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Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Nr. 105.

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Samstag, 5. Mai 1928.

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S5.Zahrg.

Japanisches Eingreifen in China.

Blutige Vorgänge in Tsinanfu. —

Nach einer Reutermeldung aus Tokio erklären beim japanischen Kriegsministerium eingegangene Depeichen, daß die Lage in Tsi Nan - fu keinen Anlaß zu besonderem Optimismus biete, denn Dschiang Kai-schek sei unfähig gewesen, seine un- difziplinierten Truppen in der Hand zu behalten. Die Soldaten hätten an verschiedenen Stellen der Stadt geplündert. Obwohl es nicht bestimmt ausgesprochen werde, deute man in amtlichen Krei­sen Tokios an, daß die nationalistischen Truppen zwischen Chinesen und Japanern keinen Unter­schied machten.

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wtb. London, 4. Mai. (Eig. Funkm.) Reuter meldet aus Osaka: Die Gerüchte über das unter den japanischen Bewohnern von Tsinanfu ange­richtete Blutbad haben hier Bestürzung hervor­gerufen. Nach einer hier eingegangenen Meldung haben Zehntausende nationalistischer Soldaten Tsinanfu geplündert und 100 japanische Einwohner getötet.

wtb. London, 4. Mai. (Gig. Funkm.) Reuter meldet aus Shanghai: Zwischen Japan und dem natinalistischen China scheint sich eine ernste L a g e zu entwickeln. Die Verluste der japanischen Truppen bei diesen Zusammenstößen betragen 5 Tote und 20 Verwundete. Außerdem wurden viele japanische Einwohner getötet. Die Verluste der chi­nesischen Truppen we-den auf 800 Mann geschätzt. Die Japaner haben 2300 Mann als Verstärkung nach Tsingtau entsandt.

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Die nordckiinesichen Streitkräfte ziehen sich nun auf allen Fronten zurück mit Einschluß des Kampfabschnsttes in Schansi und im südwestlichen Tschili. Sie sind mit allen Kräften bemüht, eine neue Front aufzubauen, die sich von Poatingfu über Hokienfu und Tehtschau bis zu dem Gelben Fluß erstreckt, wo das Zentrum durch ein weit aus­gedehntes Sumpfgebiet gedeckt wird. Der Oberst­kommandierende der nationalistischen Truppen Tschiana Kai--schek ist mit 20 000 Mann in Tsinanfu einqetroffen und bereitet einen Vorstoß gegen Teht- fdjnu vor.

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Reuter berichtet aus Schanghai, die Tatsache, vatz die Japaner einen Kordon von etwa zwölf Meilen mit etwa 2000 Mann um Tsingtau herum errichtet haben, habe zur Aufrechterhaltung der

Starker japanischer Truppeneinsatz.

Ordnung gefühlt. 2000 Mann undisziplinierte Nordtruppen, die eine Viertelmillion Dollar forder­ten und drohten, die Stadt zu plündern, wenn ihnen nicht das Geld ausgehändigt werde, seien entwaffnet und nach Nordchina verschifft worden Es heiße, daß die Japaner die lieber« nähme der Kontrolle über Tsingtau für einen Zeit­raum von drei Monaten beabsichtigen, bis die Lage normaler werde.

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wtb. Tsingtau, 4. Mai. (Eig. Funkm.). Nach­richten aus Tsinanfu zufolge, gelang es den chine­sischen Truppen so leicht, in das japanische Viertel einzudringen, weil die Drahtsperren wegen des ruhigen Verhaltens der chinesischen Truppen am Tage vorher weaaenommen waren. Das Gefecht hat mehrere Stunden gedauert.

wtb. Tientsin, 4. Mai. (Eig. Funkm.). Japa­nische Funksprüche aus Tsinanfu melden, daß die javanischen Behörden und der Kommandant der chinesischen Nationaltruvpen sich bemühen, die Kämpfe zwischen den chinesischen und japanischen Truppen zu unterdrücken. Außer den Ja­panern sollen auch andere Ausländer in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Man glaubt, daß einige Ausländer getötet wurden. Einzelhei­ten fehlen indessen noch. Auf chinesischer Seite wurden 800 Mann verwundet und 1000 Mann von den japanischen Truppen entwaffnet.

