Einzelbild herunterladen
 

M 106.

Sonntag, 6. Mai 1928.

Fuldaer Zeitung

s. Blatt.

Druck bet Fuldaer Acliendruckerei, Fulda

niniiii!iiiiiiifliiiiyiiiiiiiiiiiiii!i:

Trink* das

Das Caf6

Die Conditorei

Täglich Künstler-Konzerte

Die älteste Sparkasse des Regierungsbezirks

Mündelsicher -----

Besitzer: Bsslav Hesse, Bahnhofstrasse 11 Tel 222.

(Fortsetzung folgt.)

Sttna hat e» sich unterdessen bei Barkamp» im gro­ßen Armsessel de» Schulzen bequem gemacht. Ganz teil­nehmend und bekümmert sieht sie aus, indes die Schulzin Plätzchen und Semmeln herbeiholt und das Küchenmäd­chen einen guten Bohnenkaffee kocht. Dann nötigt Frau Schulze Stina zum Zugreifen, was sich diese auch nicht zweimal sagen läßt. Von diesem und jenem spricht man, bi» Stina ganz beiläufig sagt: „Der Schulze hatte es ja heute sehr eilig: der Braune dampfte ja ordentlich! Hiill's denn nicht Zeit gehabt bis morgen, oder war der Brief so dringend?"

Frau Bartamp wußte ja ganz genau, welchem Zweck der Besuch der Nähstina galt und sie hatte sich auch schon zurechtgelegt, was sie sagen wollte. Die Wahrheit zu verheimlichen hatte keinen Zweck, denn sie werde doch be- Fannt werden, wenn Sena» Kind auf den Hof kam. So erwidert sie denn anscheinend ganz seelenruhig und gleich­mütig: „Ach, wir erhielten einen Brief von der Försters- Lena — Ihr wißt ja, sie ist damals in die Stadt ge­gangen und hat sich dort verheiratet. Nun liegt sie im Sterben und möchte gern, daß wir ihr jüngstes Kind, das ihr allein von allen geblieben ist, zu uns nehmen. Der Schulze ist nun hingefahren, um Sena das Sterben zu erleichtern und ihr Kind mitzubringen."

Stina schlägt die Hände zusammen und verdreht die Augen, so große Mühe gibt sie sich, tellnehmend aus­zusehen.

„Hachott, Frau Schulze, bas sagt ihr so seelenruhig und laßt den Schulzen allein hinfahren zu dieser ra­biaten Person! Ja, wißt Ihr denn nicht, was vorgefal­len ist? Und Senas Kind wollt Ihr sogar ins Haus neh­men?" z

Frau Barkamp hat diesen Ausfall erwartet. Hat ste sich auch am Nachmittag dagegen gewehrt, Senas Kind aufzunehmen, so ist sie jetzt mit einem Male wie umgr- wandelt. Die Beute sollen doch nicht die Köpfe zusam- menstecken und tuscheln über bas Vorkommnis auf bem Barkampshof, niemand soll erfahren, wie es ihr zu Mute ist. Sieber in den sauren Apfel beißen, ohne eine Miene zu verziehen, als von den Beuten bemitleidet zu wer­den.

