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Bssilzer: Gus’av Hesse, Bahnhofstrasse 11. Tel 222,
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Die Conditorei
Täglich Künstler-Konzerte
90 Häuser in Asche gelegt.
90 Häuser des ägyptischen Dorfes K a f i r e l A m r im Distrikt Menufia sind durch einen Brand zerstört worden. Vier Personen fanden den Tod, sieben wurden verletzt.
Schwiegermutter tot in ihren Betten. Sie waren durch Beilhiebe getötet worden. Auf dem Boden fand man die Leiche des Ingenieurs, der sich erhängt hatte. Votkevitch war vor 8 Jahren aus Rußland vertrieben worden. Der Grund zur Tat dürfte in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu suchen sein.
JV» 82.
Freitag, 6. April 1928.
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Sie hatten Bremen noch heute erreichen wollen. Aber Gesine wurde müde, ehe sie an das Ziel kamen. Da entschlossen sie sich, in einem kleinen, an der Straße gelegenen Wirtshause zu übernachten und am nächsten Tage in aller Frühe weiter zu gehen.
Wegen der Bezahlung einigte man sich schnell. Gesine gab ihren Trauring. Der Wirt, ein mürrischer Alter, bewertete ihn nach langem Feilschen mit Klaus auf fünf Mark, zahlte diesen Betrag und trug dann ein einfaches Abendessen auf, dem Klaus mit gutem Appetit zusprach, das aber von Gesine kaum berührt wurde.
Sie sei nur müde und habe Verlangen nach Ruhe, meinte sie.
Klaus nickte ihr zu. „Ja, wir wollen schlafen gehen, Gesine." Seine Augen trachteten mit einem flimmern- ben Suchen nach den ihren. Er beugte sich vor, als sie seinem heißen Blick auswich, und tastete nach ihren lasch im Schoße ruhenden Händen. „Gesine!!" sagte er noch einmal, feiner Stimme einen weichen, flehenden Klang gebend.
Sie empfand das auflohende Brennen in ihrem Blute wie eine nie geahnte Seligkeit, und ihr Herz war schon auf dem Wege, ihre Lippen einen stammelnd gesprochenen Laut der Zustimmung formen z» lassen, als plötzlich etwas, das sie in feiner Wesensart nicht zu benennen vermochte, das sie ungewiß halb als Scham und halb als Furcht empfand und das eigen berührend an ihre Seele griff, zum hemmenden Hindernis ward.
Ganz fachte, aber doch entschieden befreite sie ihre Hände von dem pressenden Drucke seiner starken, heißen Rechten und erhob sich.
Er verstand sie nicht und wollte ein drängendes, stürmi- ches Quälen anheben, ihr alles zaudernde, ihm über- lüsiig erscheinende Warten aus der Seele reden mit überzeugender Gewalt. Aber ehe er zum Beginn kam, trat der übelgelaunte Alte zu ihnen und sagte, Gesine könne nun, wenn sie wolle, in dem hinter dem Gastzim- wer gelegenen Kämmerchen zur Ruhe gehen. Das Bett stehe bereit. Dies eine habe er nur übrig. Und Klaus müsse schon mit einer Bank in der Wirtsstube fürlieb nehmen.
2. Blatt.
Druck der Fuldaer AcNeudruckerel, Fulda
Kunft und Literatur.
