Fuldaer Land und Nachbargebiet
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Krei-
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eintretende starke es leider unmög- Hypoiheken und Es war nicht zu des Jahres eine
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3m Indulfriegeblef mit feinem Buss und Rauch wird Simlicht Seife besonders gefehlt. Ihr milder Schaum befreit die wasche, wie Hände und Körper schnell und gründlich auch von Ichlünmflem Sdimufy
Durch die Hessische Heimstätte: 10 Bauvorhaben mit 66 000 RM.,
Zusammen 47 Bauvorhaben mit 171 000 RM.
Wissenschaft und Forschung.
— Deutsche Anatomische Gesellschaft. Bei einer Beteiligung von mehr als 200 Forschern fand in Frank- furt a. M. die diesjährige Versammlung der Deutschen Anatomischen Gesellschaft statt unter der Leitung von Prof. Fick-Berlin, der zugleich auch einen ausgezeichne- ten Vortrag über den großen Frankfurter Anatomen Hermann von Meyer hielt. Der Rektor der Universität, Pros. Drevermann, begrüßte die illustre Gesellschaft und warf unter Beifall die Frage auf, ob es nicht geraten erscheine, daß die deutsche Forschung sich von der Analyse wieder mehr der syntheüschen Betrachtung zuwenden sollte. Zu Ehren Hermanns von Meyer wurde die von seinem Sohne E. v. Meyer gestiftete Meyer-Plakette Prof. Walter Vogt-München zuerkannt. Im Anschluß an diese Begrüßungen und Ehrungen be- gannen die wissenschaftlichen Demonstrationen.
Durch Hergabe von Hauszinssteüerhypotheken den gefördert:
Aus dem eigenen Hauszinssteueraufkommen des fes: 11 Bauvorhaben mit 18 000 RM.,
Aus dem staatl. Wohnungsfürsorgefonds: 26
vorhaben mit 87 000 RM.,
Die im Laufe des Sommers 1927 Verknappung des Geldmarktes machte lich, in der vorgesehenen Weise erste Zwischenkreditmittel dafür zu erhalten, verkennen, daß dadurch gegen Ende
Dem eoam wurde am 1. !
«= Kerzell. In dem hiesigen Konsumverein wurde /ing eb rächen. Die Spitzbuben drückten auf der Rückseite des Hauses eine Scheibe ein, stiegen in die Geschäftsräume, öffneten gewaltsam eine Verbindungstüre und stahlen größere Posten Zigaretten, Zigarren und Schokolade. Auch das Wechselgeld nahmen die Diebe mit. Den Tätern ist man auf der Spur.
— Hünfeld. Das Arbeitsamt in Fulda hat in feiner Sitzung vom 11. d. M. einstimmig beschlossen, daß der Kreis Hünfeld ungeteilt beim Arbeitsamt Fulda verbleiben und die Nebenstelle Hünfeld weiter bestehen soll.
wirtschaftliche Kampfbewegungen.
= Aussperrung der Berliner Holzarbeiter. Die Ge- neralvevsammtung der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Berliner Holzindustrie (Vabeho) hat gegenüber dem vom Holzarbeiterverband über eine Anzahl von Betrieben verhängten Streik die Aussperrung der Holzarbeiter einstimmig beschlossen. Die Aussperrung beginnt am Donnerstag.
begehrte Essigsäure. Aber in der Entwicklung der Kunstseideherstellung bleibt ein wichtiger Markstein noch -u erwähnen. Brauchte man bei den bisher erwähnten Verfahren größtenteils reine Baumwolle (Watte», so , suchte das sog. Viskoseverfahren sich auch davon frei zu machen und als Ausgangsprodukt den billigeren Holz- zellstoff zu benutzen. Es ist heute bei weitem das wichtigste und auch aussichtsreichste Verfahren. In Deutschland sind es vor allem die Vereinigten Glanzstoffwerks Elberfeld, die mit ihrer gewaltigen Viskoseseide-Produktion mit an erster Stelle stehen.
So steht also der Zellulose noch eine große Ent- Wicklungsmöglichkeit bevor, ist doch ihre Verwendungsfähigkeit als Kunstseide eine kaum aufzählbare. Ja, in vielen Fällen ist sie schon der gleichwertige Gefährte und Konkurrent der Baumwolle geworden. Es gibt fast kein Gegenstand der Bekleidung der nicht in irgend einer Form Kunstseide in kleinerem oder größerem Maße enthält. Und wiederum hat es chemisches Forschen fertig gebracht, uns von einem so wichtigen Rohstoff, der Baumwolle, etwas unabhängiger zu machen und wer möchte nicht hoffen, daß es der Zukunft gelingt, auch den letzten Schritt zu tun!
