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M 92.

Samstag, 21. April 1928.

--- Sulöaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer AcNendruckerei, Fulda

Zähe Verleumdungen.

Hoch einmal: ßinberfpeifung und Gefrierfleisch.

Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik gehören or­ganisch zusammen. Jede von ihnen kann nur dann sich ertragreich entfalten, wenn das, was sie er­reichen möchte, die beiderseitige Leistungsgrenze nicht überschreitet. Die Wirtschaftspolitik hat die Aufgabe, die Schaffung der Güter zu sichern, die das Volk zur Fristung seines Lebens braucht; die Sozialpolitik die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß im Wirtschaftsprozeß der Mensch nicht zu kurz kommt, daß nicht einzelne Menschen, Gruppen oder Schichten auf Kosten anderer ungebührlich profi­tieren, daß ein Ausgleich widerstrebender Interessen gefunden und schwächeren Elementen Schutz ge­währt wird. Eine vernünftige Sozialpolitik wird sich hüten, die Existenzgrundlagen der Wirtschaft zu gefährden und eine weise geleitete Wirtschafts­politik wird darauf bedacht sein, daß kurzsichtige Profitrücksichten nicht überhand nehmen und daß die breiten, eigentumslosen Massen des Volkes kauf, kräftig genug werden, um die Vorbedingung jeder wirtschaftlichen Prosperität, einen hinreichenden Ao- latz, zu gewährleisten.

Unsere Wirtschaft ist, wie mit geringen Aus­nahmen der Weltwirtschaft überhaupt, kapitalistisch gegliedert. Der Eine steckt sein Vermögen hinein. Er darf mit Recht den Ertrag erwarten. Der Er­trag aber kommt nicht von selber, er wird auch nicht vom Unternehmer allein erarbeitet, sondern er bildet sich aus der Tätigkeit des Unternehmers, aus der Arbett seiner Helfer und nicht zuletzt aus dem Verbrauch der breiten Massen. Das, was man Früchte der Wirtschaft nennt, ist also geschaffen durch die Tätigkeit Vieler. Aus dieser Tatsache leitet sich her der Anspruch des Unternehmers auf angemessene Verzinsung seines Kapitals, der An- spruch des Arbeiters auf gerechte Belohnung feiner Tätigkeit und der Anspruch der Massen auf preis­werte, gute Konsumgüter. Man kann wie man sieht, das Verhältnis von Wirtschafts- und Sozial- plüitik und ihre gegenseitigen Verpflichtungen auch ganz, mechanistisch erklären. Für die Zentrums­partei kommen schwerwiegende religiöse und mora­lische Gründe hinzu. Das Christentum faßt den Eigentumsbegriff nicht lediglich als Besitztitel auf, sondern auch als Verpflichtung. Wer viel hat, gebe dem, der ihm hilft, das, was er verlangen darf, und dem, der ihm geholfen hat, der wegen Alter, Krankheit und Schwäche nicht mehr helfen kann, das, was er zur Fristung feines Lebens braucht. Und, auf der anderen Seite der, mit feinen Händen ober feines Geistes Arbeit fein Brot ver­dient, ober ber, der bie Renten feiner früheren Tätigkeit aufzehrt, stelle feine Ansprüche so. daß sie ihm ein Höchstmaß von Gütern des Lebens sichern, ohne dabei bie Wirtschaft, bie bie Güter des Lebens erst schaffen muß, zum Verkümmern zu bringen.

Die Zentrumspartei kann für sich in Anspruch nehmen, in diesem allgemeinen Sinne die gegen­seitige Ergänzung von Wirtschaft«- und Sozial- Politik von vornherein erkannt und in hervor­ragendem Maße gefördert zu haben. Sie hat ihr- Tatigkeit bewußt darauf abgestellt, baß auf ber etnen Seite bie soziale Lage ber Einzelnen, Grup­pen unb Schichten verbessert wird, und daß auf der anderen Seite die Träger ber sozialen Lasten, neben ber Wirtschaft vor allem bie Länder, Kreise unb Eemeinben instandgesetzt werden, den sozialen An­sprüchen Genüge zu tun. Wir ror'fcn gerade auf d'esen letzten Punkt, auf die Unterstützung der Län­der unb Gemeinden, etwas näher eingehen, weil er zum Verständnis eines gewissen unberechtigten Vorwurfs notwendig ist, den man mit skrupelloser Hartnäckigkeit dem Zentrum entgegen schleudert. Gemeint ist die demagogische Ausschlachtung der Tatsache, daß die Zentrumsfraktion vor einigen Wochen im Reichstag einen sozialdemokratischen

Antrag auf Bewilligung von 5 Millionen Mark für die Kinderspeisung abgelehnt hat.

