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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. HO.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk. ' >:

Freitag, 11. Mai 1928.

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äS.Zahrg.

Illtz wahre politische Gesicht Frankreichs

Sine wichtige Feststellung über bas französische Wahlergebnis. - wie-

* Maßregelung! französischer Offiziere in Zwei­brücken. Etwa 20 französische Offiziere, die Ende vorigen Jahres das Bismarck-Denkmal in Zwei­brücken besudelt batten, rourben teils strafversetzt, teils in die Kolonien abkommandiert.

Ausweisung russischer Einigranken.

wtb. Warschau, 10. Mak. (Eig. Funkm.s. Gazeta Marszawska" verbreitet das bisher un­bestätigte Gerücht, daß im Zusammenhang mit dem Attentat auf den Hanbelsrat der hi-sigen Ver­tretung der Sowjet-Union mehrere russische Emi­granten ausgewiesen werden sollen.

Die ZeitschriftDu" veröffentlicht über die bei dem ersten Wahlgang am 22. April für die einzel­nen Parteien abgegebenen Stimmen folgende Statistik:

* Hinrichtung zweier ehemaliger Sowfekbeam- ker. Aus Moskau wird gemeldet: Das Todesur­teil, das über Weli Ibraimoff, den ehemaligen Vorsitzenden des Zentralexekutivkomitees der Krim, und seinen Stellvertreter Mustapha ver­hängt wurde, ist vollstreckt worden.

ordnung. Das beweist schon der Umstand, daß er | an einer anderen Stelle seiner Schriften feststellt, daß» das Gemeinwohl, wie die Geschichte Roms zeigt, gerade durch die republikanische Staatsform mächtige Förderung erfahren hat." Auch der große Papst Leo XIII. hat in zwei berühmten Schreiben an die französischen Katholiken vom 16. Febr. und 3. Mai 1892 auseindergesetzt, daß feine der be­stehenden Verfassungen als in sich endgültig und unveränderlich betrachtet werden könnte." Indeß ist hier sorgfältig ins Auge zu fassen: Welche Re- gierungsform auch immer in einer bestimmten Na­tion bestehen mag, so kann man sie doch niemals als so endgültig betrachten, daß sie immer unver­änderlich bleiben müßte . . . Diese Veränderun- gen sind keineswegs immer im Anfang gesetzmä­ßig. es hält sogar schwer, daß sie es seien, den­noch macht das höchsteKriterium" des Ge­meinwohl und der öffentlichen Ruhe die Anerken- nung dieser neuen Regierungen rur Pflicht, die sich anstelle der früheren, jetzt tatsächlich nicht metir vorhandenen Regierungen, im wirklichen Besitz­stand befinden."

Martin Spahn hat erklärt, diese Sätze wende­ten sich nur an die französischen Katholiken, für die sie geschrieben seien. Das ist eine Finte.

Der objektive Professor.

Herr Martin Spahn, nach dem begeisterten Urteil seines Glogauer Parteiblattesein b e« rühmter Professor", liebt es, seine Wahlreden mit heftigen Ausfällen gegen die Zentrumspartei zu garnieren. Man kann das verstehen. Es ist nun einmal die spezielle Aufgabe, die feine Par­tei ihm zumies, und der er sich mit dem Fanatis­mus des Renegaten und mit dem angstvollen Eiftr desFührers" widmet, der zusehen muß, wie seine Plattform langsam kleiner wird und einer nach dem andern davonaeht. Wie gesagt, man kann ein gewisses Verständnis haben dafür, daß der Wahlredner Spahn eine Partei bekämpft, die ihn durch ihre zielsichere erfolgreiche Arbeit io oft kompromittiert hat. Aber, was man bei allem Langmut nicht verstehen kann, ist die Tatsache, daß der Professor Spahn seinen Kampf nicht mit jener Objektivität führt, die als die höchste Zierde des Gelehrtenstandes gilt.

