JVo 112.
Sonntag, ven 13. Mai 1928.
Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
*-$■* Druck der Fuldaer Acttendruckerei, Fulda
Die vonez-5lffäre.
Weitere Einzelheiten aus der Anklageschrift.
In der Anklageschrift gegen die Angeklagten des bevorstehenden Schachty-Prozesses in Moskau wird weiter die Rolle der deutschen Ingenieure und Techniker bei Uebergabe von Maschinen als eigenartig bezeichnet. Deutsche Firmen hätten in Gestalt von Prozenten für die getätigten Bestellungen Zahlungen geleistet und das Geld durch Ingenieure und Monteure, welche die Firmen vertraten und zur Aufstellung und Montage der Maschinen in die Sowjetunion kamen, übersandt. Arbeiter hätten bekundet, daß gegenrevolutionäre Bestrebungen durch Z e r st ö- rung des Mechanismus der Steinkoh- lenindustrie beabsichtigt gewesen seien. Die Firma Knapp habe im Jahre 1926 durch Vermittelung des Ingenieurs Köster zwei Maschinen geliefert, die als untauglich erschienen und nach zwei bis drei Monaten in einem anderen Schacht übergeführt worden seien, wo sie gleichfalls ungenügend gearbeitet hätten. Der Angeklagte Nikisch- kin habedie Aufstellung der Maschinen verweigern wollen, doch habe Badstieber gesagt, Nikischkin sei ein schlechter Fachmann. Badstieber habe dann den Schachtleiter Gawrjuschenko zur Aufstellung der Maschinen bestimmt. Badstieber habe ferner bekundet, daß Köster durch Beftechuyg die Ernennung einer neuen Prüfungskommission erreicht Habe, die die Maschinen für tauglich befand. Der Schachtleiter habe etwa lOOORubel Bestechungsgelder, ein anderer 25üO Rubel erhalten.
. Am Schluß der Anklageschrift wird als Leiter des Moskauer Organisationszentrums, S c o r u t to bezeichnet, der jedoch jede Schuld abstreitet. Sco- rutto soll gemeinsam mit Matoff und Bratanowski, die vollständig geständig seien, mit französischen Etlichen Organen und dem polnischen Kriegsminl- sterium in Verbindung gestanden und von ihnen erhebliche Summen -erhalten haben. In Paris sei eine Verbindung mit dem dort abgehaltenen Kongreß südrussischer Bergindustrieller angekimpft worden. Gleichzeitig hätten Beziehungen politischer Natur mit der Gesellschaft der Gläubiger des ehemaligen russischen Staates bestanden.
Von den 53 Angeklagten bekennen sich 19 uneingeschränkt, 10, darunter Badstieber, teilweise für schuldig, die übrigen, darunter Otto und Mayer, bestritten jede Schuld. Die Anklage stützt sich im wesentlichen auf die Bekundung Matoffs, Bran- tanowskis und Kasarinoffs. Wie verlautet, soll der Beginn des Prozesses um einige Tage verschoben werden. Kafarinoff soll auch behauptet haben, daß die gegenrevolutionäre Organisation in Amerika MaschinLN ohne Ersatzteile beftellS habe.
Ungerechte vorwürfe gegen die Siemens-Werke.
Zu den Meldungen russischer Blätter, daß die Siemens-Bauunion und die Siemens-Schuckert- Werke Bestechungsgelder an russische Beamte und Angestellte gegeben und ihre Hand geboten hätten, Maschinen und Anlagen untauglich zu machen, non der Siemens-Firma mitaeteilt, daß eine ,olche Anschuldigung jeder Grundlage entbehrt.
* Reichskanzler Dr. Marx in Thun. Reichskanzler Dr. Marx ist in Begleitung seiner Gattin von Brissage kommend im Hotel Baumgarten in Thun zu einem achttägigen Kuraufenthalt abgestiegen.
