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S»nn<t8fa(f, 10. Mal 1920
Fuldaer Zeitung
2. »latt.
Druck bet Fuldaer AcNendruckerel, Fulda
Nach Wallraf Feldmann.
Die Presse hat in der Wahlbewegung die Aufgabe, die Stellung der Parteien für das Urteil der Wähler klar erkennbar zu machen. Deshalb kann sie natürlich nicht ihre Ausgabe darin sehen, Komplimente zu machen, sondern sie muß die Absichten einer Parteigruppe in ihrer gesamten Ausdehnung klar legen. Das gilt vor allen Dingen auch für die Parteien von der vielseitigen Art der D e u t s ch n a t i o n a l e n Volks Partei. Falls wirklich die Ausfüh- rangen, die der Abg. Dr. Wallraf in Fulda ge- macht hat, von katholischen Wählern für wesentlich erachtet würden, selbst jetzt, da durch Der- ösfentlichungen des aus der Deutschnationalen Dolkspartei ausgetretenen Berliner Rektors Ha- ckenberg eine Fülle von Material über die un- freundliche Einstellung der führenden deutsch- nationalen Kreise gegen die Katholiken uv die Oef- fentlichkeit gelangt, dem sei gut Lektüre der fol gende Aufsatz empfohlen, den die „Kölnische Volkszeitung" unter der Ueberschnst: „D o s wahre Gesicht der Deu tsch natio n a- l e n* veröffentlicht:
3n der deutschnationalen „Frankfurter Post" be- handelt Senalspräsident Dr. Heldmann die Frage: „Brauchen wir eine evangelische Partei?" Der Artikel ist ausgesprochen antikatholisch. Seine Tendenz geht etwa dahin, daß die Gründung einer besonderen evangelischen Partei nicht erforderlich sei, weil in der deutschnationalen Partei sich ausreichende Möglichkeit biete zur Bekämpfung des .Zentrums und, wie der ganze Artikel erkennen läßt, zur Bekämpfung der deutschen Katholi- ken. Es war schon im alten Staate so: das Zen- hum wurde genannt, und den Katholizismus meinte man.
Nach der Meinung Dr. Heldmanns sehen die Kreise, welche einer evangelischen Partei das Wort reden, „daß das Zentrum überall in rücksichtsloser Weise sich in leitenden Staatsstellungen einschiebt, daß es die Direktorenstellen an fast rein evangeli- scheu Schulen besetzt, in der Verwaltung überall den Vorzug genießt und in der Justiz durch feinen Minister fast alle leitenden Stellen im ganzen Westen Preußens katholisch besetzt hat."
Jeder objekttve Beurteiler weiß, daß der Eman- zipationskampf des katholischen Volksteiles in Deutschland zwar eine Reihe der krassen Zurück- Setzungen des alten Regimes ausgeglichen, aber noch keineswegs zu einer völligen Gleichstellung der beiden Konfessionen geführt hat. Wurden in der Vorkriegszeit Beschwerden geführt über Zurücksetzung der Katholiken, so wurden diese mit einer überlegenen Geste abgetan; entscheidend war angeblich nur die persönliche Eignung, und die protestan- tischen Stellenanwärter waren eben stets die geeigneteren. Dem Herrn Dr. Heldmann ist die Des- serung der Paritätsverhältnisse keineswegs sympathisch. Wie schön wäre es doch, wenn man noch immer die katholischen Deutschen als zweitrangig behandeln und die katholische „Konkurrenz" mit der Staatsgewalt niederknüppeln könnte!
Herr Dr. Heldmann selbst ist von einem katho- lischen, dem Zentrum angehörenden Justizminister zum Senatspräsidenten befördert worden. Sicher- lich wäre in der monarchischen Zeit ein Richter der eine derartige Einstellung gegen den evangelischen Volksteil besessen hätte wie Herr Dr. Held- mann gegen den katholischen, nicht in eine so hohe richterliche Stelle aufgerückt.
