Einzelbild herunterladen
 

Nr. 81.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

Donnerstag, 5. April 1928.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 Ml, auswärts 0,20 .Ml. Reklamezeile: lokal 0,60 Ml, KETrttWfi auswärts 0,80 Ml. Bei Wiederbolungen Rabatt. vU.JUlJiy«

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051. ______________

Das Heparationsptobkm.

Aus Neuyork wird gemeldet: In einem Artikel über Poincares Rede meint dieNewyork Times": Wenngleich schon die Wahlen in Deutschland, Frank­reich und den Vereinigten Staaten einen raschen Fortschritt nach einer neuen Lösung des Repara- tionsproblems während des Jahres 1928 kaum erwarten Netzen, so sei doch die jüngste Erklärung Poincares von größter Bedeutung, umso­mehr als sie der neuen Haltung entspreche, die Frankreich mit so viel Glück in außenpolitischen Fragen eingenommen habe. Es wäre jedoch besser, wenn der neue Reparationsplan nicht alsBankers- Plan", sondern alsgeschäftsmäßiger Plan" oder alsCommonsenseplan" bekannt werde, da die BezeichnungBankersplan" Schaden anrichten könne. Um jedoch der amerikanischen Regierung und dem amerikanischen Volk annehmbar zu erschei- nen, müßte dieser Plan nicht nur ausführbar, son­dern auch vorteil hast sein und man sollte ihn hier jedenfalls erst nach den Wahlen vorlegen. Dieser Plan könnte viel dazu beitragen, die uner­freulichen Reibungen zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Ländern zu vermindern. Die finanziellen Opfer, die der Plan für Amerika bringe, würden reichlich durch Schaffung eines zu­friedeneren Europas mit gesteigerter Kaufkraft wett­gemacht.

Herald and Tribüne" betont in ähnlicher Weise das Fortfällen der ständigen politischen Gereiztheit, wenn Deutschland nicht mehr den anderen Nationen als direkter Schuldner gegenüberstände. Der grötzte Teil der Versailler Reparationsbeträge müsse abge­schrieben werden. Die Liquidierung des Restbetra­ges sei eine geschäftliche Transaktion, von der poli­tische Rücksichten nicht ausgeschlossen werden kömr- ten, die aber im praktischen Interesse aller Betei­ligten ausgeführt werden solle.

*

Die NeuyorkerWorld" bezeichnet die Rede Poin- earcs in Carcassonne als Akzeptierung der Wirklichkeit und weist darauf hin, die Ankündigun" der Bereit­schaft zu Verhandlungen über Reparationen und interalliierte Schulden erfolge ein Vierteljahr nach Parker Gilberts Besuch in Paris und seinen Vorschlag zur Fixierung der Reparations­summe. Eine derartige Erklärung seitens eines der ausgesprochensten Nationalisten Europas rind enrschiedencn Verteidigers oes Versailler Vertrages liefere den besten Beweis für den Umschwung in der Haltung, die die politischen Führer Europas nunmehr gegenüber den Finanzproblemen der Nachkriegszeit einnehmen.World" meint, die be­kannte Stellungnahme des Staatsdepartements gegen eine Verbindung der interalliierten Schulden mit dem Reparationsproblem sei insofern verständ­lich, als die Regierung seinerzeit die größten Schwierigkeiten hatte, die Ratifizierung der Schul­denabkommen mit den Alliierten zu erreichen. Immerhin sei Grund vorhanden, anzunehmen, die amerikanische Regierung werde angesichts der all­gemeinen Opfer, die seitens der europäischen Alliier­ten bei der Fixierung der Reparationssumme ge­bracht werden müßten, ihren gegenwärtigen Wider­stand gegen eine Revision ihrer Schuldforderungcn fallen lassen und eine den realen Notwendigkeiten mehr entsprechende Haltung einnehmen, ebenso wie ^ies seitens der Regierung Poincares geschehen sei.