* Der neue deutsche Ozean-Flug geregelt. Wie die Blätter berichten, sind nunmehr alle auf den Ozeanflug Ru d o l st a d t - N e w Po r k bezüglichen Verträge abgeschlossen. Erster Pilot ist R i st i c s, als Navigator reist mit v. Bentheim, als Journalist Walter Heuer. Ristcz wird die Route Zürich- Lissabon-Azoren-New Pork wählen. Die Maschine kann frühestens in acht Tagen in Rudolstadt ein» treffen. e
* Streik bei der „Deutschen Tageszeitung" und „Kreuzzeitung". Das technische Personal der „Deutschen Tageszeitung" und „Kreuzzeitung" ist im Zusammenhang mit den Lohndifferenzen im Buchdruckergewerbe mit Ausnahme der Maschinensetzer am Freitag in den Ausstand getreten, sodaß die „Deutsche Tageszeitung" sowie die in demselben Verlage hergestellten Blätter „Kreuzzeitung" und „Berliner Blatt" nicht erscheinen können.
Wiesbadener Maitage.
Der traditionell schöne Mai Wiesbadens ist wieder gekommen, hat seine Kastinienkerzen aufgesteckt, Parks und Gärten in ein Meer buntbrennender Blumen getaucht, aus dem die Hotels zu Ehren ihrer Gäste Fahnen flattern lassen. Wiesbaden hat sich in diesem Jahr ganz besonders angestrengt, um die Tradition der Vorkriegsjahre durch verschiedenartigste Anziehungspunkte zu erneuern . Und wenn auch der „beste Kurgast", wie er sich selbst bezeichnete, fehlt, Wilhelm II., dessen Person und der um ihn funkelnde Prunk, das farbenprächtige Schauspiel der Paraden Tausende anzuziehen pflegte, wenn er hier Hof hielt, so ist doch das heute Gebotene nicht minder wertvoll. Die althergebrachten Maifeft- spiele im Stadttheater,die durch die Anwesenheit des Kultusministers Dr. Becker eigene Bedeutung erhielten, da hier auf noch besetztem Boden wohl erstmalig ein Minister als Nachfolgehausherr des Opernhauses sich dem Publikum präsentierte, Festkonzerte und Bälle im Kurhause sind der gesellschaflliche Rahmen, der die Besucher der Maifestwoche zusammenführt. Ein sehr elegantes Tanzturnier leitete die Saison ein. Das von der Kurverwaltung und dem Wiesbadener „Tennis und Hockey Club" veranstaltete großzügige internationale Tennisturnier auf einer neuen, mustergültigen Platzanlage, wie sie in Deutschland vielleicht einzigartig dasteht, im Nerotal, eingebettet zwischen kühlen Waldmauern, war Treffpunkt aller Fremden, und ließ deutlich erkennen, daß Wiesbaden auf dem besten Weg ist, die führende Rolle der deutschen Bäder wieder zu übernehmen.
Neben diesen Veranstaltungen gesellschaftlicher Natur wartet Wiesbaden dieses Jahr mit einer Ausstellung besonderer Art auf, wie sie an Reichhaltigkeit und Schönheit noch kaum geboten wurde, „das deutsche Parze l l a n", veranstaltet vom Reichsverband deutscher Spezialgeschäfte unter reichster Beschickung durch die erzeugende Industrie.
Daß gerade Wiesbaden als Ausstellungsort gewählt wurde, war eine glückliche Idee. Als Treffpunkt und Boden für Erholung und Entspannung, für frohen Genuß, ist es dazu wie geschaffen, dem eleganten und spielerischsten aller Gewerbe eine Stätte zu schassen, auf der sich seine Erzeugnisse dem nicht von der Unrast geplag- I
Rund um die Woche.
Mutter und Kind. — Christliche Lebenskunst. — Pferde und Menschen. — Der Mond in Erwartung des Raketenschiffes.
