FuldaerZertung
ß Anzeiger für die Stadt Aulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
Jlr. 82.
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Freitag, 6. April 1928.
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55.Zahrg.
P. Gilbert-Besprechllllgeil in London, Paris und Rom
Hindenburg für den inneren Frieden
posten bekleiden; an ihrer Stelle sind die Arbeitersekretäre S ch a m e r - Hamm und Jakob- Bocholt aufgestellt. Frl. Eickelboom hat verzichtet; an ihre Stelle ist Frl. Wessel-Dortmund getreten. Herr v. Papen ist von der 6. an die 10. Stelle der Liste gerückt. Domvrobst Dr. Linneborn-Pader- born, der früher in Westfalen-Süd aufgestellt war, ist an Stelle des verstorbenen Domkapitulars Dr. Wildermann in Westfalen-Nord aufgestellt. Gutsbesitzer Röingh-Beverungen steht diesmal an 6., statt wie früher an 8. Stelle.
* Plan einer Schiedsverkragskonserenz der la- keinamerikanischen Staaten. Aus Washington wird gemeldet: Das Repräsentantenhaus nahm eine von dem Kongreßmitglied Porter beantragte Entschlie» ßung an, in der der Präsident ersucht wird, in diesem oder im nächsten Jahre eine Schiedsvertragskonferenz der lateinamerikanischen Republiken nach Washington einzuberufen.
, .'Disziplinarverfahren gegen Iagow. Wie der lozulldemokratische Pressedienst meldet, hat die preu- tzilche Regierung, die vom Reichsgericht verurteilt worden^war, an den früheren Regierungspräsiden- ren v. Iagow eine Pension zu zahlen, das Diszi - Plinarversahren gegen Iagow eingeleitet.
Wicklung durchgemacht, die beachtenswert sei, da es die Schwierigkeiten der vorausgeqangenen Jahre zu überwinden hatte. Das Jahr 1927 fei vor allem gekennzeichnet durch eine Steigerung der industri - ellen Erzeugung, die begünsttgt wurde durch große Kaufkraft des Jnlandsmarktes, durch bedeuten- de Ausländsanleihen und durch den Ausbau der Rationalisierung. Die Lage in der Landwirtschaft fei noch nidjt wieder ausgeglichen. Jur allgemeinen Entwicklung des Außenhandels macht der Bericht die Feststellung, daß der Außenhandel der 25 Hauptländer der Welt im Jahre 1927 im Vergleich zum vorangeganqenev Jahr sich um etwa 6 Prozent gesteigert habe.
Der „Dolchstoß"
Dieser Tage wurden die Arbeiten des parlamentarischen Untersuchungsausschusses abgeschlossen, die sich insbesondere auch mit den inneren Vor- aängen beim Zusammenbruch beschäftigten. Es hat sich für diesen Ausschuß namentlich darum gehandelt, denjenigen Dingen nachzugehen, die mit dem Begriff des „D o l ch st o ß e s" verbunden wurden und deren agitatorische Ausnutzung so ungeheuer | vergiftend gewirkt hat. Der Vorsitzende dieses Ausschusses war der deutschnationale Reichs- tagsabgeordnete Dr. P h i l i p p . Der Ausschuß selber mußte feststellen, daß die mit dem Begriff „Dolchstoß" getriebene Agitation jeder Grundlage entbehrte, und nun hat der Reichspräsident Hindenburg selber an den Abgeordneten Dr. Phlipv aus Anlaß des Abschlusses der Arbeiten des parlamentarischen Untersuchungsausschusses ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt:
„Ich glaube, daß dieser Abschluß geeignet ist, a l l e n S t r e i t st o f f innerhalb unseres Volkes zu beseitigen und den inneren Frieden zu fördern.
-."k^^butlich verschwindet nun endgültig dieses böse Wort aus den öffentlichen Erörterungen. Das wurde einen wesentlichen Schritt vorwärts zur inneren Beruhigung und Konsolidierung bedeuten.
Polen.
Forkschreilende Entspannung zwischen Sejm und Regierung.
