Einzelbild herunterladen
 

Verfassung es nach der übereinstimmenden Ansicht der Rsichsregierung und der Preußifckzen Regie­rung nicht ihndert, ein von Amts wegen emgetjol- tes ärztliches Gutachten, dessen Inhalt nach der Auffassung des begutachtenden Arztes zur Mit­teilung an den Beamten in dessen Interesse unge- eignet' ist, der Einsicht des Beamten vorzuenthalten.

lebten ausgesprochen militärischen Charakter ver­leiht Sie wird in allen Fragen des Staatsschutzes I dem Kriegsministerium bezw. den einzelnen Korps­kommandeuren unterstellt und bei der Mobilma­chung und anderen von dem Ministerrat zu bestim­menden Gelegenheiten automatisch in das Heer ein­geliefert. Um die Militarisierung des gesamten staatlichen und öffentlichen Lebens zu erleichtern, besetzte Pilsudski das Innenministerium mit einem General. Auch einflußreichere Posten in anderen Ministerien und in der Verwaltung sind mit Of- | fizieren besetzt. .

Das neueReichsamt für physische Erziehung und militärische Vorbereitung" gelangt zu immer größerer Bedeutung, und es stehen ihm unbe­schränkte Mittel zur Verfügung. Die Leitung liegt in Händen eines Pilsudski-Günstlings, Ober­sten Ulrich. In d-r Militär,ZeitungPolska Zbronjna" wird das Jahr 1927 als umwälzend auf dem Gebiete der militärischen Vorbereitung bezeich­net: die gesamte Bevölkerung habe die staatliche Notwendigkeit und die Zweckmäßigkeit dieser Ein­richtung erkannt, die nun zu einem der wichtigsten Staatsorgane geworden sei. lieber 20 große Ver­einigungen führten die methodische militärische Vor­bereitung ein, so der Verband der Sokol-Turnver­eine, die zur Riesenorganisation gewordene Jung­schützenverband, die Pfedfindervereinigung, die Verbände der Aufftändifchen und Krieger, die frei­willigen Feuerwehren, die Vereine der Landsugend, die ,'.Jungen Pioniere" usw. An allen Mittelschu­len wurden Schulgruppen eingerichtet, die militä­risch ausgebildet und ausgerüstet werden. Der Ver­band der Reserveoffiziere stellt die militärische Vor­bereitung der Jugend an die Spitze feiner Auf- vaben. In dem polnischen Blatt wird die letzte Entwicklung in der militärischen Erziehung der Jugend schwungvoll mit folgenden Worten geschil­dert:Spekulative Sachen gehen zur Philosophie der militärischen Vorbereitung über und die natio­nal-militärische Erziehung wird zur bürgerlichen Lebensschule." Pilsudski gab bei der Gründung des neuen Reichsamtes die Parole, es möge dem Heere gualifizierte Soldaten mit Fachkenntnissen liefern. Dem Militär-Flugwesen, der Unterfee» f(otte, ganz besonders aber der Gaswaffe wird von der Leitung der militärischen Vorbereitung größte Aufmerksamkeit geschenkt. Um diese Zweige der Vorberetling populär zu machen, erhielten die mit der Waffe ausgebildeten Frauenabteilungen Gas­masken. ..

Der frühere Kriegsminister Sikorski äußerte sich dahin, daß der Generalstab hoffe, im Falle eines Krieges mit Hilfe der Schützen- und Iugendver- bände fofort eine Armee von 1200 000 Mann auf­stellen zu können. Es fei das Ziel der polnischen Industrie, vier Millionen mobilisieren zu können. Und der frühere Chef der französischen Militar- kommission attestierte bei seinem Weggang Pil­sudski, daß es ihm gelungen fei, Polen zu einem Volk in Waffen" zu machen und zur Militärmacht ersten Ranges zu erheben.