In den Zug steigt eine junge Frau. Ihr Kindlein reicht sie wie ein Köfferchen einem Herrn, der sich galant, wie wir Männer sind, der Kleinigkeit annimmt. Ein wenig unwillig schauen die übrigen von ihrer Zeitung oder ihrem Magazin auf, meist Zigarrenraucher, die etwas erbost sind, daß das zarte Geschlecht sich mit Vorliebe gerade in die Raucherabteile setzt. Dann kann solch ein Baby auch allerlei anrichten . . . Aber dieses scheint brav und wohlerzogen, weshalb man sich denn bald beruhigt. Dann aber beginnt das Kleine seinen Nachbarn, einen würdigen Reisenden, der doch etwas vom Humoristen an sich'hat, am Ohr zu nehmen. Der las wohl eben die große Stresemann- rede von Heidelberg und war für eine kleine Unterbrechung dankbar. Sogleich begann ein freundliches Gespiel zwischen dem Baby und dem Graukopf. Er war wirklich erfinderisch. Er blies ein Tütchen auf und ließ es unter scharfem Knall platzen. Das Kleine triumphierte. Dann beginnt es mit dem Kneifer. Einmal mutig geworden, reißt Baby alles an sich, was nur eben zu haben ist, so wie der Staat, wenn er Steuern braucht. Alle Taschen werden untersucht, alles in die Hand genommen und zu Boden gefeuert: Die Zeitung mit der Stresemannrede, Zigarren, Messerchen usw. Es war einfach königlich. Und da man galant fein wollte, und da man es der jungen Frau nicht überlassen konnte, die Dinge wieder aufzuheben, so war bald das ganze Abteil mobil, dem unmündigen König zu dienen. Er nahm alles an, um es sofort wieder auf den Boden zu werfen. Nun sind schon alle gebannt in den Anblick dieses Schauspiels. Weder der Bauernstand in Rumänien, noch das Harakiri des japanischen Generals, noch die Wiederholung der Wahlkampfreden — was übrigens verzeihlich — noch das neue Erdbeben in der Türkei, noch die holländischen Moorbrände, noch die Scheiben schießenden Amazonen Mussoliniens, nach Aman Ullah am Grabe Lenins, nicht einmal der Eolmarer Prozeß, die Lügenberichte Försters über den Vatikan, nichts, rein gar nichts, selbst der redende Stresemann nicht und die eleganten Damen des Magazins waren imstande, das Auge aller dieser Menschen von dem entzückenden Baby abzulenken. Jetzt setzt der Graukopf fein Kneiferfutteral auf die Nasenspitze, was eine wundervoll drollige Figur macht. Baby reißt es herunter und wirft es dem Uebrigen nach, worauf ein Fräulein sich bückt, um es mit jenem weiblich-wissenden Lächeln dem Kinde zurückzureichen, das den Männern erklärt, daß sie von Baby eben doch nichts verstehen und daß sie dem tiefen Geheimnis des Lebens gegenüber doch immer dumme Kinder bleiben, die dergleichen den Frauen überlasten sollten. Baby aber macht sich nun auf die Beine und reißt jedem weg, was er hat. Es lohnt sich schon nicht mehr: Alles liegt bald auf dem Boden, Zeitung, Futteral und Magazin und sogar die Stresemannrede. Baby aber besteigt nun als absoluter Herr der Lage den mütterlichen Thron, als beginne jetzt die tausendjährige Herrschaft des goldenen Knaben. Und wie sie nun alle, plötzlich verstummend und beinahe ehrfürchtig Mutter und Kind betrachteten, da wurde mir ganz feierlich zu Mute. In der Tat: Das Kind ist der König der Welt, gehört ihm doch die Zukunft und wird es doch leben wenn alle ringsum gestorben find. Und die Mutter, das ist fein Thron. Und wie nun die Abendftrahlen schräg ins Abteil fielen und die bei» den Köpfe vergoldeten, die junge Mutter und das reizende Kind, gibt es wohl Schöneres auf Erden und mußte man nicht denken an Schillers Gruß an die „Mutter mit ihren Söhnen", und schwang sich nicht das Sinnen unmittelbar hinauf zu jenem Bilde, was unser Dichter eben auch gemeint, als er in seiner Weise unserer Maienkönigin die Huldigung darbrachte. Durch Feld und Au raste der Zug, und es war Baumblüte ringsum, ja es war ein Mai, wie wir sie selten so schön erlebt haben. Bis zu den Sternen aber schwebte leise die Melodie:
Mit der Mutter und ihren Söhnen
Krönt sich die herrlich vollendete Welt . . .