— Die Verhandlungen über den verkauf von Dürer« „Rosenkranzfest". Zu den Gerüchten über den angeblich bevorstehenden Verkauf des Bildes „Rosenkranzfest" von Albrecht Dürer ins Ausland erfährt eine Prager Kor- respondenz, daß das Bild nicht nach Amerika, von wo ein Angebot in Höhe von einer Million Dollars vorliegt, verkauft werden dürfte sondern eher nach Deutsch- land, und zwar zugleich gegen Abgabe gewisser Bohe- mien aus deutschen Museen. Es handelt sich dabei um die Glatzer Madonna, die Eigentum des Kaiser-Friedrich- Museums in Berlin ist, und um den sogenannten Mühl- hausener Altar, ein Bild, das sich im Stuttgarter Mu- seum befindet. Die Verhandlungen über diesen Tausch feien in vollem Gange und die Tschechoslowakei wird zweifellos darauf eingehen da diese beiden seltenen Denk- maler für die tschechoslowakische Kunst größeren Wert be- sitzen al sdas Dürer-Werk. Auch der Konvent des S t r a- Howe r Klosters, in dem sich das Dürerbild zur Zeit be- findet, dürfte in den Verkauf einwilligen, umsomehr als sich im Kloster eine vollendete Kopie des „Rosenkranz, festes" befindet. 0
Begebenheiten
Die Unterschlagungsseuche.
Nach einer Blättermeldung ist man bei der Treuhand und Kredit A. G. in Saarbrücken großen Unstimmigkeiten auf die Spur gekommen. Nach den bisherigen Schätzungen übersteigt der Fehlbetrag 60 000 Franken, doch soll der Gesamtschaden 173 000 Franken betragen. Der Verdacht richtete sich zunächst gegen den Kassierer als Inhaber des Tresorschküssels. Da dieser jedoch seine Zuverlässigkeit Nachweisen konnte, fällt der Verdacht auf einen der beiden Direktoren, von denen einer im Besitze eines zweiten Tresorschlüssels ist. Die Vernehmung der Direktoren hat bereits begonnen.
Vor dem Erweiterten Schöffengericht in Bochum hatte sich der im Dezember 1926 nach Unterschlagung von 345000 Mark Rentengeldern nach Frankreich geflüchtete Postinspektor Otto Kattwinkel von der Rentenstelle des Bochumer Hauptpostamtes wegen Unterschlagung im Amte und salscher Buchungen zu verantworten. Der Angeklagte, der geständig war, wurde zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus und fünf wahren Ehrverlust verurteilt. Auf die Strafe werden sechs Monate der Untersuchungshast angerechnet.
* Die Verhandlung gegen den Posträuber Hein ist nunmehr auf den 24." und 25. Mai vor dem Schwurgericht K o b u r g anberaumt.
* Die Staatsanwaltschaft beantragt Berufung gegen die Brüder Barmat. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil gegen die Brüder Julius und Henri Barmat in bezug auf das Strafmaß vorsorglich Berufung eingelegt. Der Haftbefehl gegen Henri Barmat ist aufgehoben und die von ihm gestellte Kaution fieigegeben worden. Der Haftbefehl gegen Julius Barmat bleibt bestehen.
* Der Einbruch in die Irrenanstalt Mbs aufgeklärt. Die Nachforschung über den Einbruch in der Irrenanstalt Mbs bei Wien haben zur Feststellung der Personalien der drei Einbrecher geführt. Es handelt sich um den 42jährigen Fuhrwerksbesitzer Alfred B r a n d l m a y e r ’, den 30- jährigen Kinooperateurgehilfen Robert Seitz sowie den 28jährigen Johannes Lösing. Brandlmayer und Seitz wurden verhaftet. Rach Lösing wird noch gefahndet. ■ Der bereits verhaftete MutMa, der das Auto gelenkt hatte, mit dem die drei Einbrecher geflüchtet waren, hat nunmehr eingestanden, daß er mit den drei Einbrechern bereits von Wien aus nach 'Ibbs gefahren sei.
* Line Naphta-Quelle in Polnisch-Oberschlesien. Auf dem Fürstlich Pleß'schen Gelände bei Altdorf ist Blattermeldungen zufolge vor einigen Tagen per Ausbruch einer Raphtaquelle erfolgt. Der Ausbruch erfolgt periodisch alle 20 Mi- "En- Eine Spezialkommission untersucht zur Zeit die Ertragfähigkeit der Quelle, der e r ft e n Polmsch-Oberschlesiens.