Die Kinderspeisung ist, wie eine Reihe anderer sozialer Aufgaben, eine Angelegenheit der Länder und Gemeinden; bie Mittet, bie hierzu nötig sind, werden den Ländern unb Gemeinden im „Finanz­ausgleich" vom Reiche überwiesen. Die Zentrums­partei hat gerade darauf den größten Wert gelegt, daß ber Finanzausgleich so gestaltet wirb, baß die sozialen unb kulturellen Aufgaben der Länder und Gemeinden erfüllt werden können. Sie hat, um auch den ärmeren Ländern und Gemeinden die Erfüllung dieser Verpflichtungen zu ermöglichen, energisch darauf gedrungen, daß in das Finanz- ausgleichsgefetz ein besonderer Paragraph ausge­nommen wird, ber ben ärmeren Gebieten eine Er­höhung der Reichsüberweisungen über ihren rech­nungsmäßigen Anteil hinaus gewährleistet, falls sie um mehr als 20 Prozent hinter dem allgemeinen Reichsdurchschnitt an Einkommen- und Körper- schaftssteuer pro Kopf der Bevölkerung zürückblei- ben. Außerdem ist die Zentrumspartei im Finanz­ausgleich 1927 mit besonderem Nachdruck dafür ein­getreten, daß die Mindestüberweisung des Reiches an die Gesamtheit ber Sauber unb Gemeinden um 200 Millionen Mark erhöht wirb. Durch diese, auf die Initiative des Zentrums zurückgehende Maß­nahmen find die Länder unb Gemeinden in bie Lage versetzt worden, ihren Pflichten, darunter auch der Pflicht ber Kinderfpeifung nachzukommen. Die oielgefchmähte Abstimmung im Reichstag hatte verfassungsmäßige unb nicht „sozial - reaktionäre" , Gründe. Wer bas Letztere behauptet, kennt ent- ! weber die Tatsachen nicht ober setzt sich in bemago- i gifchem Streben bedenkenlos über die Tatsachen hinweg.

Der zweit» Vorwurf, ben man ber Zentrums- ’ Partei auf sozial - politischem Gebiet immer noch gern macht, ist ber, es habe durch feine Zustimmung ; zur Herabsetzung des Gefrierfleifchkontinaents den

armen Leuten ihr letztes Stücklein Fleisch vom Tisch genommen. Wie haltlos dieser Vorwurf ist, wurde in der Zentrumspresse schon öfter nachgewiesen. Aber er hat ein so zähes Leben, ober sagen wir, feine Väter sind so sehr abgeneigt, bie Wahrheit auf sich wirken zu lassen, baß man sich gebrängt fühlt, bas oft gesagte solange zu wiederholen, bis bie Gegner mübe werben.

Als man im Jahre 1925 bei ber Beratung des Zollgesetzes beschloß, jährlich 120 000 Tonnen Ge­frierfleisch zollfrei ins Reich hinein zu lassen, da wurden bie Landesregierungen ausbrücklich ver­pflichtet, dafür Sorge zu tragen, baß bas Gefrier- fleisch ben ärmeren Volksschichten und nur diesen, zugute käme. Leider hat sich das nicht durchführen lassen. Sehr bald schon stellte sich heraus, daß ein großer Teil des Gefrierfleisches nicht in die Kü­chen ber Armen, sonbern in bie Küchen ber gro­ßen vornehmen Hotels unb Restaurants wanderte. Außerdem wurde bekannt, daß die Gesellschaft, die den Gefrierfleisch-Import betrieb, im vorigen Jahre nicht weniaer als 14 Millionen Mark verdient hat. Die 120 000 Tonnen Gefrierfleisch kamen also nur zum Teil auf den Tisch des „armen Mannes", und obendrein zu Preisen, die höher waren, als sie es hätten fein sollen. Den ärmeren Schichten wird mehr geholfen, wenn sie 50 000 Tonnen Gefrier­fleisch zu billigen Preisen wirklich bekommen, als wenn sie sich zu teuren Preisen mit allen möglichen Gaststätten in 120 000 Tonnen teilen müssen. Außerdem ist bei ber jetzigen Regelung neben den ärmeren Schichten auch der Bauernschaft dadurch geholfen, daß die aroßen Hotels unb Restaurants sich nicht mehr am Gefrierfleisch bereichern ton­nen, sondern aenötiat sind, ihren Fleischbedarf im Lande zu decken. Im übrigen ist das Zentrum, auch das wird von der gegnerischen Agitation fast immer verschwiegen, dafür eingetreten, daß bas Gefrierfleischkontingent im Falle eines wirklichen Bedürfnisses entsprechende Erhöhung findet.

