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Eier-Sternchen

Kochfertig

1 Würfel für 2 Teller 13 Pfg.

WL.°5^ Erbs

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JV» 79.

Dienstag, 3. April 1928.

* Fuldaei' Leitung «.

Mussolinis Kampfansage an den Papst

wirtschaftliche ttampfbewegungen

b u r g e r

Die Regierungsparteien wortbrüchig

deiner natürlicher Geschmack

Reis Pilz

Dieses Resultat zeigt, daß die Beamtenschaft d>e Agitationsanträge der Sozialdemokraten richtig einschäßt. Wenn es den Sozialdemokraten mit ihren Anträgen Ernst gewesen wäre, dann hätte ie ja nur ihre Leute in die Regierung hincin- chicken und dann die Anträge durchführen lassen ollen, die sie im Parlament gestellt haben. Dazu

nigungen, die innerhalb von 30 Tagen aufgelöst werden müssen.

Dieser Schlag geht gegen den Papst selbst! Da- mit hat Musiolini den Kukturkampfin Italien eröffnet. Seine jetzige Taktik ist nichts anderes, als das Eingeständnis des vollen Fiaskos seiner Politik, die er hinsichtlich der Gestaltung des Verhältnisses zwischen dem Vatikan und der italienischen Regie­rung einschlug. Musiolini hat eine Zeitlang so getan, als wäre er derjenige, der die sogenannte „Römische Frage" lösen könne. Er hat mit dieser Taktik viele Katholiken auch außerhalb Italiens über seine wirklichen Absichten getäuscht. Er hatte den Eindruck zu erwecken verstanden, als wäre er in der Tat ein Förderer der Interessen der kacholischen Kirche. Sein Ziel war ein ganz anderes, nämlich die Unterstellung des Vatikans unter das Machtgebot der italienischen Regierung. Solches Ansinnen mußte mit aller Deutlichkeit ckbgelehnt werden. Run richtet sich Mussolinis Zorn getzen alle noch selbständigen kirchlichen Einrichtungen in Italien, und so kam es zu der kulturkämpserischen Aktion, die er nunmehr ein­geleitet bat.

Das forsche Auftreten Musiolinis kann nicht darüber Hinwegtäuschen, daß es mit seiner dik­tatorischen Macht zu Ende geht. Wir sind keinen Augenblick im Zweifel, wer in diesem Ringen den kürzeren zieht!

= Die Hamburger Hafenarbeiter kündigen den Lohn- larif. (®ig. Funkm.) Die Lohnbewegung im Ham­burger Hafen hat nunmehr, wie von beteiligter Seite mitgeteilt wird, zur Kündigung der Löhne der Hafen­arbeiter durch die Arbeitnehmer zum 30. April geführt. Es wird eine Erhöhung des Tageslohnes von 8.20 auf 9 RM. für die erste Schicht sowie eine entsprechende Er­höhung der Akkordsätze gefordert.

* Reichspräsident von Hindenburg nahm am Sonntag in Lüne bei Lüneburg an der Konfirma­tionsfeier seiner Enkelin Christa Maria v. Pentz teil. Die altehrwürdige Lüner Klosterkirche war festlich ausgeschmückt worden. Am Schluß der Feier, an der auch die A e b t i s s i n des Klosters, v. Möller, mit den Konventualinnen in ihrer alt- hergbrachten Klostertracht teilnahmen, gab der Reichspräsident den 25 anwesenden Konfirman­dinnen die Hand und sprach ihnen seine Glück­wünsche aus.

sondern nur von den drei ihm unbekannten Män­nern in der Nähe von St. Pölten gebeten wor­den zu sein, sie mitzunehmen.

Entfettungs-Kuren im Frühling sind besonders erfolgversprechend. Allen korpulenten oder zum Starkwerden veranlagten Lesern und Leserinnen raten wir während der Frühlingsmonate morgens, mittags und abends 2Toluba-Kerne zu nehmen. Sie erhalten die echten Toluba-Kerne schon in Mengen von 30 Gramm in den Apotheken, sicher In der Hof-Apokheke z. Schwan.

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Nahrhaft

Tarifwesen.

