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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Nr. 101.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

Dienstag, 1. Mai 1928.

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Der Stettiner Zeme-prozetz.

Der Stettiner Femeprozeß wird wohl noch nicht Ser letzte sein, es stehen noch einige aus. Wahr­scheinlich aber ist er der letzte, der die Oeffentlich- keit in größerem Umfange gefangen genommen ha­ben dürfte. Die Stettiner Verhandlungen haben zum ersten Male das hier vorliegende Problem in vollem Umfange aufgerollt und es sind Ent­hüllungen gemacht worden, die zum mindesten Schlüffe von höchster Wahrscheinlichkeit auf die letz­ten Triebkräfte und Motivierungen zulassen, welche die furchtbaren Fememorde herbeiführen konnten. Sn dem Stettiner Mordprozeß sind die Offiziere der R o ß b a ch l e u t e mit den Offizieren des zu­ständigen Wehrkreiskommandos hart auf hart auf­einandergeraten, und nichts dient bekanntlich der Klärung einer Situation mehr, als wenn alte Ka­meraden, man kann auch sagen Kumpane, die an einer Ungesetzlichkeit beteiligt waren, plötzlich ge­geneinander aufstehen und sich gegenseitig die Wahrheit sagen. Der verhandelte Mord liegt schon 8 Jahre zurück und fiel in die Wochen, da der Kapp-Putsch sein Fiasko erlebt hatte.

Das Stettiner Gericht hatte zunächst festzustel- ten, wie eigentlich der Mord geschehen sei und wer als unmittelbarer Täter in Frage komme. Diese Frage nach dem Tatbestand ist aber durch die Ver­teidigung sehr bald in den Hintergrund gedrängt worden und tagelang wurde nur verhandelt über das Thema, inwieweit Reichswehroffiziere nicht nur die moralische Mitverantwortung tragen inwieweit sich die Mörder der Zustimmung von Reichswehrstellen sicher fühlen konnten. Dar­aus ergaben sich Fragen über den Grad der Zu­gehörigkeit der Organisation Roßbach, von der aus der Mord geschehen war, zur Reichswehr. Gerade diese Seite der Fememordseuche ist eingehend be­handelt worden, wobei die Aussagen Roßbachs und einiger feiner Genossen sich in harten Gegen­satz zu den Erklärungen des Generals von Pa- welsz stellten, der damals Chef des Stabes in Stettin war. Das Hin und Wider der gegensei­tigen Erklärungen ist aber noch sehr widerspruchs­voll geblieben und ebenso die weitere Frage, wel­chen Zweck die mit Hilfe des Landbundes da­mals eingerichteten Soldatenorganisationen über­haupt gehabt haben. Der Landbundführer von Bodnngen sprach von einer offiziellen Weisung des Generals von Pawelsz, Waffenlager geheim zu falten und Verräter beiseitezuschaffen. Er sprach ferner von einer Ankündigung des Generals von Pawelsz, daß eine Mobilmachung gegen Polen un­mittelbar bevorstehe, Aussagen, die von Pawelsz selbst aufs energischste bestritten wurden. Er setzte liefen Erklärungen vielmehr die Enthüllung ent­gegen, daß die Roßbacher damals weniger an eine Verteidigung gegen Polen gedacht hätten, als viel- mehr an Operationen gegen innerdeutsche politische Gegner und an die Verhaftung und Be- feitigung von Widersachern gegen diese Vorberei­tungen.

Wie gesagt, sind die Verhältnisse der Roßbach­leute zur Reichswehr in der damaligen Zeit noch nicht völlig geklärt und werden wohl auch nie ganz gklärt werden können. Man kann aber wohl an- nehmen, daß, wenn damals auch kein offizielles Zusammenarbeiten bestand, man doch inoffi­ziell sehr miteinander zu tun hatte und daß die Niederschlagung des Kapp-Putsches damals noch lange nicht alle Hoffnungen, sowohl bei den Lands­knechtführern wie auch bei gewissen Reichswehr­offizieren vernichtet hatte, bei einer neuen Gelegen­heit mit besser vorbereiteten Mitteln gegen Berlin xloszumarschieren. Die Sicherung gegen Polen war 'dabei nur ein Vorwand, wenn auch vielleicht rich- I tig fein mag, was der Dberpräfibent in Stettin als Zeuge aussagte, daß es immer Leute geben würde, die nur dann einen Lebenszweck in sich fühlten, wenn sie sich gegen vermeintliche Kriegs­gefahren rüsten könnten.