Daß Herr Dr. Heldmann katholische Kloster- gründungen in protestantischen Gegenden Norddeutschlands unter allen Umständen als Störung des konfessionellen Friedens empfindet, versteht sich bei dieser Geisteshaltung von selbst. Wären die politischen Machtverhältnisse so gelagert, wie Herr Dr. Heldmann es sich wünscht, so würde solchen Klostergründungen mit Gewalt entgegengetrekien werden
Selbstverständlich, daß in diesem Zusammen- hange auch die alten Anwürfe gegen das Zentrum vegen nationaler Unzuverlässigkeit wiederkehren.
Begebenheiten
aus aller Welt
Temperatursturz im Schwarzwald.
wtb. Freiburg, 9. Mai. (Eig. Funkm.) Im südlichen Schwarzwald ist ein empfindlicher Temperatursturz eingetreten. Das Thermometer ist über Nacht auf dem Feldberg von t 8 Grad auf — 8% Grad heute morgen gefallen. Auch ist, nachdem die ersten Frühjahrswochen den Feldbcrg vollkommen schneefrei gemacht hatten, mehrere Zentimeter Neuschnee gefallen. In den Tälern und in der Rheinebene ist das Thermometer gleichfalls etwa 10 Grad gefallen.
* Zwei Jahre Gefängnis wegen Ueberfalls auf emen Geldbriefträger. Das Berliner Schwurgericht II verurteilte den aus Königsberg i. Pr. gebürtigen Maurer Ernst Heidemann, der am Vormittag des Heiligen Abends in einem Hause der Berliner Manstemstraße den auf dem Bestellgang befindlichen Eeldbriefträger Teichert mit einem Hammer niederschlug, wegen versuchten schweren Raubes m Tateinheit mit versuchtem Totschlag zu zwei wahren Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre Gefängnis beantragt.
* Zuchthausstrafe für einen ungetreuen Beamten. Der Regierungsobersekretär Otto Garlichs in Düsseldorf wurde wegen Betrugs und gewinnsüchtiger Urkundenfälschung zu vier Jahren Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und fünfjähriger Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter verurteilt. Seine Mitangeklagte und Geliebte, Frau Auguste Heute, die von dem unterschlagenen Gelds das Leben einer großen Dame führte, wurde zu drei Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Garlichs hat durch fortgesetzte Unterschlagungen die Regierungskasse um 800 000 M. geschädigt.
Kus der Welt der Ai'eger.
Weitere Ehrungen der „Vremen"-FUeger in New Jork.
Der irische Handelskommissar Erawford und Gemahlin geben zu Ehren der „Bremen"-Flieger in New Bork ein Essen im Park des Zentralhotels, an dem auch der deutsche Konsul Dr Heuser und Gemahlin teilnahmen. Später wohnten die „Bre- men"-Flieger einer Besichtigung des 69. Infanterie- Regiments in der Waffenhalle bei. Konsul Dr. Heuser veranstaltete zu Ebren der „Bremen"-Flieger am Sonntag ein Frühstück im deutschen Verein.
Bei dem Festessen des Verbandes Friendly Sons of St. Patrick in New Bork, das zu Ehren der ------------ in.....in.........iiiiiui miiiii iiiinimm , hiihhm an ,« Die „Machenschaften" Erzbergers und die Kan.zler- lchaft Wirtbs bekommen unter diesem Gesichtswinkel eine besondere schlechte Zensur. Daß die Außenpolitik dieser beiden Zentrumsführer das deutsche Volk aus dem schlimmsten Elend herausgehoben hat, sodaß heute kein einsichtiger Politiker mehr eine andere Außenpolitik als die von beiden inaugurierte für möglich hält, war unnational. Es war dagegen national, beiseite zu stehen, zu poltern und dieser Außenvolitik alle erdenklichen Schwierigkeiten zu bereiten.
Empörend ist es, daß der Verfasier des Artikels sich nicht scheut, das Zentrum eine Rolle bei den „Intrigen um die sogenannt- Autonomie des Rheinlandes" spielen zu lassen. Wer hat denn in der Hauptsache den Kampf gegen den Separatismus unter den schwersten Bedrängnissen geführt? Waren es nicht die überwiegend katholischen Rhein- läuder, und wieviele von ihnen gehören der Zentrumspartei an?