— Kündigung des Ruhrbergarbeikerabkommens. Die vier Bergarbeiterverbände haben beim Zechenver­band die bestehende Lohnordnung zum 30. 4. 1928 ge­kündigt. Die Lohnforderungen sind in den Kündigungs­schreiben noch nicht angegeben. Am 3. April finden die Lohnverhandlungen zwischen dem Zechenverband und den Bergarbeiterverbänden statt.

= Schiedsspruch im Dankgewerbe. Wie uns der Deutsche Bankbeamtenverein mitt eilt, ist am Samstag am zweiten Derhandlungstage vom Schlichter. Regie­rungsrat Dr. B r a h n, ein Schiedsspruch gefällt wor­den, welcher den Reichstarifvertrag bis zum 31. März 1930 verlängert. Die G eh a lts r eg e lu n g, die eine Erhöhung von 8 Proz. vorsieht, soll bis zum 31. März 1929 dauern. Die Ueberstundenbezahlung be-

Reis "/Tomaten Erbs "/Schinken Reis-Julienne Blumenkohl Grünkern Erbs "/Reis Eier-Riebe/e Königin Windsor ’ Mdektört/e dsw.

~ Illi I ...

Antwerpener Abordnung, die sich zu Besprechun­gen über die Beteiligung Deutschlands an der 1930 in Antwerpen stattfindenden internationalen Ausstellung nach Berlin begab, ist nach Antwer- §??.^"Elfekehrt. Die Abordnung äußerte bei ihrer Rückkehr, daß si e von der Reife u. von dem ihr durch die deutsche Regierung bereiteten Empfang a u - ßerordentlich befriedigt lei.

* Privakaudien, Generals Nobile beim Papst. Der Papst empfing den Führer der geplanten Nordpolexpedition, General Nobile, in Privat- audien^ und unterhielt sich mit ihm längere Zeit über feine Polarexpedition. Darauf überreichte der Papst dem General das Eichenkreuz, das über dem Pol abgeworfen werden soll. Nach der Audienz stellte Nobile dem Papste die Mitglieder der Er- pedition vor. _____________

Einbruch in eine Irrenanstalt.

Sn der Nacht zum Samstag wurde in der 3 r- renanstalt in Pbbs an der Donau im Kas­senraum ein Einbruch verübt. Als die drei Ein­brecher vom Anstaltspersonal dadurch überrascht wurden, eröffneten sie mit Revolvern das Feuer, wodurch zwei Pfleger, darunter «ner schwer, verletzt wurden. Mtt vorgehaltenen Revolvern und ständigem Feuern gelang es den maskierten Tätern, den Ausgang zu gewinnen und die Umfaffungsmauer der Anstalt zu über- klettern. Sie bestiegen ein sie erwartendes Wie­ner Privatauto und fuhren davon. Trotzdem das Anstaltspersonal die Versolgung gleichfalls im Auto sofort aufnahm und auch die telephonisch alarmierte Polizei von St. Pölten sich mit shren Automobilen an der Verfolgung beteiligte, konn­ten die Einbrecher bisher nicht festge- nommen werden.

Als Lenker des Automobils, das von den Ein­brechern benutzt wurde, ist ein Wiener Altkleider. Händler Machat festgenommen worden. Er be- hauptet, mtt dem Einbruch nichts zu tun zu haben.

/Jtole ZMngsMlne ist von ollen öle MkvWvMe und rolrö es infolge Aer MM tino Wstmelt m bleiben.

chung int Auftrage der Zentrumsfraktion abgege­ben. , Die Parteiführer aller großen Reichstaqs» parteien von den Deutschnationalen bis zu den So. zialdemokraten haben die Austastung der Reichsre- gierung als berechtigt anerkannt und dann sich dahin ausgesprochen, daß momentan nichts geschehen könne. Das sozialdemokratische Beam­tenblatt unterschlägt diese Tatsachen absichtlich, um den Weg zu einer unwahrhaftigen Hetze gegen das Zentrum frei zu bekommen. Es ist geradezu be­schämend, daß sozialdemokratische Beamten-Abge» ordnete, wie der Abgeordnete S t e i n k o p f, dem diese Dinge genau bekannt sind, dulden, daß in ihrem Beamtenblatt unter völliger Verschweigung dieser Gesichtspunkte die Behauptung aufgestellt wird, das Zentrum sei an der Nichtbewilligung von Beförderungsstellen allein schuldig. Herr Steinkopf und dte sozialdemokratische Beamten­zeitung suchen seit Monaten die Beamtenschaft ge­gen das Zentrum mit unwahrbaftigen Behaup- tunaen aufzuhetzen. Auch bei den Wahlen zum Landesparlament im Saargebiet haben sie dies getan. Trotzdem hat aber die Zentntmspartei !m Saargebiet vor einigen Tagen 20 000 Stimmen gewonnen und die Sozialdemokratie 5000 Stimmen verloren.