vor, die durch Gesetz vom 10. August 1925, nach­dem man die Finanzgebarung des Jahres 1924 einigermaßen überblicken konnte, auf 93 Millio­nen herabgesetzt wurde. Die vorsichtige Finanz­politik des Jahres 1925 ermöglichte es, in dem Haushaltgesetz, das am 30. Januar 1926 verab­schiedet wurde, die Anleiheermächtigung auf rund 62 Millionen Reichsmark herunterzusetzen. Nach der Steuermilderungsaktion des Reichsfinanzmint- sters Dr. Reinhold wurde durch Ermächtigung vom 22. Mai 1926 nachträglich diese Summe für das Jahr 1925 wieder auf 100 Millionen Reichsmark erhöht. Das Haushaltgesetz von 1926 sah darüber hinaus eine Anleiheermächtigung von rund 294 Millionen Reichsmark vor. Der Reichsfinanzmini- ster Dr. Reinhold verließ damit bewußt die Politik der Vorjahre. Er setzte sich für den an sich rich- tigen Gedanken ein, werbende Anlagen auf An­leihekonto zu übernehmen. Fraglich ist nur, ob die auf Anleihe übernommenen Ausgaben tatsäch­lich als werbende angesprochen werden können. Lnnzu kam am 8. Januar 1927 eine im wesent­lichen mit dem Arbeitsbeschaffungsprogramm zu­sammenhängende Summe von rund 346 Millionen Reichsmark, außerdem wurden 200 Millionen Reichsmark bereitgestellt für Zwischenkredite für die

macht. Ihr wißt doch, es ist in letzter Zeit gar kein Ver­laß auf sie."

„So, so, in die Kirche wollt Ihr?" Der Schmied sagt es anscheinend ganz harmlos, um dann ebenso gleich­gültig hinzuzufügen: „Wohin der Bartamp es wohl so eilig hatte? Ich wette, er hat heute Nachmittag einen wichtigen Brief erhalten; ich sah den Botenhans so eilig hinstapfen."

Ganz aufgeregt fährt die Nähstina auf den Schmied los. „Das sagt Ihr erst jetzt? Mein Gott, da muß ich doch eilig auf den Barkampshof, es ist gewiß etwas pas- fiert!"

»Ihr wollt doch in die Kirche gehen, Stina? Hachott, da müßt Ihr doch sicher hin, die Küstersche tanns doch gar nicht allein!"

Der Schmied will sich biegen vor Sachen, doch er be­zwingt sich, die Nähstina darf er ja nicht verkrüppeln, sonst bekommt er es mit seiner Frau zu tun. So gibt er sich den Anschein vollständiger Harmlosigkeit.

„Ja, wißt Ihr, Bernd, wenn man seinem Heben Näch­sten beistehen kann, so soll man es tun, wenn man auch selbst dabei zu kurz kommt. Dann muß ich eben mor­gen ein Stündchen eher aufhören, wenn Ihr meint, daß die Küstersche allein nicht zurechtkommt. Heute muß ich unbedingt zu Frau Barkamp. Wer weih, wie notwen­dig sie eine tröstende Seele braucht."

Ganz würdevoll geht Stina hinaus; sie hört das Ge­lächter des Schmiedes nicht mehr, doch feine Frau kommt mit hochrotem Kopf aus der Küche und fragt, was ihn denn so in Stimmung bringe.

„Da geht sie hin, die alte Giftkröte; mir wollte sie weißmachen, sie ginge in die Kirche, aber sie will bloß zu Barkamps und ausschnüffeln, wohin der Schulze heute abend gefahren ist. Na, ich wollte, die Bar- kampsche bände ihr einen Bären auf ihren Buckel."

„Na, Bernd, veräpple mir die Stina nicht, sie ist ohne­hin ni'cht gut zu sprechen auf dich. Wie sollte ich die Jungens ordentlich im Zeeug halten, wenn mir die Stina nicht wieder kommt?"

„Ich weiß! Ich weiß! Das alte Sieb! Nun halte nur ein mit deiner Predigt!", lacht der Schmied, „rufe lieber die Beute zusammen, baß wir ben Abendsegen sprechen können." —

Reinholds Erbschaft.

Nachstehender Aufsatz unseres wirtschafts­politischen Mitarbeiters gewinnt angesichts der Ausführungen, die der Spitzenkandidat der Demokraten in Heffen-Naffau, Reichs­finanzminister a. D. Dr. Reinhold, am Donnerstag abend in der demokratischen Wahl­versammlung in Fulda über Finanz- und Wirtschaftspolitik machte, besonderes Interesse.

Die Schriftleitung.