Gottesdienstordnuna.

Sonntag, den 22. April 1928. jfulSa. vom. t. Beichtgelegenheiten sind: Samstaa morgens von * Uhr ob; nncbmittrrqS von 2—3 für Kinder; von */«5—7 und von V«8 Utir ab für Erlva-blene; Sonntaa morgens von 1 tß Mr ab. 2. SonntaoSgolteSdienfte- ’Aß, ß, I/«7 und 7 Mr hl. Messen mit Mele-enbeit zum Empfang der bl. Kommunion. der 6 Mr-Messe Komm deS Müttervereins. 8 llbr Pfarramt mit Pred., Komm, der Kinder des 5. Schuljahres. VilO Kaihevral- amt mit Predigt, ’/d 1 Christenl. für die Jünglinge 'M2 lebte hl Messe mit Pred. > ,2 Andacht zu Ebren des HI. Michael mit Segen. 2 Christen! für die Jungsr 3/«3 Versammlung .des MiittervereinS- mit Andacht und Seoen. 4 Uhr Predigt, Andacht und Segen Um 7 Uhr abends ist die Andacht in der Marienkapelle. 3. Werktagsgottesdienste: Jeden Morgen von V,6—7 Uhr halbstündlich hl. Messen mit Austeilung der hl. Kom. V<8 Uhr Pfarreottesdienst mit hl. Kommunion. 9 Uhr letzte hl. Messe mit Austeilung der HI. Kommunion. Montag nachmittag um 5 Uhr Andacht mit Segen. — Stabtpfatrftrdje. Beichtaeleaenheiten: Samstag nachm. 3—7, 7Vi—8*/i, Sonntaa früh 5*/i—7 Uhr. Sonntags- gottesdlenste: 5*/< hl. Messe, 6’< bl. Messe und Komm, der Jungfr. 8 erster Schulgottesdienst, Predigt und Komm, des 6. Schuljahres. 9V, Pfarramt und Predigt. 11 zweiter SchulwtteSbienst und Predigt. 91'« Christens, der Jünolinge. .2'/, Bruderschaft vom bochw. Gut. 3*« Andacht der Jungfr.-Sodal. Die hl. Komm, wird von ßl/i—7*/i jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 8V, und 9V< Uhr. WerktagSgoitesdienste: Porm. um 0, ß'/i, 7*1« und 8 Uhr. Mittwoch, ,'reitan, Samstag früh 6 Beichte. Freilag nachm. 5 Uhr Seaensandacht. — Pfarrtirrfie zum heiligen Seist. 7 Frühmesse (Komm, des Müttervereins) Ansprache. 8 Hochamt und Pred. 3/dl Kindergo'tesdienst und Ansprache. V-12 Christenl. der Jüngl. */i3 Andacht und Predigt für den Mütter, verein. Um 5 Uhr Andacht. Mittwoch 5 Uhr Andacht. Vor der Schulmesse, die 7'/, Uhr beginnt, noch eine hl. Mess^um 6 Uhr früh täglich. Beichte: An allen Wochen­tagen eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst, an den Tagen vor Sonn- u. Feiertagen von 4—6 Uhr abends.