Neuer Kampf.

wtb. Tokio, 4. Mai. (Reuter). (Eig. Funkm j Nach amtlichen Telegrammen aus Tsinanfu haben die süd-chinesischen Truppen heute früh um 2 Uhr den Angriff wieder ausgenommen, indem sie in die japanische Verteidigungslinie ein« zutreten versuchten. Bei der gegenwärtigen Lage ist es schwierig, die Zahl der Toten anzugeben. Der Kampf dauerte 3 Stunden und ließ dann nach.

Weiterer Truppeneinfaß Japans.

wtb. Tokio. 4. Mai. (Eig. Funkm.) Reuter: Nach dem Eintreffen der Nachrichten von den Kämpfen .zwischen chinesischen und japanischen Truppen hat Generalmasor Jwakurar angeorü- net, daß ein Teil der In Tsingtau stehenden ja­panischen Truppen nach Tsinanfu abrük- k e n soll. Der Schutz von Tsingtau wird den Ma- rinetruvven übertragen.

Der englisch-ägyptische Zwischenfall

Am 28. Februar 1922 ist nach langen Verhand- chngen zwischen der englischen und ägyptischen Re­gierung das englische Protektorat über Aegypten aufgehoben worden. Einige Tage später wurde das Königreich Aegypten proklamiert. Aber diese „Unabhängigkeit" Aegyptens ist nur eine scheinbare, was schon daraus hervorgeht, daß neben der ägyp­tischen Armee mit 10600 Mann noch eine bri­tische Besatzungsarmee von 10000 Mann in Aegyptm besteht. Aber auch die Leitung oes ägyptischen Heeres selbst liegt nach wie vor in eng­lischen Händen. Außerdem aber hat sich England in der Unabhängigkeitsurkunde eine Reihe von Ver­waltungsrechten Vorbehalten, die sich auf die Siche­rung der Verkehrswege, die Verteidigung und die Wahrnehmung fremder Interessen und den Schutz der Minderheiten beziehen. Ein englischer Ober­kommissar, gegenwärtig ist es Sir George Lloyd, hat die Kontrolle darüber, daß die englifchm Rechte nicht zu kurz kommen.

Selbstverständlich hat die Proklamation des ägyptischen Königreiches die ägyptische Unabhänqig- kertsbewegung nicht einzudämmen vermocht. Die Auffassung der Aegypter ist, daß England zu Un­recht seine Herrschaft aufrecht erhält und daß in­folgedessen auch von England die Gnade der Be- fteiung gamicht gewährt werden kcnm. Was die Aegypter verlangen, ist die Herstellung des ur­sprünglichen Rechtszustandes, eine Theorie, die die Engländer natürlich nur lächeln macht. Insbeson­dere hat die jetzige konservative Regierung in Lon­don wiederholte Beweise dafür gegeben, daß sie nicht barmt denkt, den im Jahre 1922 den Aegyp- tern gewährten Rahmen der Autonomie irgendwie zu erweitern. Es haben im vergangenen Jahre fortwährende Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der ägyptischm geschwebt, um in dem gesetzten Rahmen genauer abzugrenzen, inwie­weit Aegypten berechtigt ist, als „souveräner Staat" aufzutreten. Diese Verhandlungen haben sich vor kurzem zerschlagen, sodaß offiziell ein sehr gespann­tes Verhältnis entstanden ist. In Aegypten selbst ist daraufhin ein Regierungswechsel eingetreten, bei dem die nationalistische Richtung die gemäßigte verdrängte. Das ägyptische Parlament hat unter der neuen Regierung versucht, ein Versammlungsoesetz zu verabschieden, das die Kontrolle der Versamm­lungen mildern wollte. An dieser Absicht hat sich der neueste englisch-ägyptische Zwischenfall entzün­det. Denn, wie gesagt, zu den englischen Vorbe­halten bei dem Verzicht aufs Protektorat im Jahre 1922 gehörte die „Wahrnehmung ftemder Jnte- cessen". Und England stellt sich auf den Stand- »unkt, daß das beabsichtigte Vereinsgefetz den In­teressen der Ausländer schädlich sein könnte. Eins Erweiterung des Vereins- und Verfammlungsrech- ies würde den nationalistischen Fanatikern im Lande lrößere Möglichkeiten geben, gegen die Fremden rufzuhetzen. Hier vorzusorgen, sei eine Pflicht Eng- ands. Man sieht wieder, wie „moralisch" die eng- ische Politik in allem ihren Tun und Lassen ein« Pftellt ist. Die Beratungen im ägyptischen Parla­

