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Fuldaer Zeitung
Gottesdienstordnuna
felerl. Vesper mit Andacht zur Mutter Gottes
Bruderschaft von den sieben Schmerzen Mariä,
das
und
Uhr
mit Predigt. s'«ll Christenl. Um */«2 Segensandacht. Gelegenheit zur bl. Beichte ist Samstag und Sonntag Morgen von 6 Uhr an, Samstag Nachmittag Beichtgelegenheit ab 4 Uhr. — KbteiNrche der Benediktinerinnen.
Mehr Publizität in -er Wirtschaft!
Don volkswirtschaftlicher Seite wird uns ge schrieben:
Der Ruf nach einer schärfern Durchleuchtung der Wirtschaft ist namentlich nach dem Kriege lebendig geworden, und zwar vornehmlich aus zwei Gründen. Wir haben teilweise im Kriege, vor allem aber nach demselben erkannt, daß die Statistik, vermittelst der wir die Wirtschaft zu durchleuchten glaubten, uns nicht immer ein genügend zuverlässiges Licht gewesen ist. Wir sind teilweise, so zum Beispiel hinsichtlich unserer Ernährungsmöglichkeiten, objektiv irregeführt worden. Ein Wiederaufbau unserer Wirtschaft, vor allem aber eine zweckdienliche Rationalisierung, setzen voraus, daß wir auch in die öffentliche Wirtschaft einen zutreffenden Blick tun, in der Zeit der Kapital- und Kreditnot einer Verwendung öffentlicher Mittel nach ihrer absoluten Zweckmäßigkeit besser kontrollieren können. Der zweite Grund, weshalb mehr Publizität in der Wirtschaft verlangt wird, ist der Umstand, daß der Wirkungsgrad unserer Wirtschaft heute weit mehr als früher abhängig ist von der bewußten, lebendigen Anteilnahme der Arbeitnehmer an derselben. Sollen auch sie zu erhöhten Leistungen sich bereit zeigen, so verlangen sie umge- kehrt die Möglichkeit, in die Wirtschaft und einzelne Betriebe, speziell deren geschäftlichen Ablauf, einen stärkern Einblick zu tun und an den Erträgnissen entsprechend teilzuhaben.
Der Forderung nach einer erhöhten Publizität der Wirtschaft, insbesondere nach der privatwirt- schaftlicher Seite, wird aber nur dann allgemein entsprochen werden können, wenn sie der absolut objektiven Erwägung entspricht, damit auch lediglich der Volkswirtschaft und Volksgemeinschaft dienen zu wollen. Sollte die Forderung jedoch erhoben und jede Zahl und materielle Unterrichtung dazu benutzt werden, um kleinliche und einseitige Interessen zu verfolgen oder gar darüber hinaus als Rüstzeug zum Kampf gegen den Nächsten zu verwenden, fo wird eine erweiterte und tiefgehende Publizität schwerlich in obigem Sinne zweckdienlich sein. In einem Aufsatz „Publizität in der Wirtschaft" im „Wirtschaftsdienst" (1928,1), in welchem der Verfasser sich diesen Ruf durchaus zu eigen macht, bemerkt Dr. E. Respondek hn einzelnen:' „Wenn unter „Publizität" verstanden wird das Hinstellen irgendwelcher Daten, die für den jeweiligen Interessen- oder Machtkampf von Vorteil sind, das Lauern auf einen schwachen Punkt, das Verdächtigen und Beschuldigen bei Offenlegung der Interna wirtschaftlichen Geschehens, so sollte' jede Publizität besser unterbleiben. Die Gefahr, welche < darin liegt, durch eine vollkomürene Unterrichtung den öffentlichen Zank unter den berufenen und um
jetzt in Paris durch Mussolini erneut ausgenom men werden, der übriaens Ende Oktober 1927 an läßlich des Jahrestages des Faschistenmarsches au Rom im fiafen von Tanger eine kleine Flöt- tendemonstration veranstaltete und dabei feine Ansprüche laut in alle Welt verkündete. Von den vier beteiligten Mächten sind England, Italien und Spanien durch ihre Pariser Botschafter vertreten, während für Frankreich der Generalsekretär des Außenministeriums Berthelot das Wort führt.
