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Fuldaer Zertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 107.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

Dienstag, S. jHai 1928.

Anzeigen.Preise: Kleinzeile (Golonel) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 Ml. Reklamezeile: lokal 0,60 Ml, EC auswärts 0,80 Bei Wiederholungen Rabatt. vU. jUlJly«

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051

Der Wahlkampf.

Don dem entscheidenden Wahlsonntag trennen uns noch knapp zwei Wochen. Daß der Wahl- 'anrpf im vollen Gange ist, zeigt ein Blick in die Parteipresse. Die Ausführungen der führenden Parteimänner füllen täglich die Spalten der Zei- rmgen. Aber man merkt auch, daß die Anteil- lahme der Bevölkerung am Wahlkamps nur sehr zering ist. Auch die Unterhaltungen, die man in :en Verkehrsgelegenheiten vernehmen kann, zeugen richt von einer lebhaften Anteilnahme an dem Parteigetriebe. Die Versammlungen selbst sind »llenthalben außerordentlich schlecht betucht. Nur M, wo die Mnister auftreten, die in letzter Zeit rtwas im politischen Vordergrund standen und um- lämpst waren, oder wo Politiker mit einer beson- >eren rednerischen Begabung sich an die Wähler venden wollen, ist die Anteilnahme größer. Es $>äre aber verfehlt, wollte man aus dieser Zu­rückhaltung Schlüsse auf die Wahlbeteiligung am BO. Mai ziehen. Fast bei allen Wahlkämpfen des ietzten Jahres zeigte sich eine große Versamm- iungsmüdigkeit. Und dennoch war die Wahtbetei- igung überall wider Erwarten groß, erreichte fast iberall 75 Prozent der Wahlberechtigten.

Man sagt wohl gerne, daß der deutsche Staats- förger keinen politischen Sinn habe, weil er sonst nn größeres Interesse bekunden müßte. Ein sol- her Hinweis scheint gerade wegen der starken Va^beteiligung verfehlt zu sein, zumal man ja mßerdem annehmen muß, daß noch ein großer tzeil derjenigen, die nicht wühlen, das nicht aus MeichMUgkeit tun, sondern aus einer gewissen Opposition gegen die Parteien, wie sie nun -inmal sind. Der Mangel an Bersamnilungseifer vird also wohl seinen besonderen Grund haben, vdan wird wohl nicht fehl gehen, wenn man an- timmt daß den Versammlungen heute die innere »olitische Lebendigkeit fehlt. Nach dem Ausbruch »er Revolution war eine solche Lebendigkeit, wie ^innerlich, in höchstem Maße vorhanden Da be- zann jede Versammlung zunächst einmal mit einer ;ereizten Geschäftsordnungsdebatte, indem sich die zegnerischen Parteien zu Worte meldeten in der llbsicht, die versammlungsführende Partei zu ver­wirren oder gar die Versammlungen selbst zu stö­ben. Und dann folgten, nachdem man die Redezeit »cs Hauptredners selbst beschränkt hatte, stunden- ange Diskussionen ohne Ziel und Wirkung. Es ist mwngdar, daß solchen Abenden die lebendige Note zicht fehlte, es war aber auch nicht zu vermeiden, -aß solcher Wahlkampf schließlich von kemer Partei rrchr ertragen werden konnte. Selbst die Sozial» »cmokraiie ist heute dazu übergegangen, in ihren plahlversammlungen die „Freie Aussprache" nicht nchr zuzulassen.

Ein guter Ersatz für die „Freie Aussprache" ist tber noch nicht gefunden. Und er wird schwerlich gefunden werden können. Die politischen Zeiten ind verhältnismäßig ruhig und außerdem sind die Parteien, die heute zum Wahlkamps auftreten, ins­gesamt durch die Koalitionsarbeit derart ineinander »erflochten, daß ihre Wahlarbeit sich in der Haupt- ache darauf beschränkt, Re ch e n s ch a f t s b e richte tbzulegen und damit indirekt die gegnerischen Par- ieien in eine ungünstige Position zu taktieren. Der illest des Kampfes besteht in der Hervorhebung des Grundsätzlichen, der Parteiideologie. Die erstere Seite dieser Propagandatätigkeit aber ist dem Wähler aus seiner Presse hinlänglich bekannt und die zweite Seite bedeutet ebenfalls nichts an­deres als eine von ihm nur zu oft vernommene Bestätigung seiner eigenen Gesinnung. So kommt es, daß sich die Zahl der Bersammlungsbesucher ziemlich auf diejenigen beschränkt, die Gesinnung bekunden wollen oder die irgendwelche Neugier cn der Person hintreibt. Die Versammlungen bekom­men Kundgebungscharakter, was aber doch nicht der eigentliche Zweck des Wahlkampfes tft. Der Wähler verspürt zu wenig innere Verbindung mit Der konkreten Arbeit des Parlaments selbst.

