Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
Deutschnationale Politik in Plakaten
Bot-
Eine WW Protestnote an Japan
Zer Papst und die Erziehung dec Jugend
Staatssekretär Kellogg und dem deutschen schafter v. Prittwitz unterzeichnet werden.
Die deutsch-amerikanischen Schiedsgerichts- und Vergleichsverträge werden am Samstag durch
* Annahme des Etats von Mecklenburg-SkreNlr. Der Mecklenburg-Strelitzsche Landtag nahm den von dem sozialdemokratischen Alleinminister, Dr. Freiherr v. R e i b n i tz, einaebrachten Etat in Höhe von etwa 20 Millionen Mark an. Gegen den Etat hatten die Deutschnationalen, die Kommunisten und der völkische Abgeordnete gestimmt.
wtb. berichtet
Zur tage in Tsinanfu.
London, 5. Mai. (Eig. Funkm.). „Dimes"
Parteiausschusses der Sozialdemokratischen Partei zusammengesetzte Kommission hat für die Wahlen zum Reichstag den Reichswahlvorschlag ausgestellt. An den ersten Stellen stehen Hermann Müller» Franken, Otto Wels, Arthur Crispien, Rudolf Hilferding. 3m Wahlvorschlag der Sozialdemokratischen Partei für den preußischen Landtag stehen an der Spitze Otto Braun, Karl Se- vering, Albert Grzesinski.
ihrem Irrtum lösen, die deutschnationalen Reihen zu verstärken. Wir sollen an ihr ernsthaftes Eintreten für die Bekenntnisschule glauben, nachdem sie vor 4 Wochen die katholische weibliche Lehrerbildungsanstalt in Köln niedergestimmt haben? Ein früherer liberaler Oberbürgermeister soll uns klar machen, daß die Deutschnationalen die be» rufensten Vertreter des katbolischen Schulideals sind? Da mache sich einer ein Plakat darauf!
;ut aufgehoben, sich ' " ’ t von diesem
man es begrüßen mag, daß Mussolini bis zu einem gewissen Grade in seinem Lande Disziplin und Ordnung geschaffen hat, seine geflisientlichen Ue. bersteigerungen des militärischen Wesens in einer Zeit, wo die Menschen an ganz andere Sachen denken sollten, als an Drill und Schießerei, vor allem aber die Frauen, sind ein Unfug und können nur Unheil anrichten.
Der Nriegscichtungspakt.
Zu einer Meldung des „Daily Telegraph", daß zur Weiterbehandlung des amerikanischen Paktvorschlages eine internationale Juristenkonserenz zu- sammentreten werde und daß Deutschland zur Einberufung einer solchen Konferenz bereits seine Zustimmung gegeben habe, bemerkt die „Tägl. Rundschau", daß diese Meldung den Tatsachen voraus- eile. Deutschland hat zunächst eine Antwort auf den amerikanischen Paktvorschlag erteilt, die eine klare und einmütige Zustimmung enthält. Einer Ergänzung durch die Beratungen einer Juristenkonferenz bedarf die deutsche Antwort nicht. Es wird darauf ankommen, wie die anderen Staaten auf den amerikanischen Vorschlag antworten. Ein Bedürfnis zur Einsetzung einer Juristenkonferenz ist bisher jedenfalls von unserem Standpunkte aus nicht gegeben, und e? ist deshalb auch noch eins vollkommene offene Frage, ob das vom „Daily Telegraph" vorgeschlagene Verfahren einmal Anwendung finden wird.
• des Faschismus ein neuer Abschnitt begonnen habe und die Zeit seiner Annäherung an den Vatikan vorbei sei.