Niemand wird behaupten können, daß die Lage der deutschen Reichsfinanzen trotz des günstigen Abschlusses des Etatsfahres 1927/28 und der in­folge guten Beschäftigungsgrades der Wirtschaft auch in den nächsten Monaten zu erwartenden hohen Steuereinnahmen ohne alle ernsten Sorgen betrachtet werden könnte. Verschiedene Ereignisse Und Möglichkeiten werfen schon heute ihre Schatten voraus: Die Reparationslasten wirken sich z. T. schon im diesem Jahre im Reichsetat voll aus, ge­ringe Reichskassenbestände lassen das Reichsfinanz- ministerium heute Umschau halten nach Aufnahme. Möglichkeiten des Geldmarktes für Reicksschatz- wechfel, die unverändert ablehnende Haltung des Reparationsagenten bezüglich des Verkaufes der in Höhe von rund 750 Millionen RM. im Besitze des Reiches befindlichen Vorzugsaktien der Reichs­bahn, die Tatsache, daß von der Anleihevollmacht für 1928 in Höhe von rund 853 Millionen der weitaus größte Teil vorläufig aus Kassenmitteln bzw. aus Einnahmeüberschüssen aus 1927 statt aus Anleihemitteln getätigt worden ist. All das sind nur einige wichtige Hinweise auf die finanzpolitischen Schwierigkeiten, die es im kommenden Reichstage zu meistern gilt.

Die .Zentrumspartei ist sich dieser ernsthaften Entwicklung der Reichsfinanzen bereits in früheren Jahren voll bewußt gewesen und hat gelegentlich der Debatte über die Steuermilderungen des Reichsfinanzministers Reinhold im Frühjahr 1926 Berechnungen auf gestellt, die auf die Schmie» rigkeiten der zukünftigen Deckung des Reichsfinan­zenbedarfs deuttich Hinweisen. Ihrer Steuerreform des Jahres 1925, die angeblich eine Thefauierungs- politik gewesen fein sollte, lag daher der sinanz- und kreditpolitisch richtige Gedanke zugrunde, nach Möglichkeit zu verhindern, daß zur Deckung der in den nächsten Jahren steigenden Ausgaben ein Zwang zur Begebung einer Reichsanleihe gegeben war, bevor nickt die Kreditwürdigkeit des Reiches und Kapitalkraft der Wirtschaft gefestigt erschienen. Die Richtigkeit dieser Anschauung hat das Fiasko der Reinhold'schen Reichsanleihe vom Februar 1927 deutlich vor Augen geführt. Noch heute hat die Reichsfinanzwirtschaft unter dieser Fehldispo­sition zu leiden: sind doch auch noch in diesem Etatsjahr die Aussickten, die heute bestehende An­leihevollmacht von 853 Millionen durch Aufnahme einer weiteren Reichsanleihe zu realisieren und so die Verschuldung des außerordentlichen Etats an ben ordentlichen abzudecken, äußerst gering. Ge­rade die Gestaltung des außerordentlichen Etats aber hat die Kritik, in erster Linie der Demokraten, ruf de» Plan geriren, die völlig einseitig und ohne Darstellung der Zusammenhänge das besorgniser­regende Anwachsen der Anleihevollmachten auf die Finanzpolitik ds Jahres 1927 zurückzuführen sich bemühen.

Angesichts dieser Tatsachen ist es zu begrüßen, daß Dr. Brüning, der Sachverständige der Par­tei in Finanz- und ©teuerfragen, im politischen Jahrbuch 1927/28 einmal feststellt, aus welcher Zeit das Anschwellen der Anleihevollmachten in ben Etatsgesetzen stammte. Dort heißt es: „Das Anleiheermächtigungsgesetz vom 28. Juli 1924 sah litte Summe von rund 170 Millionen Reichsmark