Doch damit ist die chemische Bedeutung der Zellulose noch lange nicht erschöpft. Nur eine große Perspektive möge hier noch Erwähnung finden. Es ist die sog. Verzuckerung der Zellulose, eine Reaktion, die dem Münchener Prof. Willstätter zum erstenmale gelang und heute auch fabrikmäßig durchgeführt wird. Nach den bisher gemachten Erfahrungen eignet sich dieses sog. Zuckerprodukt ganz besonders als Viehfuttermittel und macht uns so auch in Zukunft von der ausländischen Futtermittelzufuhr in größtem Maße unabhängig. So ist uns also in der Chemie der Zullulose, jenem Stoffe, den wir in unseren schönen Wäldern in so reichem Maße vorfinden, ein Mittel in die Hand gegeben, die wirtschaftliche Lage der Nachkriegszeit in äußerst günstigem Sinne gar wesentlich zu beeinflussen.
Dr. Joseph Westenberger, Fulda.
seid gefördert. Der Jugendherberge Tann wurde zu den Mehrkosten des Umbaues nochmals ein Zuschuß gegeben. Außerdem übernahm der Kreis, wie in den Vorjahren, die Prämie für die Unfallversicherung der von der Jugendpflege erfaßten Personen.
11. Kreiswanderbibliothek.
Die Benutzung hielt sich im Rahmen der Vorjahre. Die notwendige Neuordnung mußte auf das Jahr 1928 verschoben werden.
Die Chemie der Zellulose —
die Chemie der Zukunft.
Der Zellstoff oder die Zellulose bildet den Hauptbestandteil der Pflanzenzellwände. Während die junge Zelle nur aus Zellulose besteht, enthält die ältere infolge von Verholzung bezw. Verkorkung noch eine Reihe anderer Stoffe. Am reinsten findet sich dieselbe im Mark einiger Pflanzen (Holundermark) und in der Baumwolle (Watte). Man kennt heute ungefähr 30 verschiedene Baumwollarten, die in fast allen heißen und gemäßigten Gebieten der Erde zu finden sind. Die Fruchtkapsel der Baumwollblüte entläßt beim Aufspringen eine große Zahl erbsengroßer Samen, die mit einem Schopf weißer Haare besetzt sind. Von allen Baumwollsorten ist die wertvollste die ägyptische; das zweitwichtigste Baumwollgebiet ist Indien mit seinen großen Baumwollfel- dern am Indus und Ganges und dann kommt Nordamerika mit seinem Baumwollgelände im Ueberschwem- mungsgebiet des Mississippi. Fabrikmäßig stellt man die Zellulose aus dem entrindeten Holz der Nadelhölzer oder aus Stroh her. Zu diesem Zwecke wird das Holz zu feinen Spänen zerkleinert, mit Calcium- bisulfit unter Druck gekocht und schließlich der entstandene Zellstoffbrei ausgewaschen. Man gewinnt so den Sulfitzellstoff, der eine vielseitige Verwendung findet. Die größte Menge jedoch wird fast ausschließlich zur Papierherstellung gebraucht. Die Bedeutung dieser Zell- stoffindustrie ergibt sich wohl am besten aus der Tatsache, daß in Deutschland jährlich etwa 1 Million Ton- neu hergestellt werden, während die Weltproduktion ungefähr 4 Millionen beträgt. Aber die moderne Chemie hat es im Laufe der Entwicklung verstanden, eine Reihe anderer Verwendungsmöglichkeiten aufzuspüren, die erst der Zellulose ihre größte und wichtigste Bedeutung geben.
Taucht man Zellulose für eine kurze Zeit in eine starke Schwefelsäure und wäscht dann sorgfältig aus, so' verwandelt sich die Oberfläche der Zellulose in ein für
Wasser und Felle undurchlässiges künslliches Pergament- papier.