Stuckfabrik
Brähler & Nüchter
Inh. H. Nüchter
Im Friedhofeoflsschen — Fernsprecher 284
Aus verlorenem Sonnenland
Reise- und Jagdbilder aus Deutsch-Ost- afrika von Rektor Rudolf Sendke mit einem Vorwort von Gouverneur z. D. Schnee.
Ein Buch für die deutsche Jugend und für jeden Erwachsenen. — 254 Seiten.
Preis gebunden 3,80 Mk.
Verlag der Fuldaer Actiendruckerei Fulda
Sie mußte es schon mit einer Art Zwang denken die Gedanken gewaltsam festhalten. Und gar aufmerksam mußte sie dafür sorgen, daß kein anderer hinzukam Denn es wollten viele hinzu. Sie standen wie reisige Wachter auf der Sauer und trachteten nach einer unverschlossenen Tür. Gesine glaubte alle Riegel vorgeschoben New, es gab keinen, der vergessen worden wäre
Doch, Gesine Jörnsen! Eine Kammer steht offen. Und marte nur, warte nur, in sie wird es nun einbringen wie ein wildes, stürmendes Heer. Bald. Vielleicht schon in der nächsten Minute. Da war es schon: Gesine sah plötzlich im Geiste ein kleines, süßes Gesicht mit herzigen Augen und goldigen Löckchen an der Stirn und richtete sich mit einem jähen Ruck im Bett auf.
„Mein Kind, mein Kind!" stöhnte sie. Ihm hatte noch kein Gedanke gegolten während des ganzen Tages. Nun erstand plötzlich eine große Schar solcher Gedanken. Und ie liefen alle in Hast und Sehnsucht den Weg zurück und fanden sich zu einem Bettchen hin.
, lrat von ihm zurück und sah ihm mit einem langen Blick in die Augen. Es lag neben einem letzten ftummen Bitten soviel von einem gewissen Verheißen zukünftigen reichen Glückes in diesem Blicke, daß er zu- timmenb nickte, wenngleich ein Nichtverstehenkönnen in seiner Seele blieb.
Aber es beunruhigte ihn nicht mehr lange. Salb nach- ^sine sich entfernt hatte, streckte er sich auf bie erste befte Sant unb schlief trotz ber unbequemen Sage infolge fln ?rU^e9un0en' ^e bie letzten Tage gebracht hatten, schnell ein . . . '
Aber Gesine lag mit wachen Augen. Nun schon über eine Stunbe.
2>as Glück ließ sie wohl nicht schlafen!
Das dachte sie zuerst. Ja .ganz gewiß das Glück!
Sie ging dem Gedeanken in stetem Auf und Ab nach. Cs koste sich so süß damit. Es war so wonnig, sich kommende Tage in glühenden Farben auszumalen.
Die Stille der Nacht gab keinen störenden Laut Noch immer lag Gesine mit wachen Augen. Ja, das Glück lieft sie nicht schlafen D
Die kleine holde Schläferin — ob das Kind jetzt wohl Mief? —, die ihr süßes Lockenköpfchen in die weißen Kissen schmiegte — wie ein Englein sah sie bann immer aus — würde sie nun nie Wiedersehen. Fern von ihr wurde das Kind heranwachsen. Dann, wenn es groß und verständig geworden war, fragte es wohl nach feiner Mutter. Alle Kinder hatten ja eine Mutter. Nur Jörn- fens Gesinchen nicht.