Fulda, den 12. Mai 1928

Der neue Fahrplan

krit am 15. Mai.in Kraft. Unsere Leser erhal­ten mit'der heutigen Nummer den P l a k a t f a h r- plan, der die wichtigsten Zugverbindungen ent­hält. Die Gesamtnummer der heutigen Zei­tung umfaßt 16 Seiten. Der Taschenfahr- v l a n für das Sommerhalbjahr wird, wie her­kömmlich unseren Beziehern in den nächsten Ta- gen zugestellt.

Die Auszahlung der Zusahrente

an sieche erwerbsunfähige Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene findet am Dienstag, den 15. Mai' 1918 norm. 912 Uhr an der städi. Wohl­fahrtskasse statt. Gelbe Ausweise mitbringen. Die Renten sind an dem Auszahlungstage restlos ab­zuholen.

Dersorgungsbezügs der Reupensionäre.

Der Preußische Iustizrninister hat zu dieser Frage, wie die Deutsche Beamtenbund-Korrespon- dimz mitteilt, folgenden Bescheid erteilt: Das Preu­ßische Besoldunosgeietz vom 17. 12. 1927 hat es mit sich gebracht, daß ein Teil der Beamten, die nach dem 1. 10. 1927 in den Ruhestand versetzt worden sind oder noch werden, geringere Ver- surgunao'oezüge erhält, als wenn die Zuruhe­setzung zu oder vor diesem Tage eingetreten wäre. Dieses Ergebnis hat mehrfach Beanstandungen gefunden. Rach dem Ausgang der Verhandlun­gen, die daraufhin zwischen den Finanzministern des Reichs und Preußen geführt worden find, muß es jedoch in diesen Fällen bei der Regelung des Ruhegehalts, wie es sich auf Grund des neuen Beioldungsgeietzes stellt, verbleiben. Das be­anstandete Ergebnis war nicht zu vermeiden, die Sachlage ist auch bei der Beratung des Gesetzes im Landtage erörtert morden. Die Abweichung beruht darauf, daß es sich bei den im § 19 Abf. 2 PrBefG. vorgesehenen Hundertsätzen um Durch- f d) n i ft s ermitttungen handelt, mit denen die Versorgungsbezüge der am 1. 10. 1927 vorhande­nen Versorgu^gsempfänger an die Versorgungs- bewge der in die neue BestOrdn. übergeführten und danach pensionierten Beamten möglichst angegli- Gen werden sollten. Ebensowenig aber, wie für diese Altversorgrmgsempfänger eine völlige Analei- chuna in allen Fällen durchgeführt werden konnte und für den Bezug einer geringer bleibenden Versorgung einen Ausgleich möolich ist, kann dies nach der anderen Seite hin geschehen. Das be­anstandete Ergebnis der Neuregelung für die nach dem 1. 10. 1927 ausscheidenden Beamten ist keine Ausnahmeerscheinung. Eine von den Allgemein- beftimmungen abweichende Regelung durch Ge­währung eines Ausgleichs in diesen Fällen findet daher im Besoldungsgesetz keine Stütze.

Vertrauliche Behandlung von amtsärztlichen Zeug- nifscn.

Der Preußische Finanzminister gibt, laut Deut­scher Beamtenbimd-Korrespondenz, durch einen Runderlaß folgendes bekannt: In einem pensionierungsoerfahren, in dem der Kreisarzt über einen Beamten ein Gutachten, daß oceler geisteskrank fei, abgegeben und ausdrücklich ge­boten hatte, dem Beamten davon keine Kenmnis zu geben, weil dadurch unter Umständen eine Ber- fchlimmerung feines Zustandes zu befürchten ,et, sind die Akten gl-ichwohl mit dem Gutachten dem Beamten auf dessen Antrag vorgelegt worden. «nrch ein so'cbes Vorgehen kann unter Umstanden schwerer Schaden für den Beamten ungerichtet werden. Es wird daher darauf hingewiefen. daß Sie Bestimmung im Artikel 129 Abf. 3 d«r Reichs»

Verteilung der Lohnsummensteuer.