Wird die Zellulose mit einem Gemisch von Schwefelsäure und Salpetersäure behandelt (ein Vorgang, den man chemisch als Nitrieren bezeichnet), so erhält man je nach der Stärke der Einwirkung verschiedene Salpetersäureverbindungen der Zellulose, von denen die beiden wichtigsten die Schießbaumwolle und die Kollodiumwolle sind. Die erstere ist der gewöhnlichen Baumwolle zwar äußerlich noch ähnlich, entzündet sich aber leichter und besitzt große explosive Eigenschaften. Sie findet daher Verwendung als Sprengstoff und bildet wegen ihres rauchlosen Verbrennens den wichtigsten Bestandteil des rauchlosen Pulvers. Die Kollodiumwolle unterscheidet sich von der Schießbaumwolle dadurch, daß sie weniger explosiv ist und sich in einem Aether-Alko- holgemisch zu einer klaren Flüssigkeit, dem Kollodium, löst. Wird dieses in dünner Schicht aufgetragen, so hinterläßt es beim Eintrocknen ein feines Häutchen, das bei der Benetzung mit Wasser, nicht weich wird. Wegen dieser Eigenschaft findet es Verwendung in der Medizin, um Wunden luftdicht abzuschließen bezw. in der Photographie, um die Platten mit einer durchsichtigen Schicht zu überziehen, die dann schließlich noch durch ein Silbersalz lichtempfindlich gemacht wird. Ferner benutzt man die leichten unzerbrechlichen Kollodiumplatten auch direkt als Ersatz für die photographischen Glasplatten bei den Films.
Wird Kollodium mit Kampfer behandell, so entsteht das uns allen bekannte Zelluloid, das wegen seiner leichten Formbarkeit vielseitige Verwendung findet.
Löst man schließlich Kollodiumwolle in einer Aether- Alkoholmischung auf und preßt die so entstandene Lösung durch feine Glasröhrchen in Wasser, so erstarrt der feine Faden zu einer seidenartigen Faser, die man heute allgemein als Kunstseide bezeichnet. Es war der französische Chemiker Graf Chardonnet, der im Jahre 1882 zum erstenmale die so wunderbare und aussichtsreiche Erfindung machte. Schon bald darauf wurde die Herstellung dieser sog. Chardonnetseide auch in großem
Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer,
Aus Niederhessen.
„ — Homberg Dez .Kastel. Unter großer Anteilnahme aller Kreise der Stadt erfolgte am ersten Osterfeiertag die Beisetzung des so plötzlich abberufenen Oberlehrers Albert Müller. Ms Vertreter des Bischofs von Fulda nahm in diesem Auftrag Herr Dechant Selz er von Fritzlar an der Beerdigung teil, während die Einsegnung selbst vom Ortsgeistlichen, Herr Pastor Far« nung, vorgenommen wurdet der dem Entschlafenen einen herzlichen Nachruf widmete. Neben seiner treuen, vorbildlichen Arbeit rm Berufe als Lehrer und Erzieher hat der Verstorbene Jahrelang das Amt eines Rech- nungsfichrers und 25 Jahre hindurch das Amt eines Organisten unentgeldlich ausgeführt, wofür ihm vor kur- zem eine ehrenvolle Auszeichnung seines Bischofs zu- teil geworden war. In das Kollegium der Landestaub- ftunünenanstalt hat damit der Tod eine große Lücke gerissen. Davon legt Zeugnis ab der Nachruf, den der Direktor der Anstich, Herr Dr. Richter, dem Toten widmete. Drei kostbare Kränze als Zeichen der Verehrung legte er am Grabe nieder, den ersten vom Landeshaupt, mann, den zweiten vom Koegiurn, den dritten von Seiten der gehörlosen Kinder. Der Entschlafene, ein Sohn des Eichsfeldes, war eine gerade, offene Natur, eine markante Persönlichkeit, ein hilfsberetter und streblo- mer Mensch, seinen Taubstummen aber ein Vater und Führer. Er ruhe in Frieden!
— Vilbel. Die andauernden Regengüsse haben ein starkes Anschwellen aller Flüste des Maingebietes zur Folge. Vielfach drohen die Wasterläufe schon auszuufern. Von dem Märzhochwaster steht in den tiefer gelegenen Teilen der Wetterau noch Wasser. Jetzt kommen neue Wassermassen hinzu und bedrohen die bestellten Ländereien mit ihren Ueberschwemmungen schwer. Die Frühjahrsbestellung leidet unter dieser regnerischen Witterung außerordentlich schwer und ist in vielen Fällen kaum wieder einzuholen. Auch für die Obstblüte gestaltet sich das Wetter verderblich.