Warum ich das erzähle in diefer Zeit, wo es doch notwendig ist, die Menschen an Wichtigeres zu erinnern, vor allem, daß sie an die Wahlurne gehen und ihre staatsbürgerliche Pflicht erfüllen sollen? Ja, warum? Weil man es nicht oft genug hören kann, daß man nicht im Leben untergehen soll und sich nicht vergewaltigen lassen darf durch noch so viel Sorgen und Geschäfte. Immer muß man sich den Blick für das Ewige bewahren, was man nicht bloß in den Sternen, wo die letzte Erfüllung wartet, nein, auch schon in dieser Welt, meinetwegen im Eisenbahnabteil im Anblick von Mutter und Kind. War es denn unrecht, wenn ich selber furchtbar lachen mußte, als jener Graukopf unter anderm ein Muh aus feinem menschlichen Munde hervorgehen ließ, als käme es von einer richtigen Kuh, so stallwarm und so echt war es? War das unecht? Ist das Christentum nicht dafür da, uns etwas Kindersinn zu erhalten? Da schreibt mir jemand, den ich vor einiger Zeit getröstet habe, da ihm schweres Leid von Gott gesandt war. Es handelt sich um Armut, die ich nicht lindern konnte, bin ich doch kein Generaldirektor der Vereinigten Farbwerke. „Am liebsten", so hatte ich geschrieben, „schickte ich Ihnen eine ganze Million, wenn ich sie hätte!" Und was antwortet das Menschenkind? Es schreibt wörllich: „Es wird mir gerade so zugeschnitten, daß es eben und eben gerade reicht, diese Lebensweste aber sagt mir zu, und ich bin durchaus daran gewöhnt. Es hält meine Neugierde wach, wenn ich nicht genau weiß, wovon ich den nächsten Monat leben werde . . . Mit einer Million . . . tausend Dank, als hätte ich sie bekommen . . . aber mit Hundert Mark fange ich bereits an, mich unsicher zu fühlen Wo bleibt da die Vorsehung, lieber Gott. Meine Schwalben, die bei mir unterm Dach wohnen, bekommen auch alles in Raten. Nur war ich in diesen Tagen etwas großartig und habe ihnen aus meinem Kopfkissen ziemlich viel Federn abgelassen wegen dem Nestbau, damit möglichst viel Betrieb ist. . . Jetzt habe ich die ganze Vogelversammlung an meinem Fensterchen. Ich habe auch ein kleines Stück Feld gepachtet. Da habe ich Blumen gesät und auch etwas Gemüse, alles ein wenig durcheinander, damit zwischen den Kartoffeln ein paar Sonnenblumen stehn. Die Rosen, die wir voriges Jahr gesetzt haben, sind jetzt auf dem Grab und fangen zu blühen an über die geschlossenen Augen hinweg . . Könnte wohl St. Franziskus mir einen schönen Brief schicken? Sonnenblumen zwischen den Kartoffeln, das ist viel wichtiger, als man glaubt.
