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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt
und
Vie Deutschen in Südtirol.
Das in Stockholm erscheinende „Svenska Dag- bladet" schreibt folgendes:
Lebende und Tote werden von den Faschisten ausgenutzt, um die Unterdrückunosarbeiten in Südtirol zu rechtfertigen. Die Faschisten handeln nach Mussolinis Parole von 1921: „Wenn die Deur- schen geprügelt und niedergetrampelt werden müssen, um Vernunft anzunehmen, wir sind dazu bereit; die Italiener verstehen sich auf derartige Dinge." Nach dem, was man in Südtirol gesehen und erfahren habe, müsse man tatsächlich bestätigen, daß dieser Parole gemäß gehandelt wird. Eine kleine Korrektur an dem Ausspruch lallte man indes vor-
wir schon oft festgestellt haben, daß Russen Bolschewisten nicht identisch sind.
nehmen. Für das Wort „Italiener" sollte man das Wort „Faschisten" setzen. Denn das beginnt immer mehr die große Frage zu werden, wie weit Italiener und Faschisten identisch sind, ebenso wie
Vie Verhandlungen mit polen.
Bon zuständiger Seite wird, wie die „Börsen- I Zeitung" schreibt, bestätigt, daß zwischen den Dele» I gationsführern für die deutsch-polnischen Handels- I oertragsverhandlungen, dem Reichsminister a. D. Hermes und dem polnischen Minister a. D.
I Tw ardowski, kurz nach Ostern in Wien eine I Besprechung stattfinden soll. Es handelt sich dabei I aber, wie das Blatt hört, nicht um die materielle Wiederaufnahme der offiziellen Handelsvertrags- Verhandlungen, die seinerzeit nach Erlaß der polnischen Gren,zzonenverordnung unterbrochen worden sind, vielmehr noch immer um die Fortsetzung jener diplomatischen Besprechungen, die vor etwa 14 Tagen von Dem Gesandten in Warschau, Rauscher, eingeleitet worden und die nur den Zweck haben, ' erst einmal eine neue Basis für die Wiederaufnahme der materiellen Handelsvertragsverhondlun- gen zu finden.
* Bürgermeister a. D. Neumann-Lübeck gestorben. Bürgermeister a. D. Dr. Reumann ist infolge eines Schlaganfalles plötzlich gestorben. Dr. Neumann, der am 16. Aug. 1865 geboren wurde, war vom 1. Dez. 1920 bis Juni 1926 erster Bürgermeister von Lübeck. Er wurde zum Rücktritt gezwungen. als bekannt wurde, daß er den Bestrebungen des altdeutschen Iustizrats Claß zur Aufrichtung eine Diktatur in Deutschland nicht ganz fern stand.
* Ankunft des Königs von Afghanistan in Berlin. König Aman Ullah ist von Paris kommend auf dem Bahnhof Zoo in Berlin eingetroffen, von wo er sich nach der afghanischen Gesandtschaft in der Lessingstraße begab. In den Mittagsstunden machte der König eine Spazierfahrt in den Grünewald. Er reist jetzt nach Moskau.
