­gungsfreiheit zurückgeben, die es ihr und damit den Genossenschaften selbst ermöglicht, den Landwirt vom Druck der kurzfristigen Verschuldung zu be­freien. Mit dieser „Internen Umschuldung", wie sie besonders von dem neuen Präsidenten der Preußenkasse angeregt worden ist, wird ein mehr- fach größeres Kreditvolumen erfaßt als auf dem Wege der Umschuldungsaktion. Der Slufbau eines neuen, kostspieligen, bürokratischen Kreditapvara- tes wird vermieden. Die finanzielle Entlastung tritt nicht, nach langwierigen Verhandlungen mit den beteiligten Gläubigem oder nach Beseitigung grundbuckmäßiger Schwierigkeiten, sondern sofort ein. Die Hilfe kommt infolge des stärkeren ge­nossenschaftlichen Zusammenhaltes dem Kleinbesitz bevorzugt zugute. Es brauchen nicht neue Mittel vom Auslande hereingeholt zu werden, die Be­lastung der Allgemeinheit durch Vorschüsse und Bürgschaft des Staates wird vermieden.

Von der Absicht geleitet, die Interessen der bäuerlichen Landwirtschaft im Rahmen des land­wirtschaftlichen Notprogramms zu wahren, hat da­her Preußen an die Reichsregierung das Ersuchen gerichtet, die zur Konsolidierung des genossenschast» lichen Personalkredites erforderlichen Maßnahmen beschleunigt in die Wege zu leiten. Die Durch­führung der Pr-ußischen Anregungen bereitet, bei einigem guten Willen, keine Schwierigkeiten. Ein Teil der für die „Interne Umschuldung" in Frage kommenden Kredite — über 100 Millionen — stammt vom Reich. Das Reich braucht also nur den Rückzahlungstermin dieser Gelder entsprechend hinauszuschieben. Im übrigen kommt es weit- aehend auf die Entschließung der Rentenbank-Kre- ditanstalt an. Ihrer großagrarischen Einstellung I entsprechend ist ihre Tätigkeit bislang vorwiegend I dem Großgrundbesitz zugute gekommen. I Umsomehr muß gefordert werden, daß die Renten- I bank-Kreditavstalt, die ihre Mittel den Grund- fckuldzinsen der gesamten Landwirtschaft verdankt, I sich nicht aus politischer Abneigung gegen Preußen I und aus Konknrrenzgesi'hlen gegenüber der Preu- I ßenkasse der Einsicht in die Notwendigkeit der vor« I g°scklagenen Maßnahmen verschließt. Auf die Ent- I scheid',ng der Rentenbank-Kr»d'tanstalt aber hat I das Reich maßgebenden Einfluß.

Dafür, daß dieser in der richtigen Weise aus- I geübt wird, ist die Zusammensetzung der Reichs- I regierung entscheidend. Sache der bäuerlichen Wähler wird es sein, eine Reichsregierung zu er- I möglichen, die nickt mehr vom Einfluß groß- I agrarischer Parteien und Cliguen beherrscht I wird. Dann wird auch da? Reicksernährungs- I Ministerium sich aus einem Ableger des Reichs- ' a n t) b u n ti e 5 vielleicht wieder in eine den In­teressen der Allgemeinheit dienende Behörde zu­rückverwandeln Dann wird es möglich sein, auch im Reich eine von Partei- und Klasseninteresse frei? Acrarvolitik zu treiben.

Dom Krankensaoer Strefemanns.

Da Dr. Stresemann durch seine Krankheit län­gere Zeit ans Bett gefesselt ist. wird, wie das „B. .." erfährt, Staatssekretär v. Schubert, der in den nächsten Tagen von seinem Erholungsurlaub im Weißen Hirsch bei Dresden zurückkehrt, die Ge­schäfte im Außenministerium vertretungsweise übernehmen.

Ueber die Erkrankung des Reichsministers des Auswärtigen Dr. Stresemann ist Dienstag abend von den behandelnden Aerzten folgende Mittei­lung ergangen:

„3m Befinden des Reichsaußenministers Dr. Stresemann ist insofern eine Veränderung einge» treten, als die Magen- und Darmerscheinungen sich gebessert haben. Jnbffsen hält die Störung der Nierentätigkeit an. Abendtemveratur 37,6, Puls 80. Der Charakter der Erkrankung muß 'ich heute noch als ernst anaeseben werden g»z. Bros. Dr. H. Zondeck, San. Rat Dr. Gisevius, Dr. Schulmann."