»Ach, du haft keine Mutter!" würden andere Kinder sagen. Dann ging das Kind vielleicht mit traurigen Augen zu dem Vater und fragte ihn, ob die fremden Stuber recht hätten. •
®.a® ““tbe Hmnerk bann feinem Kinde antworten, reicht: „Sie haben nicht ganz recht, die Kinder, du hattest einmal eine Mutter. Aber sie ging von dir. Und nun ist sie vielleicht schon gestorben unb verdorben" Unb bes Mannes Auge würbe banach mit traurigem ©d)em m bie Weite blicken. Ober er sagte ihm mit zor- nesfmftem Auffahren: „Laß das, Kind! Und frage mich nie wieder banach." Oder auch endlich: „Nein, du hast keine Mutter. Die dir das Leben gab, ist nicht wert eine Mutter zu heißen." Und das würde, mit schneidet ber Verachtung gesprochen, über feine Lippen gehen. Aw Ende weint bann Gesinchen gewiß unb war tob- traurig. Unb er zog sie wohl an sich, streichelte ihr Blondhaar unb tröstete: „Aber so laß nur, mein Ge- £n$en, unb härme dich nicht. Sieh, bu hast ja deinen Vater. Unb ber ist bir gut unb bleibt bir treu."
Das alles ging Gesine wie ein gewisses Erzählen Jurd) ben Sinn. Es war ihr, als wenn einer neben ber Gwalen Bettstatt ftünbe, unb ihr Wort um Wort keile ins Ohr raunte.
(Ein eisiger Schauer rann ihr ben Rücken hinab unb lieft ihr bie Zähne aufeinander schlagen
So begann das Glück? Das heißersehnte unb bei feinem Kommen jauchzenb begrüßte? So?
Mit einem grellen, scharfen Mißklang, ben eine heiße Sehnsucht nach ihrem Kind^ hineintrug? War es üben Haupt ein Glück, wenn es schon so kurze Zeit nach feinem Geborenfein durch trübe, düstere Schatten verdunkelt werden konnte unb seinen Glanz verlor. (F. f.)
Karfreitag.
Lin Aufblick zum Detterlöser am kreuze.
P- Bench. Beider, O. S. B. Augsburg.
I „Erlösung" ist das Wort, das die ganze Welt tzurchzittert. „Noch seufzt alle Kreatur", der Druck der Sünde wuchtet besonders schwer auf der Menschheit, und heiße Sehnsucht nach Erlösung quält das sündenschwere Herz. „Wer wird euch befreien von dem Tode dieses Leibes?" Dies inhaltsreiche Apostelwort klingt täglich und stündlich durch die herzzerquälte Menschheit. Hier am Kreuz hängt derjenige, der allein den tiefen Sehnsuchtsdrang des Menschen stillen kann. Was die Philosophie nicht vermocht, wo Kunst und Wissenschaft versagen, das leistet der Schmerzensmann am Schandpfahl des Kreuzes. Hier ist die höchste Lebensphilosophie, hier finden alle Lebensprobleme ihre Lösung, hier bekommen wir die Antwort auf alle Fragen, die je eine geängstigte Menschheit an den dunklen, rätselhaften Gott gestellt, der in der Regel anders beschließt und entscheidet als der kurzsichtige Mensch denkt. Auch Kunst und Wissenschaft werden in ihren letzten Tiefen beim Kreuze landen und erst von hier aus in die großen geisti- gen Zusammenhänge der Welt eingereiht werden. „Ecce in cruce totum constat." Sieh, im Kreuz ist alles enthalten!