Deutschnationalen, es wurde auch den konservativen Wählern nicht ausdrücklich gesagt, für welch andere Partei sie sich gegebenenfalls entscheiden sollten. Der Bevollmächtigte der Deutsch-Konservativen für die Wahlkreise Berlin und Potsdam holt das jetzt nach und gibt die Parole aus, am Wahltag nur dem völkisch-nationalen Block, also den Leuten um Graefe, die Stimme zu geben. Wenn man bedenkt, daß Spitzenkandidat der Deutschnationalen von Potsdam II Graf W e st a r p ist und Graf Westarp selbst zu den Führern der Deutsch-Konservativen gehört, so ist ihre Wahlparole nicht ohne pikanten Beigeschmack,
I ranz getreten, aber die Vertreter der liberalen und sozialistischen Weltanschauung hätten durch ekla- | tonte Rechtsverletzungen das Gesetz völlig unannehmbar gemacht. Gewissensfreiheit! Ein hoher | Begriff, und doch nur ein Schlagwort, wenn die I persönliche Freiheit des Urteilens und Handelns fehlt. Papst Gregor XVI. hat es am 15. August | 1832 für eine irrige und verkehrte, ja wahnwitzige, der trüben Quelle der Gleichgültigkeit entspringende I Behauptung erklärt, daß die Gewissensfreiheit ein selbstverständliches Recht der Menschen sei. Und I Papst Pius IX. hat es im Syllabus am 8. Dezem- I der 1864 ebenfalls als Wahnwitz bezeichnet, die ! Gewissensfreiheit für ein allgemeines Menschenrecht ZU halten. Die römische Kurie verlangt wohl vom Staat Gewissensfreiheit, aber sie selbst gewährt sie den Gläubigen nicht. Ebenso verhält es sich mit dem Elternrecht, das den Erziehungsberechtigten
I nur zugestanden wird, wenn sie sich dem Willen der I Kirche unterwerfen." Ferner wird gesagt: „Wie I im Schulkampf wird auch im Wahlkampf leider ein | großer Teil des deutschen Protestantismus an der I Seite des Zentrums stehen. Aber die evangelischen
I Kreise, die so verblendet sind, werden dem Liberalismus noch einmal dankbar fein, daß er sie davor bewahrte, die Mitverantwortung für ein Volks- schlklgefetz zu tragen, das die deutsche Geisteskultur auf lange Zeit in Fesseln geschlagen und sehr wahr- icheinlich dem protestantischen Gedanken den Todes-
। stoß versetz hätte. Indes: Die Gefahr ist noch nicht endgültig beseitigt. Der neue Reichstag wird neue Schulkämpfe bringen. Aber selbst wenn es dem Zentrum gelänge, die Sozialdemokratie zum Verrat an ihren Grundsätzen zu verleiten, auch dann würde das liberal gesinnte Deutschland aufstehen wie ein Mann und seine Schule schützen. Daß sie stark genug sei, um im Schulgesetz die sichere Grundlage einer neuen deutschen Kulturblüte zu erkämpfen, das ist ein weiteres Wahlziel."
Mit diesen Darlegungen der „Kölnischen Zeitung" wird katholischen Lesern denn doch Unglaubliches geboten. Die Gewissensfreiheit soll für den Katholiken ein Schlagwort fein, da die persönliche Freiheit des Urteilens und Handelns fehle. Die Päpste Gregor XVI. und Pius IX. sollen der Gewissensfreiheit den Charakter eines Menschenrechtes abgesprochen haben!
Werden wir nur einmal über den Begriff der Gewissensfreiheit klar, dann werden wir sofort das
। schleichendes Uebel bald da und bald dort auf» flammt, läßt sich nicht mit Sicherheit erkennen. Daß aber die Kirchenpolitik Calles' dabei eine erhebliche Rolle spielt, darf man mit Bestimmtheit annehmen. Die Durchführung der Kirchengesetze, die nicht nur äußerst vexat'orische Maßnahmen enthalten, londern sogar einige Bestimmungen, die den elementarsten Menschenrechten widersprechen, — das Verbot der Teilnahme Geistlicher an Beerdigungen oder der Gewährung geistlichen Beistandes an Kranke, — ist, auch wenn man von unkontrollierbaren Meldungen katholischer BlN- ter absieht, zu etwas geworden, was eine verzweifelte Ähnlichkeit mit einer Christenverfolgung hat."
I Man kann also den Katholiken der übrigen | Welt nicht verdenken, wenn sie sich ihrer kirchlichen ! Solidarität bewußt werden und gegen diese „Chri- | stenverfolgung" machtvoll protestieren. Mit den Wahlkämpfen in Deutschland hat das wirklich n i ch t s zu tun.______________________
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Irreführende der Behauptungen der „Kölnischen Zeitung" durchschauen.
