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Anzeiger für die Stadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 72.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt I

im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag | ak

der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9 I SOtltUflCL 23. 211 Ott 1928

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Der Papst über Südtirol.

Bei einer Audienz des Vertreters der Amtlichen Nachrichtenstelle in Rom sagte der Papst über Süd­tirol, es schmerze ihn aufrichtig, daß deutsche und österreichische Katholiken ihm den Vorwurf mach­ten, als ob er nicht für die Erteilung des Reli­gionsunterrichtes in der Muttersprache eingetreten sei. Was er tun konnte, habe er getan, denn er denke als Vater an alle seine Kinder und an öle Bedrängten zunächst. Aber sagen Sie, so fuhr er fort, Ihren Katholiken, daß wir nicht frei sind, daß das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in Italien genau dasselbe ist, wie am 21. Septem­ber 1870. Wir werden auch in Zukunft tun, was möglich ist, und auch beten. Mer wir müssen befürchten, daß weitere Bemühungen unsererseits die Situation eher verschlimmern als verbessern.

♦ Keine Veränderung im Befinden v. Guerards. Wie von maßgebender Seite mitgeteilt wird, ist in dem Befinden des schwer erkrankten Abgeord­neten von Euerard seit seiner Aufnahme in das St. Hedwig-Krankenhaus keinerlei Veränderung ein­getreten. Der objektive Befund ist den Umständen entsprechend unverändert gut.

China gegen Japan.

wtb. London, 24. März. Die Blätter Li'/en aus Shanghai über ernste japanfeindliche Agitation in Amoy, dem großen südchinesi­schen Seehafen, von Seiten des extremistischen Teils der chinesischen Bevölkerung. Das japanische Kon­sulat wurde vom Pöbel mit Steinwürfen an­gegriffen. Ein Dampfboot, das die japanische Flagge führte, wurde beschossen und noch weitere Aste wurden unternommen, die ernste Besorgnis unter den japanischen Eisiwohnem der Stadt ver­ursachten. Laut „Daily Telegraph" hielten die japanischen Einwohner eine Massenversammlung ab und ersuchten telegraphisch Tokio um sofortige Schritte durch die Nanking-Regierung zur Been­digung dieses Zustandes. Der Anlaß zu den Un­ruhen char die Verhaftung von zwei Koreanern durch die Japaner und ihre Verschickung nach Formosa. — Dem diplomatischen Berichterstatter des „Daily Telegraph" zufolge verlautet aus Pe­king, daß Tschangffolin beschlossen habe, den dro­henden Angriff der vereinigten Südheere nicht abzuwarten, sondern selbst die Offensive zu ergrei­fen. Der erste Angriff soll gegen Marschall Feng- jusiang gerichtet werden.

Babel auf der Genfer Konferenz.

Neue russische Vorschläge zur Abrüstung.

Auf der vorbereitenden Abrüstungskonferenz ist es am Freitag zu scharfen Auseinandersetzungen ge­kommen. Der deutsche Delegierte verlangte Beschleu­nigung der Abrüstunasfrage. Die 'Westmächte wollen erft unter si ch einig werden. Eine Entscheidung über den deutschen Resolutionsan­trag auf Bewilligung und über den vom Vorstands- büro eingereichten Resolutionsentwurf ist nicht ge­fallen. Der Vorsitzende faßte den Stand der fast vierstündigen Aussprache dahin zusammen, daß er Graf Bernstorff dringend bat, angesichts der Er- klärung des Franzosen Clauzels über den aussichts­reichen Stand der gegenwärtigen Verhandlungen zwischen den hauptsächlich interessierten Staa­ten deren Ergebnis abzuwarten. Er selbst über­nahm die Verpflichtung, die zweite Lesung unter allen Umständen einige Wochen vor der nächsten Bölkerbundsversammlung abzuhalten. Zum Rus­sen Litwinow gewandt fügte Loudon hinzu, daß die von ihm verlangte sofortige erste Lesung des neuen russischen Projektes über teil« weise Abrüstung in der gegenwärtigen Tagung un- möglich sei, daß das neue Projekt aber bei der zweiten Lesung des englisch-französischen Entwur­fes mitbehandelt werden soll.