Nein, er ertrug es nicht mehr!
Die Stirn krausend, erhob er sich, ging bis zur Kanu mertür und spähte in den Raum.
Da lag das Dingelchen mit krebsrotem Gesicht in seiner Wiege, hatte die Fäustchen gegen den Mund gepreßt und saugte unter seinem krähenden Schreien wie verzweifelt an ihnen.
„Der Wurm hat Hunger," glaubte Klaus zu verstehen. Nun, er konnte ihm auch nicht helfen. Wollte auch nicht. Denn was ging ihn das Kind an!
Seine Augen, die im Anfänge mehr neugierig geblickt hatten, bekamen einen düsteren Ausdruck. Also das war das Kind Gesines! Wie er es haßte, wie ihm sein Anblick zu etwas Widerwärtigem wurde, eine ganze Reihe unangenehmer, peinigender Empfindungen erzeugte! Er wandte sich hart ab. Nein, es um keinen Preis mehr sehen! Und er schritt kurz entschlossen der Tür des Wohnzimmers zu, um in den Garten zu gehen. — Auf halbem Wege kam ihm ein weicheres Empfinden, das feinen Fuß stocken machte.
Was konnte das Kind dafür, daß es auf der Welt war. Ach, nichts! Aber ganz gleich:: er haßte es doch. Und schon lag seine Hand auf der Klinke.
Aber wenn sich das unschuldige Wesen nun krank schrie. Es konnte sogar fein, daß es sich tot schrie. Oder schrien sich kleine Kinder nicht tot?
Nun, dann mochte es sich totschreien. Wenn Kind nicht mehr war . . .
Er brachte fein rohes Denken nicht zu Ende. Wie um diese Gefühlsroheit wieder gut zu machen, trat er hastig auf die Diele und rief einer gerade anwesenden Magd zu, sie möchte sich um das Kind bekümmern und ihm zu trinken geben, da die Bäuerin nicht im Hause sei.
So, er würde nun nicht zum Mörder an ihm werden!
Der Gedanke an einen Gang nach dem Garten war ihm verloren gegangen. Mit einem erleichterten Aufatmen trat er in das Zimmer zurück und wartete auf das Erscheinen der Magd. Sie kam bald, trug ein Fläschchen mit Milch und warf dem Fremden einen musternden, merkwürdig erstaunten Blick zu, ehe sie in die Kammer trat.
Gleich darauf verrann das Weinen. Klaus empfand »ine stille Befriedigung. Aber dies sein schweres Sm-
lkathoiischer Gottesdienst.