Bekanntlich Hai bei der letzten Beratung des Haushaltsplanes ber Stadt Fulda die tfrage der Lohnsummensteuer eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Die von einigen Seiten vorgebrachten Wünsche auf Erhöhung dieser Steuer wurden schließlich von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig abgelehnt, weil die Folge einer so.chen Erhöhung eine verhältnismäßig größere Aus», z a h l u n g aus dem Ertrag an diejenigen L and­er e m e in d e n notwendig gemacht hätte, aus denen Einwohner in der Stadt Fulda im Arbeitsverhält­nis stehen und der Lohnsummensteuer unterworfen ^Die Zusammenhänge in dieser Hinsicht beleuchtet klar die ietzt für das Rechnungsiahr 1927-28 feit» gestellte Abrechnung. Aufgrund des tz o2 des Gewerbesteuergefetzes vom 8. Marz 1927 haben die Wobngemeinden, die mehr als. 20 Lohnsum­menempfänger in der Betriebsgemeinde, hier also in Fulda, beschäftigen, einen Anteil an der @e« rverbelohnsummenersteuer zu beanspruchen, der nach dem Verhältnis der Lohnsummenempfänger Inder WohnMmeinde zur Gesamtzahl der Lohn- summenemp-änger in der Netriebsgpmernde zu entrichten ist. u .

An dem der Abrechnung zugrunde liegenden Tpg, dem 10. Oktober 1926, waren m gewerbe- steuerpflichtigen Betrieben der Stadt Fulda be­schäftigt: aus der Stadt Fulda 4705 und aus den Landgemeinden des Kreises Fulda 2915. Die Gesamtzahl der Lohnsummenempfänger j in der Betriebsgemeinde Fulda belief lick auf 7620. Da das Gesamteinkommen aus der Lohnfummen- I steuer im Rechnungsjahr 1927 in Fulda. 52 028 m betrug, so entfiel auf den Kopf eines Empfängers ein Betrag von 6.82 und aufgrund des daraus tu errechnenden Verhältnisies mußte die Stadt a n 44 Landg ejn einden den Gesamtbetrag von 19 900' M abführen. ,

Es erhielten folgende Gemeinden die höchsten Beträge: Petersberg mit 376 ßobnfummenemvfän» aer in der Svdt Fulda 2566 M, Künzell (346 Ar­beiter) 2362 -st, Großenlüder (196) 1338 -st, Horas (166) 1133 cAl, Pilgerzell (160) 1092 M, Enhenzell (108) 737 -st Die anderen Orte haben kleinere Zahlen Zwischen 50 und 10'0 Arbeitnehmer gehen nach Fulda zur Arbeit: aus Opperz 84. Hatten­hof 80 Neuenberg 78, Marbach 76, Dirlos 71, Ellers 66. Harmerz 66, Welkers 61, Bronnzell o9, I Steinau 59.

Ausstellung kirchlicher Kunst.

Die bekannten Werkstätten für kirchliche Kunst, Domgoldschmied Wilhelm Rauscher, haben wiederum einige ihrer Erzeugnisse auf dem Gebiete der kirchlichen Goldschmiedekimst zur Schau ge­stellt. Als ein wahres Prunkstück muß die für eine böhmische Pfarrgemeinde in Nordamerika bestimmte I romanische Monstranz bezeichnet werden. Auf I einem von zwei Engeln gehaltenen, breit auslaben» I den Unterbau ruhend, präsentiert sich das Ganze als eine sehr gediegene, künstlerisch feine, getriebene Landarbeit mit' reichem Filigranwerk, prächtigem I Schmuck in verschiedenen Arten des Eina:l und mit sechshundert kostbaren Steinen besetzt. Die Mon­stranz ist von recht glücklicher, reicher /Wirkung. I Die Hauptzierde enthält die Korona, welche in bet Mitte die nicht halbmondförmige, sondern nach I amerikanischem Geschmack kreisrunde, mit Edel­steinen besetzte und von Email-Darstellungen der neun Chöre der Engel umgebene Lunula zeig-, I überragt von entern edelsteinge^chmuckten Kreuz und dem Heiligen Geist in symbolischer Darstellung. Oberhalb des mit größter Sorgfalt behandelten Schaftes fesselt das Auge die in Silber ziselierte I Figur des Königs Wen-eslaus. der von «chivert und Schild tragenden Engeln flankiert wird. Die eigentliche Monstrcmr hat die Form des Vier - I passes. der in den einzelnen Feldern in filigran» gefaßter und edelsteingeschmückter Emailmaleret Heilige des Böbmerlandes: Nevomuk, Ludmilla, Drokovius und Adalbert aufweist. Neben die­sem Prachtstück wird man auch gern der Mon- | strunz rn modernem SUI, die fast ganz ohne Orna- I ment durch ihre edle Linien ührung ruhig und ge­wiß nicht ungünstig wirkt, sowie dem nach einem I Beuroner Entwurf gearbeiteten Ziborium Beach­tung schenken. Dieses in Mattgold ausgefuyrte heilige Gefäß gefällt besonders auch durch die I symmetrische Anordnung der Steine. W.