— Miltenberg. Die Femina-Werkstätten der Firma Paul und Weber wurden durch ein verheerendes Schadenfeuer bis auf die Grundmauern zerstört. Die zahlreich alarmierten Feuerwehren konnten mit ihren Spritzen nicht in Tätigkeit treten, da die Wasserleitung nicht bis an das Fabrikgelände reichte. Wahrscheinlich war Kurzschluß die Ursache zu dem Brande
— Offenbach a. Ul. In den Nachmittagsstunden des Sonntags wurde auf der Fechenheimer Seite eine männliche Leiche aus dem Main gelandet. Es handelt sich um einen in Amerika geborenen Schlosser, der hier in Offenbach wohnte, gegen den Strafanzeige erstattet war. Aus diesem Grunde ist er aus dem Leben geschieden.
— Wetzlar. Am Freitag starb der in hohem Ansehen stehende Landwirt Wilhelm Helm aus Hörnsheim (Kreis Wetzlar) an den Folgen einer Blutvergiftung. Er hatte eine kleine Wunde an der Hand, in die beim Streuen von künstlichem Dünger tödlich wirkende Jnfektionsstoffe eindrangen und alle ärztlichen Bemühungen illusorisch machten.
— Wetzlar. Wetzlar hatte am Freitag und Samstag «inen örtlichen Sensationsprozeß. Bekanntlich waren unter der Geschäftsführung des Kassierers Drescher der D o l k s b a n k G. m. b. H. Wetzlar int verflossenen Jahr rund 103 000 Mk. Verluste entstanden. Die Buchfachver-
ganz erhebliche Erschwerung der Bautätigkeit eintrat. Don den im Jahre 1926 gegebenen 11 Zwischenkrediten konnten durch Vermittlung der Hessischen Heimstätte von der Landespfandbriefanstalt in Berlin bislang nur 7 durch Pfandbriefhypotheken endgültig abgelöst werden. Der Zinssatz betrug 7 und 8 Proz., der Auszahlungskurs bei den 7prozentigen Hypotheken 89 Proz., bei den 8' prozentigen 94 Proz.
Wenn es nicht gelingt, im Jahre 1928 die erforderlichen 1. Hypotheken zu beschaffen, muß leider mit einer erheblichen Einschränkung der Bautätigkett gerechnet werden.
8. Schulwesen.
In der Zahl der im Kreise Gersfeld bestehenden Volksschulen, Schulklassen und Lehrerstellen ist eine, Aenderung gegenüber dem Vorjahre nicht eingetreten. Die Rektoratschule in Tann mußte leider ihren Betrieb ein st eilen, sodaß nur noch die Höheren Privat-, Knaben- und Mädchenschulen in Gersfeld und Hilders bestehen. Der Ausbau der Schule in Gersfeld ist vorgesehen und vom Herrn Regierungspräsidenten genehmigt.
Unterrichtet wurden 1841 katholische, 1188 evangelische und 30 jüdische Schulkinder und zwar 1545 Knaben und 1514 Mädchen, zusammen 3059 Schulkinder.
Aus dem Lehrkörper des Kreises schied der Lehrer Kaßel in Günthers am 1. Juni 1927 durch Pensionierung aus. Di« Lehrer Kutscher in Reulbach und Ro- meis in Melperts wurden in andere Kreise versetzt. Die Lehrerin Klöckner in Eckweisbach schied aus, um sich zu verheiraten. Lehrer Wenderoth in Obernhausen wurde bis 31. August 1930 beurlaubt. Er hat eine Lehrerstelle an der Deutschen Schule in Sofia übernommen.
Lehrer Koll in Poppenhausen wurde am 1. Oktober 1927 zum Hauptlehrer ernannt. Den Lehrern Schindler in Abtsroda, Schmidt in Günthers, Neuhöfer in Dörmbach, Mutzek in Wüstensachsen und Möller in Theobalds- hof wurden Lehrerstellen übertragen. Die Lehrerin Gaide in Simmershausen wurde nach Eckweisbach versetzt. Auch in diesem Jahre trat wiederholter Wechsel unter den Lehrern ein, die mit der vorläufigen Verwaltung von Schulstellen beauftragt waren. Verschiedenen Schulen wurden Hilfslehrer überwiesen.