"i^Darschau, 5. April. (Eia. Funkm.) Mar- ichall Pilsudski hat gestern den Besuch des neuge- wahlten Sejm Marschall Daczynski erwidert und
wtb. Paris, 5. April. (Eig. Funkm.) Wie „Ma- fm" berichtet, hat der Generalagent für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, die letzten 4 Tage in Paris geweilt und ist, nachdem er vorher London einen Besuch abgestattet hatte, gestern abend nach Rom weiter gereist. In London habe er mit Vertretern der Bank von England und den hohen Beamten des Schatzamtes verhandelt, in Paris mit dem Leiter der Bank von Frankreich und jetzt werde er das Reparations- und Kriegsschuldenproblem mit dem italienischen Finanzminister erörtern. Parker Gilbert kenne die politische und finanzielle Lage Deutschlands und wisse, daß Deutschland die erste Gelegenheit ergreifen werde, die Revision des Daves-Planes zu fordern, wenn die Zahl der Dawes-Annuitäten nicht begrenzt würde. Parker Gilbert habe andererseits in Paris die Ueberzeugung gewonnen, daß die französische Regienmg sich dieser Begrenzung nicht widersetzen werde, unter der Bedingung, daß gleichzeitig eine Regelung der Kriegsschulden erfolge. Sa vor den amerikanischen Wahlen kaum eine endgültige Regelung möglich sei, sei es viel zu früh, sich auf eine Polemik über die M o d a l i tä t e n dieser Regelung einzulassen, aber nicht zu früh sei ez vom technischen Standpunkt, die Ansichten der interessierten Regierungen kennen zu lernen. Parker Gilbert beschäffigt sich damit, dieses Problem zu studieren mit einer Methode und Ausdauer, die anerkannt werden müsse.
wtb. London. 5. April. (Eig. Funkm.) Der Pariser Berichterstatter der „Times" schreibt: Ich erfahre, daß k e i n e o s f i z i e l l e n M i t t e i l un- gen zwischen der Reparationskommission und den alliierten Regierungen über die Frage einer vorgeschlagenen Herabsetzung der deutschen Reparations-Schuld oder der interalliierten Schulden ausgetauscht worden sind. In hiesigen amtlichen Kreisen äußert man sich s e h r s k e p t i s ch zu der Frage einer erneuten Behandlung dieser zusammenhängenden Probleme.
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Oberlandesgerichtsrat Dr. Robert Marx vom deutsch-französischen Schiedsgericht in Paris ist zum deutschen Vertreter im Vollzugsausschuß des Schiedsgerichtshofes der Internationalen Handelskammer ernannt worden.
Der Schuldenkonflikt Jugoslawien-Frankreich.
Der Ministerrat in Belgrad beschloß, die Vorkriegsschuld Serbiens an Frankreich in Papierdinars zu tilgen. Da Frankreich auf Goldzahlung besteht, dürfte die Frage vor ein i n - ternationales Schiedsgericht kommen.
Gestlrches.
Politisches Attentat in Jugoslawien.
Nach Meldungen aus Bitolia wurde in Kit- schewo gegen den dortigen Vorstand der demokratischen Organisation, Nikolic, ein Revolverattentat verübt. Nikolic wurde schwer verwun-
In der neuesten Nummer seiner „Süddeutschen Konservativen Korrespondenz" teilt Adam Roeder, der bisherige evangelische Reichstagsabgeordnete des Zentrums mit:
„Gegenüber allerhand Nachrichten in den Blättern sselle ich fest, daß ich schon vor geraumer Zeit — im November 1926 — an die maßgebende Stelle habe die Nachricht gelangen lassen, daß ich eine Kandidatur zum Reichstag nicht wieder annehme. Neben Gri'in- den rein persönlicher Art sind es politische Erwägungen, die mich zu diesem Entschluß bestimmen. Insoweit meine publizistisch-politische Tätigkeit überhaupt eine Bedeutung hat, dürfte sie sich wohl am nutzbringendsten auswirken, wenn sie von fraktionellen Bindungen befreit ist. Daß ich nach wie vor auf dem Standpunkt stehe, daß eine richtig verstandene Zen- trumspolitik, unbeschwert von einseitigem Konfessio- nalismus eine politische Notwendigkeit bedeutet, ist selbstverständlich.