Der Herr Profesior hat nämlich in einer Rede im Evangelischen Gemeindehaufe in Glogau nach Zeitungsberichten behauptet,daß das Zentrum beinahe 50 Prozent der katholischen Wählerstim­men nicht besitzt und daß diese in andere Parteien abgegangen sind, vorwiegend aber in die Deutschnationale Dolkspartei". Daß bei dieser Ge­legenheit die durch den Austritt namhafter Füh­rer manifestierte Ernüchterung vieler deutschnatio­naler Katholiken nicht erwähnt wird, sei dem Wahlredner nicht übel genommen, aber dem Professor sei angemerkt, daß seine Behaup­tung, die dem Zentrum nicfyt angehörenden Ka­tholiken seien vorwiegend deutschnationale, durch die allseitig anerkannte, wissenschaftliche Publikation Dr. Schauffs längst widerlegt wor­den ist. Der Professor Spahn wird sich nicht da-

Rechte (Arrondiffementswahlsystern) 260 (Proporz) 189

Mitte (Arrondissementswahlsystem) 53

(Proporz) 41

Linke (Arrondissementswahlsystem) 261 (Proporz) 269

Kommunisten lArrondissementswahlsystem) 14

(Proporz) 78

Verschiedene (Arrondissementswahlsystem) 5 (Proporz) 16

Sitze.

Konservative 328135 Rechtsrepublikaner 1008 244 Linksrepublikaner 1225 942 Rechtsradikale 551609 Radikale 1617472

Sozialrepublikaner 323 832

Sozialisten 1717212

Kommunisten 1 060 334

Verschiedene 223 332

Eine amtliche Statistik ist hierüber bisher nicht bekannt gegeben worden. Auch die offiziellen Par- teiblätter haben eine solche nicht publiziert. Auf Grund dieser Statistik rechnet nun die Humanste

denlächerlichen Grenzen" redete, die wenigstens wirtschaftlich überwunden werden müßten. Was an Stresemann sympathisch ist, daß ist eine gei­stige Beweglichkeit, seine politische Elastizität, die sich fern hält von unfruchtbarer Eitelkeit und ihn Mensch bleiben ließ unter M e n - s ch en, obwohl gerade in dieser Hinsicht seine Amtsst-llung mancherlei Gefahren für einen poli­tischen Charakter in sich birgt. So nehme er zu seinem 50. Geburtstag unseren herzlichsten Glück­wunsch.

Fürst Bülow über Stresemann.

Im Acht-Uhr-Abendblatt schreibt Fürst- l o w über Dr. Sttesemann u. a.:

Wenn weitere Kreise des deutschen Volkes heute mit Dank und Achtung des Staatsmannes gedäch­ten, der seit vier Jahren unter den schwierigsten Verhältnissen unsere auswärtige Politik führt, so sollte das selbstverständlich erscheinen. Deutschlands Außenminister kämvft aber zur Zeit um die innerpolitifche Stellung seiner Partei, und die Wogen von Unsachlichkeit und Verständnislosig­keit, die in jedem Wahlkamvf ein Land zu über­fluten pflegen, lassen ein besonnenes Urteil schwer aufkommen. Die Entwicklung Sttesemanns hat die Erwarttmgen bestättgt, die auf ihn gesetzt wurden. Er ist die markanteste Figur des neuen par­lamentarischen Deutschlands geworden und hat als Außenminister Qualitäten gezeigt, die ihm im Aus­lande Beachtung verschafften. Seine Auffassung von nationaler Würde ist gradlinig. Strese­mann hat auf einem glatten Boden mit sachter und kluger Taktik viel für Deutschland erreicht, den

Ungültigkeitserklärung der Wahl de» Büros der Emdener Sladtverordnelenverjammlung. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, find die kürzlich im neuen Stadtparlament oorgenommenen Bürowahlen, bei denen sämtliche Aemter den Kommunisten zufielen, für ungültig erklärt worden.

viel Stimmen die einzelnen Parteien aufgebracht haben. Der Gegen- Öfchen Lehrers, die einschlägige Literatur zu ken- J r 11 | nen- ®s blecht also nur die Annahme übrig, daß

satz in Mandatszahl und Stimmenzahl. der Wahlredner den Professor besiegt hat und Herr