Kommunion-Austla.: An Werktagen vor und nach dem Gottesdienst, an Sonn- u. Feiertagen auch im Hochamt. — SobatitSt Bormitta'S um *',in Uhr Gottesdienst. - St Sturminr-Viorrklrche. */<8 Komm -Austlg. */s8 Früh- messe mit Pred. Komm., der Mütter und der Kinder des 5. Schulst,''reS. 0,10 Uhr Hovamt mit Predigt. ’ dl Ubr Christenlehre Um V«° Ubr Se enSandacht. Gelegenheit zur hl. Beichte Ist Samstag und Sonntag morgen Von ß Ubr an. Samstag nachmittag Beicht- oelevenheit ab 4 Uhr. — ableikircbk btt Benehifttiittriimen SonntaaS 6 Konventamt, 3 Vesper; werktags ß stille Messe, */,9 Konventamt, 3 Veiper — kserz-Zeflt-Keim 8 Amt und Predigt. 2 Andacht und Segen. Werktags ist die HI. Messe um 6. Mittwoch 8'/- SegenSandacht. — 8riebhokrkapelle am ZranzsienwSlbchen. Sonntag: 6V« hl. Messe mit Ansvrache und Komm.-AuStlg. Werktags: 71/« Uhr hl. Messe mit Kommunion - Austestung. — Seperikirch«. 7 hl. Messe. 8 Oberrealschulgottesdienst. — Srauenbera. HI. Messen von 5 bis 7 Uhr. Um 8 Uhr BruderschaftSmesse mit Predigt und liturq. Gebeten. 9 Uhr Hochamt mit Predigt. 2,Uhr Predi st, Andacht und Umgang für die Fünf - Wunden. Bruderschaft. — Michae'skirche Nachm. 2 Uhr Bruderschaft von den sieben Schmerzen Mariä.

Neuenbera- 7»9 Amt mit Predigt. — Lehnet; Um V.10 Uhr Amt mit Predigt. — virterrhan. Um 8 Uhr Amt mit Predigt.

Evangelischer MatteSdienst.

Sonntaa, 22. April. Md«. Vorm. R und 9’/, Uhr Pfarrer Weber. 11 Uhr Kindergottesdienst. Amts­woche Pfarrer Weber. — Bab Salzschlirf. Vorm. 9"/i Uhr Sup Ruhl.

Mittwoch, 25. April. $ulba. Um 8 Uhr abend» Blbelstunde (Gemeindehaus).

Lvangei. landerklrchl. Gemeinschaft, finlba, Buttlarftr U

Sonntag. 22. April. Nachm. 4 Uhr Versammlung. Thema: „Kämpfende und siegende Jugend im Strom, unserer Zeit". Redner: Jugendbundsekretär Kqmphausen Berlin. Dienstag abend 8 V« Bibel- und Gebetstunde. Es ist jedermann herzlichst eingeladen.

katholische weit.

— Nuntius pacelli in Rom. Der Berliner Nuntius Pacelli hat sich von Berlin nach Rom beaeben.

Keife und Wanderung.

= (Eine botanische Sludienfohrl durch die Rhein. Provinz wird in der Pfing st woche von der Staat, jichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen unternommen werden. Auf der Fahrt werden die botanisch bemerkenswertesten und pflanzen­reichsten Stätten des Rheinlands besucht. Auch Zwei Naturschutzgebiete, der Laacher See und der alte Vulkan am Rodderberg. sollen besichtigt werden. Die Eifel, das Mainzer Becken, Odenwald und die Umgebung von Trier sind weitere Epkursionsziele. Der Lehrgang hat die Aufgabe, die Teilnehmer mit der Vegetation der Heimat vertraut zu machen; er steht unter der Leitung von Dr. Braun-Blanquet. Anmeldungen nimmt di« Geschäftsstelle der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege, Berlin-Schöneberg, ©runcrn-VMtr. 6-7, entgegen, wo auch jede Auskunft über s gang erteilt wird.

Kadio-prograwm.

• Samstag, den 21. April 1928.

13—14: Von Kassel: Mittagsständchen der Kasseler Haurkapelle. 15—rl5.30t Die Stunde der Jugend (unter Leitung von Mittelschulrektor K. Mehrhan): Aus dem deutschen Liederkranz, Liedervorträge Frankfurter Schulen. — Chor des Kindergärtnerinnen-Seminars, Chorleiterin: Studienrätin Cäcilie Geis. 16.30—17 45: Konzert des Rundfunkorchesters: Neue Tanzmusik. 17 15 bis 18 05 Die Lesestunde — Aus dem Roman: „Maler Nölten" von Eduard Mörike. — Sprecher: O. W. Studt, mann. 18.15—18.30: Vereinsnachrichten und ander« Mitteilungen. 18.30—18.45: Der Briefkasten. 18 45 bis 19.15: Vortragszyklus der Industrie- und Handels­kammer Frankfurt a. M.-Hanau: „Die Entwicklung des Arbeitsmarktes", Vortrag von Dr. Köhner 19 15 bis 19.45: Stenographischer Fortbildungskurius für Anfän­ger und Fortgeschrittene (Diktat von' 80 Silben auf­wärts). — Anfragen sind zu richten an Georg Kalis, Bergerstr. 373, I. 19.45—20.15: Stunde des Frank- furter Bundes für Volksb'ldnng: „Dos Gesellschaftsstück im Spiefplan der modernen Bühne", Vortrag von Willy Schmelnitzky. Dramaturg des Neuen Theaters. 20.15 bis 21.15: Von Offenbach: Konzert des Arbeiterradio­klubs. 21.15: Don Stuttgart: Bruder St"a"hinger, Operette in drei Akten von Edmund Eysler. 23.00: Dop der Stadthalle Mainz: Konzert.