Sonntag, den 25. März 1928. gulba. vom 1. Beichtgelegenheiten sind: Samstaa morgens von b',6 Uhr ab; nachmittags von 2—3 für Kinder; von */s5—7 und von *A8 Uhr ab für Erwachsene; Sonntag morgens von J/s6 Ubr ab. 2. SonntagsgotteSdienste: 7«6, 6, 7»7 und 7 Uhr hl. Messen mit Gelegenbeit zum Empfang der hl. Kommunion. In der G und Vi7 Uhr-Messe Oster- und Generalkomm. der Männer und Jungmänner. 8 Uhr Pfarramt mit Predigt, Komm, der Kinder des 5. Schuljahres, Generalkommunion der Schulentiaffenen. Um V.10 Kathedralamt mit Predigt. ’/«ll Christenl. der Jünglinge. 7,12 letzte HI. Messe mit Predigt für die Männer. Um 7,2 Andacht zum hl. Erzengel Michael. 2 Christenl. der Jungfr ”,'«3 feier!. Schluß 'der religiösen Männerwüche, Predigt, Te Denin, pipstl. Segen. 4 Uhr Fastenpredigt mit Segen. 7 Uhr abends Andacht in der Martenkapelle. 3. Werktagsgottesdienste: Jeden Morgen von 7-6—7 Uhr halbstündlich HI. Meffen mit Austeilung der HI. Korn. 7«8 Uhr Pfarroottesdienst mit HI. Kommunion. 9 Uhr letzte bl. Meise mit Austeilung der hl. Kommunion. Montag 5 Ubr Andacht zum HI. Joseph. Freitag um 5 Uhr nachmittags Kreuzwegandacht. — Stadtpfarrkirche. Gelegenheiten zum Beichten sind: Samstag nach- mittags von 3—7 (nur für Männer), 77.-87«, ISonn- tag früh von 5'/,—7 Uhr. Sonntagsgottesdienste: 5'/« Uhr hi. Messe, 67- Generalkomm. der Männer, 6’/« hl. Messe. 8 elfter Schulgottesdienst, Predigt und Komm, des 5. Schuljahres. 97- Uhr Pfarramt und Predigt. 11 (nur für Männer) hl. Messe und Missionspredigt. 9V« Christenl. der Jünglinge in der Severikirche. 17« Christenl. der Jungfr. 2'/, feiert. Schluß der religiösen Männerwoche. Andacht für den Mütterverein ist auf den Palmsonntag verschoben. Die heilige Kommunion wird von 5*/i—77s jede halbe Stund? gespendet, außerdem um 87- u. 9V« Uhr. Werktagsgottesdienste: 6. 67i, 7>|4 u. 8 Uhr. Mittwoch, Freitag,Samstag früh 6 Beichte. Mittwoch 5 Kreuzweg. Freitag abend 8 Fastenpred — Pfarrkirche zum heiligen Seist. 7 Frühmesse und An- spräche (Komm, des Müttervereins). 8 Hochamt und Predigt, Komm, des 5. Schuljahres. '1.11 Kindergottesdienst und Ansprache. 7.12 Christenl. der Jünglinge 7i3 Predigt und Andacht (Mütterverein). 5 Andacht Vor der Schulmesse, die 7'/. Uhr beginnt, noch eine hl' Messe um 6 Uhr früh täglich. Beichte: An allen Wochen, tagen eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst, an den Tagen vor Sonn, u. Feiertagen von 4—6 Uhr' abends. Kommunion-Austlg.: An Werktagen vor und nach dem Gottesdienst, an Sonn- u. Feiertagen auch im Hochamt — Sobalität. Der Gottesdienst fällt aus. — St. Sturmiur-psarrkirche. 7.8 Kommunion - Austeilung '/18 Frühmesse mit Predigt. Kommunion der Männer und der Kinder des 5. Schuljahres. 7,10 Hochamt
n o ft r o" möchten. Es ist also damit zu rechnen, daß er auf der Pariser Konferenz weitgehende Forderungen aufstellen wird, die alsdann mit keinen anderen Forderungen bezüglich der Rechte der Italiener in Tunis und der Frage der Grenzzieh- ung zwischen Tunis und Tripolis mannigfache Schwierigkeiten zeitigen dürften. Die Stellung Italiens ist deshalb nicht ungünstig, weil es in hohem Maße mit der Unterstützung Englands rechnen kann. Bekanntlich hat das Londoner Kabinett mit neuen Schwierigkeiten in Arabien zu rechnen, die durch die Mißstimmung der Eingeborenen gegen die englische Herrschaft in Mesopotamien und in Aegypten, also in den beiden Nachbarländern Arabiens, noch vermehrt werden. Im Süden Arabiens, im Iemengebiet, besitzt aber Italien von Eritrea her eine ziemlich unumschränkte Gewalt, die es für und gegen die Engländer verwenden kann. Gerade weil England in Arabien jetzt beschäftigt ist, wird es auf der Pariser Konferenz sich das italienische Wohlwollen nicht verscherzen wollen. Der vor zwei Jahren von Primo de Rivera vorgebrachte Wunsch, das ganze Tangerabkommen neu zu regeln, könnte also
sten bleibt auch nach dem neuen spanisch-französischen Abkommen in den Händen Frankreichs, d. h. Frankreich behält weiter die ausschlaggebende Macht in Tanger. Uebrigens hat Amerika die Regierungen in London, Paris, Madrid und Rom davon in Kenntnis gesetzt, daß die Vereinigten Staaten in Bezug auf ihre Stellung in Tanger und Marokko alle Vorbehalte aufrechterhalten, falls bei der Viermächte-Konferenz in Paris Entscheidungen gefällt würden die den Status der Tangerzone änderten. Die Mitteilung ist natürlich mit Ueberraschung ausgenommen worden, weil, wie gesagt, Washington bisher das Tangerstatut nicht unterzeichnet hat. Faktisch wird der Vorbehalt die Stellung Frankreichs und Englands stärken.