Herr Heldmann zeigt auch den Weg, wie man, ohne eine evangelische Partei zu gründen, des Zen-
„Bremen"-Flieger stattfand, erklärte Fitzmau- rice, die Geschichten über die deutschen Grausamkeiten während des Weltkrie- ges feien Unfinn. Er habe im Jahre 1919 die Flugpost von England nach Köln befördert. Dabei sei er während eines starken Nebels in die neutrale Zone geraten und mußte in einem Dorfe Westfalens landen. Dort wurde er drei Wochen lang interniert, aber liebenswürdig und zuvorkom- men behandelt, und habe gelernt, die Deutschen hochzuschätzen. Deshalb sei er auch hocherfreut gewesen Gelegenheit gehabt zu haben, den deutschen Ozeanflug auf der „Bremen" mitzumachen.
Französischer V ersuch zur rleberbieiung des Dauerflugweltrekordes.
Die französischen Flieger Gebrüder Arrachart sind am Dienstag um 6.30 Uhr in Le B o u r g s t gestartet, um mit einem 550PS-motorischen Flugzeug zu versuchen, den Dauerflugweltrekord zu brechen. Ihre Flugbahn bewegt sich im Umtreife von 50 Kilometer um Le Bourget.
Paris-Tokio und zurück im Flugzeug.
Am Dienstagvormittag 11 Uhr ist der französische Flieger Pelletier d'Oisy mit zwei Begleitern in Le D o u r g e t aufgestiegen, um die 30 000 Kilo- Meter lange Strecke Paris-Tokio und zurück in Etappen zurückzulegen. Das erste Ziel ist Bukarest. Der Weg soll über Sibirien gehen. Das Flugzeug ist mit einem 470 PS-Motor ausgerüstet.
Denkmal für Nungesser und Coli.
Auf dem Flugplatz von Le Bourget wurde ein Denkmal zur Erinnerung an den Start von Nungesser und Coli, der am Dienstag vor einem Jahre erfolgte, und an die Ankunft Lindbergs errichtet.
Flugzeugabsturz In Dortmund.
Auf dem Flugplatz Dortmund-Drackel ist das Flugzeug der Firma Günther Wagner aus Hannover unter Führung des Flugzeugführers Gristedde in Begleitung einer Dortmunder Dame Lore Winkler, kurz nach dem Aufstieg aus etwa 40 Meter Höhe abgestürzt. Der Flugzeugführer und feine Begleiterin wurden schwer verletzt; das Flugzeug wurde vollständig zertrümmert. Die Flugpolizei hatte, wie die „Dost. Ztg." berichtet, den Führer wegen seines Fliegens erst am Tage zuvor verwarnt.
* Verhaftung eines Deutschen kn Belfort wegen angeblicher Spionage. Havas veröffentlicht einen Bericht aus Belfort, man habe dort kürzlich einen
trums Herr werden Fann: Die Deutschnationalen müssen sich mit den Sozialdemokraten verbinden!
Im Provinziallandtag zu Kassel verhalfen die Rechtsparteien dem sozialdemokratischen Kandidaten für den Posten des Präsidenten des Landesversicherungsamtes zum Siege gegen die Stimmen des Zentrums. „Das wird" nach Dr. Heldmann „derAnfang dazu fein, daß auf der Rech, ten der Grundsatz sich durchsetzt, daß das Zentrum vor der SPD. keine Borzugsstellung mehr genießt."
Wie in keiner einigermaßen erschöpfend sein wollenden Polemik gegen das Zentrum fehlt auch bei Heldmann nicht der Beichtstuhl als angebliches Mittel im Wahlkampf. In 50 Wahlbezirken der Stadt Frankfurt a. M. wurde bei den letzten Wahlen zum Kommunallandtag getrennt nach den Ge- schlechtem abgestimmt, und das Verhältnis der männlichen zu den weiblichen Wöhlern betrug bei dem Zentrum 50: 161. Das zeigt deutlich den Einfluß des Beichtstuhls." Nein. Herr Heldmann, kein Beichtstuhl und kein Oberhofprediger können einer Wahl die ausschlag.