Der neue russische Entwurf für ein internatio­nales Wkommen zur teilweisen Abrüstung ver­langt, daß die Staaten mit über 200 000 Mann i unter den Fahnen ihre Effektivbestände auf die I Hälfte herabsetzen, während die übrigen ©tasten I ihre Effektivbestände um ein Drittel oder ein Vier- I

tel verringern sollen. Im entsprechenden Verhält­nis sollen auch die ausgebildeten Reserven herab­gesetzt werden.

*

wtb. London, 24. März. (Eig. Funkm.). Die gestrigen Vorgänge auf der Genfer Abrüstungs­konferenz nehmen in der Presse großen Raum ein. Alle Blätter betonen die bei den Erörterungen herrschende „Verwirrung". Graf Bernstorffs „bittere Kommentare" zu der Nichtabrüstung der anderen Nationen werden hervorgehoben. Der Korrespondent der „Times" erwähnt den sckarfen Meinungsaustausch zwischen den Vertretern Frank­reichs und Deutschlands. Die Entschließung, daß die zweite Lesung des Konventions-Entwurses in einer späteren Tagu n g behandelt werde» soll, habe den deutschen Vertreter „nicht.mit Un­recht" verstimmt. Graf Bernstorff habe eine ziem- sich bittere Rede gehalten. „Daily Chronicle" spricht von dem „Babel auf der Genter Konferenz" und von dem „zehnstündigen ver­worrenen Gerede über Abrüstung". Das Genfer Telegramm des „Daily Herald" ist überschrieben „Konfussion in Genf." „Times" schreibt: Der neue Plan Litwinow sei ein neuer Sowjet- Versuch, die öffentliche Meinung in den bürger­lichen Staaten zu verwirren. „Morning Post" und Daily Telegraph wenden sich scharf gegen Litwi­now und gegen die Anwesenheit der Sowjet- Delegierten in Genf.

Ier Bericht -es Webus-UntersuchuGauMusses

zehnten dahin, den Katholischen Lehrerverband auszubreiten und dem katholischen Volke gute ka­tholische Lehrer zu stellen. Bis in die letzten Mo­nate hat er mit großer Hingabe und Sachkenntnis an dem Schulgesetz mitgearbeitet. Leider ist ihm ein unmittelbarer Erfolg versagt geblieben. Die Zentrumspartei und das katholische Volk sind dem Verstorbenen Dank schuldig. Diesen Dank wollen wir ihm dadurch abftatten, daß wir seiner im Ge­bete gedenken. Möge der Herr über Leben und Tod ihm ein gnädiger Richter sein!

* Für Aufhebung der Ländergesandlschasten. Die demokratische Reichstagsfraktion hat eine Ent­schließung eingebracht, in der die Reichsregierung ersucht wird, mit allem Nachdruck auf die Länder dahin einzuwirken, daß die kosffpieligen Gesandt­schaften der Länder untereinander aufgehoben wer­den. lieber das Ergebnis soll dem Reichstag Be­richt erstattet werden, *" ' -

lieber den Inhalt des Berichtes des Phoebus- Untersuchungsausfchusies teilt die „S. A. Z." mit:

Es wurde festgestellt, daß der Sonderfonds aus drei Quellen gespeist wurde: dem Ruhrfonds und den Restbeträgen aus dem Tokiofonds für Kriegs­gefangenentransporte, sowie den Erlösen von Pri- senschiffen und Geräten aus dem Marineetat und aus Mitteln, die Kapitän Lohmann auf dem Kre- ditwege aufbrachte. Zur Frage der Vollmachten wurde festgestellt, daß Lohmann Handlungsfreiheit hatte. Die Sozialdemokraten stellten sich im Aus­schuß auf den etatrechtlichen Standpunkt, daß nach dem Fortfall des unmittelbaren Anlasses die mit dem Ruhrfonds geschaffenen Einrichtungen nickt bestehen bleiben durften und daß der damalige Reichswehrminister und der Ches der Marinelet- tung, weil sie von dem Fortbestand wußten, für diese Ctatwidrigkeit verantwortlich seien. Die Der- tretet anderer Parteien widersprachen dieser Auf­fassung. Allgemein wurde festgestellt, daß es sich bei dem aus dem Ruhrfonds stammenden Mitteln um etatsmäßige Mittel gehandelt habe, die der Prüfung des Rechnungshofes hätten unterliegen müssen. Es wurde insbesondere festgestellt, daß Kapitän Lohmann niemals eine Abrechnung er­stattet hat. Es ist auch niemals eine Revision er­folgt. Die Rohbilanz ergibt pro 20. Mai 1928 Gesamtpassiva in Höhe von 35,161 Millionen, da- von zu Lasten des Reiches 25,9 Millionen. Auf- gründ seiner gesamten Feststellungen richtet der Untersuchungsausschuß bestimmte Vorschläge an den Haushaltsausschuß. Darin wird festgestellt, daß mit Ausnahme der dem Ruhrfonds entftam« menden Mittel die Verwendung der übrigen Mit- tel eine schwere Verletzung des Etatsrechts bedeu­tet habe. Es wird gefordert, daß die völlige Li­quidation aller Lohmann-Unternehmungen erfolgt, wobei alle Möglichkeüen zu Regreßansprüchen ge­gen Treuhänder zu Ersparnissen durch Ablehnung von Verpflichtungen aus Bürgschastsversprechen des Kapitäns Lohmann usw. wahrgenommen wer­den sollen. Es wird ferner festgestellt, daß der Lohmann-Fonds der Rechnungsprüfung durch den Rechnungshof unterliegt Dieser soll dem Haus- baltsausschuß am 1. Juli einen Bericht über den Stand der Liquidation der Lohmann-Unterneh­mungen vorlegen.

In dem Bericht des Ausschußes, aus dem das Nachrichtenbüro des V. D. Z. Einzelheiten mittet- len kann, ist folgende

Erklärung des Reichswehrministers Gröner über die Geldquelle enthalten:

Sonderfonds des Kapitän Lohmann wurde aus drei Quellen gespeist. Einmal handelt es sich dabei um Beträge, die nicht zu den planmäßigen Haushaltsmitteln der Marine gehörten. Ich denke daber an ine b em Ruhrfonds entstammen­den ©efter, sodann an Restbeträge aus dem söge- nannten Tokio-Fonds für Kriegsgefangenen» transporte des ferneren an Erlöse aus dem Ver- kauf von P r i f e n - S ch i f f e n und Geräten. Die zweite Kategorie der Lohmann - Mittel ist dem Marine-Etat entnommen. Die dritte Kategorie umfaßt diejenigen Beträge, die von Kapitän Loh­mann auf dem Kreditwege aufgebracht worden sind. Die dritte Kategorie der Lohmann- Mittel macht es verständlich, wie es zu der gan- zen Geldwirtschaft des Kapitän Lohmann gekom- men ist.

Die Einnahmeposten für den Lohmann-Fonds beim Reichsmarineamt fetzen sick wie folgt zusam­men: 1. Ruhrfonds rund 10 Mill. Mark, dazu Zuschüsse 340 000 Mark. 2. Restaelder aus dem ^WEfangenentransport, dem Tokio-Fonds 924 790 Mark. 3. Erlös aus dem Verkauf von drei Prisenfchiffen 152 000 Mark. 4. Erlöse aus bem Verkauf von Geräten 150 000 Mark 5. Mittel aus bem Marine-Etat und zwar für Herbst. Übungen der Motorboote 145 000 Mark und für 995 000 Mark, zusammen 1 222 Mark. 6. Kredite 1926 insgesamt

6 950 000 Mark. Insgesamt ergibt sich eine Summe von 19 700000 Mark.

Don den Krediten entfallen auf eine Hypothek auf das Tiergartengrundstück 1% Mill. Mark auf die Bremer Antioquia-Bank 900 000 Mark, auf die Giro-Zenttale 1,3 Mill, und auf die Seehandlung 3 Mill. Mark.