Es gibt in Holland und in Belgien vor allem, aber auch bei uns, lange Ehaufseen, die mit Ulmen I besäumt sind. Diese herrlichen Bäume, die vor dem Westwind geneigt, in endloser Reihe mit dem Wanderer ihre Straße zu ziehen scheinen, machen heute einen traurigen Eindruck. Die Blätter kom­men nicht recht zum vollen Wuchs, die kleinen Zwitterblüten leiden an Schwindsucht, und die ge­flügelten Nüßchen werden nicht mehr geraten. Tat­sächlich sterben diese Bäume aus, und nieten ist schon die Axt an die Wurzel gelegt worden. Wie Leichen starren sie am Wege, und die noch leben­den schauen wehmütig zu ihnen hinab. Das große Sterben hat sie alle ersaßt. Den Stürmen fühlen sie sich nicht mehr gewachsen. In ihrem Innern pocht und bohrt der unheimliche Bazillus. Ihr kärglicher Frühling hängt nur noch Totenkränze in ihre einst so wundervollen Kronen. Wie hab ich Mitleid mit diesen Bäumen und wie erfahre ich in diesem Mitleid so manches von Geschick der Menschheit von heute. Auch sie wandert müde ihre Straße. Auch sie glaubt nicht mehr an den Früh­ling. Auch sie sieht am Grabenrand Millionen von Leichen. Auch in ihrem Innern wütet ein ge­fährlicher, tötender Bazillus. Auch sie scheint nicht mehr die Kraft zu haben, den drohenden Stürmen zu trotzen. Die ewig junge Natur ringsum blüht. Der Sens ist nun wirklich gekommen. Die Nach­tigallen beginnen schon zu schlagen: Im Nest der Drossel wird es bald lebendig. Die Hühner gackern dreimal so viel vor lauter Vergnügen. Der Hahn kikerikit so stolz, als käme nun wieder eine neue 3eit. Die Menschen ober klagen ewig. Die Men­schen sind müde. Die Menschen wollen nicht mehr recht. Selbst ein Wahlkampf regt sie nicht mehr auf. Es ist alles so flau, und es wird ja doch nicht bester, und würde e s bester, wo wäre Beständig­keit auf Erden, und wer kann an Beständigkeit glauben, wo er in Krieg, Revolution oder Infla­tion alles verloren hat? Ein Gegengift gegen die­sen Todesbazillus der Resignation und der Melan­cholie will sich nicht finden. Und dennoch könnte uns jedes Grashälmchen, das sein grünes Spitzchen durch die Scholle steckt, über das Gegengift beleh­ren. Es glaubt in feiner Weise einfach an die

Llms Datererbe.

Roman von Karola Hellmuth.

3] ---------

„Ach, Heinrich, hab dich doch nicht so, bist wohl auch einmal jung gewesen und hast einen Schatz gehabt!", lacht totsten. „Warum hast du deinen Schatz nicht ge­heiratet? Dann wärste nicht so ein aller Griesgram geworden. Wir heiraten frisch drauf los, ehe wir all und .bgestanden sind."

„So, und nachher könnt ihr betteln gehen, oder im besten Fall die Straßen fegen, wie deine Muhme, die alte Babette!", giftete sich Heinrich.

„Höhne mir meine alte Tante nicht!", flammt WIs- ken zornig auf. „Sie bringt sich ehrlich durch die Welt, du brauchst ihr keinen Groschen zu geben. Was kann sie dafür, daß ihr Mann so früh gestorben ist? Sie hat es schwer genug gehabt, allein sieben Kinder groß zu füttern, das macht ihr so leicht keine nach."

„So, und wo sind die sieben feinen Kinderchen denn jetzt?" höhnt Heinrich grinsend. „Saufen in der Welt herum und kümmern sich nicht den Kuckuck um die Mut­ter. Da heißts auch: eine Mutter kann eher sieben Kin­der ernähren, als sieben Kinder eine Mutter."