Deutschen mit Namen S. aus der Umgebung von Freiburg i. 53. verhaftet, der mit einem Elsässer in Verbindung gestanden habe, um militärische Geheimnisse zu erlangen und besonders Militärpapiere, in denen Mobilisierunasanordmmgen enthalten seien. Gegen den Verhafteten sei ein Verfahren c'.ngelettet worden. DaS Gericht bewahre strengstes Still- schweigen. Man habe bei S. französische Militärpapiere vorgefunden. HavaS führt dann ans, man erinnere sich, daß vor vier Monaten zwei der Angeschuldigten im Kolmarer Prozeß, nämlich Köhler und Baumann, beschuldigt wurden, in Gemeinschaft mit Cösar Ley den Versuch gemacht zu haben, sich Militärpapiere für Rechnung deS Spirnage- büroS in Freiburg zu besorgen. S. wird in der Meldung als einer der aktivsten Agenten des deutschen Spionagedienstes in der Gegend von Freiburg bezeichnest
Fälschung französischer Vanknoten?
Ein vom Paris-Midi nach Belgien entsandter Mitarbeiter will von der Herstellung falscher fron- zösilcher Banknoten (in der Hauptsache 100-Fran- kenscheine) berichten können. Polizei und Gericht seien mit der Angelegenheit bereits beschäftigt, doch habe man bisher von amtswegen großes Stillschweigen bewahrt, weil hochstehende Persönlichk-i- ten in die Angelegenheit verwickelt seien. In einem Schloß in der Nähe von Eharleroi habe man die notwendigen Druckereianlagen entdeckt. Man spreche von einem in die Millionen g e- h e n d e n D e t r a g e.
* Die gesamte kommunistische Stabfoerorbnetenfraf- tion vor Gericht. (Eig. Funkm.) Das Schöffengericht in Bautzen verhandelte am Dienstag gegen die vier Mitglieder der Bautzener kommunistischen Stadtverordnetenfraktion wegen Beleidigung des Amtsgerichtsrats Huster in Bautzen. Dieser hatte als Einzelrichter vor kurzem einen der kommunistischen Stadtverordneten zu 4 Wochen Gefängnis und einen anderen zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt und zwar wegen Beleidigung des Bürgermeisters. Darauf hatte die kommunistische Fraktion in einer Stadtverordnetenfitzung den Amtsgerichks- rat Huster als willfährigen Klassenrichter bezeichnet 2 der Angeklagten erhielten je 120 Mk. Geldstrafe, einer 100 Mk. und der vierte mit dreijähriger Bewährungsfrist 80 Mk. Geldstrafe.
3 Bauerncehöfte mederaebrannt.
wtb. Sagau, 9. Mai. (Eig. Funkm.) Bon einem Großfeuer wurde das Dorf Zehrbeutel im hiesigen Kreise heimgefucht. Gestern nachmittag entstand in der Wirtschaft eines Landwirts Feuer, das sich auch auf zwei andere Wirtschaften ausbreitete. 7 Gebäude fielen dem Brande, der schließlich einige Holzstapel eines Sägewerks erfaßte, zum Opfer. Mit Motorspritzen aus Sagan und Haibau und mit Läschhilfe aus einigen Nachbarorten wurde das Feuer bekämpft. Der Schaden ist bedeutend.
gebende Richtung geben, wenn nicht die Weltanschauung fest im Innern der Wähler verankert ist.
Wir versprachen uns von der Gründung einer evangelischen Partei etwas ganz anderes. Wir dachten an einen gemeinsamen Kampf um die christlichen Lebensideale in Staat und Gesellschaft Geplant ist dennoch lediglich eine Kampforganisa'ion gegen das im wesentlichen katholische Zentrum.
Dem Herrn Senatspräsidenten Dr. Heldmann können wir für seine Aufklärung über diese Par- teigtiinbung und über den sicherlich nicht von ihm allein der deutschnationalen Partei vorgezeichneten Weg aufrichtig dankbar sein. „Lieber rot als schwarz" oder besser noch mit „Rot gegen Schwarz, und die katholische Emanzipation" sind die Leitsätze. Sicherlich alles zur Hebung des Nationalbewußtseins und mit Rücksicht auf die von Herrn Held- mann in feinem Artikel gleichzeitig betonte Schicksalsverbundenheit des deutschen Volkes.