Wir glauben, daß eine Aenderung dieser nicht gerade erwünschten Zustände eintreten wird, wenn bei den Wahlkämpfen der kommende Kampf des Parlaments selbst bereits in Erscheinung tritt, wenn also die Wähler wenigstens einigermaßen darüber unterrichtet sind, wie sich im neuen Reichstag Re­gierung und Opposition verteilen werden. Das setzt aber voraus, daß die politischen Aufgaben des neuen Reichstages in der konkretesten Form in den Wahlkampf hineingestellt werden und daß dementsprechend vor den Wählern von den ver­antwortlichen Persönlichkeiten des neuen Reichs­tages jene Probleme in klarer Rede und Gegen­rede erörtert werden. Vor dem Kriege -st es wie­derholt geschehen, daß stch die Kandidaten verschie­dener Parteien in den Einmännerwahlkreisen in den Agitationsversammlungen persönlich aufsuchten und um die Gunst der Wähler in einer ganz per­sönlichen Diskussion warben. Diese Form des un­mittelbaren Herantragens der nächsten wichtigsten Parlamentsaufgaben an die Meinung des Wäh­lers geschieht heute nicht mehr, ist aber auch ganz unnötig geworden, weil die wichtigsten Parlamm- torier ja bereits vor der Wahlagitation durch die Varteien als neugewählt „ernannt" sind. Der Wahl­kampf geht darum mehr um die unsicheren Kandidatenstellen auf den Listen, soweit überhaupt politische Persönlichkeiten umkämpft werden, und damit muß sich das Interesse der Wähler am Wahlkampf selbst verlieren. Sie werden am Wahl­tage ihre Pflicht tun und ihre Parteigesinnung be­kunden, und ein erheblicher Prozentsatz der Un­zufriedenen wird die Partei wechseln. Aber diesen Wechsel wird keine Parteipropaganda aufhalten können, der steht fest, längst ehe die Wahlen aus-' geschrieben sind. Immerhin sollte eine starke Wahl­beteiligung am Wahltage nicht , darüber Hinweg­täuschen, daß der voraufgegangene ruhige Wahl­

gehalten habe. Die Note weist ferner darauf hin, daß die sowjetrussische Gesandtschaft wie die sowjel» russische Regierung selbst das polnische Mmifter.um des Aeußeren wiederholt von terroristischen Plänen der Emigranten sowie von der Tatsache in Kenntnis gesetzt haben, daß Woicechowski an der Ermordung des Sowjetgesandten Woikow beteiligt und in d m Verzeichnissen der aktivsten Mitglieder von terrori­stischen russischen Emigranten genannt sei, deren fer­neres Verbleiben in Polen die Beziehungen zwischen Sowjetrußland und Polen gefährdeten.

Iapan und China.

Die japanische Botschaft in Berlin veröffent­licht ein ihr aus Tokio zugegangenes Communigus, das im wesentlichen die Meldungen über die Kämpfe in Tsinanfu bestätigt und u. a erklärt, d'.e japanischen Truppen feien planmäßig und gleich­zeitig von mehreren Seiten angegriffen worden. Die militärischen Verluste der Japaner belaufen üch auf 30 Mann, doch fügt das Kommunique dieser Angabe hinzu, es seien 10 0 japanische Staatsangehörige ermordet und viele japanische und andere ausländische Gebäude ge­plündert worden.

Reuter meldet aus Tokio: Obwohl die vorüber­gehende Unterbrechung der Verbindung mit Tsin­anfu zu Besorgnissen Anlaß gegeben hat, ist es jetzt teilweise gelungen, den militärischen drahtlosen Nachrichtenverkehr wie­der in Gang zu setzen. Das japanische Kriegs- minifterium ist jedoch sehr zurückhaltend mit der Bekanntgabe von Einzelheiten über die Kümpfe in Tsinanfu. *

Aus Peking wird gemeldet: Nach einer der deutschen Gesandtschaft zugegangenen zuverläs­sigen Meldung befinden sich die deutschen Reichsangehörigen und der deutsche Konsul in Tsinanfu wohl. Das deutsche Hotel „Stein" ist geplündert worden. In Peking selbst ist alles ruhig.