ment über das ftagliche Gesetz warm schon zu Ende und es bedurfte nur noch der Gutheißung des Königs. Da schritten die Engländer mit ihrem Ultimatum ein und drohten Kriegsschiffe gegen das Land vorzuschicken. Wahrscheinlich beabsichtigte Eng­land die Landung einiger Truppenkontingente und die Besetzung der Zollstationen.

Das Vorgehm der englischen Regierung hat den erwarteeten Erfolg gezeitigt. Eine tatkräftige Unabhängigkeitsbewegung bleibt ja in Aegyptm unmöglich, solange die englische Besatzungsarmee die wirkliche Macht des Landes in Händen hat. Die ägyptische Regierung hat das Ultimatum sehr schnell mit einer in freundschaftlichen Worten gehaltmen Note beantwortet, in der grundsätzlich daran fest- gehalten wird, daß die ägyptische Regierung weder England noch irgendeiner anderen Macht das Recht zugestehen könne, gegen die Unabhängigkeitsge­setzgebung des ägyptischm Parlamentes zu interve­nieren. Um aber den guten Willen und dm Wunsch der ägyptischm Regierung, gute Beziehungen zu England auftecht zu erhalten, zu beweism, sei der Gesetzentwurf über die öffentlichen Dersammlungm suspmdiert und auf die nächste Session des Par­lamentes verschoben worden. Die ägyptische Regie­rung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß man in der Zwischenzeit eine Grundlage der Verständigung zwischen den beiden Ländern finden werde, welche die gegenwärtigen. Schwierigketten beseitigte. Aegup- tm habe dm einzigen Wunsch, die Sicherheit der Ausländer und eigenen Staatsangehörigen zuge­währleisten.

Das englische Kabinett hat diese Antwortnote am 2. Mai besprochen. Die Freunde des Friedms haben dabei in der Frage der Behandlung dieser Erklärung den Sieg davcngetragm. Chamberlain hat im Parlament den Wortlaut einer freundschaft­lich gehaltenen Rückantwort bekannt gegeben, in der gesagt wird, daß die Verschiebung der Vorlage bis zum Herbst mit Genugtuung begrüßt werde. Doch könne sich die britische Regierung auch auf spätere Verhandlungen des Dersamnilungsgesetzes nicht ein­lassen. Jede neue Beratung der Vorlage werde eine neue Krise heraufbeschwören. Zugleich wurde dem Unterhause bekanntgegebm, daß die von Malta nach Aegypten abgefahrenen Kriegsschiffe wieder zurückgerufen worden seien.

Die Krisis ist also nicht beendigt, sie ist vorläufig nur vertagt. Ihr Verlauf bedeutet aber'für das nationalistische Kabinett Nahas Pascha in Kairo eine gewisse Niederlage. Daß die ägyptische Unab­hängigkeitsbewegung dm Zwischenfall für chrm Zweck verwerten wird, ist zu erwarten. Er wird für sie ein neuer Agitationsanlaß sein und dm Respekt vor den Engländern nicht erhöhen. Es ist darum garnicht sicher, daß der Erfolg Chamberlain die Spannungm zwischm London und Kaiw nicht erheblich verschärfen wird.