I Eine neue Fahne.

Maiers Schaufenster an der Pfarrkirche weist toi-ser ein Kunstwerk der geschickten Benediktc- ne. a nen auf. Es ist eine Gesellenfahne )ur den Fliedener Gesellcnverein. Der Entwurf stammt von einem Mitglied des Eesellenpereins von Mett­mann, Vogt. Die Fcflne zeigt sowohl m Farben als auch in der Zeichnung etwas Eigenartiges, für viele Augen Fremdartiges. Aber immerhin ist bei­des wohl gelungen. Die Wirkung und das Zusam­menklingen der Farben ist erreicht. Jedenfalls hat I der Entwerfer seine Eigenart und fein nicht zu unterschätzendes Sennen gezeigt. Er gibt einmal etwas anderes in anderer Kunstsprache. Die Aus­führung durch die kunstgeübten Stickerinnen der I Benediktinerinnen ist wieder erstklassig. Schwierig­keiten machte die Beschaffung der Seidenstoffe nach den Angaben der Vogt'schen Farbenskizze. Sie treffen auch, da manche Töne nicht in »eide vor­handen sind, nicht genau mit denselben zusammen, ohne den Gesamteindruck wesentlich zu beeinträch­tigen. Die Hauptseite zeigt die Figuren des Sairei- ner'schen KolpinaSdenkmals vor der Minoritenkirche in Köln, stark stilisiert nach dem Empfinden des Entwerfers mit der Inschrift: Katholischer Eesel- lenverein Flieden. Die Rückseite zeigt em Wappen unb die Devise des Gesellenvereins: Gott segne das ehrbare Handwerk. Jedenfalls verdient das I Kunstwerk weiteste Beachtung. Krämer.

Ohne Umschlag

versandte gedruckte einfache P f i n g st k a r t e n die den Bestimmungen für Postkarten entsprechen mus- I sen, kosten sowohl im Otsbereich des Aufgabeorts ' als auch im Fernverkehr 3 Rpf. Es dürfen in diesen Karten außer den sogenannten Absenderan­gaben (Absendungstag, Name, Stand und Wohn­ort nebst Wohnung des Absenders usw.) noch wei­tere 5 Worte, die aber mit dem gedruckten Wort­laut in leicht erkennbarem Zusammenhang ,tehen müssen, handschriftlich hinzugefügt werden. Als solcke zulässige Nachtragungen gelten z. B. die üblichen Zusätzesendet",Ihre ,Dein Freund . sendet Dir",sendet mit besten Grüßen Ihre usw Werden solche Karten im offenen Umschlag versandt so kosten sie sowohl im Ortsbereich pes

Aufgabeorts, wie auch nach außerhalb 5 Rpf. Un­genügend freigemachte Sendungen werden mit Nachgebühr belastet. Es kann daher den Versen­dern ' nur dringend geraten werden, die Bestim­mungen zu beachten.

Weibliche Jugendpflege.