Das in diesen Tagen in Rom stattfindLNde Fest gymnastisch-athletischer Wettkämpfe für die Iungmädchen ist inzwischen Anlaß zu neuen Erklärungen von vatikanischer Seite geworden. Der Faschismus hat nämlich nicht nur die jungen Männer militärisch organisiert — (man unterscheidet die „Dalilla", welche die jüngsten Jahrgänge der Knaben, nämlich vom 8.—13. Lebensjahre für den militärischen Drill zu erfassen hat und die „Avanguardia" für die Jahrgänge bis zum 18. Lebensjahre. Mit dem 20. Lebensjahre erfolgt die Uebernahme des jungen Italiener in die faschistische Miliz) — sondern auch die Iungmädchen, die vom 13—18. Lebensjahre in der Giovani Ita- liane militärisch geschust werden. Diese weibliche Jugendorganisation hält vom 4.-6. Mai in Rom athletische Wettkämpfe ab, wobei die Hauptnummer ein Preisschießen mit Gewehr sein soll. Die Führer des Faschismus haben wohl erwartet, daß man im Vatikan an dem Aufzug dieses Ama- । zonenkorps mit seinen athletischen Kämpfen Anstoß nehmen werde, und so hieß es denn, in Vorwegnahme eines solchen Protestes, daß die faschistischen Iungmädchen als Antwort die Gewehre
I zum Himmel Italiens erheben möchten.
Der „Osiervatore" hat am 29. April bereits ge- I gen diesen Aufzug der „Frau in Waffen" Stellung I genommen. Am 2. Mai aber hat der Papst selbst an den Vikar in Rom, Kardinal Pompili, ein I Schreiben gerichtet, das jetzt im „Osser oatore" ver- I ötfntlicht wird. Darin heißt es u. a.: „Gegen die I Geschicklichkeit und Kraft weiblicher Körper sei ge- I miß nichts einzuwenden, solange die Sitten dadurch I nicht verletzt werden. Es müssen aber die Regun- I gen der Eitelkesi und der Gewaltsamkeit unter- I drückt werden." Der Papst ergänzt damit die Aus- I führungen, die er vor dem römischen Diözesanaus- I schuß der Katholischen Aktion hinsichtlich der kör- I perlichen Erziehung gemacht hat. Und es ist eine I direkte Antwort auf die Bemerkung, daß die Jung- I mädchen „die Gewehre zum Himmel Italiens er- I heben" möchten, wenn ber Papst sein Schreiben I mit den Worten schließt: „Wenn die Hand der Frauen erhoben werden muß, so hoffen wir, daß es immer nur zum Beten und zur Ausführung von I Mildtätigkeit sein wird." In der übrigen Welt I besieht man sich die militaristischen Uebertreibun- I gen des faschistischen Systems mit einer gewißen I Gleichgültigkeit. Mussolini wird nicht ganz so I ernst genommen wie etwa der frühere deutsche Kaiser Wilhelm II. Aber es ist doch gut, daß er I in seinem eigenen Lande von höchster moralischer I Stelle her W i d e r st a nd findet. Denn so sehr *
wtb. Peking, 5. Mai. (Eig. Funkm.s- Die hiesige Regierung übersandte der japanischen Gesandtschaft eine Rote, in der wegen der Zwischenfälle von Tsinanfu Einspruch erhoben und das Verhalten der Japaner getadelt wird.
chinesen in Tsinanfu. Rach einer wetteren Reu- termeldung aus Peking teilt die japanische Gesandtschaft mit, daß die chinesischen Führer in Tsinanfu ein Abkommen mit den Japanern getroffen hätten, wonach sie die japanische Siedlung räumen würden, aber in kurzer Zeit sammelten sich chinesisch« Truppen an der östlichen Grenze der Siedlung und versuchten sie zu stürmen. Der Kampf begann wieder. Ein japanischer Leutnant wurde durch Schrapnells verwundet. Die drahtlose Botschaft von General Fukuda ist nicht beantwortet wor- dkftr. Die Japaner befiirchtcn daher, daß die militärische drahtlose Station in Tsinanfu zerstört wurde, obwohl die Handelsstation in der japanischen Siedlung noch arbeitet. Die Brücke über den Gelben Fluß ist zerstört, so daß die Japaner keine Verstärkungen mit Zügen nach Tsinanfu senden können.