Wie Reuter aus Kairo meldet, sind Gerüchte im Umlauf, daß mehrere Minister wegm der Lö- sung des malisch-ägyptischen Konillktes zurückzn- treten beabsichtigten.

September-Programm.

Die Tagesordnung der Rennten Völkerbundsver­sammlung.

Das Generalsekretariat des Völkerbundes ver­öffentlicht die vorläufige Tagesordnung der Neun­ten Dölkerbundsverfammlung, die am 3. Septem­ber beginnt.

Auf der Tagesordnung steht die Behandlung des Jahresberichts des Rates und des General- fekretariats über die Maßnahmen zur Durchfüh­rung der Beschlüsse der letzten Völkerbundsver­sammlung. Dieser Bericht wird wahrscheinlich in bezua auf feine Ausführungen über die Arbeiten des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses und des Sicherheitskomitees von Interesse fein, deren ge­genwärtiger Stand im Hinblick auf die Einberu­fung der ersten internationalen Abrüstungs­konferenz zweifellos Hauptgegenstand der Be­ratungen der diesjährigen Völkerbundsversamm­lung bilden wird.

Ferner wird die Versammlung wie alljährlich i das gesamte Arbeitsfeld des Völkerbundes durch- | gehen und dabei Berichte feiner einzelnen Organe i

für Wirtschafts- und Finanzfragen. Verkehrswesen, öffentliche Gesundheitspflege, Be- kämpfung des Opiumschmuggels, Mädchen- und Kinderfchutz, internationale geistige Zusammenar­beit und fortschreitende Kodifizierung des inter­nationalen Rechts ufro. entgegennehmen.

Außerdem wird die Versammlung die endgültige Entscheidung über den Bau des Völker- bundspalastes zu treffen haben. Auch liegt ihr aufgrund eines Beschlusses der vorjährigen Versammlung ein von Finnland, Polen und Schweden eingebrachter Antrag zur Prüfung der Alkoholfrage, soweit sie in den Rahmen der Völker­bundsarbeiten fallen könnte, vor.

Schließlich muß die Versammlung die Wahl von drei nichtständigen Ratsmitgliedern vornehmen, die anstelle der turnusmäßig ausschei­denden Staaten Holland, China und Kolumbien für die nächsten drei Jahre im Völkerbundsrat Mitarbeiten sollen. «Dann wird die Versammlung auch die Wahl des Nachfolgers für das dieser Tags zurückgetretene amerikanische Mitglied des ständi­gen Internationalen Gerichtshofes im Haag vor­nehmen.

Der Ausschuß für

In der ersten Sitzung des Ausschusses für Der- fassungs- und Verwaltungsreform wird man sich am Freitag zunächst eingehend mit den Fragen der Geschäftsordnung befassen. Hierbei handelt es sich vor allem um die Frage, welches Gewicht dke Stimme des Reichskanzlers als des Ausschußvor- sttzenden bei der Abstimmung haben soll. Da den neuen Stimmen der Reichsregierung neun Stim­men der Länder gegenüberstehen, kommt einem Stimmrecht des Kanzlers besondere Bedeutung zu. Welche Entscheidung getroffen werden wird, laßt sich noch nicht übersehen.

Nach der „Tägl. Rundsch." wird man wohl in Fragen h»r Geichäft-w'bmma « '<v' '

das ausschlaggebende Stimmrecht übertragen. In sachlicher Beziehung wird in der Sitzung in der Hauptsache das Arbeitsprogramm feftge« legt, bestimmte Arbeitsgebiete abgegrenzt und in Verbindung damit die Referate verteilt werden. Der „Voss. Zig." zufolge wird sich der Ausschuß auf längere Zeit, wahrscheinlich biszum Herbst o e r t aa e n.