Eier-Nudeln

Erbs "/Speck Spargel Eier-Rieb Ochsenschwänz Rürt'ford Tomaten

Erdbeben in Kleinasien.

AahEvelche Tote, vtete Verletzte. — Hunderte von Häusern mngestürzt.

starkes Erdbeben hat am Samstag ESnyrno txnfc ymgefmng hermgesucht; es wurden neun Stöße wahrgenommen, der erste dauerte eine SBnote, der folgende dauerte fünf Sekunden und da dritter zehn Sekunden. Dazwischen hatte man QSfje von der Dauer von einer Sekunde zu ver­zeichnen. Ms jetzt wurden 16 Tote und 50 D»rl«ht-< gemekdet, davon 10 schwer. 20 Ge° Iftufee enb Fabrkychornsteine wurden beschädigt. 3m Bezftck Torbaki sind 2 0-0 Häuser einge - .DEvW. Sjtec stütz IO Verletzte zu verzeichnen. HMsmkttel für 200 obdachlose Familien wurden nach TortzaK gesandt. Eine unter dem Vorsitz des Gouverneurs stehende Kommiffion leitet die HSfsakkion. Dh? Erdstöße wurden bis Uschak ver- |pM ■

Bergrutsch.

An der Chaussee Trapezunt-Erserum hat ein Bergrutsch die Verbindung auf einer Strecke von 300 Metern unterbrochen. Einige Häuser rourben beschiwigt. Kein Opfer ist zu beklagen. TMWr sind von Trapezunt an Ort und Stelle qrrMndt worden, um dte zu ergreifenden Maß-

Man schreibt uns:

Unter obiger Aufschrift bringt das Organ des sozialdemokratischen Beamtenbun­des einen längeren Artikel, in dem unwahrhaf­tige Angriffe auf die Zentrumspartei im allgemei­nen und den Abgeordneten E r s i n g im besonde­ren enthalten sind. Danach soll die Zentrums­partei schuld sein, daß jetzt nicht in größerem Um­fange Beförderungsstellen für die Reichsbeawten- schaft geschaffen worden seien. Wie ist der tatsäch­liche Hergang? Das Reichskabinett hat einstim­mig den Beschluß gefaßt, daß, nachdem vor einem halben Jahr die große Beamtenbesoldung gemacht worden ist, nicht jetzt schon wieder in großem Umfange Aufrückungs st el- len bewilligt werden können. Als die Sozial­demokraten dies erfuhren, haben sie aus agitatori­schen Gründen darauf gedrängt, daß jetzt schon etwa 15 bis 20 000 Beförderungsstellen geschaffen werden sollen. Die Deuffche Volkspartei hat sich dann dem Vorgehen der Sozialdemokraten ange­schlossen und, entgegen den Wünschen ihrer eigenen Minister, die gleiche Forderung gestellt. Die Rei chs bahnhauptverwaltung teilte der Reichsregierung mit, daß es ihr ganz unmöglich sei, jetzt schon wieder in größerem Umfange für die Reichsbahnbeamtenstellen Aufrückungsstellen zu schaffen. Die Reichsbabnhauptverwaltung will dies auch um deswillen nicht tun, weil die Cisenbabu- arbeitet berechtigte Forderungen gestellt haben, die ober die Eisenbahn nicht in vollem Umfange bewilligen kann, ohne gleichzeittge Tariferhö­hungen vorzunehmen.