Vor einigen Wochen hat der Papst in einer Ansprache an die Vertreter des römischen Diözesanausschusses der katholischen Aktion einige grundsätzliche Bemerkungen gegen „das faschistische Er- ziehungsmonopol" gemacht. Dabei sagte er:
„Die Bemühungen um den Nachlneis, daß der Katholizismus heute förmlich ein goldenes Zeitalter durchmache, sind ebenso deutlich wie hartnäckig. Wir wollen nicht ableugnen, daß Gutes geschehen ist, daß Mißstände beseitigt wurden, aver wir und die Bischöfe, die sich van überall an uns wenden, wissen, wieoiele christliche Eltern auf das tiefste betrübt und beunruhigt sind, weil sie feststellen müssen, wie auf der einen Seite ununterbrochen Versuche gemacht werden, ja vielmehr ein ganz neuer Plan besteht, nicht nur die körperliche, 'andern auch die moralische und seelische Erziehung -er Jugend zu monopolisieren auf der andren Seite Schwierigkeiten Reibereien, Hindernisse oder versteckte Drohungen und ausgesprochene Feindschaften bestehen. Es werden Fehler gemacht, ei es mit gewalttätigem Vorgehen, fei es unter Vorwänden, die oft mit den elementarsten und bekanntesten Erziehungsprinzipien in Widerspruch stehen."
Diese Rede hatte damals den Zorn Mussolinis geweckt und ihn zur Auslösung der katholischen I Pfadfinderorganisation in allen Gemeinden mit I mehr als 20 000 Einwohnern veranlaßt. Man • glaubte an den Ausbruch eines heftigen Zwiespaltes, zumal die faschistische Presse gegen die Papstrede leidenschaftlich Stellung nahm. Die nächsten Erklärungen des „Osservatore Romano" aber ftihi- ten den Kampf nicht weiter, sie beschränkten sich auf die Feststellung, daß die Klage des Papstes, daß die Zusammenarbeit zwischen Regierungsbehörden und kirchlichen Stellen zu wünschen übrig gelassen habe, auf ein ganz bestimmtes und begrenztes Gebiet gerichtet gewesen sei. Mussolini hatte übrigens nicht alle katholischen Jugendorga- .nisation, die noch bestanden, aufgelöst, die der Co- stumbusritter und die Oratorien der Katholischen ^Aktion waren nicht betroffen worden. Es sind aber chei der Auflösung der Pfadfindergruppen durch die Faschisten wieder große Mißhandlungen vorgekom- hren.
Trotz dieser zurückhaltenden Notiz des „Osser- »atore Romano" hat aber die Aufmerksamkeit des Papstes nicht nachgelassen und Männer, die die Verhältnisse in Rom und die Beziehungen zwischen dem Faschismus und dem Vatikan ckennen, ver- sicherten, daß der Kampf jeden Tag Wiederaufleben könne. Sie sprachen davon, daß das Verhältnis -wischen Faschismus und Vatikan eine gründ- i 'Egende Aenderung erfahren, daß in der Geschichte (
Attentat in Warschau.
I Am Freitag abend wurde in Warschau in der I Marscalkowska-Straße auf ein Mitglied der Sow- jet-Handelsvertretung, Lizareff, der im Auto vor- I überfuhr, von einem jungen russischen Emigranten I ein Revolverattentat verübt. Der Täter feuerte I Zwei Revolverschüsse ab. Lizareff erhielt einen I Streffschuß an der Hand und Schwellungen am Kopfe infolge der Glassplitter. Lizareff begab sich in demselben Auto sofort zum Arzt. In Gesell-
I schäft Lizareffs befand sich auch ein anderes Mtt- I glied der Sowjet-Vertretung, Djakonokoff. Der Täter, namens Wojciechowski, wurde verhaftet. Er macht den Eindrr'.ck eines abnormen Menschen.
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wtb. Warschau, 5. Mai. (Eig. Funkm.) Das Pilstigski-Blatt verurteilt in schärfsten Worten den । mißlungenen Attentatsversuch des russischen Gegen, reoolutionärs Wojciechowski auf Lizareff, den El-es der hiesigen russischen Handelsmission. Dte energische Untersuchung, die von den Behörden eingelettet worden wäre, werde sicherlich zur Bestrafung aller Schuldigen führen, sofern es sich zeigen sollte, daß der Attentäter irgendwelche Hel- fershelfer auf dem polnischen Territorium haben sollte. Wie es sich nun herausstellt, ist der Attentäter Wojciechowski in Warschau seines lieber- lichen Lebenswandels wegen ziemlich bekannt. Er ist Alkoholiker, ständiger Gast der Nachtlokale und wahrscheinlich auch Morphinist. Die Presse spricht die Vermutung aus, daß er den An- schlag unter der Einwirkung irgend eines Rausch- giftes verübt hat.