Das Freidenkertum versteht unter Gewissens- freiheit das unbeschränkte Recht, in Sachen des Gewissens zu denken, zu reden und zu handeln, wie es ihm beliebt. Gegen eine so verstandene Gewissensfreiheit, die auf sittliche Ungebundenheit und Gewissenslosigkeit hinauslauft, haben sich die Päpste gewandt. Man braucht sich auch nur den Sinn des Wortes Gewissen zu vergegenwärtigen, um einzusehen, daß die Gewissensfreiheit im Sinne Nietzscheschen Uebermenfdjentums, das in verschiedenen Formen in allen Zeitaltern vertreten wurde, geradezil ein Widerspruch ist. Das Gewissen ist das unmittelbare praktische Urteil über den sittlichen Wert unserer Handlungen. Es ist an die objektiven Maßstäbe des Sittlichen gebunden, die im natürlichen und christlichen Sittengesetz niedergelegt sind. Gut und bös, Recht und Unrecht, Tu- gend und Laster sind genau so fundamentale Grundbegriffe des menschlichen Bewußtseins wie richtig und falsch, Wahrheit und Irrtum. Die Gewissensbisse nach Vollbringung einer schlechten Tat und der Friede des guten Gewissens zeigen deullich, daß das Gewissen unter einer höheren Kontrolle steht. Man kann sich sein Gewissen nicht nach Belieben bilden, die Gewissensfreiheit findet vielmehr ihre sittliche Schranke an der Autorität Gottes die im nattirlicheck Sittengefetz zu allen Menschen spricht.
* Das unruhige Marokko. Wie Havas aus Rabat meldet, ist es an verschiedenen Punkten der Gefahrenzone zu Zusammenstößen gekommen. Bei Jtzer wurde eine Streife der Eingeborenen überrascht und in die Flucht geschlagen. Sie hinterließ drei Tote. Nördlich von Bu Denib wurde eine französische Telegraphistenkolonne vom Gegner überfallen. Drei ihrer Mitglieder wurden getötet. Im südlichen Abschnitt lieferten sich bei 21 in Atta Franzosen und Eingeborene ein Gefecht. Letz- ‘“tee lallen neun Mann verloren haben.
Von
183 der „Kölnischen Zeitung" vom l.April 1928 finden sich unter „Umschau und Ausschau" Darlegungen, die außerordentlich geeignet sind, Katholiken die Augen über Ziele des L i - beralismus zu öffnen. Es wird dort behaup- tett, daß Reichskanzler Dr. Marr sich im Dienste einer geistigen Macht gefühlt habe, die in der Kle- rlkalisierung der Schule den entscheidenden Schritt zur Klerikalisierung des Staates tun möchte. Es fei das große Verdienst der Deutschen Volkspartei, daß sie durch ihre Fluge Haltung in der Schulfrage das Spiel durchkreuzt und dazu beigetragen habe, geheime Kräfte bloßzillegen. So fei klar geworden, daß mit dem Zentrum keine deutsche Kulturpolitik möglich fei; die Zentrumspartei fei nicht frei von außerparlamentarischen Abhängigkeiten. Wörtlich wird sodann u. a. gesagt: „Es ist eine alte Auffassung, daß die Zentrumspartei und die hinter ihr stehenden Kreise den Grundsatz der Toleranz immer dann am lautesten verkünden, wenn sie etwas sehr Intolerantes vorhaben. Im Kampf um das Reichsfchulgefetz haben wir oft gehört, und im Wahlkampfe werden wir noch öfter hören, die Anhänger der Bekenntnisschule feien, wie der Reichs- ausfchuß der katholischen Schulorganisation Deutschlands kürzlich behauptete, loyal auf den Boden der Gewissensfreiheit, des Elternrechts und der Tole-
. Versteht man nun aber unter Gewissensfreiheit das Recht, dem sichern Ausspruch seines Gewissens zu folgen, so hat zweifellos jeder Mensch das Recht dieser Gewissensfreiheit. Dieses Recht, ja die Pflicht feinem Gewissen zu folgen, hat jeder selbst bann, wenn sein Gewissen ein unüberwindlich irriges ist Das ist katholische Morallehre. Es kann gar keine Rede davon sein, daß den Katholiken die perion- fuhe Freiheit des Urteilens und Handelns fehle. Der Katholik unterwirft sich den Lehren feiner Kirche aus Ueberzeugung und freiwillig. Der kategorische Imperativ erkannter Pflicht ist für ihn fein anderer als für den Protestanten. Der Li- beralismu5 möchte nur auf jede Weise einen Un- terschied konstruieren, um dann mit Mitteln söge- nannter Staatsräson unter möglichster Einschrän- hing katholischen Einflusses auf die katholische Iu- gend auch diese für sich zu gewinnen. Denn die Zukunft unseres Volkes ruht auf der Iugeitd, wie auch zum Schluß des Artikels in der „Kölnischen Zeitung zum Ausdruck gebracht ist.