In dem Sommerhalbjahr 1928 steht der Irr­garten den weiblichm Jugendvereinen unter Auf­sicht an folgenden Tagen zur Verfügung: Montag und Donnerstag ab 20 Uhr, Sonntag ab lo bis 20 Uhr. Zu beachten ist: 1. Die festgesetzten Zeiten genau einzuhalten. 2. Bei Schließung des Schloß- gartens, die bei Eintreten der Dunkelheit durch Läuten bekannt gegeben wird, den Irrgarten zu verlassen. 3. Die Laufbahn möglichst M schonen. Spielgeräte stehen zur Verfügung. (Abzuholen bei Frau Jahn, Stäbt. Turnhalle.) .

Die Stadtjugendpflegerln.

Ans dem Gerichlssaal.

Wegen Körperverletzung erfolgte vor kurzem die Verurteilung des 19jährigen Lackierers I. ö. von Petersberg zu 3 Wochen Gefängnis. Wegen der Höhe der Strafe legte der Angeklagte Beru­fung ein. Der Tatbestand war folgender: An einem Sonntagabend im November belästigte B, der angetrunken war, jenseits der Unterführung am Wa'ldfchlößchen eine junge Dame, die mit ihrer Mutter spazieren ging. Hierüber erhielt B. von einem jungen Mann Pf. eine Verwarnung, -ö versetzte sodann dem Pf. einen Schlag an den Kops, daß der Hut zur Erde fiel. Pf. hob seinen Hut.aus und lief fort, B. gleich hinter ihm her. Bei einer Scheune am Waidschlößchen standen sich B. und Pf. wieder einander gegenüber. Nun. erhielt Pf. von B. einen derart wuchtigen Schlag ins Ge­sicht, daß Pf. einen schweren Kiefernbruch erlitt und erst nach mehreren Wochen wieder richtig kauen konnte. Mit Rücksicht auf die Jugend des noch unbestraften Angeklagten wurde das ent» instanzliche Urteil insofern aufgehoben, daß statt der 3 Wochen Gefängnis eine Geldstrafe von 200 Mark tritt. Der 54jährige Hüttner I. Sch. von Oberrombach war wegen unbefugten Waffenbe­sitzes vom Amtsgericht Burghaun zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Hiergegen hatte er Berufung eingelegt, er war aber gestern dem Ter­min ferngeblieben. Es wurde erwiesen, daß Sch. am ersten Weihnachtsfeiertag mit einer Jagdflinte (die einige Taas später die Landjägerei beschlag­nahmte)' geschossen und 4 Tauben getötet hatte. Wegen dieser Sachbeschädigung erfolgte s. Zt. in Burghaun Freisprechung. Die Berufungsinstanz verurteilte den Angeklagten mit Rücksicht, auf seine schlechten Vermögensverhältnisse und fernes sehr erregbaren Zustandes wegen Sachbeschädi­gung jedoch nur zu 5 Mark Kosten. 23cm Amtsgericht Neuhof waren wegen Uebertretung der Feierabendstunde verurteilt worden die Ehe­frau H. als Geschäftsführerin einer dortigen Wirt­schaft und ihr Ehemann zu je 15 Mark Geldstrafe. Gegen dieses Urteil hatte nur der Ehemann H Berufung eingelegt. Er begründete sie damit, daß nicht er, sondern seine Ehefrau Geschäftsfiih- rerirt sei u. er nur zeitweise in der Wirtschaft aus­helfe. Die Kleine Strafkammer schloß sich dem Anträge der Staatsanwaltschaft an und erkannte auf Verwerfung der Berufung. In der Privat- klaae des Architekten A. Sch. in Flieden gegen den Schlosfermeister L. in Flieden verurteilte das Amtsgericht Neuhof: L. wegen Körperverletzung zu 20 Mark und Sch. wegen Beleidigung zu 10 M. Geldstrafe. Gegen dieses Urteil hatte der Privat- tläaer Berufung einaelegt. Vor br fteinen Straf­kammer kam ein V e r a l e i ch dahingehend zu­stande. daß der Nrivatkläaer feine Berufung zu- rückwg. Die Softenentfcheihung des erften Urteils wird dahin abo»änbert. daß der Angeklagte zwei Drittel und her Prinatkläger ein Drittel der Kosi-n träat. außerdem eahst d-r 2fnnef(agte an den Pri» vatklöger 10 Mark. Die Parteien versprachen, alles zu vermeiden, was zu weiteren Streitigkeiten führen könnte.