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. Die Kabmettssitzung wird voraussichtlich eine Der letzten der gegenwärtigen Regierung sein. Man rechnet damit, daß etwa am Dienstag nächster Woche, wenn das vorläufige Wahlresultat fest­steht, das Kabinett abermals zusammentritt, dann den formellen Rücktrittsbeschluf fassen. [

Die letzten Kab?nett8sitzunoen.

Das Reichskabinett wird am Mittwoch unter dem Vorsitz des R-ickskan'le''s zu einer Sstmng ’ufammentreten, in der in erster Sinne eine Stel- l l'mgnabme zu den bekannten Anträgen der Reichsbabnaefellsckaft über eine Tarifer­höhung der Reichsbahn gefunden werden sott. Die Blätter vermuten, daß das Kabinest «u einer arundfätzlichen Ablehnung der Anträge der Reichsbahn gegangen wird, wie dies auch den Aeußerunaen enttvrechen würde, die der Reichs- verkebrsminister schm kurz vor der Auf­lösung des Reickstages h dieser Frage im Pl-mum des Parlamentes ah^ege'en hat. Die Reichsbahn- geselttckaft hat die Möglichkeit, aufgrund des § 44 des Reichsb-cknaesetzes gegen dm ablehnenden Be­schluß der Reichsregiemng Einspruch zu erheben, bei dem Reicksbahngerickt. Dieses Gericht das Bet dem Retcksaericht gebildet ist, besteht aus dem Vorsitzenden und je einem Beisitzer derRefchs- babn und der Reichsregterung. Wenn das Reichs- b^uaericht sich der Auffassung des Re-chskah-netts fÄSaÄr?r‘L «^noefelWft letz-

sch-edsrichterliche Entscheidung an- "*f***- Der Schiedsrichter ist von dem Präsiden- ten des Internationalen Gerichtshofes zu ernen­nen. Er sott neutrale Staatsangehörigkeit be- N8en.

Marx wieder in Berlin.

wtb. Berlin, 16. Mai. (Eig. Funkm.). Der Reichskanzler und Frau Marx trafen heute früh tn Begleitung des Staatssekretärs in der Reichs­kanzlei Dr. Pünder mit dem fahrplanmäßigen Zug aus der Schweiz auf dem Anhalter Bahn- hof in Berlin ein. Zum Empfang des Reichs­kanzlers, der außerordentlich erholt aussah, hatten sich auf dem Bahnhof außer dem Sohn des Reichs­kanzlerpaares der Reichspressechef Dr. Zechlin der Ministerialdirektor in der Reichskanzlei Dr. von Hagenow sowie einige Herren der Reichskanzlei und des Auswärtigen Amtes eingefunden.

Aus Moskau wird gemeldet: Ein dem Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten nahestehender „Zeitgenosse" erklärt in der Wo­chenübersicht der „Jswestija", die Sowjetunion würde das Ausbleiben einer Aufforderung zum Beitritt zu Kelloggs Anti-Krieasvorschlag genau so als eine gegen sie gerichtete Aktion ansehen, wie die Bildung eines Antikriegsblockes ohne Ruß­land. Obgleich der Vorschlag Kelloggs ausschließ­lich eine moralische und nicht eine materielle Be­deutung habe, würde die Sowjetunion einen Vor­schlag zum Beitritt erwägen.

Die große Entscheidung.

Der Volksstaat hat dem Zwanzigjährigen das Recht zu wählen gegeben. Wahlrecht verlangt An­teilnahme am politischen und sozialen Leben seines Volkes, verlangt klare Entscheidung am Tag her Wahl. Von ihr hängt für 4 Jahre die Zusammen­setzung von Parlament und Regierung ab. Das ist das Wesen unseres Volksstaätes, daß sich auf der Stimmabgabe jedes einzelnen Wählers die ge­samte deutsche Politik aufbaut.

Viele aus der Jugend wollen von Politik nichts wissen. Sie sind gleichgültig. Es sind Spießbür­ger schon mit jungen Jahren. Es gilt, diese zum 20. Mai wachzurufen, im Verein, im Verband, auf dem Sportplatz. Wer au« Beguemlichkeit ober aus Teilnahmslosigkeit den Wahlen fern bleibt, zeigt damit, daß er des Wahlrechtes unwürdig ist, eines Rechtes, um das unsere Väter so he'ß gekämpft haben. Und wer die Losung Wahlewhaltuna aus- aibt, offenbart Mangel an Entscheidungskraft. Wahlenthaltung ist Flucht, ist Schwäche.