Die an und für sich ganz natürliche Haltung Italiens bis zur Unterzeichnung des Tangerstatuts im Jahre 1923 ist von Mussolini aufgegeben worden. Als Primo de Rivera vor zwei Jahren seine Ansprüche anmeldete, da tat er das mit offenkundiger Unterstützung Italiens, dessen antik römische Machtgelüste^ bekanntlich das Mittelländische Meer zu einem römischen Binnensee machen „ m a r e
Neuenberg. 'A9 Amt mit Predigt. — Lehnen. Um 87. Uhr Amt mit Predigt. — Dielerrhan. Um 10 Uhr Amt mit Predigt.
Montag, den 26. März. Frauenberg. Festfeier Mariä Verkündigung; 8 Uhr Levitenamt. Nachm. 7i5 feierl. Komplet mit Andacht und sakram. Segen.
Dienstag, den 27. März, grauen berg. 6. Dienstag der Novene zu Ehren des HI. Antonius. Aussetzung des Allerhlft. von morgens 5 Uhr bis zum Schluß des Hochamtes. >/i8 hl. Messe mit Antoniusandacht. */i9 Levitenamt, darauf Fastenpredigt und Kreuzwegandacht. Nachm. 7,5 Uqr Antoniusandacht.
Freitag, 30. März, grauenberg. Fest der sieben schmerzen Mariä. Gegen 7.7 Uhr Levitenamt. Nachm. 7-8 feierl. Komplet und Andacht zur schmerzhaften Mutter mit sakram. Segen.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 25. März, gulba. Bonn. 97, Uhr Sup. Ruhl. 11 Uhr Kinder ottesdienst. Nachm. 2 Uhr Konfirmanden - Prüiunz. Amtswoche Sup. Ruhl. — Großenlüder Vorm. 971 Uhr Pfarrer Weber.
Dienstag, 27. März, gulba. Abends 8 Uhr Kirchenchor.
Mittwoch, 28. März, gulba. Um 8 Uhr abends Pasponsgottesdienst in der Kirche.
Goangel. lanberkirchl. Gemeinschaft, gulba, vultlarstr. 17.
Sonntag, 25. März, abends 8 Uhr Eoangelisations. Vortrag: „Jesus und die Griechen". Prediger Beider- »leben. Dienstag abend 87« Uhr Bibel- und Gebet- stunve. Es ist jedermann herzlichst eingeladen.
2. Blatt.
Druck bet gulbaet Acliendruckerei, Fulda
I nen leichter machende Gefühl hielt nicht an. Es war I ®enig seßhaft nue ein Wandervogel irn stürmereichen grauen Herbst. Bald war fein Deuten bei Gesine, bald fprang es ab und beschäftigte sich mit der Person des Bruders. Dann wieder weilte es bei den Vorgängen ber Nacht. Es lief wie auf Irrwegen und suchte vergeblich nach einem Ruhepunkt, von dem aus es einen kurzen Ausblick in die Zukunft hätte tun können.