* Der sozialdemokratische Reichswahlvorschlag. Die aus Mitgliedern des Parteivorstandes und des
Spanien für den Frieden.
wtb. Paris, 5. Mai. (Eig. Funkm.). Die „(5a zette des Nations" veröffentlicht eine Erklärunc des Königs von Spaniens zugunsten des Friedens. Die Erinnerung an den letzten Krieg, so heißt es darin, habe die Beunruhigung über das, was ein neuer Krieg nicht nur für das Heer, sondern auch für die Zivilbevölkerung bedeuten würde, gesteigert. Deshalb sei es die gebieterische Pflicht sämtlicher Staatsoberhäupter, beharrlich und unverdrossen zugunsten des Friedens zu arbeiten.
* Amerikanischer Rundflug über Europa. Mit dem Lloyddampfer „Columbus" soll am 8. September d. Js. in Bremerhaven eine amerikanische Reisegesellschaft eintreffen, die einen 52 tägigen Rundflug über Europa unternehmen will. Beider Landung soll eine Staffel moderner VerkehrS- maschinen bereitstehen, mit der die moderne Expedition durchgeführt werden soll. Man will rund 20 Städte Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz, Frankreichs, Hollands und Englands befuchen. Zur Eröffnung der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) in, Berlin wird die Staffel in Tempelhof landen. Die Rückfahrt dürfte am 21. Oktober wieder mit dem „Columbus" erfolgen.
auS Peking: Di« nationalistischen Stteitträfte in Tsmemsu wurden zuletzt mit 60000 Mann angegeben. Wenn daher Tschiangkai- s ch e k, der persönlich dort sein soll, seine Mann- schäften nicht in der Hand habe, so kann eine Tragödie mit Folgen eintreten, die zu weit- reichend sind, als daß sie erörtert werden könnten, bevor die Lage vollständig übersehbar ist. Laut „Times" liegen keine Nachrichten von dem britischen Konsul Affleck in Tsinanfu vor.
Der Verfassungsausschutz.
lieber das Ergebnis der Sitzung des Ausschusses für Dcrfassungs- und Verwaltungsreform wird offiziös folgendes mitgeteilt:
3n der Nachmittagssitzung des Ausschußes für Der- fassungs- und Derwaltungsreform wurde nach eingehender Aussprache die Verhandlung zu Ende geführt. An-
Reuter meldet aus Schanghai: Infolge der Unterbrechung der Schantung-Eisenbahn waren die japanischen Truppen unter General Fukuda gezwungen, die ganze Nacht hindurch 50 Meilen wett zu marschieren, um nach Tsinanfu zu gelangen. Die Truppen, die sehr ermüdet in der Stadt ankamen, mußten danach 36 Stunden hindurch den Angriffen außerordentlich überlegener chinesischer Streitkräfte standhalten, die durch chre Siege über di« nord- chinesischen Truppen angefeuert wurden und die von Haß gegen die Japaner erfüllt sind. Die Ja- pauer stehen isoliert in zwei Abteilungen in Tsinanfu. Nur durch die geschickteste Verteil, digung gelang es ihnen unter größten Schwierigkeiten, den chinesischen Angriff abzuschlagen. In Tokio herrscht große Besorgnis wegen des Munitionsmangels. General Twakupa rückt mtt 2000 Mann Truppen von Tsingtau in Eilmärschen an der Schantung-Eisenbahn nach Tsinanfu vor.