Sonntag, den 22. April 1928.

8—9: Morgenfeier. 11 30—12.00: Die Elternftunde (unter Leitung von Dr. Flesch und Mittelschulrektor K. Wehrhan): „Das ängstliche Kind". Vortrag von Mittel- schullehrer Krupp. 12—13: Vortragsstund« Anio Simon. 16—17: Die Munde der Jugend (unter Leitung von Mittelschulrektor K. Wehrhan): Aus dem deutschen Märchenborn, vorgetragen von Hanna Lungen: Ger­manische Märchen' (von Kar! A. Krüger). 17—18.15 Kammermusik-Konzert. 18.30—19.30: Stunde des Rhein- Mainischen Verbandes für Volksbildung. 19.30 20.00; Sportnachrichten. 20.30—22.30 Vortragsabend. Mit­wirkung: Das Hausorchester. Anschließend bis 0.30: Von der Tanzklause: Tanzprogramm der Kapelle Piw kus-Langer. ____________

frankfurter Over.

Samstag, 21. April, 19.30 Uhr: Coss fan tutte.

Sonntag, 22. April, 17 Uhr: Die Meistersinger von Nürnberg.

Montag, 23. April, 19.30 Uhr: Turandot.

EDie wird das Wetter?

Die Lustdruckgegensähe über Europa haben sich zwar mehr ausgeglichen, doch bleibt zunächst über West- und Mitteleuropa eine von Nord nach Süd gerichtete Luft­strömung bestehen, sodaß auch bei uns die wechselvolle Witterung mit Niederschlagsschauern noch bestehen bleibt.

Witterungsaussichten für Samstag: Tagestempera- turen etwas höher ansteigend, sonst noch wenig Aende» rung.

Marie, Sie Tuchler SeSZsllmchlerZ.

Eine lustige Schmugglergeschichte von Anno 1813-14.

Von E w. Stich.

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So firn es denn, daß er auch Marie, die Tochter ö.s Zollwächters Fasert, noch nie gesehen hatte. Sa der alte Müller ein so grimmiger Franzosenfeind war, so haßte er auch alles, was mit ihnen zusammen­hing, in Bausch unb Bogen, und haßte und verdammte es ohne nähere Untersuchung, ob er Recht ober Unrecht damit tue. In biefen Sachen war mit ihm gar nichts anzufangen, und als er fichs nun baheim in ber „grü­nen" Mühle in feinem großen Lehnstuhle bequem ge­macht hatte, währenb Clemens in einer Fensternische saß, begann er aufs neue: „Du siehst also ganz beutlich aus bem unverantwortlichen Benehmen bes Douanen Fasert gegen mich, baß er mich für einen Spitzbuben unb meine ehrliche Mühle für die Herberge der Schmugg­ler hält. Wer mich jedoch für einen Diebshehler ansieht, ber nimmt mich auch für einen Dieb, beim ein altes Sprichwort sagt nicht treffenb: „Der Hehler ist schlim­mer als der Stehler."

„Wer hat Euch bas alles gesagt?" fragte Clemens.

»Von dir erfuhr ich freilich nichts," entgegnete vor­wurfsvoll der Alte „Aber ich will dir's nicht länger verhehlen. Der Geiß Fritz hat mir nicht nur das, son- bern auch noch manch' anberes berichtet, was mich mit großem Unwillen erfüllte. Wohl verbot er mir, ich solle es nicht sagen, woher ich's habe, aber ba es hauptsach- llch bich, meinen Neffen angeht, so halte ich es für meine Clemens würbe totenblaß und versetzte heftig: „Sie Vi­per hat also auch Euch gestochen!"

