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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Nr. 112

5onnlag. 13. Mai 1928

Der Meinungsstreit um Uelloggs-KntiKriegspaKt.

Italien scheine froh .aller Versicherungen'seines ÄumenDie

J11™ ü«r SRHarbeH sich auf die Seite gehen des Heeresministers als Verletzung der ” r an fr g i cf) s schlagen zu wollen. Glücklicher- Bundesverfassung. 9 3 ct

China. Japan und der Völkerbund

Vie Nanking-Regierung gilt nicht als VAK-rdundsmitglied.

auch

I

♦ Wehrmacht und Maifeier in Oesterreich. Aus Wien wird gemeldet: Die „Arbeiterzeitung" berieft, tet über einen Befehl des Heeresministers Vaugoin, wonach Äoldaten. dir an der diesjährigen Maifeier teilgenommen haften, wegen Verletzung des Stand es an sehens vor die Disziplinar-Kom- mnswu ^u stellen seien. Dem Blatt zuwlge haften loOO Wehrmänner in Zivil an der Maifeier teil-

chen Tenor dieser Artikel hat, der in die Auf- wrderuna ausläuft,, am 20. Mai der Deutschnatio- nalen Volkspartei die Stimme zu geben, wenn Dr. Spahn für diese nicht mehr kandidieren würde.

Die Zeitung „Public ßebqer" in Washing­ton äußert sich in einem Leitartikel wenig befre» örnt über die italienische Antwort zu dem Bor- schlage des Antikriegspaktes Kelloggs und schreibt:

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagew „Die Welt im Bild" und „BuchenblStter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc. 9. >:_________Monatlicher Bezuaspreis 1,80 Ntk. >:

weise stellte jedoch die Einigkeit Amerikas, Deutsch­lands und Englands in dieser Frage eine starke Front dar. Es sei jedoch bedauerlich, daß sich die Hoffnung auf Zustimmung Frankreichs und Ita­liens noch immer nicht verwirklichte.

Brtanö und Mussolini.

Das „Journal" berichtet über die Möglich» feit einer Zusammenkunft zwischen Mas- jolim und Briand. Zwischen der französischen und der italienischen Regierung seien wegen des Zeit­punktes der Eröffnungsfeierlichkeiten einer neuen Eisenbahnstrecke Nizza-Coni Verhandlungen im Gange. Der König von Italien, Präsident Dou- mergue, Mussolini und Briand würden an d!es-r Feier, die Laufe des Oktober stattfinden werde, teilnehmen.

England und Strejemann.

In einem Leitartikel zu Dr. Strefemanns 50. Geburtstag sagt der englische „Manchester Guar­dian : Der Reichsaußenminister wird die Glück­wünsche aller Leute empfangen, die Deutschland wohlwollen und für den internationalen Frieden smd. Es erscheint heute wie ein Wunder, daß die deutsche Demokratie den Herbst 1923 und die fol- genden düsteren Wintermonate überlebt hat. Sie hätte dies schwerlich tun können, wenn nicht die unheilvolle Spannung zwischen Deutschland und Frankreich nachgelassen hätte, was in erheblichem Maße Stresemann zu verdanken ist. Daß Deutschland als erstes Land den Kellogg-Plan in feiner Gesamtheit ohne Vorbehalte angenommen oat, ist ein Beweis für die moralische Stärke der deutschen Republik und für das gesunde Verständ- nis und die Fähigkeiten des Staatsmannes der während ihrer dunkelsten Jahre dis Außenpolitik

Sefinnungr-Wahlkampf.