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Reuter meldet aus Peking: Die Nachricht, daß bei den Vorgängen in Tsinanfu außer Japanern einige Ausländer getötet worden seien, ist nicht bestätigt worden. Augenblicklich befinden sich ungefähr 3000 japanische Truppen und 40 000 Süd-
glgubt haben, die katholische Sache sei bei den Deuffchnationalen besonders aut tu ‘ unter den Eindruck der Wirklichkeit
schließend stellte der Ausschuß als zunächst zu behandelnde Probleme folgendes fest:
1. Die Frage des Verhältnisses von Reich zu Ländern, insbesondere der Aufgaben und Zuständigkeitsoer- teilung.
2. Die Frage der kleineren und der leistungsschwachen Länder und der territorialen Flurbereinigung.
3. Die sich unbeschadet von Ziffer 1 und 2 ergebenden allgemeinen Fragen der Derwaltungsreform.
Zu Ziffer 1 und 2 betraute der Ausschuß den Reichs- Minister des Innern, den Reichsminister der Finanzen, Ministerialdirektor Dr. 5). Brecht (Preußen), Ministerpräsident Held (Boyern), Ministerialdirektor Dr. Pötzich- Heffter (Sachsen) und den Reichsminister a. D. Hamm, mit der Aufgabe, mit möglichster Beschleunigung ivä- testens bis Ende Juni 1928 durch Sammlung von Material und auf andere geeignet erscheinende Weise dis- kussionsreife Unterlagen für di« nächste Sitzung des Ausschusses zusammenzustellen. Zu Ziffer 3 beauftragte der Ausschuß den Reichsminister der Finanzen Ministerialdirektor Dr. Brecht (Preußen), Staatsminister Dr. Stütze! (Bayern), Staatsminister Dr. Apelt (SachkeN), Staatspräsident Bazille (Württemberg) und Staatspräsident Adelung (Hessen) in Verbindung mit dem Re-chssparkommissar, Staatsminister a. D. Samisch. mit der entsprechenden Aufgabe Für beide Aufgaben werde die Reichsreqierung und die Länderreqie- rungen die Mitarbeit ihrer zuständigen Behörden zur Verfügung stellen.
Mit Worten des Dankes an die Mitglieder des Ausschusses schloß Reichsjustiiminister Herat, der in Vertretung des zur Zeit in Urlaub befindlichen Reichskanzlers Dr. Marx den Vorsitz Hibrfe, die Sitzung.
Wie verlautet, hatte die Reichsregierung den Ausschuß für Verfassung?- und Verwaltungsreform jetzt noch einberufen, um die Arbeiten nicht in den Herbst hinein zu verzögern, sondern die Zwischenzeit bis zur Bildung einer neuen Regierung für die sachlichen Arbeiten des Ausschusses ausnützsn zu können. _______________________
die Deuffchnationalen dieser Rote zustimmten, bevollmächtigten sie die deutsche Delegation zu Verhandlungen in Locarno. Ihre Minister faßten dann in der Kabinettssitzung, die unter dem Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg am 22. Oktober 1925 stattfand, gemeinsam mit den übrigen Ministern den Beschluß, daß das auf der Grundlage vom 20. Juli eingereichte Vertragswert zum Abschluß gebracht werden sollte. Diese Tatsache wurde allen Abstreichungsver. suchen gegenüber am 30. Oktober 1925 durch ein amtli- ches (Kommunique festgestellt."
Die deutschnationale Wahlpropaganda benutzt sodann eine ganze Reihe von landwirtschaftlichen Plakaten, auf denen bildhafte Darstellungen sind, die sehr kraß die Notlage des Bauernstandes schildern. Dazu sagt der Pressedienst der Deutschen Volkspartei, daß man sich unwillkürlich fragen muß, ob das wirklich das Ende einer Reichstagsperiode für d i e Landwirtschaft darstelle, in der die Deutschnationalen einen Einfluß besaßen, wie sie ihn kaum je wieder erringen werden.
Das Heiterste ist aber doch wohl das sogenannte Bremen-Plakat. Aus dem Luftschiff „Bremen" weht eine schwarz-weiß-rote Flagge und darunter steht: „Wählt deuffchnational". Dazu endlich sagt der Pressedienst der Deutschen Volkspartei folgendes:
„Es ist immerhin anzuerkennen, daß die Deutsch- nationalen die Tat des Mitfahrers von Hiinefeld nicht deshalb verkleinern, weil er der Sohn einer Mutter ist, die aus einem angesehenen jüdischen Hause stammt. Im übrigen ist bekanntlich die Befreiung der deutschen Luftfahrt von Fesseln ein Erfolg der von den Deutschnationalen aufs heftigste bekämpften Verständi- gungs- und Locarno-Politik."