Und was sagen Herr Martin Spahn und dis anderen deutschnationalen Katholiken dazu?
bin gutes Mittel bei Flechten, tzautausschlägen.
Flechten, ganz besonders die überaus lästige Schup- penflechte (Psoriasis) und Bartflechte find gar arge und lästige Uebel, denn sie verunstalten nicht nur die Haut sondern schmerzen, jucken, schuppen, brennen und nässen oft auch ganz erheblich und andauernd. Außerdem sind sie meist hartnäckiger Natur, und nicht selten sind sie von der Wiege bis zum Grabe der treue Begleiter des Men-
Don Dr. weck. TB.
Oem Man sollte deshalb nie den Weg zum Arzt . möglichst viel dicken Schaum, läßt ihn evtl noch einige scheuen, denn ;ede Flechte ist anders, und jede Haut Zeit stehen, bis er so dick ist wie Brei. Salbe oder Sirup verlangt eine individuelle Behandlung. In vielen Fäl- । und trägt ihn dann leicht, o h n e z u r e i b e n, auf die len hat sich nach meinen Erfahrungen folgendes Versah- zu behandelnden Hautstellen auf. Am besten geschieht ren gut bewährt: Man nehme ein Stuck Zucker's Patent- das Aufträgen des abends, damit der Schaum genügend Medrzinal-Seife, reibe mit der Hand oder noch besser Zeit hat, auf der Haut einzutrocknen und die Nacht über mit einer nassen Bürste, einem nassen Pinsel und dergl. liegen bleiben kann. Morgens erweicht man ihn mit
etwas Master, spült ihn dann leicht ab und trocknet hierauf die Haut, ohne zu reiben oder zu frottieren, sanft mit einem weichen Tuch. Nachher stet» die Haut mit Zuckooh-Creme, die ebenso wie Zucker's Pa- tent-Medizinal-Seife in jeder Apotheke, Drogerie und Parfümerie zu haben ist, nachbehandeln. Diese Prozedur wiederhole man so lange, bis Besserung erfolgt.
Llmö Datererbe.
Roman von Karola Hellmuth
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„Gebe Gott, daß alles gut geht!" sagte sie dann für sich, die Hände wie zum Gebet im Schoß haltend. „Laß doch den Frieden unsere alten Tage nicht mehr gestört werden!"
Franz Schulze Barkamp ist indes zur Station gefahren, die wohl eine gute Wegstunde vom Dorf entfernt ganz in der Nähe der Kreisstadt Ehringshausen liegt. Ein paar Bekannte trifft er am Bahnhof, die mit dem Zuge fort wollen, sie fragen ihn, wen er denn abholen wolle. .
„Unser Dieter kommt doch heute wieder, ein ganzes Jahr war er nun fort!" entgegnet der Schulze strahlend.
„Na, Franz, da kannst du dich freuen, daß dl? deine Stütze wieder bekommst. Es geht doch nichts über die eigenen Kinder. Mit den fremden Leuten hat man nichts als Schererei!" bemerkt einer der Bauern.
„Ja, wovon kommt das? Bloß davon, daß die Leute aus den fremden Gegenden unseren alteingesessenen Leu- ten die Köpfe verdrehen. Da hinten kommt auch so ein Windhund, der junge Hildebrand. Seht nur, wie er sich angezogen hat, wie ein Pfauhahn. Na, das wollen die Dienstboten dann nachmachen, und das kostet einen Haufen Geld. Da sind dann die Leute mit ihrem Lohn nicht mehr zufrieden, wollen keine groben Arbeiten mehr machen, ihren freien Sonntag haben und fo weiter!" schimpft einer der anderen Bauern.
Der junge Hildebrand ist unterdessen nähergekom- men. Er lüftet nur nachlässig den Hut, als er aber den Schulzen in der Gruppe sieht, wird sein Gruß höflicher, er tritt sogar heran.