Unb als Klaus sich endlich zu der Frage zwang: Was wird, was soll nun werden? fand er keine ihn völlig befriedigende Antwort.
Die Lösung, daß Gesine ganz einfach mit ihm ging, toar zwar die von seinem heißen Blute ersehnte und deuchte ihn auch die natürlichste. Denn er gehörte nun einmal mit ihr zusammen. Aber ihr Gehen würde Lücken reißen: Hinnerk verlor fein Weib, das Kind die Mutter, der Hof die Bäuerin. Dursten sie über diese Folgen ihres Handelns mit einem leichtfertigen Achsel- 3U(fen hinweg? Und würde es ihnen zum Segen gereichen, wenn sie es taten? Sie zerrissen doch heilige Bänder, um ein unheiliges zu knüpfen!
Oder war es keine Sünde, wenn man so handelte, wie die Liebe es verlangte?
In den Augen der Liebe wohl nicht — denn die trieb ja dazu. Aber Religion und Sittengefetz würden die Stirn runzeln und drohend ihre reinen Hände erheben.
Und wenn man ihnen zum Trotz dennoch ging? Ach, es war eine lange Kette wirrer, ungeklärter Gedanken, die durch das Hirn des Sinnenden zuckten und ihn endlich der Fähigkeit beraubten, ihren verschlungenen Wegen noch länger zu folgen.
Da hatte er feine Heimkehr mit allem, was er nie erwartet! War das überhaupt eine Heimkehr? Nein, bas Finden einer grausen Fremde allein. Es war alles so leer und kalt und tot. Nichts hatte freudvolle Augen, nichts ein wahrhaft volles Lächeln als Gruß zum Willkomm. Nur eine gähnende, öde Leere überall . . .
War es da nicht am besten, wenn er sofort wieder ging?
Länger denn eine Stunde hatte er schon im dumpfen Vorsichhinbrüten verbracht, als ihm dieser Gedanke plötzlich wie etwas ganz Neues, bisher nicht Bedachtes kam, und zunächst nichts weiter in ihm auslöste als ein überlegenes Lächeln. . ,
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. ------- ------ -------- und
sakram. Segen. — $t. Mchaelskirche. Nachm. 2 Uhr
Nein, das würde er nicht tun! Das konnte er gar I nicht! War denn seine Liebe so morsch und matt, daß sie vor Hindernissen feige zurückwich? Hindernisse! Wo waren denn solche? Gesine wollte ja mit ihm gehen . . . wenn Hinnerk auch mit in der Schuld stand . . .
Ja dann! Aber ... wenn nicht? Kam es dann auch zu der schnellen, leichten Lösung? . . .
Es war jene einzige Wirrnis. Sie machte Klaus ;;be. wie krank. Eine grenzenlose Gleichgültigkeit nahm von seiner Seele Besitz. .
Ja, was sollte, was wollte er noch daheim! Fort, nur erst wieder fort! Die bunte Fremde da draußen, fern, jenseits des Meeres, würde ihm den Trank des Vergessens reichen.
Diese Hoffnung stand urplötzlich als das stärkste in ihm auf, hing um feine Liebe einen dunklen Mantel und ließ ihn mit einem Lächeln voller Bitternis sich erheben.
Dort lag der in Glas und Rahmen gefaßte Totenschein, den er vorhin so verächtlich auf den Tisch geschleudert. Mit zitternden Händen griff er darnach und hielt suchend Umschau nach Tinte und Feder. Auf einem Wandbrette fand er beides. Nach kurzem Ueberlegen tauchte er die Feder ein und schrieb auf die Rückseite mit steifen, ungelenken Buchstaben:
„Ich gehe wieder, Gesine. Ich muß fort. Es ist am besten fo. Sonst kommt zu alter Schuld noch neue . . .