Wird die moderne, kreuzesscheue Menschheit je wieder zum Kreuze, der Quelle alles Heiles und aller wahren Erlösung zurückfinden? Wird sie zur Erkenntnis kommen, daß alle Anläufe zur Be- freiung aus dieser Daseinsenge scheitern, wenn nicht das Kreuzesbild im Vordergrund steht? Wird sie zur Erkenntnis kommen, daß der Weg zum Heil des Menschen nicht durch den Leibeskült, sondern durch die Seelenpflege geht? Wird sie den Gedanken noch fassen und ertragen können, daß wahres Leben nur durchs Sterben kommt? Man möchte verzweifeln, wenn nicht der Sieg des Kreuzes so evident greifbar wäre durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch. Ich sah einmal ein von dichtem, üppigem Efeu umranktes Christusbild: ein wunderbares Abbild der ewigen Lebenskraft des Kreuzes! Immer ist in dem sterbenden Christus der Tod vom Leben umschlungen, immer verwandelt er das Leichenfeld in ein üppig grünendes Saatfeld, immer bedeutet das Kreuz unseren höch- u.ei3 Iriumpfj! Ja die Menschheit wird, so hart meser Weg auch sein mag, wieder zum Kreuze zurück müssen! Die Christusbilder voll Liebe und Versöhnung müssen uns wieder grüßen auf allen Wegen und Stegen, wenn unsere traute deutsche Heimat wieder das werden soll, was sie war: ein gesegnetes Land mit glücklichen Bewohnern. Die schlichten Feldkreuze und Kapellen müssen wieder zu Ehren kommen. Sie sind das Bedürfnis des mystisch veranlagten sinnigen Deutschen, der gerne auf einsamer Flur seines Gottes gedenkt und am erhabenen Christusbild fein Herz erleichtert
Gekreuzigter Heiland! Schau gnädig in Barmherzigkeit herab auf eine leidzerquälte Menschheit! Leite ihre Wege, die immer weiter von Dir abführen! Oeffne ihre Augen, daß sie Dich erkennen als den einen wahren Erlöser! Schütze das deutsche Vaterland, wo Dein Kreuzesbild stets eine so hohe Verehrung genossen! Gib der Welt den Frieden im Schatten Deines Kreuzes! Laß diejenigen wieder eins werden, die Deinen heiligen Namen tragen und sich jetzt unter Deinem heil. Kreuze sammeln wollen! Laß sie erkennen di" Große Deiner Liebe, auf daß auch sie mit liebe- vollem Herzen zu den größten Opfern bereit sich ue Hande reichen zur Versöhnung, die für uns Christen schließlich das höchste Ziel unserer irdischen Arbeit ist! Umfange mit Deinen ausqestreck- ten Armen schließlich die ganze Menschheit und laß sie erkennen die Höhe und Tiefe göttlichen Erbarmens, auf daß sie heimfinden zu Gott, ihrem Herrn, der allein aller Völker Heil und Wohlfahrt ist! ’
'Ein angeklagter Schrankenwärter freigesprochen. Wegen des schweren Eisenbahnunglücks bei Muldenstein, bei dem am 2. Dezember vorigen Jahres der Berliner D-Zug in einen Lastautozug hineinfuhr, die beiden Führer des Lastautozuges getötet und der Lokomotivführer und der Heizer des D-Zuges schwer verletzt wurden, stand jetzt der Schrankenwärter Zahn vor Gericht. Der Angeklagte konnte, in der Verhandlung nachweisen, daß et dienstlich völlig ü b e 11 a ft e t war. Er hatte nicht nur den Bahnübergang zu bewachen, sondern eine Fahrkartenausgabe und einen Telegraphen- achiarat mit vier*Leitungen zu bedienen und schließlich auch noch die Reinigung des Bahnüberganges, den täglich 50 Züge passieren, zu besorgen. Weiter wurde festgestellt, daß das Läutewerk nur ganz schwach wirkte und erst neuerdings durch ein neues zweites außerhalb des Bahnhäuschens ergänzt worden ist. Angesichts dieser Verhältnisse kam das Gericht zu einem F r e i s p r u ch.
* Ileberfall auf Eingeborenenpolizei in Hollän- disch-Reuguinea. Einer in A m st e r d a m einge- trofsenen telegraphischen Meldung aus lernate (Neuguinea) zufolge wurden in der Gegend des südlichen Vogelkopfes im nördlichen Teile von Hol- ländisch-Neuguinsa von der dortigen Bevölkerung fünf auf einem Patrouillengang befindliche Eingeborenenpolizisten überfallen und g e tö t e t. Eine Polizeiabteilung wurde von dem Hauptplatz Mans- kuaris zur Bestrafung der beteiligten Bevölkerung entsandt. ____________
Folgenschwere Explosion.