Die Aentrumspartei vertrat Sie Auffassung, daß es jetzt zunächst darauf ankomme, daß den Stvatsarbeitern, den Esienbahn- und Postarbei- tern eine entsprechende Lohnerhöhung gewährt werden müsse. Erst dann, wenn die berechtigten Wünsche der Eisenbahn- und Postarbeiter erfüllt find, sei die Möglichkeit gegeben, für die Beamten Aufruckungsstellen zu schaffen. Diese Erllärung hat der Abgeordnete Ersing in einer Parteibespre-

ginnt nach der 48. Wochenstunde und zwar unter Zu- stunmensassung zweier Wochen, für die ersten drei lieber, stunden 1/Ä», dann */M« des Monatseinkommens. Die Ortssonderzufchläge werden in der jetzt beim Reiche geltenden Höhe weiter geführt, die zulässigen Lehr­lingszahlen werden herabgesetzt, die Urlaubszeiten blei­ben unverändert. Der Schiedsspruch wurde für jede der vier am Reichstarif beteiligten Arbeitnehmerverbände einzeln gefällt; sowohl die Vertreter der Banklei - tungen als auch die der Angestellten lehnten ihn a b. Die Erklärungsfrist für die Organisationen selbst wurde auf den 16. April festgesetzt.

hat es ihnen aber an Mut gefehlt und damit fällt das ganze sozialdemokratisch^ Lügengewebe in sich zusammen.

, Cdfuuflsrevlfor verhaftet Der

Msche Lettungsrevifor der Berliner Elektrizi- tatswerke, der seit einiger Zeit in herrschaftlichen Haushaldingen auftritt und Hunderttausende an barem Gelds und Schmucksachen erbeutete, wurde Mgenommen. Er wurde al, ein 39jähriger Schlosser Beckmann, der sich ohne Wohnung Eshielt, festgestellt. Nach seinem ständigen Begleiter, einem 35jährigen Kutscher Baumann, wird nach gefahndet.

* Elnlwemenec Weltansstellungs-Abord- Pang über ihre Eindrücke in Deutschland. Di«

Der Konflikt zwischen Mussolini und dem Papst ist nunmehr offen geworden. Der Papst Pius XL hatte dieser Tage in einer besonderen Kundgebung gegen die Monopolisierung der Jugenderziehung I Stellung genommen, wie sie der Faschismus be= i treibt. 3n Italien sind alle Jugendverbände ! faschistisch organisiert, ja selbst militärisch be­waffnet. Die katholischen Jugendorganisationen waren bisher nur geduldet, aber auch sie mußten sich dem Gebot des Faschismus unter­werfen. Aus dieser Sachlage heraus kam es wiederholt zu heftigen Auseinandersetzungen und Zusammenstößen zwischen den faschistischen und den katholischen Organisationen, die teilweise auch in Tätlichkeiten ausarteten. Des öfteren sind Mit­glieder dieser katholischen Drganifationen von den Faschisten blutig geschlagen worden, und man braucht sich ja nur an jenen Fall zu erinnern, bei dem die Faschisten aus einer Fronleichnamspro­zession Mitglieder solcher Organisationen heraus, holten und sie bluttg schlugen. Der Heilige Vater hatte lange Geduld gehabt. An Warnungen ließ er es nicht fehlen, aber es hat nicht genutzt, und nun Hut der Heilige Vater in aller Osffentlichkeit gegen diese Unterdrückungspolitik des Faschismus gegen« Wer den kaihrstffchen Jugendverbänden Stellung genommen.

Diese Aktion des HMgen Vaters beantwortet mmmchr Mussolini in dMtorischer Schroffheit mit dem Verbot aller nftHkMchWschen Jugen'doetl°li-

iGGIs Erbs-Suppe

und weitere 27 Sorten

Das Kreuz im Moor.

Roman von Fritz Sanier.

31] ---------

„Kun ist sie verschwunden", sagte er. „Das Weib 0ei>ärdete sich ja wie eine Wahnsinnige. Eine merkwür- dige rirau: Einmal naiv wie ein Kind, dann wieder dickköpfig wie ein richtiges Bauernblut . . . Ueberhaupt diese Bauern hier! Sie machen einem mit ihrer Zähig­keit, Schwerfälligkeit und der trotzdem nicht abzuerken­nenden Pfiffigkeit und Gerissenheit das Leben sauer. Manchmal hab' ich's satt bis obenan und sehne mich nach meinem früheren Wirkungskreise zurück . . . Run der Fall wird Arbeit bringen, mal so eine richtige, in­teressante Juristenarbeit. Ich freue mich schon auf die Voruntersuchung. Und den Herrn Staatsanwalt be­neide ich um das Plädoyer. . . Aber kommt da drüben nicht Hinnerk Jörnsen einen Ackerrain hinab? Gewiß! . . . Kutscher, halten!"