„Ei, sieh, Herr Barkamp, wollen Sie auch verreisen?"
„Nein, ich will nur meinen Sohn adholen?" Der Schulze ' gt es kurz und kühl.
„Sv? Dietrich kommt wieder? Ei, das ist ja schön, da bekommt man doch wieder ein bißchen Verkehr, man versauert hier ja ganz."
„Ich meine, hier in der Gegend sind junge Leute genug."
. Der Schulze sagt da ein wenig spöttisch, indem er mit den Augen zwinkert. '
Erich Hildebrand aber lacht laut auf.
„Aber wirklich, Herr Barkamp, als Mann von Bildung kann man doch nicht mit Hinz und Kunz verkehren, da sucht man sich doch gerne seinesgleichen."
Der hochmütige Bengel hätte wohl eine derbe Antwort bekommen, doch im selben Augenblick kommt der Zug heran.
Schulze Barkamp mustert die paar Reisenden, die dem Zug entsteigen, und mißmutig glaubt er schon, Dietrich wäre ausgeblieben, als ein junger Mann in staub- grauem Reisemantel, nach der neuesten Mode geklei- bet, dadurch feine Aufmerksamkeit fesselt, daß er mit Erich Hildebrand in aller Eile ein paar Worte und einen kräftigen Händedruck wechselt. Dann steht dieser junge Mann an seinem Wagen, reicht ihm die Hand und sagt mit froher Stimme: „Guten Tag, Vater! Da bin ich endlich wieder!" ,
Der Schulze nimmt die bargebotene Hand, aber er Zieht die Stirn finster zusammen, und den Heimgekehrten von oben bis unten musternd, meint er nicht eben freundlich: „Donnerkätzken, Junge, wie siehst du aus? Hast dich ja mordselegant gemacht, daß dich dein eigener Vater nicht mehr kennt! Junge, Junge, wie fo ein Commis siehst du aus, aber nicht wie ein Bauernsohn."
Dietrich ist rot geworden bei den tadelnden Worten.
„Ach, Vater, das war nun dahinten einmal fo, und dann, wenn ich ehrlich fein soll, ich meine, man braucht sich doch auch nicht anzuziehen, daß jeder gleich auf 100 Meter weit den Bauern in einem vermutet."
„Nee, Jüngsten, das braucht man nicht, aber man muß sich kleiden, wie es für feinen Stand paßt. lieb« rigens brauchst du dich gar nicht zu schämen, tzqß du ein Bauer bist — ist ein ganz ehrenwerter Stand, unser Bauernstand. Doch, nun steig ein, Mutter wird schon warten. Aber für fo einen feinen Herrn ist der Wagen vielleicht auch nicht passend."
Abermals wird Dietrich rot, doch er reicht dem Vater mit bittenbert (Beberbe die Hanb.
„Vater, laß gut fein, streite doch nicht gleich in der ersten Stunde. Es ist wirklich nicht so schlimm, wie du meinst, und es wird alles schon wieder ins rechte Gleise kommen,"
Die bittenden Worte bes Sohnek- tun ihre Wirkung. Franz Barkamp sieht ein, baß er boch etwas zu weit ging mit seinen Vorwürfen.
„Na, Junge, mir falls recht fein, wenn alles wieder ins rechte Gleise kommt. Ich war ja auch gar nicht dafür, daß du fo weit fort in ganz andere Verhältnisse kamst."
„Nein, Vater, du wolltest es nicht, aber ich glaube, bas Jahr hat mir ganz gut getan. Allerhand habe ,ch gelernt, was ich hier gut verwerten kann. Es muß ja nicht immer im alten Schlendrian weitergehen und ein bißchen Verfeinerung täte unseren Bauernsöhnen auch wohl not."
Vater Barkamp schüttelt bedenklich den Kops.
„Ich weiß nicht, ob das das Richtige ist. Bauer bleibt Bauer, daran kann keine Kleidung was machen. Ich bin für das alle, in der Kleidung sowohl als in der Lebensweise. Das Neue ist meistens nichts Gutes."