Reuter meldet aus Tokio: In einer Beratung der Marine- und Armeebehörden wurde der Vor­schlag gemacht, daß Japan den Chinesen den Be­fehl erteile, den Kamvf in Schantung einzustellen, und daß es in Schantung die Eisenbalm besetzt halte, bis eine Regelung erzielt worden sei. Man war der Meinung, daß es notwendig sei, eine wei­tere Division nach China zu entsenden.

Japanische Flokkenverstärkungen.

wtb. Tokio, 7. Mai (Eig. Funkm.) Das Marine- Ministerium hat beschlossen, 8 Torpedo-Jäger, d'e zur Zeit in dem japanischen Hafen Kure liegen, nach den^Dangtse zu entsenden. 7 weitere laufen von Satzoo nach Swatau und Katon aus und schließlich hier von Maizuru nach Shanghai. Gene- rot Ugai, der frühere Kriegsminister, ist zum ober­sten Kommandierenden der nach Schantung ab- transportierten Truppen, deren Stärke sich jetzt auf 13 000 Mann beläuft, ernannt worden.

schon deshalb, weil er Bager ist. Auf mehr als

karnpf, die „Kundgebungen der Teilnahmslosigkeit kein erwünschter Zustand ist.

Zu den Reichstagswahlen sind in Bayern drei Generäle ausgestellt. Von der Deutschen Volks­partei General Schoch, der nach der Absicht des rechten Flügels der Deutschen Volkspartei ein Ge­gengewicht gegen Stresemann bilden soll, der aber feit der Bürgerbräukeller-Versammlung, in welcher er bestätigte, daß er die Stresemann'sche Außen­politik billige, „unten durch" ist. Sodann haben die Nationalsozialistien den General Epp ausgestellt und die Deutschnationalen den General Lettow- Vordeck. Zwischen diesen beiden wird sich wohl der Hauptkampf entwickeln, und zwar dürfte die größeren Aussichten General von Epp haben,

das auch in Mexiko tun müsien."

In der nichtkatholischen Presse lieft man immer wieder den Vorwurf, es würde in den Protestver­sammlungen mit den „Greuelmärchen der klerikalen Presse" die katholische Bevölkerung hetzerisch aufge- wiegelt. Demgegenüber muß die Feststellung ge­macht werden, daß auch neutrale Blätter, wenn sie sich die Mühe machten, derartigen Vor­trägen beizuwohnen, wiederholt gerade die Objek­tivität und Sachlichkeit hervorhoben. So schreibt z. B. der Düsseldorfer „Mittag" über einen Mexi­kovortrag, den Iefuitenpater Mariaux in Düssel­dorf hielt: „Der Redner stützte seine Ausführungen auf ein umfangreiches Tatfachenmaterial, das er mit genauen Quellenangaben belegte." (Nr. 80 v. 3. April.) Aehnlich andere Blätter. Wann end­lich wird sich die gesamte Oefsentlichkeit der zivili­sierten Welt auf ihre Pflicht besinnen, sich zum Ein­spruch gegen diesen Eingriff in ideale Menschheits­güter zusammenzuschließen, deren Wahrung allen Menschen am Herzen liegen muß?

Bemerkenswert ist die Stellungnahme zu den Vorgängen in Mcriko, die wir in Nr. 18 vom 4. Mai des Organs des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens finden. Dort schreibt der Münchener Rabbiner Dr. B a e r w a ld u. a. folgendes:

Die Erde ist nicht mehr groß genug, als daß an irgend einem Punkte ihrer Oberfläche sich etwas ereignen könnte.

Russische Note an polen.

Aus Moskau meldet die Telegraphen-Agentur der Sowjetunion:

Der sowjetrussische Gesandte m Warschau, Bogo­molow, hat dem polnischen Minister des Aeußern, Zaleski, eine Note überreicht, in der anläßlich des Attentats auf den Handelsvertreter der Sowjet­union. Lisarew, entschieden Protest gegen die Passivität der polnischen Behörden gegenüber den terroristischen weißrussischen Emi­grantenorganisationen eingelegt wird.