Angesichts der Tatsache, daß die Theorien der Deutschnationalen in der Praxis so schwer Schiffbruch gelitten haben, ist der Hohn zu verstehen, der sich jetzt allenthalben über sie ergießt. Freilich lassen sie sich, als echte Herrenmenschen, nicht irre machen und gehen über die Unstimmigkeiten, die man ihnen mit Recht vorwirft, zur Tagesordnung über. Sie muten sogar den Katholiken zu, in demselben Augenblick, in dem die Leute, die bisher ge«
Unter dieser Ueberschrift macht sich der P r e f« se dienst der Deutschen Volkspartei über die jetzt mehr und mehr in die Erscheinung tretenden eigenartigen Agitationsmethoden der Deutschnationalen lustig. Zunächst beobachten wir das sogenannte „Hindenburgplakat. Es zeigt den Kopf des Reichspräsidenten von Hindenburg mit der Unterschrift: „Mehr Macht dem Reichspräsidenten." Bissig, aber mit Recht, wird die Frage gestellt, ob denn die Deuffchnationalen diese gleiche Forderung auch erheben würden, wenn ihr Plakat das Bild eines sozialdemokratischen Reichspräsidenten oder den Kopf eines Demokraten oder auch eines Zentrumsmannes bringen müßte. Man muß aber doch auch weiter fragen: ist etwa der Reichspräsident deutschnational? Und darauf gibt der Pressedienst der Deutschen Dolks- partei folgende zutreffende Antwort:
„Wir sind von seiner Unparteilichkeit fest überzeugt! Schon deshalb, weil die Deuffchnationalen die ersten waren, die ihn, kaum daß er gewählt war, schmählich Tm Stiche ließen. Das war am 25. Oktober 1927, als die deutschnationale Parteilestung auf das Geheiß der Agitatoren im Lande die erste große bürgerliche Reichsregierung sprengte. Es waren auch deutschnationale Zeitungen, die Herrn von Hindenburg gegenüber „die Souveränität der Fraktionen", d. h. die Allmacht der Partei, verkündeten, als er im Januar 1927 nicht bereit war, alle Ministerwünsche der Deuffchnationalen zu erfüllen. Und es waren deutschnationale Kräfte, die wie- derhost versuchten, den Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg an ber Ausübung seiner Befugnisse zu hin- dern, wenn er Botschafter und Gesandte ernannte, die den Wünschen einer gewissen Partei, nämlich der Deuffchnationalen Partei, nicht ganz enffprachen. Herrn von Lindeiner-Wildau hätte er gern zum Reichs- minifter des Innern ernannt, aber die deuffch- nationale Partei verwehrte es ihm. Sie ist also die letzte, die sich bei den Wahlen auf Hindenburg berufen darf."
Sodann arbeiten die Deuffchnationalen mit einem Locarno-Plakat. Hinter dem Rhein und seinen Burgen erscheint auf einer düsteren Wolkenwand eine Teufelsfratze mit der Inschrift: Locarno? Dazu fegt nun die Nationalliberale Korrespondenz unter anderem:
„Der erste deutsche Minister, der Frankreich einen Rteinlandpakt anbot, war der deutschnationale Außenminister des Kabinetts Cuno, Herr v. Rosenberg.-
f* einflußreichste Ratgeber dieses Kabinetts war der verstorbene deutschnationale Reichstagsabgeordnete I YeIrferich. Ausschlaggebend für die Verhandlungen ■ in Locarno ist aber nicht das Memorandum vom 9. ! Februar 1925, sondern die deutsche Note an Frankreich : oom 20. Juli 1925. Di ei« Note wurde von allen Par- t°i°n des Reichstags einschließlich der Deutschnationalen - gebilligt. Dagegen stimmten nur Kommunisten und . Völkische. Die Dilligungsnote trug sogar an erster Stelle ( den Namen — des Grafen W e st a r p. Dadurch, daß
Nr. 106.
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Sonntag, 6. Alm 1928.
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