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wtb. Berlin, 4. Mai. (Gig. Funkm.). Heute vormittag trat im Reichskanzlerhaus der im Ja­nuar von der Länderkonferenz beschlossene Aus­schuß für Verfassungs- und Verwaltungsreform zu seiner ersten Sitzung zusammen. Den Vorsitz führte infolge Behinderung des auf Erholungsurlaub be­findlichen Reichskanzlers Dr. Marx sein Stellver­treter, Reichsjustizminister Hergt. An der Sit­zung nahmen die 9 von der Reichsregierung beru­fenen Mitglieder teil, nämlich: die Reichsminister Dr. v. Keudell. Dr. Köhler, Dr. Curtius und Dr. Schaetzel, Reichsminister a. D. Hamm, die Univer- sitätsprofessoren Geheimräte Dr. Anschütz und Dr. Triepel, Unterstaatssekretär a. D. Dusch und Reichstagsabgeordneter Dr. Brüning, sowie die neun Ländervertreter, Ministerialdirektor Dr. Brecht (Preußen), Ministerpräsident Dr. Held (Bayern), Ministerialdirektor Dr. Poetzsch-Heffter (Sachsen), Staatsminister Bolz (Württemberg), Gesandter Honold (Baden), Staatsminister Dr. Leutheußer (Thüringen), Staatspräsident Adelung. (Hessen), Bürgermeister Dr. Petersen (Hamburg) und Ministerpräsident Deist (Anhalt).

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Das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger meldet: Der Reichsrat geneh­migte endgültig die Richtlinien für die Ratio­nalisierung des landwirtschaftlichen

Verfassungsreform.

Genossenschaftswesens und die Umschul, düng betreffenden Beschlüsse des Reichstagsans, schusies. Außerdem wurde eine neue Eisenbahn» Verkehrsordnung angenommen, bei der es gelun- gen ist, mit Oesterreich eine Ueberelnftimmung zu erzielen.

Der Zoll Keudell.

Der „Lok. Anz." meldet: Reichsinnenminister o. Keudell ist von seiner Wahlreise im Westen nach Berlin zurückgekehrt. Er denkt nicht daran, aus der Entscheidung des Reichsgerichts etwa per» sönliche Folgerungen zu ziehen und dem Reichskanzler sein Amt zur Verfügung zu stellen. Er hält es vielmehr für die Pflicht seines Am«es als Reichspolizeiminister, die Weiterentwicklung der Tätigkeit des Roten Frontkämpferbundes in den verschiedenen Teilen des Reiches zu beobachten und gegebenenfalls gemäß der Stellung, die der Vierte Senat des Reichsgerichtes in der Ensichsi- düng eingenommen hat, weitere Maßnahmen zu ergreifen.

wtb. Heidelberg, 4. Mai. (Gig. Funkm.). Der Reichsminister des Auswärtigen Dr. S t r e f e • mann ist mit feiner Gaisin und in Begleitung des Ministerialdirektor Gauß sowie einiger Herren des Auswärtigen Amtes heute früh in Heid-Gerg ein« getroffen. Stresemann soll zum Ghrendoktor pro­moviert werden, gleichzeitig mit ihm der amerika­nische Botschafter Shurman. Man erwartet ein­große politische Rede Stresemanns.

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Reichsinnenminister Dr. o. Keudell sprach Don nerstag abend in einer öffentlichen Versammlung b'er Deutschnationalen Volkspartei in Charlotten- bürg, und führte nach Blättermeldungen u. a. aus:

Für die Reichsregierung gibt es nach der Ver­fassung wenig Möglichkeiten gegen revolutionäre Vereinigungen vorzugehen. (Eine dieser Möglich- fetten schien bisher das Republikschutzaesetz zu sein. Diese Möglichkeit ist nach dem Spruch unsres höchsten Gerichtes in Fortfall gekommen. Wir wollen es begrüßen, daß diese Klarheit lieber heute als morgen eingetreten ist. Umso größer ist die Verantwortung der Lander, in erster Linie der preußischen Staatsregierung gegenüber den Krei- fen des Roten Frontkämpferbundes. Seien Sie überzeugt, daß die weitere Gntwicklung auf diesem ©ebiete, solange ich eine Verantwortung zu tragen habe, von mir mit höchster Aufmerksamkeit weiter beobachtet werden wird.