Die ländlichen Fortbildungsschulen eröffneten im Herbst 1927 wieder wie in den Vorjahren den Schulbetrieb. Die abnehmende Schülerzahl machte sich in diesem Jahre stärker bemerkbar. Es konnten einzelne Schulen wegen zu geringer Schülerzahl nicht wieder eröffnet werden. Die Gemeinden wurden mit benachbarten Schulen zu einer Verbandsschule zusammengelegt. Im ganzen nahmen 30 ländliche Fortbildungsschulen mit 32 Klassen den Unterricht auf. An diesen Schulen unterrichteten 47 Lehrer in 186 Wochenstunden 621 Schüler. Außerdem erteilen 16 Geistliche religiöse Unterweisungen. In der Gemeind« Gichenbach wurde versuchsweise vom Kreisausschuß die Fortbildungsschulpflicht auf die Mädchen ausgedehnt. Am Unterricht nahmen 14 Mädchen teil, die von der Frau des Lehrers Steeb, die selbst als Lehrerin ausgebildet ist, unterrichtet wurden. Der Unterricht ist dem Unterricht der Knabenfortbildungsschule m Gichenbach angegliedert worden. Abschließende Zahlen und ein abschließendes Urteil können noch nicht gegeben werden, weil der Unterricht an den meisten Fortbildungsschulen bei Drucklegung dieses Berichts noch andauert.
Das Gleiche gilt für die drei gewerblichen Berufsschulen in Gersfeld, Hilders und Tann, die ebenfalls im Herbst den Unterricht wieder aufnahmen. Es waren 179 Schüler gemeldet, di« in 7 Klaffen von 9 Lehrern wöchentlich 47 Stunden unterrichtet werden. An der Berufsschule in Hilders werden außerdem von dem Geistlichen religiöse Unterweisungen erteilt. Die Lehrmittel dieser Berufsschulen wurden im Laufe des Jahres er- heblich vermehrt. Kurse der Wanderhaushaltungsschule fanden nicht statt.
S. Kirchliche Angelegenheiten.
Gersfeld, gestiftet vom Preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
Die von der Kreisrindviehzuchtgenoffenschaft betriebene Jungviehweide wurde mit 21 Tieren beschickt.
Aus Kreismitteln erhielten 20 Gemeinden Zuschüsse zur Beschaffung von Gemeindemitteln.
Der Kreis Gersfeld blieb hn Berichtsjahre von größeren Viehseuchen verschont. Es wurden sestge- stellt:
Mllzbrand: in 2 Gemeinden und 2 Gehöften, Maul- und Klauenseuche: in 6 Gemeinden und 17 Gehöften, Rotlauf der Schweine einschl. des Nesselfiebers: in 17 Gemeinden und 34 Gehöften. Im freiwilligen Tuber- kulolsetilgungsverfahren, dem sich die Zuchtgenossenschaf, ten, verschiedene Besitzer sowie ganze Gemeindeoerbände angeschloffen haben, sind in dem Berichtsjahre in 21 (Bern einben 35 Tiere als tuberkulös ermittelt und auf polizeiliche Anordnung oder auf Anordnung des Leteri-
ftänbigen deckten zahlreiche Fälle von Untreue, Unterschlagung, Urkundenfälschung und auch Bilanzverschleierung auf. Drescher hat große Entnahmen für seine persönlichen Zwecke aus den Beständen der Volksbank getätigt, Depots widerrechtlich verpfändet, fingierte Buchungen vorgenommen, Reichsbankquittungen Sefälscht u. a. Auch sonst stellte der Derbandsrevisor der effen-naffauischen Genossenschaften erhebliche Mißstände in der Geschäftsführung fest. Drescher belastete die Mitglieder des Äankvorstandes und Aufsichtsrates schwer, indem er stets betonte, alle feine Manipulationen seien mit Wissen und Willen der anderen Vorstandsmitglieder erfolgt, so namentlich die fingierten Buchungen, die eine höhere Liquidität der Genossenschaft vortäuschen sollten. Seine Angaben führten dazu, daß der Vorsitzende des Vorstandes, Rechtskonsulent und Kommissionär Karl Rompf, wegen Verdachts der Teilnahme nicht vereidigt wurde. Das Gericht sah jedoch nach zweitägiger Verhandlung ein, daß die Sache nicht genügend geklärt sei. Es vertagte darauf die Angelegenheit auf unbestimmte -Zeit und beauftragte zwei Sachverständige mit der Erstattung eines neuen eingehenden Gutachtens.
lgüischen Pfarrer Langheinrich in Tann Mai 1927 die Verwaltung der Pfarrei in Gersfeld übertragen. An seine Stelle wurde der Psar- rer Günzel berufen. Der katholische Pfarrer Malkmus m Gersfeld trat am 1. Mörz 1928 in den Ruhestand.