M«hr als 30 Parteien werben um die Stimme des Volkes. Für deutsche Jugend kommen von diesen alle jene nicht in Frage, die das wirtschaft» siche Stanbesintereffe, ben nagten Stande>eaois» mus in den Dorbergrunb stellen. Uns ist Pctt- sik mehr als Sorge um ben Geldbeutel, uns ist Politik Sorge um unser ganzes Volk, um den Staat. So lehnen wir Standesvarteien jeglicher entschieden ab. Ans Standesvarteien werden Klassenparteien. Wir aber wollen Zusammcn- wachsen und keine Trennung unseres Volkes in neu- Klaffen.

Wir lehnen auch ben politischen Radikalismus ab. Nicht bie politische Entschiedenheit, sondern jenen Radikalismus, der unreif sich mehr in Wn- ten und Phrasen auswirkt, als durch nerantroor- tunosbewußte Mitarbeit.

Wir stehen auch in Gegensatz zu ben Christlich- Sozialen. Diese neue Christlich-Soziale Reichs­partei ist eine politisch gegnerische Partei. Die Windthorstbunde beschäftige" sich nicht zum ersten Male mit dem politischen Wollen der katholischen Jugendbewegung. Alle unsere Tagungen waren so weit gespannt, daß mir nicht zu denen gezählt werden können, die achtlos an den Lebensfragen unseres Volkes vorübergehen. Wir anerkennen das Bestreben, nnm Weltanfcka"lichen das Leben, die Politik, die Wirtschaft zu s ben, sind überzeugt von der Bedeutung der Friedens-, Wohnungs- und Siedlungsfrage für unser Volk und untere Zeit. Den Weg emer neuen Darteigründung aber lehnen wir ab. Wir halten ihn für einen volsti» fchen Irrweg. W-r glauben, daß es richtig ist. unsere Kräfte im Rahmen der Zentrumspartei einzusetzen. Wahlen nerlanggn klare Entscheidun­gen. Das liegt im Wesen der Wahl. Wenn wir uns so von manchen, die mit uns politisch bisher arbeiteten, trennen und uns eindeutig und ent«’ schieden gegen die Christlich-Soziale Reichsvartei wenden miffsen, fo geben wir damit die fin'fnung nicht auf, daß das Verantwortli-hkeitsgefühl oor unserem Volke die Ernsten und Strebenden aus der kathosischen Jugend demnächst auch politisch wieder mit uns zusammen führt.

Die Windthorstbunde haben jetzt während her Wghlz»it ihre volitffcke Bildungsarbeit, ihre Kurse imd Schulung«n>ocken unterbrochen und sich in den Wabldieust aestsllt. Jeher tue Hne Pfsickt, hort, mo bie Partei ihn ruft. Wir erstreben eine starke ^Htfumspartei im Reichstag und in den n-uen Ländemarlamenten. Wir wissen nm die Arbeit, die das Zentrnw für ben Neuaufbau des Volkes und Reichs geleistet hat.

Darum lautet untere Losung:

Keine Wabsenthaltung!

Ruft die Säumigen und Schwankenden auff

Für eine starke und lebendige 3entrum«partel! Der Reichsverband der Deutschen Windthorstbunbe.

* Ausstellung „Die technische Stadt" in Dres- den. (Erg. Funkm.). Die im Rahmen „Jahres­schau deutscher Arbeit" stattfindenbe Ausstellung „Die technische Stabt" wurde am M'/twoch in Dresden feierlich eröffnet. Staatssekretär des Reichsarbeltsmmisteriums, Dr. Geib, überbrachte die Grüße der Reichsreaiemng.

Cbma und Amerika.

..wtb. Paris, 16. Mai. (Eig. Funkm.). Der frühere A"ßenminister der Nanking-Regierung. Dr. Wu der sich seit einiger Zeit in Paris aufhielt, bat sich gestern nach den VereinigtenStaa» ten emgeschifft, wo er mit der amerikanischen Re­gierung wegen der Lage in China verhandeln soll. Dr. Wu ist, wie die hiesigen amerikanischen Blät- ter berichten, zum diplomatischen Vertreterder südchinesischen Regierung in Washing­ton emsersehen.