*

Die LondonerTimes" meldet aus Washington, amtliche Kreise erwarten nicht, daß für den Rest der Amtszeit von Coolidge irgendwelche Entschei­dungen und Schritte im Zusammenhang mit der Revision des Dawesplanes erfolgen können. Da­gegen meldetHerald and Tribüne", daß der Rede Poincares namentlich auch in Kongreßkreisen größtes Interesse entgegengebracht werde und daß auch das Schatzamt Poincares Vorschläge prüfe, obwohl amtliche Kreise befürchteten, daß eine all­gemeine Erörterung über den Revisionsplan gegen­wärtig dem Erfolg der Verhandlungen eher schaden könnte.Herald and Tribüne" meldet weiter, daß ein in Washington weilender prominenter Neuporker Bankier bemerkt habe, falls die vorgesehene Bonds­emission zu vier Prozent erfölgen könne, wäre eine Fixierung der Reparationssumme a u f z e h n M i l

iardcn möglich, während sie bei fünf Prozent acht Milliarden betragen würde.

England und das Reparalions-Prorlcm.

wib. New Zork, 4. April. (Eig. Funkm.)New 5)ork-Timcs" meldet aus London, dort herrsche all­gemein die Auffassung vor, der Erfolg des Ver­suchs einer Lösung des Reparations-Problems hänge in erster Linie von der Haltung Ameri­kas ab. England werde jedenfalls ein allgemei­nes Abkommen begünstigen, das durch den Ver­kauf der Reparations-ObligaHonen die Schulden Europas gegenüber den Vereinigten Staaten 111= werde, sofern Washington bei einer solchen- '"Ng mitwirke.

*

Reparationskommission und Transferkomitee haben den Verdon-B auve trag, der die eklten großen Reparationsbauverträge unter aus­schließlicher Verwendung deutscher Arbeiter in Frankreich darstellt, in ihrer letzten Sitzung end- güKü v c r ah sch j e de t. Ter hierfür vom fran­zösischen Finanzministerium der Societe du Verdon bereitgestellte Sachlieferungskredit beläuft sich auf 17,2 Millionen Mark. Vertragsträger ist das deutsche Baukonsortium in Berlin, bezw. die vier in Arbeitsgemeinschaft von ihm herausgestellten Firmen.

Nach einer Berliner Meldung handelt es sich bei dem Verdon-Prosekt um die Regulierung eines kleinen Kebirgsflusses in den süd-französischen Alpen durch ein Staubecken zur Elektrizitäts-Erzeugung. Das Projekt ist mehrere Lahre alt; die Ausführung scheiterte an der Finan-

Die Reichshilfe für die Landwirtschaft.

Minister S ch i e l e hat demB. B. C." zufolge, dem 28rr-Ausschuß des Reichstages nunmehr einen Entwurf der Richtlinien unterbreitet, nach dem die Verteilung der für die Landwirtschaft bewilligten 30 Millionen erfolgen soll.

Zur Durchführung der Maßnahmen wird eine G. m. b. H. gebildet. An der Gesellschaft sollen be­teiligt werden die Spitzenorganisationen der Land­wirtschaft, die Zentralstellen der Genossenschaft­lichen Viehverwertung an den großen Schlachtvieh­märkten, die Schweinezüchter und Master, der Viehhandel, das Fleischergewerbe, die Fleischwaren­industrie, sowie Verbraucherorganisationen. Zur Wahrnehmung des öffentlichen Interesses soll ein Reichskommissar bei der Gesellschaft bestellt wer­den. Grundstücke und Fleischwarenfabriken soll die Gesellschaft in der Regel nicht erwerben. Dar­lehen, für die das Reich eine Garantie übernimmt, sollen möglichst für längere Zeit und zinslos oder zu einem niedrigen Zinssatz gegeben werden: so­weit erforderlich und möglich, sind zur Ermäßigung des Zinssatzes die zur Verfügung stehenden Reichs­mittel heranzuziehcn.

Abrüstung?"

Die Frage der Dienstzeit in Belgien.