Wirklich, es war Hinnerk. Ganz gebückt ging er, als laste eine unendlich schwere Schuld auf ihm. Er schien es gar nicht zu bemerken, daß er bereits minutenlang beobachtet wurde. Nun blieb er plötzlich stehen, sah auf und stutzte.

„Er kennt mich," sagte der Amtsrichter. „Wir könn­ten ihn eigentlich gleich mitnehmen und einem noch­maligen Verhör unterziehen. Wenigstens heranwinken möchte ich ihn."

Er erhob sich im Wagen, winkte mit lang ausge- strecktsm Arm und rief laut: „Jörnsen, Jörnsen!"

Der Kommissar unterstützte ihn in seinen Bemühun­gen, winkte und rief auch.

Hinnerk rührte sich nicht. Wie angewurzelt stand er. Aber dann kam plötzlich Leben in seine Gestalt. Mit einem Ruck wandte er sich und floh in großen Sätzen querfeldein.

Die beiden im Wagen ließen gleichzeitig von ihrem Winken und Rufen ab. „Dieser Kerl!" stieß der Amts­richter verblüfft hervor. „War das nun bloße Angst vor neuen Fragen oder treiben ihn das böse Gewissen. 3e=

Milde seiner Richter hasst. . . Man war schon beim Zeugenaufruf . . .

„Frau Gesine Jörnsen!"

Mit fest aufeinandergepreßten Lippen und stolz er­hobenem Kopf, bleich und schmal, trat sie in den Raum. Ihr Blick eilte sofort zu der Anklagebank. An Hinnerk glitt er vorüber. Aber in Klaus Jörnsens Gesicht saugte er sich fest. Sekundenlang. Eine Flut sich überstürzen­der Gedanke brauste durch ihren Sinn. Sie vermochte jetzt nicht, auch nur einem einzigen nachzugehen. Wic eine Wirrnis war es in ihr. Eine Wirrnis, die schon seit Tagen ihre Seele. Erst eine Frage vom Richtertisch riß sie mit harten Händen zurecht.

Die Vernehmung der Angeklagten war schon beendet. Etwas Neues hatte sich nicht ergeben. Obwohl man sich offenkundig ab gemüht hatte, Widersprüche zu entdecken und herauszuklauben, war man vom Erfolge nicht be­günstigt gewesen. Die schlichten, wahrheitsüberzeugen­den Antworten der Brüder und die klugen, geschickten Eingriffe ihres Verteidigers hatten den so fein und anscheinend lückenlos konstruierten Indizienbeweis des Staatsanwalts in das erste leise Wanken gebracht.

Und die Zeugenaussagen befestigten ihn nicht wieder.

Einer der ersten, die zur Abgabe ihrer Aussage auf­gefordert wurden, war Rasmus Erichsen. Es wirkte erschütternd, wie er für das Recht eintrat. Sein schwer­fälliges Erzählen wurde von bitteren Selbstvorwürfen unterbrochen. Er gehöre eigentlich dorthin, wo Klaus und Hinnerk Jörnsen jetzt säßen, ihm müsse man den Prozeß machen. Denn feine Schuld hätte die nichtswür­digen Verdächtigungen zweier Unschuldiger im Gefolge gehabt. Sogar über die bisher unbeweglich gewesenen Züge des Staatsanwalts zuckte es von einer Bewegung, als dem Alten schließlich die Stimme in Tränen erstickte.

Und dann bald daraus das Zeugnis Gesines. Schloh­weiß war sie im Gesicht, als sie die Hand zum Schwur hob. Ein Zittern rann über ihren Leib, als sie die ersten Fragen beantwortete. . .

Und ihre Seele betete: „O Gott, nur von meiner Siebe nichts! Forscht, wonach ihr wollt! Nach allem! nur mein Eigenstes, meine Siebe reißt nicht ans Sicht!" kFortletziing folgt.)

denfalls wollen wir sicher gehen. Er muß noch heute verhaftet werden."--

Am nächsten Morgen ordnete der Amtsrichter Stör- mer die Vorführung des Untersuchungsgefangenen Hin­nerk Jörnsen zum Zwecke eines ersten Verhörs an. Von der Bank im Vorgarten weg, neben Gesine sitzend, war er noch am Abend des Vortages verhaftet worden. Er hatte sich stumm gefügt. Und Gesine hatte kein Weinen gehabt. Nur ein heißer Zorn war in ihr gewesen über allen gemeinen Verdacht.