Für uns Katholiken gilt es, unsere katholische fugend vor den Einflüssen des als falsch erkannten Liberalismus zu schützen, ihr die hohen Werte ka- I tholhcher Lebensanschauung zu erhalten.
m ift eine Anmaßung ohnegleichen, wenn der Verfasser des Leitartikels der „Kölnischen Zeitung" meint, das Keudellsche Schulgesetz würde die Geisteskultur auf lange Zeit in Fesseln geschlagen hauen. Die eminenten Kulturwerte des Katholizismus werden absichtlich übersehen. Für eine neue deutsche Kulturblüte sollen sie also garmcht in Be- I tracht kommen. — Wie eigenartig stellt sich überhaupt der Liberalismus, der sich in der Deutschen I Volkspartei so ausschlaggebend geltend macht, zum Katholizismus und den Katholiken! Als die deut- I scheu Katholiken und die katholischen Männerkon- I gregationen Kölns das Weltgewissen ob der zum I Himmel schreienden Greuel der mexikanischen Re- I gierungsgewalthaber gegen die Katholiken in Me- yito wachzurufen versuchten, bezeichnete dies die „Kölnische Zeitung" in ihrer Nr. 160 b vorn 20. März 1928 als eine politische unkluge Einmischung I in die inneren Angelegenheiten eines fremden I Staates!
Ein Katholik weiß, wie et sich solchen Anschau- 1 ungen gegenüber zu verhalten bat
Der Katholizismus und Mexiko.
In der sozialdemokratischen Presse wird dem Zentrum der Vorwurf gemacht, daß es die kitchcn- politifchen Verhältnisse in Mexiko zum Angelpunkt seiner Wahlkämpfe machen mochte. Das sei ein trug-volles Ablenkungsmanöver, um die deutschen Katholiken in die alte Kulturkampfstimmung zu versetzen und sie so zu veranlasien, ihre bevorstehende politische Wahlenttcheidung von Faktoren abhängig zu machen, die mit der deutschen Politik gar nichts zu tun haben. Es dünkt uns, als würde die sozialdemokratische Presse mit solchen Hinweisen die politische Einsicht der deutschen Katholiken doch zu tief einschätzen. Statt getreu die Zentrumskatholiken solche unangebrachten Verdäch- tigungen auszusprechen, würde sie wohl besser daran tun, ihre Internationale in Bewegung zu setzen, um, soweit es in ihren Kräften steht, den sozialdemokratischen Präsidenten Calles von Mexiko zu veranlassen, Maßnahmen rückgängig zu machen, die für die katholische Kirche einfach unerträglich sind. Mexiko ist ein katholisches Land, und wenn der mexikanische Präsident Verfassungsgesetze Durchzu- Dhren sich anschickt, die mit den Grundsätzen der Kirche nun einmal nicht vereinbar sind, dann darf er sich nicht wundern, wenn die ganze katholische Welt protestiert und von ihm die Achtung vor der Gewissensfreiheit seiner katholischen Mitbürger verlangt.
Gewiß auch in unseren katholischen Reihen ist mvn skeptischer gegenüber mancherlei Nachrichten, öte aus Mexiko kommen, vermag man sich auch nur schwer in die besonderen mexikanischen Le- bensvechältnisse hineinzudenken, die zuließen, daß dort der kirchenpolitische Kampf gegen den Willen der kirchlichen Behörden auch $u ‘ b I u t i g e n Erhebungen gesteigert werden konnte. Aber wenn man sich mit den Verfassungsbestimmungen ver- . traut macht, die dort durch ein Parlament, das ; nur von einem verschwindenden Teil des Volkes gewählt ist, über das Verhältnis des rnerikanifchen Staats zur katholischen Kirche festgelegt worden I smd, so muß man sagen, daß sie in jedem Kulturstaat unmöglich wären. Der Jesuitenpater W. Mariaux hat einige Proben davon in Nr. 259 der „Kölnischen Volkszeitung" veröffentlicht. Sie seien hier wiederholt:
. a- Kirchen sind als Nationaleigentum erklärt; ! [ .I erung kann sie für anderweitiae Benutzung i
! °?u>els-n Srt. 27). Mit Kirchen bischöflichen Residenzen, Seminarien, Ordenshäusern, Schulen und ^ritattven Einrichtungen kann die Regierung nach Gutdünken verfahren (27 und 130). Die Kirche £ °uf bewegliches und unbewegliches.