8 Toge vor der Wahl.

Die letzte Woche vor der Wahl bringt in Wort unb Schrift wieder zahlreiche Versuche, um dir Wählerschaft irre zu machen. Leiber zeigt llw auch diesmal, baß eirrelne Parteien zu Mittel greifen, bie mit vaterländischer und staatsbürger­licher Aufklärungsarbeit nichts zu tun haben. Den Gipfel einer hemmungslosen Dema­gogie erklimmt dieR e i ch s v a r t e t des deut­schen Mittelstandes", die sich auch Wirt - schaftspartei nennt. Sie verbreitet in otu Dörfern des Fuldaer Landes ein Wad! f lug blatt, das bie Lcmdlerlle geaen alle anderen Parteien anfreüen soll durch Hinweis aus. die Beamtenbesolbung. Aus welche Instinkte spekuliert wird, geht daraus hervor, daß in den Flugblättern dem Bauer die Fragen vorgelegt wer­den: Wann steht Ihr auf unb wie lange arbeitet Ihr, wann stehen Eure Beamten int Dorf auf und wie lange arbeiten sie? Die Antwort auf diese Frage soll lau'cn: Ihr gehört zum Mittelstand Eure Partei ist die Reichspartsi des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei). 9B:e verlogen dieses ganze Flugblatt ist. geht auch daraus hervor baß es nach-uweisen versucht, die Wirtschaftspartei habe als einzige bürgerliche Partei ge gen bie Beamtengehaltserhöhung gestimmt. Dabei hat in ben Verhandlungen im Reichstag der Vertreter der Wirtschaftspartei int Ausschuß An­träge auf Erhöhungen der Beamtengehälter einzelner Gruppen gestellt, die 200 Millionen Mark mehr gekostet hätten als die Re­gierung svor sch läge. Bei der Eesamtabstim- ntung hatte ober bann 'bie Wirtschaftspartei gegen bie Beamtenbesolbungsorbnung gestimmt, weil sie ja wußte, baß die anberen Parteien eine sichere Mehrheit bilbeten. Allen politisch geschulten Krei­sen ist es bekannt, baß die Wirtschaftspartei, ein in sich völlig uneiniges Gebilde, nur von der Spe­kulation auf bie politische Dummheit lebt unb aus ihren eigenen Reihen heraus, von dem welfischen Abgeorbnefen Alpers, ist auf einer Föderalisten- tagung gesagt worben: bie Politik ber Wirt- schastspartei fei der schlimmste, müde, poli­tische Stumpfsinn. Das sagte ein Abgeord­neter, der mit der Wirtschaftspartei in einer Reichstagsfraktion zusammensaß. Das erwähnte Flugblatt bestätigt diese Kenn-eichnung: Stumpf­sinn unb hemmungslose Demagogie.

Das Flugblatt ist aber, auch sehr lehrreich für die Beamten selbst, bie dieser Partei mancher­orts wohl gar noch freundlich gegenüber stehen. Wenigstens hat zumindesten bis vor für em an der Spitze der OrtsgruppeFulba ein Beamter gestanden. Auch im kommunalen Leben Fuldas sollen Beziehungen zwischen Beamten unb der Wirt- schaftspartei, bezw. ihren Wortführern und den Derttetern geistesverwandter Ansichten bestanden haben.

Die Wirtschaftspartei hat. bas sieht man immer klarer, bie gefährliche Wirkung, daß sie die auf­einander angewiesenen Gruppen des Volkes, Kon­sumenten unb Produzenten, immer stärker, wie es