Bei dieser Methode, das Leben zu sehen, gehen einem die Augen auf für alles Menschliche. Fahr ich da neulich mti der Elektrischen erst an ein paar Baracken vorbei und dann an einem großen roten Hause, das schön gebaut war. Unten standen die Wagen und Autos und im ersten Stock hatten die Pferde ihren Raum. „Nanu", sage ich zum Schaffner, „stt das aber komisch, warum stellt man die Pferde nicht in die Baracken und läßt den Menschen die Steinwohnung?" . . . „Ja, so meint er, das ist einmal heute so. Die Pferde gehen doch den Menschen vor! Das ist doch selbstverständlich." Das war kein Kommunist, der es sagte, sondern ein einfacher Mensch. Darum geht es immer zuerst, und wenn jene, d«e Menschen zu regieren haben, auch den Blick des Menschen für den Menschen besitzen, dann würde alles bald gut und wir alle wären zufrieden.
lieber die andern Ereignisse das nächste Mal. Jetzt habe ich auf dem Monde viel zu tun, bin ich doch in Erwartung des ersten Raketenschiffes. Vertraulich hat mir Herr Raab mitgeteilt, daß ich der erste wäre, dem er einen Besuch machen wolle. Da es hier keine Menschen gibt, werde ich alle Mondkälber zum Empfang bereit stellen, und reicht hier oben nicht die Zahl, so lasse ich von der Erde einige mittommen . . . Die brüllen noch mehr, als ganz Amerika ...
Der Mann im Monde.
ten Beschauer barbieten können. Hier h a t man die Zeit und Muße, deren man bedarf, um die gehäuften Schönheiten und Kostbarkeiten zu genießen. In den von virtuos gestaltender Künstlerhand verwandelten Räumen des altnassauischen „Paulinenschlößchens", — eine glänzende Leistung des hiesigen Architekten Kurt Hoppe, — ist die zerbrechliche Herrlichkeit des Porzellans aufgebaut und wirbt für sich, für die unglaubliche Leistungsfähigkeit dieser deutschen Industrie.
Industrie? Neides ist etwas anderes. Es ist Kunst, Essenz eines langen Entwicklungsganges, holdester Ausdruck eines Willens nach Formung und Gestaltung der Dinge, die uns in unserem Heime dienen sollen. Sie präsentieren sich in vielfälliger Form als Teller, Tassen, Schüsseln, Kannen, Platten, als Leuchter, Uhren, Schalen, Vasen, Kaolin, Feldspat und Quarz, geschmolzen in Weißglut zur Einheit, vom sanften Glanz der Glasur überflossen, sind das Material, das zur Behandlung reizt, sich durch Küstlerhand vom Nutzgegenstand weg in Sehnsucht und Ausdruckswillen formen läßt und zum Kunstwerk wird. Doch verhält es sich zur Skulptur wie die Radierung zum Bilde. Das Fabrikationsmäßige ist der Tod des Einmaligen. . .
Die überreiche Beschickung der Ausstellung durch die bedeutendsten Porzellanfabriken macht sie kulturell und geschichtlich hochbedeutsam . Die berühmtesten von ihnen, Berlin, Meißen, Nymphenburg, haben Museumsstücke beigesteuert von köstlichem Wert. Ihre heutigen Schöpfungen wahren die Tradition, das Alte bleibt ewig jung, wie es die Ezeugnifse längst erloschener Oefen (Höchst, Fulda, usw.) beweisen . Unendlich interessant ist es zu beobachten, wie der künstlerische Gedanke, vom ersten deutschen Hersteller, dem Begründer der europäischen Porzellanindustrie überhaupt, Friedrich Böttger in Meißen, übernommen, — China ist das Ursprungsland —, verarbeitet ist, wie er von den anderen aufgefangen, weiterentwickett, persönlich geprägt wird, wie französische Einflüsse zur Rokokozeit vordringen, ihren Geist hineintragen in die deutschen Industrien, wie das Tänzerische dieser Zeit geradezu ideal im Porzellan festgehalten ist. Die ruhigen Formen des Empire folgen, die Moderne findet neue Linien, dem Gebrauche angepaßt, für Hotel, Kaffehaus, für den Tagesgebrauch der Familie. Kostbares steht neben Schlichtem, holde Spielerei neben rauschendem Luxus.