Eigentum ausgeschlossen; eine Anzeige genügt, die a^cn (27)- selbst in den pri- caten Schulen ist jeher Religionsunterricht oer- b°ten (3) Der Kultus wird in den Kirchen über-
Regierung unter« Ao^en (24 und 130). Die Priester müssen von I ÄM®* 1 s^n (30). Der Staat hat das Stedjt, ihre Zahl zu beschränken (130). Die Priester sind von der Ausübung politischer Rechte aus» Schloffen (82, 55, 59, 130). Auch von der Aus- ubung bürgerlicher Rechte (3, 27, 59, 130) Die Priester können außer ihrem nächsten Anverwand- iku^niemand beerben (130). Gelübde, Zölibat, boTenIC(5) t0"^e Orben, Klöster usw. sind ver-
G-is?^„?^!^unMbestimmungen zeigen einen ®etft gegen die Kirche, der nur dann überhaupt x"scheinen kann, wenn der mexikanische Staat in der Kirche eine revolutio- nore politische Geheimorganisation erkennen louute. Daß eine solche Annahme unsinnig ist, geht schon allem aus der Tatsache hervor, daß un. » 9° Prozent des mexikanischen Volkes der
katholischen Kirche angehören. Es brauch! dazu garmcht weiter betont zu werden, daß es dem Wesen der Kirche widerspricht, irgendwie in gewaltsamer Form den Geist politischer Auflehnung zu propagieren. 9
Wenn der „Vorwärts" dieser Tage die Schuld '^^?^"p°Llifchen Konflikten der katholischen Geistlichkeit m Mexiko schob, weil sie den Befeh- len des Präsidenten, die die Verfassung diirchsüh- ren sollten, nicht nachkam, so vergißt er zu erwähnen, daß diese Verfassungsbestimmungen, deren Anerkennung von keinem Katholiken verlangt werden konnte selbst bereits eine Kampfansage be- Deuteten. Nun behauptet der „Vorwärts" weiter, daß gegen die Staatsautorität seitens des Kctthott- zismus die bewaffnete Rebellion inszeniert worden sei und daß erst daraufhin Präsident Calies die gewaltsame Abwehr vorgenommen habe. Diese Mitteilungen werden von den katholischen Vehör- j Den m Mexiko auf das energischste bestritten Es ist auch unzweifelhaft, daß jeder Versuch die Verfassung Calles' gewaltsam zu beseitigen, die schärfste Verurteilung in Rom finden wird. Wenn man a«ch ferner in Erwägung zieht, daß Durch die vozialisierungsbestimmungen der mexi- lkanstchen Verfassung die an Eigentum sehr reiche vat.-olische Kirche in Mexiko verhältnismäßig am I meisten m Mitleidenschaft gezogen worden ist, so I berechtigt Das durchaus nicht zu einer Stellimq- nabme, w:e man sie vielfach in den liberalistischeu Unb sozialdeniokratischen Blättern findet, daß in Mexiko kein Religiouskainpf geführt würde, son- cern ein Kampf lediglich um den materiellen und damit auch politischen Besitz. Die „Neue Züricher peitung", der man sicher nicht nachsagen kann, daß te dem Katholizismus besonders günstig gestimmt tti, schreibt in Nr. 638 vom 6. April ü a ' Im Innern hat die Politik Calles' die dringlich nötige Auhe nicht gegeben. Welches im einzelnen die I Gründe des Aufstandes sind, der nicht von einer einzigen Losung, nicht von einer einheitlichen Orga- I Motion getragen zu sein scheint, sondern wie ein
Den Wahlen entgegen.