Um die Täter zu entlasten, hat die Verteidigung auf die Kämpfe in Oderschlesien angefpielt, wo auchFememorde" vorgekommen seien. Ein Vergleich mit Oberschlesien ist auch schon deshalb garnicht am Platze, weil man es hier mit wieder­holten Aufständen der polnischen Bevölkerung zu tun hatte, die von mannigfachen Greueltaten begleitet waren, weil dort in aller Form Kriegs­zustand herrschte und die offizielle Gerichtsbarkeit ruhte. Allerdings war auch dort der Abwehrschutz von der Reichswehr organisiert. Der frühere Mi­nisterialdirektor D r. Sviecker, der die Abwehr gegen die Polenaufstände damals politisch zu lei» i ien hatte, hat die besonderen oberschlesischen Ver- ! hältnisse als Zeuge so klar gestellt, daß diese Vor- gange, die in den letzten Wochen Motiv zu mannig­fachen Pressehetzereien auch gegen Dr. Spiecker selbst geworden sind, wohl nunmehr aus der Dis­kussion verschwinden werden. Neuerdings hat aber der Küstriner Putfchmajor Vuchrucker die Fälle von Selbstjustiz im oberschlesischen Selbstschutz wie­der heranholen wollen, um die Fememorde im i Stettiner Gebiet verständlich zu machen. Er hat i" aber dabei vergessen, daß der dem Stettiner Ge­richt jetzt vorliegende Fall Schmidt den Abwehr- I fämpfen in Oberschlesien mindestens ein Jahr ' vorausliegt. Auf die Enthüllungen Buchruckers im einzelnen einzugehen, sie belasten

den früheren Reichswehrminister Dr. Geh­

ler außerordentlich ist hier nicht der Platz. Es wird aber wohl noch geschehen müssen, daß sämtliche Fememordprozesse neu aufgerollt wer­den.

Der Prozeß gegen Klavproth und Gen., die unter der Anklage des Mordversuchs an- dicke stehen, ist mit Rücksicht auf den gegenwärtig vor dem Schwurgericht Stettin schwebenden Pro­zeß gegen Heines und Gen. erneut vertagt worden. Als Termin wurde der 9. Mai festgesetzt.

Sieg der Mitte im sranzWichen Wahlkamps.

Das Endergebnis der französischen Nammerwahlen.

wkb. Paris, 30. April. (Eig. Funkm.) Das Ministerium des Innern veröffentlichte um 5 Uhr vormittags über das Ergbnis des 2. Wahlganges folgende Statistik (Das erste Wahlresultat aus den Kolonien steht noch aus): Rechtsstehende 3, Rechts­republikanische und katholische Demokraten (Ma­rin) 76, Linksrepublikaner 60, Rechts-Radikale (Leucheur) 40. Radikale 102, Sozialrepubilkaner 41, Sozialisten 86, Kommunisten 14, sozialistische Kom­munisten 2, Regionalisten 3.

Mit den Ergebnissen der 187 Wahl en, die im 1. Wahlgang zustande kamen, ergibt sich folgendes Gesamtresultat: Rechtsstehende 15, Rechtsrepublikaner (Marin) und katholische Demo­kraten 145, Linksrepublikaner 106, Rechtsradikale (Loucheur) 55, Radikale 123, Sozialrepublikaner 47, Sozialisten 101, Kommunisten 14, sozialistische Komnnisten 2, Regionalisten 3.

Die von der Agentur Havas heraus­gegebene Statistik über die Verteilung der Man­date weicht in einzelnen Fällen wesentlich von der Statistik des Innenministeriums ab. Hiernach ver­teilen sich die Abgeordneten (2 Resultate stehen noch aus- wie folgt: Rechtsstehende 9, Rechts­republikaner (Marin) 169, Linksrepublikaner 95, Rechtsradikale (Loucheur) 60, Radikale 115, So- zial-Republikaner 44, Sozialisten 102, Kommuni­sten 17. Wieviel A u t o n o m i ft e n im Elsaß ge­wählt sind, läßt sich mit Sicherheit nicht bestimmen. Die Agentur Havas und das Innenministerium

sprechen vor drei, fast die gesamte Morgenpresie jedoch von 4. Es scheint, daß Zweifel darüber herrschen, ob der gewählte Abgeordnete Dahlet zu den Autonomisten ober zu den Sintsrepublitanern gerechnet werden kann. Die Morgenpresse nimmt das erstere an. Das Innenministerium gibt den 21 u t o n om i ft en den Namen Regionali sten.