„3a, du weißt's, du Allerweltswister!" protestiert totsten, mit dem Kochlöffel drohend. „Zähl mal die Goldstücke, die die Muhme jedes Jahr in die Spartasse bringt, trotzdem ste vom Sohn der Kinder nichts haben Will, solange sie sich selber helfen tann."

Heinrich hat schon wieder eine Antwort bereit, das sieht man an dem schadenfrohen Sachen, das um seinen breiten Mund spielt, doch ehe er ein Mort erwidern kann, öffnet sich die Stubentür und Frau Bartamp kommt mit rotem Kopf herein.

„toas sieht ihr da herum und hattet Maulaffen feil? Marsch, an die Arbeit, und du, Heinrich, könntest auch was Vesteres tun, als den Mädchen den Schnabel in Be­wegung zu hatten. Sieh lieber nach dem Vieh, ob auch alles in Ordnung ist, jetzt, wo der Schulze nicht da ist."

Brummend entfernt sich Heinrich durch die hohe Dop­peltür, die zur Tenne führt, nicht ohne totsten, die kichernd in die toalckkücke entflohen ift einen drohenden

mische Musse

1825 Fulda 1825

Bahnhofstrasse 5

Blick zuzuwerfen, den diese mit herausgestreckter Zunge quittiert.

Frau Barkamp ist zur Haustüre gegangen, durch die soeben eine seltsame Frauensperson hereinkommt. Im Nu hat sich ihr zornige» Gesicht geglättet und mit Freund­lichkeit fü^rt sie die Angekommene ins Wohnzimmer.

Die Nähstina ist im Dorf und in der Umgegend eine gar wichtige Persönlichkeit, mit der es niemand verder­ben wll; da sie in fast jedes Haus kommt, so weiß ste in allen Familien Bescheid, auch in denjenigen, in denen man das Herz nicht auf der Zunge trägt.

Ihr Alter läßt sich nicht genau feststellen, denn bas Gesicht war schon vor 10 Jahren genau so faltig, die Haut genau so pergamentartig wie jetzt. Das Haar trägt ste schlicht gescheitelt, fast ganz von einer schwarzen Haube verborgen, die rund um das Gesicht herum von einer getäfelten weißen Rüsche eingefaßt ist. Ein weiter, schwär- zer Mantel mit wehendem Kragen, im Sommer etwas dünnerer Stoss, im Minter dicker Tuchstoff, vervollstän­digt ihren Anzug.

Kleine, graue Aeuglein, sogenannte Katzenaugen, blicken verschlagen und listig, zuweilen aber auch gar weh­mutsvoll und fromm, je nachdem ste ihre jeweilige Kund­schaft einschätzt. An diesem Abend war sie beim Schmied toermann im Dorf beschäftigt gewesen, feinen fünf wil­den Jungen die Hosen neu zu versohlen, als sie, der nichts auf der Straße entgeht, plötzlich das Barkampfche Ge- fährt in vollem Trabe vorbeisausen sah. Vor Neugierde, wohin doch wohl Barkamp noch am späten Abend wollte, bekam sie beinahe Beibschmerzen; kaum aber war das Abendbrot eingenommen, so hing sie ihren Mantel um und rüstete sich zum Fortgehen.

„Nanu, Stina, wohin denn noch? Euer Bett steht schon fertig und mir haben doch auch den Abendfegen noch nicht gebetet!"

Der Schmied sagt es mit einem echten Schalkslächeln, wobei ihm der Spotteufel aus den lustigen Augen fun­kelte.