Das berühmte Meißener .„Zwiebelmuster" in unverminderter Behaglichkeit steht neben C. H. Hutschenreu. thers kostbaren Taselservicen, von denen man nur mit wattierten Messern und Gabeln essen möchte, denen sich „Rosenthal" und Lorenz Hutschenreuther beifügen. Unmöglich ist es, sie alle zu nennen, die hier ausstellten: bedenkt man, daß es etwa 250 deutsche Fabriken gibt, von denen ein großer Teil vertreten ist, so kann man die Fülle und Qualität des Gebotenen ermessen. Daß das Gebrauchsporzellan, dem Geldbeutel des heutigen Mit- teleuropäers angepaßt, nicht zu kurz kommt, sieht man an den gediegenen, reizvollen Mustern der Fa. Heinrich u. Co. Selb, um nur eine der vielen zu nennen.
Eine nachahmenswerte Anlage ist die „Ladenstraße", die in Form von Schaufenstern vorbildliche Erkerdekoration vorführt. Für den Sammler bedeutet die Ausstellung eine unerschöpfliche Fundgrube, — ein Glück, daß ich nicht zu ihnen gehöre, sonst wäre es unmöglich, sich von den Moecatassen, Tabatieren, Bonbonnieren und anderen Köstlichkeiten zu trennen, die den Wunsch nach ihrem Besitz wecken!
Den Veranstaltern, darunter der Stadtverwaltung, den Ausstellern aber muß man Dank wissen für die aufgewendete Mühe, da diese Schau in ihrer Reichhaltigkeit nach Versicherung von Fachleuten alles frühere übertrifft, umsomehr, als sie in einem Orte von solch internationaler Prägung wie Wiesbaden hervorragend geeignet ist, den alten guten Ruf deutscher Arbeit und deutschen Könnens aufs neue zu befestigen. R. W.-M.
Die Warben in der Vogelwelt.
Wie ein Maler mit einigen wenigen Farben durch Mischung derselben die buntesten Gemälde herstellt, so arbeitet auch die Natur zuweilen mit recht einfachen Mit- teln. So lassen sich zum Beispiel in dem prachtvollen Gefieder unserer Vogelwelt eigentlich nur die beiden Farben Gelb und Rot nachweisen. Die Federn einiger fremdländischen Vögel zeigen noch einen grünen Farbstoff, damit aber ist der Farbenkasten der Natur erschöpft. Schwarz und weiß sind ja keine eigentlichen Farben, denn die erste Bezeichnung legt man den Körpern oei, die alles Licht absorbieren, und die letztere denjenigen, welche sämtliche Lichtstrahlen zurückwerfen.
Pressefahrt im Nheingoldzug.