DasOeuvre" erklärt: Die Wahlen fanden statt auf den Namen Poincares. Pöin- care ist in ganz Frankreich mit sehr großer Mehr­heit gewählt worden. Sein Erfolg ist nicht zweifel­haft. Er hat niemals eine fo große Popularität gekannt wie jetzt. Wenn Poincare nach den gel­tenden Gepflogenheiten nach den Wahlen dem Prä­sidenten der Republik feinen Rücktritt erklärt, wird Doumergue ihm aufs neue die Kabinettsbildung übertragen.

Die Gewinne und Perluste.

wtb. Paris, 30. April. (Eig. Funkm.) Sie Agentur Havas veröffentlicht folgende Gewinn- und Verlust-Liste: Rechtsstehende + 2 4, Ver­lust 2, Rechtsrepublikaner + 1 4, Verlust 3, Regionalisten und katholische Demo­krat e n + 67 26, Gewinn 41.

Links-Republikaner + 31 21, Gewinn 10, Rechtsradikale + 29 17, Gewinn 12, Radikale + 26 46, Verlust 20, Sozial-Republikaner + 15 17, Verlust 2, Sozialisten + 27 27, Kommunisten + 5 16 Verlust 11.

Die Mission des Zentrums.

Von Reichsminister a. D. Dr. Bell.

Geschlossen sind der Parlamente Pforten. Stimmungsvolle Ruhe herrscht in des deutschen Reichstags weiten Hallen. Stille und Einsamkeit auch in den Räumen der preußischen Volksver­treter. Die Sitzungssäle harren der Umgruvme- rung, der Neuverteilung von Platzkarten: Den scheidenden 2flten gilt isst Abschiedsgruß. Sen Neuen ihr Willkommen. Verstummt ist die Ab­stimmungssirene. Nur ein Schlußklang ward laut: Ser Reichstag ist tot, es lebe der Reichstag!

Jetzt bat das souveräne Volk das Wort. Durch die deutschen Lande bringt der Heroldsruf: Samm­lung zu den Fahnen! Rund 42 Millionen Deut- fcher Wähler und Wählerinnen sind berufen zur Ausübung ihrer Staatshoheitsrechte. Nicht Thronsessel, nicht Purpur und Hermelin, nicht Zepter und Krone sind die Snmbole und äußeren Zeichen der Staatshoheit, der Ausübung der Sou­veränität. Im neuen deutschen Volksstaat, in der demokratischen und sozialen Republik, gestaltet sich der Herrscherwille schlichter und einfacher. Stimm­zettel und Wahlurne sind die Machtmittel. Schnee­flocken in ungeheurer Zahl ballen sich zusammen zu einer gewaltigen Mauer. Ses Wählers Feder­strich auf dem weißen und blaßroten Stimmzettel entscheidet über unsere Zukunft. Ob unsere Schick­sals-Sterne leuchten ober verblassen, ist in des Wählers Hand gelegt. Form und 2fuegeftaltung unserer Außenpolitik, Richtung und Ziel unserer Innenpolitik. Gedeih ober Verderb von Staat und Wirtschaft, Recht und Kultur: Sarum geht's, das steht auf dem Spiel!