in dem erwähnten Flugblatt wieder zu Tage tritt, gegeneinander aufreizt. Wie weit, dieser Haß geht unb zu welchen Folgen er führt, zeigt eine Akt i o n des sozialdemokratischen deutschen Textilarbeiterverbanbes. Diese großeGe- werkschaftsgnippe fordert jetzt unter Hinweis auf die antisoziale Haltung der Wirtschastspartel ihre Mitglieder auf, zur Vergeltung die mittelstanbne- rischen Geschäftsleute zu boykottieren und in den Warenhäusern zu kaufen. Die sozialdemokratische Presse warnt deshalb die kleinen Handwerker unb Gewerbetreibenden!, der Wirtschaftspartei nachzulausen. und so Opfer einiger ehrgeiziger Syndizi zu werden, deren Interesse für den Mittelstand aufhört, sobald sie das ersehnte Mandat erlangt haben. Wir moch­ten bezweifeln, daß dieser Ehrgeiz einzelner Per­sonen an der Spitze der Wirtschaftspartei für das Gros der Nachläufer einen offenen Konflikt mtt der Arbeiterschaft lohnt." In Fulda, m stabt unb Laub sollten sich jedenfalls alle verständigen Menschen gegen diese volkszersetzende Wirt-

, schaftspartei wenden.

Zu den neuen Splitterparteien, die auch :m Wahlkreis Hessen-Nassau auftreten, gehört wie schon mitgeteilt, auch die 6 o a n g e 11 f a) e Volksgemeinschaft, bie von einem Frank­furter evangelischen Strafanstaltsgelstllchen, B e r- ning, geführt wirb. Ueber diese Neuarunbung hat Berning in Kassel in einer Wahlrebe An­gaben gemacht, bie ben Charakter der neuen Par­tei kennzeichnet. Er lehnte für bie Außenpouttk bie Völkischen unb bie,wenigstens theoretisch, gleich­artige beutfchnationalen Thesen ab, soweit bekannte er sich also zu ber herrschenden Ersullungspolttik. Auch bie Staatsform könne nicht geändert wer­den. Das Ziel fei eine wirkliche Dolksgemein- schäft. Die sittlichen Interessen seien bte obersten. Sehr unfreundlich sprach sich berPfarrer gegenbte Katholiken aus, deren Führer er als ultra- montan bekämpfte. Diese Ultramontanen null er durch eine starke Vertretung des evangelischen Bolksteiles zurückdrängen, um so einen Kultur­kampf zu verhindern. Der Mann hat also nicht erkannt, daß heute Katholiken und . Evangelische, jede Gruppe mit den ihr eigenen Mitteln, sich ge­gen den gemeinsamen Feind, gegen Gottlofigke,t und Neuheidentum, wie sie namentlich in Sa eyz s e n in immer gefährlicherem Maße in die Er­scheinung treten, gemeinsam zur Mehr setzen müßten.' Daß er im Zeitalter der werbenden Zu­sammenarbeit der Evangelischen Kirchen der ver­schiedenen Länder noch von »ultramontanen Ge­spenstern träumt, ist bemerkenswert. Die Kasseler Versammlung war nicht schlecht besucht.. Sie wurde mit dem Lutherlied geschlossen. Die Kasseler Neuesten Nachrichten" meinen, daß der Redner einen starken Eindruck hinterlassen habe Gleickwohl dürfte es doch sehr zweifelhaft sein, ov diese neue Splitterpartei bei den Wahlen h'- m nennenswerter Weise durchsetzen kann. Ihre er­folge würden bann in erster Lime auf Kosten er Deutschnationalen gehen.

In der letzten Zeit wird verschiedentlich versucht, angeblich neutrale Standes-Organisationen als Plattform für Wahlversammlungen $u benutzen. Es hängt das wohl damit zusam­men, daß Versammlungen, die offen als Wahl­versammlungen angekündigt werden, schlecht be-^ llickt sind. Die Volksrechtspa rren , eine der 6 oder 7 Aufwertungsparteien, bte tm dies- rnaligen Wahlkampf in bie Erscheinung treten, hat bte Ortsgruppe Fulda des Deut- scheu Rentnerbundes als Vorspann de- nutzt. Sonst würde ber Vertreter der Volksrechts» vartei, in Rektor Schütteler aus Frankfurt, hier sicherlich gar keine Hörer gefunden haben Denn ber" immerhin durch feine früheren Bezie» dangen zur beutfchnationalen Volkspartei bekannte Lanbaerichtsbirektor Dr. Best hatte, als er biefer Tage in Frankfurt a. M. in einer Wahlversamm­lung ber Vo.ksrechtspartei sprach, nur einen halb- vollen Saab