Am Freitag führte die Deutsche Reichsbahnge- sellfchaft den am 15. Mai zum ersten Male zwischen Hoek van Holland. Köln, Basel und Luzern verkehrenden RbLingvldzug der Bresse vor. -Lie Fahrt, an der etwa 200 Personen teilnahmen und die unter Führung des Leiters des PreLedienste: der Reichsbahn, Reichsbahndirektors Dr. Baumann, stattfand, führte von Mainz nach Köln Ein kurzer Aufenthalt in Bacharach gab Gelegenheit zur genauen Besichtigung des neuen Zuges. Nach einer Begrüßungsansprache des Staat^ekre- tärs Dr Kumbier machte Reichsbahndirektor Dr. Baumgarten bemerkenswerte Ausführungen über den Sommerfahrplan und erwähnte u. a.» daß die Durchschnittsgeschwindigkeit der F.-D.-Züge weiter heraufgesetzt worden fei, daß der schnellste F -x Zug eine Stundendurchschnittsgeschwindigkeit von über 80 Kilomtr. haben werde. Reichsbahndirek- tor Ackermann sprach über Bau und Konstruktion des neuen Rheingoldzuges, der als eine Spitzenleistung des deutschen Waggonbaues bezeichnet werden könne. Die künstlerische Innenausstattung des Salonwagens, die sich durch reichliche Verwendung von Edelhölzern für die Täfelung der Wände, von neuartigen Beleuchtungskörpern, elektrischen Ventilationsanlagen und bequemen Lehnsesseln aus zeichnet, biete dem Reisenden sowohl in den Saalräumen wie auch >n den einzelnen Abteilen jede Bequemlichkeit. »23ot sämtlichen Sitzplätzen sind Tische angeordnet*' Für je zwei Salonwagen ist eine Küche vorhanden, so daß die Fahrgäste, ohne daß sie ihre 'Plätze zu verlassen brauchen, ihre Mahlzeiten in ihren Abteilen einnehmen können. Ein Vertreter der holländischen Eisenbahnverwaltung beglückwünschte die deutsche Reichsbahn zu dieser hervorragenden neuen Einrichtung und wünschte dem ersten deutschen Pullmanzuar guten Erfolg.
Vorn 15. Mai d. I. verkehren FF-D-Züge, die den internationalen Verkehr von Holland durch Deutfay.jnc nach der Schweiz dienen. Sie sollen gegen einen geringen Zuschlag zu den FD-Zug-Fahrprersen den Reuen, den 1. und 2. Klasse besondere Annehmlichkeiten litten durch sorgfältige ausgeftattete Jnnenräume, erhöht« Bequemlichkeit auf den Plätzen und jederzeit wr Verfügung stehende Bedienung Die Reifezeit wird außerdem verkürzt. Die Fahrzeuge sind Eigentum der Deutschen Reichsahn und ausschließlich deutsches Erzeugnis. Sie sind die z Zt. größten im Besitze der Deutschen Reichsbahn befindlichen Fahrzeuge.
Untergestell, Kastengerippe und Dach sind ganz au- Stahl gebaut, wodurch die praktisch erreichbare höchst« Sicherheit bei etwaigen Unfällen geboten ist. Neuar tige Drehgestelle lassen auch bei hohen Geschwindigkeiten einen ruhigen Lauf der Wagen erwarten.
In den FFD-Zügen laufen Wagen 1. Kl. mit 28 Sitzplätzen, Wagen 1 Kl. mit Stiebe und 20 Sitzplätzen Wägen 2. Klasse mit 43 Sitzplätzen, Wagen 2. Klass, mit Küche und 29 Sitzplätzen.
Auf je 2 Wagen entfällt eine Küche.
In den Wagen 1. Klasse befinden sich größere Saalräume und kleinere Abteilungen zu 4 und 2 Plätzen sowohl für Raucher als Nichtraucher.
Als Sitzplätze stehen verschiebbare (Ein3elpplfterfeffe zur Verfügung mit bequemen, hohen Rückenlehnen Sb sind in den Saaträumen an den Längswänden zu ji 2 einander gegenüber an einem Tisch angeordnet Breite Fenster gewähren von allen Plätzen einen freiet Ausblick. Zwischen den Tischräumen verbleibt ein ge räumiger Mittelgang.
Die Wagen der 2. Klasse enthalten je 2 Saalräume Als Sitzplätze dienen fest eingebaute bequeme Polster fessel mit hohen Rückenlehnen, die an der einen Wagen längswand zu je 4 Plätzen an einem Fenstertifch, at der gegenüberliegen Wand zu je 2 Plätzen an einen Tisch angeordnet sind. Zwischen den Tischreihen lieg der Durchgang.