I Spahn mit den Ergebnissen der statistischen F»r- aus, wie viel Sitze auf Grund des lückenlosen I fchung genau so selbstherrlich umgeht, wie es vor Propvrzsystems (das in Frankreich nicht I einiger Zeit sein Kollege Lukasjowitz getan hat. besteht) den einzelnen Parteien ^gefallen wären. Noch größer werden die Zweifel an der wissen- Das Blatt faßt die verschiedenen Gruppen wie schafüichen Objektivität des Heim Prof. Spahn, folgt zusammen: ------------- - ' - - - - - r -

wenn maw den-Latz Uestz. derr-er neulich in seinem Wochenblättchen prägte:Das Zentrum ist nicht mehr von den Bundesgenossen zu trennen, mit denen es die Schuld am Verluste des Krieges und am Unglück unseres Volkes verbindet".

o 2ht3 diesen zunächst nur reinen wirtschaftlichen Zweckmäßigkeitsüberlegungen sind nachher auch grundsätzliche Einstellungen geworden. Den Begriff der Stabilisierung des Friedens in Europa hat Stresemann seitdem immer deutlicher in seine außenpolitische Zielsetzung hineingetragen. Damit hat er allmählich den festen Boden gefunden und d« innere Zielsicherheit gewonnen, die für jede na« ttonale Außenpolitik unentbehrlich ist, wenn sie er- folgreich sein will. Würde die Außenpolitik Stre- semanns m ihrem anfänglichen sehr lockeren Zweck- maßigkeitskalkül hängen geblieben sein, dann wurde es ihm heute schwer fallen, den mannigfa­chen Krstikern zu ttotzen, die von einem Fiasko her Locarnopolitik sprechen und eine Neuorientie- rung nach dem Mussolinischen Italien anpreisen. Heute ist es Stresemann leicht, solche Ratschläge als unzeitgemäß und gefährlich abzutun. Diese Ratschlage besagen doch auch in Wirklichkeit nichts anderes als eine Aufforderung an die deutsche Außenpolitik, sich für unklare Hoffnungen Haupt- sachlich beziehen sie sich auf die Erlaubnis von Aufrüstungen an das Ausland zu verkaufen.

Dr. Stresemann ist heute in der Welt einer der bekanntesten Persönlichkeiten. Am Lob des Aus- landes hat es nicht gefehlt, große Ehrungen, so u. a. den Friedensnobelpreis, hat er einheimsen können. Es geschieht in der politischen Geschichte sehr oft, daß die Bahnbrecher für eine neue politische Auflassung mit den heftigsten Wi­derstanden zu rechnen haben, nur weil sie gegen bie herrschende Trägheit ankämpfen müssen oder gegen das Ruhebedürfnis einer sehr rentierenden Interessenpolitik. Ja, daß sie in solchem Kampfe unterliegen und Opfer ihrer Ueberzeugung wer­den, daß aber dann, wenn die Entwicklung der politischen Verhältnisse ihnen Recht gegeben hat I unb Katastrophen ausgebrochen sind, irgendein geistig beweglicher Nachfolger an die Stelle des niedergekämpften tritt, indem auseinemSau- lus ein Paulus wird. Ohne nun sagen zu wollen, daß Stresemann eine Paulusnatur fei und einen kämpferischen Bekenntnismut liebe, der auch den Opfertod nicht fürchtet, muß doch zugegeben I werden, daß er nicht nur verstanden hat, bie 23er- bienfte eines Vorgängers einzuheimsen, sondern auch durch Jahre hindurch so geschickt taktierte, daß er in feiner Stellung augenblicklich kaum einen Konkurrenten besitzt. Die Hilfe, die ihm untere augenblickliche Wahlpraxis leistet, bei der die Par- teibürokratie alle neuoufftrebenben Kräfte nieber« äuhalten vermag, ist babei natürlich nicht zu unter- schätzen. Was Stresemann im Sinne seiner natio- nalen Realpolitik an konkreten Erfolgen nach Hause gebracht hat, sind außer unwägbaren internatio- I nalen Stimmungsmomenten schließlich nur gewisse glückliche Formulierungen bei internationalen Ent­schließungen, die über die hinter ihnen stehenden I mageren Ergebnisse sorgsam hinwegtäuschen. Aber wir sind deshalb nicht böse, denn wir wissen, daß unsere Außenpolitik geduldig sein muß und .Zeit braucht.