Die Besprechung ergab, daß die Ueberroei- fung der ersten 10 Mill, an den Lohmann-Fonds

auf die Art vor sich gegangen ist, daß das Reichs- wehrministerium aus bem ihm zugeflossenen Mit­teln des Ruhrfonds diese Summe selbständig dem Reichsmarineamt überwies. Dem Kabinett Strefe- mann ist von dieser Abzweigung nichts bekannt geworden. Außerhalb des Reichswehrministeriums wurde die Existenz der Lohmann-Unternehmun- gen im Jahre 1926 dem Reichsfinanzminister Reinhold bekannt, als er um weitere Mittel an­gegangen wurde, lieber Zuflüße an den Lohmann- Fonds vor*dem Ministerium Cuno 1923 ist, wie der Reichswehrminister Gröner ausdrücklich er­klärte, nichts festgestellt worden.

Die 3 MMonen-Kvedite der Seehandlung ent­nahm Lohmann, wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, selbständig aus einem größeren im Einvernehmen mit dem Reichswehrministerium er­öffneten «Strebit zur Unterstützung des Tankschiffs­baues. Er hat diesen Krebst in Höhe von zehn Millionen und bie Bürgschaft für einen weiteren 7,9 Millionen-Krebit bei bet Bremer Schröder- Bank zum gleichen Zweck im Einverständnis mH dem Reichswehrministerium aufgenommen bezw. gegeben. Das Wehrministerium verttitt den Stand- Puntt, baß Finanzminffter Reinholb die Bürgschaft genehmigt habe. Von demokratischer Seite wurde dem widersprochen. Der Zuftutz von Geldern aus Jndufttie-, Handels- oder Bankkreisen ist nach Angaben des Reichswehrminffters nicht festgestellt.

Hebet bie Vollmachten Lohmanns erklärte Ab- miral Zenker, sein Vorgänger, Abmftal Behnke, habe bem Kapitän Lohmann bestimmte Anweistrngen unb Richtlinien erteilt. Freiheit habe Lohmann nur in bet Wahl bet zweckmäßigsten Wege unb Maßnahmen gehabt. Den Lohmann- Fonbs burch bie Etatsabteilung verwalten zu las­sen, sei aus militärpolitischen Gtünben während der Ruhrbesetzung vermieden worben. Für bie er^e Gruppe bet Unternehmungen trägt bie Marine- leitung die volle Verantwortung. Sie seien mit Billigung des Ministers auch nach Erledigung des Ruhrkampfes bestehen geblieben.

Darin erblicken die Sozialdemokraten eine Etats- Widrigkeit. Andere 5ßarteten meinten dagegen, es wäre unzweckmäßig gewesen, die aus dem Ruhr- fonds mit echeblichen Aufwendungen geschaffenen Einrichtungen sofort aufzuheben. Auf sozial-bemo- krattsche Fragen toutue festgestellt, baß Lohmann niemals eine Abrechnung ober einen parlamen­tarischen Beirat gewünscht habe. ES ist aucy nie­mals eine Revision erfolgt.

Der Unterausschuß schlägt dem Haushaltsaus- schuß folgende Entschließungen vor:

„Die Lohmann-Mittel, soweit sie aus dem Ruhr-Fond stammen, sind etatsmäßig angewiesene Mittel; sie der Kontrolle der Haushaltsabtetlung des Reichswehrministeriums zu entziehen, unzu­lässig, wenn auch für die Zeit der Ruhrbesatzung erklärlich.

Die Verstärkung des Ruhr-Fonds mit Mitteln, die ihrer Herkunft nach den eigenen Einnahmen des Reiches hätten zugeführt werden können, ist eine schwere Verletzung der Reichs- Haushaltsordnung.

Die von Kapitän Lohmann aufgenommenen Kredite und gegebenen Bürgschaften stehen außer­halb des Etats-Rechtes. Soweit verantwortliche andere Stellen für Lohmann eine Deckung ergeben haben, ist eine Verletzung des Etatsrechtes durch jene Stellen erfolgt.