Aus Brüssel wird gemeldet:

Die gemischte militärisch-parlamentarische Kom­mission zur Prüfung der Frage der Dienstzeit nahm mit sämtlichen Stimmen bei einer Enthaltung

einen Schlußbericht an, in der sie erklärt, es sei angesichts des derzeitigen Standes der Landesver­teidigung unmöglich, sofort die Verringerung der aktiven Militärdienstzeit zur Durchführung zu brin­gen. Die Kommission stellt ein Programm auf, das vor der Durchführung der Dienstpflichtverkür­zung verwirklicht werden müsse. Sie fordert darin u. a. einen Ausbau der permanentenBe- festigungen und die Modernisierung der Be­waffnung und Ausbildung des Heeres.

Die französischen Flottenmanöver.

Die französische Kriegsmarine wird im Juni und Juli Üebungen im Atlantischen Ozean und im Ka­nal abhalten. Das Erste Geschwader (Toulon) und das Zweite Geschwader (Brest) werden am 30. Juni im Kanal zusammengezogen werden. Der Präsident der Republik wird die Flottenschau ab- halten.

Sin Attentat auf Trotzki?

wtb Paris, 4. April. (Eig. Funkm.) Nach dem New Pork-Herald" sind gestern in Paris draht­lose Telegramme eingetroffen, die besagen, daß ge­gen Trotzki von einem Armenier, der Anhän­ger Stalins sei, in der Verbannung ein At­tentat verübt worden sei. Trotzki habe einen Schuß in die Wirbelsäule erhalten und soll im Sterben liegen. Die Regierung bemühe sich, die Verbreitung von Nachrichten darüber zu ver­hindern.

BKHKHBE2.

Wahlvorbereitungen im roten Lager.

Wie derVorwärts" meldet, ist Ministerpräsi­dent B r a ii n im Wahlkreis Düsseldorf-West wieder als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten für den Reichstag aufgestellt worden.

Die Sozialdemokratie hat im eigenen roten Lager im kommenden Wahlkampfe sich gegen eine doppelte Front zu verteidigen. Die eine wird von den A l t s o z i a l i st e n gestellt, die bekanntlich über Sachsen hinaus ihren Ansturm auf das ganze Reich angesetzt haben, die andere von den Kom - m u n i st e n , denen es gelungen ist, der Zerset­zungserscheinungen in den eigenen Reihen einiger­maßen Herr zu werden. Die altsozialistische Geg­nerschaft wird nicht besonders ernst genommen, umsomehr aber die der Kommunisten, obwohl man sie auf dem letzten Kieler Parteitag für politisch er­ledigt hielt. Die verschiedenen Länderwahlen im letzten Jahr haben diese Annahme als abwegig er­kennen lassen.

Wie es nicht anders zu erwarten ist, konzentriert sich die ganze kommunistische Stoßkraft gegen d:e Sozialdemokratie. Was ihre Führer im Wahl­kampf sagen, wird kritisch zerpflückt, verdreht und den kommunistischen Zwecken mundgerecht gemacht. Dabei passiert es denn, daß die Kommunisten sich ihrerseits große Blößen geben, die von der So­zialdemokratie naturgemäß mit Wonne aufgewie- seu werden. So zum Beispiel, wenn es in den kommunistischen Wahlrichtlinien heißt, daß die O r- ganisierung großer Wirtschafts­kämpfe die wichtigste und entscheidendste Wahl­vorbereitung sci Es ist den Kommunisten gleich­gültig, ob Wirischaftskämpfe seitens der Arbeiter aus Not geführt werden, für sie haben sie nur Be­deutung insofern als sie den Staat zerrütten und den bo l s ch e w i lt i s ch e n Gedanken wei- tertragen. Der sozialistische Grundsatz: Alle Macht den Proletariern! zeigt in dieser großen Aus­sprache, wie sehr er der Mutterboden für radikali­stische Tendenzen ist. In einer Rede auf dem Ber­liner Bezirksparteitag hat sich jüngst der Sozial­demokrat Erispien siir diepolitische Demo­kratie" in der Wirtschaftsführung eingesetzt. Könnten die Sozialisten sie ereichen, so wäre es für sie ein hoher Gewinn. Ader dieser Begriff steht nicht im Einklang mit den sozialistischen Grund­sätzen. wie sie dem Proletariat eingehämmert wor­den sind, und so hat die 'Agitation des Kommunis­mus ziemlich leichte Arbeit. Die kommenden Wah­len werden gerade für den sozialistisch denkenden Arbeiter ein Prüfstein sein, ob er mehr de m o k ra-