Weiterhin wird in der Note erklärt, aus den Begleitumständen sei zu folgern, daß das Attentat eigentlich gegen den sowjetrussischen Gesandten Bo­gomolow geplant gewesen sei und daß der Urheber des Attentats, Woicechowski, irrtümlich den Handels- vertteter Lisarew für den sowjetrufsischen Gesandten

Das „Komplott des Schweigens", das von nicht- i was nicht auch jeben anderen Punkt auf ihr, wären beide , ... . ,----c...-----; auch um Poldistanz von einander entfernt, berührte. Sa

abzuändern.

„Gaulois" fragt, warum habe Dr. Stresemann nicht vom Dawesplan und von der Mobilisierung der Eisenbahn- und Jndustrieobligationen gespro­chen, warum reklamiere er so rasch die Revision der Verträge und habe so wenig eilig, die Sicher­heitsgarantien näher zu bezeichnen, die Frankreich doch von Deutschland beanspruchen dürfe. Derar­tige rednerische Kundgebungen könnten die franzö­sische Regierung nicht ermutigen, auf ihre vorsich­tigen Vorbehalte zu einem Antikriegspakt zu ver­zichten, der schließlich doch auch auf der bedingungs­losen Aufgabe der Besetzung des Rheinlandes und auf einer späteren Aufgabe des Dawesplanes auf« gebaut sei. Aus dem Grunde des Pazifismus Dr. Strefemanns verberge sich immer der Wunsch nach Revision der Verträge.

*

Reichsminister des Aeußern, Dr. Stresemann, hat auch den Sonntag noch in Heidelberg verbracht. Der Minister wird m Mainz in einer Partei ver- sammlung sprechen. Don Mainz kehrt Dr. Strese­mann nach Berlin zurück.

zen nach dem Kriege 1870-71 vor dem Termin ge­räumt worden seien, vielmehr habe Frankreich die ihm auferlegten Zahlungen schon do r dem festgesetzten Termin geleistet. Daran müsse man erinnern, erklärte das radikale Blatt, das bekanntlich für die vorzeitige Räumung des Rheinlandes einzu­treten pflegt, weil der Reichsminister des Auswär­tigen allzu laut nach einer Räumung und der Möglichkeit einer Vertragsrevision gerufen habe.

„Volonte" sagt, in Heidelberg ist die pazifistische Freundschaft der Vereinigten Staaten und Deutsch­lands gefeiert worden.

Im „Figaro" wird ausgeführt: Dr. Stresemann habe in Heidelberg von einer besseren Zukunft ge«

War die Verfassung von 1917, die diese Ungeheuer­lichkeiten enthält, zunächst nur milde gehandhabt wor­den, so wurden ihre Bestimungen späterhin mit Strenge durchgeführt: ein Gesetz vom Jahre 1926 brachte sogar noch manche Verschärfungen. So ist nach Artikel 3 die­ses Gesetzes jeder Religionsunterricht, nicht nur in den staatlichen, sondern auch in den Privatschulen verboten, ja selbst im Elternhause kann nach den Bestimmungen des Gesetzes der Religionsunterricht zu einer Gefahr für die Beteiligten werden. Um alledem die Krone aufzu­setzen, wird die Anstellung eines Priesters von der Ge­nehmigung der staatlichen Behörden abhängig gemacht. Der Staat also, der sich als derartig religionsfeindlrh erweist, will über die Eignung zum Priesteramt entschei­den! Und der Kultdiener, der wagen wollte, auch nur in privater Zusammenkunft, an den Grundgesetzen des Staats oder auch nur an einzelnen Obrigkeiten Kritik zu üben, wird mit Zuchthaus bestraft.