Die ursprüngliche Generalermächtigung für Ka­pitän Lohmann bezog sich auf die Verwaltung etatsmäßig bewilligter Mittel. Die Ausdehnung des Aufgabenkreises des Kapitän Lohmann über die ihm gegebenen Anweisungen sind mit dem Etatsrechte unvereinbar. Dabei sind alle Möglichkeiten der Regreß-Ansprüche wahrzuneh­men.

Dem Haushaltsausschuß ist am 1. Juli 1928 ein Bericht über den Stand der Liquidation vorzu­legen."

Im übrigen erwartet der Hauptausschuß, daß die Auflösung der Sonderfonds bei den Ministe­rien und die vom Reichskanzler gewünschte Kon­troll-Kommission für den Reichs» wehretat umgehend erfolgt.

Zum Schluß erklärte der Unterausschuß, daß der Bericht an Hand der bekannt gewesenen und bekannt gewordenen Tatsachen verfaßt fei. Uebir diesen Untersuchungskreis hinaus müße der Untersuchungsausschuß es ablehnen, für etwaige Unvoll st cindigkeiten des Berichtes die Verantwortung zu tragen.

Zum Tode Rheinländers.

In der Fraktionssitzung des Zentrums widmete der stellv. Vorsitzende Abq. Dr. Stegerwald dem verstorbenen Abg. Rheinländer folgenden Nachruf:

Es gibt keine zweite Fraktion des Reichstages, die jo vom Tode heimgesucht wurde, wie die Zen­trumsfraktion. Der Abg. Rheinländer ist, wie mir versichert wurde, der siebzehnte Frak­tionskollege, der durch den Tod von uns genommen wurde. Rheinländer gehört zu den Menschen, die im Reichstag keinen persönlichen Gegner hatten. In der Fraktion war er sehr zurück­haltend, wie er sich überhaupt durch seine Beschei­denheit auszeichnete. Er war ein tiefreügiöier Mann. Schon lange, bevor er in den Reichstag kam, stand er an exponierter Stelle des öffentli­chen Lebens. Seit Jahrzehnten war er Vorsit­zender des Katholischen Lehrerver- b a n b e 5. Und hatte schon früh erkannt, daß eine christliche Schule ohne christliche Lehrer nicht zu denken ist. Daher ging sein Bestreben seit Jahr-

Was ist uns die deutsche Republik?

Unter diesem Titel veröffentlicht der Zentrums- abgeorbnete Joseph Joos in der Reichsausgabe des „Westdeutschen Volksblatts", „Der Deutsche Weg" (Nr. 17) einen grundsätzlichen Artikel, der eine weitere Beachtung verdient. Die Joos'schen Ausführungen geben eine wertvolle Einleitung für die Betrachtung der großen Probleme vom Staat, die im Hinblick auf das Ziel, das bei den kommen­den Wahlen im Auge zu behalten ist, von beson­derer Bedeutung sind. Wir heben aus dem Ar­tikel folgende wichtigere Abschnitte hervor:

Die Entscheibung der drei Parteien, die in Weimar zu verantwortlicher Arbeit am neuen Verfassungswerk zusammentraten, war eine eminent politische. Sie erfolgte aus einem Staats- geift, der sich um den Staat selbst größere Sorgen machte, als um eine zerbrochene Form.

Was mar um Weimar? Erbitterte Feinde über uns, die Landesgrenzen im Osten und Westen eingerissen, fremde Fahnen am Rhein und an bet oberen Oder. Jrn Inneren ein ausgehungertes, in feinen Nerven zerstörtes, durch namenlose Enttäuschungen niedergedrücktes, verwirrtes, hoff­nungsloses Volk. Die Autorität von gestern dahin, eine neue nicht da, die asiatisch-russische Idee der Aufrichtung der Diktatur des bewaffneten Prole­tariats im Kampfe mit dem Gedanken der Begrün- düng eines demokratischen Dolksstaates. Arbeiter­und Soldatenräte gegen politische Parteien. Und daneben von den Ereignissen gelähmte, fassungs­los gewordene, teilnahmslos abseits stehende Massen im Bürgerttim. Die Entscheidungsfrage in Weimar war nicht: ob die Monarchie ober bie Republik, ob diese ober jeneOrbnung, sondern ob überhaupt Ordnung ober Anarchie.