zierungsfrage. Durch die neueste französische Ge­setzgebung wird eine Handhabe zur schnelleren Ab- wicklung geboten. Die Sachlieferungen und die Verwendung deutscher Arbeiter stellen einen Wert von 11 Millionen dar. Es sollen 5 bis 6000 deutsche Arbeiter beteiligt werden Deut­scherseits sind kleine und mittlere Firmen an dem Projekt interessiert.

Das Echo der Papstrede.

Ein offiziöser Leitartikel desOsservatore Ro­mano" bedauert, daß die faschistische Presse in ih­ren Aeußerungen zur letzten Rede des Papstes be­hauptet habe, der Papst habe in seiner Rede eine feindliche Gesinnung an den Tag gelegt, er habe sich beeinflussen lassen, und sich in staatliche Fragen eingemischt. Es zeige sich, wie berechtigt die Mahnung des Papstes an die National- katholiken gelesen sei, die unter Betonung ih­rer katholischen Eigenschaften sehr heikle Fragen behandelt hätten. Die päpstliche Mahnung sei ' notwendig gewesen ,um der Gefahr vorzubeugen, ! daß man' in Italien und Deutschland die Auffas- i sungen und die Ziele einer politischen Partei mit 1 der'Auffassung des Heiligen Stuhles verwechsele.

tisch denkt oder dem wirtschaftspolitischen Radi, k a l i s m u s zuneigt. Die Idee des Sozialismus selbst für sich kann ihm dabei allerdings nicht letzter Wegweiser sein.

L? *

Als wir vor einiger Zeit nach zuverlässigen In­formationen die Mitteilung brachten, daß Strafe, mann für die Deutsche Volkspartei in Bayern kandidiere, da ist zwar amtlich ein Dementi nicht erfolgt, aber ein großer Teil der Strefemann nahe­stehenden Press- hat die Meldung abzustreiten ver­sucht. Nun stellt sich heraus, daß Strefemann in der Tat die Spitzenkandidatur für die Wahlkreise Oberbayern-Schwaben und Niederbayern-Oberpfalz angenommen hat. Die offizielle Begründung, die diesem Schritt Strefemann? gegeben wird, beleuch­tet den wahren Hintergrund der Dinge nicht. Stresemanns Kandidatur ist nicht so sehr, wie man es von volksparteilicher Seite hinstellen möchte, ein Sinnbild für die Zusammengehörigkeit zwischen Nord und Süd, sondern vielmehr der Ausdruck der Sorge dafür, daß durch das Verhalten der Deut­schen Volk-parte im Reichstag in der Frage Uni- tarismus und Föderalismus, insbesondere durch die denkbar ungeschickte Rede des offiziellen Sprechers der Deutschen Dolkspartei Dr. Cremer, die Partei in Bayern großen Schaden erleiden könnte. Strese- mann soll nun als Aushängeschild für die Deutsche Volkspartei in Bayern wirken.

*

Der Reichsparteiausschuß der Deutschen V o l k s p a r t e i hielt unter dem Vorsitz von Dr. Strefemann im Reichsklub eine Sitzung ab, in der die Reichswahliste aufgestellt wurde. Wie wir erfahren, steht auch diesmal wieder der Parteivor­sitzende Dr. Strelemann an der Spitze der R e i ch s w a h l l i st e. Ihre Veröffentlichung wird erst nach Ostern erfolgen.

Strefemann würde danach sowohl auf die Reichs- liste als in Bayern als Spitzenkandidat eingesetzt werden.