Die da deutschen Parteien von Tradition her Weltanschauungscharakter tragen, liegt es nur zu nabe, daß der gegenwärtige Wahlkampf in hohem Maße zu einem Kampf um die echtere Gesinnung wird. Im liberalen Lager ist es die Deutsch- Demokratische Partei, die sich gegenivärtio gegen­über der Deutschen Volksvartei der besseren und treueren liberalen Gesinnung rühmt. Die Deutsche Volkspartei hätte, wie die Demokraten jetzt mit großem Selbstvertrauen zu verstehen geben, beim Schulkampf den Liberalismus verraten, wenn nicht die Deutsch-Demokratische Partei zur Stelle gewe­sen wäre und dem mitreqierenöe'n Teile des Li­beralismus die Fallen aufgedeckt hätte, die ihm der schwarzblaue Block in tückischer Strategie syste­matisch zu stellen versucht hätte. Im sozialisti­schen Lager wollen Kommunismus und Astsozia­listen den höheren Marxismus vertreten Ihre Agitation richtet sich fast ausschließlich gegen die Sozialdemokratie, der sie verräterische Gesinnung und Preisgabe der proletarischen Ideale zum Vor­wurf machen. Bemerkenswert ist, daß die lauteste Sprache hier jedesmal von den kleineren Partei- richtunaen geführt wird, ste reiben sich an dem grö­beren. Bruder und suchen ihm am Zeuge zu flicken wie sie nur können.

Polens SukunstspISne.

Von Ferdinand Rauh. i WF:

In den nächsten Tagen fo& Pilsudrkl hÄ Haushaltsausschuß des polnischen Sejms die Forn derunaen des Kriegsministtzriums vertreten^ dich gegenüber dem Vorjahre m allen Teilen beträtet ü'che Erhöhungen aufweisen. Wie alljährlich umi diese Zeit, so werden auch diesmal wieder in bett Pilsudski nahestehenden politischen Kreisen und tni der ihm ergebenen Presse die „deutsche Gefahr* und der „böse russische Nachvar" mit kräftigen Strichen an die Wand gemalt. Einige größere Zei­tungen befassen sich fast täglich mit der Rheinland­räumung. Sie roollen beweisen, daß die einzige reale Garantie für die Sicherheit Polens Frank­reichs militärische Grenze am Rhein sei. Die im nächsten Jahr zu erwartende Räumung des Rhein­landes fei für Polen mit einer Reihe von Konse­quenzen verbunden, so die Aufnahme neuer Bünd­nisse in der Art des mit Italien geschlossenen. Dar­über hinaus aber weise sie dem volnischen ftriegy Ministerium neue und wichtige Pflichten zu.

Aus dem neuen Haushaltsplan ist ersichtlich, daß das Kriegsministerium der politischen Offen­sive gegen Deutschland dringend bedarf, um seine Mehrforderungen zu rechtfertigen. Die Gesamt­ausgaben des Kriegsministeriums im neuen Rech­nungsjahr sind mit 745 Millionen Zloty (gegenüber 611 Millionen im Vorjahr) veranschlagt. Dazu kommen 19 Millionen Zuschüsse für die militäri­schen Staatsbetriebe und 53,5 Millionen für das aus dem Innenministerium unterstellte Grenz­schutzkorps. Cs ergäben sich somit rund 818 Mil- Honen Zloty oder 33 Prozent der Oefamtausaa^en als direkte Ausgaben für Heer und Flotte. Weni­ger sichtbar befinden sich in den Voranschlägen der anderen Ressorts zahlreiche bedeutende Posten, die verschleierte Heeresausgaben darstellen. So im Fi- nan'ministerium, im Unterrichtsministerium uni) im Außenministerium. Unter den Ausgabeposten des letzteren fällt besonders auf der Unterhalt des Büros des polnischen Genearlkommissars in Dan­zig, für das 1637 000 Zloty (gegen 708 000 Zloty im Vorjahre) ausgeworfen wurden, wovon 870 Millionen Zloty für die Militärabteilung des Bü­ros, die sich immer mehr zur polnischen Spionage- zentrale für den gesamten deutschen Osten entwickelt.

Nicht weniger interessant sind manche militär­politischen Zusammenhänge im Innenministerium. Unlängst ist eine Verordnung des Staatspräsiden­ten in Kraft getreten, die in 156 Artikeln die Dr« aanifation der Staatspolizei neu regelt und ihr

b’'of)t . Danach kann dem Anträge der Nanking- regwrung nur stattgegeften werden, wenn er von irqenb einem Völkerbundsmitglied. etwa von den Regierungen von Peking oder Tokio, die üb­rigens beide im Rat vertreten sind, unterstützt wird. Deshalb hat auch der Generalsekretär, rote man erfährt, das Telegramm der Nankingregie­rung nur zur Information an die Ratsstaaten roeitergeleitet.