3n Dzialoszin in der Wojwodschast Lodz flog bei einer Aethererplosion ein Haus in bie Luft. Vier Personen waren auf ber Stelle tot, einige andere erlitten Verletzungen.
Kommunalpolitisches.
— Eine neue Inlandsanleihe ber Stabt Berlin. Die Verhandlungen über bie neue Jnlanbsanleihe Berlins sind im wesentlichen zum Abschluß gelangt. Es war ursprünglich beabsichtigt, eine Anleihe in Höhe von 50 Millionen Reichsmark herauszubringen, jedoch wirb sich bie Emission zunächst auf ben Betrag von 25 Mill. RM. beschränken. Die Anleihe erfolgt in Form von Goldschatzanweisungen, bie mit 5 Proz. verzinslich unb nach 5 Jahren zu 110 Proz. rückzahlbar sinb. Der Zeichnungspreis wirb voraussichtlich 95% Proz. betragen. Das Konsortium steht unter Führung ber Preußischen Staatsbank (Seehandlung) und ber Deutschen Bank. Der Anleiheerlös bient im wesentlichen zur Deckung von Aufwendungen auf dem Gebiete bes Wohnungsbaues, ber Schul- unb Krankenhausbauten, sowie für eine Anzahl anberer Zwecke, barunter für ben bereits vor zwei Jahren burchgeführten Bau ber Fleischgroß, markthalle. Die Auflegung zur Zeichnung ist unmittelbar nach bem Osterfest zu erwarten.
' Die Mittelsmänner der Brüder Limbourg. Die Vernehmung in dem großen Kölner Betrugsund Bestechungsprozeß, in den der Trierer Regierungsobersekretär Freund verwickelt ist und der zwecks Aufklärung weiterer Straftaten vertagt wurde, haben eine sensationelle Enthüllung gebracht. Nach Aussage Friedrichs hat der Regierungsobersekretär Freund ihm erklärt, erhübe auch die Schadenersatzansprüche der Gebrüder Lim- bourg bearbeitet und sie sehr wohlwollend behair- delt, sowie ihnen ferner gewisse politische Akten der Tnerer Regierung zur Einsichtnahme gegeben. Be, tätigt sich die Aussage Friedrichs, woran nach dem Verlaus des Kölner Limbourg-Prozesses kaum zu zweifeln ist, dann wird mit einem Schlage das Dunkel erhellt sein, das bisher über dem Vielen was mit den Brüdern Limbourg zusammenhing! schwebte. Man wird dann insbesondere wissen, woher den Brüdern Limbourg ost die verblüffende
in
Hüten n. Mützen
bringt
irianz Ricken, Karstadt
Meine Hüte sind billig u. doch dauerhaft.
kommnisse geworden ist, für die man damals kein« Erklämng hatte. — Peter Limbourg, der Bruder des Provinziallandtagsabgeordneten Dr. Josef Limbourg, der nach dem Abschluß des Limbourg. Prozesses unter dem Verdacht des Meineides verhaftet wurde, ist einer Meldung der „Voss. Ztg." zufolge in die Abteilung für Geisteskranke in das Krankenhaus Lindenburg zur Untersuchung seines Geisteszustandes eingeliefert worden.
* Wegen Einbruchs im preußischen Landtag vor Gericht. Das Berliner Schöffengericht verurteilte den 35 jährigen wohnungs-und stellungslosen Kaufmann Wöhler, dem die zahlreichen, in der Zeit vom November 1927 bis Mitte Februar d. Js. im Preußischen Landtage, verschiedenen Behörden und Aemtern verübten Einbrüche zur Last gelegt werden, wegen fortgesetzten Diebstahls und wegen Urkundenfälschung zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr drei Monaten Gefängnis. Da dem Angeklagten die Diebstähle im Preußischen Landtag nicht nachgewiesen werden konnten, mußte er von diesem Teil der Auflage freigesprochen werden.