So wandelt sich höchstens Souveränitätsrecht des deutschen in Staatsbürgerpflicht, von nicht zu überbietendem 2lusmaß. Deutscher Wähler, deut­sche Wählerin, sei dessen eingedenk: Staatsbürger fein, bas heißt ein Kämpfer fein! Nur Kampf ums Recht bringt vorwärts. Staatsoeranhvortung unb Sittengebot sink» Umpräger von Wahlrecht zur Wahlpflicht. Kategorisches Pflichtgebot:Du sollst wälstenl", appelliert an jebes beutschen Wäh­lers Ehre unb Nationalbewußtsein. Machtvollem Appell an bie Gewissenspflicht muß allseitiges Echo antworten:Ich will wählen!" Beladen mit un­geheurer Verantwortung bleibt, wer am vorletzten Maiensonntag durch unsinnige Wahlenthaltung sich selbst als unwürdig ausschließt aus der Dolks- fouveränität. Ihr alle aber deutsche Volksgenos­sen, die ihr entschlossen seid, unabweisbare Wehr­pflicht gewissenhaft zu erfüllen, prüfet sorgsam, wohin der Federstrich sich richten soll auf dem Wahlzettel. Germania quo vadis? Deutsches Volk, wohin führt dein Weg? So lautet die Schicksalsfrage: Nicht Verheißungen der Parteien, nicht Versprechungen der Kandidaten, die in rei­cher Auswahl auf den Wahlzetteln sich präsentie­ren, dürfen den Ausschlag geben. An ihren Früchten sollt ihr erkennen den Wert der Parteien, Selbstloser Dienst an Volk und Vaterland, opfer­kräftige Aufbauarbeit, gemeinnütziges und von wurzelechtem Sozialgeist getragenes Wirken für den Staatsgedanken in allen Volksschichten, wahre Erfolgsleistüngen für Kultur und Wirtschaft: das ist gerechter Maßstab für Beurteilung der Par­teien. Darin allein liegt Gewähr und Bürgschaft, daß ihren Worten die Taten folgen.

Durchdrungen von diesen entscheidenden Grund­gedanken, tritt die Zentrumspartei vor die deut­schen Wähler. Im vollen Bewußtsein ihrer gro­ßen Verantwortung vor Volk und Staat. Ader zugleich getragen von der erhebend. Ueberzeugung restloser Pflichterfüllung. Ruhmvolle Geschichte der Verwirklichung ihres Programms, allzeit getreue Wahrung der Tradition ihrer Gründe, politische und parlamentarische Leistungen von ragender hi­storischer Bedeutung rechtfertigen das Gesamtzeug- nis, daß sie den großen Befähigungsnachweis er­bracht hat für staatserhaltende und staatsfestigende Politik.

Des Zentrums Wahlaufruf, des Reichsparteiaus- fchufses Auftakt, großzügige Programmreden, er­schöpfende Schriften über alle Fragen der Jnnen- und Außenpolitik, über Zentrumsleistungen auf sämtlichen parlamentarischen Gebieten, geben in gehaltvoller Form mit zwingender Beweiskraft reichen Aufschluß über alles für die Wahlen Wis­senswerte. Deutscher Wähler, deutsche Wählerin: Nimm und lies! Laß diese Orientierungstafeln, zuverlässig und vollständig, auf dich einwirken! Nimm alles nur in allem! Danach triff deine Ent­scheidung, frei und gewissenhaft!

Ihr aber, die Ihr zur alten Zentrumsgarbe ge­hört, benen Treue um Treue als unauslöschlicher Wahlspruch eingeschrieben steht in Herz unb Seele, bleibt Vorkämpfer auch jetzt unb in Zukunft für unsere heil. Sache, für unsere folgenschwere Mis- fionsarbeit! Jetzt gilt es, alle bie Getreuen wie- ber zu sammeln um bas Zentrumsbanner, zu den Fahnen zurückzurufen auch alle bie früheren An­hänger, die in der furchtbaren Not der Zeiten aus verbitterter Stimmung oder aus Verkennung der schweren Staatsaufgaben zeitweilig abfprengten ins Lager der Rechten oder Linken ober gar ber unersprießlichen Absplitterungsgnchpen. Hinge­bende Aufklärunasarbeit in großen unb kleinen Kreisen tut hier Not. Kein Parteifreuvb barf sich entziehen biefer lebensnotwendigen Mitwirkung. Unsere Frauen unb unsere Jugenb, ber unsere heißen Zukunftswünsche geltep, werben des finb wir aus allen Erfahrungen ber Vergangen­heit gewiß aus ber vollen Erkenntnis ber über» ragenben Bedeutung gergbe ber bevorstehenden Wahlen die Folgerung ziehen, sich als Elitekorps für den Wahlerfolg erneut zu bewähren.