Ader es kennzeichnet die politische Entwicklung eines Stresemann, den die Gründer der Deutsch. Demokratischen Partei im Dezember 1918 »egen seiner kurzsichtigen Kriegspolitik als Führer ! aoihefcen, und der dann die Deutsche Volkspartei vegrundete, daß er zwei Tage vor seinem 50. Ge- j burtstage in einer öffentlichen Versammlung von

nicht geringen Hindernissen zum Trotz, die sich ihm wiederholt in Genf entgegenstellten, und der Widerstände ungeachtet, bie ihm im eigenen Lande erwuchsen. Man glaubt dem deutschen Außen- Minister Sttesemann, daß Deutschland den Frieden will. Ohne jemals die Würde des Deutschen Reiches zu vergeben, hat Sttesemann es verstanden, eine fernere Position aufzugeben, um eine nähere, not­wendigere zu erreichen. Ein Staatsmann von sol­chen Eigenschaften ist ein Besitz, den Deutschland sich zu sichrrn und zu erhalten allen Anlaß hat.

Glückwünsche.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mft- teilt, hat Ministerpräsident Braun an den Reichs­außenminister Dr. Sttesemann bas folgende Glück- wunschtelegramnr gerichtet:

Zur Vollendung des 50. Lebensjahres über­mittle ich Ihnen, zugleich im Namen des preußischen Staatsministeriums, herzlichste Glückwünsche. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch viele Jahre in bester Gesundheit auf Ihrem verantwortungsvollen Po­sten zum Wohle unseres Vaterlandes zu wirken und insbesondere Ihre auf die Verständigung der Völker gerichtete Friedenspolitik zu vollem Erfolge zu führen."

Reichspräsident von Hindenburg hat ein Glückwunschschreiben mit einem Blumenkorb über­sandt. Reichskanzler Dr. Marx hat von seinem Urlaubsort aus seines 50 Geburtstages gedacht. Ebenso liegen bie Glückwünsche der übrigen Ka­binettsmitglieder, von Diplomaten unb anderen hervorragenben Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vor.

(Etwas über den Liberalismus.

Der frühere Lanbesgeschäftsführer der Deut- Ischen Volkspartei Oberschlesiens, W. I I m l e, der feiner Zeit als Katholik wegen der I schulpolitischen Haltung seiner Partei fein Amt nie. I dergelegt hatte, äußert sich in der Gleiwitzer IDolksstimme" über die tiefe Gegensä tzlich- Ifeit katholischer unb liberaler Kultur- I auffaffung. Er gesteht der Deutschen Dolkspartei I zwar zu, sich mit mehr ober weniger Recht eine christliche Partei zu nennen, ober für einen Ka- I tholiken mit offenem Blick unb gerader Gesinnung könne dieser christliche Liberalismus als politische I Vertretung nicht in Frage kommen.

Der hemmungslosen Staatsomnipotenz dem I letzten Ziele des polittschen Liberalismus di« I allzuoft in ihrer praktischen Durchführung schwere I innere Kämpfe hervorgerufen hat und sich vom I Staatssozialismus nur in der äußeren Organisa- I tion und der Wertung des Menschen unterscheidet, I setzen wir die bewußt christliche Staatsauffassung I entgegen, in der Staat und Kirche nicht zwei sich I tödlich bekämpfende Faktoren sind, wohl aber die harmonische Vereinigung dieser beiden Faktoren als höchstes und letztes Ziel erftrebt wird. Der Liberalismus als Weltanschauung muß aus eben den Tiefen feiner Weltanschauung heraus der ab­solut christlichen, besonders aber der katholischen Weltanschauung, feindlich gegenüberstehen. Hier I endet für den einzelnen die Kompromißmöglich­keit: hier muß die politische Selbstenflcheidung ein­treten."