Es ist unter diesen Umständen nur allzu begreiflich, wenn die Katholiken der ganzen Welt mit Nachdruck auf diese Kulturschande aufmerksam machen, wenn von der höchsten Stelle der katholischen Kirche feierlich Verwah­rung gegen das in Mexiko begangene Unrecht erhoben wird. "Es darf niemanden gleichgültig lasten, wenn der

katholischer Seite lange Zeit gegenüber den'schauer- ; lichen Vorgängen in Mexiko geübt worden war, ist j jetzt zögernd aufgegeben worden. Es mußte ange- ; sicksts der zielbewußten katholischen Gegen-Aktion i ausgegeben werden. War doch die Protestbewegung ■ gegen die mexikanische Verfolgung in den letzten 1 Wochen zu gewaltigen Ausmaßen angewachsen. Im Augenblick lassen sich über 30 katholische Stadt­gemeinden anführen, aus allen Gegenden Deutsch­lands, die in jüngster Zeit Protestschreiben abge­sandt haben. Nach Tausenden zählten die Teil­nehmer u. a. in M.-Gladbach, Herne, Sckneide- mühl, Wiesdorf-Leverkusen, Hagen, Cleve, Hildes­heim, Neheim, Elberfeld, Reuß, Barmen, Essen, Bochum, Duisburg, Lünen, Hamm, Emmerich, Nürnberg und vielen anderen. Selbst die „Frank­furter Zeitung" macht (in Nr. 319 vom 29. April)' die interessante Feststellung: Die Protestbewe­gung kann „keineswegs mit ein paar Worten ab­getan werden. Sie muß in ihrer vollen Trag­weite erkannt und beachtet werden. Man wird

Segen Die AtholikeMchlMng in Mexiko Das Urteil eines Rabbiners.

Bayern aber wohl kaum bringen. *

Aus Saarbrücken wird gemeldet: Ebenso wie die Zentrumspartei hat auch die Sozial­demokratische Partei des Saargebiets einen Kandidaten für die Reichstagswahl aufgestellt, und zwar den Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei des Saargebiets für den preußischen Land­tag, den Redakteur der „Volksstimme",. Matthias Braun, an aussichtsreicher Stelle auf die Landes- liste gesetzt. -

Um den Rriegsächtungs-pakt.

Zur Frage der Einberufung einer Juristenkonferenz.

Die Londoner Times schreibt: Die Gerüchte, die englische Regierung habe verschiedenen Regierungen vorgeschlagen, daß eine Juristenkonferenz demnächst stattfinden solle, um die rechtliche Seite, der Vorschläge Amerikas und Frankreichs zum Kriegs­verzicht zu prüfen, beruhen auf einer mißverständ­lichen Auffassung der augenblicklichen Stellung der britischen Regierung und "der Art der Behandlung des Problems durch sie. Zahlreiche Seiten des Friedensvorschlages wurden in Rechnung gezogen einschließlich der rechtlichen Seite. Bei der vor­herigen Prüfung mußte die rein technische Frage erwogen werden, wie die Ansichten der juristischen Sachverständigen der verschiedenen Länder einander angeglichen werden könnten. Von da bis zu dem endgültigen Vorschlag einer internationalen Kon­ferenz von Juristen ist ein sehr weiter Schritt, und diesen Schritt hat die britische Regierung nicht unternommen. Die Times, die von Anfang an für die baldige Annahme des amerikanischen Paktvor­schlages eingetreten war, wiederholt in unzweideu­tiger Weise, daß sie ein weiteres Zögern auf bri­tischer Seite für verfehlt und nachteilig bezeichnet hatte. Sie versucht, in einem Telegramm aus Washington noch einen stärkeren Druck in die­ser Richtung auf Chamberlain auszuüben. In dem Washingtoner Telegramm des Times-Korre- spondenten, das an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig läßt, heißt es u. a., in Washington hoffe man ernstlich, daß ein Vorschlag für die Abhaltung einer Juristenkonferenz dort niemals eintreffen werde. Die Vereinigten Staaten mürben sich diesem Plan mit ihrem ganzen Einfluß widersetzen. Ohne Namensnennung könne, gestützt auf autoritative Stellen, gesagt 'werden, wenn unter öffentlicher Be­zugnahme auf den amerikanischen Vorschlag, wie sie Chamberlain für möglich gesunden habe, der Vorschlag für eine Iuristenkonferenz folgen sollte, würde bei der amerikanischen Negierung noch mehr als bei der öffentlichen Meinung unvermeidlich der Argwohn erweckt, daß etwas, was Sabo­tagemethoden bedenklich ähnele, beabsichtigt sei,'besonders, wenn die britische Negierung so bald nach der Genfer Flottenkonserenz den Vorschlag machen sollte. Das Studium der britischen und der Dominions-Presse habe das Staatsdepartement er­mutigt zu glauben, daß der amerikanische Vorschlag im Gegensatz zu dem französischen bei allen Teilen des britischen Gemeinwesens Anklang finde, und zu hoffen, daß diese öffentliche Gunst bald in einer Uebereinftimmung zwischen den Regierungen Aus­druck finden würde. Sollte dies der Fall sein, so wäre kein Jurist nötig, und wenn diese Hoff­nung ungerechtfertigt sei, so könne kein Jurist Helsen.