Der Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Tann, Kaufmann Hermann Heilbronn, starb im November 1927. Für ihn wurde der Kaufmann Max Michael Freudenthal zum Kultusvorsteher gewähll.
Radio-Programm.
Mittwoch, den 18. April 1928.
13.30—14.30 Von Kassel: Mittagsständchen der Kasseler Hauskapelle. 15.30—16: Die Stunde der Jugenk (unter Leitung von Mittelschulrektor K. Wehrhan): Alldem Buch der Sage und Geschichte, vorgetragen von Rektor Wehrhan: „Der Totenwächter und andere Geschichten aus deutschen Klostern" — Für Kinder vom 10. Jahre ab 16.30—17.45: Konzert des Rundfunkorchesters: Alt« Operetten. 17.45—18.05: Die Bücherstunbe. 18.15—18.30: Werbevortag des Zeitschriftenverlags Reubold (außerhalb des Programms der Rundfunkgesellschaft). 18.3C bis 19: ,/Die Religion bei Euripedes", Vortrag von Pfarrer Taesler. 19—19.30: Die Schachstunde (Deutsch« . Normalspiele mit Bezeichnungen, veranstaltet von' Schachverein Andersten): „Interessante Vedingungsauf- gaben" — Lehrer: Prof. Dr. N. Mannheimer. 19.3k bis 20: Französischer Sprachunterricht, erteilt von Rektor I. Stehling. 20—20.15: Senckenberg-Viertelstund- (eine Viertelstunde Naturkunde, unter Leitung von Prof Dervermann): „Fortpflanzungsvorgänge im Tierreich", Vortrag von Dr. W. Sittig. 20.15: Bunter Abend. Mit- wirkende u. a. Joseph Gareis (Gesang), Professor Light- manb (Mundharmonika) — Das Rundfunkorchester — Erich Kohlhöfer (am Kaim-Cantator).
fl. Landwirtschaft, Viehzucht, Vekerinärwesen.
Die Landwirtschaft des Kreises Gersfeld war auch im Lahre 1927 durchaus nicht vom Wetter begünstigt.
Während es gelang, die Heuernte im allgemeinen noch einigermaßen unter Dach zu bringen, hatten Getreide- und Grummeternte stark unter den Regenfällen zu leiden, die fast während des ganzen Sommers 1927 anhielten. Jedenfalls kann der Ertrag der Gesamternte kaum als mittelmäßig angesprochen werden. Die Ausfälle, die durch die Ungunst der Witterung in den letzten Jahren eingetreten waren, wurden so in diesem Jahre noch vergrößert. Bei dieser allgemeinen Notlage war es nicht zu vermeiden, daß einige landwirtschaftliche Betriebe zur Zwangsversteigerung kamen.
Auch das diesjährige Ernteergebnis hat gezeigt, daß in der Rhön, vor allem in den höheren Sagen, es notwendig ist, die Grünlandwirtschaft und die Viehzucht »anz erheblich zu fordern, da der Körnerbau nicht wirt- foafflitf» ist.
Der Viehbestand im Kreise hat sich der Zahl nach etwas gehoben, abgesehen von der Ziegen- und Schafzucht, die immer mehr zurückgeht. Auch eine gewisse Besserung in der Güte des Rindviehs ist wieder festzu- pellen.
Es waren vorhanden: Pferde 1361 gegen 1364 Ende 1926), Rindvieh 15 995 (14 973), Schafe 1173 (1315), Schweine 8479 (7766), Ziegen 4055 (4223).
Während der Deckperiode waren in Tann 2 staatliche Jjcngfte aus dem Landgestüt Dillenburg aufgestellt, ein Belgier und ein Oldenburger.
Bei der Bullenkörung wurden 75 Bullen vorgeführt, 69 des Simmentaler und 6 des Frankenschlages.