Nun ist dies hier wirklich ein Totenschein, fieb’ wohl und vergiß mich, Gesine. Ich kehre nie wieder.
Klaus Jörnsen."
Und diesen Abschiedsgruß nun dort bergen, wo sie ihn allein fand. Er überlegte nicht lange. Die Wiege ihres Kindes war dieser Ort. Mit leisen Schritten ging er in die Kammer. Die kleine Gesine schlief wieder. Ganz behutsam hob er das Bettchsn und legte den Totenschein zu den Füßen des im Traum süß lächelnden Kindes nieder . . . „Cs soll dein Leben sein," murmelte er, „ein Leben unter deiner Mutter Sorge und Obhut." . . .
Seine Füße wankten, als er über die Diele schritt. Ein letztes Besinnen wollte ihn halten. Aber er schlug es trotzig nieder. Und als die Sonne dem Zenit nicht mehr fern war, grüßten ihn schon die Türme Bremens.
(Fortsetzung folgt).
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Samstag, 24. Mär, 1928. *
Die pariser Tangerkonferenz.
2lm. Dienstag hat der französische Außenminister Briand in Paris die Tangerkonferenz eröffnet imd als ihr Ziel die Kenntnisnahme einiger auf Wunsch Spaniens vorgenommener Modifikationen des Tangerstatuts bezeichnet. Die Tagesordnung wäre damit sehr eng umrissen. Es ist aber anzunehmen, daß die Besprechungen viel bedeutsamer werden und wahrscheinlich die gesamte Mittelmeerfrage aufrollen. Denn schon heißt es, daß die Konferenz wahrscheinlich einen ganzen Monat dauern werde.
Was die auf Wunsch Spaniens vorgenommenen Modifikationen des Tangerstatuts anbelangt, fo sind sie nicht besonders wichtiger Natur. Dieses vorläufige Abkommen Mischen Frankreich und Spanien ist am 3. März nach etwa dreiwöchentlichen Verhandlungen unterzeichnet worden. Es wird darin alles beim alten belassen bis auf die Stellung der Gendarmerie, die einen spanischen Offizier als Oberstkommandierenden erhält, der sowohl in der Stadt wie auch in der Tangerzone den Polizeidienst versehen soll. Es soll außerdem ein spanischer Generalinspekteur ernannt werden, der für die gesamte öffentliche Sicherheit verantwortlich ist und den Behörden in Tanger in allen diesen Fragen Vorschläge machen darf. Man weiß, daß der spanische Diktator Primo de Rivera vor zwei Jahren Ansprüche auf ganz Tanger erhob, weil er nur so den Schmuggel nach Spanisch-Marokko,, insbesondere den Waffenschmuggel, bekämpfen könne. Er verlangte damals die Einverleibung des internationalen Tanger in Spanisch-Marokko oder ein spanisches Völkerbundsmandat für diese Landzone. Seine Forderungen waren so hartnäckig, daß er darüber sogar feinen Austritt aus dem Völkerbund erklärte. Was ihm jetzt durch Frankreich bewilligt worden ist, ist vielleicht geeignet, die spanischen Beschwerden wegen de« Waffenschmuggels zu beheben. Der eigentlich* Herrscher aber bleibt Frankreich, da es in dem übrigen Teil der Verwaltung die ausschlaggebende Macht besitzt.