Sttna legt ihr Gesicht in Falten und sagt: „Ach, Bernd, ich muß doch eben noch in die Kirche, dort kann ich auch den Abendfegen beten. Ihr wißt doch, daß wir Sonntag ein großes Fest haben und da muß ich doch nachsehen, ob die Küstersche die Kirche auch ordentlich

Sonne. Es fügt sich hinein in di« große herrliche Gottesordnung. Das aber tut die Menschheit nicht mehr. Es kann gar nicht anders sein, als es heute ist, wenn unsere Anschauungen von Gott und Mensch, wie sie das Christentum durch Jahrhun­derte verkündigt hat, richtig sind. Es kann der Mensch nicht leben, wenn er nicht vom göttlichen Leben lebt. Es können Parlamente, es können Industrien, es können Handelskammern, es kann alles das, was doch schließlich der Beamten­apparat, es kann von Menschen getra­gen wird, nicht existieren, wenn eben der Mensch in ihnen die Verbindung mit Gott gelöst hat, so wie es die europäische Kultur seit langem tat. Und so gleichen wir nicht den munteren Vögeln und dem gefunden Wald, sondern den kranken Ulmen, die sich lebensmüde an der Straße nie« derlegen.

Eine der größten Gefahren heute ist, daß sich auch die Gesunden von den Kranken anstecken lasten, um ihren frischen Optimismus mit einem galligen Pessimismus zu vertauschen. Das führt denn im öffentlichen Leben zu einer Flauheit, die wir gerade in diesem Augenblick sehr beklagen müssen. Von Positik spreche ich in diesen Plau­dereien nicht, aber es ist keine Poltiik, wenn man daraus aufmerksam macht, daß man auch in den Zeiten der Wahl seine staatsbürgerliche Pflicht er­füllen müsse. Namentlich soll man bedenken, daß es hier und heute um sehr wichtige Entscheidun­gen geht. Man hat soeben in Wien den Bela Khun verhaftet. 10 Dolmetscher sind zur Zeit da­ran, alle die Propagandaschristen, Geheimlisten und dergleichen, wie es der herüchtigte Bolsche­wist mit sich geführt hat, zu entziffern. Aus sol­chen gelegentlichen Fängen der Polizei kann man Schlüsse ziehen auf all das, was im Dunkeln ge­gen das Wohl der Menschheit vorbereitet wird. Das sind keine Harmlosigkeiten. Unter dem Ge­sichtspunkt der europäischen Moral handelt es sich um Verbrecherbanden, die nichts anders int Schilde führen als Mord und völlige Umkehrung unserer gesellschaftlichen Verhältniste. Gerade Wien mit seinem Netz von Verbindungen mit den ganzen Traditionen einer politischen Weltmacht im

Gewährung von ersten Hypotheken für den Klein­wohnungsbau. Die Finanzpolitik des Reichsfinanz­ministers Reinhold ließ alfo innerhalb eines Iah- res den Anleihebedars von rund 100 Millionen auf rund 940 Millionen steigen. Der ebenfalls noch von ihm oorgelegte Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Reichshaushaltsplanes für 1927 sah eine neue Anleihebewilligung von 528 Millio­nen vor, die durch den Reichsfinanzminister Köh- ler im Laufe der Etatsberatungen auf rund 466 Millionen Reichsmark herabgsdrückt wurde, fo daß der Gefamtanleihebsdarf damit am Schluß der Reinholdfchen Finanzpolitik auf rund 1,4 Milliarden Reichsmark angewachsen war. Von diesem Gesamt­anleihebedarf wurden rund 450 Millionen Reichs­mark durch die Reinholdsche Anleihe, die allerdings nicht in voller Höhe Kassenmittel zur Verfügung stellte, in den Etatsjahren 1926 und 1927 zusam­men erfüllt, so daß noch rund 966 Millionen Reichsmark übrig blieben, die dann durch die Etat­gestaltung des Reichsfinanzministers Dr. Köhler für das Jahr 1928 auf 852 Millionen Reichsmark I vermindert wurden.

> Diese Darstellung zeigt, daß der, welcher selbst ! im Glaskasten sitzt, wie die Demokraten, nicht mit ' Steinen werfen soll.

Rund um die Woche.

Die sterbenden Ulmen. — Ein gefährlicher Bazillus. — Del« khun.— Mussolini. — Europa, wache auf!

870

Schwingungen.