„Ja, Vater, so seid Ihr Allen! Ihr haltet fest an der Urväter Sitten und Gebräuche, ob Ihr aber damit das Richtige trefft? Wir Jungen sind für den Fortschritt, wir möchten auch das Neue ausprobieren und mit unserer Zeit gleichen Schritt halten."
Wieder schüttelt Vater Barkamp bedächtig den Kopf. „Nein, Dieter, ich versteife mich nicht auf das Alte, jch will dem Fortschritt gerne Rechnung tragen, aber in vernünftigem Sinne. Du mußt auch mit deiner Umgebung rechnen, mit dem langsameren Erfassen, bas unteren Bauern nun einmal eigen ist. Im Grunde ist es auch fein Fehler, daß sie das Neue nicht so schnell erfassen; sie prüfen und errangen eine Sache viel besser als die jungen Draufgänger."
„Ja, und mit dem Prüfen und Erwägen bleibt Ihr dann immer ein gutes Stück hinter unserer Zeit zurück!" lacht Dieter. „Doch wir werden uns vertragen, Vater, du bist keiner von denen, die sich einem vernünftigen Dor- schlag verschließen. Sief), da sind wir schon in Arns- feld, alles noch wie vor einem Jahr. Die wackelnden Gänse und die Entenschar am Eingang, und der Karo noch auf der obersten Treppenstufe bes Unterwirtshauses. Ich glaube wahrhaftig, er hat das ganze Jahr dort gesessen. Dort schleicht auch Lehrers graue Katze die Kirchhofmauer entlang. Wie oft haben mir die als Jungens mit Steinen geworfen, sieh mal, und der alle
Küsterignaz hinkt genau so zur Kirche wie sonst! Vater, es ist doch schön in der Heimat, wenn man alles so wieder antrifft, wie es einst war!"
Vater Barkamp hat mit wachsender Freude seinem Jungen zugehört. Nein, verdorben hat die Fremde ihn nicht, sonst könnte er sich nicht so kindlich über all die Kleinigkeiten freuen.
„Sa, Bunge!" sagt er nun schmunzelnd, dafür ist es eben die Heimat, der Ort, in dem du deine Kindheit verlebt hast."
Ein paar Handwerker kamen von der Arbeit dem Wagen entgegen, sie lüfteten verlegen die Mützen; den jungen, eleganten Herrn anzusprechen wagten sie nicht.
Doch Dietrich hat auf einmal ganz die Rolle des vornehmen Herrn vergessen, lachend wirft er feine elegante Reifemütze in die Lust.
„Ei, sieh da, Peter, Junge, Junge, gut, daß ich wieder hier bin und Bernd ist auch noch da. Jungens, Ihr könnt euch freuen, daß Ihr nicht in die Welt braucht, in der Heimat ists doch schöner."
,D nee, Dieter, ich meine, wenn man sich die Fremde so ein bißchen um die Nase schlägt, das tut auch nicht schaden!" entgegnet Peter altklug.
«Nein, schaden tuts nicht, aber hinter Mutters Topf ist es doch bester!" lacht Dieter. Fahr zu, Vater, daß wir zu Mutter kommen! Bis Sonntag, Jungens!"
Immer erstaunter hat Vater Barkamp auf feinen Sohn geblickt.
„Sa, die Heimat! Die Heimat!", denkt er, „sie wirkt wahrhaftig Wunder."
Der Wagen hat unterbesten bas freie Felb erreicht, zu beiden Seiten des Weges stehen knorrige Apfelbäume, die rotbackigen Aepfel lugen schon aus dem bunflen Grün, sie versprechen in diesem Jahre eine gute Ernte. Kosend gleiten die Strahlen der Abendsonne über die moosbewachsenen silberglitzernden Stämme. Das gol- bene, schon bald schnittreiche Korn rauscht leise im Abendwind, eine rotbunte Rinderherde weidet in saftigem Grafe. Drüben aber, über dem Kranz dunkelgrüner Eichbäume, ragt der Darkampshof mit feinem roten Ziegeldach hervor. Stattlich in seiner ganzen behäbigen Breite liegt er vor ihnen, das Licht der Abendsonne spiegelt sich in den blanken Fensterscheiben.
(Fortsetzung folgt.)