Jmle befaßt sich bann mit liberalen Gegen­äußerungen zu einem früheren Artikel, bie sich vor allem gegen bie von ihm betonte selbstverständ­liche vaterländische Gesinnung unb Opferbereit­schaft des Zentrums wanbten. Er führt hierzu aus:

Ml das wäre an sich zu dumm, um näher darauf einzugehen, wenn derartiges nicht auch die bittere Wahr, heit sich schließen würde, daß man den katholischen Volks, teil, insbesonders soweit er sich politisch zum Zentrum bekennt, in bestimmten Kreisen auch heute als natio. nal minderwertig zu achten beliebt. Und dies unbeschadet der Tatsache, daß Jahr um Jahr das Zen« trum sich selbst und seine besten Männer Volk und Staat zur Verfügung gestellt hat, weiß Gott ohne jeden Par- teigcwinn, daß vor, neben und mit Stresemann Männer des Zentrums ununterbrochen die Führung des deurfchen Schicksals in ihrer Hand hielten und für den sichtbaren Aufstieg unseres Staats feit 1918 verantwortlich zeich­nen. Ich weiß, man bezeichnet das gern mit Macht- hunger des Klerikalismus. Aber was wäre wohl aus Volk und Vaterland in den Sturmzeiten von 1918 ohne diesen viel berufenen, jedenfalls aber oerantwortungs- freudigenKlerikalismus" (um dieses unwahre Wart aufzunehmen) geworden! Eine Summe von Erperimen-

Streftmanns 50. Geburtstag.

Stresemann feiert am 10. Mai seinen 50. Ge- burtstag. Er ist Führer der Deutschen Volkspar­tei unb steht als solcher mit seiner Partei augen­blicklich im Wahlkampf. 3m Wahlkampf gilt nur die eigene Partei, gelten nur bie eigenen Partei- sührer. Wer wirklich für eine Jbee kämpft, kann gar nicht anders handeln. Es ist darum schon etwas merkwürdig, daß man in diesen Tagen an den 50. Geburtstag eines fremden Parteiführers erinnern muß, den man in feiner Eigenschaft als Führer einer gegnerischen Partei natürlich nur be. kämpfen tarnt. Wir insbesondere im Zentrum haben an dem Parteiführer Stresemann in den letzten Monaten gar manches auszusetzen gehabt und wir können auch heute unsere Kritik an ihm, unsere Meinungsdifferenz ihm gegenüber nicht un­terdrücken, wenn wir in seinen Wahlreden verneh. men müssen, wie sehr er mit Nachdruck sich unent­wegt für den Primat derjenigen Forderungen ein­fetzt, an bereit Ueberbetonung durch die Deutsche Dolkspartei das Zentrum die letzte Regierungskoa­lition hat scheitern lassen. Es ist die Forderung des Primates der S i m u l t a n f ch u l e. Aber so sehr hier noch Differenzen bestehen, auf der ande­ren Seite dürfen wir gerade an feinem Geburts­tage unsere Genugtuung darüber zum Ausdruck bringen, daß er in sehr wichtigen Lebensfragen unseres Volkes sich bie politischen Auffassungen der Zentrumspartei zu eigen gemacht hat. Das gilt für bas außenpolitische Gebiet.

Ja, wenn wir heute des 50. Geburtstages Dr. Sttesemanns gerne gedenken, so tun wir es, weil er sich als Außenminister zu den grundsätz­lichen Gedankengängen bekannt hat, bie für die Außenpolitik der Zentrumspartei in der Nach- kriegszeit maßgebend gewesen sind. Wir sagen mit Absicht: grundsätzliche Gedankengänge. Es hat eine Zeit gegeben, wo bie Bekehrung Stre- semanns, der im Jahre 1921 unb 22 noch mehr als einmal bie Außenpolitik Dr. Wirths mit überflüs­sigen Mißtrauensvoten belästigt'hat, nur aus Er­wägungen wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit heraus eine Verständigungspolitik mit Frankreich befürwortete. Weil bie Ruhrpolitik eines Hugo Stinnes bie gesamte deutsche Wirtschaft zu Grunde zu richten drohte, hat Sttesemann den Ruhrabwehrkrieg liquidiert unb boraushin au- ruckgelenkt, die feit 1919 durch die Weimarer Koa­lition angegeben worben war.