*

Rechtsanwalt C G. Müller - Heintz (München) hat, wie dieVoss Ztg." hört, als Bevollmächtigter der Freien Vereinigung des Bayerischen Land­tages sowie der De u t s ch e n De m o k r a t i s ch en Partei in Bayern dieser Tage beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich gegen das durch fein Oefamtminifterium vertretene Land Bayern eine Klage eingereicht, die auf Feststel­lung der Rechtsunwirksamkeit von Artikel 55 des bayerischen Landeswahlgesetzes in seiner Fassung vom 18. Juli 1925 abzielt.

Die päpstlichen Aeußerungen über die Erzieh- ! ungsfragen habe die faschistische Presse mißver- standen. Der Papst habe keinesfalls ein Erzieh- ungsmonovol beansprucht und den Staat davon ausgeschlossen. Endlich habe der Papst nur be- j klagt, daß hie und da die Zusammenarbeit zwischen den Regierungsbehörden und den kirchlichen Stel­len entgegen den Zusicherungen von maßgebender Seite zu wünschen übrig gelassen habe. Es habe sich aber hierbei um ein ganz bestimmtes, begrenz­tes Gebiet gehandelt, auf dem die praktische Zu­sammenarbeit erwiesermaßen möglich fei.

DerOsservatore Romano" weist zum Schluß die faschistische Presse auf den Eindruck hin, den die Vorgänge im Ausland gemacht haben, erklärt \ aber gleichzeitig nachdrücklichst, die in manchen deutschen Prssemeldungen zutage getretene Auffaf- ; sung, daß zwischen der Kirche und dem faschisti­schen Regime in Italien ein Konflikt ausgebrochen sei, entspreche nicht den Tatsachen.

* Reichsminisier a. D. Hermes hat aus Anlaß feiner Wahl zum Präsidenten der Verei­nigung der deutschen Bauernvereine dem Herrn Reichsaußenminister fein Amt als Führer der deutschen Delegation für

die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlun­gen zur Verfügung gestellt.

schlag des Reichsaußenministers hat das Reichska­binett den Auftrag des Herrn Dr. Hermes erneu» ert. Dieser hat den Auftrag angenommen.

vom Balftan.

Der stellvertretende jugoslawische Minister des Aeußern, Schumenkowitsch, hat den jugoslawischen Gesandten in Tirana telegraphisch angewiesen, der albanischen Regierung mitzuteilen, daß die im Ali. schnitt Kiafa-Sani unter der Begründung, daß eine Typhusepidemie im Bezirk Orchid ausgebro­chen sei, verfügte Grenzschließung u n g e rechtfertigt sei, da festgestellt worden sei, daß in der bezeichneten Gegend eine Typhusepidemie nickt herrsche. Gleichzeitig wird der jugoslawi- fche Gefandte in Tirana die albanische Regierung ersuchen, die Grenzsperrmaßnahmen in kürzester Frist aufzuheben.

polen und Litauen.

Der Litauische Ministerpräsident und Außenmi. nifter Woldemaras sprach in Kowno vor Vertre- tern der in- und ausländischen Presse über die litauisch-polnischen Verhandlungen in Königsberg. Er schilderte den bereits bekannten Verlauf der Konferenz und führte aus, diese Konferenz sei nur als eine grundsätzliche Aussprache an­zusehen darüber, was für die eine oder andere Partei unannehmbar sei. Zusammenfasfend stellte er fest, daß man endlich doch einen Schritt weiter­gekommen sei und kündigte an, daß Litauen spa­ter noch einige weitere Forderungen stellen werde, die es jetzt aus bestimmten Gründen nicht erho­ben habe.' c , ,,,

Das polnische Angebot eines beiderseitigen Nichtangrifspaktes ist die Antwort auf ein litauifches Memoire, dessen Schlußfolgerung olgendermaßen lautet: Die litauische Delegation chlägt vor: 1. eine gemischte Kommission einzu- etzen für eine Enquete über die Organisation mi­litärischer litauischer Banden. 2. auf die Tagesord­nung die Frage der Schaffung einer entmili­tarisierten Zone zwischen Polen und Litauen zu setzen.