— J®- Wai 1927 fand in Gersfeld der regelmäßige
Zuchtviehmarkt der Kreisrindviehzuchtgenossenschaft statt. Es waren 41 Bullen, 36 Kühe und 25 Rinder öufgetneben. 400 RM. Geldpreise wurden verteilt. Außerdem wurden 1 Preismünze und 2 Ehrenurkun- “t" ö.er Landwirtschaftskammer verliehen. Die im Juli ^927 m Fulda stattgefundene Bezirkstierschau wurde von ÜLx,sr,"inncf)3u<f)tgenoffenfd)aft mit 67 Tieren beschickt, von denen 54 mit Geldpreisen und Anerkennun- gen ausgezeichnet wurden. Ferner erhielt die Kreis- rindviehzuchtaenoffenschaft bei den Bezirkstierschau für Jen Bullen Fritz Nr. 3910, Züchter L. Hosmann-Gers- feld, den 1. Staatspreis als Siegerpreis, den 1. Staats» preis für den besten Bullen mit Nachkommen und den 1. Preis für den Züchter des besten im Bezirk Kassel gezogenen Fleckviehbullen — (Ehrenschild des Serben- des. Kurhessischer Fleckviehzüchter) — sowie einen Ehrenpreis der Stadt Gersfeld von 50 RM. Die Zuchtgenof- senschast Gersfeld erhielt als Ehrenwanderpreis für die beste Sammlung (Fleckvieh) ein Broncestandbild des Ge- noffenschaftsbullen Fritz Nr. 3910 der Zuchtgenossenschaft
Der Kreis Gersfeld im Jahre 1927
Vergleiche Nr. 89 der „Fuld. Zig.")
närrates zur Tötung bestimmt. Die Besitzer sind dementsprechend entschädigt worden.
An nicht anzeigepflichtigen Seuchen ist in der Gemeinde Weyhers und in Neuswarts je ein Pferd an Gehirn-Rückenmarksentziindung (Bornafche Krankheit) ermittelt worden. Außerdem sind in Wendershausen bei einem Besitzer innerhalb von 4 Wochen zwei Pferde an ansteckender Blutarmut eingegangen; für diese vier Pferde ist den Besitzern aus dem Viehseuchenfonds des Bezirksverbandes eine Entschädigung gezahlt worden.
1. Bautätigkeit und Wohnungsfürsorge.
Da es im Berichtsjahre zum ersten Male möglich war, in stärkerem Maße öffentliche Mittel für Woh- nungsneubauten zur Verfügung zu stellen, hat sich die
Neues aus Frankfurt.
— Abfchiedsfeier der nach Amerika fahrenden deut, fchen Segelflieger. Die deutschen Segelflieger hatten sich Montag mittag in den Räumen der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Kunst und Wissenschaft zu einer em. drucksvollen Abschiedsfeier für ihre in den nächsten Tagen nach Amerika gehenden Kameraden Röhre, Hesse b ad» und Laubenthal versammelt, die dort während eines etwa sechs Monate dauernden Aufenthaltes die Einschulung amerikanischer Segelflieger vornehmen wollen. Sie nehmen zu diesem Zwecke nicht weniger als acht Schulflugzeuge verschiedenen Typs für Anfänger und Fortgeschrittene mit, auch das augenblicklich beste deutsche Segelflugzeug „Darmstadt", um mit diesem evtl. ■ Höchstleistungen zu erzielen. Konsul Dr. Kotzenberg gab als Vorsitzender der R h ö n-R ossiiten Gesellschaft dem Wunsche Ausdruck, daß die jungen Flieger drüben nicht nur rein sportlich, sondern auch durch ihr Auftreten sich als würdige Vertreter des Vaterlandes er- weisen möchten. Prof. Gregorii, Direktor des Forschungsinstituts der Rhön-Rossiten Gesellschaft, berichtete über das starke Interesse, das die Expedition in Deutschland und in den Vereinigten Staaten gesunden habe. Er gab Kenntnis von zahlreichen Glückwünschen, u. a. von Ministerialdirektor Dr. Brandenbürg, dem preußischen Handelsministerium, dem hessischen Staatspräsidenten Ade- lung, dem bayerischen Handelsministerium, dem Ober- Präsidenten Dr. Schwander, dem Aeroklub von Deutschland und dem Deutschen Luftfahrverband. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, Glüsing, und der amerikanische Konsul in Frankfurt, Gimborn, widmeten den jungen Fliegern freundliche Abschiedsworte.