Die aus der Kommunistischen Partei Deutschlands ausgeschlossenen linken Kommunisten gründeten auf einem während der Dftertage im Preußischen Landtag abgehaltenen Kongreß den Lenin-Bund und beschlossen, bei den Reichstags-, Landtags- und Kommunalwahlen eigene Kandidaten aufzustellen; ferner wurde ein offenes Schreiben an die Exekutive der Kommunistischen Internationale beschlossen, in dem u. a. beantragt wird, den Lenin-Bund als sympathisierende Organisation in die Internationale aufzunehmen. In diesem Falle sei er bereit, auf selbständige Beteiligung bei den bevorstehenden Wahlen zu verzichten und die Kommunistische Partei Deutschlands zu unterstützen.
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In einem Wahlaufruf hat vor einiger Zeit der Vorstand der Deutsch-Konservativen Partei, ein kleiner Zirkel, der die Wandlung von der altpreußischen konservativen zu der nach- revolutionären deutschnationalen Partei nicht mitgemacht hat, feinen Mitgliedern anheimgestellt, für diejenige Liste in ihrem Wahlkreis zu stimmen, deren Partei nach Programm und Verhalten oder deren Kandidaten nach ihrer Persönlichkeit Die meiste Gewähr dafür böte, daß konservativen Gedanken Einfluß im neuen Parlament verschafft werde. Der Aufruf war keine Empfehlung für die
Ostern in Rom.
Reichsfinanzminister D r. Köhler wurde an. Ostersonntag abend vom Papst in halbstündiger Audienz empfangen. Der Reichsfinanzminister besuchte alsdann den Kardinalstaatssekretär Gasparrü
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Der polnische Außenminister Zaleski gab vor seiner Abreise nach Rom dem Vertreter der Agentur Orientradio ein Interview, in deren Verlauf er erklärte, die Beziehungen Polens zur K l e i n e n Entente seien ausgezeichnet. Wir sind mit der Kleinen Entente durch das gemeinsame Ideal der Aufrechterhaltung des Friedens auf der Grundlage der Unanfechtbarkeit der Verträge und der Achtung vor ihnen verbunden.. Der Vertrag von Tria- non berührt die polnischen Interessen zwar nicht unmittelbar, hat aber unter dem Gesichtspunkt der allgemeinen Politik für uns Interesse. Zaleski bestritt kategorisch die Gerüchte, wonach er irgendwann gesagt habe, Polen sei an der Unantastbarkeit der Grenzen Der Kleinen Entente nicht interessiert. Eine - solche Haltung sei für Polen widersinnig. Zu seiner Reise nach Italien äußerte Zaleski, er habe Der - Einladung Der italienischen Regierung gern Folge geleistet, um unmittelbar Fühlung mit Mussolini zu gewinnen, und er sei überzeugt, daß Die WieDerherstellung persönlicher Beziehungen zu dem Leiter Der italienischen Politik nur fruchtbare Ergebnisse für Die Sicherung Des SBeltfrie» Dens haben könne.
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wtb. Paris, 10. April. (Gig. Funkm.). Die linksstehenD-cn Blätter äußern sich zu Den Verhandlungen Mussolinis mit den Vertretern der B a l- tanftaaten sehr unfreundlich. „Oeuvre" wirst Die Frage auf, was es für Zweck habe, wenn Der Völkerbund den Vertretern jener Nationen Ratschläge Der Klugheit unD Mäßigung gebe, wenn sie Dann nach Rom pilgern, wo man ihre Rachsucht wieder erweckt. „Ouotidien" fragt, ob Mussolini Daran Denke, sich Den Beistand ober die Neutralität einiger Staaten zu sichern, um Jugoslawen einzukreisen. Das Gewerkschaftsblatt „Le Peuple" spricht von Intrigen, Die aus Die Dauer sehr gefährliche Folgen haben könnten. Im Gegensatz dazu weist „Action Francaise" Darauf hin, Daß Jugoslawen zwei Unterseeboote in Den Dienst gestellt habe und schreibt: Gegen wen und warum wurden Diese Unterseeboote in Den Dienst gestellt. Man kann sich nicht Darüber wundern, daß sich Italien Beistand Freundschaften und Bündnisse schafft, was bei Den Serben den Eindruck hervor« ruft, daß sie eingekreist würden.
7lr. 84.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Berlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
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Mittwoch, 11. April 1928.
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SS.Zahrg.