In den Kreisen der litauischen Delegation steht man auf dem Standpunkt, daß die Prüfung dieses konkreten litauischen Vorschlages sicherlich den ge­meinsamen Konferenzzwecken dienlicher Jem würde, als die Diskussion eines platonischen Nicht- anariffsvaktes.

» Bundeskanzler Seipel wieder hergefiellt. Bundeskanzler Dr Seivel ist von seiner leichten Grippeerkrankung wieder genesen und im Bundes­kanzleramt erschienen.

(Ein südtiroler Wirt verhaftet.

wtb. Innsbruck, 4. April. (Eig. Funkm.). Am 18. März wurde der Rötelewirt in Kollmann na­mens Anton Kaslatter auf das Karäbinieri-Korn- mando nach Weidbruck bestellt, dort nach seinem Eintresfen gefesselt und dem Bezirksgericht in Klau­sen vorgeführt. Man warf ihm vor, er habe F lu g- schriften, die ihm vom Auslande übermittelt worden seien, an seine Freundes- und Bekannten­kreis weiter gegeben. Kaslatter wurde am 21. März nach Rom verbracht, und es wird dort gegen ihn vor dem Sondersgerichtshos zum Schutze des Staa­tes die Anklage wegen Hochverrates er­hoben. Die Verhandlung- soll am 11. April statt, finden. .

Der Skandal in der englischen Marine

ßonfreabmiral und Erster Offizier.

. Das auf dem in Gibraltar stationierten Schlacht­schiffRoyal O a k" tagende Kriegsgericht ver- urteilte den Ersten Offizier diests Schiffes, Kapi­tän Daniel, zu einem scharfen SBermeis und Versetzung auf ein anderes Schiff. Da­niel habe in einer Beschwerdeschrift über das Ver­halten feines Borget etzlen, des.Admirals Collard, disziplinwidrige Aeußerungen getan und die Ach­tung gegenüber dem Admiral verletzt. Das Ur» teil des Kriegsgerichts ist deshalb so leicht ausge­fallen, weil Kapitän Daniel in feiner Beschwerde sich lediglich ungeschickt benommen hat; den Wahrheitsbeweis für die gegen den Admi­ral Collard erhobenen Beschuldigungen kaHn man als geglückt ansehen.

In der Verhandlung ergaben sich Dinge, die die Zustände auf dem Kriegsschiff in einem recht ei­genartigen Licht erscheinen ließen. Collard sagte als Zeuge aus, er hätte dem ersten Offizier besoh­len, an einem Abend eine Pinasse bereitzustellen, damit er im Hafen von Malta an Land fahren könne. Als die Pinasse nicht bereitgestellt wurde, sei er mit den Offizieren in Wortwechsel geraten. Der Erste Offizier erwiderte, er habe wegen hohen Seeganges die Plnaise nicht oereitfteHen können, Collard habe darauf vor Unteroffizieren und Mannschaft ihn und den Kommandanten be- fchimpft. Der Admiral habe geäußert,er habe die elende Wirtschaft auf seinem Flaggschiff satt.

Im Kreuzverhör wurde festgestellt, daß der Ad­miral bei einem Ball vor den Gästen den Kapell­meister des Flaggich-itfes beschimpft und verlangt habe, daßdieser elende Bettler" sofort nach Eng­land zurückgeschickt werde.

Der Erste Offizier, so deh.rup.et dcr Admiral, habe ihn in ungehöriger Form zur Rcde gestellt. Die Beschwerde des Ersten Offiziers an ten Flot­tenchef, die er einer Versammlung vcn Deckoffi­zieren vor der Absendung vorgelesen habe, sei mr- schriftswidrig gewesen. Bezeichnend für die Zu­stände an Bord des Flaggschiffes ist die Tatsache, daß der Erste Offizier sich weigerte, bei einem Lall den Admiral den anwesenden Damen not- zustellen und daß dieser darauf erklärte,er werde die Karriere b?s Ersten Offiziers ruinieren .