Im Washingtoner Staatsdepartement wurde er­klärt, daß eine Verstärkung der amerikani­schen Truppen in China nicht beabsichtigt sei da fast alle Amerikaner inzwischen das bedrohte Gebiet verlassen hätten. Ein offizielles Angebot zu einer Vermittlung zwischen Japan und China sei ebenfalls von der Regierung nicht beabsichtigt.

Das lavanische Kabinett beschloß, aus dem Reservefonds 5 390 000 Yen für die Kosten der lapamschen Trupvenexpedition nach Schantung zu ez^nehmen und außerdem unter der Verantwort­lichkeit der Regierung 13 310 000 Yen für den glei­chen Zweck bereitzustellen.

Havas berichtet aus Tokio, daß man offiziell bte lapamschen Verluste in Tsinanfu, wie folgt, an- aefte: 21 Soldaten und 13 Zivilpersonen tot, 79 Soldaten und 9 Zivilpersonen verwundet, 28 Zivil­personen vermißt.

einer in Peking veröffentlichten Meldung sollen in Tsinanfu 20 000 Mann der Südtruppen kapituliert haben.

Zur Stellungnahme der britischen Regie­rung gegenüber dem Antikriegespakt schreibt der Pariser „Temps":

Die Antwort Englands wird, den Erklärungen Chamberlains nach zu urteilen, sämtliche Möglich­keiten für eine Verständigung auf der Grundlage eines aufrichtigen Ausgleiches des amerikani­schen mit dem französischen Standpunkte Vorbehalten. Besser wäre es, überhaupt kein Ab­kommen abzuschließen, als einen Vertrag zu un­terzeichnen, dessen Klauseln von den kontrahieren­den Mächten nicht im gleichen Sinne ausgelegl würden und der in ihren Augen nicht den gleichen Charakter und die gleiche Bedeutung haben würde. Die Ausführungen Chamberlains im Unterhaus bestärken den „Temps" in feiner Meinung, daß es sich um ein heikles und zwangsläufig viel Arbeit erforderndes diplomatisches Unternehmen handelt, das auf keinen Fall durch irgend eine ver­wegene Improvisation zu einem guten Ende kom­men kann, dessen Erfolg vielmehr nur dann sicher- gestellt werden könne, wenn sämtliche Mächte f-st entschlossen seien, ein ehrliches Werk zu schaffen.

Die „Liberte" beurteilt die Erklärungen Cham­berlains dahin, daß von den französischen V o * - behalten nicht mehr die Rede sei. Frank­reich messe allem was vereinbart, redigiert, para- graphiert und mit dem Siegel versehen worden fei, eine außergewöhnliche Bedeutung bei. Frankreich treibe gewissermaßen mit dem geschriebenen Recht einen abergläubigen Gebrauch. Frankreich glaube an die Heiligkeit der Verträge, es scheine sogar die Schwäche anzunehmen, zu glauben, daß eine Unt->rschrift die übrigen Unter­zeichner wie es selbst für alle Ewigkeit binde. Die anderen Völker seien skeptischer; sie wüßten, daß man aus Opportunismus unterzeich- nen könne und daß d>e Pakte und Verträge, die einen Moment die Geschichte zum Ausdruck bräch­ten, wandelbar seien wie das Leben. Die franzö­sische Regierung fei wahrscheinlich die einzige, die den Paktentwnrf ernst genommen habe, ohne Zweifel ernster als Kellogg selbst.

Kritik der ikalienifchen Antwort

Englands Industneabschlutz.

Der Jahresbericht des englischen Arbeitsministeriums.

Aus London wird gemeldet: In dem Jahres- bencht des Arbeitsministeriums heißt es: Das Jahr i.h. batf in industrieller Beziehung als ein feit bem Kriege normalen Verhältnissen am nächsten stehendes Jahr betrachtet werden. Der Prozentsatz der Arbeitslosigkeit unter den versicherten Personen betrug 9,6 Prozent, er war also niedriger als irt irgend einem Jahr feit 1920. Infolge des Kohlen­streiks war viel Arbeit nachzuholen. Noch wichtiger war die zunehmende Stetigkeit bei der In­dustrie. Die Zahl der wirtschaftlichen Streitig­keiten war die niedrigste feit 40 Jahren.