*

Aus Washington wird gemeldet: Staatssekretär Kellogg und der deutsche Botschafter v. Prittwitz unterzeichneten den Schiedsvertrag und den Vergleichsvertrag. Die Vertragsterte werden sofort nach ihrer Rattfizierung durch den Senat veröffent­licht werden. Associated Preß weist darauf hin, daß es 14 Jahre gedauert habe, bis das seinerzeit von Bryan begonnene Vertragswerk sich jetzt der Voll­endung nähert.

Strefemanns Echo.

Die Heidelberger Rede des Reichsaußenministers Dr. Stresemann wird von einigen Parisern Blät­tern eingehend besprochen. Das radikale „Oeuvre" schreibt:

Botschafter S ch u r m a n erklärt in Heidelberg, Deutschland und die Vereinigten Staaten stünden an der Spitze der Zivilisation. Dazu lasse sich bemerken, daß der Botschafter der Vereinigten Staaten in Paris das Gleiche über Frankreich und die Vereinioten Staaten gesagt habe. Wenn Strese­mann in Heidelberg erklärt habe, so führt das Blatt weiter aus, daß Wirtschaftsabkommen zwi­schen Deutschland und Frankreich eine begrüßens­werte Ergänzung der deutsch-französischen Ver­ständigungsbestrebungen nicht aber deren Grund bilden könnten, so müsse man dein zustimmen. Das Blatt polemisiert dann gegen die Auffassung, daß Bismarck als Sieger sich g r o ß z ü g ig gezeigt habe und damit ein Vorläufer der internationalen Ver­ständigung gewesen sei. Nicht Bismarck sei es zu verdanken, wenn die besetzten französischen Prooin-

fann es uns nicht gleichgültig lassen, wenn irgendwo in der Welt Menschen ihres Glaubens wegen ve r f o l gt oder in der Ausübung ihres Glaubens, der ein un­wandelbares Recht eines jeden Menschen ist, irgendwie verkürzt werden. Das aber ist unzweifelhaft in Mexiko der Fall, wo die katholische Kirche unter schwe­ren Heimsuchungen zu leiden hat. Es kann nach der Fülle der Meldungen, die in letzter Zeit darüber ver­lauten, kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß dort Zu­stände herrschen, die eines Kultur st aates unwür- o i g sind, die anderseits aber auch nur in einem Staate möglich sind, der sich der äußeren Form der Zivilisation bedient, um in raffinierter Anwendung von Recht und Gesetz einen Dernichtungsfeldzug gegen die Kirche zu füh­ren, der gerade dieser Staat zu größter Dankbarkeit ver­pflichtet wäre.

Was soll man dazu sagen, daß die mexikanische Vor- fassung in Artikel 130 religiösen Gesellschaften die Mög- lichkeit versagt, juristische Persönlichkeiten zu werden, ihnen ein Recht nimmt, das überall auf Erden Menschen , haben, die sich zu irgend einem erlaubten Zweck ver­einen. So können religiöse Gesellschaften auch keinen Besitz haben, haben kein Recht auf Kirchengebäude, dür­fen keine Häuser für Priester, zur Heranbildung von theo­logischem Nachwuchs, keine Schulen, keine caritativen An­stallen besitzen (Verfassung Artikel 27). Sinngemäß ver­lieren nach Artikel 37 dieser Verfassung Mitglieder des Klerus durch Empfang der Weihen die burgerii ^i Rechte, während es ausländischen Geistlichen untersagt^, in Mexiko kirchliche Funktionen auszuüben.

träumt. Das habe ihn aber nicht gehindert, an ganz bestimmte greifbare Dinge zu denken, die uesuuu,, u>eu er « u t, e~u, ...... , Deutschland mit Beharrlichkeit anstrebe. Er habe

ein Mandat werden es die Nationalsozialisten in erklärt, ine Bemuhungen, den Krieg zu beseitigen, mußten Hand-in-Hand gehen nut der Entwicklung der Institutionen, die geeignet seien, durch fried- l i ch e M i 11 e l die unhaltbar gewordenen Verträge