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Die demokratischen Blätter veröffentlichen die vom Parteivorstand der Deutschen Demokratischen Partei aufgestellte Reichs- l i st e, die im ganzen 20 Namen umfaßt und an erster Stelle auf einstimmigen Beschluß den Namen Frau Dr. Gertrud Bäumer trägt. Es folgen an zweiter bis fünfter Stelle Anton Erkelenz, Dr. Hermann Fischer, Dr. Ludwig Haas, der Angestelltenführer Gustav Schneider und Staatspräsident a. D. Prof. Dr. Willy Hellpach. Die gleichfalls aufgestellte preußische Landesliste enthält an erster Stelle den Namen des preußffchsn I Handelsministers Dr. Schreiber und an drit- I ter Stelle den des preußischen Finanzministers Dr. I Höpker-Aschoff.
gang der Nationalsozialisten, die, solange sie Ludendorff in ihren Reihen hatten, doch noch über einen gewissen Nimbus verfügten. Ludendorffs Nachfolger ist ein Geistlicher, der, ganz abgesehen von gewissen sehr delikaten Dingen, in die er in Borkum verwickelt war, durch seine völkisch-antisemitischen Exzesse seinerzeit die Oeffevt- lichkeit in außerordentlich peinlicher Weise beschäftigte.
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Der Landesverband Frankfurt (Oder) und Greu- urf der Deutschnationalen Volks- p a r t e i hat beschlossen, als Spitzenkandidat für die Reichstagsliste den Reichsinnenminister v. K e u d e l l aufzustellen. Der bisherige Deutschnationale Reichstagsabgeordnete Bruhn, der bei der letzten Wahl als Spitzenkandidat des Wahlkreises Frankfurt (Oder) und Grenzmark gewählt wurde, wird auf der Reichstagsliste nicht mehr kandidieren. sond-"w Wt einen sicheren Sitz auf r Reichsliste erhalten. q
Es ist sehr interessant, zur Kandidatur Strese- manns in Bayern insbesondere bayerische Pressestimmen zu vernehmen. Unter dem Titel: „Stresemanns Bayernritt" nimmt der „Bayerische Kurier" den Kampf gegen Stresemanns Kandidatur auf: Das Blatt meint:
Strefemann halte offenbar die Zeit für gekommen, den parteipolitischen Liberalismus Bayerns wieder großzügig zu beleben. Dieser Versuch werde auf Kulturkämpfe antiföderalistischer Tendenz nicht verzichten können, auch wenn man diese Absicht mit unwesentlichen Zugeständnissen verhüllen wollte. Die Partei Sire» femanns fordere grundsätzlich und programmatisch den Einheitsstaat. Strefemann werde auf bayerischem Boden vor allem gegen die Deutschnationale Volkspartei kämpfen. Dem überparteilichen Kandidaten der Deutschnationalen Lettow-Vorbeck werde der Leit-"' der deutschen Außenpolitik ostentativ gegenübergestellt.
Zu derselben Frage äußert sich die Correspon- denz der Bayerischen Volkspartei folgendermaßen:
„Die Kandidatur Strefemonns als eine Angelegenheit „der reichstreuen Wählerschaft Bayerns" hinzustellen ist ein starkes Stück. Liest man das, so könnte man auf den Gedanken kommen, daß sich die bayerischen Freunde Stresemanns den Außenminister des-halb verschrieben haben, weil sie sich selbst der außenpolittschen Erziehung für dringend bedürftig halten. Die Versinnbildlichung der innigen Verbundenheit Bayerns mit dem Reich bedarf wirklich keiner Wahlmanöver und keines Importes von Kandidaten, die bisher keine Berufung in sich gefühlt haben, dem Staate Bayern die Stellung im Deutschen Reich zu erkämpfen und zu sichern, die es in Anspruch nehmen darf und die ihm um seiner selbst und um Deutschlands willen gebührt."
In der „Vossischen Zeitung" wird die Frage aufgeworfen: Was hat den Führer der Deutschen
entgültig erledigt.
blieb VA Stunden bei ihm. Dieser Besuch wird in parlamentarischen Kreisen als Zeichen der zwi- schen Regierung und Sejm eingetretenen Entspan- nung ausgelegt. Der Marschall kündigte Daczynski an, daß er an den Beratungen des Haushaltsausschusses über das Militärbudget teilnehmen werde.