Ser Müller schaute den jungen Mann groß an unb antwortete: „Wie meinst bu beim bas?"

Pflicht, bich barüber aufzuklären, von wem ich alles weiß." „Nun, baß eben dieser Geiß Fritz jener giftige Beiß­wurm ist, lieber Mumbrer! Weiß ich doch alles, was er Euch hinterbracht hat, und Ihr brauchet es mir nicht erst wieder zu sagen; verfolgt er mich doch überall, wie und wo er's nur vermag unb möchte Euer Herz

von mir abroenben. Sa5 Meiste ist aber nur schamlose Lüge, unb gerabe er war's, ber bem Fasert berichtet hat, Eure Mühle sei ber Hauptsammelplatz ber Schwär­zer unb bie Nieberlage der geschmuggelten Waren. Auch kenne ich den Grund dazu recht gut! Meinem armen Vater und mir selber ist er auf der Fährte, und jetzt muß ich es Euch auch gestehen, baß wir beide eben­falls Schmuggler-Päcke schleppen, — weil — ja weil uns bie bitterste Not bazu zwang, ba unser Wagner- geroerbe gar nimmer ging, unb wir einfach verhun­gert wären. Ihr wißt, baß alle Bauern nur mehr beim Dörner, bem Wagner-Mathis, arbeiten lassen, wart ja doch Ihr selber einer ber Allerersten, ber bort schaffen ließ, weil Ihr meinen Vater haßt. — Guter Gott! Ser Hunger tut weh! Sollten wir betteln gehen? . . . Nein, davor schämten wir uns! Ober gar stehlen? Sas verbietet Gott unb bas eigene Gewissen! ... 3a, ar­beiten! ... So lang es ging, habe ich um kümmerlich­sten Tagelohn geschafft; sogar mein alter, gebrechlicher Vater! . . . Nun ist aber die Heumahd unb bie Ernte unb bamit auch die Arbeit und ber Taglohn vorbei. Was blieb uns ba, als bas leibige, gefährliche Schmug­geln, bas uns allerdings viel Geld einbringt, so viel, daß wir bereits alle unsere drückenden Schulden ab» zahlen und für ben Winter sparen konnten. Wohl ist bas Schwärzen nicht recht, unb ich wollte auch gar nicht daran, habe aber zuletzt doch dem Vater gehorcht, der es so gewollt. Nun wißt Ihr alles. Mumbrer!"

Ser junge Gierlinger schwieg beklommen; auch ber „grüne" Müller entgegnete eine Weile nichts auf bas Bekenntnis feines Neffen, bas ihn sichtlich ergriffen hatte, ba er erst jetzt bas ganze Elenb erfuhr, in bem feine beiben so nahen Verwanbten sich befanben; er stützte fein Haupt in bie Hanb unb meinte endlich mit dumpfer Stimme: „Schau! Aber alles hast du mir noch nicht gesagt!"

Nun erblaßte unb erglühte abwechselnd ber arme Clemens. Schließlich stieß er mit großer Anstrengung bie Worte heraus: „Gut, so bekenne ich Euch das Letzte! — Er hat Euch {ebenfalls gesagt, ich hätte Umgang mit Faferts Marie!" Man sah bem jungen Manne an, wie hart es ihm angekommen war, bas tiefste Geheim­nis seines Herzens preisgeben zu müssen.

Sein Oheim versetzte jetzt nur ganz gelassen: „Ja, bas hat ber Bursche auch gesagt!"

„Wohl hat es er Euch erzählt, weil er selber zu gern bas Mädchen freien möchte, bas aber ben heim­tückischen, schlechten Menschen nicht ausstehen kann, ber sich um feinen kranken Vater gar nicht bekümmert, sonbern ben alten Mann ber schlechten Pflege gewissen- loser Mägde überläßt, während er nichts anderes tut, als von Haus zu Haus zu gehen, und die Bewohner miteinander zu verfeinden und gegenseitig aufzuhetzen sucht."

„Nun, hat er dann wegen deines Verhältnisses mit der Zollwächterstochter auch gelogen?" fragte jetzt ber Oheim streng unb sah fest auf seinen Neffen, ber ver­legen in solcher Glut vor ihm baftanb, als wollte ihm die helle Flamme aus seinem hübschen Gesichte schlagen.