* holländisches Lob für deutsche Sauberkelk. Die bedeutende Wochenschrift niederländischer Sprache, die über die ganze Welt verbreitete „Haagsche Post", hat einen de» bekanntesten holländischen Schriftsteller nach Deutschland gesandt, der jetzt feine Eindrücke rviedergibt. Er macht in feinem Artikel die folgenden beachtlichen Ausführun- gen: „Von der schlechten Zeit ist in Deutschland äußerlich nichts mehr zu spüren. Die Eisenbahnen sehen gut unterhalten aus; die Hotels tragen keinerlei Anzeichen von Verwahrlosung mehr, die Straßen werden so sauber gehalten, daß man sich geniert einen zerrissenen Brief wegzuwerfen.
wtb. Kalundborg, 5. April. (Eig. Funkm). Heute nacht ereignete sich in Vjergsted bei Jy- cherup ein furchtbares F a m i l i e n d ra m a. Gegen morgen bemerkten Nachbarn, daß in dem Hause des russischen Ingenieurs Votkevitch Feuer ausgebrochen war. Beim Eindringen in das Haus entdeckte man, daß Stroh in die Zimmer geschleppt, mit Petroleum begossen und angezündet worden war. Der Brand wurde gelöscht. Man
bra u bes 3ngenieurs, feinen 19jährigen t vcu ximoourg ojt oie verblüffende S°hn, seine Ichahnge Tochter und seine | Kenntnis selbst der geheimsten polltischen Vor-
Das Kreuz im Moor.
Roman von Fritz Gantz er.
34] '
Der frühe Rovernberabend kam schnell. Ein friedvoller, stiller Abend mit Rosenwölkchen bis zum Zenit ftinauf und einem purpurschimmernden Saum am Hori- 3ont. Es war wie Feiertag im Himmel und auf der Erde.
Zwei mit entschlossenen, starken Schritten rüstig vor- martsftrebenbe Menschen hingen mit trunkenen Blicken an seiner Schönheit und empfanden seinen Frieden wie ehnas, das eigens für sie geschaffen war: Klaus und Gesine.
Ihre Herzen waren wie zwei blühende Gärten nach einem langen Winter. Die harte Not war tot und das Glück stand in Blüte.
Dieses lachende, jauchzende.Glück! Sie hatten ihm schon Hütten gebaut. Grünbesponnene und rosenum- rankte. Dort sollte es nun wohnen unb bleiben. Unb fte bet ihm. Sterne mürben über ihnen leuchten unb eonnen glühen. Unb niemanb würde ihnen je das Glück nehmen können. Es war ihr eigenstes.__
Klaus hatte feinen Plan. Sie wollten hinüber in bas große freie Land jenseits des Meeres. Ihn nahm lchon ein Schiff mit. Unb wenn er für zwei zu arbeiten versprach, tat man es auch mit Gesine. Nur eins machte iftnen Sorge: sie besaßen nicht ben geringsten Gelbbetrag jum Kauf einiger Lebensmittel für bie nächsten Tage unb zur Beschasssung eines Nachtlagers. Aber Gesine »uftte endlich Rat: „Ich will meinen Ehering zu Gelb vachen." Es war merkwürdig mit Gesine: Sie schien Ule Gebauten an bie Vergangenheit verloren zu haben -eitbem sie von Hinnerk gegangen, war es, als wenn ■tne trennende Wand das Jetzt von dem Einst scheide sie lebte die Stunden wie ein neuer Mensch. Unb sie ai) nur bas Recht. Ihre Gedanken gingen alle fo geebnete, gerabe Wege ohne Stein unb Dorn, baß es ‘tne Lust war, zu denken. Ueberhaupt eine Lust zu eben. Eine unendliche, unfagbare.--