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wtb. Warschau. 5. April. (Eig. Funkm.) Der polnische Außenmini st er Zalesky reist morgen nachmittag nach Venedig, um dort die Oster feiertage zu verbringen. Am 13. April wird Zaleski in Rom eintreffen, wo er nachmittags von Mussolini empfangen werden wird. Voraussichtlich bleibt der Minister bis zum 17. April in Rom, so daß er erst am 19. April wieder in Warschau eintreffen wird. Minister Zaleski wird bei seiner Reise nach Italien vom Chef des Sekretariates des Außenministeriums und dem Chef des Kabinetts des Kriegsministeriums begleitet sein.
* Die Rückreise des Königs von Afghanistan. Der König und die Königin von Afghanistan werden London verlassen. Sie begeben sich zunächst incognito nach Paris und dann nach Berlin, wo der König, der an einer Mandelentzündung leidet, einen Spezialarzt konsultteren will. Von da wird die Reise über Warschau und Riga nach Rußland und schließlich über Angora nach Teheran führen.
* Bevorstehende Verlobung des Kronprinzen von Italien. Dem „Journal" wird aus Rom gemeldet, nach der Rückkehr des Kronprinzen Humbert nach Neapel werde der König feine Zustimmung zur offiziellen Verlobung seines Sohnes mit der Prinzessin Marie Jose von Belgien geben.
Als Ludendorsts Nachfolger haben die Nationalsozialisten den Borkumer außer Dienst gesetzten evangelischen Pfarrer Münchmeyer als Spitzenkandidaten für den Wahlkreis Weser-Ems aufgestellt. Außerdem wird Münchmeyer auf die nationalsozialistische Liste für den Preußischen Landtag im Wahlkreis Aurich-Osnabrück kommen. Diese Aufstellung zeigt den katastrophalen Nieder-
Den Wahlen entgegen.
. ** ®lftfäIm'3erntrUT1?5partei hat am Dienstag in einer großen Versammlung in Hamm ihre Kandidaten für die Reichstags- und die Landtagswahlen aufgestellt. ’
Im Wahlkreis Westfalen-Nord kandidieren für Reichstag: 1. Landesökonomierat Herold: 2. Staatsminister a. D. Stegerwald: 3. Prälat Dr. Georg schreib er: 4. Bielefeld, Maurermeister, Recklinghausen; 5. Franz Bornefeld-Ettmann, Wadersloh: 6. Arbeitevfekretär Riefener, Gladbeck: 7. Dr. Flari n Jaocfner, Industrieller, Loettringhaufen: 8. Frau Helene weffen, Bocholt; 9. Anton Kampfchulte, Postfekretär, 10' Jtlfreb Hausknecht, Zeitungsverleger und Schriftleiter, Bielefeld.
Westfalen-Nord: Landtag- 1. Karl Herold Lar- £S’Tler& 2 August Metzinger, Genossen- fchaftsleiter Altenessen: 3. Frau Elisabeth Giese, Oberschullehrerin, Bottrop: 4. Linneborn, Do'nprobst, Baderborn; 5. Bernhard Kötenburger, Bauunternehmer, Paderborn; 6 Theo Roeingh, Beverungen-Weser: 7. Johann Effert, Bergmann, Betzdorf-Siegen; 8. Johan- nes Brockmann, Rinkerode; 9. Jakob, Arbeitersekretär «ocholt; 10. Franz von Papen, Haus Meerfeld-Dülmen.
Westfalen-Süd Reichstag: 1. Arbeitersekretär Im- busch: 2. Schulz-Gahmen, Gutsbesitzer; 3. Jo- fjann Becker, Arnsberg; 4. Frau Witwe Neuhaus. Dortmund; 5. Nientimp, Syndikus, Bocholt; 6. Linge- mann, Rektor, Altenhundem; 7. Dr. Hörster, Generaldi- rektor, Altena; 8. Arbeitersekretär Weiß, Hörn»; 9 Hotte, Rektor, Meschede; 10. Gersting, Landwirt, Heggen.