Jeder Wagen hat einen besonderen Gepöckraum zu- Unterbringung von Handgepäck, Kleidungsstücken, Siök ten, Schirmen der Reifenden Außerdem steht jeden Reifenden ein Gepäcknetz an seinem Sitzplatz zur Ver fügung. Speisewagen fehlen. Speisen und Getrönk- werde'n den Reisenden an ihren Sitzplätzen gereicht.
Die allgemeine Ausstattung mit elektrischer Beleuch hing ist reichlich. Auf jedem Tisch ist auch eine einzel bedienbare Tischlampe ausgestellt.
Ausreichende Lüftung ist durch ,zahlreiche Decken fauger und Decken-Ventilatoren sichergestellt.
Der Anstrich der Wagen weicht von dem üblichen ab Dte Wagenlängswand ist unterhalb der Fensterbrü ftungsleiste violett gehalten, darüber die Fensterfron cremefarbig, die durch einen violetten Streifen von silbergrauen Wagendach abgehoben ist. Lang durch laufende goldene Ab'atzlinien verleihen der Geiomton sicht ein vornehmes Gepräge. Auch die Gepäckwagei haben violetten Anstrich.
Wenn fufterfüöte farblose Federzellen über schwarz« gelagert sind, entsteht durch Zurückwersung der Lichtstrahlen blaue Farbe; die recht hübschen blauen Federn bee Eichelhähers enthalten also keine Spur dieses Farbstoffes. Wenn nun dazu etwas gelber Farbstoff tritt, gelb« Federn von schwarzen unterlagert werden oder ber gelb« Farbstoff durch braunen getrübt ist, so erscheinen bi« Febern im herrlichsten Grün. Ein vom Wasser durchnäßter grün. Papagei zeigt daher seine „natürliche" Ge«b färbung, weil die Lust, die in trockenem Zustande grü nes Licht zurückwirft, nun durch Wasser verdrängt ist Graue Färbung entsteht durch Zurücktreten und Ver bünnung des Braun.
Gelb und Rot mit seinen Abweichungen werden durck das Sonnenlicht fortwährend zerstört und beim leben bigen Vogel mit Hilfe eines eisenfreien Blutfarbstoffe- immer wieder ersetzt; am schnellsten geschieht das bei ber tropischen Vögeln, bei denen wir die buntesten Färber bemerken. Dagegen bewirken Luftrockenheit und Fettüberfluß einen Mangel an Farbstoff, womit das weiß« Federkleib ber hochnorbischen Vogelwelt erklärt wäre.
Viele Vögel, besonbers bie Männchen, tragen metallisch glänzenbe Febern in Grün, Blau, Violett, Kupferrot usw. Diese Farben sinb aber eine rein optische Erscheinung, ba hier ein farbloser Ueberzug ber feinen Febern bas Licht gleich einem Prisma bricht. Je nachben biefem Ueberzeug ber eine ober anbere Farbstoff unter gelagert ist, tritt biefer ober jener Farbstoff auf. Wenn wir eine solche Glanzfeber von Eisvogel, (Elfter, Fasan Haus-, Auer- ober Birkenhahn gegen Helles Licht halten so erscheint sie einfach matt grau ober braun, unb wenn burch Mottenfraß, Verwitterung, Reibung ober chemisch« Einwirkung jener Ueberzug zerstört wirb, bemerkt man bie tiefer liegenbe glanzlose Farbschicht.
So beruhen also bie meisten Farben der schönen Vogelfedern auf Brechung unb Zurückwersung des Lichtes, wie es auch bie an sich farblosen Tautropfen, Seifenblasen unb Diamanten im kleinen unb ber Regenbogen im Großen zeigen. Str.
Der kleine Schlauberger. Lehrer: „Wie kommt es, Tommy, baß bein Aufsatz „Der Hunb" genau berfelbe wie ber beines Brubers ist?" — Tommy: „Weil wir zu Hause nur einen Hunb haben, Herr Lehrer."
(Daily News and Westminster Gazette).