Was der Fuldaer Redner Schütteler in einer zwei- stündigen Rede ausführte, war eine Geschichte der gewiß tragischen Aufwertungsfrage, wie er sie sich von seinem Standpunkt als hoffnungsvoller Parlamentsanwärter der Volksrechtspartei zurecht gemacht hat. . Wir haben die Aufwertungsfrage in ihren Zusammenhängen und in ihrer Bedeutung heute an anderer Stelle des Blatte» noch einmal eingehend dargestellt und machen bie interefiin­ten Streife auf diese Darstellung aufmerksam. Sie rft frei von der parteipolitischen Absicht, die bei der Darstellung des Herrn Schütteler den Grundton angab, wenn er hier in Fulda auch v o r s i ch t i g e r war als in der erwähn- ten Frankfurter Versammlung, wo er kurzerhand er­klärte:Schuld an der Inflation sind Zentrum, De­mokraten und Sozialdemokraten". Es ist zu begrüßen, daß er nicht gewagt hat, den Fuldaer Rentnern derartig, Behauptungen zuzumuten. Das weiß doch jedes Rtnb, daß der schwerste Verlust der Kaufkraft des deutschen Geldes von dem Beginn des Ruhrkamvfe» da­tiert, als gerade die rechtsstehenden Politiker das Staatsruder in die Hände genommen hatten und die Stinnes'jchen Methoden zur Anwendung tarnen. Ent­gegengetreten sei auch der von den Aufwertungsparteien in mehr oder weniger geschickter Form in Süddeutschland verbreiteten, auch von Herrn Rektor angedeuteten Be­hauptung, im Freistackt Sachsen sei dank der Ini­tiative des von der Aufwertungspartei gestellten Iustiz- minister eine allgemeine Aufwertung der Sparguthaben auf 40% erfolgt. Das ist Wa h l s ch w i n d el p l u m p ster Art. In Sachsen hat man von einer derartigen Auf­wertung noch nicht das gering st e gehört.. Aller­dings ist die Aufwertungspartei in Sachsen seit Juni vorigen Jahres Regierungspartei und gewiß hat man in den Kreisen der Jnslationsgläubiger g e h o s f t, der von der Aufwertungspartei gestellte sächsische Just'pm- nister werde seinen ganzen Einfluß aufbieten, um eme belfere Regelung der Aufwertungsfrage, wenigstens in Sachsen, zu erreichen. Nichts dergleichen ift erfolgt. Die Aufwertungspartei hat zwar vor ihrem Eintritt in die sächsische Regierung eine Reihe von Aufwer­tungsanträgen gebellt, seither aber nicht mehr auf die Behandlung dieser Anträge gedrungen. Die Abfindung ber Inbationsgläubiger leitens des Frei­staates Sachsen ist in keiner Weise günstiger als die Abfindung in den anderen deutschen Ländern.

So tonnte man Behauptung auf Behauptung des Herrn Schütteler widerlegen. Vor allem auch, was bie Leistungsfähigkeit der Stabtgemein- ben anbetrifft. Ihre Belastung burch sozi­ale Fürsorge erforbert heute ganz gewaltig höhere Mittel als vor dem Krieg die Aufbringung ber Schulbcnzinsen. bie jetzt teilweise in Wegfall gekommen finb. Interessant war auch die Behaup­tung des Herrn Schütteler, daß das Rentner- versorgungsgesetz. mit dem die Demo­kraten heute so viel "Propaganda für sich unter den Kleinttentnern machen, nichts weiter ist als ein Wahlköder.

Die Zentrumsanhänger unter den Kleintrenttreni und Kleinrcnfnerinnen, die die politischen Fragen als ganzes sehen, werden keine Lust verspüren, sich der Führung der Volksrechtspartei anzuver- trauen. Ob die Anhänger der anderen alten