Westfalen-Süd Landtag: 1. Oberpräsident G r o- nowski, Münster; 2. Helene Wessel, Parteisekretär in, Dortmund: 3. Schmelzer, Gutsbesitzer, Ober- ! hundem; 4. Gustav Alt eg oe r, Malermeister, Bochum; 5. Schämer, Arbeitersekretär, Hamm; 6. Josef Baumhoff, Postsekretär, .Hagen; 7. Dr. Arnold Cremer, Dortmund; 8. Koch, Gewerkschaftssekretär, Bochum; 9. Freiherr von Wendt, Rittergutsbesitzer, Gevelindhau- len: 10. Otwald, Syndikus, Bochum.
Die vorstehende Kandidatenliste weicht in mehreren Punkten von der Liste des Jahres 1924 ab J“®^roar a) Reichstag: für den Wahlkreis Westfa-
i or&: ®er an vierter Stelle stehende Kan- oioat jst anstelle des früheren Abgeordneten ^ange-He^x^mann ausgestellt. 2. Der srü- $er 5- Stelle stehende Abgeordnete t e n H o m - pel ist ausgeschieden; Landwirt BornefeN-Ett- mann, der früher an 6. Stelle stand, ist auf die 5. Aelle gerückt. Für den Wahlkreis Westfalen-Süd:
m ”,erftorbene,J Schulrat Rheinländer ist r.\Uo an die vierte Stelle der Liste ae- i f"ckt. b) Landtag: Wahlkreis Westfalen-Nord ■ tff Pou^prchchent S t i e I e r, im Wahlkreis West- ! falen-vud Beigeordneter Sprenger, beide aus Gel- I lenkirchen, ausgeschieden, da sie politische Beamten. 1
det. Der Täter entkam. Der Umstand, daß vor einigen Tagen ein ähnliches Attentat gegen den Demokraten Iwan Bojadschijesf in Prilep verübt worden war, wobei Bojadschijesf getötet wurde, hat in demokratischen Kreisen zu der Vermutung Anlaß gegeben, daß es sich in beiden Fällen um Parteipolitische Racheakte handelt. Die Nachricht über das Sittentat hat unter den Demokraten große Erregung hervorgerusen.
Die englische Note an Aegypten.
Der englische Oberkommissar für Aegypten, Lord Lloyd, hat dem ägyptischen Premierminister, Nahas Pascha, die Antwort der englischen Regierung auf die ägyptische Note vom 30. März übermittelt. Die britische Regierung erklärt, daß sie die von Nahas Pascha in seiner Note vertretene Ausfassung über die Beziehungen zwischen Großbritannien und Aegypten und über die daraus sich ergebenden Verpflichtungen für beide Teile nicht als zutref- fend anerkennen kann. Die englische Note gibt dann eine Schilderung der staatsrechtlichen Lage nach englischer Auffassung und stellt fest, daß die englische Erklärung vom 28. Februar 1922 die darin zu gestandene Unabhängigkeit Aegyptens von vier Vorbehalten abhängig gemacht hat.
Danach habe England sich Vorbehalten, folgende Fragen gänzlich nach eigener Entscheidung zu regeln: 1. Den Schutz der Verkehrswege des britischen Reichs in Aegypten. 2. Die Verteidigung Aegyptens gegen alle Angriffe und direkten oder indirekten Einmischungsversuche vom Ausland her. 3. Schutz der ausländischen Interessen in Aegypten, sowie der Minderheiten. 4. Die Frage des Sudan. Diese Vorbehalte sollten in Kraft bleiben, bis über die betreffenden Fragen eine Vereinbarung zwischen den beiden Regierungen zustande gekommen sei. Die englische Regierung, so erklärt die Note, habe in dem Vertrag, über den sie mit dem vorigen ägyptischen Premierminister verhandelt habe, ein Mittel zur Lösung dieser Frage gesehen. Da aber der Vertrag von Aegypten zurückgewiesen worden sei, bleibe der status quo ante bestehen, und die englische Regierung behalle sich hinsichtlich der vier angeführten Punkte jede Entscheidung vor. Die ägyptische Regierung rönne eine unabhängige Re- j gierungsgewalt nur unter der Voraussetzung ausüben, daß sie den englischen Wünschen nachkomme.
Neuer Wahabitenvormarsch gegen den Irak.