Das hat, man begreift es kaum, ein Mann ge­schrieben, der sich Historiker nennt, der in öffentlichem Auftrag der stubentifchen Jugenb bie geschichtliche Wahrheit künden soll, der also schon von Berufswegen wissen müßte, wo bie wirklichen Schuldigen am unglücklichen Ausgang bes Welt­krieges sitzen. Ober hat ber Professor um den mühsam errichteten Bau seiner politischen An» schauung nicht durch Zweifel zu gefährden, darauf

ten politischer Freibeuter mit einem nicht absehbaren I verzichtet, die Memoiren bet früheren Führer, bie Ende. Oder ist weiter die Tatsache auch dem Macht- I kriegswissenschaftliche Literatur unb die Gutachten hunger des Älerifafisirms zuzusprechen, daß in den Mas. bes Reichstagsausschusses sich anzusehen? Man sengräbern von Frankreich, Rußland usw. Millionen be- I muß es fast glauben. Wir wollen ihm helfen, wußter Katholiken ruhen, gefallen wie all die anderen I Die Zentrumspartei hat sich mit denen, die mehr für ihr Deutschland!" I als alle anderenbie Schuld am Verluste des

Es ist so, wie Jmle schließlich sagt: es ist tief Krieges und am Unglück unseres Volkes" tragen, befdiämenb, auf diese Tatsachen abwehrend hm- in den letzten zehn Jahren zweimal verbinden müs. weisen zu müssen. I fen. Das war 1925 unb 1927. Die Erfahrungen,

I bie das Zentrum bei biefen Gelegenheiten machen Polen. I mußte, waren nicht so, baß es ihm schwer fällt,

. , . , . - I sich von diesenBundesgenossen" zu trennen.

eine "Nd WkBlld, noch «In, $,inn,runfl. »,.r

fasiungsausschuß de, Sejms. Professor Spahn hat d* einigen Monaten dem

wtb. Warschau, 10. Mai. (Eig. Funkm.). In Zentrum oorgeworsen, es habe durch seine Dilli- bem schon seit Monaten währenden Streit zwischen flUng ber republikanischen Staatsform die katho- ßanbtag unb Regierung, ob der Sjem das lisch- Staatsauflassung verraten. Daß Spahn nur Recht habe Dekrete des Staatspräsidenten mitttls bie Monarchie als aöaequate Staatsform ansieht, einfachen Beschlusses abzulehnen, wahrend die Re- versteht sich am Rande. Nun hat aber schon Tho- gierung auf dem Standpunkt steht, daß hierzu em m<15 DOn Aquin bargelegt, daß ber naturrechtliche (TnntXnÄ Sh Inhaber unb Träger der Staatsgewalt bas Volks-

1 flttnÄC ist- Denn anbet 5 kann ber thowistische Satz LLnicht verstanden werben, ber lautet:Auf das Ge- meinwohl hinzuordnen, ist Aufgabe unb Recht ber orbnungen bes Präsibenten durch den 'Sejm kas- I R^cht^und ^die^Aufaabs bat^auf^a W

fiert werden können, wurde mit 19 gegen 12 Stirn- unbs ^,e ?°s

men stattgegeben, während ein entgegengesetzter I -^no^nen, um beffen felbftctgenes Ziel es sich Antrag eines Abgeorbneten bes Reqierungsblocks I £nei1® handelt. Wenn Thomas persönlich auch verworfen würbe. I £!e Monarchie für die politisch zweckmäßigste

Staatsform seiner Zeit hielt, so tat er bas nicht im Glauben an eine naturrechtliche oder göttliche An-