. Es verlohnt sich wohl, die politische Situation tn Tanger auf Grund des Tangerstatuts nochmals kurz zu skizzieren. Das deutsch-französische Ma- rokko-Kongo-Abkommen hatte Frankreichs Stellung in Marokko vor dem Kriege außerordentlich gefestigt. Bezüglich Tangers kam es im Jahre 1912 3u einem französisch-spanischen Uebereinkommen. bet dem die Stadt mit einem gewissen Hinterland von dem übrigen Marokko abgetrennt wurde. Es sollte als internationales Gebiet gelten, das nach beionberen Gesetzen zu verwalten "fei. Da bamalf Italien freie Hand in Tripolis gelassen wurde, erklärte es sich in Tanger als nicht interessiert, Englands Wünsche waren insofern berücksichtigt Dorten, als eben Tanger weder französisch noch Jpanii»), sondern international werden sollte. Weitere Verhandlungen zwischen England, Frankreich und Spanien führten bann im Jahre 1923 zu dem Tangerstatut, bes am 1. Dezember 1925 in Kraft trat. Die Verwaltung wirb baburch von einem Parlament vorgenommen, besten Leiter ber Vertreter bes Sultans, ter „Menbub" ist. Diesem Verwaltungsrat gehören sechs mohammedanische unb drei jüdische Eingeborene an, ferner je vier Franzosen und Spanier, drei Engländer, je zwei Italiener und Amerikaner und je ein Holländer, Belgier und Portugiese. Nun aber haben die Italiener und die Amerikaner das Abkommen nicht unterzeichnet, so daß sie mit ihren Stimmen auch nicht vertreten sind. Damit ist der Einfluß der Franzosen gegenüber dem ber Spanier entsprechen!» überlegen. Der Menbub, also ber Vertreter bes nur nominellen souveränen Sultans wirb überbies von Frankreich gestellt. Dieser Po- '
Das Kreuz im Moor.
Roman von Fritz Sanger.
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Er preßte sie jauchzend an sich und kam ihrem leidenschaftlichen Begehren nach. Wie leblos hing sie an seinem Halse.
Endlich machte sie sich, nach Atem ringend, frei.
»Ich werde bald zurück fein, Klaus. Leb wohl indessen!"
Ohne vorher zu ihrem immer noch weinenden Kinde in die Kammer zu treten, eilte sie zur Tür, nachdem sie flüchtig ordnend in ihr Haar gegriffen und ein Tuch vorn Haken gerissen. Auf der Diele befahl sie einem Rechte mit herrischer Stimme das Anspannen. Und nach kurzer Zeit raffelte der leichte Korbwagen vom Hofe. Ge- Üne warf einen grüßenden Blick zurück und nickte Klaus, »er ihr, am Fenster stehend, nachsah, lächelnd zu, riick- !ehr und Glück verheißend. Sie lagen beide im Banne ihrer jäh erwachten Liebe und trachteten, nichts anderes nehr bedenkend, nach ihres heißen Sehnens Erfüllung. Ein kurzes Warten hinter entriegelten Türen noch. Danach das jauchzende Hindurchstürmen zu dem Wunder- zarten, auf dessen Wegen eitel Sonnenschein lag.
*
Die kleine Gesine hatte sich heiser geschrien. Wie zerrissen und zersprungen klang nun ihr Sümmchen und iahte einem, das Mitleid erweckend, weh ans Herz.
Klaus vermochte es nicht länger zu ertragen, diesem Weinen zuzuhören. Eine Viertelstunde lang hatte er Seine Hände gegen die Ohren gepreßt, um dem kläglichen Jammern den Eingang zu verschließen und sich <n feinem allmählich ruhiger werdenden Denken nicht frören zu lassen. Er war alle Ereignisse, die seit den letzten Abendstunden wie drängende," stürzende Wasser äber ihn dahingebraust, noch einmal durchgegangen und hatte bei den letzten am längsten geweilt. Sie ließen sich «cht so leicht abtun, denn sie mußten in ihrer Weiter- mtwicklung neue erzeugen.
Wenn nur das zerrissene Schreien nicht gewesen väre!
Sobald Klaus die Hände im grüblerischen Vergessen etunbenlang lüftete, drang es klagend an sein Ohr unb zerschnitt (eine Gedankenfaden.