Lieferung, Abstimmung, Normalisierung ganrer Orchester unter Garantie für jede Schwngungszahl. 1. Mollenhauer & Söhne, Fulda, gegründet 1822.

Terrorismus treibe. Das sagt derselbe Mussolini, der zur gleichen Zeit in Südtirol einen Terror entwickelt, wie ihn der Engländer in Malta sicher­lich nicht kennt. Das ist die richtige Art, um Bela Khun und seine Banden im Trüben fischen zu laffen. m ,,

Ueberall spricht man heute von Menschenrech­ten und Humanität, statt daß man von Gottes- rechten redet und von christlicher Nächstenliebe. Auch Worte tragen ihren Geist in sich und et hatten diese alten schönen Worte von der Gottes- ordnung auf Erden und von der Liebe, die Chri­stus gebracht hat, einen ganz anderen Gehalt alj die Erfindungen der französischen Revolution, du trotz ihres verlockenden Klanges nur immer neu, Revolutionen Hervorrufen werden. Europa, wache auf! Es bebt die Erde an deinen Pforten Die stumme Kreatur bäumt sich empört gegen ein« Menschheit auf, die nicht mehr sein heiliges Ge­setz anerkennt. Es liegt nicht an der Wirtschaft es liegt nicht an der Politik, und dies alles ist fi wenig schuld an der Zerrüttung unserer Veo hältnisse wie es das Radio am Erdbeben war. Abe, freilich sind die, die das noch nicht einsehen, be­stimmt so dumm, wie jene Bauern in der Wala­chei, di« es dennoch behaupten.

Der Mann im Monde.

$ute Bier aus der

südöstlichen Europa ist eine der gefährlichsten Ausgangspunkte solcher Zerstörer. Wie die Re­volution dieser Leute in Ungarn beweist, wie es zudem später durch gerichtliche Urteile festgestellt worden ist, sind die Leute vom Schlage Bela Khuns wirklich Verbrecher. Wir können ihnen gegenüber nicht politisch neutral bleiben. Wir können das ebensowenig, als wie wir neutral blei­ben können, wenn schon der Brandstifter über unsere Hofmauer gestiegen ist. Da hilft nichts, als wach werden, aufstehen und sich wehren. Das Gleiche gilt solchen Bestrebungen bei uns gegen­über, die nicht einmal mehr eine fromme Andacht in einem Krankenhause gestatten wollen. Ganz Europa ist mehr und mehr unterwühlt von gehei­men Gesellschaften, die alle miteinander auf die Vernichtung der christlichen Moral und Weltord- nung aus sind. Dürfen da die Vertreter dieser christlichen Weltordnung zu Haufe bleiben, wo vielleicht an her Wahlurne noch das drohende Unheil abgewendet werden kann? Wäre das Liebe zu Heimat und heimischer Resigion, zu Staat und Kirche, Politik als solche kümmert mich nicht, wohl aber Politik, insofern sie inner« lichst verflochten ist mit dem Schicksal von Reil- gion und Vaterland. Da ist sie ein menschl-ckes Interesse von hohem Rang, und wehe den Chn- sten, wenn sie ihre Pflicht hier nicht erkennen und selber Sckuld daran werden, wenn wir eines Tages russische oder mexikanische Derhältnisie be­kommen. ,, .

Nein, wir haben keine Zeit flau zu fein und noch weniger Zeit, die paar Kräfte, die wir ha­ben, im inneren Kampfe gegeneinander zu ver­geuden. Das hat der Flieger von Hünefeld 'ckön gesagt, als er meinte, es sei ihm schon gleich, ov schwarz-rot-gold oder ob fchwarz-weiß-rot, wenn es nur eine Flagge sei, die in Amerika wehe. Und n solchem Geiste sollten auch die Völker han­deln, anstatt sich zu verhetzen. Mussolini beklagt ich vor aller Welt darüber, daß man der itahent- chen Kultur auf der Insel Malta nicht gerecht werde, dort die Muttersprache unterdrücke und