... * Das Abkommen über bett französisch-saar- landischen Grenzverkehr. Das Journal Officiel ver- ofsenttlcht das zwischen Deutschland und Frankreich am 22. Dezember 1926 unterzeichnete Abkommen über den französisch-saarländischen Grenzverkehr.

Im katholischen Parteilager ist es nicht anders. Auch hier kommt die Gesinungsgegner- fchaft von zwei Seiten. Links ist es die Vitus Heller-Gruppe mit ihrem „christlichen Rcidi- kglismus", rechts ist es die Gruppe um Martin Spahn, der Deutschnationale Katholikenausschuß. Aber wie schon mancher, der in der Vitus Heller- Bewegung stand, ihrer ewigen Kritik müde wurde, da er vergebens zu ergründen suchte, wie Vitus Heller selber, wenn er auf parlamentari'chem Bo­den hätte operieren können, gehandelt hätte, um ßofitroes zu erreichen, so sind auch aus dem Deutschnationalen Katholikenausschuß bereits zahl­reiche Deserteure zum Zentrum zurückgekom- men und haben sich über das tatsächliche L-den innerhalb dieses Ausschußes so rückhaltlos ausge- sprochen. daß man sich wirklich wundern muß, wie we Zurückgebliebenen es noch wagen können, ihren Gesinnnngskampf fortzusetzen. Prof. Dr. Martin Srwhn selbst hat diesesmal außerordentliche Mühe

Deuischnationalen «Sglf-pa^roie- einigermaßen sicheren Kandid a- ‘ Zu kommen. Wie der aus dem Deutsch-

K^bolstenausschuß ausgetretene Rektor S ? I C,n-r Zuschrift an die „Germania" bullt hat, ist es Svahn erst im allerletzten Stadium der Verhandlungen gelungen, die 1 7 Stelle auf der Reichsliste zu erhaschen. Diese Stelle gilt bereits als unsicher. 1924 hatte et die . Stelle inne und außerdem die zweite seines Wahlkreises. Ja, jene 17. hätte er nicht erreicht, roenn sich nicht die a k a d e m i s ch en Verbände für ihn eingesetzt hätten. Nicht nur diese Ver­öffentlichung von Hackenberg, fonberfi auch bte Splache, die Di. Spahn selbst in der letzten "EUferner Wochenzeitung „Das Deutsche Volk" geführt hat, bekunden ganz zweifelsfrei, daß sich innerhalb der Deutjchnaticna en Volkspartei nicht ote «erfnflften Sympathie für den findet und daß auch die Ißfitcn rafponfdien Slnnbibctfcn qusq,r)ycr3t uHirbvn wenn man damit nicht die katholischen Wähler vol­lends prelsgeben würde.

Man darf ruhig annehm-n, daß Martin Spahn ohne weiteres einer der erbittertsten Geaner der Deutschnationalen werden würde, wie'er heute das Zentrum verfolgt, wenn ihn diese Partei nicht mehr in den Reichstag hätte einziehen lassen' Denn die Gründe, die er heute den katholischen Wählern angibt, um ihnen klar zu machen, daß ihre katyolischen Interessen bei den Deutschnatio- nalen bester aufgehoben seien als im Zentrum, uiirnöglich ernst gemeint fein. Seine Waffe ist das Keudellsche Schulgesetz. Aber dieses Gesetz ist für die Deutschnnionalen niemals E'n absoluter Wert gewesen. Es war für sie nur ein Mittel, um das Zenstum nach rechts zu ziehen und die preußische Koalition zu sprengen, j Die Vertqsjungsbestimmungen über das Reichs- ^ulgefetz waren 1919 viel klarer formuliert w'or- 1 ben, wenn die Deutschnationalen das aeduld't hät- j ien, einen Kampf um das Keudellsche Schulgesetz hatte es dann vielleicht garnicht mehr geben kön­nen. Auch gibt es im deuischnationalen Lager I qenufl Kr^je, die sich innerlich mehr zu dem Stand- I punkt bekannten, den die Deutsche Volks- I Partei zu dem Keudellschen Entwurf eingenom­men hat Dazu gehört zum mindesten der ganze Evangelische Bund. Außerdem betont Dr Spahn immer wieder, daß die Politik mit der Koryestion nichts zu tun habe, und er macht ge- rabe von diesem Grundsatz aus feine Angstste aufs Zentrum. Daß er in der Schulfrage einen extremen „Konsejsionalismus" vertritt, ist für ibn in feiner politischen Grundhaltuna unlogisch und widerspricht überdies seinem praktischen Vet holten wie er in der Osteroder Schulaffäre — vergl das Zensinis Hackenbergs — ganz offen bewiesen hat.