„Nein! nicht so ganz!" antwortete Clemens mit leiser Stimme. „Seht, lieber Mumbrer! ich leugne es nicht, daß ich das ebenso schöne als wackere Mädchen herzlich liebe, dieses Mädchen, dem auch die Giftzunge des Geiß Fritz durchaus nichts Uebles nachsagen kann. Wenn ich aber auch Marie mehr liebe als mein eigenes Leben, so geschiehts in aller Zucht unb in allen Ehren! Be­ben», baß Ihr auch einmal jung gewesen selb unb zür­net mir nicht länger! — Es wirb ja ohnehin balb alles aus fein. Der Kaiser Napoleon braucht unmenschlich viel Soibaten unb über’m Rhein drüben sollen die Deut­schen ben Stiel umgekehrt unb ihn tüchtig geklopft haben. D'rum muß auch ich mit all benen Solbat werben, bie bamals, als wir das conscriptionspflichtige Alter hatten, nicht in feine Armee eingereiht worden sind. Da mag denn das Lied von unserer Liebe ein rasches, trauriges Ende nehmen. Auch noch eine an­dere Lösung dieser Frage gibts. Ueberfdjreiten die Deut­schen w ckljch siegreich den Rhein, so muß Marie mit ihren Eltern nach Frankreich ziehen, — unb bann ist ja auch alles aus!" Als ber gute Junge so redete, war seine Stimme wankend geworden. Er ergriff feine Mütze und sagte: „Behüt' Euch Gott, lieber Mumbrer! Ich will nun lieber gehen, denn wir könnten uns schließ­lich ungut weiter bereden!

Ich kenne genau Eure Gesinnung unb Ihr wißt jetzt, wie es um mein Herz steht. Da gibt es keinen

Kitt, kein Zusammenschweißen, wie's etwa ber Schmieb mit brüchigem Eisen macht. Drum ist's besser, ich gehe."

Der „grüne" Müller rührte sich nicht und fein Neffe ging langsam aus ber Stube. Sein Oheim rief ihn auch nicht zurück, aber burch das offene Fenster sah er ihm so­lange nach, als er ihn sehen konnte und bann wischte er über seine Augen weg, als wären sie ihm feucht ge­worden.

Clemens hatte keine Ahnung von dem tiefen Ein­druck, den seine einfachen Worte auf. ben alten Mann gemacht hatten. Das Gewissen desselben war von Grund aus erschüttert worden, weil ihm ohne ein Wort der Anlage nadjgeroiefen worden war, in welche jämmerliche Lage sein vielleicht unbegrünbeteer Haß beibe, Vater und Sohn, gestürzt hatte, denn sonnenklar war es, baß sie nur von ber Zeit an, wo ber „grüne" Müller beim neuen Wagner arbeiten ließ, nach unb nach sämtliche Kunbschast verloren hatten. Nun sah ber Alte beutlich ein, baß auch ganz allein er es gewesen, ber burch bie verzweiflungsvolle Notlage in welche er feinen Schwager und Neffen gebracht, diese ber Derber- bendrohenden Schmuggelei zugetrieben hatte. Er würbe gerne geholfen haben, — boch ba hätte er zuerst bem alten Gierlinger vergeben, sich mit ihm versöhnen müs­sen, — unb bas vermochte er noch immer nicht. Jetzt, feitbem ihm Clemens seine innige, aber hoffnungslose Liebe zu Marie anvertraut, traf es ihn noch tiefer, ba er unwillkürlich in längst entschwunbene Zeiten zurück versetzt würbe, wo ihn sein seliger Vater, nachbem er ihm ähnliches bekannt hatte, hart zurechtwies unb er feine Liebe für immer begrabep mußte. Seitbem, alle langen Jahre hinburch, war er, verarmt am Herzen unb am Glücke bes Lebens einsam seinem jetzt nichl mehr fernen Grabe zugegangen. Nun jeboch klopfte eine unsichtbare Hanb an ben lang verschlossenen Schrein feines Herzens, unb sein Gewissen jagte ihm laut unb bringlich: „Clemens, bas einzige Wesen auf ber weiten Gotteserbe, an dem noch sein verwaistes Herz mit der innigsten Liebe hing, weil er das Eben­bild feiner teuren, nicht im Glück verstorbenen einzigen Schwester war, — Clemens dürfe nicht zugrunde gehen, — durch feine Schuld."

(Fortsetzung folgt.)