In den vier furchtbaren Kriegsiahren hat bie Zentrurnspartei,' wie in ber Vorkriegszeit, ihr- volle Pflicht unb Schuldigkeit erfüllt, sich opfer­willig hingegeben dem Vaterlandsdienst, ber Ge­meinschaftsarbeit in Front unb Heimat. Was sie bann nach betn Zusammenbruch in ben hinter uns liegenben 9 Jahren leistete zur Erhaltung ber von außen unb innen schwer bebrobten Reichseinheit, zur Errettung bes deutschem Volkes vor bem Un­tergang, zur allmählichen Wiederaesundung ans den Schrecknissen des verlorenen Weltkrieges mit allen seinen verheerenden Auswirkungen durch Besatzungen und Reparationsleistungen, Ruhr­kampf unb Inflation, bas steht mit unauslöschli­chen Lettern eingetragen in der Weltgeschichte. In dieser schicksglslchweren Zeit bat das Zentrum feine vaterländische Mission, jegliche Parteirücksich- ten opfernd dem großen Wablaanren, klar ernannt und ausqefüllt. In der Entscheidungsstunde da­mals, als es sich bandelte um Sein und Nichtsein unseres Volks und Vaterlands, hak bas Zentrum in opferbereitem Märti-rerdienst bie Feuerprobe be­staub en. In bittersten seelischen Kärnvfen, unge­achtet aller zu erroartenben Verkennungen und Anfeindungen, hat es mit starker Entschlußkraft sich durchgerungen zu dem, was es seinen Volks­genossen nach ehrlicher Gewissens">berzeugung schuldig war, und was es vor der Geschichte zu verantworten batte. Von der Parteien Haß und -Gunst ließ es sich nicht verwirren. Darum schwankt auch fein Ebarakterb'ld nicht in ber Ge­schichte. In ununterbrochener Folge, wie keine an» bere Partei, bat es bie undankbaren unb unpopu­lären Regierungslasten auf sich genommen. Diese verantwortungsvolle, aber auch bauernb verb'-mst- reiche Vaterlandsarbeit bes Zentrums ein Aus­fluß feiner traditionellen christlichen und deutschen Grundeinstellung, verknüpft sich innig mit den Gesamtproblemen und Erfolgleistungen der Befrei­ungspolitik und des wirtschaftlichen und finanziel­len, nationalen, wie staatsbürgerlichen, sozialen wie sittlichen unb kulturellen Wieberaufbaus Der eben so besonnenen unb umsichtigen, wie zielklaren

unb energischen Außenpolitik bes Zentrums, ge­richtet auf friedliche Gemeinschaftsarbeit ber Na­tionen und Verständigung, haben sich nach und nach andere ihr vordem entgegengefteäte Parteien anschließen müssen. Diesen außenpolitischen Kurs wird das Zentrum, unbeirrt durch manche herben Enttäuschungen unb zeitweilige Rückschläge, mit kraftvoller Energie auch in Zukunft steuern, burrfj- brungen von ber Ueberzeugung, baß jeber andere Weg Jnlanb unb Ausland in ben Abarunb fübri und Weltfrieden wie Völkerverständigung vereitelt Dabei leitet uns ber Orunbaebanfe, baß für er­sprießliche Außenpolitik bie sicherste Gewähr liegt in soliber unb stabiler Innenpolitik. Dieter klaren Erwägung folgen, stellen wir uns schützenb vor das Reichsgrundgesetz, bie Weimarer Verfassung, ber wir in schwierigster Volksnot unter Verhütung qe- fahrbringenber Ausgestaltung unb Entwicklung ben Stempel unseres Geistes unb unseres Staats» gefinnung aufbrückten. Wir bekennen uns zur beutschen Republik unb ihren Symbolen. Wir ste­hen mit beiben Füßen feft unb unerschütterlich auf bem Boben bes sozialen Volksstaats. Deutsche Vergangenheit, ihre Geschichte unb Symbole ach» tenb unb ehrend, müssen wir gleichwohl aus ihren Fehlern und Mißgriffen warnende Lehre ziehen für Gegenwart und Zukunft. Nicht zuleßt qeb*etet es Pflicht der Selbsterhaltung unsere Glaubensge­nossen und Parteiangehörigen nachdrücklich zu schützen vor Nachwirkungen und Wiederholungen der snstematischen Imparität, der traditionellen Zurücksetzung, die sich bis tief in bie Kriegszeit hinein ebenso verletzenb wie staatsschäblich aus­wirkte.