Da eine neue Wahabitenarmee von 4000 Mann gegen den Irak im Anmarsch ist und, wie verlautet, die Grenze schon beinahe erreicht hat, werden die englischen Fliegertruppen und die Panzergeschwader im Irak in Alarmbereitschaft gehalten.
Verhaftung eines Swajaisten.
Aus Kalkutta wird gemeldet: Der Chef- I redakteur zweier swajaistischer Blätter, Bakschi, ist I wegen Aufwiegelung und Aufreizung zum Klassen- I haß verhaftet, aber gegen Bürgschaft wieder frei- I gelassen worden.
Volkspartei veranlaßt, sich in Baeyrn aufstellen zu lassen? Und das Blatt gibt dann folgende Erklä- rung:
„Vermutlich die Erwägung, daß dadurch ein Wahl- bündnis mit den Deutschnationalen in den beiden Wahlkreisen verhindert und durch die Popularität seines Namens ein volksparteiliches Mandat wieder errungen werden könnte. Hinter Strefemann ist an zweiter Stelle General a. D. v. Schoch ausgestellt, ein extremer Vertreter des monarchistischen Gedankens und des Föderalismus."
Die Correspondenz der Deutschen Volkspartei selber meint, daß nichts die Siegeszuversicht, mit der die Deutsche Volkspartei in den Wahlkampf ziehe, besser veranschaulichen könne, als die Nachricht von der bayerischen Kandidatur Stresemanns. Die Gründe beständen nicht nur in dem Bekenntnis zur Stresemann'schen Politik und der ewigen Verbundenheit mit dem Reich, sondern vor allem auch in der Gewißheit, unter dem Namen Strefemann jn Bayern zu siegen!
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Im preußischen Ministerium des Innern fand unter dem Vorsitz des Ministers G r z e s i n s k i eine Besprechung statt, an der neben den Ober- und Regierungspräsidenten leitende Beamte des preußischen Ministeriums des Innern und der anderen preußischen Ressorts teilnahmen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, eröffnete Minister Grzesinski die Besprechung mit einer An. spräche, in der er kurz auf die a l lg e m e i n e politische Lage einging, die in der letzten Zeit durch die in ungewöhnlichem Umfange abgehaltenen Versammlungen und Umzüge auf dem Lande gekennzeichnet werde. Der bevorstehende Wahlkampf lege den Verwaltungsbehörden eine vermehrte Verantwortung und Arbeit auf. Jeder Staatsbürger habe das Recht, sich in voller Freiheit im Wahlkampfe zu betätigen. Die Staatsregierung habe die Pflicht, den Wählern den ungehinderten Wahlkampf zu sichern. Er habe daher den Ober- und Regierungspräsidenten anheimgestellt, die erlassenen Verbote von Zeitungen und Vereinigungen aufzuheben, ebenso noch etwa bestehende Beschränkungen der Umzugsfreiheit. In seinen weiteren Ausführungen ging der Minister dann auf die Notwendigkeit ein, die Politik der Staatsregierung vor der Oeffentlichkcit zu vertreten und zu begründen. Nach einer Dts- kussion erklärte Minister Grzesinski in einem Schlußwort, daß die Behörden im Wahlkampfe die Ruhe und Nerven behalten müßten. Es käme nicht darauf an, jeden kleinen formalen Gesetzesverstoß mit allen Mitteln zu verfolgen, sondern darauf, grobe Störungen zu verhindern und unnachsichtig zu ahnden.
Wirtschaftsfragen.
internationale Handelskammer über die winlchaflslage. Der Verwaltungsrat der Jntematio- naten Handelskammer, die am Dienstag und Mittwoch hL m V1", eine Wägung abhielt, beschäftigte sich mit snu uetei urlfl der tm Mai stattfindenden Tagung des Wirtschaftsrates des Völkerbundes, auf der die Internationale Handelskammer vertreten fein wird. Außer- öem wurde die Frage der Vereinheittichung und Der- veyerung des Messewesens durch internationale Verein- barungen besprochen. Der Vorsitzende der Handelskam- mer, Pirelli, erstattete alsdann einen eingehenden Be- i'oodie Wirtfchaftslage im Jahre !9Z7. In Bezug auf die Lage in Deutschland erklärte er, Deutschland habe eine wirtschaftliche Ent-