Ein gefährlicher Gedanke, eine politische Ver­lockung wühlte damals noch in zerquälten Ge- hinten, die Spekulation auf eine neue Katastrophe. Es mar ein Spiel auf Leben unb Tod, was sich in Gedanken und Plänen verdichtete: Steigerung der Verzweifelung, Bolschewisierung der inneren Zu­stande als Ausgangspunkt zu aktkioer Politik. Eine bessere Einsicht und ein Gefühl höherer Verant­wortung hat uns diesen Weg als unpolitisch unb halsbrecherisch, als unmöglich erkennen lassen. Der Gedanke wucherte weiter. Wir wußten es. Noch in Spaa im Juli 1920, als es um die Lieferung von zwei Millionen Tonnen Kohlen pro Monqt ging, flackerte er auf. Es war Verzweiflung, nicht Politik. Wo immer sich diese wirre Idee äußerte und Form gewinnest wollte, haben wir sie von uns gewiesen. Nicht aus weichlicher Nachgiebigkeit gegenüber fremdem Druck, nicht aus Schwäche und

Mangel an Mut, aus Einsicht und Sinn für bie uns umgebenbe Wirklichkeit, Verzweiflung ist im­mer ein Ende von Politik.

Man hat bas schwer um staatliche Festigung ringende deutsche Volk von außen her nicht ermu­tigt Wir haben doch gewagt, zu glauben an unser eigenes Volk, an das Beste in ihm und an den endlichen Aufbruch neuen Geistes in der Welt. Die Republikaner haben ihre nationale, wie ihre soziale Aufgabe begriffen und ihre Pflicht getan.

Dreifach war unser Kampf: zunächst gegen die Gefahr der Lockerung, bei Zerreißung, bie Verge­waltigung des Reiches und feiner Einheit. Ein Kampf gegen die Wahnvorstellungen, als ob un- ferm Volke eine unbegrenzte Leistungskrast inne­wohnte, als ob man mit Kontrollen, Besetzungen, Reparationen Wunderdinge aus uns herauspressen könnte. Und es war schließlich ein Kampf um die Entgiftung der politischen Atmosphäre Europas, um die Wiedererlangung einer menschlichen Sprache gegen Deutschland, unb um Geltung dieses großen Volkes.

In der deutschen Republik wollen wir Volk werden. Wir können nicht in Jahren gut machen, was in Jahrhunderten an innerem Volks- gefühl und Volkszusammenhalt zerronnen und zerfallen ist. Aber eins können wir uns vor­nehmen, wieder aus bloßer Maße lebendiges Volk schaffen zu wollen. Das können wir. Das liegt in unsrer Macht. Volk wird nur, wenn es im Staat Heimat findet . . .

Die Republik kann nut sozial sein, sozial im weitesten Sinne, nicht bloß sozialpolitisch, oder sie wird keinen Bestand haben. Ihre Aufgabe im Innern ist, aus Enterbten wieder Erbende zu machen . . .

Der Staatsgeift der Republik muß stärker sein als der sich in ihr entfaltende Wirtschaftsgeist. An der Hoheit des Staates wie am Wohle der Ge­samtheit findet der Machtwille des Einzelnen und der Gruppen feine Grenzen . . .

„Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen unb von dem Willen beseelt, fein Reich in Frei­heit und Gerechtigkeit zu erneuern unb zu festi­gen, bem inneren Frieden zu dienen unb ben gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern,"

so tautet der Dorspruch unserer Reichsverfassung. Er ist ein Bekenntnis, eine Mahnung, eine Ver­heißung.

Ein Bekenntnis: Wir wollen es. Wir wollen, daß aus bet vielgepriesenen Vielseitigkeit, Vieler-