Was geschieht mit Bela Khun.

Der österreichische Justtzmmister Dinghofer erklärte Vertretern der amtlichen Nachrichtenstelle mit Rücksicht auf die verschiedenen einander wider­sprechenden Meldungen über die Ausliefe- rungssache Bela Khuns, das AuslieferungS- begehren der ungarischen Regierung sei zwar noch mcht eingetroffen, es sei jedoch am 2. Mai cm Telegramm des Budapester Staatsgerichtshofes Hofes an das Landesgericht Wien 1 eingegangen, morrn, nachdem gegen Bela Khun wegen drei­fachen Mordes ein Haftbefehl erlassen worden sei, ersucht wird, ihn in Haft zu belassen, bis das Auslieferungsbegehren eingeht.

Auch habe die ungarische Gesandtschaft vom Bundeskanzleramt verlangt, chr auf Ungarn be­zügliche Schriften ausfolgen zu lassen, da­mit die ungarische Regierung die erforderlichen Maßnahmen treffen könne. Dieses Ersuchen wurde an das Landesgericht für Strafsachen zur Bericht­erstattung geleitet. Die mit der ungarischen Räte­regierung gesoffene Vereinbarung vom 2. August 1919, fuhr Dinghofer fort, wird wohl kaum mehr herangezogen werden förnten, da das seinerzeit g^vährte Asylrecht durch die mit Zustimmung Bela Khuns erfolgte Abtransportierung nach Rußland wohl hinfällig geworden und Bela Khun nunmehr ungebeten zurückgekehrt ist. Die Beant­wortung der Frage bet Auslieferung oder Nicht­auslieferung Bela Khuns dürfte daher davon ab­hängig sein, ob die Bela Khun zur Last gelegten trafbaren Handlungen im Sinne des Ausliefe- rungsverttages mit der Schweiz vom 10. März 1896 den vorwiegenden Charakter eines gemeinen Verbrechens haben ober nicht. Die Entschei- bung über ben Charakter der strafbaren Handlung teht noch zwischen Oesterreich und Ungarn mangels eines Auslieferungsvertrages und maßgebenden all-

[ent einen Rechtsgrundsätzen dem ersuchten Staat zu, also Oesterreich.

Das rote (Emden.

wtb. Emden, 4. Mai. (Gig. Funkm.). In bet gestrigen ersten Sitzung des neuen Bürger- vorfteber-Kollegiums wurde bei der Wahl des Büros als Wortführer der kommuni­stische Bürgervorsteher Wendt, als Stellvertre­ter und erster und zweiter Schriftführer drei w e i- tere kommunistische Bürgervorste- Her gewählt. Von bürgerlicher Seite wurde ge» gen die Gültigkeit dieser Wahlen protestiert.

Das neue Persien.

wtb. Teheran, 3. Mai. (Gig. Funkm.) Am 10. Mai wird eine Verfügung in Kraft treten,, die die Kapitulation abschafft, frühere Uebereinfünfte mit auswärtigen Regierungen aufhebt und Auslän­der der Rechtsprechung persischer Gerichtshöfe un­terstellt. Wie miigeteilt wird, beabsichtigt die Re­gierung, diese Gntschließung durch einen natio­nalen Festakt zu feiern.

vorn Saar-Parlament.

Aus Saarbrücken wird gemeldet: Der am 25. März neugewählte Landesrat des Saargebietes hielt seine erste Sitzung ab. Er w ä h l t e sich zu- nächst, seinen Vorsitzenden, obwohl die Regierungs­kommission versucht hatte, ihm Vorschläge für die Ernennung des Vorsitzenden zu machen. Dieses Er­suchen der Regierungskommission stellt insofern gegenüber der bisher geübten Methode einen Fort­schritt bar, als bisher der Borsitzenbe entsprechend