— Lin peinlicher Vorgang. Als am Sonntag mittag die Leiche eines verunglückten Brauereiarbeiters beerdigt werden sollte, fehlte die Leiche. Es stellte sich heraus, daß die Leiche von unbekannter Seite zu einer Obduktion abgeholt worden war, ohne daß man die Angehörigen davon benachrichtigt hatte. Auf energisches Eintreten der Stadtverwaltung wurde heute vormittag fest- gestellt, daß die Leiche, die übrigens noch am Samstag dem betreffenden Friedhof wieder zugeführt wurde, aus Anordnung der Polizei abgeholt worden und dem Pathologischen Institut Überwiesen worden war. Die Aufregung über diesen peinlichen Vorfall ohne Wissen des Friedhofsamtes und der Angehörigen ist naturgemäß groß. __________________________
Bautätigkeit gegenüber dem Vorjahre ganz erheblich gehoben.
Es wurden baupolizeilich genehmigt: 51 Wohnhaus- neuhauten, 62 Wirtschaftsgebäude und 191 Um- und Erweiterungsbauten. Baupolizeilich abgenommen wurden: 64 Wohnhausneubauten, 57 Wirtschaftsgebäude und 184 Um- und Erweiterungsbauten.
10. Jugendpflege.
Kreisjugendpfleger war wie im Vorjahre Hauptlehrer Kirchner in Gersfeld, Kreisjugendpflegerin Lehrerin Bock in Hilders.
33on der Jugendpflege wurden 842 männliche und 724 weibliche, zusammen 1566 Jugendliche erfaßt Aus Kreismitteln wurden vor allem der'Bau eines Spiel- Platzes in Poppenhausen und eines Luftbades in Gers- Maße fabrikmäßig, vor allem in Frankreich, aufgenom- men. Doch ein großer Nachteil hastete dieser Seide noch an — sie zeigte sich gegen Wasser äußerst unbeständig. So darf es uns nicht wundern, wenn man nach neuen Herstellungsmethoden Umschau hielt; kommt es doch nur daraus an, die Zellulose durch chemische Substanzen derart in eine Flüssigkeit zu verwandeln, daß man beim Pressen durch feine Hoffnungen einen Spinnfaden er- hä». Heute kennt man noch drei andere Kunsffeidefabri- tationen, die das Chardonnetversahren fast vollständig verdrängt haben und sich nur durch die verschiedene Art der chemischen Bearbeitung unterscheiden. So spricht man von der Kupferammoniakseide, die hauptsächlich von der Bömberg A. G. in Barmen-Rittershausen hergestellt wird. Der Name Bemberg ist wohl den meisten Menschen, besonders aber unseren Frauen als ein be- sonders geschätzter nur zu bekannt. Aber auch bei den Börsen- und Akttenliebhabern steht die Firma in gutem Ansehen. Und diese beiden Tatsachen sprechen allein schon für die Güte dieser Kunstseide, kann sie doch, was Glanz, Haltbarkeit und Waschbarkeit betrifft, vollständig mit der Naturseide in Wettbewerb treten. Doch mit diesen Ergebnissen war die «hemssche Wissenschaft noch nicht zufrieden, zeigte doch auch diese Kunstseide die unangenehme Eigenschaft, im Laufe der Zeit durch die Feuchtigkeit von ihrer Festigkeit etwas zu verlieren. So entstand 1925 das Acetatverfahren, bei dem die Essigsäure die Auflösungsflüssigkeit für die Zellulose ist. Dieses jüngste und auch teuerste Kunstseideprodukt besitzt nun neben hohem Glanze auch eine große Festigkeit in nassem Zustande, ja sie übertrifft in letzterer Eigenschaft selbst die Naturseide. Die weitere Entwicklung und Ausbreitung dieses Verfahrens hängt aber nicht zuletzt von einer billigeren, synthetisch herzustellenden Essigsäure ab. Auch diese Ausgabe dürfte in kurzer Zeit gelöst fein, geht doch das neueste Verfahren von Calcium- carbid aus, jenem Stoffe, den wir heute z. T. noch bei unseren Fahrradlampen zur Gewinnung des Acetylens benutzen. In der chemischen Jndusttie wird eben jenes j so unangenehm riechenden Gas umgewandelt in die so I