Sn der neuesten Nummer feiner Wochenzeitung „Das Deutsche Volk" (Nr. 19) bringt er nun Aus­führungen, mit denen er eine „Hilfestellung des re "lr“m5 fl,r ben Liberalismus argen Kirche und Neich zu erweisen sucht. Dip Voraussetzungen, von denen er da ausgeht, daß nämlich das Schul­ts en zu machen gewesen wäre, wenn das Zen- trum nicht aus Gründen der inneren Parteieinheit .? NEskoalition vorzeitig gesprengt hätte, sind völlig abwegig und verraten nur die Tendenz nachträglich Beweisgründe für eine Behauptung Vifud)en. mit der er im Wahlkampf glaubt einen billigen Fischfang ,m kathol. Lager machen zu kön­nen. Wir möchten nun einmal gerne wissen, roel« J

| Der Präsident der Regierung von Nanking, Tanyenkai, hat an den Generalsekretär des Völ­kerbundes ein Telegramm gerichtet, in dem er „im Namen der nationalistischen Regierung der chinesi- i 'chen Republik" auf den Einst der durch die Ent- I Hmöunfl japanischer Truppen nach der Provinz I Schantung entstandenen Lage sowie auf den Um- ftanb aufmerksam macht, „daß die territoriale In­tegrität und politische Unabhängigkeit Chinas bru- tat verletzt wurd-n und daß der Friede unter den Volkern durch die von Jovan unternommene An- griffshandluna bedroht ist."

.3" dem Telegramm wird unter Berufung auf ! ^'dsatz 2 des Artikels 11 des Völkeibundspaktes um dringliche Einberufung des Völkerbundsrats er« sucht und mit Einstellung der Feindseligkeiten ja­panischer Trupven und zu ihrer sofortigen Zurück­setzung aus Schantung aufforderte. Das Tele- qramm wurde vom Generalsekretär des Völkerbun- des sofort an alle Ratsstaaten weitergeleitet.

Aus Genf wird gemeldet: Der in dem Tele- qramm der Nankingregieiung erwähnte Absatz 2 res 2(rfifcls 11 des Völkerbundspaktes besagt, „daß ledes Bundesmitglied das Recht bat, in freundschaftlicher Weise die Aufmerksamkeit der Bundesversammlung oder des Rates auf jeden Umstand zu lenken, der von Einfluß auf die inter- I nationale Beziehungen fein kann und daher den Frieden oder das flute Einvernehmen zwischen den Nationen, von dem der Friede abhängt, zu stören

Die seitlichen Brüder.

Die erbitterte Fehde unter den feindlichen Brü­dern im K o m munistenlager nimmt immer groteskere, häßlichere und gehässigere Formen an. Wenn man sich dieses widerliche Schauspiel betrach­tet, wie hier die Kommunisten ihre Weltbeglük- kungstheorien schon untereinander in die Praxis umsetzen, bann bedarf es keiner ausschwei­fenden Phantasie, um sich auszumalen, wie sie erst mit der „Bourgeosie" umspringen würden, wenn sie die Diktatur in der Hand'hätten. Die Vor- gange im russischen Sowjetparadies haben uns ja allerdings davon einige wenig schmackhafte Kost­proben gegeben.