Mit einem losen Händeineinanderlegen waren sie voneinander geschieden. So lose, daß es Gesine wieder gut zu machen trachtete, und ihrem Manne ein warmes: „$abe guten Mut, Hinnerk!" in den Abend nachgerufen hatte.

Er hatte es wie etwas Ungewisses vernommen, wie etwas, das ihm nicht gegolten, und hatte sich nicht um- gewandt. Gebückt, zufammengesunken war er weiter­gegangen.

So gebückt und zusammengesunken trat er nun auch in das Zimmer, in welchem das Verhör seiner wartete.

Gerade, als der Amtsrichter die erste Frage an ihn richten wollte, brachte der Gerichtsdiener ein Telegramm.

Stürmer öffnete und las mit einem befriedigenden Aufatmen: „Klaus Jörnsen soeben verhaftet. Weitere Weisungen erbeten. Polizeidirektion Bremen."

10.

Der Zuschauerraum des mäßig großen Schwur­gerichtssales war schon lange vor Beginn der Verhand­lung bis auf den letzten Platz von einer neugierigen Menge besetzt, die flüsternd Vermutungen austauschte und sich lebhaft mit dem möglichen Schicksal des Jörn- I senschen Brüderpaares beschäftigte. Es war bei weitem | nicht nur die rohe, nach dem Erleben sensationeller Er­eignisse trachtende Begierde, die die Menschen hier zu­sammengeführt hatte. Ganz entschieden überwiegend hatte ehrliche Teilnahme zum Kommen veranlassend bei­getragen. Und mochten schon die ärgsten Pessimisten an keinen guten Ausgang glauben: ihre schwarzseherischen Prophezeiungen fanden bei der hoffnungsfreudigen Mehrzahl kein Gehör. —

Die Voruntersuchung hatte sich ungemein schleppend abgewickelt. Amtsrichter Stornier war mit kleinkräme- riffoer, spitzfindiger Gewissenhaftigkeit vorgegangen, hatte Stoße von Verhandlungsprotokollen geschichtet und auf öie ständig wiederholten Unschuldsbeteuerungen der bei­den Angeklagten nicht viel mehr zu entgegnen gehabt als bass überlegene Sächeln unfehlbarer Juristenweisheit. Es schien so, als wenn sich ihm die Berechttgung zum Ver­dacht wie eine unumstößliche Gewißhett in die Seele gegraben.

Im letzten Drittel des Septembers kam die Vorunter­suchung endlich zum Abschlüsse. Die Aktenstöße wan­derten zum Staatsanwalt. Der unterzog sie einem ge­wissenhaften Studium und erhob danach die Anklage: Klaus Jörnsen sollte sich wegen Totschlags an John Meyer und Mordes an seinem Vater verantworten. Hin­nerk Jörnsen wurde der Beihilfe zu letzterem Verbrechen bezichtigt. Als Vechandlungstag war der 25. Novem­ber bestimmt worden . . .

Der Gerichtsdiener ging ab und zu. Er rückte an den Tintenfässern auf dem Richtertische, rückte Akten zu­recht, schob die Stühle. Tat, als sei er die heilige Justiz in Person . . » Manchmal flog sein stechender Blick verweisend nach der Zuschauertribüne hinüber, wenn dort das Gemurmel anschwoll, oder er schritt, die Hände auf den Rücken gelegt, mit gesenktem Kopf und grüblerischem Geflchtsausdruck vor der Schranke der An- klagebank gewichttg auf und ab.

Irgendwo auf den Korridoren haspelte eine Uhr zehn heisere, grellende Schläge herunter. Türen gingen. Das Richterkollegium erschien, die Geschworenen fanden sich ein, der Verteidiger der Angeklagten tarn. Auf aller dieser Männer Mienen lag feierlicher Ernst. . . . Wie eine schwüle, beängstigende Beklemmung schwebte es durch den Raum . . .

Und nun das Brüderpaar. Aller Augen ruhten auf Klaus und Hinnerk Jörnsen. In des Aelteren Gesicht stand eine harte Verbissenheit, ein unverhohlen zur Schau getragener Zorn. Hinnerk schritt gebeugt, wie ein Kranker und Zerschlagener. Er nahm sich wie ein wirklich Schuldbeladener aus, der nur noch auf die