Das Kriegsministerium in Tokio hat ben Ober» kommandierenden der japanischen Streitkräfte in Tsinanfu, General Fududa, angewiesen, der süd- chinesischen Regierung folgende Fordemngen zu unterbreiten:

1. Formelle Entschuldigung' des Generals Tchiangkaffchek wegen der Zwischenfälle in Tsinan- fu. /. Bestrafung des Generals Hoyaotsu und der übrigen für die Vorfälle verantwortlichen Ofsi- zrere. 3. Einstellung der Feindseligkeiten, der Pro­paganda und kriegerischen Betätigung m einem Um- kreis von 20 chinesischen Meilen um Tsinanfu, Tientsin und die Efsenbahnstrecke von Schantung.

Der chinesische Diplomat, der mit EeneralFuku- da verhandeln wird, sott nachweisen, daß er von General Dchiangkaischek akkreditiert fft. General Fukuda hat gleichfalls Anweisung erhalten, die chinesischen Gefangenen freizulassen, jedoch ihre Waffen bis zum Abschluß eines befriedigenden Abkommens einzubehalten.

Der japanische Generalkonsul, der aus Tsinanfu in Schanghai einaetroffen ist, meldet, die Japaner hätten seit dem 3. Mai 1040 Leichen chinesischer Soldaten bestattet. Man glaubt, daß die Chinesen Wi mindestens weitere 1000 Leichen bestatteten

Demokratische Erkenntn'sse!

- einem Artikel der „Vossischen Zeitung" ließ sich vor kurzem der demokratische Abgeordnete E r k e l e n z wie folgt aus:

. ' DomDezembec 1924 bis heute hat das Reich Dank der Politik, die mir geführt haben, an innerer Festiauna Uiid äußerer Acktung wesentlich gewannen. Die abae- tchtossene Stabilisierung der Mark, die Entpolitisierung der Reparationsverp'lichtung durch den Dawesplan fct'e -belremna der ersten Zone des besetzten R .-inlandes waren große Schritte auf dem Wege der eubgültigen Freimachung Deutschlands. Die deut'che Wirtschaft hat seit drei Jahren wesentliche Forstch'-itte gemacht in der Verbesserung der Betriebe, in der Steigerung der Pro­duktivität. Der dritte deutsche Reichstag war das Par­lament des Wiederaufbaues!"

Das sind doch recht interessante Bekenntnisse und Erkeimtnisse. Wenn Erkelenz von der Poli­tik spricht, die „w i r" geführt haben, so dachte er wohl nicht an die Politik der demokratttchm Partei, sondern an jene der zur Verantwor­tung berufen gewesenen Reichstaas- Parteien. Diese letzteren haben unter der väh- renden und ofe entscheibenden Mitwirkung des Zentrums ben deutschen Wiederaufbau in die Wege geleitet, während die demokratische Partei im Reichstage zeitweise sogar zum Mittel der Etats- ablehnung gegriffen hat. was bestimmt nicht zur deutschen Wiederaufbauarbeit gepaßt hat. Das Lob des Abgeordneten Erkelenz auf den Reichstag bebeutet baher eine Verurteilung seiner eigenen ifraktionspolitik unb es ist zugleich eine Anerken- nuna für die fachliche Arbeit des Zentrums.

Im weiteren Verlauf der allgemeinen Aus­sprache des Wirtschaftsrates des Völkerbundes er­klärte der schwedische Generalpostmeister Demo, daß in zahlreichen Ländern die Preise für in­dustrielle Erzeugnisse zu hoch seien im Der- hältms zu den Preisen für landwirtschaft- liehe Erzeugnisse. Der Vertreter der Amsterdamer Gewerkschaftszentrale, Dubegeeft, der die Kre­il ith ilse für die Landwirtschaft als sehr dringlich bezeichnete, brachte im Namen der Ge­werkschaftsführer Miller, Jouhaux und Pugh einen Antrag ein, wonach vom Völkerbundsrat ein Fach- männerausschuß eingesetzt werden soll, der mit den Regierungen die Möglichkeiten zur Intenst- Vierung der Landwirtschaft beratenjoH. Der Führer des Schweizerischen Bauernbundes, Professor Laur, wandte sich gegen den unbeschränk­ten Freihandel, verlangte aber andererseits von der Landwirtschaft atte Anstrengungen zur Ratio- naltfierung unb Hebung ihrer Probuktion. Schließ­lich trat Jouhaux für eine entschiedene Stettung- nechme des Wirtschastsrates in der Frage der