Unter den neuesten Auswüchsen der kommunisti­schen Kampfmethoden auf dem Gebiete der eigenen Zerfleischung verdient eine Denunziation registriert au werden, durch die ein kommunistischer Häupt­ling an die Polizeibehörden verraten wurde, lieber diesen Fall bringt das in Suhl er­scheinende Organ der linken Kommunisten fenfa- Honette Mitteilungen. Im Mittelpunkt der Trag', komödie steht der früher so hochgefeierte Kommu­nistenführer U r b a ft n s, der sich als Organisator des Hamburger Oktober-Aufstandes bekanntlich un­sterbliche „Verdienste" erworben hat. Die offizielle kommunistische Parteileitung hat aber über dieses einst so prominente Mitglied später die ganze Schale ihres Zornes ausgegossen, weil Urbahns zu den oppositionellen Kommunisten, also zu den radikalen „Leninisten" überschwenkte. Der in nrage kommende Vorgang spielte sich zwar schor zu einer Zeit ab, als Urbahns noch nicht vom Bannstrahl getroffen war, sondern der offiziellen kommunistischen Reichstagsfraktion noch als voll- berechtigtes Mitglied angehörte. Aber er schien eben bereits damals „hinreichend verdächtig" ge» wesen zu sein, sodaß die offizielle Parteileitung sich entschloß, ihn unschädlich zu machen, lieber die hierbei angewandte eigenartigen Methoden plau­dert das schon ermähnte Snhler Oman der L'nks- kommunisten („Volkswille") folgende erbauliche Vorkommnisse aus:

„Genolle Urbahns erhielt im Herbst 1926 die Auf­forderung, sofort zum sechsten Erweiterten Exekutive nach Moskau zu kommen. Er bediente sich eines illeqaten Passes. Eine Viertelstunde nach Abreise aus Berlin erhielt das Berliner Polizeipräsidium van einem An­gestellten des Zentralkomitees der K. P D die Me= phänische Mitteilung, daß Genosse Urbahns auf den Namen Soundso unterwegs nach Moskau fei. Das Zentralkomitee hätte ein Interesse, diese Reise zu ver­eiteln und schreckte nicht vor der Lumperei der Denun­ziation bei der Polizei zurück. Der Erfolg blieb nicht aus. An der Grenze wurde unser Genosse verhafte:. Spater wurde er zu zwanzig Tonen ^er JOQ

Mark Geldstrafe verurteilt. Das Zentralkomitee der K. P. D. weigerte sich, die 400 Mark zu zahlen, obwohl die jyaftrt im Auftrag der Erekufive unternommen wurde, und verhalf somit dem Gnossen ttrbahns zu sei­nen sechs Jahren Festung noch zu weiteren zwanzig Ta­gen Gefängnis."

Das Abenteuer des Genossen Urbahns ist ein drastischer u. klassischer Beweis dafür, wie die Kom­munisten in der Praxis die philantropische Mah­nung des nicht ganz unbekannten Dichters Goerb- beherzigen: „Edel fei der Mensch, hilfreich und flutJ*

Eine neue Enzyklika.

Der Papst hat eine Enzyklika herausgegeben, vie mit den Worten „miserentissimus redemptis“ ^ksinnt.. Sie betrifft die dem Herzen Jesu schul- oige Wiedergutmachung, die ein Schritt der Liebe und des Friedens ist, und fordert die gesamte Ncenschheit zum einmütigen sozialen Wieder- a u f bau auf. Diese Wiedergutmachung sei eine f??°^lische Notwendigkeit in unseren Tagen ange­sichts der Zunahme der Sünden und des allgemei­nen Verfalls des Glaubens eine unerläßliche Not­wendigkeit.

Anläßlich des Geburtstages des Papstes am 12. Mai empfing der Papst die Mitglieder des heiligen Kollegiums zur Entgegennahme der Glück- Wunsche in der Privatbibliothek. Daran schloß sich der Empfang der Prälaten und Würdenträger des päpstlichen Hofes.

* Em Reiterstandbild für Marschall 2odj.™n fj 3uli wird in Cassel (Norddepartement) ein •ftejterftanbbilb für Marschall Foch enthüllt werden. Ministerpräsident Poincare hat sich, einem Sitten Blatt zufolge, bereit erklärt, vorbehaltlich der Ver­hinderung durch parlamentarische Arbeiten, d-n Vor­sitz bei dieser Zeremonie zu übernehmen

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