Hat sich bie beutsche Republik, allen Stürmei trotzend heute durchgesetzt und sind die Umsturz wogen an dem starken Verfassungsbau wirkungs­los abgeprallt, so dankt das deutsche Volk die-en nicht genug zu würdigenden Erfolg ber entschie­denen Haltung des Zentrums. Erfahrung lehrt, daß auch das Ausland gerade das Zentrum als den sichersten und verläßlichsten Garanten des deutschen Volksstaates betrachtet unb auf biefe Er­kenntnis seine für unserer Staatsentwicklung be» deutungsvolle Zukunftspolitik aufoubau»n beginnt Verschließen wollen wir uns keineswegs vor man­chen Fehlern unb Mängeln, bie sich auch in der Nachkriegszeit unter ber Herrschaft bes neuen Sy­stems ergaben. Aber gerabe unsere bewährte Ret­tungsaktion in ben vergangenen Jahren, die bis­herige Erfüllung unserer vaterländischen Miffion, prädestiniert uns auch zur vflichtgetreuen Aus­führung des neuen großen Missionswerkes, bas uns die Vorsehung zum Vaterlandsdienst und zur Verwirklichung der idealen Menschheitszwecke für bie Zukunft bestimmt hat. Unser Felb ist babei bie Welt. Kein Gebiet bes öffentlichen Lebens barf unberührt fein von unserer fruchtverheißen» ben Arbeit. In Wort unb Schrift werben wir, alle Einzelheiten darlegend, unser großzügiges . Ar- beitsvrogramm der Oefientlichkeit unterbreitend den Wöhlern erläutern, überall anknüvfend an unsere Taten und Leistungen in der Vergangen­heit.

Gibt es zwischen ber Engherzigkeit eines be- schränkten Nationalismus unb ber Jbeologie eines überschwänglichen Internationalismus ben Mittel­weg kraftvoller nationaler Betätigung in friedli­chem und verstäub! aem Zusammenwirken mit ben von ehrlichem Dersöhnungs- unb Abrüstungswil­len getragenen Auslandsstaaten zu finben: welche Partei bietet nach ihrer ganzen Zusammenfassung dafür die beste Eignung als Führerin und Vor­kämpferin? Steht im Brennpunkte des Interesses die Regelung von Reich zu Ländern und Gemein­den kristallisiert sich das Problem bibei auf Ver­meidung der Gefahren sowohl des unaesunben und selbstsüchtigen Partikularismuo wie des schemati­schen unb schablonenhaften Einheitsstaats, richtet sich weiter das Ziel unter der Parole:Reichswohl voran" undbem Reiche, was des Reiches ist, den Ländern, was den Ländern ist" auf Stärkung des Reichsgedankens bei gleichzeitiger Wahrung der Eigenart und des Eigenlebens der Länder, auf Regelung klarer Zustänbigkeitsgrenzen, auf Besei­tigung schädlicher Enklaven, auf Zusammenschluß lebensunfähiger Ländergebilde, auf wesentliche Vereinfachung u. Verbilligung bes gesamten Ver­waltungsapparates, auf gründ!. Finanz- und Der- roaitungsreform: kann bann für biefe schwierigen und weitertragenden Staatsprobleme das vormldl. Wirken gerade des Zentrums durch irgend eine andere Partei mit Erfolg ersetzt oder ausgefchaltet werden? Gehört es zu den vornehmsten Zukunfts» aufgaben, Formaldemokratie bei allen Ständen unb Berufen zu ersetzen durch Staatsverbunben» heft und durch Ausprägung gemeinsamer Staats- bürgerpflichten, den demokratischen Volksstaat zu veredeln durch den Geist des Tatchristentums und der werktätigen Nächstenliebe, in diesem Sinne auch durch gründliche Reform des Wahlsystems und der parlamentarischen Aufmachung die ?ruf« wärtsbewegung des Volksstaats und der Volksver­tretung in verantwortungsbewußtem Zusammen­wirken zwischen Wählern und Gewählten zu sichern, dann ist für die dazu notwendige Energie- entwicklung die Kraftquelle des Zentrums unent­behrlich. Liegt der Schwerpunkt unserer Zuknnfts- politik in 'syntetischer Zusammenfassung aller Volksschichten und Aufbaukräfte, in gerechter und ausgleichender Finanz- und Steuerpolitik unter weitester Schonung ber schwachen Schultern, aber bei Wahrung ber notroenbigen Staatsbebürfmffe auch unter tunlichem Abbau ber unsere Wirtschaft unb unseren Mittelstanb berzeit in unerträglichem Ausmaß belasteenden Steuern, Abgaben unb Real­lasten, weiter in baldigster Befreiung ber besetzten Gebiete und in Abgrenzung unb Einschränkung unserer Reparationsleistungen: rechtfertigen bann nicht die parlamentarischen Leistungen bes Zen­trums auch auf allen diesen Gebieten das unein-